Allein die EU verursacht jährlich 26 Millionen Tonnen Plastikmüll. | Fotot: pexels.com

EU-Kommission: der Plastikmüll in den Meeren soll gar nicht erst produziert werden

Noch vor der anstehenden Europawahl 2019 soll die notwendige Rechtsänderung zur Minderung von Einwegplastikprodukten in der EU beschlossen sein. Der Vizepräsident der EU-Kommission in Brüssel, Frans Timmermans, plant ein Verbot von häufig in Küstenregionen gefundenen Plastikprodukten. Grund ist die extreme Vermüllung der Meere von der nach den Meerestieren, im Laufe der Nahrungskette, auch der Mensch betroffen ist. Einwegprodukten für die es längst umweltfreundlichere Alternativen gibt, steht ein Verbot bevor. Anderes Plastik soll mit EU-weit verpflichtenden Recyclingquoten zurückgedrängt werden. Laut der Zeit entstehen allein in der EU jährlich 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen lediglich 30 Prozent ordentlich gesammelt und wiederverwertet werden. Durch auffällige Kennzeichnungen von Supermarktprodukten sowie Aufklärungskampagnen durch die EU-Länder und deren Industrie soll der Verschmutzung der Umwelt, insbesondere der Meere, nicht länger tatenlos zugesehen werden.

Die EU-Kommission identifizierte zehn Einweg-Kunststoffprodukte, die ein unnötig hohes Aufkommen in den Meeren der Welt und somit auch den Mägen der Meerestiere aufweisen. Zukünftig verboten werden sollen Wattestäbchen, Plastikbesteck und –teller, Trinkhalme, Luftballonstäbe sowie Rührstäbchen für Getränke. Für Einweg-Plastikflaschen wird vorgesehen sie nur noch zu verkaufen, wenn die Deckel an ihnen befestigt sind. Die formierten Reduktionsziele und vorgesehen Verbote bleiben bisher jedoch nur Vorschläge. Sie werden wirksam und rechtskräftig sobald das EU-Parlament sowie der Europäische Rat ihre Zustimmung geben.

 

Durch Vermüllung gefährdete Strände und Tiere. | Foto: pixabay.com

Durch Vermüllung gefährdete Strände und Tiere. | Foto: pixabay.com

 

Das Sinnbild unnötigen Einweg-Plastikmülls. | Foto: pexels.com

 

Pfand und Preiszuschläge auf einstigen Plastikmüll zeigen Wirkung

Das in Deutschland bereits 2003 eingeführte Pfandsystem ist ein Vorreiter. Im Zuge dessen werden jährlich fast 100 Prozent aller Einwegflaschen gesammelt oder wiederverwertet beziehungsweise –verwendet. Bis 2025 möchte die EU-Kommission verpflichtende Recyclingquoten von bis zu 90 Prozent in der gesamten EU durchsetzen. Für nicht wiederverwerteten Plastikmüll der einzelnen Staaten ist bislang eine monetäre Abgabe geplant. Diese Strafgelder könnten wiederum dem Ausgleich anderer Lücken im EU-Haushalt zugutekommen.

Neben Richtlinien, wie einer Verbrauchsgrenze sowie einem Preiszuschlag für Verpackungsmüll, soll auch die produzierende Industrie zur Verantwortung gezogen werden. Besonders Hersteller vieler Plastikprodukte wie Einkaufstüten, Folien und Verpackungen werden sich an Säuberungen der Umwelt und Aufklärungskampagnen beteiligen müssen. Hier wird vorgesehen die Bürger stärker für das Thema zu sensibilisieren, um vom Kauf unnötiger Artikel abzuraten. In Deutschland ist das Mitbringen der eigenen Stofftasche für den Einkauf in verschiedensten Geschäften bereits Gang und Gebe. Infolge einer Einigung von Staat und Handel auf eine Selbstverpflichtung war es bis 2018  Ziel, 80 Prozent der Tüten kostenpflichtig zu machen.

 

Selbstverpflichtung des Handels als Vorreiter in Deutschland. | Foto: DUH

 

Grillspaß, Bioteller und die „Plastikseuche“                                 

Bilder von Strohhalmen in den zierlichen Nasen von Schildkröten sowie in ihren Flossen und Panzern, eingewachsen in Plastikhalterungen für Getränke, gingen bereits mehrfach um die Welt. Nun wird auch von einer „Plastikseuche“ beim Menschen gesprochen. Die sehr langsam zerfallenden Kunststoffe und das langjährig im Meer treibende Mikroplastik, landen am Ende auf unseren Tellern. Inwieweit diese Stoffe auch eine Gefahr für den menschlichen Organismus darstellen, konnten Forscher bisher nicht abschließend klären. Allerdings lässt der gesunde Menschenverstand erahnen, dass es nicht sonderlich gesund sein kann.

Der Weg den Timmermans mithilfe der EU zukünftig fahren will sieht nicht vor, den EU-Bürgern den „Grillspaß“ zu nehmen, wie er kürzlich andeutete. Vielmehr ginge es darum, die Verpackungen und Produkte aus Kunststoff, die zu Millionen Tonnen im Meer landen, gar nicht erst zu produzieren. „Jede Sekunde landen etwa 700 Kilogramm Plastikmüll in unseren Ozeanen“, warnt Timmermans, laut Tagesschau. Man könne anstelle von Plastik zu Papptellern greifen oder Besteck aus Holzabfällen herstellen lassen. Frankreich ist anderen EU-Ländern mit dem Verbot von Einweg-Plastikgeschirr aus Erdöl, in dieser Hinsicht voraus. Das häufig verwendete Einweg-Picknickgeschirr wird hier derzeit aus biologischen Erzeugnissen angeboten.

Zweifel an einer Symbolpolitik – wodurch wird das Plastik ersetzt?

Doch auch diese Alternative wird von Naturschutzorganisationen skeptisch beäugt und zum Teil scharf kritisiert. Das Ersetzen von Plastik durch Papier sei nicht automatisch umweltfreundlicher. Dies verdeutlicht der doppelte Energieaufwand bei der Herstellung von Papiertüten und die spezielle Behandlung für deren Langlebigkeit. Verrotten tut dieses speziell behandelte Papier weiterhin genauso wenig wie Plastik. Frankreichs Alternative des Einweggeschirrs aus Mais würde, laut Berliner Zeitung, beim Anbau zudem eine große Belastung für Boden, Grundwasser und Klima darstellen. Vorwürfe einer Symbolpolitik wurden bereits kurz nach Vorstellung des Gesetzesvorstoßes laut. So wird bei dem vorgesehen Ersatz von einem Einwegprodukt durch ein anderes, beispielsweise aus Papier, vor einer schlechteren Ökobilanz gewarnt.

 

Wovon die EU-Kommission spricht... | Foto: pixabay.com

Wovon die EU-Kommission spricht… | Foto: pixabay.com

 

Stattdessen befürworten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Naturschutzbund (Nabu) einen Ausbau des Mehrweg- und Pfandsystems. Die rund 12,2 Millionen jährlich im Meer herumtreibenden Tonnen an Plastikmüll (Quelle: Berliner Zeitung), sollen nicht durch andere schädliche Stoffe ersetzt, sondern stark minimiert werden. Timmermans deutete an, dass aufgrund der immensen Ablagerungen an Plastik und weiterhin produziertem Müll, „noch einiges zu tun“ sei. Ein Plan, der Verbote für die Industrie vorsieht scheint radikal, will jedoch zum Ausweichen auf andere Stoffe anregen. Angesichts der rund 80.000 zwischen Haiti und Kalifornien treibenden Tonnen an Kunststoff (Quelle: Tagesspiegel) ist er jedoch auch längst überfällig. (cn)

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