Mehr Verantwortung, weniger Gehalt – Berlin fehlt es an Schulleitung|Foto: Pexels

Mehr Verantwortung, weniger Gehalt – Berlin fehlt es an Schulleitung

Berlins Schulen leiden immer öfter unter fehlendem Fachpersonal. Weniger Lehrer, noch weniger Schulleiter und viel zu wenige Stellvertreter sind vor allem an Berlins Grundschulen ein immenses Problem. Laut dem SPD Abgeordneten Joschka Langenbrinck sind an 36 Schulen die Positionen der Schulleitung unbesetzt – darunter 24 an Grundschulen. Wer denkt das seien hohe Zahlen, hat sich die ausbleibenden Stellen als Stellvertreter noch nicht angeschaut: Zurzeit fehlen 120 Konrektoren, 73 von ihnen an Grundschulen.

Woran kann es liegen, dass keiner mehr den Beruf des stellvertretenden Schulleiters ausüben will? Ein wesentliches Problem – vor allem an Berlins Grundschulen – ist der zu geringe Lohn. Im Vergleich zu einem „normalen“ Lehrergehalt, erhält der Konrektor nicht viel mehr Lohn. Während die Verantwortung steigt, scheint selbiges in Hinblick auf das Gehalt nicht zu gelten. Die Senatsverwaltung für Bildung ist allerdings bemüht dies zu ändern. Seit Anfang 2018 werden stellvertretende Schulleiter eine Gehaltsstufe höher angesiedelt.

Leitungspositionen in Schulen müssen wieder attraktiv werden

Viele Schulleiter und Vertreter beschwerten sich in der Vergangenheit über die wachsende Bürokratie und mangelnde Pädagogik, die mit der Leitungsposition einhergeht. Um den Beruf unabhängig von dem Gehalt wieder attraktiver zu machen, wurde bereits an 60 Berliner Schulen eine Verwaltungsleitung eingestellt. Rektoren und Konrektoren müssen sich in Zukunft weniger mit Bürokratie beschäftigen und können sich wieder mehr der pädagogischen Qualität widmen.

Auch das Bewerbungsverfahren soll schneller vonstattengehen. Eine Leitungsfunktion konnte bislang erst ausgeschrieben werden, wenn der Vorgänger die neue Stelle angetreten hatte. „Diese Vorgehensweise lässt Bildungssenatorin Scheeres derzeit ändern, indem wir Stellen für stellvertretende Schulleiterinnen und Schulleiter schon ausschreiben, obwohl die Stelleninhaber ihre neue Stelle noch nicht angetreten haben“, so Beate Schoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung.  Das Geschlecht spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle für das Ausbleiben der Bewerbungen. Der Anteil an Lehrerinnen überwiegt besonders an Grundschulen. Dadurch, dass mit einer Leitungsposition oft Stress und wenig Freizeit assoziiert wird, bewerben sich dementsprechend wenige Frauen für den Job. Um der Doppelbelastung durch Beruf und Familie gerecht zu werden, kann man auch als Schulleiterin in Teilzeit arbeiten. Die meisten wissen das aber nicht.

Wachdienst statt Konrektor

Das Paradebeispiel für eine missglückte stellvertretende Schulleitung ist wohl die Spreewald-Grundschule in Schöneberg. Seit 2014 wurde der Posten des stellvertretenden Schulleiters nicht mehr besetzt und das, obwohl die Stelle des Öfteren ausgeschrieben wurde. Auch die Tatsache, dass die Schulleitung seit  längerem um eine zusätzliche Sozialarbeiterin und Unterstützung bei der Festeinstellung des Konrektors gebeten hatte, schien die zuständigen Behörden wenig zu interessieren. Es wurde lediglich ab und an ein Lehrer für den Posten der stellvertretenden Schulleitung eingeteilt.

Generell leiden vor allem die Grundschulen in Brennpunkten unter fehlendem Schulpersonal. Doch genau da sind qualifizierte Fachkräfte besonders wichtig, um die Bildungsdefizite aus dem privaten Umfeld wieder auszugleichen. Dies kann aber nicht mit zu wenigem und dazu noch überfordertem Schulpersonal geschehen. Die Senatsverwaltung ist mit ihren Maßnahmen auf dem richtigen Weg, um die Posten in der Schulleitung nachhaltig attraktiv zu machen. (ls)

 

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