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Der Wettbewerb um Teile des Berliner S-Bahnnetzes beginnt
Die Berliner S-Bahn könnte bald einen neuen Betreiber haben | Foto: Bild von reginasphotos auf Pixabay

Der Wettbewerb um Teile des Berliner S-Bahnnetzes beginnt

27. Mai 2020

Nach langen Überlegungen verkündete der Berliner Senat gestern die endgültige Handhabung bei dem Vergabeverfahren für die S-Bahnteilnetze Nord und Süd sowie der Stadtbahn. Die Deutsche Bahn könnte weiterhin der Betreiber bleiben, aber auch ein anderer kommen – oder sogar mehrere.

Größte Ausschreibung in der Berliner S-Bahn-Geschichte

Die Berliner S-Bahn erreichte durch ihre einzigartigen gelb-roten S-Bahnwagen und grünen Sitzbezüge einen Kultstatus. Trotzdem stellte der aktuelle Betreiber – die Deutsche Bahn (DB) – in der Vergangenheit nicht immer alle Kunden zufrieden. Zwar investierte die Bahn AG in den letzten Jahren großzügig in das Bahnnetz der Hauptstadt, um wieder mehr Vertrauen zu gewinnen, dennoch beschloss der Senat, ein Vergabeverfahren für die S-Bahnteilnetze Nord und Süd sowie der Stadtbahn zu starten. Mit dem so wachsenden Druck erhofft man sich ein optimales Konzept. Die Deutsche Bahn könnte den Auftrag wiedererlangen, muss sich allerdings gegen die Konkurrenz durchsetzen. Denkbar ist zudem, dass sich mehrere Anbieter das Bahnstreckennetz teilen. Dies ist jedoch umstritten, da das Netz der Metropole äußerst groß und komplex ist.

Einigung bei der Frage nach Arbeiterschutz und Werkstatt

Bedenken bei dem Vergabeverfahren zeigten insbesondere die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Diese befürchtete, dass sich die Arbeitsbedingungen des Zugpersonals verschlechtern würde, wenn nicht mehr die Deutsche Bahn der Anbieter ist. Daher legte der Senat bereits die Arbeitsrechte der künftigen Arbeitnehmer fest. „Der Arbeitnehmerschutz ist maximal gewährleistet, weit über den vorgeschriebenen Rahmen hinaus.“, gab der Senat bekannt. So seien Personalübergang, Tariftreue, Mindestlohn und Ausbildungsverpflichtung für die Beschäftigten im Fahrgeschäft sowie der Werkstatt festgelegt.

Ebenso einigte sich der Senat nun bezüglich der Werkstatt-Debatte. Die Länder Brandenburg und Berlin werden selbst je einen optionalen Werkstattstandort für die Teilnetze entwickeln und den neuen Betreibern bei Bedarf zur Verfügung stellen. Zuvor stand die Idee im Raum, dass die Bewerber selbst neue Werkstätte planen müssen.

2.160 neue Wagen sind möglich

Insgesamt bekommt Berlin mindesten 1.308 neue S-Bahn-Wagen. Der Senat hält sich die Möglichkeit offen, je nach Bedarf, weitere 852 Wagen zu bestellen.

Das Auswahlverfahren soll schnellst möglich beginnen. Die Inbetriebnahme des neuen Betreibers des Teilnetz Nord-Süd wird für Dezember 2027 geplant, das Teilnetz Stadtbahn im Februar 2028.

„…viel engerer Taktdichte und deutlich weniger Störanfälligkeit“

„Mit dieser Ausschreibung schlagen wir ein neues Kapitel für den Nahverkehr in der Metropolregion auf: Hunderte neue moderne Wagen werden einen S-Bahn-Verkehr mit viel engerer Taktdichte und deutlich weniger Störanfälligkeit ermöglichen. Die Menschen erhalten so ein verlässliches, attraktives Angebot für leistungsfähige und umweltfreundliche Mobilität in Berlin und Brandenburg.“, zeigte sich Regine Günther, Senatorin für Umwelt, erwartungsvoll.

Der neue landeseigene Fahrzeugpool mit dem Zugriff auf die Werkstätten sichere außerdem eine kosteneffiziente Beschaffung der Fahrzeuge und bringe zugleich Handlungsfreiheit für das Land in Krisenzeiten. „Diese Ausschreibung ist der Schlussstrich unter die S-Bahn-Krise von vor einem Jahrzehnt mit all ihren Nachwirkungen – und es ist der Start in eine neue Ära.“, so Günther weiter. (aak)