Handelsimmobilien-Kongress 2018: Nils Blömke, (Geschäftsführer HDHI) (r.) mit Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur) | Fotorechte: BERLINboxx

Der Handel von morgen: Handelsimmobilien 2.0

Über den Status-quo und die Zukunftsvisionen von Handelsimmobilien tauschten sich am 31. Januar und 1. Februar die Branchenexperten auf dem 14. Deutschen Handelsimmobilien-Kongress im Ellington Hotel Berlin aus.

Positive Prognose für Handelsimmobilien in 2018

Laut Prognosen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) war 2017 ein positives Jahr für den deutschen Einzelhandel. Er konnte seine Umsätze um rund vier Prozent steigern. Auch für 2018 rechnet der HDE weiterhin mit einem Umsatzplus – von ca. zwei Prozent zum Vorjahr. Insbesondere der Onlinehandel wird weiter wachsen. Gleichzeitig glauben Investoren weiterhin an den stationären Handel und investieren in diesen. Im vergangenen Jahr entfielen rund 44 Prozent der Investments auf Fachmarktzentren. Die Renditen bei Geschäftshäusern und Shoppingcentern werden 2018 hingegen weiter sinken. Mietverträge für Ladenflächen werden über kürzere Laufzeiten abgeschlossen als dies bisher der Fall war. Auch werden die Besucherzahlen in Shoppingcentern nicht nur bedingt durch den demografischen Wandel weiter sinken. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, verdeutlichte mit seinen Trendprognosen, dass die fortschreitende Digitalisierung Veränderungen im Handelsimmobilienmarkt fordert.

Augmented Reality, Big Data und mehr Unterhaltung für den Kunden

Stationäre Einzelhändler sind gefordert, nicht nur ihre Onlineshops zu verbessern, sondern auch ihre Läden digitaler auszurichten. Genth erklärte, dass rund 65 Prozent der Deutschen bereit sind, ihre Daten bereitzustellen. Diese Auskunftsfreudigkeit sollte von stationären Händlern genutzt werden, um das eigene Ladenkonzepte sowie die Produktpalette zu überarbeiten. „Die Konkurrenz durch den Onlinehandel stellt den stationären Handel bereits seit einiger Zeit vor eine große Herausforderung und fordert neue Denkansätze, um Kunden an sich zu binden“, sagt Nils Blömke, Geschäftsführer der HD Handelsimmobilien GmbH. „Der stationäre Handel muss sich stärker nach den Bedürfnissen und Anfordernissen seiner Kunden richten, wenn er mit dem Onlinehandel mithalten will. Bei unserem zukunftsorientierten F³x-Konzept steht genau das im Mittelpunkt. Es gibt nicht nur einen Kundentyp, sondern verschiedene Käufergenerationen. Die Altersgruppe 50+ hat ganz andere Ansprüche als die Unter-20-Jährigen. Während die erstgenannte Gruppe noch viel mehr Wert auf den Servicecharakter und die Beratung vor Ort legt, fordert die jüngere Generation vor allem digitale Connectivity und Kommunikationsqualität, Stichwort Augmented Reality. Die Herausforderung für Entwickler von Handelsimmobilien besteht darin, die verschiedenen Anspruchshaltungen miteinander zu vereinen“, so Blömke am Rande des Kongresses.

Individualität und Shoppingerlebnis statt Massenabfertigung

Dass der stationäre Handel auch heute noch durchaus einen großen Stellenwert besitzt, entdecken verstärkt auch Onlinehändler. In den USA hat so z.B. der Onlineriese Amazon stationäre Amazon books-Stores eröffnet. Whole Foods ist mit dem Internetgiganten eine Partnerschaft eingegangen, um mehr Kunden in den stationären Handel zu locken. Beim Turnschuhhersteller Nike können Kunden in ausgewählten Läden ihren eigenen Schuh vor Ort entwerfen. Für den Kunden stellt das ein völlig neues Einkaufserlebnis dar. Der Wunsch nach Individualität, der insbesondere bei jüngeren Käufergenerationen stark ausgeprägt ist, kann so befriedigt werden.

Die Fachexperten auf dem Handelsimmobilien-Kongress waren sich einig: Der stationäre Handel muss umdenken, wenn er mit dem Onlinehandel beim Kampf um Kunden mithalten will. Statt einer Massenabfertigung muss der Kunde sich individuell betreut fühlen – und die digitale Komponente darf natürlich auch nicht zu kurz kommen, um das Shoppingerlebnis von morgen attraktiv zu machen. (cr)

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