Innovationscampus: Einigung erzielt - vorerst | Foto: pixabay.com

Innovationscampus: Einigung erzielt – vorerst

Ein neuer Innovationscampus des Konzerns Siemens könnte dem Land Berlin zufallen, oder weltweit ausgeschrieben werden. Es geht um eine Investition von 600 Millionen Euro. Der Kampf um das Millionenprojekt geht weiter: Am Donnerstag gingen die entsprechenden Verhandlungen in die nächste Runde. Das Land Berlin hofft, ohne eine allgemeine, internationale Ausschreibung das Projekt an Land ziehen zu können. Hingegen Siemens fordert für sein Entgegenkommen Zugeständnisse des Senats.

Wie solche Zugeständnisse aussehen könnten, darüber einigten sich die Verhandlungsparteien im sogenannten „Konzept- und Eckpunktepapier für den Standort Berlin.“ Allerdings ist dessen Inhalt vertraulich. Berlins großer Vorteil ist die bereits vorhandene, geschichtsträchtige Siemensstadt. Sie müsste lediglich umgebaut und modernisiert werden. Denn schon seit 170 Jahren ist der Konzern in der Hauptstadt tätig. Daher hält Cedrik Neike, Siemens-Digitalisierungsvorstandschef, die Siemensstadt für eine „tragfähige Grundlage für unser Konzept.“

Wirtschaftsstandort Berlin

Die Berliner Politik sieht das ähnlich. Eine Neuerrichtung der Siemensstadt könnte ein wichtiger Meilenstein für die Berliner Wirtschaft sein. Von einem „Ankerpunkt“ sprach sogar Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), der notwendig sei, um die „Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Berlin international zu stärken und zu sichern.“ Zuspruch findet die Einschätzung Müllers auch von seiner Koalitionspartnerin, Ramona Pop (Grüne), Senatorin für Wirtschaft und Energie. „Wir wollen den Innovationscampus auf den Weg bringen, ein zukunftsweisendes Projekt für Siemens, die Siemensstadt und ganz Berlin“, sagte Pop.

Siemens erwägt, in Spandau einen Campus für Innovation und Entwicklung einzurichten. Für Berlin spricht der Status als Start-up-Metropole und Universitätsstadt, denn das bietet den Nährboden für zukünftige Innovation. Zudem ist Berlin als Hauptstadt ein Fenster zur Welt, was das international agierende Unternehmen Siemens für lukrative neue Aufträge nutzen könnte. Darüber hinaus bietet die Siemensstadt wortwörtlich Platz für Innovationen: Auf knapp 950.000 Quadratmetern können nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch dringend benötigte Wohnfläche geschaffen werden.

Verhandlungen über Innovationscampus stocken

Knackpunkt der stockenden Verhandlungen ist der Denkmalschutz. Viele Gebäude der Siemensstadt, wie das Umspannwerk, stammen noch aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Daher gestaltet es sich ihre Sanierung als schwierig. Immerhin herrscht Einigkeit zwischen dem Senat und Konzern darüber, wie der zukünftige Campus aussehen soll. Berichten des Tagesspiegels zufolge sollen sogar die alten Fassaden erhalten, dahinter aber moderne Innovation Labs errichtet werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Verkehrsanbindung des Innovationscampus. Zwar ist eine S-Bahntrasse vorhanden; diese liegt allerdings seit 1980 still. Sie wieder aufzubauen wäre sehr zeit- und kostenintensiv, aber möglich. Außerdem würde der Wiederaufbau der Siemensbahn noch einen weiteren Vorteil mit sich bringen: Nur wenige Kilometer von der Siemensstadt entfernt entstehen derzeit am Waterkant in Spandau tausende Wohnungen. Auch diese benötigen einen Zugang zum Nahverkehr. Die Lösung für zukünftige Infrastrukturprobleme könnte die Siemensbahn sein.

Entscheidung steht noch aus

Noch ist ungewiss, ob Berlin die Zusage für das Projekt erhält. Bereits am Donnerstag sprach Siemens-Manager Neike von einem großen Interesse an einem Innovationscampus aus dem In- und Ausland. Doch mit den gegenwärtigen Zugeständnissen stehen die Chancen gut, dass der Innovationscampus nach Berlin kommt. „Wir werden jetzt zeitnah alle Optionen im Vorstand prüfen und zügig eine Entscheidung treffen, um die nächsten Schritte einzuleiten“, versprach Neike. Da beide Seiten mit Hochdruck an einer Lösung arbeiten, könnte schon bald eine Wahl feststehen. (ke)

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