Berlin: Der Mindestlohn ist in vielen Großstädten zu gering | Foto: Pixabay/nattanan23

Der Mindestlohn ist in vielen Großstädten zu gering

Ob Verkäufer, Pflegekraft oder Kellner – für viele Arbeitnehmer reicht der Mindestlohn zum Leben nicht aus. Zudem werden etwa acht Prozent aller Beschäftigten mit Anspruch auf Mindestlohn geringer bezahlt. Infolgedessen sind immer mehr Menschen auf zusätzliche Leistungen angewiesen.

Nach Angaben einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung ist sogar in 15 von 20 Städten ein Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde notwendig, um ohne staatliche Zusatzleistungen den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Letzte Mindestlohnerhöhung war 2017

Der Mindestlohn steht schon seit vielen Jahren in der Debatte und war vor allem bei der Bundestagswahl 2013 ein umstrittenes Thema. Denn während die Union eine Lohnuntergrenze im Tarifvertrag aushandeln wollte, schlugen SPD und Grüne einen gesetzlichen Mindestlohn vor. Die FDP sprach sich jedoch gegen diesen Vorschlag aus. Schließlich wurde die Einführung des Mindestlohns im Koalitionsvertrag der 18. Wahlperiode des Bundestages zwischen der CDU, CSU und SPD begründet. Erst mit dem Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes (MiLoG) im Jahr 2014 besitzt Deutschland seit dem 1. Januar 2015 den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Dieser betrug zu diesem Zeitpunkt noch 8,50 Euro brutto pro Stunde.

Bisher hat die Mindestlohnkommission der Bundesregierung alle zwei Jahre die Höhe des Mindestlohns neu aufgesetzt. So wurde die Lohnuntergrenze zuletzt im Jahr 2017 auf 8,84 Euro erhöht. Dennoch reicht der Lohnanstieg bei vielen Arbeitnehmern nicht aus, um ihre Existenz zu sichern. Besonders in den Großstädten scheint das Mindestlohnniveau zu niedrig zu sein.

Mindestlohn reicht zur Existenzsicherung nicht aus

In Großstädten wie Berlin ist selbst bei einer Vollzeitbeschäftigung der Mindestlohn zu gering. Aus der Analyse der Hans-Böckler-Stiftung geht hervor, dass rund 190.000 Beschäftigte zusätzlich auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. „Wer zum Mindestlohn beschäftigt ist, kann in vielen Großstädten auch als Alleinstehender oft kein Leben ohne zusätzlichen Hartz-IV-Bezug führen“, heißt es aus der Studie. In 15 von 20 Städten müsste der Mindestlohn um knapp 0,70 ansteigen, um keine zusätzlichen Leistungen beziehen zu müssen.

„In einigen Großstädten mit extrem hohen Lebenshaltungskosten sollte erwogen werden, zusätzlich zum flächendeckenden Mindestlohn Ortszuschläge zu zahlen“, so Thorsten Schulten, Leiter des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), das seit 1995 in die Hans-Böckler-Stiftung eingegliedert ist. Demnach müsste laut der Studie der Stundensatz in der Hauptstadt auf 9,35 Euro erhöht werden. Erst am 1. Januar 2019 erfolgt allerdings die nächste Anpassung des Mindestlohns. (dn)

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