Ecotab: Nachhaltige Reinigungspillen ermöglichen umweltfreundliches Putzen

Ein neues Alltagprodukt soll den CO²-Fußabdruck der Deutschen verringern: Ein Berliner Start-up vertreibt nachhaltige Reinigungstaps, die Emissionen, Plastik und Kosten sparen.

Ecotab: Umweltfreundlichkeit als oberste Prämisse

Glück im Unglück: Jannes Meier und Nicolas Pless gründeten im Dezember 2019 ein Start-up, welches sich mit dem Verkauf von Instant-Reinigungsmitteln befasst. Da die Nachfrage nach allen Mitteln, die im Kampf gegen Viren dienlich sein könnten, aktuell sehr hoch ist, kann man hier wohl von einem guten Timing sprechen. Dabei zielt das Konzept des Start-ups eigentlich auf einen ganz anderen Trend: Nachhaltigkeit.

Das Umweltbewusstsein der Bevölkerung steigt kontinuierlich und immer mehr Unternehmen, versuchen von der Entwicklung zu profitieren. Auch die Gründer von Green Home Living haben den Geist der Zeit erkannt. Pless‘ Studium Chemie und Verfahrungstechnik bot ihnen die optimale Grundlage, um die Produktlinie ecotabbestehend aus kleinen Reinigungspillen – zu entwickeln. Der Unterschied zwischen zu herkömmlichen Mitteln ist genauso einfach wie effizient: Der Inhaltsstoff Wasser wird erst vom Verbraucher hinzugefügt. Dieser kleine Trick reduziert die Emissionsausgaben um 94 Prozent. Denn die Reinigungsmittel weisen dadurch deutlich weniger Gewicht auf.

Ecotab liefert seinen Kunden zudem aus recycelbarem Plastik bestehende Sprühflaschen, in denen der Verbraucher die kleinen Taps mit 750 Milliliter Leitungswasser mischen kann. Genau wie Brausetabletten, lösen sich die Pillen in kurzer Zeit auf. Aktuell gehören zum Sortiment ein Allzweckreiniger im Duft Bergamotte, ein Badreiniger, der nach Zitrone riecht und ein Glasreiniger in der Duftrichtung Aloe Vera.

Markt der nachhaltigen Putztaps floriert

Mit ihrem innovativen Produkt ist Green Home Living allerdings nicht allein auf dem Markt. Ganz ähnliche Produkte bieten auch die Unternehmen BioBaula und Everdrop, dessen Gründungen auch erst wenige Monate zurückliegt. Alle drei Unternehmen können schon erste Erfolge verbuchen. Für seine Produktlinie ecotab hat das Unternehmen Green Home Living mit Sitz in Berlin jetzt eine Seed-Investment-Runde im mittleren sechsstelligen Bereich erfolgreich abgeschlossen. Zu den Kapitalgebern gehören renommierte Namen der Startup- und Venture-Capital-Szene, darunter Max Laarmann, Gründer von Emma Matratzen, Matthias Wilrich, Vice President Sourcing Tier Mobility, Dieter Lutz, Marketing Director Molkerei Müller, sowie Markus und Niklas Ott, Gründer von bonavi. Das Berliner Unternehmen wolle ihre Chance nutzen, um kontinuierlich zu expandieren und neben dem Online-Geschäft auch in den stationären Handel einsteigen, berichtet die Berliner Morgenpost. Des Weiteren habe das Start-up das Ziel bis Ende 2020 eine Millionen Plastikflaschen einzusparen. Man kann also davon ausgehen, dass wir in nächster Zeit immer mehr von den nachhaltigen Reinigungspillen sehen werden. (aak)

Gewobag gewinnt BBU-Zukunftsaward 2020

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) zeichnete das Berliner Wohnungsunternehmen Gewobag für sein herausragendes Klimaschutzprojekt aus. Ihr System zur Energiespeicherung sorgt für eine zukünftige klimaneutrale Energieversorgung eines Berliner Wohnquartiers.

Klimawandel muss bekämpft werden

Der Klimawandel ist inzwischen für alle deutlich zu spüren und die Sorge vor immensen Veränderungen wächst zunehmend. In Zeiten wie dieser braucht es vor allem technikaffine Pioniere, die durch Innovationen den CO2-Ausstoß senken, um gegen die drastischen Folgen der globalen Erwärmung vorzugehen. Das Berliner Wohnungsunternehmen Gewobag zählt zu diesen Wegbereitern in eine klimaneutrale Zukunft.

Innovative Energiespeicherung sorgt für Hoffnung

Gemeinsam mit Vattenfall Energy Solutions und dem Energiespeicher-Start-up Lumenion ermöglichte Gewobag die Umsetzung eines Pilotprojektes in einer Wohnsiedlung in Berlin-Tegel. Hierbei nimmt ein Stahlspeicher regionale überschüssige Energie aus Wind- und Sonnenenergie auf, um dadurch die Haushalte mit emissionsfreiem Strom und Wärme zu versorgen. Folglich stellt die Gewobag nicht nur die Versorgung des Quartiers sicher, sondern unterstützt auch die Regulierung von Ressourcen und die Senkung von Betriebskosten von Bestandsgebäuden.

Zusammenarbeit ist entscheidend

Dadurch bietet das Immobilienunternehmen ein Musterbeispiel, wie ein wertvoller Umgang mit der globalen Umweltkrise gemeinsam mit Partnern aussehen sollte. „Die Energiewende können wir nur dezentral und in der Kooperation mit starken Partnern meistern. Als landeseigenes Wohnungsbauunternehmen leisten wir in unseren Quartieren unseren Beitrag zum Klimaschutz und einer messbaren CO2-Einsparung. Wir freuen uns, mit diesem Projekt die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Energieversorgungsunternehmen, städtischer Wohnungsbaugesellschaft und innovativem Start-up zu demonstrieren und sind stolz auf diese Auszeichnung“, erklärt Snezana Michaelis, Vorstandsmitglied der Gewobag.

BBU-Zukunftsaward: Tradition sucht Innovation

Bereits seit 20 Jahren zeichnet der Verband Berliner- Brandenburgischer Wohnungsunternehmen Immobiliengesellschaften aus. Im Mittelpunkt standen dieses Jahr Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich Energie und Klimaschutz. Vor allem habe die Jury auf Einsparungen von Emission und Betriebskosten geachtet, betonte Maren Kern, BBU-Vorstandsmitglied. Das Pilotprojekt des Gewobag konnte insbesondere durch ihren hohen Grad an Innovation überzeugen. Mit rund 70.000 Mietswohnungen gehört das Wohnungsunternehmen zu den größten der Republik. Insofern darf in Zukunft auf mehr Projekte dieser Art gehofft werden. (aak)

Grüne Woche 2020 – Impulse für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft

Landwirtschaft, Ernährung, Klima – gestern ging die 85. Grüne Woche in Berlin zu Ende. Mit 400.000 Messe- und Kongressbesuchern, darunter rund 90.000 Fachbesucher aus 75 Ländern hat die Veranstaltung unter dem Funkturm wieder ihren Stellenwert als globale Leitmesse für nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft unter Beweis gestellt. Das konsumfreudige Publikum gab mehr als 52 Millionen Euro für den Verzehr vor Ort und den Kauf von Waren aus.

Klima – das zentrale Thema

Im Mittelpunkt der Messe standen die Herausforderungen des Klimawandels für die Land- und Ernährungswirtschaft und Lösungsansätze für nachhaltige, ressourcenschonende und umweltfreundliche Produktionsverfahren.

„Die Grüne Woche 2020 hat mehr denn je ihre Funktion als wichtigste Dialogplattform für die Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft unterstrichen. Sie vereint alle Marktteilnehmer und bietet allen gesellschaftlichen Gruppen eine Bühne, um lösungsorientiert die Zukunftsfragen der Land- und Ernährungswirtschaft im nationalen und globalen Kontext zu erörtern. So war die Grüne Woche ein Spiegelbild der aktuell geführten gesellschaftlichen Auseinander-setzung um Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz“, erklärt Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH.

Nachhaltiger leben – Umwelttipps für den Alltag

So erhielten Besucher Einblicke in Lösungsansätze, die die Landwirtschaft aktuell zum Klimaschutz entwickelt und konnten zum Beispiel Feldroboter und Traktoren mit klimafreundlichen Kraftstoffen vor Ort erleben. Darüber hinaus informierte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Messebesucher, welche Möglichkeiten sie als Verbraucher haben. Nachhaltiger Einkauf im Supermarkt, die Gestaltung eines bienenfreundlichen Gartens, Verwertung von Lebensmitteln – die Besucher erhielten viele nützliche Tipps. Erstmals war auch Fridays for Future mit einem Stand vertreten.

Ein besonderes Highlight war die „Klimabubble“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei dem die Besucher mittels VR-Brille virtuell nach Madagaskar reisen konnten, um dort die Auswirkungen des Klimawandels zu erleben.

Grüne Woche 2020 – Partnerland Kroatien

Das diesjährige Partnerland Kroatien präsentierte in Halle 10.2 eine Vielzahl an landestypischen Spezialitäten aus den vier Regionen Istrien, Slawonien, Dalmatien und Zentralkroatien. Die über fünfzig großen und kleinen Lebensmittelunternehmen und Familienbetriebe boten zahlreiche gastronomische Köstlichkeiten wie kroatische Fleisch- und Fischprodukte, Weine, Olivenöle, Süßwaren oder kostbaren Trüffel.

Grüne Woche 2020 – eine Deutschlandreise

Das Brandenburger Tor aus Schokolade - Grüne Woche 2020

Die Schokoladenmanufaktur Rausch zeigte ein Brandenburger Tor ganz aus Schokolade | Foto: BERLINboxx

Von der Küste bis zu den Alpen – auch in diesem Jahr waren wieder die einzelnen Bundesländer vertreten und zeigten kulinarische Highlight aus ihrer Region. Berlin präsentierte sich zwischen Tradition und Innovation. So waren sowohl Florida Eis und Rausch als auch Koawach und Spooning Cookie Dough mit einem Stand vertreten. (aw)

Bund und Länder investieren in der Hauptstadt Millionen in Künstliche Intelligenz

Berlin ist in Deutschland bereits seit Jahren Vorreiter für Künstliche Intelligenz. Mit zahlreichen KI-Start-ups und zwei KI-Forschungszentren an der Technischen Universität ist die Hauptstadt als Innovations-Hotspot für Wissenschaft und Praxis gerade zu prädestiniert.

Am gestrigen Mittwoch stellten Michael Müller, Regierender Bürgermeister und Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, die aktuellen Förderungsmaßnahmen der Bundesregierung für den Bereich KI vor. Geplant ist eine Zusammenführung der beiden KI-Forschungszentren der TU (Berlin Big Data Center (BBDC) und Berliner Zentrum für Maschinelles Lernen (BZML)) zu einem KI-Leuchtturm im neuen Berlin Institute for the Foundation of Learning and Data (BIFOLD).

18 Millionen Euro für den neuen KI-Leuchtturm

Mit der Entstehung des neuen Zentrums soll die Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz erweitert und gebündelt werden. Im Zuge dessen entstehen auch acht neue KI-Professuren an der TU Berlin und an der Freien Universität Berlin, die Forschung und Ausbildung im Bereich Big Data und maschinellem Lernen verknüpfen sollen. Daher hat das Bundesforschungsministerium jetzt zugesichert, 18 Millionen Euro beizusteuern und somit seine Förderung auf insgesamt 32 Millionen Euro für den Zeitraum zwischen 2019 und 2022 zu erhöhen.

BIFOLD bringt die Hauptstadt voran

Für Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist dieser Schritt ein wichtiger Meilenstein, um die KI-Forschung in der Hauptstadt voranzubringen: „In BIFOLD werden zentrale KI-Kompetenzen gebündelt. BIFOLD wird auch einen Schwerpunkt auf Forschung zu Transparenz und Erklärbarkeit von KI-Systemen sowie ethische Aspekte legen. Das unterscheidet uns gerade von KI-Forschungsstandorten auf anderen Kontinenten. Wir brauchen exzellente Forschung, um Deutschland zu einem Spitzenstandort für KI zu machen. Deshalb macht das BMBF BIFOLD möglich und unterstützt kraftvoll den Ausbau der weiteren deutschen KI-Kompetenzzentren durch eine Verdopplung der Mittel.“

Auch Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin, ist überzeugt von der Fusion der Forschungszentren: „Der technologische Fortschritt ist heute mehr denn je mit gesellschaftlichen Debatten um Regulierung, Transparenz und Verantwortung verflochten. Auch für diese richtige und notwendige Rückkopplung mit gesellschaftlichen Fragestellungen und Herausforderungen bieten sich dem BIFOLD als integraler Bestandteil der TU Berlin beste Voraussetzungen.“

Berlin als Innovations-Hotspot für Künstliche Intelligenz

Das neue Zentrum BIFOLD soll den Standort Berlin für den weltweiten Wettbewerb rüsten und noch attraktiver für intelligente KI-Experten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen machen. Dabei ist die Hauptstadt in Sachen KI in der Wirtschaft bereits sehr erfolgreich: 48 Prozent der deutschen KI-Start-ups wurden zwischen 2012 und 2017 in der Hauptstadt gegründet und über ein Viertel der deutschlandweiten KI-relevanten Unternehmen haben ihren Sitz in der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Die aktuellen Entwicklungen lassen darauf schließen, dass die Hauptstadt das Gebiet der KI auch in der Zukunft voranbringen wird. (sz)

„Berlin ist die deutsche Hauptstadt der Medizin“

Im Gespräch mit Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung

Berlin belegt in der Medizin international Spitzenplätze. Das Geheimnis der Gesundheitsstadt Berlin: Ideale Voraussetzungen und ein breites Netzwerk.

Berlin ist Deutschlands führende Gesundheitsmetropole. In Europa steht die Charité auf Platz eins der besten Hospitäler und weltweit auf Platz 5 – Was macht die Stärke des Gesundheitsstandorts Berlin aus?

Unsere Situation ist deutschlandweit wirklich einzigartig. Denn Berlin hat alles, was eine echte Gesundheitsmetropole ausmacht. Medizinische Spitzenforschung, hervorragende Krankenhäuser, Wirtschaftsunternehmen vom jungen Start-up bis zum großen Pharmakonzern. Aus dieser Vielfalt ergibt sich eine große Dynamik, die wir gezielt weiterentwickeln, und die immer mehr Talente und Akteure anzieht. Der World Health Summit in Berlin hat sich längst zum Treffen der Gesundheitswelt entwickelt, internationale Schwergewichte der Medizinförderung wie die Bill-and-Melinda Gates Stiftung und der Wellcome Trust haben in Berlin Dependancen bezogen.

Auch das fabelhafte Abschneiden unserer Universitäten und der Charité im deutschen Exzellenzwettbewerb bringt neuen Schub: Auf der Agenda der Berlin University Alliance steht ganz prominent die Gesundheitsforschung. Aus all dem ergibt sich ein unglaubliches Zukunftspotenzial, das wir mit der Strategie „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ noch besser nutzen werden. Im Dreiklang aus Wissenschaft, medizinischer Versorgung und natürlich auch Wirtschaft führen wir Berlin als Gesundheitsstandort an die internationale Spitze.

Charité - Gesundheitsstadt Berlin

Charité Berlin – Medizinische Spitzenforschung in der Hauptstadt. | Foto: Charité-Universitätsmedizin-Berlin

Auch Berlin unterliegt dem demografischen Wandel. Es wird sogar von einer massiven Verschiebung in der Zusammensetzung der Bevölkerung gesprochen. Was bedeutet das für das Gesundheitswesen und inwieweit können moderne Technologie eine Lösung sein?

Wir werden – vor allem dank der vielen technologischen Fortschritte in der Medizin – immer älter. Das ist ja erstmal eine gute Nachricht. Damit entstehen natürlich auch neue Anforderungen an das Gesundheitswesen und unsere Gesellschaft insgesamt. Die Zahl der Menschen mit chronischen Krankheiten wird weiter steigen, die Pflege wird eine noch größere Rolle spielen, der gesamte medizinische Bereich mehr hervorragend ausgebildete Fachkräfte brauchen. Dabei stellt sich die Frage, wie wir mithilfe von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz diesen Anforderungen noch besser begegnen können. Dafür haben wir in Berlin die besten Voraussetzungen. Über einhundert Professuren forschen hier bereits auf verschiedenen Feldern der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und wir nutzen diese geballte Expertise verstärkt für die Medizin. Diagnosen können verbessert werden, die Behandlung erkrankter Menschen präziser erfolgen, und der Einsatz digitaler Technologien auch zur Entlastung von Klinikpersonal führen.

Mit dem medizinischen Fortschritt gehen auch veränderte Anforderungen und Erwartungen an die Gesundheitsversorgung einher. Einige der neuen Therapien verlangen ein hohes Qualitätsniveau. Sind Ärzte und Pflegekräfte in Berlin gut darauf vorbereitet?

Das Medizinstudium an der Charité hat einen hervorragenden Ruf. Auch die Ausbildung medizinischer Fachkräfte an unseren Fachhochschulen setzt hohe Standards. Gemeinsam mit unseren Institutionen reagieren wir auf die veränderten Anforderungen, indem wir Ausbildungskapazitäten erhöhen und neue Studiengänge einführen, etwa im Bereich der Pflege. Wir müssen auch sicherstellen, dass Fachkräfte sich fortbilden können. Das sind die besten Grundlagen zur Sicherung einer anhaltend hohen Qualität in der medizinischen Versorgung. Zusammen mit der Charité und der landeseigenen Vivantes entwickeln wir ein gemeinsames Aus- und Weiterbildungszentrum mit mehreren Tausend Plätzen.

Die Digitalisierung der stationären Krankenversorgung steckt auch in Berlin noch ziemlich in den Kinderschuhen. Welche Bemühungen werden hier gemacht?

Wir fangen ja nicht bei Null an, aber es ist richtig, dass wir die Digitalisierung im Gesundheitssektor noch stärker vorantreiben. Berlin hat das Zeug zur deutschen Modellstadt für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Charité und Vivantes, zusammengenommen gut 9.000 Krankenbetten berlinweit, arbeiten bereits enger zusammen, um ihre Digitalisierungsprozesse noch besser zu verzahnen und weiterzuentwickeln.

Wir tauschen uns zudem mit internationalen Partnern aus, man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Mit dem australischen Bundesstaat Queensland, der als Vorreiter in der Digitalisierung des Gesundheitswesens gilt, haben wir vergangenes Jahr während meiner Australienreise als Bundesratspräsident eine Kooperation gestartet. Es geht um gemeinsame Forschung zu Medizin und Digitalisierung, genauso wie um den Erfahrungsaustausch beim Einsatz digitaler Technologien. Experten von beiden Seiten treffen sich regelmäßig in Arbeitsgruppen.

Das sind ganz praktische Schritte, aber wir brauchen auch einen Mentalitätswechsel. Vor lauter Sorge um mögliche Risiken drohen wir hierzu lande zu oft den Blick für die Chancen der Digitalisierung zu verlieren. Die digitale Patientenakte ist so ein Beispiel. Man kann beides haben, die Einhaltung hoher Datenschutzstandards und ein modernes, digitales Werkzeug, das Patienten und Ärzten gleichermaßen große Vorteile eröffnet.

Die Zukunftskommission Gesundheitsstadt Berlin 2030 rät, alle Vorgänge im Krankenhaus, die nicht unmittelbar von Menschen durchgeführt werden müssen, durch Digitalisierung zu ersetzen. Ist diese Überlegung realistisch, wo doch zunächst der Zustand von Gebäuden und technischer Infrastruktur dringend verbessert werden muss?

Beides ist richtig und kein Widerspruch. Wenn wir über das Jahrzehnt der Investitionen sprechen, dann betrifft das natürlich auch die Gesundheitsinfrastruktur. Allein an den vier Standorten der Charité führen wir in den nächsten Jahren Maßnahmen im Umfang von über einer Milliarde Euro durch. Auch die technische Infrastruktur wird modernisiert, von neuen Leitungen und WLAN-Stationen, über Hightech-Betten bis hin zu medizinischen Großgeräten. Das alles gehört konsequenterweise dazu, wenn wir über die Digitalisierung der Medizin sprechen. Über gemeinsame IT-Infrastrukturen wollen Charité und Vivantes dabei Synergien noch besser nutzen. Die zweite Frage ist, wo genau im Krankenhausalltag digitale Technologien sinnvoll zum Einsatz kommen können. Das wird man sicherlich immer wieder prüfen müssen und dabei auch kritisch hinterfragen: Wieviel Mensch und wieviel Maschine wollen wir? Bei allen Verbesserungen, die wir durch Technologieeinsatz erreichen können, wird die Gesundheitsversorgung immer menschliche Expertise und Empathie brauchen.

Sie haben stark daran mitgewirkt, dass das Berlin Institute of Health nun Teil der Charité ist – was bedeutet dieser Zusammenschluss für Berlin?

Berlin spielt immer mehr im Konzert der großen internationalen Innovationsmetropolen mit, das gilt auch und besonders für die medizinische Forschung. Die Integration des Berlin Institute of Health in die Charité ist dafür ein weiterer Meilenstein. Neben Klinikum und medizinischer Fakultät wird das BIH nun als dritte Säule der Charité exzellente Forschung stärken und dafür sorgen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse noch schneller als medizinische Innovation ans Krankenbett gelangen. Davon profitieren Patientinnen und Patienten, übrigens nicht nur in Berlin. Denn die Charité und das BIH haben eine Strahlkraft, die deutlich über die Grenzen unserer Stadt hinausgeht. Durch diesen Schritt wird ein ganz neues Kapitel für den Innovationsstandort Deutschland aufgeschlagen. Erstmals steigt der Bund direkt und unbefristet in die Finanzierung einer wissenschaftlichen Landeseinrichtung ein, das Budget für das BIH beträgt jährlich gut 77 Millionen Euro. Das ist bislang einzigartig und ein klares Bekenntnis: Berlin ist die Hauptstadt der Medizin. (aw)

„Der internationale Glanz der Charité fällt auch auf unseren Bezirk”

Im Gespräch mit Stephan von Dassel (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksbürgermeister von Mitte

Die verschiedenen Ortsteile von Mitte sind so unterschiedlich wie ihre Bewohner. Der Bezirk lebt durch Gegensätze und Widersprüche. Und vor allem liegen zwei der vier Campi der Charité dort. Die BERLINboxx traf Bezirksbürgermeister von Dassel und sprach mit ihm über Herausforderungen im Bezirk und die Bedeutung der Charité.

Zwei von vier Campi der Charité sind in Mitte angesiedelt. Welche Bedeutung hat das Universitätsklinikum für den Bezirk?

Das Universitätsklinikum hat eine sehr große Bedeutung für den Bezirk. Von der medizinischen Bedeutung für die Menschen, nicht nur in Mitte, einmal abgesehen, strahlt die Charité im internationalen Glanz. Von diesem Glanz fällt auch ein bisschen auf unseren Bezirk. Die Charité mit ihren Einrichtungen gehört ebenso zu Mitte wie der Fernsehturm, das Brandenburger Tor oder der Tiergarten. Darauf sind wir natürlich sehr stolz.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller möchte Berlin zur Forschungsmetropole, zum Zentrum der Spitzenmedizin ausbauen. Wird diese Entwicklung auch den Bezirk verändern?

Natürlich wird dieser Ausbau Auswirkungen auf den Bezirk Mitte haben – vor allem für Wedding. Denn für den dortigen Standort, insbesondere das Deutsche Herzzentrum – das im Zusammenhang mit Spitzenmedizin immer zu nennen ist – gibt es ja Umbaupläne, die ihn, aber auch das Umfeld, nochmals deutlich aufwerten würden. Dies allerdings nicht nur in einem physikalischen, sondern auch in einem ideellen Sinne. Mitte ist ja schon jetzt das bevorzugte Ziel vieler Menschen, die aus anderen Teilen der Stadt, des Landes oder der Welt kommen. In einigen Jahren wird es dafür dann neben den klassisch touristischen Gründen, einen noch stärker als heute schon ausgeprägten medizinisch-wissenschaftlichen Grund geben. Und das ist großartig – für uns Patientinnen und Patienten genauso wie für Menschen, die in der medizinisch-wissenschaftlichen Branche in Berlin-Mitte beruflich tätig sind.

Nachverdichtung, E-Scooter, Leihräder und Co. an jeder Straßenecke, weitere Investitionen in die Charité – in Mitte passiert gerade sehr viel. Wo sehen Sie Ihren Bezirk in zehn Jahren?

Grundsätzlich gilt auch in Mitte: Veränderung ist Fortschritt. Es sind ja nicht nur die beabsichtigten Investitionen in die Charité, die wir im Bezirksamt mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, weil sie den Bürgerinnen und Bürgern dienen und damit uns allen, die wir hier leben. Wir freuen uns auch über viele andere Investitionen: Wohnungsbau, Kita- und Schulbauten aber auch Investitionen in weitere Infrastruktur sowie Firmen und damit in Arbeitsplätze. Als Bezirksbürgermeister stehe ich ansonsten natürlich auch jeder Innovation, die Auswirkungen auf das Zusammenleben in unserem Bezirk hat, grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber. Wichtig für ein freiheitliches und tolerantes Zusammenleben ist allerdings die Einhaltung von Regeln, denn nur dann können sich Mitte und die gesamte Stadt diesen von vielen geschätzten Lebensstil bewahren. Das gilt für E-Scooter und Leihfahrräder genauso wie den normalen Autoverkehr, die Nutzung von Parks und öffentlichen Grünanlagen und das Verhalten im Öffentlichen Raum allgemein. Daran wird sich auch in zehn Jahren nichts geändert haben – Mitte wird dann genauso wie heute ein lebenswerter Bezirk sein, der seine Reize nicht zuletzt aus seiner bunten Vielfältigkeit bezieht. (aw)

Prof. Thomas Skutella: Ein Meilenstein in der Reproduktionsmedizin

Für viele Frauen ist es ein schweres Schicksal, wenn sie keine Kinder bekommen können.

Auch moderne Methoden der In-vitro-Fertilisation können manchen Frauen nicht helfen. Zum Beispiel helfen keine LH- oder FSH-Stimulanzien, wenn eine Frau sogenannte polyzystische Ovarien (PCO), Endometriose oder sogar das ovarielle Low-Responder-Syndrom hat. Zu wenige oder keine Eizellen können sich durch IVF aus dem Ovar entwickeln. Die bisherige Diagnose lautete unfruchtbar.

 

Durchbruch nach mehr als zehn Jahren intensiver Forschung

Dank neuer Forschungen kann jetzt – in einigen Fällen – geholfen werden. Das Labor von Prof. Dr. Thomas Skutella, Professor für Zellbiologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, hat in einem vom BMBF geförderten Kooperationsprojekt mit Prof. Irma Virant-Klun vom Universitätsklinikum in Ljubljana, Slowenien, nach mehr als 10 Jahren intensiver Forschung an weiblichen Oozyten einen Durchbruch geschafft.

Bei IVF-Patientinnen gibt es einen Anteil von etwa 15 – 20 % an unreifen Follikeln, die Keimbläschen (KB) genannt werden. Bisher konnten diese Keimbläschen nicht befruchtet werden und werden daher ausgesondert. Mit einer neuen Methode der sogenannten „In-vitro-Maturation“, kurz IVM, können die Progenitorzellen der Follikel jedoch in der Petrischale künstlich zur Reife gebracht werden.

 

Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden

Die Forschungsgruppe um Prof. Skutella zeigte, dass es möglich ist, den In-vitro-Prozess der menschlichen Oozytenmaturation in einer Co-Kultur mit Kumuluszellen von reifen Eizellen derselben Frau zu verbessern, um ein klinisch erfolgreicheres und sichereres zukünftiges Verfahren zu generieren.

Dieses Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden, die sich einer Chemotherapie oder Strahlentherapie unterziehen, um ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. In diesen Fällen wird das Material vor der Therapie entfernt und künstlich gereift. Es ist nicht mehr notwendig, dass die Patientinnen wie bisher wertvolle Zeit warten müssen, bis durch In-vivo-Stimulation reife Oozyten gewonnen werden können.

 

Besseres Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit

Die Forschungsgruppen von Prof. Skutella und Virant Klun arbeiten derzeit daran, die Rate der Oozytenmaturation in Gonadotropinen (FSH, hCG und AMH) im Verhältnis zum Alter der Oozytenspender auf Einzelzellenebene besser zu verstehen. Sie untersuchen die Expression von Transkriptionsfaktoren, die zuvor in einer Pilotstudie zur In-vitro-Maturation menschlicher Oozyten identifiziert wurden, einschließlich der oozytenspezifischen Gene FIGLA und H1FOO in einzelnen in-vitro gereiften Eizellen. Darüber hinaus analysieren die Forschungsgruppen den Einfluss von Gonadotropinen und dem weiblichen Alter auf die Regulationsmechanismen von miRNAs auf die Expression von Transkriptionsfaktoren und anderen wichtigen identifizierten Genen in einzelnen Oozyten und vergleichen die exosomale miRNA von in-vivo und in-vitro gereiften Oozyten. Sie erwarten, dass die Ergebnisse ein besseres zukünftiges Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit liefern und eine Grundlage für die mögliche Entwicklung neuer Medikamente und Therapien zur Stimulation der Ovarialhormone bei IVM bilden werden.

 

Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation

Ein weiterer Durchbruch in der Reproduktionsmedizin ist die Möglichkeit der genetischen Präimplantationsdiagnostik. Kinderlose Paare gehen oft einen langen Leidensweg von unzähligen IVF-Versuchen. Ein Grund, warum die In-vitro-Fertilisation oft scheitert, ist die schlechte Qualität der befruchteten Oozyten. Schlechte Qualität heißt in der medizinischen Fachsprache Aneuploidie, also schwerste Chromosomenstörungen, die nicht lebensverträglich sind. Von „außen“ kann aufgrund der Morphologie die Qualität des Eis oft nicht erkannt werden, was dazu führen kann, dass der gesamte Prozess der künstlichen Befruchtung und Implantation praktisch vergeblich durchgeführt wird.

Die Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation und beeinflusst die daraus resultierende Embryonalentwicklung, Schwangerschaft und Geburt. Sie dient damit als Grundlage für die menschliche Fortpflanzung und Fruchtbarkeit. Die Möglichkeit, die Qualität der Oozyten im Rahmen des In-vitro-Fertilisationsprogramms zu bewerten, ist sehr eingeschränkt.  Abgesehen von der Beurteilung des Aussehens des Oozyten haben die Ärzte keine weiteren Kriterien zur Verfügung.

Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen

Genexpressionsprofile von einzelnen Oozyten bieten neue und klarere Einblicke in die Qualität und Genese der Oozyten und werden in naher Zukunft in die klinische Praxis einfließen.
Die Ergebnisse sollen neue grundlegende Informationen über den menschlichen Oozyten, seine Vielfalt und ein tieferes Verständnis der molekularen Mechanismen der menschlichen Eizelle während der In-vitro-Maturation liefern. Letztendlich trägt dies auch zur Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen und zur genaueren Erhaltung der Fruchtbarkeit bei Krebspatientinnen bei. (red)

GASAG zieht auf den EUREF-Campus – für eine CO2-neutrale Energiezukunft

Im Jahr 2021 ist es endlich soweit – die GASAG AG, führender Netzbetreiber und Energiedienstleister in Berlin-Brandenburg, zieht mit seinem Unternehmenssitz auf den EUREF-Campus. Am 19.09. konnte schon mal Richtfest für die Unternehmenszentrale gefeiert werden.

Schon seit 2014 ist deren Tochtergesellschaft GASAG Solution Plus für das Energiekonzept des gesamten Quartiers verantwortlich. Dort sollen zukünftig helle Köpfe an klimaneutralen Konzepten arbeiten, um sich einer CO2-freien Energiezukunft zu nähern.

Letzte Vorbereitungen für das GASAG Energiequartier

Damit sich bald rund 1.200 Mitarbeiter in den hochmodernen Bürogebäuden einrichten können, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ende 2020 sollen die Arbeiten an dem „GASAG Energiequartier“ abgeschlossen sein. Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit blickt der Zukunft am neuen Standort positiv entgegen: „Der EUREF-Campus ist heute schon ein innovativer und pulsierender Ort in der Hauptstadt. Als Unternehmen, das Wandel als Ansporn begreift, gestaltet die GASAG die Energiewende mit.“

EUREF-Campus als hochmodernes und klimaneutrales Energiequartier

Neben der GASAG-AG, die rund 700 Mitarbeiter*Innen mitbringt, soll auch die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg zukünftig mit etwa 500 Mitarbeiter*Innen am Standort einziehen. In den neuen Bürogebäuden steht den Energielieferanten dann insgesamt eine Fläche von über 20.000 Quadratmetern zur Verfügung.

Richtfest für das GASAG Energiequartier auf dem EUREF-Campus

Richtfest: Beim Richtfest für das ‚GASAG Energiequartier‘ schneiden Dr. Gerhard Holtmeier und Reinhard Müller die Torte an. | Foto: GASAG

Der Campus überzeugt außerdem mit einer hochmodernen Gebäudetechnik sowie einer Stromversorgung aus erneuerbaren Energien. Damit ist er ein Vorreiter für die geplante Energiewende und die Erfüllung der CO2-Klimaziele für das Jahr 2050. Vorstandsvorsitzender der GASAG AG, Dr. Gerhard Holtmeier, ist überzeugt von der Effizienz des neuen Campus: „Wir ziehen an einen Standort, an dem wir belegen können, dass eine CO2-neutrale Zukunft schon heute möglich ist.“

Traditionsreicher Standort wird zum Energiequartier der Zukunft

Auf dem EUREF-Campus, wo bis in die 1940er Jahre noch im Gasometer das Stadtgas produziert wurde, forschen bereits seit 2008 über 3.500 Beschäftigte von Unternehmen und Start-ups an innovativen Energiekonzepten. Um weiterhin möglichst wirkungsvoll an energieeffizienten und emissionsarmen Plänen zu arbeiten, werden dort die Prinzipien Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Digitalisierung vereint. Hochmoderne Technologien machen eine klimafreundliche Versorgung mit Wärme, Mobilität und Strom möglich und rücken eine klimaneutrale Zukunft in greifbare Nähe.

Bei der Entwicklung zahlreicher Konzepte spielten auch die Mitarbeiter*Innen eine zentrale Rolle. Sie waren unter anderem maßgeblich an der Namensvergabe des „GASAG Energiequartiers“ und des „NBB Netzquartiers“ beteiligt. Außerdem leisteten sie auch einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der räumlichen Gestaltung. Seit September dieses Jahres können die Mitarbeiter*Innen den neuen Arbeitsraum am aktuellen Standort am Hackeschen Markt probeweise auf Pilotflächen testen und sich selbst ein Bild über die neuen Büroräume machen. (sz)

Internationale Summer School 2019 – Urban Ideation Lab Event im B-Part Am Gleisdreieck

Das Experimentierlabor B-Part Am Gleisdreieck wurde bereits Anfang 2019 als Pionierprojekt der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck eröffnet und ermöglicht eine Begegnungsstätte, um auf ca. 1000 Quadratmeter einen Raum für beruflichen Austausch und Networking, als auch die Erfahrung kultureller Lebenswelten zu schaffen. Ein aktuelles Projekt, das vom 16.09.19 bis 28.09.19 im Außenbereich des Gleisdreiecks stattfindet und unter anderem vom Urban Ideation Lab, dem Architekturkollektiv Urban Oasis, als auch der Technischen Universität Berlin organisiert wird, ist die Summer School mit dem Thema „Prototyping collaborative spaces“. Sie ermöglicht täglich zwischen 10:00 und 18:00 Uhr das Zusammenkommen von Künstlern und Studierenden, um Visionen der zukünftigen Zusammenarbeit im Coworking Space zu diskutieren und schließlich einen Prototyp des interaktiven Raums zu entwickeln.

Summer School im B-Part: Internationale Begegnungsstätte mit interaktiven und kulturellen Angeboten

In Zusammenarbeit mit Teilnehmenden der Stadt Berlin und der kolumbianischen Gemeinschaft Moravia in Medellín sollen Ideen ausgetauscht werden, um das Experimentierlabor möglichst effizient und nachhaltig zur Vernetzung und zum Wissensaustausch zu nutzen. Im Programm des Projekts, das nun schon zum fünften Mal im Rahmen des Urban Lab Medellín stattfindet und in diesem Jahr vom Urban Ideation Lab moderiert wird, stehen sowohl Workshops als auch kulturelle Veranstaltungen und Gesprächsrunden, die täglich in Gruppen von ca. 20 Personen umgesetzt werden und teilweise öffentlich zugänglich sind.

Das Urban Ideation Lab auf der Suche nach einem Prototyp des partizipativen Coworking Space

Am Montag, 16.09.2019, werden die Veranstaltungen zunächst durch ein Get-Together und Präsentationen eingeleitet. In der ersten Eventphase soll dann anschließend das Design des Raums erarbeitet werden, um schließlich die interaktiv ermittelten Ideen der Summer School im B-Part Am Gleisdreieck vorzustellen, und am Donnerstag, 19.09.2019 ein vorläufiges Fazit ziehen zu können. Im weiteren Verlauf wird sich in der Workshopphase II dem Building, also der Umsetzung der gestalterischen Ideen genähert. Neben den unterschiedlichen informativen Events werden auch zahlreiche soziale Treffen wie Fahrradexkursionen oder das Community-Grillen angeboten.

Höhepunkt des Programms ist das abschließende Festival am Samstag, 28.09., das für ca. 200 Personen angedacht ist, und am letzten Tag der Summer School stattfindet. Diese Veranstaltung ist für interessierte Besucher öffentlich zugänglich und wird in dem während des Workshops geschaffenen Raum, dem Protoptypen des kollaborativen Raums organisiert. In diesem Kontext stellen die deutschen und kolumbianischen Teilnehmer*Innen ihre geplanten Inventionen und Holzstrukturen vor und ermöglichen Besucher*Innen die Nutzung der Räumlichkeiten. Außerdem wird eine Podiumsdiskussionen zum öffentlichen Raum, Kochevents und ein Konzert das Projekt abschließend stattfinden und die Teilnehmer*Innen zusammenbringen. Alle Veranstaltungstermine- und formate der Summer School im B-Part Am Gleisdreieck hier. (sz)

„Berlin hat sich zum Zukunftslabor Deutschlands entwickelt“

Im Gespräch mit Barbro Dreher, Staatssekretärin für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Seit dem 13. Februar 2019 ist Barbro Dreher die neue Staatssekretärin für Wirtschaft, Energie und Betriebe an der Seite von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/ Die Grünen). Die BERLINboxx hat mir ihr über ihre Ziele, große Herausforderungen, die Berliner Verwaltung und über Messen und Kongresse in der Hauptstadt gesprochen.

Gut drei Monate sind Sie jetzt im Amt. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? Können Sie schon eine erste Bilanz ziehen?

Mein Ziel ist, die erforderlichen Schritte zur Verstetigung des Wirtschaftsaufschwungs einzuleiten und die Berliner Wirtschaft dort zu unterstützen, wo sie unsere Unterstützung braucht. Denn wo Arbeitsplätze fehlen, wird Wachstum nicht möglich sein. Die Herausforderungen auch der notwendigen Digitalisierung innerhalb der Wirtschaftszweige sind groß und können nur gemeinsam gestemmt werden.

Die Neuansiedlung von Unternehmen – vor allem in unseren elf Zukunftsorten muss begleitet und erfolgreich werden. Und nach gut drei Monaten bin ich da sehr zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.

Wo liegen die aktuell größten Herausforderungen des Wirtschaftsstandortes Berlin?

Mit dem Wirtschaftsstandort Berlin geht es endlich wieder aufwärts. Wir haben einen radikalen strukturellen Wandel hinter uns. Seit fünf Jahren wächst die Berliner Wirtschaft sogar schneller als im Bundesdurchschnitt. Die Entwicklung kommt bei den Berlinerinnen und Berlinern an: In den letzten beiden Jahren entstanden rund 100.000 neue Arbeitsplätze. Auch bei Unternehmensgründungen ist Berlin im Bundesvergleich ganz vorn, insbesondere bei Digitalunternehmen und Startups. Diese positive Entwicklung der wachsenden Stadt hat gleichzeitig zur Folge, dass es enger wird in der Stadt. Flächen werden knapp und es entstehen Konkurrenzen, zum Beispiel zwischen einem unternehmerischen Investitionsvorhaben und dem Bedarf eines Wohngebäudes. Bei aller Unterstützung hierfür dürfen wir die Arbeitsplatzentwicklung nicht aus dem Blick verlieren. Um die Potenziale unseres dynamischen Wirtschaftswachstums weiterhin ausschöpfen und einen weiteren Arbeitsplatzzuwachs zu erreichen, ist ein ausreichendes Flächenangebot für die Sicherung, Erweiterung und Neuansiedlung von Unternehmen unser prioritäres Anliegen. Daher verfolgen wir einer engagierten Gewerbeflächenpolitik, setzen uns für die planerische Sicherung von Flächen ein und stellen Mittel für den Ankauf von Gewerbeflächen bereit.

Hiermit umzugehen und für alle Beteiligten annehmbare Lösungen zu finden, ist nicht immer leicht und bedarf eines kooperativen Politikstils aller Beteiligten.

Wie will der rot-rot-grüne Senat dafür sorgen, dass die Berliner Wirtschaft auch nachhaltig von dem aktuellen Boom profitiert?

Ökonomisch hat Berlin tatsächlich die Wende geschafft, hat sich von der Hauptstadt der Probleme zum Zukunftslabor Deutschlands gewandelt. Zentrale Quellen dieses Erfolgs sind sicherlich die exzellente Forschungslandschaft und die sehr innovative Kreativ- und Digitalwirtschaft. Hier haben wir anderen Metropolen einiges voraus. Jetzt kommt es darauf an, die positive Entwicklung in den Unternehmen und für den Arbeitsmarkt zu verstetigen und dafür Sorge zu tragen, dass möglichst viele Berlinerinnen und Berliner davon profitieren. Deshalb haben wir das Jahrzehnt der Investitionen ausgerufen. Wir investieren in die Stadt von morgen, in Wohnungen, Schulen, Verkehrswege und die öffentliche Versorgung mit dem Ziel, die Stadt auch für zukünftige Generationen lebenswert und dynamisch zu gestalten. Aus wirtschaftspolitscher Sicht geht es dabei vor allem darum, die Infrastruktur des Standorts Berlin so zu gestalten, dass sie auch in Zukunft als wettbewerbsfähige Plattform und für einen stabilen Wachstumsprozess dienen kann. Digitalisierung ist vor allem ein Metropolenthema und damit für Berlin die große Chance, Vorreiter und Richtungsgeber bei neuen, die zukünftige Wettbewerbsposition bestimmenden Entwicklungen zu sein.

Zukunftslabor Berlin

Die Berliner Wirtschaft macht sich bereits für die Zukunft | Foto: Bild von Pexels auf Pixabay

Sie gehören seit 1977 der Berliner Verwaltung an. Was sind nach Ihrer Wahrnehmung die besonderen Herausforderungen der Berliner Verwaltung? Gibt es grundsätzliches, was Sie an der Berliner Verwaltungsstruktur ändern würden?

Die Beschäftigten der Berliner Verwaltung – das erst mal vorweg – sind oftmals viel besser als ihr Ruf. Häufig müssen sie zu Unrecht den Kopf für Dinge hinhalten, die an ganz anderen Stellen schiefgelaufen sind. Dennoch gibt es immer etwas zu verbessern. Der Berliner Senat hat kürzlich den „Zukunftspakt Verwaltung“ verabschiedet, in dem es ganz konkret um Vereinheitlichung von Prozessen, die deutlich beschleunigte Digitalisierung von Dienstleistungen und den Abbau von unklaren Zuständigkeiten geht. Bekommen wir das alles zügig auf den Weg, wird auch die Wahrnehmung der Verwaltung in der Öffentlichkeit eine andere, eine bessere, werden. Daran will ich aktiv mitwirken.

Die Messe Berlin GmbH gehört zu 99,70 Prozent dem Land Berlin. Welche Bedeutung hat der Messebetrieb für die Hauptstadt?

Eine Messe ist immer ein Aushängeschild der Wirtschaft einer Stadt. Die Messe ist der Salon, in den die Stadt ihre Handelspartnerinnen und Handelspartner einlädt, um sich über die neuesten Entwicklungen in dem jeweiligen Wirtschaftszweig zu informieren. Die Ausstellerinnen und Aussteller können ihren Kundinnen und Kunden präsentieren, was sie anzubieten haben und um sich zu vergleichen, wo Mitbewerberinnen und Mitbewerber stehen. Der Messegast möchte von der neuen Waren- und Dienstleistungswelt inspiriert werden und zwischen verschiedenen Angeboten eine Auswahl treffen können. Schließlich lebt eine Messe von der Begeisterung, die sie bei den Messebesucherinnen und Messebesuchern auslöst. Berlin beheimatet eine Reihe von Messen, die mit ihrem offenen Publikumscharakter ganz hervorragend in die deutsche Hauptstadt passen. Seien es die Internationale Funkausstellung, die ITB-Berlin oder die Internationale Grüne Woche, die regelmäßig hunderttausende Messegäste in die Hauptstadtregion locken und begeistern.

Mit dem Betrieb einer Messe werden stets vielfältige wirtschaftliche Dimensionen angesprochen: Messen haben eine ganz direkte wirtschaftliche Bedeutung für die Unternehmen, die als Ausstellerinnen und Aussteller für das Waren- und Dienstleistungsangebot einer Messe sorgen. Diese Unternehmen hoffen auf neue Aufträge und Verkäufe, die ihnen ihre zukünftigen Umsätze sichern. Nicht nur die Ausstellerinnen und Aussteller sowie Kundinnen und Kunden profitieren von einer Messe. Es ist auch immer der Messestandort selbst. Viele Wirtschaftsbereiche profitieren unmittelbar von den anreisenden Besuchern. Dazu gehören vor allem die Bereiche, die mit den Messe-Gästen Kontakt haben, wie die Hotellerie, die Gastronomie oder die vielen Transportunternehmen. Berlin wird eine bedeutende Messestadt bleiben – in Deutschland die wichtigste.

Welche Messe würden Sie gerne nach Berlin holen? Gibt es eine Messe-/Kongressveranstaltung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Berlin ist ein attraktiver Messe- und Kongressstandort, auch international. Die Entwicklung einer weiteren großen Leitmesse in und für Berlin, mit der Berlin die Attraktivität, Professionalität, Offenheit und Nachhaltigkeit dieser Stadt beweisen kann, liegt mir daher sehr am Herzen. Berlin positioniert sich vor allem – aber nicht nur – bei Kongressen der Gesundheitswirtschaft und -verbände, der IT-Branche und der politischen Foren als beliebte Tagungsmetropole. Dahinter steht neben der Attraktivität des Standorts die erfolgreiche Akquisearbeit des Berlin Convention Office von visitBerlin.

Gegenüber 2017 ist die Zahl der Tagungen und Kongresse 2018 um 2,3 Prozent gestiegen. Wo liegt Ihrer Meinung nach die Anziehungskraft der Hauptstadt für diese Art von Veranstaltungen?

Früher spielte die touristische Attraktivität einer Kongressstadt eine nicht unwesentliche Rolle für die Entscheidung der Veranstalter für eine Stadt, gerade bei Incentives. Heute haben Aspekte wie Professionalität von Location, Dienstleistern und Hotellerie noch mehr an Bedeutung gewonnen. Berlin hat beides zu bieten. Es ist als Stadt selbst schon ein echter Magnet, auch nach dem zweiten und dritten Besuch. Und im Laufe der Zeit hat die MICE-Branche – Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions – einen Grad an Professionalität und Leistungskraft erreicht, die Berlin europa- und weltweit in der Spitzenliga mitspielen lässt.

Moderne Kongresshotels und Veranstaltungsräume, Spitzen-Caterer und technische Dienstleister aller Art machen das möglich. Dass die Hotellandschaft internationalen Standards genügt und eine auch auf Spitzenzeiten ausgelegte Bettenzahl bietet, setze ich dabei schon als selbstverständlich voraus. Um das alles bei potentiellen Veranstaltern richtig zur Geltung zu bringen, haben sich die Verwaltung, visitBerlin und die Berliner Hotels in einer Kongresscharta zusammengefunden und machen den Veranstaltern ein professionelles Service-Angebot. Und noch ein Aspekt, der seit einiger Zeit für uns an Bedeutung gewinnt, spricht für Berlin: Wir sind dabei, uns auch als nachhaltige Tagungsmetropole in der Spitzengruppe zu positionieren. Verantwortungsbewusste Veranstalter legen Wert auf ökologischen Umgang mit Themen wie Anreise zur Tagungsstätte, Catering ohne Verschwendung von Ressourcen und Vermeidung von Abfall sowie eine bewusste Planung der CO2-Bilanz des Tagungsformats. Auch das fördern wir durch die GREEN MEETING-Plattform, Beratung und Vernetzung durch das Berlin Convention Office. (aw)