Lösung für Platzmangel in Berlin: Wohnen über Regenwasserbecken|Foto:Pexels

Lösung für Platzmangel in Berlin: Wohnen über Regenwasserbecken

Egal ob für Start-ups, Studenten oder Familien – Berlin hat zu wenig Wohnungs-Angebote für zu viel Nachfrage. Die aktuellen Bauvorhaben sind in Relation zu der stetig wachsenden Einwohnerzahl, immer noch zu wenig. Einer der bestrebt ist nach innovativen Lösungen zu forschen, ist Architekt Peter Deluse: „In Berlin gibt es in besten Lagen noch unerschlossene Flächen für den Wohnungsneubau Regenrückhaltebecken, wie sie an der Forckenbeckstraße in Wilmersdorf und an der Lilienthalstraße in Kreuzberg zu finden sind.“

Nachdem er eine Wohnungebäude über einem Discounter errichtet hat, nimmt er sich jetzt die Flächen der Regenwasserbecken vor. Die Becken sind mehrere 1.000 m² groß und können ganz einfach überbaut werden. In den Untergeschossen können Zisternen betoniert werden, um das Regenwasser aufzufangen. Wie bei dem Bau von Kellerräumen, soll für die Zisternen wasserundurchlässiger Beton verwendet werden. Auf den Zisternen kann man anschließend das Wohngebäude errichten.

Kreuzberg besitzt größtes Regenwasserbecken

Potenzielle Orte für das Projekt sind unter anderem die Forckenbeckstraße in Wilmersdorf. Laut Deluse könnten dort „Auf einer rund 9.000 Quadratmeter großen Zisterne sieben Gebäude mit bis zu sechs Obergeschossen errichtet werden. Sie würden Platz bieten für 100 Wohnungen.“ Auch in Steglitz-Zehlendorf können auf einer knapp 3.000 m² großen Zisterne 36 Wohnungen in drei Häusern entstehen.

Das größte Regenrückhaltebecken mit knapp 25.300 m² ist in Kreuzberg in der Lilienthalstraße zu finden. Davon könnten 20.000 m² Fläche für ein achtgeschossiges Gebäude genutzt werden. „Wir möchten die Wohnungen an beiden Standorten mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichten“, äußert sich Deluse. Die Aktiengesellschaft sieht einer Zusammenarbeit positiv entgegen. „Aufgrund der Bodenknappheit müssen wir jede Möglichkeit zur Realisierung von Wohnungsbau prüfen“, erklärt Michael Bolt, Mitarbeiter der Degewo.

Bleibt das Wohnen über Wasser nur ein Traum?

Ob eine Realisierung der Regenwasserbecken-Wohnungen zustande kommt ist fraglich. Die Flächen-Potenziale müsse man mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) prüfen. Diese werden dann jeweils mit den zuständigen Bezirken abgestimmt.  Auch Bebauungspläne müssen für den Erhalt eines Baurechts noch entworfen werden – bislang fungieren die Becken nicht als Bauareale. Auch von der Politik kommt laut Deluse wenig Unterstützung: „Wir arbeiten an manchen dieser Projekte bereits seit mehr als drei Jahren und haben zahlreiche Versuche unternommen, bei den politischen Verantwortlichen Unterstützung für unsere Idee zu bekommen. Davon kann aber leider gar keine Rede sein. Im Gegenteil: Wir haben eher den Eindruck, dass wir mit unseren Anregungen stören.“

Aufgeschlossener zeigt sich dagegen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –  allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Wasserbetriebe das Projekt unterstützen. „Das Bebauen von Regenbecken ist auf den ersten Blick eine tolle Sache. Es gibt ja auch etliche geschlossene Becken mit Nutzungen obendrauf“, so Stephan Natz, BWB-Sprecher. Die Gefahr bei dem Regenbecken liegt allerdings darin, dass das Wasser stark befahrener Straßen mit in das Becken fließt. Bei Unfällen könne demnach auch Öl und Benzin in das Wasser geraten. Um für genug Sicherheit zu sorgen, müsse die Überbauung einen Luftraum haben, der die Explosion zu verhindern vermag.

Die Idee des Neubauprojektes ist in der Theorie eine schöne Idee, für eine tatsächliche Umsetzung scheint es noch ein langer Weg zu sein. Generell muss man überprüfen, ob die Kosten und der Aufwand für den Flächenbau im Verhältnis zu den daraus resultierenden Wohnungen stehen. (ls)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.