Die neuen Wagen der Baureihe 483 und 484 | Foto: Volkmar Otto/Messe Berlin GmbH

InnoTrans 2018: Die Zukunft des Schienenverkehrs

Unter dem Berliner Funkturm findet derzeit die InnoTrans 2018, die internationale Leitmesse für Verkehrstechnik, statt. Insgesamt 3.000 Aussteller präsentieren auf der weltweit führenden Bahnmesse ihre neusten Innovationen und Produkte rund um den Schienenverkehr. Bis einschließlich Freitag kann das Fachpublikum die Messe besuchen, danach ist das Gelände bis zum Sonntag allen Bahnfans zugänglich. Unter dem Motto „Zukunft der Mobilität“ stehen vor allem die Digitalisierung und neuartige Technologien wie autonomes Fahren im Mittelpunkt der Messe.

Aber auch Themen wie Energieeffizienz und Umweltschutz sowie vorausschauende Wartung rücken vermehrt in den Fokus der führenden Bahnmesse. Neue Möglichkeiten, durch die Digitalisierung bedingt, vereinfachen zahlreiche Abläufe und Prozesse im Bahnwesen. Diese innovativen Ansätze sorgen so für neue Lösungen von altbekannten Problemen wie mangelnder Kundeninformation. Darüber tauschen sich zahlreiche internationale Fachexperten auf der Messe aus. Aussteller wie das Forschungsunternehmen Terreplane Technologies aus Columbia/USA, die französischen Schienenexperten Ateliers d’Occitanie oder auch CN-Consult aus Mittenaar in Hessen zeigen, wie die Zukunft der Schiene aussehen kann.

Sauberer, leiser, effizienter und inklusiver

Allzu passend, dass bei solch einem Kaleidoskop an Ausstellern auch die Ansprache durch die supranationale EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc erfolgte. Sie stellte im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung den Besuchern neueste Daten einer EU-weiten Umfrage vor. Laut dieser fahren 80 Prozent der EU-Bürger mindestens einmal im Jahr mit dem Zug, was die Relevanz des Schienenverkehrs als Verkehrsmittel verdeutlicht. Dennoch nutzen nur fünf Prozent die Bahn als tägliches Fortbewegungsmittel. Grund hierfür sind häufige Verspätungen sowie mangelhafter Umgang mit Kundenbeschwerden. „Da gibt es für Sie noch viel Arbeit zu tun“, richtete sich die EU-Kommissarin an die Fachgäste der Veranstaltung. „Die Branche muss sauberer, leiser, effizienter und inklusiver werden“.

Am Punkt „Sauberkeit“ arbeitet die Deutsche Bahn bereits. Ihr erklärtes Ziel ist es, 50 Prozent der CO2-Emmissionen bis 2030 einzusparen. Schon zum jetzigen Zeitpunkt setzt die Bahn im Fernverkehr auf 100 Prozent Ökostrom, bis 2050 möchte der Konzern komplett CO2-frei agieren. Allgemein gibt es in Deutschland ein komplexes und umfassendes Schienennetz. Für dessen Ausbau sei die Finanzausstattung bereits gegeben, betonte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf der Messe. Der Bund stellt für den Ausbau der Infrastruktur  bis 2030 eine Summe von rund 270 Millionen Euro zur Verfügung. Was löblich ist, da die Bahn eine klimafreundliche Alternative zum motorisierten Verkehr darstellt. Dennoch liegt der Anteil des Transports auf der Schiene beim Güterverkehr nur bei 18 Prozent und beim Personenverkehr lediglich bei knapp 10 Prozent. Daher muss die Politik Anreize schaffen, um den Zugverkehr attraktiver zu gestalten. Einige Ansätze sind bereits jetzt auf der InnoTrans 2018 zu sehen.

Berlin-Brandenburg auf der InnoTrans

Vor allem in Berlin ist die Notwendigkeit eines gut funktionierenden Personennahverkehrs klar ersichtlich. So konnten die Berliner Verkehrsgetriebe (BVG) in den vergangenen Jahren ein stetiges Wachstum der Fahrgastzahl verzeichnen –  2017 um ganze 1,9 Prozent. Kaum verwunderlich also, dass die Region Berlin-Brandenburg auf der InnoTrans mit einem großen Stand vertreten ist. Auf über 1.000 Quadratmetern präsentieren fast 70 Aussteller die neuen Entwicklungen im Schienenverkehr der Hauptstadtregion. Highlight ist hier die Präsentation der neuen S-Bahn-Züge von Siemens/Stadler. Die Züge, die ab 2021 auf den Gleisen unterwegs sein sollen, sind mit neuen Anzeigetafeln und traditionellem rot-gelben Anstrich schon jetzt ein Hingucker auf der Messe.

Auch in Potsdam betrachtet man Neuerungen im Nahverkehr: Beispielsweise testet Siemens im Rahmen der Industriemesse autonome Straßenbahnen. Ohne Passagiere, aber mit einem Fahrer, der bei Problemen eingreifen kann, fährt die Tram über einen sechs Kilometer langen Streckenabschnitt. Mit Sensoren und Rechnern ausgestattet soll die Bahn Hindernisse selbstständig erkennen und automatisch bremsen und beschleunigen. Bisher habe es keine Probleme gegeben, erklärten die Potsdamer Verkehrsbetriebe. Autonome Trams sind aber nur eine von insgesamt 146 Weltpremieren, die Messechef Christian Göke für die InnoTrans ankündigte. (ke)

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