Das gesunde „E“: Berlin fördert Elektromobilität für Betriebe. | Foto: pexels.com

Das gesunde „E“: Berlin fördert Elektromobilität für Betriebe

Der ehemalige „Dieselgipfel“ bekommt einen gesünderen Namen und die Berliner Unternehmen sauberere Fahrzeuge. Die Vermeidung von Fahrverboten und die Luftverbesserung der Innenstadt standen im Fokus der gestrigen Mobilitätsgespräche im Roten Rathaus. Mit dem neuen Förderprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ will Berlin die Umstellung gewerblicher Fuhrparks auf effiziente Elektromobilität vorantreiben. Durch hohe Zuschüsse des Landes Berlin, die erstmals mit der Umweltprämie des Bundes kombinierbar sind, sollen Elektroautos für Unternehmen attraktiver werden.

Das mit sechs Millionen Euro finanzierte Programm soll im Juli beginnen und bis Ende 2019 laufen. Anderthalb Jahre wird der Kauf eines klimafreundlichen Elektrofahrzeugs inklusive des Ausbaus der Lade-Infrastruktur staatlich unterstützt. Von der Förderung sollen vor allem der gewerbliche Verkehr, Taxis und gemeinnützige Betriebe mit hoher Fahrtendichte in der Innenstadt profitieren. Ziel ist es das Aufkommen von Klimagasen und gesundheitsschädlichem Stickoxid trotz vermiedener Fahrverbote zu reduzieren.

Die Verantwortung wächst

Nicht nur die bereits angegangene Umrüstung der Berliner Taxi-Flotte, sondern auch Pflege– und Sozialdienste, Mietwagenbetriebe sowie Paket- und Kurierdienste werden zum Umstieg animiert. Ansprechpartner ist die Investitionsbank Berlin (IBB), die den erhofften Zuwachs an Förderungsanträgen entgegennimmt. Bisher sind lediglich 3.500 Elektroautos in Berlin zugelassen. Das sind rund 0,3 Prozent aller 1,2 Millionen Autos. Für Unternehmen lohnte sich die teure Anschaffung eines Elektrofahrzeuges für den Betrieb häufig aus finanziellen Gründen nicht. Die Förderung macht den Umstieg nicht nur attraktiv und nachhaltig, sondern auch in Zukunft konkurrenzfähig.

„Eine wachsende Stadt bedeutet auch wachsende Mobilitätsanforderungen. Damit wächst auch unsere Verantwortung und die Herausforderungen, die Mobilitätsbedürfnisse mit Klimaschutz und Gesundheitsschutz überein zu bringen. Die Elektrifizierung des Wirtschaftsverkehrs ist dabei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Mobilitätswende. Wir lassen die Berliner Unternehmen nicht allein mit der Herausforderung“, so Wirtschaftssenatorin Ramona Pop.

 

Für die Anschaffung von gewerblichen Elektrofahrzeugen gibt es ab Juli eine Doppelförderung. | Foto: pexels.com

Für die Anschaffung von gewerblichen Elektrofahrzeugen gibt es ab Juli eine Doppelförderung. | Foto: pexels.com

 

Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität

4.000 Euro zahlt die Bundesregierung bisher beim Kauf eines elektrisch angetriebenen Pkw oder kleinen Nutzfahrzeuges. Diese Umweltprämie wird nun bundesweit erstmalig durch das Land Berlin mit zusätzlichen 4.000 Euro aufgestockt. Außerdem zahlt das Land weiterhin Abwrackprämien in Höhe von 1.000 bis 1.500 Euro bei Verschrottung des alten Diesels oder Benziners. Die Beiträge gelten für mit Brennstoffzelle oder Batterie betriebene Pkw oder kleinere Lastenfahrzeuge bis 2,25 Tonnen. Für Plug-In Hybride gewährt der Senat ab Juli 3.000 Euro Zuschuss. Die Entscheidung zur Umrüstung des Fuhrparks wird zusätzlichen mit staatlichen finanzierten Beratungsangeboten unterstützt. Damit kann ein Betrieb ein Elektrofahrzeug zukünftig für bis zu 9.000 Euro weniger erwerben.

Noch wichtiger ist die finanzielle Unterstützung der Lade-Infrastruktur für die Elektromobilität. Häufig wird das schwach ausgebaute Netz als Grund für die Entscheidung gegen ein E-Fahrzeug angegeben. Entscheidet sich ein Unternehmen für die Errichtung einer Ladesäule auf dem gewerblichen Grundstück, schießt Berlin nun rund 2.500 Euro dazu. Für öffentlich nutzbare Schnellladepunkte werden bis zu 30.000 Euro Zuschuss gewährt, um die Infrastruktur auch weiterhin über den Lieferverkehr hinaus zu sichern.

 

Kernpunkt des Förderprogramms: der Ausbau der Lade-Infrastruktur für die Elektromobilität. | Foto: pexels.com

 

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

„Das umfangreiche Maßnahmenpaket macht deutlich, dass wir interessenübergreifend eine saubere, klimaschonende und gesunde Mobilität für Berlin erreichen wollen. Durch die von mir auf Bundesebene geforderte und nun erfolgte Aufhebung des Verbotes von Doppelförderungen können wir jetzt eine finanziell attraktive Förderung von Elektromobilität für die Berliner Wirtschaft auflegen. Uns eint auch weiterhin das Bestreben, Fahrverbote in Berlin möglichst zu vermeiden. Daran halten wir fest, erklärt der Regierende Bürgermeister Michael Müller.

Durch die Berliner Strategie der attraktiven Elektromobilität durch verdoppelte Zuschüsse werden die drohenden Fahrverbote bisher nur aufgehalten. Die auf autofreie Innenstädte klagenden  Naturschutzbünde ziehen mit ihren Anliegen im Herbst vor Gericht. Eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen das Land Berlin wird voraussichtlich im Oktober 2018 verhandelt. Die Kumulation der Zuschüsse von Bund und Land ist bundesweit jedoch eine bisher einmalige Aktion.

Die Wirtschaft wünscht sich weitere Schritte

IHK-Präsidentin Beatrice Kramm begrüßt die Konkretisierung des Förderprogramms, mahnt jedoch, dass es bislang Lücken im Angebot von größeren, elektrisch betriebenen Lieferwagen gäbe. Eine Alternative wird in der finanziellen Förderung von Gasantrieben gesehen, die für den größeren Lieferverkehr bereits auf dem Markt sind. Sie sind weitaus weniger belastend für die Umwelt als bisher genutzte Lkws mit Dieselantrieb.

„Durch die Kombinierbarkeit von Bundes- und Landesförderung wird die E-Mobilität für Unternehmen wirtschaftlich. Damit die Ladeinfrastruktur kein Hemmschuh bleibt, hat die IHK Berlin mit mehreren Parkhausbetreibern die Initiative ,Berliner Elektroparkhäuser‘ gestartet. Die Teilnehmer werden bis Ende 2019 über 200 Ladestationen zusätzlich in Berliner Parkgaragen aufbauen“, erklärt Kramm. Wie der Senat, so sieht auch die Handelskammer den Ausbau der Lade-Infrastruktur als entscheidenden Faktor für die Erhöhung der Akzeptanz von E-Mobilität. (cn)

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