Arbeitssenatorin Elke Breitenbach fordert Betriebe dazu auf, mehr Verträge unbefristet abzuschließen | Foto: pixabay.com

Zahl der befristeten Arbeitsverträge in Berlin nimmt zu

Der Wirtschaftsboom in Berlin hält weiterhin an. Doch Arbeitsmarktboom heißt nicht gleich Jobwunder. Denn die Zahl der befristeten Arbeitsverträge ist deutlich gestiegen. So sollen mehr als ein Drittel der Beschäftigte Verträge auf Zeit, Minijobs oder einen Leiharbeitsplatz haben.

Nun fordert die Arbeitssenatorin Elke Breitenbach Betriebe dazu auf, mehr Verträge unbefristet abzuschließen. Auch sollen die Betriebe ihre Ausbildungsangebote erweitern.

Der Wirtschaftsboom der Hauptstadt

Berlin ist als Wirtschaftsstandort kaum mehr wegzudenken. Zu Recht trägt Berlin seinen Ruf als „die Start-up Hauptstadt“. Immer mehr Unternehmen wollen sich in der Hauptstadt niederlassen. So flossen im vergangenen Jahr drei Milliarden Euro in Berliner Start-ups. Darüber hinaus sinkt auch Arbeitslosigkeit weiterhin. So ist die Arbeitslosenquote im vergangenen Monat zum ersten Mal seit 1991 auf unter acht Prozent gesunken. Damit befindet sich die Zahl der Arbeitslosen auf dem tiefsten Stand seit dem Mauerfall. Mittlerweile zählt die Hauptstadt über 97.000 Betriebe mit rund 1,7 Millionen Beschäftigten.

Diesen Zahlen zufolge könnte die wirtschaftliche Lage Berlins nicht besser sein. Zwar hat die Zahl der Beschäftigten deutlich zugenommen, doch ebenso auch der Anteil von Beschäftigten ohne eine unbefristete Vollzeitstelle.

Anteil an befristeten Stellen nimmt zu

Am vergangenen Mittwoch stellte Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, das Ergebnis des Betriebspanels 2017 vor: „In Berlin sind inzwischen 39 Prozent der Arbeitnehmer befristet oder teilzeit- und geringfügig beschäftigt.“ Davon arbeiten 17 Prozent in Teilzeit, 13 Prozent hatten befristete Stellen, acht Prozent wurden geringfügig beschäftigt und ein Prozent der Beschäftigten sind Leiharbeiter.

 

Die Zahl der befristeten Arbeitsverträge ist auf 39 Prozent gestiegen | Quelle: Betriebspanel Berlin 2017

Die Zahl der befristeten Arbeitsverträge ist auf 39 Prozent gestiegen | Quelle: Betriebspanel Berlin 2017

 

Die Arbeitssenatorin kritisierte diesbezüglich die Einstellungspolitik vieler Unternehmen. Denn angesichts des Fachkräftemangels bieten die Betriebe oft nur befristete Stellen an. „Die Betriebe verlangen zunehmend nach qualifizierten Beschäftigten und klagen über Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Doch statt mit attraktiven Konditionen um Fachkräfte zu werben, wurden mehr als die Hälfte der neuen Verträge nur befristet abgeschlossen, Tendenz steigend. Das passt nicht zusammen“, so Breitenbach.

Frauen wollen freiwillig Teilzeit arbeiten

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, sieht die Situation noch differenzierter: „Viele Frauen wollen bewusst in Teilzeit arbeiten, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können. Wer mehr Vollzeit-Arbeit ermöglichen will, muss die Betreuungsangebote für Kinder verbessern. Hier gibt es in Berlin noch viel Spielraum.“

Allerdings wird die Suche nach einem Kinderplatz immer schwieriger. Denn in Berlin fehlen derzeit 3.000 Kitaplätze. Eine langfristige Lösung für die Kitaplatz-Not gibt es noch nicht. So sind zumeist Frauen gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten. (dn)

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