Brexit rückt näher: Unternehmen verlagern ihre Standorte nach Berlin

Infolge des Brexit haben viele Unternehmen ihren potenziellen Rückzug aus Großbritannien angekündigt. Stattdessen avisieren sie die Verlegung ihres Standorts innerhalb der EU, um weiterhin vom europäischen Markt zu profitieren. Neben Amsterdam, Paris, Dublin und Luxemburg mausert sich auch Berlin, als Gründerhauptstadt und FinTech-Hub, zu einer der künftigen Wirtschaftsmetropolen, die London in kaum etwas nachstehen werden.

Im ersten Jahr nach der offiziellen Brexit-Ankündigung im März 2017, erlebte Berlin eine regelrechte Wellenbewegung. Zahlreiche Anfragen bearbeitete die Standortmarketing-Agentur Berlin Partner, die jungen und neu angesiedelten Unternehmen auch als Wirtschaftsförderer zur Seite steht. Zuerst verlagerten 20 kleinere britische Unternehmen, mit rund fünf bis 15 Mitarbeitern ihre Standorte nach Berlin. Inzwischen kann Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, einen regelrechten Trend von zehn Unternehmen pro Jahr bestätigen. Während die flutartigen Anfragen abflauten, sind die Unternehmen die sich jetzt ansiedeln, wesentlich größer und beschäftigen 35 Mitarbeiter aufwärts. Auch ein großer Konzern, dessen Geschäft bislang strenger Geheimhaltung unterliegt, erwägt die Verlegung seines Headquarters von London nach Berlin. Die Morgenpost berichtete, man spreche hier von Mitarbeiterzahlen im vierstelligen Bereich und führe bereits konkrete Verhandlungen.

 

Viele Unternehmen spielen nicht nur mit der Idee ihre europäischen Headquarter nach Berlin zu verlegen. | Foto: pixabay.com

Viele Unternehmen spielen nicht nur mit der Idee ihre europäischen Headquarter nach Berlin zu verlegen. | Foto: pixabay.com

 

Abkapselung vom EU-Markt vorbeugen

Neben kleinen und mittelständischen Unternehmen hielten solche Anfragen größerer Unternehmen, die Angst vor einer Abkapselung vom EU-Markt hatten, bis heute an. Asiatische und amerikanische Firmen, die bei der Niederlassung bislang grundsätzlich über London gegangen seien, erwägen laut Franzke nun Berlin als europäisches Headquarter. Bisher wird abgewartet wie hart sich der Brexit im Frühjahr 2019 tatsächlich äußert, wenn das Vereinigte Königreich am 30. März offiziell aus der EU austritt. Für 21 Monate, bis zum 31. Dezember 2020 tritt das Land in eine Übergangsphase ein. Am Ende dieser müssten bestimmte Modalitäten nach ersten Erfahrungswerten höchstwahrscheinlich noch konkretisiert werden. Vor allem das sich in der Schwebe befindende Handelsabkommen mit der EU, wird für die Belieferung der Unternehmen ausschlaggebend sein.

„Je härter es wird, desto mehr Unternehmen werden kommen“, sagte Franzke in einem Interview mit der Morgenpost. Diese Aussage wird gestützt von einer Umfrage des britischen Wirtschaftsverbandes CIPS, die bisherige Schritte der Konzerne verdeutlichte. Laut der Umfrage hätten bereits 14 Prozent der europäischen Unternehmen mit britischer Präsenz, Schritte zur Verlegung ihrer britischen Räumlichkeiten unternommen. Darüber hinaus zögen elf Prozent bereits Mitarbeiter-Teams zur Umdisponierung in andere Länder ab. Von den 2418 befragten Managern verschiedenster Branchen, stelle sich bereits jeder Dritte auf komplizierte Handelsbeziehungen mit der EU ein. Aufgrund der Abwertung des Pfund nach dem Brexit-Volksentscheid im Jahr 2016, verteuerten sich Importe. Infolge dessen hob bereits jeder dritte Betrieb die Preise an.

 

Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, hier bei einem Event im Steglitzer Kreisel der CG Gruppe AG. | Foto: BERLINboxx

Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, hier bei einem Event im Steglitzer Kreisel der CG Gruppe AG. | Foto: BERLINboxx

 

Suche nach Berliner Gewerbeflächen wird sich verschärfen

Dagegen liegen für Franzke die Berliner Standortvorteile klar auf der Hand. Eine Verständigung auf Englisch sei vielleicht nicht so selbstverständlich wie in skandinavischen Metropolen, aber im Vergleich mit Paris doch problemloser möglich. Auch die Struktur der Lebenshaltungs- und Gewerbekosten sei  im Gegensatz zu Amsterdam, Stockholm, Paris und Brüssel noch „sehr moderat“, so Franzke. Jedoch warnt er vor einer Verschärfung der Situation am Markt für Gewerbeimmobilien.

Das Land Berlin hatte kürzlich einen neuen Etat in Höhe von 150 Millionen Euro für den Ankauf von landeseigenen Grundstücken angelegt. Hiervon sollten 50 Millionen Euro des Investitionsfonds der Akquise neuer Gewerbeflächen für den Wirtschaftsstandort Berlin zugutekommen. Franzke schilderte, vor allem am Südkreuz, dem Gleisdreieck und der Europacity noch Potenzial zur Ausbreitung gewerblicher Flächen zu sehen. Zudem müsse man die Außenbezirke, beispielsweise Lichtenberg und Adlershof, verstärkt auch für junge Unternehmen und Start-ups attraktiv machen. Das stärkere aneinanderrücken von Wohnblöcken und Industrieunternehmen führe jedoch auch dazu, dass bestimmte Unternehmen nicht weiter wachsen könnten.

 

Stadtverträgliche Start-ups, die mit modernen und "leisen" Technologien arbeiten, bereichern das Stadtleben. | Foto: pexels.com

Stadtverträgliche Start-ups, die mit modernen und „leisen“ Technologien arbeiten, bereichern das Stadtleben. | Foto: pexels.com

 

Schon vor dem Brexit eine Gründungshochburg

„Die gemeinsame Aufgabe von Wirtschaftsförderung und Politik ist es, dafür zu sorgen, dass Büro- und Gewerbeflächen gesichert und ausgebaut werden. Dafür müssen auch so wie bisher Gebiete ausgewiesen werden, an die keine Wohnbebauung heranreicht“, so Franzke gegenüber der Morgenpost. Bestimmte Wirtschaftszweige wie die Logistiker, die viel Platz brauchen, können schon heute nicht mehr in der Stadt angesiedelt werden, sondern müssen nach Brandenburg ausweichen. Hierzu führt man Gespräche mit den Zuständigen des Umlandes, um Unternehmen zumindest in der Hauptstadtregion zu halten. Dem entgegen steht die Stadtverträglichkeit der „stillen“ Wirtschaftszweige, die mit neuen Technologien arbeite und eine geringe bis gar keine Lärmbelastung für Anwohner produzieren. Der Berlin Partner-Chef sieht hier die Chance für Berlin genau solche Firmen herzuholen und diese direkter in das Stadtleben einzubauen als riesige Fabrikhallen. In der Hauptstadt fände man außerdem die geeigneten Talente, die neue Wohn- und Arbeitskonzepte offen in ihren Alltag integrierten.

„Zum Beispiel FinTechs, da war Berlin schon vor dem Brexit eine Hochburg, jetzt erst recht. Auch der 3D-Druck verträgt sich extrem gut mit benachbarten Wohnarealen. Eine Produktion mit diesen Geräten würden Anwohner vermutlich kaum mitbekommen“, erläutert Franzke. Doch auch hier reicht die Zuversicht der Wirtschaftsförderung im aufgeschlossenen, flexiblen Berlin der modernen Arbeitsmodelle, Talente aus 190 Ländern zu finden nicht aus. Erschwingliche Gewerbeflächen für Unternehmen, die hier passende Mitarbeiter suchen, müssen trotzdem her. Laut der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) verließen seit 2013 bereits rund 3700 Unternehmen die Hauptstadt. Um nicht nur bei den Verhandlungen mit den britischen Konzern stehen zu bleiben, muss Berlin endlich einen strukturierten Flächenplan entwickeln, um zu zeigen was in der Hauptstadt doch noch möglich ist.

 

Schon vor dem Brexit war Berlin eine Hochburg für FinTechs. | Foto: pixabay.com

 

Handel, Fusionen und Lebensqualität als Motivation

Neben Umzügen an andere EU-Standorte streben Konzerne auch Fusionen an, um mögliche Schwierigkeiten im Handel zu vermeiden. Nicht nur der Handel, sondern auch die Auftragslage ist für Firmen über den März 2019 hinaus schwer einschätzbar. Viele haben Schwierigkeiten Aufträge zu erhalten, die über das Datum des Brexit hinausgehen, berichtete die FAZ. Die Lizenz der britischen Finanzaufsicht für Geschäfte im Vereinigten Königreich, gilt für Finanzunternehmen nach dem Brexit nicht mehr in der EU. Rund ein Drittel der 222 größten Finanzunternehmen mit signifikanter Geschäftsaktivität in Großbritannien kündigten infolge dessen an, ins Ausland zu verlagern. Die französische Regierung ist dahingehend bestrebt die Attraktivität von Paris als Europas neues Finanzzentrum mit allen Mitteln zu erhöhen.

 

Neben Umzügen an andere EU-Standorte streben Konzerne auch Fusionen an, um mögliche Schwierigkeiten im Handel zu vermeiden. | Foto: pexels.com

Neben Umzügen an andere EU-Standorte streben Konzerne auch Fusionen an, um mögliche Schwierigkeiten im Handel zu vermeiden. | Foto: pexels.com

 

Welche der wirtschaftlich bereits gut situierten, europäischen Metropolen die zuträglichste Brexit-Beute machen wird, steht bisher in den Europa-Sternen. In jedem Fall hat Berlin nicht nur mit seinen Talenten, seiner Flexibilität und seiner bekannten Mischung eine große Anziehungskraft für Unternehmen. Vor allem für die Berliner Lebensqualität siedelten sich zuletzt viele mittelständische Unternehmen und Start-ups an, die hier ihre Netzwerke ausbauen können. (cn)

 

FIABCI Prix d’Excellence Germany lobt 2018 zwei Sonderpreise aus

Wie Andreas Ibel, BFW-Präsident und Mitglied der FIABCI Germany Jury, am Dienstag in Berlin bekannt gab, wird Staatssekretär Gunther Adler erneut die Schirmherrschaft für den „FIABCI/BFW Sonderpreis für bezahlbares Bauen“ übernehmen. So sollen Projektentwickler motiviert werden „nachhaltig, innovativ und zugleich auch noch bezahlbar zu bauen“. Angesichts der derzeitigen politischen Rahmenbedingungen stünden Projektentwickler zunehmend vor der Herausforderung, nahezu Unmögliches möglich zu machen.

Aufgrund der Etablierung des Wettbewerbs in der Immobilienbranche und der hohen Ansprüche an die teilnehmenden Projekte, übernehme Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesbauministerium, gerne die Schirmherrschaft. „Vor dem Hintergrund des Wohnraummangels in den Ballungsgebieten zeigt sich, dieser Preis ist am Puls der Zeit“, so Adler.

FIABCI Prix d’Excellence Germany lobt 2018 gleich zwei Sonderpreise aus

Zudem wird 2018 ein zusätzlicher Sonderpreis ausgelobt, der in der Kategorie „Vattenfall Sonderpreis Energie“ Projekte mit hoher Energieeffizienz auszeichnet. So ergänzte Michael Heming, Präsident FIABCI Deutschland, dass die neuen Preiskategorien die Ziele des Wettbewerbs auch nach außen verdeutlichen. „Wir wollen die Synergien zwischen Bauwirtschaft, Baukultur, Politik und Gesellschaft fördern. Dialoge anregen und zu innovativem nachhaltigem Bauen inspirieren“, wird Heming in einer Pressemitteilung zitiert.

Bereits seit 2013 werden in dem von FIABCI Deutschland und dem BFW ausgelobten Wettbewerb, bundesweit Projektentwicklungen in den Bereichen Gewerbe und Wohnen prämiert. Insbesondere einige Berliner Projekte profitierten im vergangenen Jahr von der Auszeichnung als Sprungbrett zum  europäischen Markt.

Das innovative Gesamtkonzept entscheidet

Seit 2014 ist Deutschland eines von fast 20 Ländern, die den traditionsreichen FIABCI Prix d’Excellence als National Award ausloben. Durch die Kooperation der International Real Estate Federation und des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), wurde damit der erste bundesweite Preis für Projektentwicklungen ins Leben gerufen. Unter Einbeziehung eines gelungenen Gesamtkonzeptes von Architektur, Logistik und Wirtschaftlichkeit, Innovation, Nachhaltigkeit und urbaner Integration in den Kategorien Gewerbe und Wohnen, werden die Bewerber honoriert. Entsprechend der Zielsetzung neue Bautrends zu schaffen, bewarben sich auch 2017 vielfältige Projekte.

„Diese decken von der Umnutzung, über den Neubau bis zur Bestandsrevitalisierung und – sanierung im Wohn- und Gewerbebereich die gesamte Bandbreite der Bautätigkeit ab. Kreativität und Qualität sind die Merkmale, die unsere heimischen Projektentwicklungen kennzeichnen. Auch dieses Jahr haben wir wieder Gewinner, die das hohe Niveau der deutschen Projektentwicklungen belegen“, kommentierte Michael Heming, Präsident FIABCI Deutschland und Mitglied der Jury, die Vielfalt.

5 Jahre FIABCI Germany werden im November im Hotel Adlon gefeiert

Genauso wie im letzten Jahr, findet die Preisverleihung im November im Rahmen einer festlichen Gala im Hotel Adlon in Berlin statt.

Bereits vor 25 Jahren wurde der FIABCI Prix d’Excellence von der International Real Estate Federation FIABCI ins Leben gerufen. Insbesondere im Bereich der Projektentwicklungen, gilt er als einer der renommiertesten Preise weltweit. Seit 5 Jahren gibt es den Preis auch in Deutschland. Inzwischen ist es der einzige bundesweite Wettbewerb für Projektentwicklungen in den Bereichen Gewerbe und Wohnen. (red)

Leihradanbieter konkurrieren in der Hauptstadt: Ofo zieht sich aus Berlin zurück

Gerade erst hat der Bikesharing-Anbieter oBike aus Singapur Insolvenz angemeldet, nun zieht sich auch schon der nächste Anbieter zurück. Der chinesische Anbieter Ofo lässt allerdings verlauten, dass eine Rückkehr nach Deutschland nicht ausgeschlossen sei.

Von nextbike, über Lidl-Bike bis hin zu Limebike – Die Liste der Bikesharing-Anbieter ist lang. Dementsprechend groß ist auch die Konkurrenz. Mittlerweile stehen in der Hauptstadt mehr als 14.000 Leihfahrräder an verschiedensten Orten.

Bikesharing-Boom in Asien

Ofo, der weltweit größte Leihfahrradanbieter aus China, wurde 2014 in Peking gegründet. Das erste Leihradsystem startete der Konzern Mitte 2015 mit 2.000 Fahrrädern in der chinesischen Hauptstadt. Inzwischen ist Ofo mit seinen gelben Fahrrädern weltweit in 13 Ländern und über 180 Städten vertreten. Erst im April dieses Jahres weitete das chinesische Unternehmen sein Angebot auch nach Berlin aus. Gestartet wurde mit insgesamt 2.000 Rädern in den Bezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg.

Während Berlin gerade mal 14.000 Leihfahrräder zählt, sind es in Peking schon 2,3 Millionen. Insgesamt 15 verschiedene Anbieter liefern sich dort einen Kampf um Wettbewerbsanteile. Um jedoch weiter expandieren zu können, drängen immer mehr asiatische Bikesharing-Firmen auf den deutschen Markt.

 

2015 startete Ofo sein Verleihsystem mit 2.000 Fahrräder in Peking | Foto: pexels.com

 

Ofo zieht sich nach dreimonatiger Testphase zurück

Nachdem Ofo zuvor seinen Rückzug aus Australien und Wien bekannt gab, will sich der Konzern nach einer dreimonatigen Testphase in Berlin auch vom deutschen Markt vorläufig verabschieden. „Es handelt sich hierbei um eine strategische Entscheidung, welche auf der jeweiligen Marktleistung basiert“, teilte das Unternehmen mit. Nach eigenen Angaben hatte Ofo rund 3.000 Fahrräder auf den Berliner Straßen aufgestellt. Ursprünglich wollte das Start-up sogar 10.000 Fahrräder in der deutschen Hauptstadt verteilen.

Im Gegensatz zu oBike, die nicht mehr erreichbar sind und deren Fahrräder nun herrenlos in vielen Städten herumliegen, kündigte Ofo an, Berlin „in den kommenden Wochen verantwortungsvoll verlassen“ zu wollen.

 

Die Konkurrenz war zu groß. Ursprünglich wollte Ofo 10.000 Fahrräder in Belrin aufstellen | Foto: Wikimedia Commons/Nick-D

 

Berlin wird mit Leihrädern überflutet

Ein Überfluss an Firmen bietet ihre Leihräder in der Hauptstadt an, sodass man inzwischen die Qual der Wahl hat – Unterschiede gibt es kaum. Für Bikesharing-Anbieter wird es nun auch hierzulande, ähnlich wie in Asien,  immer schwieriger sich durchzusetzen. „Um einen solchen Sharing-Dienst anzubieten, muss man erst eine große Menge an Bikes auf den Markt bringen“, erklärt Mobilitätsexperte Andreas Nienhaus vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman. Nur so wird sichergestellt, dass Bürger auf die Fahrräder aufmerksam werden und der Konzern nicht in der Masse untergeht.

Allerdings wird der Aufwand, die Räder in gutem Zustand zu erhalten, dementsprechend auch größer. Denn immer wieder werden sie auf Gehwegen und vor Einfahrten vernachlässigt liegengelassen und Opfer von Vandalismus. Beschwerden von Passanten gibt es dementsprechend viele. Das Bikesharing-System ist zwar eine umweltbewusste und klimafreundliche Alternative zum Autoverkehr, doch die Fahrräder werden zunehmend zu Verkehrshindernissen. Abhilfe könnten hier stationsgebundene Systeme schaffen – diese sind wiederum für den Nutzer ein Hindernis. Denn bis der Nutzer das Fahrrad an einer festen Station zurückgibt, ist er für alle Schäden oder Verluste verantwortlich. Zwar ist ein stationsloses Verleihsystem für den Radfahrer komfortabler, da er es auf dem Weg einfach abstellen kann, ohne bis zur nächsten Station fahren zu müssen, allerdings würden stationsgebundene Systeme für mehr Ordnung in der Stadt sorgen. (dn)

Co-Living-Spaces: Alternative Wohnkonzepte erobern Hauptstadt

Gemeinschaftliches Rooftop-Yoga mit dem spanischen Marketingchef auf der Terrasse, Filmvorstellungen mit der schwedischen Social Media-Beraterin im hauseigenen Kinosaal und ein multikulturelles Frühstücksbüffet mit mindestens sechs verschiedenen Nationen am Tisch. Wer nicht miteinander arbeitet, redet in der Weltsprache Englisch über seine Arbeit, und wer nicht reden möchte, sucht sich die kollektive Meditationsecke. Dies ist keine Beschreibung aus Dave Eggers Bestseller Thriller „Der Circle“, sondern das Berliner Wohnkonzept der Zukunft, um Digitalnomaden vor dem sozialen Untergang zu bewahren und zwar auf möglichst engem Raum. Ob diese neue Berliner-Mischung aufgeht?

Community-orientiertes Wohnen

Mit klassischen Wohngemeinschaften oder Studenten WGs sollen Co-Living- Spaces möglichst wenig gemeinsam haben. Attraktive Berliner Bestandsimmobilien und Neubauprojekte verwandeln sich durch innovative Raumnutzungen in großzügige Gemeinschaftsareale für internationale Young Professionals und solche, die es werden wollen.

Attraktive möblierte Zimmer werden über einschlägige Plattformen der Anbieter von Co-Living-Spaces vertrieben. Schnelles Mieten wird per Abonnement und digitalisierte Abwicklung beschleunigt. Dafür wird ein Community-orientierte Wohnkonzept zum gemeinsam leben, arbeiten, sich inspirieren lassen und wohlfühlen geboten. So ist es jedenfalls in der Theorie gedacht.

Hauptsache connected

Wie bereits bei den Co-Working-Spaces als innovatives Bürokonzept, bestechen die Gemeinschaftsflächen durch modernes Design, erstklassige digitale Infrastruktur und eine enge Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, um schnell in die angesagten Berliner Bezirke zu gelangen. Die Gemeinschafts- Apartments für Gutverdiener genügen den Ansprüchen der neuen international geprägten Tech-Generation: schnelles W-Lan, lichtdurchflutete Räume, bequem per Abo mietbar und dann noch kreativ sowie gemütlich eingerichtet.

Ob Studenten, Business Professionals oder Digital-Nomads – sie alle sollen dort willkommen sein. Ganz so neu ist das Konzept allerdings nicht: Berliner Vorreiter war der ehemalige eKomi- Chef und Medici Living Group-Gründer Gunther Schmidt. Bereits 2012 startete er in der Hauptstadt das erste Konzept für Co-Living-Spaces und leitet das Unternehmen heute mit Ferdinand von Fumetti und Robert Gmeiner.

QUARTERS

Seitdem bietet die Medici Living Group sowohl studentische Wohngemeinschaften als auch Co-Living Spaces an. QUARTERS heißt die firmeneigene Wohnungsbörse für unkonventionelles Zusammenleben.

 

Kreative Köpfe hinter der Medici Living Group (v.l.n.r.): Robert Gmeiner, Ferdinand von Fumetti und Gunther Schmidt | Foto: Medici Living Group

Kreative Köpfe hinter der Medici Living Group (v.l.n.r.): Robert Gmeiner, Ferdinand von Fumetti und Gunther Schmidt | Foto: Medici Living Group

 

Das Unternehmen mit Sitz in Berlin bietet mittlerweile 45 Co-Living- Spaces an. Der Bedarf an kreativen Wohnraumlösungen steigt – nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in anderen internationalen Metropolen. „Als junger Mensch ohne Einkommensnachweise oder der Möglichkeit persönlich vor Ort auf Wohnungssuche zu gehen, ist es fast unmöglich, eine zentral gelegene Unterkunft in einer Metropole zu finden“, sagt Gunther Schmidt. Derzeit betreibt die Medici Living Group international 1.300 Wohneinheiten mit einer Auslastung von 96 Prozent. Mit dem Konzept ist das Berliner Unternehmen allerdings schon längst nicht mehr alleine. Nicht nur auswärtige Wettbewerber wie das Co-Working-Startup WeWork oder WeLive boomen und bieten ähnliche Wohnkonzepte an, sondern auch Berliner Firmen.

Trend mit Tradition

So innovativ das Konzept auf den ersten Blick erscheinen mag, es ist ein digital organisierte Variante der herkömmlichen Wohngemeinschaft. Mit exklusiven Upgrades werden vor allem internationale Fachkräfte für das Wohnen-auf-Zeit gewonnen, sind aber keine Lösung für den chronischen Wohnmangel in der Hauptstadt. Altes Konzept, neues Label: Gute Ideen können eben langlebig sein. (lj)

Rasante Preissteigerung auch im Berliner Umland

Der angespannte Berliner Wohnungsmarkt, der verstärkt Familien in das gut angeschlossene Umland treibt, kurbelt schon länger Brandenburgs Immobilienbranche an. Doch nun steigen auch dort die Preise in Rekordhöhen. Von 2012 bis 2016 nahmen die Einwohnerzahlen im Umland um 5,6 Prozent zu. In Berlin selbst waren es 5,9 Prozent. Besonders beliebt sind dabei die Regionen Potsdam, Falkensee und Königswusterhausen, ergab der Wohnungsmarktbericht der IBB. Das zunehmende Bauinteresse und die dementsprechenden Quadratmeterpreise bestätigt nun der Grundstücksmarktbericht 2017, den die Brandenburger Landesregierung aufsetzte. Gründe für den Boom sind die gute wirtschaftliche Lage und das niedrige Zinsniveau. Denn im Umland ist nicht nur der Platz für selbst erbauten Wohnraum gefragter denn je. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich bei Eigentumswohnungen und dem landwirtschaftlichen Ackerland ab. Gewerbeflächen sind bislang noch „entspannt“ zu haben.

Insgesamt wechselten 2017 über 35.300 Grundstücke in Brandenburg, für ganze 5,9 Milliarden Euro den Besitzer. Gegenüber 2016 stieg der Umsatz hierbei um acht Prozent, während auch das Bauinteresse im siebten Jahr ungebrochen ist. Dabei sind vor allem Gebiete mit gut angeschlossenem Berliner Nahverkehr sehr begehrt, für welche die Preise unvergleichbar hoch getrieben wurden. Inzwischen sind im südwestlichen Kleinmachnow Quadratmeterpreise von 527 Euro hinzublättern. Damit ist das Kaufen dort teurer als in der Landeshauptstadt. Potsdam-Mittelmark erscheint hier sogar als günstige Alternative.

 

In Kleinmachnow liegen die Grundstückspreise inzwischen höher als in der Landeshauptstadt Potsdam. | Foto: pixabay.com

In Kleinmachnow liegen die Grundstückspreise inzwischen höher als in der Landeshauptstadt Potsdam. | Foto: pixabay.com

 

Wegziehen aus der Berliner Wohnsituation wird nicht günstiger

Am teuersten werden die berlinnahen Grundstücke verkauft, wenn diese individuell mit Ein- oder Zweifamilienhäusern bebaut werden sollen. Als „Lokomotive“ der Grundstücksgeschäfte bezeichnet Jürgen Kuse, Vorsitzender des Gutachterausschusses, der den Grundstücksmarktbericht erarbeitet, auch das Grundstück für das Eigenheim. „Sie machen 60 Prozent aller Kauffälle und 45 Prozent des Gesamtumsatzes aus“, so Kuse. Hierfür wurden 2017 ganze 6.628 Kaufverträge unterzeichnet. Dabei bleiben die Zahlen der abgeschlossenen Verträge relativ stabil, der Umsatz steigt jedoch. Wodurch klar ist, dass sich die Nachfrage, die sich in den letzten Jahren praktisch verselbstständigte, direkt in den Grundstücks- und Immobilienpreisen niederschlägt. Dreieinhalb Mal so viel wie in ländlichen Gebieten, beispielsweise in Barnim oder im Havelland, kostet ein Haus im Berliner Umland. So äußert sich der zweithöchste Boom seit der Wende vor allem in direkter Nähe zur Hauptstadt.

In ländlicheren Umgebungen, aus denen man Berlin nicht innerhalb einer Stunde Fahrtzeit erreicht, sind Grundstücke noch erschwinglich. Während man in der Landeshauptstadt Potsdam und Umgebung Quadratmeterpreise von 400 Euro aufwärts zahlt, liegt man an den preiswertesten Orten noch unter sieben Euro. In Heideblick (Dahme-Spreewald) und Ziesar kostet der Quadratmeter bislang 5,48 beziehungsweise 6,47 Euro. Bei eigenem Kaufinteresse lohnt es sich derzeit also, die ländliche Marktlage permanent im Blick zu haben, bevor es auch in Brandenburg keine  bezahlbaren Grundstücke mehr gibt. In Berlin kann man wohl selbst durch aufmerksame Beobachtung wohl eher kein erschwingliches Grundstück mehr ergattern.

 

Mehrheitlich zwar selbst genutzt, ist eine Immobilie gerade jetzt auch eine beispiellose Geldanlage. | Foto: pixabay.com

Mehrheitlich zwar selbst genutzt, ist eine Immobilie gerade jetzt auch eine beispiellose Geldanlage. | Foto: pixabay.com

 

Ländliche Gebiete zukünftig als Berliner Umland gehandelt

Doch auch weiter entfernte Städte, wie in Nähe der Havel oder Cottbus werden gefragter. Hier stiegen die Zahlen der Kaufverträge um 78 beziehungsweise um 156 Prozent in den letzten Jahren. Eine bislang günstigere Alternative bieten kreisfreie Städte so wie Frankfurt (Oder), wo sich Quadratmeterpreise zwischen elf und 440 Euro bewegen. Durchschnittlich ist der Quadratmeter dort für 110 Euro zu haben. Doch auch dieser Mittelwert stieg 2017 um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Der Boom ist ungebrochen“, sagt Brandenburgs Innenstaatssekretärin Katrin Lange. Und dieser Boom weitet sich auch in ländliche Gebiete aus, da der anhaltende Preisanstieg auch zu einem veränderten Kaufverhalten führt. Mit Blick auf die Berliner Mietpreissprünge, ergattert man Alternativen für den Bau des Eigenheims in Unabhängigkeit vom Mietspiegel, solange diese noch halbwegs erschwinglich sind. Auch wenn man hierfür eine längere Fahrtzeit in Kauf nimmt. Mehrheitlich zwar selbst genutzt, ist eine Immobilie gerade jetzt jedoch auch eine beispiellose Geldanlage.

 

Nicht die beste Anbindung an die Hauptstadt zu haben, wird bald kein Argument mehr sein im Brandenburger Umland nicht zu bauen. | Foto: pixabay.com

 

Entwarnung für Gewerbeflächen

Für den Grundstücksmarktbericht analysiert ein unabhängiges Gremium aus Vertretern der Immobilienwirtschaft, die vom Brandenburger Innenministerium berufen werden, Kaufverträge des letzten Jahres. Notare übermitteln die beglaubigten Grundstücksverträge an die ehrenamtlich arbeitenden Gutachter des Ausschusses.

Beim Thema Gewerbeflächen können Unternehmen laut Gremium, anders als in Berlin, entspannter den passenden Standort finden oder sich überhaupt noch die Mühe einer Suche machen. Lediglich 1400 Flächen wurden 2017 verkauft, während die Quadratmeterpreise in Berliner Nähe durchschnittlich bei 66 Euro lagen. In berlinferneren Gebieten kann sich Gewerbe, das in Berlin keine Niederlassung mehr findet, derzeit für 19 Euro pro Quadratmeter ansiedeln. Das Land Brandenburg hingegen muss diese Chance der günstigen Standortfaktoren zukünftig kräftiger nutzen, um reale Ansiedlungen zu generieren.

 

Den Trend zu beobachten scheint essentiell, bevor der Wohntraum im Grünen, nach dem Wohnen im angestammten Kiez auch noch platzt. | Foto: pixabay.com

Den Trend zu beobachten scheint essentiell, bevor der Wohntraum im Grünen, nach dem Wohnen im angestammten Kiez auch noch platzt. | Foto: pixabay.com

 

Ungebrochener Boom, steigende Preise

Obwohl die bevorzugten Annehmlichkeiten des Umlandes ganz klar durch Großstadtnähe charakterisiert werden, holen auch einige Orte außerhalb des Umlandes auf. In der Nähe des Jobs, der Einkaufsmöglichkeiten, kulturellen Freizeitaktivitäten oder der Freunde zu sein, wird bald nicht mehr alleinig ausschlaggebend sein. Städte wie Eberswalde, Rathenow und Fürstenwalde verzeichnen überdurchschnittliche Preisanstiege. Die Gründe für den Boom, wie eine gute wirtschaftliche Lage, sowie die Berliner Wohnungsnot werden in den nächsten Jahren nicht abnehmen.  Den Trend zu beobachten scheint essentiell, bevor der Wohntraum im Grünen, nach dem Wohnen im angestammten Kiez auch noch platzt. (cn)

Wegen Personalmangel: Berliner Familien warten monatelang auf Elterngeld

Von fehlenden Pflegekräften bis hin zu Lehrern – der Personalmangel in Berlin spitzt sich weiterhin zu. Nun haben auch die Bezirke mit fehlenden Mitarbeitern zu kämpfen. Deshalb warten Eltern derzeit mehrere Monate auf das Elterngeld.

Nach den Richtlinien im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz soll das Elterngeld nach acht Wochen ausgezahlt werden. Allerdings sieht es in der Praxis anders aus. Grund für die Verzögerung seien laut den Bezirken unbesetzte Stellen und kranke Mitarbeiter.

Mehr als 23.000 Anträge

Das Elterngeld gehört zu den sozialen Familienleistungen in Deutschland. Es ermöglicht Müttern und Väterneine finanzielle Unterstützung von bis zu 28 Monaten und sichert somit die wirtschaftliche Existenz von Familien während der Elternzeit. Grundsätzlich erhalten alle Mütter und Väter, die nach der Geburt aufgrund der Betreuung ihres Kindes beruflich pausieren oder weniger als 30 Stunden in der Woche arbeiten, diese Transferleistung.

Abhängig von der Höhe des Nettoeinkommens beträgt das Elterngeld mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro. Ein Elternteil kann diese Leistung mindestens zwei und höchstens 14 Monate in Anspruch nehmen. Wer 25 bis 30 Stunden nebenbei arbeitet, bekommt das sogenannte Elterngeld Plus sogar für den doppelten Zeitraum – das Gehalt wird allerdings gegengerechnet. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wurden in Berlin vom 01. Januar bis 31. Mai diesen Jahres 23.082 Elterngeldanträge gestellt. Allerdings mussten Eltern zuletzt monatelang auf die Auszahlung warten.

Eltern warten mehrere Monate auf Elterngeld

Schon seit Jahren häufen sich Beschwerden um die verspätete Auszahlung des Elterngeldes. Auch dieses Jahr hat sich nichts an der Situation geändert. Besonders in den drei Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Treptow-Köpenick zieht sich die Wartezeit in die Länge. Dabei wurden dort nicht einmal überdurchschnittlich viele Anträge gestellt. In Charlottenburg-Wilmersdorf waren es nur 1.554 von den rund 23.000 Anträgen. Allerdings wartete man dort mit 15 Wochen am längsten. In Pankow hingegen, wo mit 2.978 die meisten Anträge auf Elterngeld eingingen, lief es jedoch schneller. Dort betrug die Bearbeitungszeit bis zu acht Wochen.

„Der Senat muss aufklären, warum die Bearbeitungszeiten so weit auseinandergehen“, fordert FDP-Abgeordnete Maren Jasper-Winter. Von der Senatsverwaltung heißt es: „Wir sind in engem Austausch mit den Bezirken, wie die Verfahren beschleunigt werden können.“ Inzwischen habe der Senat das Elterngeld auf die Prioritätenliste für den „Zukunftspakt Verwaltung“ gesetzt. Vielmehr sollte der Senat jedoch ihr Augenmerk auf den Personalmangel richten. Denn dieser ist einer der Hauptursachen für die Verzögerungen und Bearbeitungsprozessen. (dn)

Der BERLINPartner aus den Niederlanden

Dr. Harry van Caem ist derzeit regelmäßig zu Besuch in Berlin. Der niederländische Investor ist weltweit aktiv, aktuell nehmen ihn jedoch seine Projekte in der Hauptstadt besonders in Anspruch. Auf dem Empfang 100 Jahre Berliner Pressekonferenz konnte ihn Wirtschaftssenatorin Ramona Pop daher auch überzeugen, dem Netzwerk von BERLINPartner, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Berlin, als Partner beizutreten.

Van Caems Projekte, zum Beispiel die Fellini Residences nahe dem Gendarmenmarkt oder die Bürolofts in den Muratti Höfen sowie die Feratti Offices legen Zeugnis ab vom Boom der wachsenden Stadt.

„Berlin ist aktuell weltweit einzigartig. Bunt, multikulturell und attraktiv für Menschen aus aller Welt, bietet Berlin viele Chancen. Als BERLINPartner möchte ich teilhaben an der Entwicklung der Stadt und dazu einen Beitrag leisten“, sagt Dr. van Caem.

Boomtown Lichtenberg

Schon seit einiger Zeit hat der niederländische Investor Lichtenberg ins Auge gefasst und das Potenzial des Bezirks lange vorhergesehen. In der Landsberger Allee plant van Caem bereits zwei Wohngebäude mit insgesamt fast 1.750 Wohneinheiten, in der unweit gelegenen Rhinstraße kommen weitere 110.000 Quadratmeter BGF Büroflächen hinzu. Aktuell ist jedoch der Coppi-Gewerbepark an der Frankfurter Allee das Herzensprojekt des dynamischen Niederländers.

5.000 Arbeitsplätze für Lichtenberg

Eine große Chance für den Bezirk, denn auf der brachliegenden und ungenutzten Fläche sollen Büroflächen entstehen, die Lichtenberg circa 5.000 Arbeitsplätze bescheren würden. Namhafte Unternehmen wie ein großer Automobilkonzern oder der Marktführer für Immobiliensuchmaschinen haben bereits Interesse an insgesamt über 66.000 Quadratmetern Bürofläche signalisiert und würden bei einem konkreten Fertigstellungsdatum damit 60 Prozent der Flächen mieten. Laut van Caem eine Riesenmöglichkeit für Lichtenberg: „Ich denke, dass wir dem Bezirk Lichtenberg mit dem Coppi-Gewerbepark eine großartige Perspektive bieten. Nicht nur, dass ein brachliegendes Areal entwickelt wird und eine gravierende Zahl an Arbeitsplätzen entstehen würde, durch die Ansiedlung solch international namhafter Player an dem Standort, könnte sich Lichtenberg als Hotspot für innovative Unternehmen positionieren.“

Lichtenberg hat eine Gesamtarbeitslosenzahl von knapp 12.000 Menschen (Quelle: Statistik Arbeitsagentur) zu verzeichnen. 5.000 durch den Coppi-Gewerbepark geschaffene Arbeitsplätze sind aus Sicht von Dr. van Caem ein „signifikanter Beitrag“ für die Entwicklung des Bezirks. Dafür erhält van Caem auch Unterstützung von der Industrie- und Handelskammer Berlin, die dem Standort nach jahrelangem Stillstand an diesem äußerst verkehrsgünstig und zentral gelegenen Standort nun durch den Coppi-Park eine „positive Bewegung“ attestieren. Baustadträtin Birgit Monteiro schließt sich dem an und „begrüßt die beabsichtigte Gewerbeansiedlung“. Gemeinsam mit dem Bezirk löst Harry van Caem gerade wichtige Fragen der Verkehrsinfrastruktur. Dann hofft er, das Projekt im Rahmen des bestehenden Baurechts und ohne langwieriges Bebauungsplanverfahren an den Start bringen zu können. Damit kann aus der Brache schon bald ein lebendiges Quartier werden. Van Caem: „Dafür kämpfe ich und hoffe, auch die Bezirkspolitiker von dem Vorhaben überzeugen zu können.“ (ak)

Berliner Wirtschaft zeigt Verantwortung

In Berlin sollen alle Menschen mit und ohne Behinderung gut zusammen leben können, heißt es im Landesgleichberechtigungsgesetz (LGBG). Leider sieht die Realität meist anders aus. In den wenigsten Unternehmen wird Inklusion tatsächlich gelebt. Nur wenige Berliner Unternehmen stellen überhaupt Menschen mit Behinderung ein. Dabei ist es so einfach diese in die Arbeitswelt zu integrieren. Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt sich die gemeinnützige GmbH Arbeit für Menschen mit Behinderung (AfB) bereits für das wichtige Thema ein.

Nach höchsten ökologischen und ethischen Standards werden bei AfB ausgemusterte IT- und Mobilgeräte mit dem Ziel übernommen, so viele davon wie möglich wieder zu vermarkten. Nicht mehr nutzbare Hardware wird hingegen auseinandergenommen und recycelt. Dabei sind alle Arbeitsschritte barrierefrei gestaltet, wodurch diese auch von Menschen mit Behinderung erledigt werden können. Diese unvergleichbare unternehmerische Idee vereint diverse Vorteile für alle Beteiligten: Elektroschrott wird minimiert und Recycling gefördert, Menschen mit Behinderung werden in einem regelrechten Arbeitsverhältnis beschäftigt und Firmen von alten Geräten sowie der Entsorgungslast befreit.

Auf dem Weg zum weltweit führenden gemeinnützigen Unternehmen der IT-Branche

Große und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands sind bereits begeisterte Partner geworden. Die Idee von AfB-Gründer Paul Cvilak ist einzigartig und hat Unternehmen wie Vattenfall, Pfizer und Siemens überzeugt. Dabei ist AfB selbst ein Familienunternehmen, Cvilaks Tochter sind ebenfalls im Unternehmen tätig. Die Familie verfolgt dabei seit der Gründung die ehrbare Vision, das weltweit führende gemeinnützige Unternehmen der IT-Branche zu werden – die größte Integrationsfirma Deutschlands ist AfB bereits. Ein Leuchtturmprojekt, das vielen Menschen Hoffnung gibt und Diversity erlebbar macht. Die Partner aus der Wirtschaft unterstützen die Initiative so erfolgreich, dass AfB heute bundesweit an neun und europaweit an fünf Standorten arbeitet. Seine 10. Filiale eröffnete der engagierte Unternehmer Cvilak, der für seine Arbeit kürzlich mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, bereits 2012 in Berlin und gewann im gleichen Jahr den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategien“.

Der Erfolg fußt dabei nicht nur auf dem guten Ruf und der sozial ökologischen Idee. Die Prozesse sind gut durchdacht und effizient. Insbesondere auf den sorgfältigen Umgang mit den Daten auf den ausrangierten Geräten wird großen Wert gelegt. „In den heutigen Zeiten ist es für die Unternehmen existentiell, dass ihre Daten sicher vor dem Zugriff Dritter sind und nach der Abgabe alter Geräte zuverlässig gelöscht werden. Die meisten wissen aber gar nicht, wie sie das machen sollen. Auch in diesem Zusammenhang geben uns viele Firmen gerne ihre Gerate, weil wir von Anfang an einen sicheren Prozess implementiert haben, der nachvollziehbar ist“, erklärt Cvilak.

Datenschutz und Nachhaltigkeit bewegen AfB

Dieser zertifizierte Prozess garantiert, dass sämtliche Datenträger nach höchsten Sicherheitsstandards gelöscht oder geschreddert werden. Per IT-Sicherheitstransport werden die entsprechenden Geräte durch AfB eigenes Personal und mit eigenem Fuhrpark bei den Partnerunternehmen abgeholt und zur nächstgelegenen Niederlassung transportiert. Dort wird dann je nach Zustand des Gerätes entschieden, ob es mit neuer Software bespielt und anschließend mit bis zu drei Jahren Gewährleistung verkauft oder in seine Einzelteile zerlegt und recycelt wird.

Die Nachhaltigkeit der eigenen Geschäftsprozesse ist einer der Grundpfeiler für Cvilaks unternehmerisches Handeln. Seit 2015 ist es das erste Sozialunternehmen, das die EU-CSR-Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung erfüllt. Die Entsprechenserklärung nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex als Social Enterprise übermittelt dabei unter anderem den Anspruch Botschafter der digitalen Inklusion zu sein und Klimapositiv handeln zu wollen, um durch die eigenen Wertschöpfungsprozesse nachweislich Umweltschaden zu reduzieren.

Partner gesucht

Bisher wurden durch die vorbildliche Arbeit von AfB über 327 Arbeitsplätze geschaffen, davon circa 45 Prozent für Menschen mit Handicap. Gemeinsam mit der BERLINboxx startet AfB die Initiative: „Berliner Unternehmen schaffen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung“. Die Schaffung von 50 Arbeitsplätzen, davon 25 für Menschen mit Behinderung, im Jahr 2018, ist das Ziel für die Hauptstadtregion. Jahr für Jahr werden in der Hauptstadt tausende Geräte abgeschrieben. Diese sollten nicht eingelagert oder für viel Geld entsorgt werden. Als Partner von AfB fördert stattdessen jedes Unternehmen und jede Behörde den Umweltschutz und die Inklusion.

Um das Ziel zu erreichen, müssen insgesamt 100.000 Geräte bis zum Ende des Jahres abgegeben werden. „Wir freuen uns, über vielfältige Unterstützung in Berlin. In den nächsten Wochen gehen wir auf Partnersuche. Ich bin sicher, dass die soziale Verantwortung der Berliner Unternehmer und Manager dazu beitragen wird, dass Behinderte bessere Chancen auf einen Job bekommen“, so Paul Cvilak und Dr. Angela Wiechula, Herausgeberin der BERLINboxx und Partnerin der Initiative. (uc)

oBike-Insolvenz: Tausende herrenlose Fahrräder und niemand räumt sie weg

Ob nextbike, Lidl-Bikes oder Mobike – Bikesharing-Anbieter gibt es in Berlin mittlerweile massenhaft. Grundsätzlich sind Leihfahrräder aufgrund der Umwelt- und Klimafreundlichkeit eine Bereicherung für die Stadt. Allerdings gibt es immer wieder Beschwerden von Bürgern. Denn die Räder werden vor Einfahrten oder rücksichtslos auf Gehwegen abgestellt.

Demnächst werden wohl viele Fahhradleichen das Stadtbild prägen, denn einer der Leihfahrradanbieter, oBike, hat nur ein Jahr nach Gründung Insolvenz gemeldet. So soll das Unternehmen Schulden in Höhe von 4 Millionen Euro haben. In deutschen Städten stehen derzeit tausende herrenlose Fahrräder rum und das Wegräumen gestaltet sich schwierig.

Expansion nach Europa

oBike ist ein stationsloses Fahrradverleihsystem, das im Januar 2017 gegründet wurde. Kurze Zeit später erfolgte im Februar desselben Jahres die Inbetriebnahme in Singapur. Der Dienst erfolgte über die App. Die Fahrräder konnten mittels QR-Code gebucht werden, woraufhin sich das Schloss via Bluetooth entsperrte.

Vier Monate nach Markteintritt am Hauptsitz in Singapur, expandierte oBike nach Europa. Die ersten silber-gelben Fahrräder stellte das Unternehmen in Zürich bereit. Im November wurde der Leihfahrradanbieter auch in Berlin mit 700 Rädern aktiv. Ursprünglich war nach Berlin, Hannover, Frankfurt und München eine Expansion in weitere deutsche Städte geplant.

Tausend herrenlose Fahrräder

Nachdem oBike im Juni 2018 in Singapur Insolvenz angemeldet hatte, teilte der Anbieter mit, dass dies kein Einfluss auf die Geschäfte an anderen Standorten haben wird. Dennoch kündigte das Unternehmen an, sich aus einigen Städten zurückzuziehen und die Fahrräder wegzuräumen zu lassen. Allerdings ist bis dato nicht viel passiert. Mittlerweile sind die oBikes häufig Ziel von Vandalismus. Wie viele Fahrräder der Anbieter in Deutschland verteilt hat, ist unbekannt. Darüber hinaus ist der Konzern nun unerreichbar. „Der letzte Kontakt war im April, aber wir haben es seitdem auch nicht mehr versucht“, teilte ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung mit.

Auch Hamburg, München oder Frankfurt versuchten vergeblich den Anbieter zu erreichen. „Das ist ein großes Ärgernis. Wir versuchen, seit Wochen und Monaten bei oBike jemanden zu erreichen, der sich um die Entfernung der Räder kümmert“, so Florian Paul, Fahrradbeauftragte der Stadt München. Im Münchner Fuhrpark sollte oBike seine Fahrräder auf 1.000 reduzieren, doch 3.000 seien immer noch in der Stadt. Harald Ploß, der seine Lagerhalle in Barsbüttel bei Hamburg an oBike vermietet hat, kann den Anbieter ebenfalls nicht erreichen. Bei ihm stehen sogar rund 10.000 oBikes.

 

Leihfahrräder werden tagtäglich rücksichtslos auf Gehwegen abgestellt und sind zum Ärgernis der Passanten geworden | Foto: pixabay.com

Leihfahrräder werden tagtäglich rücksichtslos auf Gehwegen abgestellt und sind zum Ärgernis der Passanten geworden | Foto: pixabay.com

 

Wer sammelt nun die Fahrräder ein?

Was mit den Fahrrändern geschehen wird, ist derzeit noch unklar. Nach eigenen Angaben gehören die Räder inzwischen dem Schweizer Transportunternehmen „Umzug 24“, das ursprünglich nur für die Reparatur und Wartung zuständig war. Allerdings kann „Umzug 24“ die Räder nicht einsammeln, da die App zur Ortung nicht mehr richtig funktioniere. „Ich sehe nicht ein, dass meine Mitarbeiter im Ordnungsamt Detektiv spielen und die Räder einsammeln sollen“, sagt Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD).

Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat man der Schweizer Firma nun höchstens zwei Wochen gegeben, die Fahrräder einzusammeln. Doch ob Passanten, Besitzer oder Ordnungsämter: das Finden der Räder ohne funktionierende Lokalisierung durch die App, dürfte sich in jedem Fall schwierig und zeitaufwendig gestalten. (dn)

Trotz steigenden Mietpreisen – Der Berliner Immobilienmarkt boomt

Die Attraktivität Berlins als Wohn- und Arbeitsort steigt von Jahr zu Jahr. Auf dem Weg zur Metropole wächst die Stadt Jahr für Jahr, besonders in den letzten fünf Jahren stieg die Bevölkerung jedoch sprunghaft an. Aktuell steigt die Einwohnerzahl jedes Jahr um 40.000 Menschen. Dementsprechend hoch ist die Nachfrage nach bezahltem Wohnraum. Wer sich jedoch heute in Berlin nach preisgünstigen Wohnungen umschaut, wird nur wenig Glück haben. Denn die Hauptstadt hat derzeit mit drastisch steigenden Mieten zu kämpfen. Auch die Leerstandsquote sinkt weiterhin auf 1,6 Prozent.

Nichtsdestotrotz hält der Boom auf dem Immobilienmarkt aufgrund des wachsenden Nachfrageüberhangs für Wohnimmobilien weiterhin an. Um den Bedarf an Wohnraum und auch an Arbeitsstätten decken zu können, sind bereits mehrere Projekte geplant. So hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen das Wohnungs- und Städtebauprogramm Wachsende Stadt initiiert. Dieses beinhaltet den Bau von 14 Stadtquartieren.

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht

Trotz der steigenden Preisen bleibt die Nachfrage nach Wohnraum, aber auch nach Bürofläche ungebrochen. Vor allem wollen immer mehr Start-up Unternehmen ihren Standort nach Berlin verlegen. Denn die Hauptstadt verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur, ein großes Flächenangebot und ein breites Angebot an hoch qualifizierten Arbeitskräften.

„Dass eine Vielzahl an großen Unternehmen derzeitig darüber nachdenken, ihre Zentrale nach Berlin zu verlagern, ist in dieser Dimension neu für die Stadt. Es unterstreicht aber wie dynamisch der Standort mittlerweile von nationalen wie internationalen Firmen gesehen wird“, so Jan-Niklas Schroers, Associate Director und Teamleader Office Agency bei Savills Berlin.

 

Die Nachfrage nach Bürofläche bleibt weiterhin hoch. Immer mehr Start-ups wollen sich in Berlin niederlassen. | Foto: pixabay.com

Die Nachfrage nach Bürofläche bleibt weiterhin hoch. Immer mehr Start-ups wollen sich in Berlin niederlassen. | Foto: pixabay.com

 

Wohnen auch außerhalb des S-Bahn-Ringes wird gefragter

Infolge der sinkenden Leerstandquote und den steigenden Mietpreisen ziehen immer mehr Menschen in den Berliner Speckgürtel um. Auch Randlagen rund um den S-Bahn-Ring rücken immer mehr in den Fokus.

„Für große, namhafte Mieter kommen immer mehr auch Lagen um den S-Bahn-Ring infrage. Hier können sie noch für 15 bis 20 Euro Flächen mieten anstatt die Spitzenmietpreise in den besten Lagen zahlen zu müssen“, erklärt Schroers.

Für den Berliner Markt wird 2019 etwas Entlastung erwartet

Aufgrund der Flächenpipeline könnte sich der Berliner Markt ab 2019 etwas erholen. So geht aus dem Büromarktbericht des Immobilien-Dienstleistungsunternehmens Savills hervor, dass im kommenden Jahr knapp 500.000 m² neue Bürofläche entstehen soll. 2020 sind sogar 700.000 m² geplant. „Durch die zu erwartende Entwicklung im kommenden Jahr dürfte das Mietpreiswachstum – je nachdem wie sich die Nachfrage entwickelt – in der Folge verlangsamen“, sagt Christian Leska, Managing Director Office Agency bei Savills in Berlin.

 

Flächenpipeline könnte Berliner Markt entlasten | Quelle: Savills

Flächenpipeline könnte Berliner Markt entlasten | Quelle: Savills

 

Darüber hinaus will Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, nun den Wohnungsbau weiter ankurbeln. So will Lompscher die Zahl der Stadtquartiere von 11 auf 14 erhöhen. Demnach sollen bis zum Jahr 2030 rund 42.000 neue Wohnungen gebaut werden. (dn)