Lieber Studium statt Ausbildung – In Berlin fehlen 120.000 Fachkräfte | Foto: Pixabay/geralt

Lieber Studium statt Ausbildung – In Berlin fehlen 120.000 Fachkräfte

Der wirtschaftliche Aufschwung in der Hauptstadt hält weiterhin an. So verzeichnet der Arbeitsmarkt positive Zahlen – immer weniger Menschen suchen einen Job. Den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge ist die Arbeitslosenquote sogar im Vergleich zum Vorjahr auf 6,8 Prozent gesunken. Darüber hinaus geht die Wirtschaftssenatorin, Ramona Pop, davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 3 Prozent wachsen wird.

Für Berlins Wirtschaft könnte es also nicht besser laufen, doch gibt einen Haken: Rund 120.000 Fachkräfte sollen in der Hauptstadt fehlen.

Trend zum Studium ist schuld am Fachkräftemangel

Heutzutage wollen immer mehr Abiturienten nach dem Schulabschluss studieren. Während laut der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) im Jahr 2005 noch 20.700 Menschen ein Studium begannen, ist die Zahl der Studienanfänger im vergangenen Jahr auf 36.000 angestiegen. Unterdessen nahm die Zahl der Menschen, die eine Berufsausbildung vorziehen, von 20.000 auf 16.000 ab.

Der Trend zum Studium hat für die Wirtschaft fatale Folgen. Denn Unternehmen können heute in Berlin 7,7 Prozent ihrer offenen Stellen nicht besetzen. Der Fachkräftemangel belastet vor allem die Angestellten. Sie müssen doppelt so viel arbeiten und gar Überstunden leisten. Denn weniger Fachkräfte heißt mehr Arbeit. „Das Risiko des Leistungsverlusts für Berlin nimmt zu“, so Constantin Terton, Bereichsleiter für Fachkräfte & Innovation bei der IHK Berlin.

2030 sollen bis zu 235.000 Fachkräfte fehlen

Den Angaben der IHK Berlin zufolge, besteht der größte Fachkräftebedarf im Dienstleistungssektor. Demnach können Berliner Unternehmen derzeit 23.000 Stellen im Bereich Büro nicht besetzen. Im Personalwesen hingegen sind es 9.600 offene Stellen. Vor allem im Gesundheitswesen ist der Bedarf an Pflegepersonal hoch. Derzeit fehlen mehr als 3.000 Pflegekräfte. In diesem Hinblick hat die Gesundheitssenatorin Dilek Kolat bereits die Bundesregierung dazu aufgefordert, zu handeln.

 

Im Bereich Büro sind bis zu 23.000 Stellen unbesetzt | Foto: pexels/Marc Müller

Im Bereich Büro sind bis zu 23.000 Stellen unbesetzt | Foto: pexels/Marc Müller

 

Die IHK geht sogar davon aus, dass bis zum Jahr 2030 rund 32.000 Mitarbeiter in der Gesundheitsbranche fehlen werden, wenn nichts unternommen wird. Weiterhin prognostiziert die Handelskammer, dass in zwölf Jahren rund 235.000 Stellen, wegen des Fachkräftemangels unbesetzt sein werden – fast doppelt so viele wie heute.

Unternehmen setzen nun auf Studienabbrecher

Aufgrund dessen, dass immer mehr junge Menschen studieren wollen, setzen die Unternehmen nun auf Studienabbrecher, um ihre offenen Stellen zu füllen. „Wir beobachten, dass die Zahl der Unternehmen, die sich gezielt um Studienaussteiger bemühen, in den vergangenen Jahren zugenommen hat“, sagt Thilo Pahl, IHK-Geschäftsführer für Bildung und Beruf. So beginnt etwa ein Drittel der Studienabbrecher eine duale Ausbildung.

Überdies suchen immer mehr Unternehmen ausländische Fachkräfte. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland von 2012 bis 2017 um 2,88 Millionen gestiegen – darunter waren 1,28 Millionen Ausländer. Davon stammen knapp 890.000 Menschen aus der EU und 390.000 waren Drittstaatenangehörige.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken bedarf es aber auch Maßnahmen seitens der Unternehmer. So sind vor allem ein ausreichendes Ausbildungsplatzangebot sowie eine attraktive Ausbildungsvergütung Möglichkeiten, um mehr Fachkräfte an Land zu ziehen. (dn)

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