Einem Leihradanbieter folgt der nächste: Ofo zieht sich aus Berlin zurück | Foto: pixabay.com

Leihradanbieter konkurrieren in der Hauptstadt: Ofo zieht sich aus Berlin zurück

Gerade erst hat der Bikesharing-Anbieter oBike aus Singapur Insolvenz angemeldet, nun zieht sich auch schon der nächste Anbieter zurück. Der chinesische Anbieter Ofo lässt allerdings verlauten, dass eine Rückkehr nach Deutschland nicht ausgeschlossen sei.

Von nextbike, über Lidl-Bike bis hin zu Limebike – Die Liste der Bikesharing-Anbieter ist lang. Dementsprechend groß ist auch die Konkurrenz. Mittlerweile stehen in der Hauptstadt mehr als 14.000 Leihfahrräder an verschiedensten Orten.

Bikesharing-Boom in Asien

Ofo, der weltweit größte Leihfahrradanbieter aus China, wurde 2014 in Peking gegründet. Das erste Leihradsystem startete der Konzern Mitte 2015 mit 2.000 Fahrrädern in der chinesischen Hauptstadt. Inzwischen ist Ofo mit seinen gelben Fahrrädern weltweit in 13 Ländern und über 180 Städten vertreten. Erst im April dieses Jahres weitete das chinesische Unternehmen sein Angebot auch nach Berlin aus. Gestartet wurde mit insgesamt 2.000 Rädern in den Bezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg.

Während Berlin gerade mal 14.000 Leihfahrräder zählt, sind es in Peking schon 2,3 Millionen. Insgesamt 15 verschiedene Anbieter liefern sich dort einen Kampf um Wettbewerbsanteile. Um jedoch weiter expandieren zu können, drängen immer mehr asiatische Bikesharing-Firmen auf den deutschen Markt.

 

2015 startete Ofo sein Verleihsystem mit 2.000 Fahrräder in Peking | Foto: pexels.com

 

Ofo zieht sich nach dreimonatiger Testphase zurück

Nachdem Ofo zuvor seinen Rückzug aus Australien und Wien bekannt gab, will sich der Konzern nach einer dreimonatigen Testphase in Berlin auch vom deutschen Markt vorläufig verabschieden. „Es handelt sich hierbei um eine strategische Entscheidung, welche auf der jeweiligen Marktleistung basiert“, teilte das Unternehmen mit. Nach eigenen Angaben hatte Ofo rund 3.000 Fahrräder auf den Berliner Straßen aufgestellt. Ursprünglich wollte das Start-up sogar 10.000 Fahrräder in der deutschen Hauptstadt verteilen.

Im Gegensatz zu oBike, die nicht mehr erreichbar sind und deren Fahrräder nun herrenlos in vielen Städten herumliegen, kündigte Ofo an, Berlin „in den kommenden Wochen verantwortungsvoll verlassen“ zu wollen.

 

Die Konkurrenz war zu groß. Ursprünglich wollte Ofo 10.000 Fahrräder in Belrin aufstellen | Foto: Wikimedia Commons/Nick-D

 

Berlin wird mit Leihrädern überflutet

Ein Überfluss an Firmen bietet ihre Leihräder in der Hauptstadt an, sodass man inzwischen die Qual der Wahl hat – Unterschiede gibt es kaum. Für Bikesharing-Anbieter wird es nun auch hierzulande, ähnlich wie in Asien,  immer schwieriger sich durchzusetzen. „Um einen solchen Sharing-Dienst anzubieten, muss man erst eine große Menge an Bikes auf den Markt bringen“, erklärt Mobilitätsexperte Andreas Nienhaus vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman. Nur so wird sichergestellt, dass Bürger auf die Fahrräder aufmerksam werden und der Konzern nicht in der Masse untergeht.

Allerdings wird der Aufwand, die Räder in gutem Zustand zu erhalten, dementsprechend auch größer. Denn immer wieder werden sie auf Gehwegen und vor Einfahrten vernachlässigt liegengelassen und Opfer von Vandalismus. Beschwerden von Passanten gibt es dementsprechend viele. Das Bikesharing-System ist zwar eine umweltbewusste und klimafreundliche Alternative zum Autoverkehr, doch die Fahrräder werden zunehmend zu Verkehrshindernissen. Abhilfe könnten hier stationsgebundene Systeme schaffen – diese sind wiederum für den Nutzer ein Hindernis. Denn bis der Nutzer das Fahrrad an einer festen Station zurückgibt, ist er für alle Schäden oder Verluste verantwortlich. Zwar ist ein stationsloses Verleihsystem für den Radfahrer komfortabler, da er es auf dem Weg einfach abstellen kann, ohne bis zur nächsten Station fahren zu müssen, allerdings würden stationsgebundene Systeme für mehr Ordnung in der Stadt sorgen. (dn)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.