Digiale Medien beeinflussen unseren Alltag.
Berlin/ Dilek Kalayci (SPD), Berlins Senatorin fuer Arbeit, Frauen und Integration | Foto: Clemens Bilan/dapd

„Digitale Medien gehören heute und auch zukünftig zu unserem Alltag dazu”

Im Gespräch mit Dilek Kalayci (SPD), Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Das Smartphone und digitale Medien sind ein zunehmend wichtiger werdender Bestandteil unseres Alltags. Insbesondere für die sogenannten Digital Natives ist ein Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellbar. Fluch oder Segen – oder von beidem ein bisschen? Die BERLINboxx sprach mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci über Gefahren der Abhängigkeit von Smartphones, ein Mindestalter für die Nutzung und den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.

Hand aufs Herz – wie oft schauen Sie auf Ihr Smartphone? Welche Sozial-Media-Kanäle nutzen Sie?

Als Senatorin bin ich viel unterwegs und muss für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichbar sein. Ich schaue daher oft auf mein Smartphone. Ich bin in ständigem Kontakt mit meinem Büro sowie der Staatssekretärin und dem Staatssekretär. Ich nutze Facebook, Twitter und Instagram. Soziale Netzwerke stellen eine großartige Chance da, politische Fragen zu diskutieren und den Bürgerinnen und Bürgern unsere Themen näher zu bringen, aber auch Dinge mitzubekommen, die nicht in den Zeitungen stehen. Im Urlaub versuche ich, mich zu disziplinieren und das Smartphone liegen zu lassen.

Smartphones sind mittlerweile allgegenwärtig. Viele sprechen bereits von einer Abhängigkeit. Doch noch ist die sogenannte Smartphone-Sucht keine anerkannte Diagnose. Wird zu viel Wirbel um das Thema Smartphone-Nutzung gemacht? Wo sehen Sie die Risiken der Smartphone-Nutzung?

Kinder und Jugendliche brauchen eine erste Orientierung in der digitalen Medienwelt. Hier sind besonders die Eltern und Erziehenden gefragt. Das bedeutet: Eltern sollten den Medienkonsum ihres Kindes aktiv und kompetent begleiten und, falls notwendig, auch Grenzen setzen. Risiken sehe ich insbesondere dann, wenn keine realen sozialen Kontakte und keine analoge Freizeitgestaltung mehr vorhanden sind und das Smartphone den kompletten Alltag bestimmt. Kinder müssen sich viel bewegen. Motorik ist wichtig bei der Entwicklung. Die übermäßige Nutzung von Medien darf diese Entwicklung nicht verhindern. Ergebnisse der aktuellen Einschulungsuntersuchung haben gezeigt, dass jedes vierte Kind im Vorschulalter über ein eigenes elektronisches Gerät verfügt. Das macht mir schon Sorge.

Sollte es ein Mindestalter für die Smartphone-und Tablet-Nutzung geben, um Kinder zu schützen?

Es ist durchaus sinnvoll, dass Kinder nicht zu früh ein Smartphone besitzen. Initiativen wie das Projekt „Schau hin“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend geben hierbei wichtige Empfehlungen, wie Eltern dies begleiten können. Dabei werden Fragen wie: Welche Empfehlungen gibt es zum Alter für die erste Handyanschaffung? Welche Nutzungszeiten machen in welchem Alter Sinn? Gibt es Regeln, die man mit dem Kind zur Handy Nutzung vereinbaren sollte? durch Expert*innen aufgegriffen und beantwortet. Das kann Eltern dabei unterstützen anhand der Empfehlungen und Hilfen ihren eigenen Weg zu finden. Ich schließe mich den dortigen Empfehlungen an, dass vor dem Alter von elf Jahren Kinder in der Regel kein eigenes Handy benötigen.

Schülerinnen und Schüler müssen verantwortsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen

Schüler müssen verantwortsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen. | Foto: Bankenverband

Damit sich Schülerinnen und Schüler ohne Ablenkung durch das Handy besser konzentrieren können, hat Frankreich ein weitgehendes Handyverbot für junge Lernende bis 15 Jahren eingeführt. Halten Sie dieses Vorgehen für sinnvoll?

Digitale Medien gehören heute und auch zukünftig zu unserem Alltag dazu. Verbote können sicherlich einiges bewirken, wichtiger ist aber, dass Kinder den adäquaten Umgang mit Smartphones lernen. Klare Regeln an Schulen als auch in der Familie können den Kindern im Umgang mit digitalen Medien helfen, eine Balance zwischen Online und Offline zu finden.

Dorothee Bär fordert eine stärkere Digitalisierung der Schulen und schlägt das Fach „Digitalkunde“ vor, um den Schülerinnen und Schülern eine bewussteren Umgang mit den neuen Medien zu lehren. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Als Gesundheitssenatorin geht es mir um die Gesundheit der Kinder. Das Wichtigste bleibt, dass in jedem Fall Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen. (aw)

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