Kostenlosen Nahverkehr als Maßnahme zur Luftverbesserung | Foto: Pixabay

Politik erwägt kostenlosen Nahverkehr als Maßnahme zur Luftverbesserung

Um den Kohlendioxidgehalt in Berlin und anderen Großstädten zu verbessern, spielt die Politik mit dem Gedanken, den Nahverkehr kostenlos zur Verfügung zu stellen. Was für die Passagiere eine Sensation ist, kann für die Kommunen in einer finanziellen Katastrophe enden.

Es ist nur menschlich, das es uns leichter fällt, auf gewisse Dinge zu verzichten, wenn wir dafür etwas Anderes bekommen. Daher wäre es politisch ein kluger Schachzug, den Bürgern einen kostenlosen Nahverkehr anzubieten, statt zum Beispiel ein Fahrverbot für PKWs auszuhändigen.

Der Druck kommt aus der EU-Kommission

Wirklich überraschend ist der radikale Ansatz eines kostenlosen Nahverkehrs nicht. Insbesondere in Berlin kämpft man schon seit langem mit einer mangelhaften Luftqualität – bisher erfolglos. Da die EU-Kommission mittels eines angekündigten Gerichtsverfahrens Druck auf die Regierung ausübt, ist diese gezwungen extreme Maßnahmen einzuleiten.

Für die Erwägung sprechen viele gute Gründe:

  • Je mehr Menschen mit Bus und Bahn, statt mit dem Auto fahren, desto besser wird die Luftqualität in den Städten. Jeder der ein paar Sommertage in einer Großstadt verbracht hat, kann bestätigen, dass die Autoabgase das Grundgerüst der schlechten Luft in den Städten ist. Dass die Versprechen der Autoindustrie bezüglich einer verbesserten Umwelt nichts als heiße Luft war, macht die Dieselaffäre mehr als deutlich.
  • Der Energieverbrauch einer Autofahrt ist bei gleicher Strecke doppelt so hoch wie der des öffentlichen Nahverkehrs. Das zeigen die Berechnungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Aktuelle Zahlen belegen zudem, dass durch den öffentlichen Nahverkehr täglich rund 20 Millionen Autofahrten eingespart werden.
  • Die Hemmschwelle den Nahverkehr zu nutzen, auch spontan, würde sowohl für Reiche als auch für Arme sinken. In einer Art sozialen Mobilität könnten sich verschiedene Bevölkerungsgruppen besser durchmischen und Vorurteile abgebaut werden.

Finanzierung bleibt die größte Hürde

Die Worte kostenlos und Nahverkehr, gehen einher mit den Worten Überfüllung und Warteschlangen. Auch Alexander Kirchner, Vorsitzender der Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG) äußert seine Bedenken. Verspätung, Überfüllung und Zugausfälle sind jetzt schon ein Problem. „Das ermuntert niemanden, das Auto stehen zu lassen, selbst wenn die Fahrt mit dem Nahverkehr nichts kostet“, so Kirchner. Neben dem Komfortproblem ist vor allem die Frage nach der Finanzierung noch nicht geklärt.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat sich mit dieser Frage ebenfalls bereits beschäftigt. „Die Kommunen und Verkehrsbetriebe können es jedenfalls nicht bezahlen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Auch die Grünen geizen nicht an Kritik und werfen der Bundesregierung Aktionismus vor – „die große Koalition sei beim öffentlichen Verkehr in den Städten seit Jahren weitgehend untätig“ so Fraktionsvize Oliver Krischer.

Die Theorie des kostenlosen Nahverkehrs für eine bessere Luftqualität klingt gut, wie und ob es überhaupt praktisch Umsetzbar ist, scheint noch unklar. (red)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.