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Die Berliner Verkehrswende – nächste Station: Straßenbahnen?
Grünes Licht für den Bau der Verlängerung der M10 nach Jungfernheide im Westen und Hermannplatz im Süden. | Foto: Davis Sanchez von Pexels

Die Berliner Verkehrswende – nächste Station: Straßenbahnen?

16. April 2021

Berlins Straßen sind stark auf Autos ausgerichtet. Grundstein dafür war unter anderem der Bau des Stadtrings Mitte der 1950er Jahre. Doch das Auto ist nicht allein auf den Straßen. Auch der öffentliche Nahverkehr fließt im Straßenfluss mit. Dazu kommt, dass sich Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen den Straßenraum erobern und damit sich mehr Platz benötigen. Kurz gesagt: auf der Straße müssen sich viele, oft auch antagonistische, Verkehrsteilnehmende den Platz teilen. Die Stadt strebt eine Verkehrswende an und das mit dem Einsatz von Straßenbahnen. Die neuesten Entwicklungen und Ideen kommen dabei gerade richtig ins Rollen.

Wohin soll die Reise gehen?

Während im Osten der Stadt die Straßenbahnen nur so rollen, soll nun die Anbindung in den Westen der Stadt vollzogen werden. In den Fokus rückt dabei die Linie M10, die aktuell noch von der Warschauer Straße in Friedrichshain bis zur Lüneburger Straße in Moabit führt. Von dort aus sind gestaffelt Verlängerungen geplant. Die erste Ausweitung der Linie wird bis zur Turmstraße führen und soll bis Mitte des ersten Halbjahres 2023 fertig gestellt sein. Ab da ist eine Erweiterung der Linie bis zum S-Bahnhof Jungfernheide geplant. Diese soll in 2022 in der Entwurfsplanung abgeschlossen sein, damit von 2023 bis 2025 Genehmigungsplanung und Planfeststellungsverfahren starten können. Im nächsten Schritt werden bis 2028 die Ausführungsplanung, Bauarbeiten und Inbetriebnahme erfolgen.

Endhaltestelle ist noch nicht in Sicht

Auch in die andere Richtung wird die M10 in der Planung erweitert. Hier soll sie von der Warschauer Straße bis zum Hermannplatz verlaufen. Wie bei der letzten Streckenplanung bis Jungfernheide soll dieser Linienabschnitt in 2028 fertig gestellt werden. Damit würde die M10 in sieben Jahren vom südlichen Hermannplatz bis zur westlichen Jungfernheide fahren. Die Strecke hätte dann eine ähnliche Länge wie die U-Bahnstrecke U7 – die in Rudow im Süden startet und bis Rathaus Spandau im Westen fährt.

Platzkampf! Oder doch nur Verteilung?

Als vorherrschende Verkehrsmittel gibt das Auto seinen Platz auf der Straße nicht so einfach her. Und auch andere Verkehrsparteien wie Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen müssen in Planungen beachtet und einbezogen werden. Denn Straßenbahnen nehmen mit ihrem Gleisbett eine besondere Rolle ein. Zum einen brauchen sie ausreichend Platz zum Fahren, zum anderen stellen die Gleise auch eine gewisse Gefahrenquelle dar – etwa für Autofahrer*innen, die unachtsam auf den Gleisen fahren oder für Fahrradfahrer*innen, die mit ihren Reifen in die Gleise geraten können.

Diese Umstände und ihre Einbeziehung in die Planung zeigen sich aktuell auch bei der Erweiterung bis zum Hermannplatz. Denn die M10 soll durch den Görlitzer Park fahren und stellt damit ein potenzielles Gefahrenrisiko für die Fußgänger*innen dar. Hier hat sich bereits Protest der Anwohner*innen dagegen organisiert. Somit stehen Planer*innen vor der großen Herausforderung eine geeignete Strecke zu finden, die alle Verkehrsteilnehmenden beachtet, nicht hindert und gefährdet. Gleichzeitig soll sich die M10 aber auch als öffentliches Verkehrsmittel ins Stadtbild einfügen. (kk)