„Der internationale Glanz der Charité fällt auch auf unseren Bezirk”

Im Gespräch mit Stephan von Dassel (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksbürgermeister von Mitte

Die verschiedenen Ortsteile von Mitte sind so unterschiedlich wie ihre Bewohner. Der Bezirk lebt durch Gegensätze und Widersprüche. Und vor allem liegen zwei der vier Campi der Charité dort. Die BERLINboxx traf Bezirksbürgermeister von Dassel und sprach mit ihm über Herausforderungen im Bezirk und die Bedeutung der Charité.

Zwei von vier Campi der Charité sind in Mitte angesiedelt. Welche Bedeutung hat das Universitätsklinikum für den Bezirk?

Das Universitätsklinikum hat eine sehr große Bedeutung für den Bezirk. Von der medizinischen Bedeutung für die Menschen, nicht nur in Mitte, einmal abgesehen, strahlt die Charité im internationalen Glanz. Von diesem Glanz fällt auch ein bisschen auf unseren Bezirk. Die Charité mit ihren Einrichtungen gehört ebenso zu Mitte wie der Fernsehturm, das Brandenburger Tor oder der Tiergarten. Darauf sind wir natürlich sehr stolz.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller möchte Berlin zur Forschungsmetropole, zum Zentrum der Spitzenmedizin ausbauen. Wird diese Entwicklung auch den Bezirk verändern?

Natürlich wird dieser Ausbau Auswirkungen auf den Bezirk Mitte haben – vor allem für Wedding. Denn für den dortigen Standort, insbesondere das Deutsche Herzzentrum – das im Zusammenhang mit Spitzenmedizin immer zu nennen ist – gibt es ja Umbaupläne, die ihn, aber auch das Umfeld, nochmals deutlich aufwerten würden. Dies allerdings nicht nur in einem physikalischen, sondern auch in einem ideellen Sinne. Mitte ist ja schon jetzt das bevorzugte Ziel vieler Menschen, die aus anderen Teilen der Stadt, des Landes oder der Welt kommen. In einigen Jahren wird es dafür dann neben den klassisch touristischen Gründen, einen noch stärker als heute schon ausgeprägten medizinisch-wissenschaftlichen Grund geben. Und das ist großartig – für uns Patientinnen und Patienten genauso wie für Menschen, die in der medizinisch-wissenschaftlichen Branche in Berlin-Mitte beruflich tätig sind.

Nachverdichtung, E-Scooter, Leihräder und Co. an jeder Straßenecke, weitere Investitionen in die Charité – in Mitte passiert gerade sehr viel. Wo sehen Sie Ihren Bezirk in zehn Jahren?

Grundsätzlich gilt auch in Mitte: Veränderung ist Fortschritt. Es sind ja nicht nur die beabsichtigten Investitionen in die Charité, die wir im Bezirksamt mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, weil sie den Bürgerinnen und Bürgern dienen und damit uns allen, die wir hier leben. Wir freuen uns auch über viele andere Investitionen: Wohnungsbau, Kita- und Schulbauten aber auch Investitionen in weitere Infrastruktur sowie Firmen und damit in Arbeitsplätze. Als Bezirksbürgermeister stehe ich ansonsten natürlich auch jeder Innovation, die Auswirkungen auf das Zusammenleben in unserem Bezirk hat, grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber. Wichtig für ein freiheitliches und tolerantes Zusammenleben ist allerdings die Einhaltung von Regeln, denn nur dann können sich Mitte und die gesamte Stadt diesen von vielen geschätzten Lebensstil bewahren. Das gilt für E-Scooter und Leihfahrräder genauso wie den normalen Autoverkehr, die Nutzung von Parks und öffentlichen Grünanlagen und das Verhalten im Öffentlichen Raum allgemein. Daran wird sich auch in zehn Jahren nichts geändert haben – Mitte wird dann genauso wie heute ein lebenswerter Bezirk sein, der seine Reize nicht zuletzt aus seiner bunten Vielfältigkeit bezieht. (aw)

Prof. Thomas Skutella: Ein Meilenstein in der Reproduktionsmedizin

Für viele Frauen ist es ein schweres Schicksal, wenn sie keine Kinder bekommen können.

Auch moderne Methoden der In-vitro-Fertilisation können manchen Frauen nicht helfen. Zum Beispiel helfen keine LH- oder FSH-Stimulanzien, wenn eine Frau sogenannte polyzystische Ovarien (PCO), Endometriose oder sogar das ovarielle Low-Responder-Syndrom hat. Zu wenige oder keine Eizellen können sich durch IVF aus dem Ovar entwickeln. Die bisherige Diagnose lautete unfruchtbar.

 

Durchbruch nach mehr als zehn Jahren intensiver Forschung

Dank neuer Forschungen kann jetzt – in einigen Fällen – geholfen werden. Das Labor von Prof. Dr. Thomas Skutella, Professor für Zellbiologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, hat in einem vom BMBF geförderten Kooperationsprojekt mit Prof. Irma Virant-Klun vom Universitätsklinikum in Ljubljana, Slowenien, nach mehr als 10 Jahren intensiver Forschung an weiblichen Oozyten einen Durchbruch geschafft.

Bei IVF-Patientinnen gibt es einen Anteil von etwa 15 – 20 % an unreifen Follikeln, die Keimbläschen (KB) genannt werden. Bisher konnten diese Keimbläschen nicht befruchtet werden und werden daher ausgesondert. Mit einer neuen Methode der sogenannten „In-vitro-Maturation“, kurz IVM, können die Progenitorzellen der Follikel jedoch in der Petrischale künstlich zur Reife gebracht werden.

 

Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden

Die Forschungsgruppe um Prof. Skutella zeigte, dass es möglich ist, den In-vitro-Prozess der menschlichen Oozytenmaturation in einer Co-Kultur mit Kumuluszellen von reifen Eizellen derselben Frau zu verbessern, um ein klinisch erfolgreicheres und sichereres zukünftiges Verfahren zu generieren.

Dieses Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden, die sich einer Chemotherapie oder Strahlentherapie unterziehen, um ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. In diesen Fällen wird das Material vor der Therapie entfernt und künstlich gereift. Es ist nicht mehr notwendig, dass die Patientinnen wie bisher wertvolle Zeit warten müssen, bis durch In-vivo-Stimulation reife Oozyten gewonnen werden können.

 

Besseres Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit

Die Forschungsgruppen von Prof. Skutella und Virant Klun arbeiten derzeit daran, die Rate der Oozytenmaturation in Gonadotropinen (FSH, hCG und AMH) im Verhältnis zum Alter der Oozytenspender auf Einzelzellenebene besser zu verstehen. Sie untersuchen die Expression von Transkriptionsfaktoren, die zuvor in einer Pilotstudie zur In-vitro-Maturation menschlicher Oozyten identifiziert wurden, einschließlich der oozytenspezifischen Gene FIGLA und H1FOO in einzelnen in-vitro gereiften Eizellen. Darüber hinaus analysieren die Forschungsgruppen den Einfluss von Gonadotropinen und dem weiblichen Alter auf die Regulationsmechanismen von miRNAs auf die Expression von Transkriptionsfaktoren und anderen wichtigen identifizierten Genen in einzelnen Oozyten und vergleichen die exosomale miRNA von in-vivo und in-vitro gereiften Oozyten. Sie erwarten, dass die Ergebnisse ein besseres zukünftiges Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit liefern und eine Grundlage für die mögliche Entwicklung neuer Medikamente und Therapien zur Stimulation der Ovarialhormone bei IVM bilden werden.

 

Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation

Ein weiterer Durchbruch in der Reproduktionsmedizin ist die Möglichkeit der genetischen Präimplantationsdiagnostik. Kinderlose Paare gehen oft einen langen Leidensweg von unzähligen IVF-Versuchen. Ein Grund, warum die In-vitro-Fertilisation oft scheitert, ist die schlechte Qualität der befruchteten Oozyten. Schlechte Qualität heißt in der medizinischen Fachsprache Aneuploidie, also schwerste Chromosomenstörungen, die nicht lebensverträglich sind. Von „außen“ kann aufgrund der Morphologie die Qualität des Eis oft nicht erkannt werden, was dazu führen kann, dass der gesamte Prozess der künstlichen Befruchtung und Implantation praktisch vergeblich durchgeführt wird.

Die Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation und beeinflusst die daraus resultierende Embryonalentwicklung, Schwangerschaft und Geburt. Sie dient damit als Grundlage für die menschliche Fortpflanzung und Fruchtbarkeit. Die Möglichkeit, die Qualität der Oozyten im Rahmen des In-vitro-Fertilisationsprogramms zu bewerten, ist sehr eingeschränkt.  Abgesehen von der Beurteilung des Aussehens des Oozyten haben die Ärzte keine weiteren Kriterien zur Verfügung.

Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen

Genexpressionsprofile von einzelnen Oozyten bieten neue und klarere Einblicke in die Qualität und Genese der Oozyten und werden in naher Zukunft in die klinische Praxis einfließen.
Die Ergebnisse sollen neue grundlegende Informationen über den menschlichen Oozyten, seine Vielfalt und ein tieferes Verständnis der molekularen Mechanismen der menschlichen Eizelle während der In-vitro-Maturation liefern. Letztendlich trägt dies auch zur Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen und zur genaueren Erhaltung der Fruchtbarkeit bei Krebspatientinnen bei. (red)

GASAG zieht auf den EUREF-Campus – für eine CO2-neutrale Energiezukunft

Im Jahr 2021 ist es endlich soweit – die GASAG AG, führender Netzbetreiber und Energiedienstleister in Berlin-Brandenburg, zieht mit seinem Unternehmenssitz auf den EUREF-Campus. Am 19.09. konnte schon mal Richtfest für die Unternehmenszentrale gefeiert werden.

Schon seit 2014 ist deren Tochtergesellschaft GASAG Solution Plus für das Energiekonzept des gesamten Quartiers verantwortlich. Dort sollen zukünftig helle Köpfe an klimaneutralen Konzepten arbeiten, um sich einer CO2-freien Energiezukunft zu nähern.

Letzte Vorbereitungen für das GASAG Energiequartier

Damit sich bald rund 1.200 Mitarbeiter in den hochmodernen Bürogebäuden einrichten können, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ende 2020 sollen die Arbeiten an dem „GASAG Energiequartier“ abgeschlossen sein. Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit blickt der Zukunft am neuen Standort positiv entgegen: „Der EUREF-Campus ist heute schon ein innovativer und pulsierender Ort in der Hauptstadt. Als Unternehmen, das Wandel als Ansporn begreift, gestaltet die GASAG die Energiewende mit.“

EUREF-Campus als hochmodernes und klimaneutrales Energiequartier

Neben der GASAG-AG, die rund 700 Mitarbeiter*Innen mitbringt, soll auch die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg zukünftig mit etwa 500 Mitarbeiter*Innen am Standort einziehen. In den neuen Bürogebäuden steht den Energielieferanten dann insgesamt eine Fläche von über 20.000 Quadratmetern zur Verfügung.

Richtfest für das GASAG Energiequartier auf dem EUREF-Campus

Richtfest: Beim Richtfest für das ‚GASAG Energiequartier‘ schneiden Dr. Gerhard Holtmeier und Reinhard Müller die Torte an. | Foto: GASAG

Der Campus überzeugt außerdem mit einer hochmodernen Gebäudetechnik sowie einer Stromversorgung aus erneuerbaren Energien. Damit ist er ein Vorreiter für die geplante Energiewende und die Erfüllung der CO2-Klimaziele für das Jahr 2050. Vorstandsvorsitzender der GASAG AG, Dr. Gerhard Holtmeier, ist überzeugt von der Effizienz des neuen Campus: „Wir ziehen an einen Standort, an dem wir belegen können, dass eine CO2-neutrale Zukunft schon heute möglich ist.“

Traditionsreicher Standort wird zum Energiequartier der Zukunft

Auf dem EUREF-Campus, wo bis in die 1940er Jahre noch im Gasometer das Stadtgas produziert wurde, forschen bereits seit 2008 über 3.500 Beschäftigte von Unternehmen und Start-ups an innovativen Energiekonzepten. Um weiterhin möglichst wirkungsvoll an energieeffizienten und emissionsarmen Plänen zu arbeiten, werden dort die Prinzipien Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Digitalisierung vereint. Hochmoderne Technologien machen eine klimafreundliche Versorgung mit Wärme, Mobilität und Strom möglich und rücken eine klimaneutrale Zukunft in greifbare Nähe.

Bei der Entwicklung zahlreicher Konzepte spielten auch die Mitarbeiter*Innen eine zentrale Rolle. Sie waren unter anderem maßgeblich an der Namensvergabe des „GASAG Energiequartiers“ und des „NBB Netzquartiers“ beteiligt. Außerdem leisteten sie auch einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der räumlichen Gestaltung. Seit September dieses Jahres können die Mitarbeiter*Innen den neuen Arbeitsraum am aktuellen Standort am Hackeschen Markt probeweise auf Pilotflächen testen und sich selbst ein Bild über die neuen Büroräume machen. (sz)

Internationale Summer School 2019 – Urban Ideation Lab Event im B-Part Am Gleisdreieck

Das Experimentierlabor B-Part Am Gleisdreieck wurde bereits Anfang 2019 als Pionierprojekt der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck eröffnet und ermöglicht eine Begegnungsstätte, um auf ca. 1000 Quadratmeter einen Raum für beruflichen Austausch und Networking, als auch die Erfahrung kultureller Lebenswelten zu schaffen. Ein aktuelles Projekt, das vom 16.09.19 bis 28.09.19 im Außenbereich des Gleisdreiecks stattfindet und unter anderem vom Urban Ideation Lab, dem Architekturkollektiv Urban Oasis, als auch der Technischen Universität Berlin organisiert wird, ist die Summer School mit dem Thema „Prototyping collaborative spaces“. Sie ermöglicht täglich zwischen 10:00 und 18:00 Uhr das Zusammenkommen von Künstlern und Studierenden, um Visionen der zukünftigen Zusammenarbeit im Coworking Space zu diskutieren und schließlich einen Prototyp des interaktiven Raums zu entwickeln.

Summer School im B-Part: Internationale Begegnungsstätte mit interaktiven und kulturellen Angeboten

In Zusammenarbeit mit Teilnehmenden der Stadt Berlin und der kolumbianischen Gemeinschaft Moravia in Medellín sollen Ideen ausgetauscht werden, um das Experimentierlabor möglichst effizient und nachhaltig zur Vernetzung und zum Wissensaustausch zu nutzen. Im Programm des Projekts, das nun schon zum fünften Mal im Rahmen des Urban Lab Medellín stattfindet und in diesem Jahr vom Urban Ideation Lab moderiert wird, stehen sowohl Workshops als auch kulturelle Veranstaltungen und Gesprächsrunden, die täglich in Gruppen von ca. 20 Personen umgesetzt werden und teilweise öffentlich zugänglich sind.

Das Urban Ideation Lab auf der Suche nach einem Prototyp des partizipativen Coworking Space

Am Montag, 16.09.2019, werden die Veranstaltungen zunächst durch ein Get-Together und Präsentationen eingeleitet. In der ersten Eventphase soll dann anschließend das Design des Raums erarbeitet werden, um schließlich die interaktiv ermittelten Ideen der Summer School im B-Part Am Gleisdreieck vorzustellen, und am Donnerstag, 19.09.2019 ein vorläufiges Fazit ziehen zu können. Im weiteren Verlauf wird sich in der Workshopphase II dem Building, also der Umsetzung der gestalterischen Ideen genähert. Neben den unterschiedlichen informativen Events werden auch zahlreiche soziale Treffen wie Fahrradexkursionen oder das Community-Grillen angeboten.

Höhepunkt des Programms ist das abschließende Festival am Samstag, 28.09., das für ca. 200 Personen angedacht ist, und am letzten Tag der Summer School stattfindet. Diese Veranstaltung ist für interessierte Besucher öffentlich zugänglich und wird in dem während des Workshops geschaffenen Raum, dem Protoptypen des kollaborativen Raums organisiert. In diesem Kontext stellen die deutschen und kolumbianischen Teilnehmer*Innen ihre geplanten Inventionen und Holzstrukturen vor und ermöglichen Besucher*Innen die Nutzung der Räumlichkeiten. Außerdem wird eine Podiumsdiskussionen zum öffentlichen Raum, Kochevents und ein Konzert das Projekt abschließend stattfinden und die Teilnehmer*Innen zusammenbringen. Alle Veranstaltungstermine- und formate der Summer School im B-Part Am Gleisdreieck hier. (sz)

„Berlin hat sich zum Zukunftslabor Deutschlands entwickelt“

Im Gespräch mit Barbro Dreher, Staatssekretärin für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Seit dem 13. Februar 2019 ist Barbro Dreher die neue Staatssekretärin für Wirtschaft, Energie und Betriebe an der Seite von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/ Die Grünen). Die BERLINboxx hat mir ihr über ihre Ziele, große Herausforderungen, die Berliner Verwaltung und über Messen und Kongresse in der Hauptstadt gesprochen.

Gut drei Monate sind Sie jetzt im Amt. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? Können Sie schon eine erste Bilanz ziehen?

Mein Ziel ist, die erforderlichen Schritte zur Verstetigung des Wirtschaftsaufschwungs einzuleiten und die Berliner Wirtschaft dort zu unterstützen, wo sie unsere Unterstützung braucht. Denn wo Arbeitsplätze fehlen, wird Wachstum nicht möglich sein. Die Herausforderungen auch der notwendigen Digitalisierung innerhalb der Wirtschaftszweige sind groß und können nur gemeinsam gestemmt werden.

Die Neuansiedlung von Unternehmen – vor allem in unseren elf Zukunftsorten muss begleitet und erfolgreich werden. Und nach gut drei Monaten bin ich da sehr zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.

Wo liegen die aktuell größten Herausforderungen des Wirtschaftsstandortes Berlin?

Mit dem Wirtschaftsstandort Berlin geht es endlich wieder aufwärts. Wir haben einen radikalen strukturellen Wandel hinter uns. Seit fünf Jahren wächst die Berliner Wirtschaft sogar schneller als im Bundesdurchschnitt. Die Entwicklung kommt bei den Berlinerinnen und Berlinern an: In den letzten beiden Jahren entstanden rund 100.000 neue Arbeitsplätze. Auch bei Unternehmensgründungen ist Berlin im Bundesvergleich ganz vorn, insbesondere bei Digitalunternehmen und Startups. Diese positive Entwicklung der wachsenden Stadt hat gleichzeitig zur Folge, dass es enger wird in der Stadt. Flächen werden knapp und es entstehen Konkurrenzen, zum Beispiel zwischen einem unternehmerischen Investitionsvorhaben und dem Bedarf eines Wohngebäudes. Bei aller Unterstützung hierfür dürfen wir die Arbeitsplatzentwicklung nicht aus dem Blick verlieren. Um die Potenziale unseres dynamischen Wirtschaftswachstums weiterhin ausschöpfen und einen weiteren Arbeitsplatzzuwachs zu erreichen, ist ein ausreichendes Flächenangebot für die Sicherung, Erweiterung und Neuansiedlung von Unternehmen unser prioritäres Anliegen. Daher verfolgen wir einer engagierten Gewerbeflächenpolitik, setzen uns für die planerische Sicherung von Flächen ein und stellen Mittel für den Ankauf von Gewerbeflächen bereit.

Hiermit umzugehen und für alle Beteiligten annehmbare Lösungen zu finden, ist nicht immer leicht und bedarf eines kooperativen Politikstils aller Beteiligten.

Wie will der rot-rot-grüne Senat dafür sorgen, dass die Berliner Wirtschaft auch nachhaltig von dem aktuellen Boom profitiert?

Ökonomisch hat Berlin tatsächlich die Wende geschafft, hat sich von der Hauptstadt der Probleme zum Zukunftslabor Deutschlands gewandelt. Zentrale Quellen dieses Erfolgs sind sicherlich die exzellente Forschungslandschaft und die sehr innovative Kreativ- und Digitalwirtschaft. Hier haben wir anderen Metropolen einiges voraus. Jetzt kommt es darauf an, die positive Entwicklung in den Unternehmen und für den Arbeitsmarkt zu verstetigen und dafür Sorge zu tragen, dass möglichst viele Berlinerinnen und Berliner davon profitieren. Deshalb haben wir das Jahrzehnt der Investitionen ausgerufen. Wir investieren in die Stadt von morgen, in Wohnungen, Schulen, Verkehrswege und die öffentliche Versorgung mit dem Ziel, die Stadt auch für zukünftige Generationen lebenswert und dynamisch zu gestalten. Aus wirtschaftspolitscher Sicht geht es dabei vor allem darum, die Infrastruktur des Standorts Berlin so zu gestalten, dass sie auch in Zukunft als wettbewerbsfähige Plattform und für einen stabilen Wachstumsprozess dienen kann. Digitalisierung ist vor allem ein Metropolenthema und damit für Berlin die große Chance, Vorreiter und Richtungsgeber bei neuen, die zukünftige Wettbewerbsposition bestimmenden Entwicklungen zu sein.

Zukunftslabor Berlin

Die Berliner Wirtschaft macht sich bereits für die Zukunft | Foto: Bild von Pexels auf Pixabay

Sie gehören seit 1977 der Berliner Verwaltung an. Was sind nach Ihrer Wahrnehmung die besonderen Herausforderungen der Berliner Verwaltung? Gibt es grundsätzliches, was Sie an der Berliner Verwaltungsstruktur ändern würden?

Die Beschäftigten der Berliner Verwaltung – das erst mal vorweg – sind oftmals viel besser als ihr Ruf. Häufig müssen sie zu Unrecht den Kopf für Dinge hinhalten, die an ganz anderen Stellen schiefgelaufen sind. Dennoch gibt es immer etwas zu verbessern. Der Berliner Senat hat kürzlich den „Zukunftspakt Verwaltung“ verabschiedet, in dem es ganz konkret um Vereinheitlichung von Prozessen, die deutlich beschleunigte Digitalisierung von Dienstleistungen und den Abbau von unklaren Zuständigkeiten geht. Bekommen wir das alles zügig auf den Weg, wird auch die Wahrnehmung der Verwaltung in der Öffentlichkeit eine andere, eine bessere, werden. Daran will ich aktiv mitwirken.

Die Messe Berlin GmbH gehört zu 99,70 Prozent dem Land Berlin. Welche Bedeutung hat der Messebetrieb für die Hauptstadt?

Eine Messe ist immer ein Aushängeschild der Wirtschaft einer Stadt. Die Messe ist der Salon, in den die Stadt ihre Handelspartnerinnen und Handelspartner einlädt, um sich über die neuesten Entwicklungen in dem jeweiligen Wirtschaftszweig zu informieren. Die Ausstellerinnen und Aussteller können ihren Kundinnen und Kunden präsentieren, was sie anzubieten haben und um sich zu vergleichen, wo Mitbewerberinnen und Mitbewerber stehen. Der Messegast möchte von der neuen Waren- und Dienstleistungswelt inspiriert werden und zwischen verschiedenen Angeboten eine Auswahl treffen können. Schließlich lebt eine Messe von der Begeisterung, die sie bei den Messebesucherinnen und Messebesuchern auslöst. Berlin beheimatet eine Reihe von Messen, die mit ihrem offenen Publikumscharakter ganz hervorragend in die deutsche Hauptstadt passen. Seien es die Internationale Funkausstellung, die ITB-Berlin oder die Internationale Grüne Woche, die regelmäßig hunderttausende Messegäste in die Hauptstadtregion locken und begeistern.

Mit dem Betrieb einer Messe werden stets vielfältige wirtschaftliche Dimensionen angesprochen: Messen haben eine ganz direkte wirtschaftliche Bedeutung für die Unternehmen, die als Ausstellerinnen und Aussteller für das Waren- und Dienstleistungsangebot einer Messe sorgen. Diese Unternehmen hoffen auf neue Aufträge und Verkäufe, die ihnen ihre zukünftigen Umsätze sichern. Nicht nur die Ausstellerinnen und Aussteller sowie Kundinnen und Kunden profitieren von einer Messe. Es ist auch immer der Messestandort selbst. Viele Wirtschaftsbereiche profitieren unmittelbar von den anreisenden Besuchern. Dazu gehören vor allem die Bereiche, die mit den Messe-Gästen Kontakt haben, wie die Hotellerie, die Gastronomie oder die vielen Transportunternehmen. Berlin wird eine bedeutende Messestadt bleiben – in Deutschland die wichtigste.

Welche Messe würden Sie gerne nach Berlin holen? Gibt es eine Messe-/Kongressveranstaltung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Berlin ist ein attraktiver Messe- und Kongressstandort, auch international. Die Entwicklung einer weiteren großen Leitmesse in und für Berlin, mit der Berlin die Attraktivität, Professionalität, Offenheit und Nachhaltigkeit dieser Stadt beweisen kann, liegt mir daher sehr am Herzen. Berlin positioniert sich vor allem – aber nicht nur – bei Kongressen der Gesundheitswirtschaft und -verbände, der IT-Branche und der politischen Foren als beliebte Tagungsmetropole. Dahinter steht neben der Attraktivität des Standorts die erfolgreiche Akquisearbeit des Berlin Convention Office von visitBerlin.

Gegenüber 2017 ist die Zahl der Tagungen und Kongresse 2018 um 2,3 Prozent gestiegen. Wo liegt Ihrer Meinung nach die Anziehungskraft der Hauptstadt für diese Art von Veranstaltungen?

Früher spielte die touristische Attraktivität einer Kongressstadt eine nicht unwesentliche Rolle für die Entscheidung der Veranstalter für eine Stadt, gerade bei Incentives. Heute haben Aspekte wie Professionalität von Location, Dienstleistern und Hotellerie noch mehr an Bedeutung gewonnen. Berlin hat beides zu bieten. Es ist als Stadt selbst schon ein echter Magnet, auch nach dem zweiten und dritten Besuch. Und im Laufe der Zeit hat die MICE-Branche – Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions – einen Grad an Professionalität und Leistungskraft erreicht, die Berlin europa- und weltweit in der Spitzenliga mitspielen lässt.

Moderne Kongresshotels und Veranstaltungsräume, Spitzen-Caterer und technische Dienstleister aller Art machen das möglich. Dass die Hotellandschaft internationalen Standards genügt und eine auch auf Spitzenzeiten ausgelegte Bettenzahl bietet, setze ich dabei schon als selbstverständlich voraus. Um das alles bei potentiellen Veranstaltern richtig zur Geltung zu bringen, haben sich die Verwaltung, visitBerlin und die Berliner Hotels in einer Kongresscharta zusammengefunden und machen den Veranstaltern ein professionelles Service-Angebot. Und noch ein Aspekt, der seit einiger Zeit für uns an Bedeutung gewinnt, spricht für Berlin: Wir sind dabei, uns auch als nachhaltige Tagungsmetropole in der Spitzengruppe zu positionieren. Verantwortungsbewusste Veranstalter legen Wert auf ökologischen Umgang mit Themen wie Anreise zur Tagungsstätte, Catering ohne Verschwendung von Ressourcen und Vermeidung von Abfall sowie eine bewusste Planung der CO2-Bilanz des Tagungsformats. Auch das fördern wir durch die GREEN MEETING-Plattform, Beratung und Vernetzung durch das Berlin Convention Office. (aw)

Berliner Institut für Gesundheitsforschung wird Teil der Charité

Patientinnen und Patienten in Berlin profitieren in Zukunft noch schneller von der Spitzenforschung für Gesundheit. Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) wurde am gestrigen Mittwoch in die Charité integriert. Damit soll die die medizinische Forschung am Gesundheitsstandort Berlin gestärkt werden. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) haben dazu am Mittwoch eine entsprechende Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund und dem Land Berlin unterzeichnet.

BIG als dritte Säule des Klinikums

Das BIG wird somit neben der Krankenversorgung und der Medizinischen Fakultät zur dritten Säule des Klinikums. Zudem erhält das BIG einen Sitz im Vorstand der Charité und das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Sitz im Aufsichtsrat. Der Bund beteiligt sich damit erstmalig an der Finanzierung eines Universitätsklinikums. Die Integration des BIG in die Charité ist für den 01. Januar 2021 geplant.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erklärt dazu: „Dass wir dafür mit anderen exzellenten Zentren bundesweit zusammenarbeiten können, passt zu einem Wissenschaftsstandort wie Berlin, der von einer ausgeprägten Kultur und Kooperation gekennzeichnet ist.“ Dafür seien nun die Rahmenbedingungen gesetzt und die Umsetzung könne beginnen.

Ergebnisse der Forschung sollen den Menschen schneller erreichen

Ziel des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung ist es, innovative Forschungsergebnisse aus dem Labor schneller der direkten medizinischen Behandlung zugänglich zu machen. Die Lebensqualität der Menschen soll durch neue Diagnose- und Therapieverfahren mit fortschreitenden Erkrankungen verbessert werden. Die rasche und effektive Übertragung von Forschungsergebnissen aus dem Labor in die Klinik gelinge nur, wenn Ärztinnen und Ärzte, Forscherinnen und Forscher, und natürlich Patientinnen und Patienten ohne institutionelle Hürden in einem optimalen Umfeld zusammenarbeiten würden, erklärt Axel Radlach Pries, Dekan der Charité.

Integration möglich durch Gesetzesänderung des Grundgesetzes

Bereits am 05. Juli hatten alle Länder der Verwaltungsvereinbarung in der Gemeinsamen Wirtschaftskonferenz (GWK) zugestimmt. 2015 wurde Artikel 91b des Grundgesetzes abgeändert und mit der Integration des BIG in das Klinikum, erstmals angewendet. Auf Grundlage dessen können Bund und Länder in bestimmten Bereichen der Wissenschaftsförderung und des Bildungswesens zusammenwirken und damit eine sogenannte Gemeinschaftsaufgabe wahrnehmen.

„Mit der breiten Zustimmung von Bund und Ländern erfährt das BIG eine herausragende Legitimation, als neues Modell translationaler Medizin innovative Wege zu beschreiten, um Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnell ans Krankenbett zu bringen.“, betont Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, die Gesetzesänderung. (lb)

Siemensbahn – die Planung kann beginnen

Am vergangenen Freitag wurde ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem besseren Nahverkehrsangebot in der Metropolregion vollzogen. Berlin vertreten durch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und die Deutsche Bahn vertreten durch Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand, vereinbarten die Finanzierung für vorgezogene Planungsleistungen zur schnellen Reaktivierung der Siemensbahn.

Siemensbahn soll wieder rollen

Mit dem neuen Siemens-Campus soll 2030 auch wieder die Siemensbahn im Westen Berlins fahren. Für erste Planungsleistungen wie Bestandsprüfung, Umweltstudien, Schallgutachten und Vermessung hat das Land Berlin nun 2,3 Millionen Euro bereitgestellt.

Müller und Pofalla unterschreiben Finanzierungsvertrag Siemensbahn

Die Unterschriften werden gesetzt und damit kann die Planung für die Reaktivierung der Siemensbahn losgehen. | Foto: BERLINboxx

„Es ist ein gutes Signal, dass es jetzt losgeht mit der Siemensbahn. Hier verbindet sich Berlins Industrialisierungsgeschichte mit der Zukunft der Industrialisierung im 21. Jahrhundert. Der Senat ist ganz vorne mit dabei mit finanziellem Engagement aber vor allem mit seiner Digitalisierungsstrategie und Industriepolitik, um den digitalen Wandel zu einem Erfolg für alle Berlinerinnen und Berliner zu machen“, sagte Michael Müller in seiner Rede.

Der Wiederaufbau der Siemensbahn ist eins von insgesamt neun Projekten des Entwicklungsprogramms i2030, welches Berlin und Brandenburg schon 2017 mit der DB vereinbart haben.

„Das Projekt i2030 zeigt nochmal wie nah Berlin und Brandenburg beieinanderstehen. Wir sind eine gemeinsame Lebens- und Arbeitsregion und damit natürlich auch eine gemeinsame Verkehrsregion Berlin-Brandenburg“, betonte Kathrin Schneider, brandenburgische Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung.

Historischer Industriestandort Berlin-Siemensstadt

Bereits 1929 wurde die 4,5 Kilometer lange Strecke von Jungfernheide bis nach Gartenfeld errichtet, um die Siemensstadt auf dem Schienenweg zu erschließen. Rund 9.000 Siemens-Mitarbeiter nutzten die Siemensbahn um zu ihrem Arbeitsplatz im Westen der Stadt zu gelangen. Schon damals schloss die Siemensbahn an den S-Bahn-Ring an und fuhr so an allen wichtigen Arbeiterwohnquartieren vorbei. Zur Zeit der Berliner Teilung wurde 1980 nach einem Streik der Zugverkehr eingestellt.

Bahnhof Siemenstadt

Auch auf der Strecke der Siemensbahn – der historische Bahnhof Siemensstadt | Foto: BERLINboxx

Doch die Stecke befindet sich noch immer im Anlagenbestand der DB Netz AG und gewinnt mit dem Bau der neuen Siemensstadt „Kiez der Macher“ wieder an Bedeutung. Auf dem Industriegelände in Spandau soll ein moderner, vielseitig nutzbarer, urbaner Stadtteil der Zukunft entstehen, wo Arbeiten und Wohnen möglich ist.

Ein wichtiger Schritt in die Zukunft

Die am historischen Bahnhof Wernerwerk getroffene Vereinbarung stärkt den Berliner Nahverkehr und regiert damit auf die wachsende Metropolregion. „Die Siemensbahn ist ein großartiges Beispiel dafür, wie ein Schienenprojekt schnell, gemeinsam und beherzt auf den Weg gebracht wird. Mit einem starken Nahverkehr leisten wir unseren Beitrag und bieten Pendlern und Anwohnern eine attraktive und zuverlässige Anbindung mit hoher Taktung“, betonte Ronald Pofalla.

Ein zweites Projekt von gesamtstädtischer Bedeutung ist im Zentrum Berlins gelegen. Es bietet – wie die Siemensbahn – eine bedeutende Verbesserung der Berliner Verkehrsinfrastruktur. Denn die Urbane Mitte am Gleisdreieck, gleich neben dem Potsdamer Platz gelegen, wird die Verlängerung der S21 mit Halt am Gleisdreieck beherbergen.

Bahnhof Werderwerk

Hier am historischen Bahnhof Werderwerk fand der erste wichtige Schritt für die Reaktivierung der Siemensbahn statt. | Foto: BERLINboxx

S-Bahn-Anbindung am Gleisdreieck

Seit den 1990er Jahren wurde über eine zusätzliche S-Bahn-Strecke in Nord-Süd-Richtung diskutiert, die die bisherige Verkehrsachse ergänzt. Aktuell wird seit 2010 in drei Bauabschnitten die Trasse für diese neue Linie mit der Bezeichnung S21 gebaut. Bald wird dann der Hauptbahnhof aus allen Himmelsrichtungen per S-Bahn erreichbar sein. Im ersten Bauabschnitt der neuen S-Bahn-Linie wird am Nordring schon gebaggert. Der zweite Bauabschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und Potsdamer Platz ist in Planung. Das Gleisdreieck wird im dritten Bauabschnitt angeschlossen, die Strecke führt von hier bis zum Bahnhof Südkreuz.

Für das Gleisdreieck bedeutet der Neubau, dass sich der Standort als Drehkreuz etablieren wird. Bisher ist er nur mit der U-Bahn erreichbar. Die S21 wird aus dem U-Bahnhof einen Umsteigebahnhof machen. Davon kann auch die Urbane Mitte Am Gleisdreieck profitieren. Das geplante Quartiersprojekt teilt sich das Grundstück mit der S-Bahn-Trasse.

Kulturelle Angebote statt Parkplätze

Im Quartier Urbane Mitte Am Gleisdreieck entstehen Arbeitsplätze, Gewerberäume sowie kulturelle und sportliche Angebote für alle Stadtbewohner. Und für alle Menschen, die hier ihren Arbeitsplatz haben werden, wird es eine gelungene Verbindung sein: ein moderner Arbeitsplatz mitten in der Stadt, mit Blick auf den Park am Gleisdreieck und die perfekte Anbindung an den Berliner Nahverkehr. Mit der S21 oder doch mit der U-Bahn – wer hier arbeiten wird, kann das Auto stehen lassen. Konsequenterweise wird die Urbane Mitte kulturelle und sportliche Freiräume bieten – und auf Parkplätze verzichten.

Die Siemensbahn und die S21 zeigen also, dass in Berlin ein Umdenken stattfindet. Es dient allen Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohnern, wenn die beiden Projekt Vorbildcharakter haben, und Quartiersentwicklung und moderne Mobilität gemeinsam gedacht werden. (aw)

Digitalisierung erfordert Beweglichkeit

Im Gespräch mit Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie

Die voranschreitende Digitalisierung verändert wie wir leben und arbeiten. Doch wie weit ist Deutschland bei diesem Thema?

Das Handelsblatt bezeichnete Sie bereits 2012 als „Twitter-König“. Das Thema Digitalisierung und soziale Medien ist also kein Fremdwort für Sie. Doch noch immer ist viel zu tun – wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf im Bereich Digitalisierung?

Deutschland hat eine gute Startposition in Sachen Digitalisierung. In der Tat ist es jetzt aber notwendig, dass wir die dringenden Themen angehen – die Bundesregierung trägt ihren Teil mit konkreten Projekten dazu bei, die Wirtschaft muss das Ihrige dazutun. Handlungsbedarf sehe ich insbesondere bei den folgenden Themen.

  1. Breitbandausbau/5G: Wir benötigen bis zum Jahr 2025 gigabitfähige Netze und müssen uns zum Leitmarkt für 5G entwickeln.
  2. Künstliche Intelligenz: KI ist DIE Schlüsseltechnologie für die gesamte Wirtschaft. In der Forschung sind wir schon sehr gut, bei der Kommerzialisierung praktischer Anwendungen besteht erheblicher Nachholbedarf. Hier setzen wir mit der KI-Strategie und ich selbst mit meiner Nationalen Industriestrategie 2030 an. Das BMWi ist auch schon in die Umsetzung der KI-Strategie eingestiegen: Rund 130 Konsortien haben sich beworben, um im Rahmen unseres KI-Innovationswettbewerbs Leuchtturmprojekte der KI in Deutschland umzusetzen.
  3. Wagniskapital: Wir brauchen mehr Wagniskapital in Deutschland, insbesondere in der frühen Wachstumsphase, damit gute Ideen und innovative Geschäftsmodelle bei uns groß werden. Viel zu oft gehen helle Köpfe ins Ausland, weil Ihnen bei uns die finanzielle Unterstützung zur weltweiten Skalierung ihrer Ideen fehlt. Gerade erst Ende März hat daher der Bund gemeinsam mit der KfW eine Venture-Debt-Finanzierung für innovative Unternehmen in der Wachstumsphase gestartet.

Deutschland hinkt im europäischen Vergleich immer noch hinterher, wenn es um die digitale Infrastruktur und den Breitbandausbau geht. Im aktuellen Index der EU-Kommission für Digital Economy und Society 2018 Deutschland gerade einmal Platz 14 belegt. Was machen andere besser und wie kann Deutschland aufholen?

Der Country Report für Deutschland stellt zutreffend fest, dass es ein Stadt-Land-Gefälle bei der Breitbandversorgung in Deutschland gibt und insgesamt noch wenige Glasfaseranschlüsse verfügbar sind. Gerade für Unternehmen ist eine „mangelnde Breitbandversorgung“ das häufigste Digitalisierungshemmnis – hier müssen wir schnell besser werden, denn viele andere Länder sind uns tatsächlich einige Schritte voraus. Beim Ausbau besonders zukunftsfester Glasfasernetze besteht das Problem, dass die Nachfrage noch unterentwickelt ist: Nur etwa ein Drittel der wenigen bestehenden Glasfaseranschlüsse werden auch tatsächlich genutzt. Deshalb werden wir politisch flankieren: Insbesondere durch einen entsprechenden Ordnungsrahmen, zum Beispiel eine investitionsfreundliche Regulierung zukunftsfester Glasfaseranschlussnetze und durch die Bereitstellung zusätzlicher öffentlicher Mittel.

Aktuell wird viel über die Einführung des 5G-Standards gesprochen. Ist es nicht viel wichtiger Funklöcher, sogenannte weiße Flecken im Mobilfunknetz, zu beseitigen und zumindest 4G, also den aktuellen Standard flächendeckend einzuführen?

Beides ist wichtig. Die aktuelle Mobilfunkdebatte in Deutschland hat zwei Schwerpunkte: die mangelhafte Versorgungssituation und Maßnahmen zu deren Verbesserung einerseits sowie die neue Mobilfunkgeneration 5G andererseits. Die Bedingungen für die aktuell laufende Frequenzauktion umfassen umfangreiche Versorgungsauflagen und Anreize für kooperativen Netzausbau, wofür sich die Bundesregierung eingesetzt hat. Netzbetreiber müssen insbesondere entlang der Autobahnen für schnelles Internet sorgen; auch die Versorgung entlang der übrigen Verkehrswege wird sich verbessern. Mit der laufenden Auktion ebnen wir zudem den Weg für hochleistungsfähigen 5G-Mobilfunk, der auch einen wichtigen Beitrag zum Gigabitnetzausbau im Bereich der „letzten Meile“ leisten kann. Darüber hinaus wird die Bundesregierung bis Mitte des Jahres 2019 ein Gesamtkonzept erarbeiten, das über reine frequenzregulatorische Maßnahmen hinausgeht und geeignet ist, auch weiße Flecken im Mobilfunknetz rasch zu schließen.

Das Vertrauen der Deutschen in die Digitalkompetenz der Bundesregierung ist gering ausgeprägt. Woran glauben Sie liegt das und was machen Sie, um dieses Bild zu verändern?

Die aktive Gestaltung der Digitalisierung ist außerordentlich komplex und wurde nicht zuletzt deswegen in Deutschland zur Chefsache gemacht. Unter Federführung des Kanzleramts wurde die Umsetzungsstrategie „Digitalisierung gestalten“ im November 2018 verabschiedet – damit werden die vielfältigen Maßnahmen der verschiedenen Ressorts zentral gesteuert. Ein wichtiger Beitrag in diesem Zusammenhang und ganz konkreter Nutzen für Bürger und Bürgerinnen sowie Unternehmen ist die zunehmende Digitalisierung der Verwaltung. Bis 2022 sollen alle relevanten Verwaltungsleistungen von Bund, Länder und Kommunen auch online zur Verfügung stehen. Dann können Anträge künftig einfacher gestellt und schneller bearbeitet werden. In unserer föderalen Staatsstruktur ist diese Neuausrichtung alles andere als einfach. Aber wir setzen alles daran, dass die Menschen schnell Verbesserungen erleben werden. Denn nicht nur die Wirtschaft wird digitaler; der Staat muss es auch werden.

Künstliche Intelligenz, Sensorik, autonomes Fahren – wie innovativ ist die Bundesrepublik in Sachen Digitalisierung?

Deutschland verfügt über eine exzellente Forschungslandschaft, die viele digitale Innovationen hervorbringt. KI spielt hier eine besondere Rolle. Im Bereich der KI-Forschung ist Deutschland auf einem weltweit führenden Niveau. Dies gilt insbesondere für das maschinelle Lernen, eine der wichtigsten Grundlagen für das autonome Fahren. Bei der Umsetzung unserer vielversprechenden Forschungsansätze in innovative Anwendungen, Produkte und Dienstleistungen hapert es aber noch etwas. Das können andere, wie die USA und zunehmend China, besser. Deshalb mache ich mich persönlich stark für den Transfer in die Wirtschaft und vielfältige Anwendungsmöglichkeiten von KI in allen Bereichen der Gesellschaft.

KI wird ein zentraler Wachstumstreiber sein. Laut einer unserer Studien liegt die zusätzliche Wertschöpfung durch KI allein im produzierenden Gewerbe bei rund 32 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren. KI ist eine große Chance für Kernbereiche der deutschen Wirtschaft: Maschinenbau, Produktion, Logistik und Fahrzeugbau. Wir wollen Deutschland und Europa zu einem führenden Standort für die Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien machen und eine gemeinwohlorientierte Entwicklung und Nutzung von KI sicherstellen. Ich glaube, wir benötigen einen strategischen Industrieakteur, einen Airbus für KI, also ein privatwirtschaftliches, länderübergreifendes Unternehmen, das finanziell und politisch von den Ländern unterstützt wird und die besten KI-Anwendungen marktreif macht.

Sie wollen Unternehmen größere Freiräume bei der Erprobung neuer Technologien geben. Welche Ziele verfolgt das BMWi mit seiner Reallabore-Strategie?

Die Digitalisierung legt ein Tempo vor, das auch vom Gesetzgeber eine neue Beweglichkeit erfordert. Heute wissen wir noch nicht, welche Regeln wir für Lieferroboter, Paketdrohnen und KI-Lösungen benötigen, daher müssen wir Dinge ausprobieren und Freiräume schaffen, auch in Sachen Regulierung. Das Personenbeförderungsrecht ist ein schönes Beispiel: Eine Experimentierklausel erlaubt es, Erfahrungen mit neuartigen Mobilitätsformen zu sammeln, die dann in eine Überarbeitung des rechtlichen Rahmens einfließen können. Mit unserer Reallabore-Strategie wollen wir diese Idee der Erprobung auch in anderen Bereichen viel stärker in Deutschland verankern. (aw)

Google Deutschland erweitert Zentrale in Berlin

Der Internetriese Google baut seine Präsenz in Berlin aus und hat dafür das Bürogebäude Johannishof in Mitte gekauft. Erst Anfang des Jahres hatte Google seine neue Zentrale in Berlin Mitte eröffnet, doch die Expansionspläne reichen weiter. Mit dem neuen Bürogebäude will das Unternehmen mehrere hundert neue Stellen schaffen.

Google baut Aktivität in Berlin aus

Mit dem Erwerb des Johannishofs will Google den Standort Berlin weiter ausnutzen und ausbauen. Der Johannishof war einst Sitz von Rocket Internet, das 2016 aber in den früheren GSW-Turm in Kreuzberg umgezogen war. Das neue Bürogebäude hat eine Nutzfläche von 11.000 m² und ist lediglich 300 Meter von der ebenfalls brandneuen Hauptzentrale entfernt, in der momentan 140 Mitarbeiter arbeiten. In Zukunft soll die Zahl der Angestellten auf 300 ansteigen. Mit der geplanten Expansion werden weitere hunderte Stellen hinzukommen. Zunächst muss das Gebäude allerdings saniert werden.

Dennoch ist Google Berlin die bisher kleinste Niederlassung des Konzerns in Deutschland. Im Hauptsitz in Hamburg arbeiten circa 600 Mitarbeiter und auch in München sind aktuell 700 Angestellte beschäftigt. Es sei aber nicht geplant, die Deutschland-Zentrale nach Berlin zu verlegen, sagte Google-Sprecher Ralf Bremer gegenüber der Berliner Zeitung.

„Neuerliches Bekenntnis Googles zum Standort Berlin“

Berlin gilt weltweit als wichtige Metropole der Digitalwirtschaft. Start-ups sind hier so aktiv, wie kaum woanders und Investoren wagen immer mehr in junge Unternehmen zu investieren. Mit Paris und London führt die Hauptstadt die Spitze der Liste an, wenn es um Start-ups geht. Großkonzerne wie Google hielten sich bisher zurück. Das solle sich nun ändern, erklärte Bremer der Berliner Zeitung. „Unsere Investition ist ein neuerliches Bekenntnis Googles zum Standort Berlin.“

Welche Projekte dort künftig bearbeitet werden, sei noch nicht festgelegt worden, so Bremer. Allerdings werde sich die Arbeit an den bestehenden Aufgabenfeldern orientieren. „Aktuell arbeiten im Berliner Büro unterschiedliche Teams aus den Bereichen Cloud, Google for Start-ups, Google Play, Marketing, Politik, Software-Engineering, Vertrieb und YouTube.“, erklärte Bremer. (lb)

Victress Awards Gala 2019

Gestern Abend fanden zum 14. Mal die Victress Awards in Berlin statt. Es handelt sich dabei um ein Event zu Ehren eindrucksvoller, starker Frauen in Führungspositionen, die einen Award für ihre besondere Leistung erhalten. Gefeiert wurde im Rahmen einer festlichen Gala in der Universität der Künste. Durch den Abend führte TV-Moderator Matthias Killing. Das bunt gemischte Publikum bestand aus rund 1.000 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, darunter auch viel Prominenz

Weibliche Vorbilder die inspirieren und motivieren

Jedes Jahr werden die Victress Awards an besondere Frauen verliehen, die durch ihre herausragende Leistung als Inspiration für die weibliche Gesellschaft gelten. Sie sind der Beweis dafür, dass sich Erfolg, Leadership und Weiblichkeit hervorragend vereinen lassen und motivieren damit andere, sich hohe Ziele zu setzen und ihre Träume zu verwirklichen. In insgesamt sieben verschiedene Kategorien, von Gesundheit bis Technologie, kürte die Jury jeweils eine Frau zur Preisträgerin.

Claudia Pechstein (Preistraegerin VICTRESS of the YEAR AWARD), Laudator Udo Lindenberg bei Victress Award Gala | Foto: agentur baganz

Die Preisträgerinnen

Claudia Pechstein, Eisschnellläuferin und mehrfache Olympiasiegerin, bekam als Ausnahmeerscheinung den „Victress of the Year 2019“ Award. Der Victress Cyber Award ging an Ilijana Vavan, Managing Director von Kaspersky. Sie vereint in ihrer Person den Nerd, die liebende Mutter und die Top-Managerin. In ihrer Rede am gestrigen Abend sprach sie über den viel zu geringen Frauenanteil in der Cybersicherheit und die Unterdrückung von Frauen weltweit. Sie machte darauf aufmerksam, dass Frauen selbst in Deutschland noch nicht vollkommen gleichgestellt seien und forderte zur gemeinsamen Veränderung auf.

Weitere Siegerinnen waren unter anderem Rita Flügge-Timm (Musikmanagerin „DolceRita Recordings“), Nelly Kostadinova (Geschäftsführerin Lingua World) und das Nachwuchs-Victress Kimberly Klebolte. Als akademische Überfliegerin kämpft sie weltweit für Chancengleichheit.

Alle Preisträgerinnen erhielten eine Award-Skulptur und ein Parfum aus der Berliner Parfume-Manufaktur Birkholz. Nach der Verleihung gab es eine ausgelassene After-Show-Party mit großer Tombola, bei der es als großes Highlight eine sieben tägige Luxusreise nach Venedig zu gewinnen gab. (tf)