Die Grundsteinlegung des Carré Sama-Riga, einer traditionell für die beteiligten Gewerke gedachten Veranstaltung, mobilisierte eine kleine Aktionsgruppe. | Foto: BERLINboxx

Zeremonie mit besonderer Beschallung: Grundsteinlegung im Carré Sama-Riga

Unterschiedlicher könnten die Szenen nicht sein: Vor dem Bauzaun klappern selbsternannte Bürgeraktivisten mit Kochlöffeln auf Töpfen, hinter dem Bauzaun die fleißigen Bauarbeiter mit Messern und Gabeln beim festlichen Buffett. Bei der Grundsteinlegung des Carré Sama-Riga am letzten Freitag, einer Veranstaltung, die traditionell für die beteiligten Gewerke gedacht ist, protestierte eine kleine Aktionsgruppe mit „XXL Scheppern“ gegen das Bauvorhaben der CG Gruppe in der Rigaer Straße. Die direkt gegenüber bauende KW-Development GmbH wird von den Aktivisten hingegen ignoriert. Rückfragen dazu werden auch nicht beantwortet. Fast scheint es, als wüssten die Aktivisten tatsächlich nicht, dass hier zwei Bauherren neue Wohnungen bauen. Und natürlich entspricht Christoph Gröner als Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe AG, der sich zuletzt in einer großen Doku öffentlich präsentierte, auf den ersten Blick ideal dem kapitalistischen Feindbild.

Dabei scheint für das Carré Sama-Riga die extreme Ablehnung unbegründet. Eine Brache wird mit Wohnungen bebaut, ein altes Gebäude aus den 1890er Jahren, welches nicht unter Denkmalschutz steht, wird freiwillig saniert. Insgesamt entstehen in Alt- und Neubau über 130 Wohnungen mit Kaltmieten zwischen 11 und 13 Euro pro Quadratmeter sowie kleinere Gewerbeeinheiten. Keine Luxuswohnungen oder Eigentums-Penthäuser. Keine Entmietung und kein Abriss haben hier stattgefunden. Für die Grundsteinlegung wurde den umliegenden Gewerbetreibenden, die über Umsatzeinbußen durch die teilweise Sperrung der Rigaer Straße zum Schutz der Baustelle klagen, angeboten, Aufträge zu übernehmen. Das Angebot wurde abgelehnt. Auch sonstige Bemühungen der CG Gruppe, den Gewerbetreibenden zu besseren Umsätzen zu verhelfen, blieben umsonst. „Hier auf der Baustelle gibt es so viele Bauarbeiter, die sich über Frühstück- oder Mittagsangebot freuen würden. Wer hier einen mobilen Stand aufbaut, dem würden die Speisen aus der Hand gerissen“, sagt ein CG Mitarbeiter.

Projektentwickler Gröner fordert die Einhaltung der Gesetze des Rechtsstaates

Bei seiner Rede dankt Christoph Gröner den Gästen „die sich getraut haben zu kommen“, den Projektpartnern und den Bauarbeitern. Sein besonderer Dank gilt auch den Polizisten, die die Baustelle von den Aktivisten abschirmten. Warum dies dies nötig ist, wird ebenfalls in Gröners Rede klar: Offenbar wurden schon des Öfteren Autos von Mitarbeitern oder Baufahrzeuge beschädigt. Zuletzt wurden die Scheiben des Leipziger Architekturbüros eingeworfen – während die Mitarbeiter drinsaßen. Dass Gröner abschließend mit deutlichen Worten das Durchgreifen des Rechtsstaates fordert, ist unter diesen Umständen mehr als verständlich.

Tatsächlich eignet sich die CG Gruppe auf den zweiten Blick dann doch nicht als ideales Feindbild. Wer sich die Engagements des Projektentwicklers ansieht, muss feststellen, dass er neben seiner Bautätigkeit auch sozial aktiv ist. In Berlin wird seit Jahren der Verein Laughing Hearts unterstützt, der Kinder aus Heimen fördert. In diesem Jahr hat Gröner sogar einen Bauernhof gekauft, auf dem nun jede Woche zig Kinder dem Heimalltag für ein paar Tage entkommen können. Auch in anderen Städten engagiert man sich. So wurde zum Beispiel in Dresden die Sponsoringpatenschaft für das Kulturfestival „Palais Sommer“ übernommen.

In der Baugrube des Carré Sama-Riga ist das Scheppern nur im Hintergrund wahrzunehmen. Auch als die Gäste der Grundsteinlegung schon  gegangen sind und die Bauarbeiter wieder ihre Arbeit aufnehmen, trommeln die Aktivisten weiter. Die Anwohner werden sich gefreut haben. (red)

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