Lufthansa-Chef macht sich für den Weiterbetrieb von Tegel stark

Kehrtwende im Berliner Luftverkehr: Lufthansa-Chef macht sich für Tegel stark

Zum traditionellen Neujahrkonzert der Lufthansa waren auch in diesem Jahr wieder Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Diplomatie sowie Stammkunden geladen. Doch während seiner Rede überraschte Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, mit seinem Plädoyer für Tegel – und bekam dafür viel Beifall.

Überraschendes Statement der Lufthansa zum Weiterbetrieb in Tegel

Stetig wachse der weltweite Luftverkehr, was bereits heute zu erheblichen Kapazitätsengpässen in der operativen Betriebsführung in Europa geführt habe, so der Lufthansa-Chef. Weiter spricht er davon, dass es bei diesem Problem nicht verwunderlich wäre, dass „inzwischen unsere Kunden und viele in der Öffentlichkeit zu Recht von allen Beteiligten erwarten, dass wir die Frage der Offenhaltung von Tegel mit Blick auf die aktuelle Entwicklung des Luftverkehrs neu bewerten.“

Für viele Experten aus der Luftfahrt kam Spohrs Aussage sehr überraschend. Plädierten die Lufthansa-Vertreter doch lange Zeit für den Betrieb von nur einem Hauptstadtflughafen. Noch vor zwei Jahren hatte der damalige Cheflobbyist der Lufthansa, Thomas Kropp, sogar vor dem Betrieb mehrerer Flughäfen gewarnt. Nur mit einem Single-Airport wäre ein ausreichendes Passagieraufkommen für einen wirtschaftlichen Betrieb des Flughafens zu erreichen.

BER als Single-Flughafen – unmöglich?

Doch nun scheinen auch bei der Lufthansa Zweifel aufzukommen, ob der neue BER ausreichend Kapazitäten bieten wird. 2018 sind in Tegel und Schönefeld insgesamt 34,7 Millionen Passagiere gestartet. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies knapp 1,4 Millionen Fluggäste mehr. Eine Zahl für die der BER nicht ausreichend Möglichkeiten zur Abfertigung bieten würde. Ein weiterer wichtiger Faktor: Eröffnet der BER tatsächlich 2020, wird die britische Airline Easyjet wichtigster Kunde sein und nicht die Lufthansa

Gleichzeitig beklagte Spohr die unhaltbaren Zustände am Tegeler Flughafen. Veraltete Technik und personelle Probleme würden dringend Investitionen nötig machen.

Neuer Aufwind für die Tegel-Befürworter – Ärger bei den Gegnern

Das Statement des Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa wirbelt in der Debatte um den Flughafen Berlin-Tegel „Otto Lilienthal“ neuen Staub auf. Befürworter für den Weiterbetrieb des TXL sehen sich bestätigt: „Die Flexibilität, mit der Lufthansa-Chef Spohr Tegel bewertet, sollte Schule machen“, so der Berliner Landesvorsitzende der FDP, Christoph Meyer. Bei der rot-rot-grünen Regierung sorgte die Forderung für Ablehnung. Der Weiterbetrieb sei rechtlich, wirtschaftlich und umweltpolitisch fragwürdig, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Jörg Stroedter. (aw)

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