In kleinen Schritt: der Weg aus dem Shutdown beginnt
In kleinen Schritt: der Weg aus dem Shutdown beginnt. Einige Geschäfte dürfen wieder öffnen. | Foto: Bild von wendy julianto auf Pixabay

Der langsame Weg aus dem Shutdown

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt aufgrund der vielen Maßnahmen der letzten Zeit zunehmend und das Bemühen um die Ausweitung der Kapazitäten an Intensivbetten zeigt Wirkung. Daher beschloss der Berliner Senat erste Lockerungen, die aus dem Shutdown führen.

Ein Grund zum Aufatmen  

Die Welt ist und bleibt im Krisenmodus. Täglich steigende Zahlen der COVID-19 Todesfälle sowie erschreckende Bilder aus überforderten Ländern wie Italien drücken die Stimmung in Deutschland weiterhin enorm. Aber – es gibt Grund zum Aufatmen. Die Pandemie zeigt seit ihrem Beginn, dass Deutschlands Gesundheitssystem im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt ist. Die geringen Todesfälle in der Bundesrepublik werden weltweit bewundert. Bisher gab es nur Schätzungen über die Auslastungszahlen der Intensivbetten. Doch seit letztem Donnerstag sind alle Intensivbetten Deutschlands in einem Register aufgelistet und mit Belegungszahlen verzeichnet. Zwar registriert Berlin mit 67 Prozent die höchste Auslastung der Betten im bundesweiten Vergleich, liegt damit aber unter dem üblichen Durchschnittswert von circa 80 Prozent.

Das positive Ergebnis konnte der Bund durch Ausweitungen der Kapazitäten von Intensivstationen und strenge Einschränkungen des öffentlichen Lebens erzielen. Ab dieser Woche beginnen bundesweite Lockerungen dieser Corona-Maßnahmen. Eine erneute Welle von Infizierten soll dabei allerdings mit Hilfe von anhaltenden Hygieneregeln unbedingt vermieden werden. Verbreitet sich der Virus trotzdem wieder schneller, können dann zu mindestens genauere Prognosen angestellt werden: Wann sind in welcher Region die Kapazitäten ausgelastet und wo könnte man etwaige Patienten in Nachbarbundesländern besser unterbringen.

Berlin geht in die erste Lockerungsphase

Doch leider sind die erfreulich hohen Zahlen freier Intensivbetten mit unerfreulichen Ergebnissen in der Wirtschaft gekoppelt. Durch den strengen Shutdown der letzten Wochen fürchtet die Berliner Regierung, trotz Finanzhilfe für Betroffene, hohe Arbeitslosenzahlen. Auch vermehrte häusliche Gewalt und psychische Probleme sind Folgen der gesetzlichen Einschränkungen. Daher versucht der Berliner Senat, den optimalen Mittelweg zwischen Förderung der Wirtschaft und Vermeidung hoher Corona-Erkrankten zu finden.

Gestern gaben die Abgeordneten erste Lockerungsmaßnahmen bekannt. Ab morgen dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern wieder öffnen. Die Außenflächen von Zoo und Tierpark kann man ab dem 27.April wieder besuchen und Museen sowie Friseure können ab dem 4. Mai aufmachen. Auch bei wichtigen familiären Anlässen, wie Beerdigungen und Hochzeiten, dürfen ab sofort bis zu 20 Personen zusammenkommen. Bei Gottesdiensten können sogar 50 Personen wieder teilnehmen. Schwimmbäder und Saunen bleiben geschlossen, aber kontaktloser Sport im Freien ist wieder möglich. Ab dem 27. April sind Schulen für Lehrveranstaltungen wieder geöffnet und Hochschulen dürfen Prüfungen durchführen.

Vorsicht ist immer noch das Gebot der Stunde

All die Lockerungen stehen allerdings unter einem großen „Aber“. „Heute haben wir einige Corona-Maßnahmen für den Handel in Berlin gelockert. Aber wir sind weiterhin in einer Pandemie und müssen unsere Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Was wir durch unser verantwortungsvolles Handeln erreicht haben, dürfen wir jetzt nicht aufs Spiel setzen.“, twitterte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop.

Um die Ansteckungsrate nicht zu gefährden, sind alle Wiedereröffnungen mit strengen Hygieneregeln verbunden. Generell werden die Berliner weiterhin aufgefordert den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten und jeden unnötigen sozialen Kontakt zu vermeiden. Zudem müssen die Geschäfte dafür sorgen, dass pro 20 Quadratmeter nur ein Kunde im Laden ist. Shoppingmalls können zwar wieder öffnen, dürfen aber nur einen Eingang anbieten, damit Mall-Betreiber die maximale Personenanzahl regulieren können. Zudem dürfen sich in den Wartebereichen der Einkaufszentren nicht mehr als zehn Personen befinden und alle Sitzgelegenheiten müssen entfernt werden, um Aufenthaltsanreize zu vermeiden. Ab dem 27.April herrscht außerdem die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Nahverkehr zu tragen.

Was ist mit den Gastronomen?

In der Wirtschaft freut man sich über die ersten Maßnahmen, bemängelt allerdings, dass manche Branchen zu kurz kommen: „Der Senat hat heute erste Lockerungen der Kontaktbeschränkungen auf den Weg gebracht. Die Beschlüsse reichen aber noch nicht aus, um einen tiefen Einbruch der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr abzufangen.“ mahnte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. „Dazu ist insbesondere eine klare Perspektive für den Bereich Hotels, Gaststätten und Tourismuswirtschaft nötig, der für Berlin eine zentrale Rolle spielt. Durch den wochenlangen Stillstand stehen hier reihenweise Existenzen und Arbeitsplätze auf dem Spiel. Diese Unternehmen brauchen dringend einen Planungshorizont.“

Auch IHK-Präsidentin Beatrice Kramm zeigte leichtes Unverständnis hinsichtlich der Planlosigkeit der Restaurants. Denn in den Gastronomiebetrieben seien Hygiene- und Abstandsregeln wie im Einzelhandel denkbar. „Gerade vor dem Hintergrund der Bedeutung der Gastronomie für Berlin auf der einen Seite sowie der massiven Betroffenheit der Unternehmen auf der anderen Seite, wäre zumindest eine Perspektive wünschenswert gewesen.“, so Kramm. Entscheidend für die nächsten Schritte sei nun die Disziplin aller, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. „Denn weiterhin gilt, der Gesundheitsschutz hat Vorrang.“, betonte Kramm darüber hin aus. (aak)

 

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