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Hotelbranche in Existenznöten: ZIA entwickelt Rettungskonzept
Noch sind die Hotels leer. Lange können sie den Zustandt nicht überleben - zur Rettung der Hotelbranche stellte der ZIA ein erstes Konzept vor | Foto: Indigo Hotel Berlin Kurfürstendamm-Charlottenburg auf Pixabay

Hotelbranche in Existenznöten: ZIA entwickelt Rettungskonzept

26. April 2020

Für die Hotellerie sind die Folgen der Corona-Krise schon jetzt dramatisch. Noch gibt es jedoch keine Perspektive, wann die Betriebe aus dem Lockdown kommen. Der zentrale Immobilien Ausschuss ZIA stellt nun erste Ideen vor, wie der Staat das Hotelgewerbe vor zahlreichen Insolvenzen bewahren könnte.

„Die Hotelbranche darf nicht im Stich gelassen werden“

Normalerweise ist der Frühling die Zeit im Jahr, in der man voller Vorfreude Urlaubsportale durchstöbert, um das beste Angebot für den Sommer zu finden. Doch dieses Jahr ist alles anders. Hotels bleiben leer oder sind sogar komplett geschlossen. Die Umsätze der Tourismusbranche gehen derzeit gegen null und nach gewinnbringenden Sommermonaten sieht es auch nicht aus. Alles wegen Corona. Reisebeschränkungen – die Grenze zu vielen Ländern können derzeit nur mit triftigem Grund überschritten werden – sowie ein Verbot touristische Übernachtungen anzubieten, machen Urlaub zurzeit unmöglich. Hinzu kommt, dass zahlreiche Arbeitnehmer aus verschiedensten Branchen mit einem geringeren Gehalt rechnen müssen und daher ihren Jahresurlaub streichen. Folglich wird die Hotellerie auch dann deutlich weniger Umsatz machen, wenn die Herbergen wieder Touristen empfangen dürfen. Dabei ist die Generierung von Umsatz dringend notwendig, da laut des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) schon jetzt etwa ein Drittel aller Betriebe vor der Insolvenz stehen.

Unter den Verlusten der Hotels leiden nicht nur die Betreiber und ihre Mitarbeiter. Auch Vermieter und etwaige Anleger sind betroffen. Zudem ist die Hotellerie auch ein wichtiger Teil der Immobilienbranche. Deswegen sieht sich der ZIA in der Verantwortung, das Gewerbe zu unterstützen. „Die Hotelbranche darf nicht im Stich gelassen werden“, mahnte ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner. Entscheidend ist, dass auch Vertreter der Immobilienbranche in der Politik Gehör finden und. „Nur, wenn wir alle gemeinsam an einem Tisch sitzen und die Perspektive des Marktes ausreichend abgebildet wird, können vernünftige und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen erarbeitet werden.“

Das Hotelgewerbe ist bereit für Abstandsregeln und Hygienevorschriften

Der ZIA erarbeitete bereits erste Vorschläge, die das Überleben der Hotellerie sichern sollen. Staatliche Fördergelder allein reichen nicht aus, um drohende Insolvenzen zu verhindern. Der Immobilienausschuss fordert eine klare zeitliche Perspektive für die Branche: wann können sie ihre Hotels wieder für Touristen öffnen und unter welchen Bedingungen?

Selbstverständlich hat die Gesundheit der Menschen weiterhin absoluten Vorrang. Aber auch hierfür ist bereits gesorgt. Pläne, wie „Social Distancing“ funktionieren könne, liegen laut Dieter Müller, Gründer und CEO von Motel One, flächendeckend vor. „Auch und gerade im Hotelbereich sind strenge Hygienevorschriften nicht erst seit Corona an der Tagesordnung“, erklärte Müller. „Maßnahmen wie Zugangsbeschränkungen zur Lobby und den Restaurants oder die nochmals verstärkte Anwendung regelmäßiger Grundreinigungen können problemlos in die Tat umgesetzt werden. Die Gesundheit der Menschen hat dabei oberste Priorität, aber die Möglichkeiten, wie die Hotelbranche diese gewährleistet und gleichzeitig ihren Betrieb auf verantwortungsvolle Weise wiederaufnehmen kann, sind da.“

Kurzarbeitergeld staffeln und Liquidität aufrechterhalten

Um einen Arbeitskräftemangel nach der Krise zu verhindern, beschloss die Bundesregierung bereits die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. Die ZIA empfiehlt, dass man eine Staffelung nach Einkommensgruppe vornimmt. Je nach Gehalt bekommt der Arbeitnehmer 80, 85 oder 90 Prozent seines eigentlichen Verdienstes ausgezahlt. Das Modell soll verhindern, dass nach der Krise ein Arbeitskräftemangel in der Hotellerie herrscht, da die Mitarbeiter auf andere Branchen ausweichen mussten.

Zusätzlich muss für ausreichend Liquidität gesorgt werden. Die Ausweitung der KfW-Kredite sowie steuerliche Maßnahmen könnten die Hotelbetriebe entlasten. Laut dem ZIA wären die Aufstockung von Geldpaketen und Bürgschaften sinnvoll. Zudem müssten Kredite auch dort ankommen, wo der Geldfluss derzeit stockt. Das seien in dem Fall der Immobilienwirtschaft die Unternehmen, die Hotelimmobilien verwalten. Der ZIA schlägt vor, dass die KfW-Programme auch Objektgesellschaften erfassen sollten. (aak)