Die Verwahrlosung der Berliner Kieze bestärkt das Angstgefühl der Bewohner | Foto: Pixabay

Die Verwahrlosung der Berliner Kieze bestärkt das Angstgefühl der Bewohner

Was ist los mit Berlin? Wie kann es sein, dass trotz der sinkenden Kriminalfälle immer mehr Menschen Angst auf Berlins Straßen haben?

Die Zahl der Straftaten ist laut Polizei-Statistik in einem Jahr von knapp 570.000 auf 520.500 gesunken (Stand 2016/2017). Umso verwunderlicher ist es, dass eine Langzeitumfrage des Instituts Civey und des Tagesspiegels zeigt: Lediglich 56,6 Prozent der befragten Personen verspüren in Berlin Sicherheit. Damit sind es 8,5 Prozent weniger als  im Jahr zuvor. Es geht demnach mehr um Gefühle als um Statistiken, aber was genau führt zu dem starken Gefühl von Unsicherheit und Angst?

Dreckiger Kiez bestärkt die Kriminalität

Ein wichtiger Aspekt, der zu dem Unsicherheitsgefühl beiträgt, ist laut Innensenator Geisel: „Das Problem der Verwahrlosung des öffentlichen Raumes in bestimmten Kiezen.“ Die dreckigen und heruntergekommenen Bezirke Berlins geben einem nicht nur ein negatives Gefühl, sondern bestärken zugleich die Straftaten. Die Hemmschwelle zur Kriminalität sinkt in solch einer Umgebung erheblich.

Auch Innenexperte Burkhard Dregger teilt diese Ansicht: „Wenn es irgendwo besonders dreckig ist, Bauschutt herumliegt, fällt auch die Hemmschwelle für andere Straftaten. Das heißt, Kriminalitätsprävention geht auch durch mehr Sauberkeit.“ Dieser psychologische Effekt trägt auch wesentlich zur Verschmutzung bei. Schmeißt einer seinen Müll auf den Boden, werden einige Menschen dieser Handlung folgen. Befinden die Menschen sich allerdings in einer ordentlichen und hygienischen Umgebung, sind sie viel bemühter diesen Zustand beizubehalten.

Keiner fühlt sich für den Dreck verantwortlich

Es gibt mehrere Gründe, die zu den dreckigen und heruntergekommenen Berliner Bezirken beitragen. Drogen, Armut, Perspektivlosigkeit und eine fehlende öffentliche Verantwortlichkeit begünstigen das Problem weitestgehend. „Bezirke und Senat schieben Zuständigkeiten oft hin und her, Polizeipräsenz wird verstärkt, aber die Probleme verlagern sich in die Seitenstraßen“, so die Stadtsoziologin Dr. Ingeborg Beer, aus Wilmersdorf.

Dadurch, dass sich keiner für die Verwahrlosung verantwortlich fühlt, mangelt es den Betroffenen an Unterstützung. Vor allem Eltern und Lehrer, die gegen den Dreck an und um Schulen herum kämpfen wollen, fehlt oftmals der zuständige Ansprechpartner. „Eltern und Gewerbetreibende, die etwas ändern wollen, wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen oder vertrauen nicht den Verantwortlichen, resignieren schließlich“ erklärt Beer.

Hilft mehr Polizeipräsenz wirklich,dass Sicherheitsgefühl zu stärken?

Innenexperte der FDP, Marcel Luthe, sieht die steigende Angst anders als Beer vor allem in der mangelnden Polizeipräsenz: „Der Senat muss die Beamten von unnötigen Papierkram befreien und sie wieder auf die Straße bringen.“

Für die Einen mag das Sicherheitsgefühl durch vermehrtes Polizeiaufkommen steigen, für Andere kann es genau das Gegenteil hervorrufen. Einige Menschen fühlen durch die direkte Konfrontation Unbehagen, Andere wiederrum fühlen sich in der Nähe der Polizei sicherer.

Neben der mangelnden Verantwortlichkeit sind die Aspekte Drogen und Schmutz wesentliche Bestandteile, die zu dem fehlenden Sicherheitsgefühl beitragen. Um dem Problem der Drogen entgegenzuwirken, bedarf es viel mehr sozialer Projekte. Zu viele Menschen werden mit ihrer Sucht alleine gelassen. Die fehlende Perspektive begünstigt zudem das Leben im Drogenrausch. Hier hilft es nicht, die Polizeipräsenz zu verstärken, damit wird das Problem lediglich verlagert. Es ist erforderlich den Kern des Problems in den Griff zu bekommen. „Es braucht auch mehr soziale Projekte, eine gemeinsame Strategie, die zu praktischen Verbesserungen führt“, argumentiert Beer. Auch für die Verschmutzung hat Beer eine klare Meinung: „Hier braucht es klare Ansagen der öffentlichen Hand, an den Brennpunkten muss häufiger sauber gemacht und renoviert werden.“ (ls)

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