Kosten für Bauland in Berlin explodieren | Foto: pixabay.com

Kosten für Bauland in Berlin explodieren

Wer in Berlin bauen möchte, muss einiges an Grundstückskosten einplanen. Laut Angaben des statistischen Bundesamtes ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis in Berlin um 77% gestiegen. 2016 mussten Investoren im Schnitt 393 Euro pro Quadratmeter Bauland zahlen – im letzten Jahr stieg der durchschnittliche Quadratmeterpreis auf satte 695 Euro.

Als Folge steigerten sich auch die Erlöse aus den Grundstücksverkäufen in Berlin um 26%. Bei den Grundstücken selbst verhielt es sich jedoch gegensätzlich. Die Anzahl an verkauften Grundstücken reduzierte sich um 155. Ebenso die verkaufte Fläche: 2016 wurden noch 2,4 Millionen Quadratmeter Bauland verkauft, 2017 hingegen nur noch 1,7 Millionen Quadratmeter. Diese Zahlen sind ein Indiz für sich verknappende Ressourcen auf dem Immobilienmarkt.

Es wird mehr Bauland in Randbezirken verkauft

Die verschiedenen Bezirke fallen in der Gesamtbetrachtung ganz unterschiedlich ins Gewicht. Während in Spandau die Kosten für einen Quadratmeter Bauland 2017 bei durchschnittlich 247 Euro lagen, zahlten Käufer in Friedrichshain-Kreuzberg fast 4900 Euro. Es scheint daher nicht verwunderlich, dass weniger als zwei Prozent der Verkäufe auf letzteren Bezirk entfielen. Das Landesamt für Statistik teilte jedoch mit, dass die hohen Kosten in dem Szenebezirk durch einen nicht näher definierten „Ausreißer“ zustande kamen.

Doch auch ohne den „Ausreißer“ lässt sich ein klarer Trend erkennen – und der geht in die Randbezirke. Die meisten Grundstücke wurden 2017 in Marzahn-Hellersdorf verkauft, gefolgt von Pankow, Treptow-Köpenick und Spandau. Was jedoch in der Statistik nicht auftaucht, sind die Charakteristika der Bezirke. In den Randbezirken sind beispielsweise wesentlich mehr freie Flächen verfügbar als innerhalb des Rings. Dazu kommen vielschichtige Unterschiede im Baurecht und den Zielgruppen der Bezirke. Viel. Ein rein statistischer Vergleich der Bezirke ist daher nur begrenzt aussagekräftig.

Grundstückskosten gefährden Projekte des Senats

Vor allem für die ehrgeizigen Ziele des Senats könnten die Grundstückspreise zum Problem werden. Die rot-rot-grüne Regierung hat sich vorgenommen, in dieser Legislaturperiode 30.000 neue Wohnungen zu bauen. Die Miete dieser Wohnungen soll zehn Euro je Quadratmeter nicht übersteigen. Sollten die landeseigenen Unternehmen für die Realisierung der Projekte jedoch Bauland ankaufen müssen, könnten diese Ziele gefährdet sein. „Als landeseigene Gesellschaft haben wir den Auftrag, bezahlbaren Wohnraum herzustellen“, bestätigte Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Howoge. „Die aktuelle Marktsituation macht es uns jedoch immer schwerer.“

Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung, erläuterte, dass der Erwerb von Grundstücken durch private Investoren unproblematisch sei, solange eine zügige Bebauung stattfinde. „Leider ist das aber häufig nicht der Fall, und hinter dem Erwerb steht vor allem die Erwartung an einen höheren Gewinn“, betonte die Senatorin. Auch bei den anderen Parteien herrscht Konsens über eine erwünschte zügige Bebauung. Dennoch dürfe der Senat nicht der Ausbau der Infrastruktur vor Ort vergessen , fordert der baupolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff. „Das macht mehr Sinn, als unangemessen teure Immobilienankäufe in der Innenstadt durchzupeitschen.“

Senat fordert eine Spekulationspreisbremse

Um der Preissteigerung entgegenzusteuern, fordert der Senat eine Spekulationsbremse. Doch da das Land im Steuerrecht keine ausreichende Befugnis habe, müsse der Bund die Spekulation stärker regulieren, findet Senatorin Lompscher. „Berlin hat den Verkauf zum Höchstpreis längst eingestellt, der Bund muss endlich nachziehen“, so die Senatorin.

Als zusätzlichen Lösungsansatz auf Landesebene fordert die Vorsitzende des Verbands Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU), Maren Kern, die Politik auf, „ernst zu machen mit einer aktiven Liegenschaftspolitik“. Sie sieht die Bebauung großer Eigentumsflächen, wie beispielsweise des Tempelhofer Felds oder der Elisabethaue, als Lösung für die Wohnungsnot. Das Ziel sei, „dass gemeinwohlorientierte Bauherren vergünstigtes Land für den Bau bezahlbarer Mietwohnungen bekommen.“ Bei diesen Flächen müsste sich der Senat jedoch gegen Anwohnerproteste und Bürgerinitiativen durchsetzen. (ke)

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