Ein ruheloser Bezirk – Friedrichshain-Kreuzberg
Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann ist bereits seit fast 20 Jahren für den Bezirk tätig. Was sich nicht verändert hat, ist der Wille zur Gestaltung, sagt sie. | Foto: Sara Lühmann

Der Bezirk verändert sich

Im Gespräch mit Monika Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg

Begegnungszone, grüne Punkte auf dem Asphalt, Gentrifizierung – aus Friedrichshain-Kreuzberg kommen täglich neue, teils kuriose Meldungen. Er ist der kleinste Bezirk Berlins und hat zugleich die höchste Bevölkerungsdichte. Die BERLINboxx traf Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann, um über die Stimmung in den Kiezen, große Herausforderungen und – passend zu unserem Titelthema – über Messen zu sprechen.

Sie sind bereits seit 1990 in Friedrichshain-Kreuzberg tätig, fast sechs Jahre davon als Bezirksbürgermeisterin. Wie hat sich die Stimmung im Bezirk in dieser Zeit verändert?

Der Bezirk verändert sich, genau wie ganz Berlin, kontinuierlich. Er wächst (in Einwohner*innenzahlen) und verdichtet sich. Damit gehen natürlich auch Konflikte einher, vor allem Nutzungskonflikte des immer knapper werdenden öffentlichen Raumes hier in der Innenstadt. Außerdem hat sich die Bevölkerungsstruktur in vielen Kiezen in den vergangenen Jahren massiv verändert. Was sich seit 1990 in Friedrichshain-Kreuzberg nicht geändert hat, ist der Wunsch und Wille zur Gestaltung. Unsere Bürger*innen möchten mitreden und mitgestalten. Dazu geben wir ihnen, wann immer es geht, die Möglichkeit.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Bezirk in den nächsten, sagen wir 3 Jahren?

Wir sind der am dichtesten besiedelte Bezirk in ganz Berlin. Weiterhin wird hier viel gebaut, sowohl Wohnungen als auch Gewerbe, und die Geburtenrate bleibt hoch.

Das heißt, wir werden immer mehr Menschen. Die Bürger*innen brauchen nicht nur bezahlbaren Wohnraum, sondern auch die passende öffentliche Infrastruktur: Kitas, Schulen, Grünflächen, Fahrradwege.

Eine weitere Herausforderung in vielen Kiezen ist die Verdrängung durch steigende Mieten. Viele Alteingesessene wurden in den letzten Jahren Opfer der Gentrifizierung und dieser Wandel hält noch immer an. Mit Milieuschutz und Vorkaufsrecht versuchen wir, dieser Verdrängung Einhalt zu gebieten.

Passend zum Bild von Friedrichshain-Kreuzberg finden hier viele Messen zu jungen, hippen und grünen Themen statt. Ist das Zufall oder gewollt?

Wir prägen dieses Bild des Bezirks als Bezirksamt nicht aktiv. Denn genau dieses Image führt ja seit Jahren zu massivem Tourismus in unseren Kiezen, unter dessen Folgen die Anwohner*innen teilweise sehr leiden. Im Gegenteil versuchen wir, einen Weg zu einem stadtverträglichen Tourismus zu finden. Aber es ist in der Tat so, dass die Einwohner*innen bei uns im Bezirk mit einem Durchschnittsalter von 37,8 Jahren die jüngsten sind.

STATION Berlin ist von einem Ort städtischer Industrie zu einer viel genutzten, hippen Event-Location geworden. Welchen Einfluss hat der Veranstaltungsort auf den Bezirk? Erhöhen sich dadurch die Lebenshaltungskosten und wird die soziale Verdrängung beflügelt?

Die STATION Berlin ist ein wirklich schöner Veranstaltungsort in unserem Bezirk, aber natürlich nicht der einzige. Die Gegend um die STATION Berlin, vor allem am Gleisdreieckpark, hat sich in den vorigen Jahren wahnsinnig verändert. Am Gleisdreieck ist ein großer Park mit vielen Angeboten entstanden. Rundherum wurden Neubauwohnungen, vor allem Eigentumswohnungen, gebaut. Diese Entwicklungen stehen aber nicht im direkten Zusammenhang mit dem Veranstaltungsort.

STATION Berlin im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

Das historische Ensemble des ehemaligen Dresdner
Bahnhofs wird heute als Veranstaltungsort genutzt.    | Foto: Sebastian Greuner

Keine Platzplätze für Taxis, keine Fahrradstellplätze, schmale Bürgersteige – die Zugänglichkeit zur STATION Berlin ist durch verschiedene Faktoren erschwert. Hat der Bezirk Ihrer Meinung nach eine gewisse Verantwortung, die Situation zu verbessern?

Bislang sind mir zur Situation an der STATION Berlin keine Beschwerden oder Verbesserungsvorschläge zu Ohren gekommen. Unser Straßen- und Grünflächenamt ist in den Bereichen seiner Zuständigkeit sicher für Gestaltungsvorschläge offen. Die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur ist uns ein wichtiges Anliegen. (aw)

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