Olaf Scholz verschiebt Abstimmung zur Grundsteuerreform

Eigentlich sollte Finanzminister Olaf Schulz (SPD) dem Kabinett seinen Gesetzentwurf zur Grundsteuerreform am 30. April präsentieren. Doch je näher der Termin rückt, umso mehr Skepsis tritt auf. Die neue Berechnung soll nicht nur unnötig kompliziert sein, sie soll auch noch sehr hohe Kosten für Eigentümer und Mieter verursachen. Der angesetzte Termin wurde nun erstmals verschoben.

Ab 2025 müssen die neuen Bewertungsgrundlagen angesetzt werden und eine neue Grundsteuer in Kraft treten. Bis Ende 2019 soll daher die Reform der neuen Grundsteuer stehen.

Steueraufkommen soll gleich bleiben

Auslöser der Debatte um die Grundsteuerreform war der Eigentümerverband „Haus & Grund“. Nach ihren Beispielrechnungen würde die Reform zur neuen Grundsteuer in bestimmten Fällen zu drastischen Steuererhöhungen führen. Ein Fall in Dresden ergab beispielweise eine Steigerung von fast 4.500 Prozent. Die vorgestellten Berliner Fälle liegen bei einer Erhöhung zwischen 14 und 616 Prozent.

Das Finanzministerium weist die Berechnungen von „Haus & Grund“ scharf zurück und erklärt diese für unseriös. Scholz plant zudem, die Steuermesszahl massiv zu senken, um die befürchteten Anstiege zu vermeiden.  Er geht auch davon aus, dass die Kommunen zusätzlich den Hebesatz senken werden.

Auch Verena Göppert, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetages bestätigt, dass die Kommunen ihre Steuereinnahmen nicht erhöhen würden und bereit seien ihre Hebesätze anzupassen. „Bund, Länder und Kommunen haben gemeinsam das klare Ziel, dass die Reform der Grundsteuer aufkommensneutral sein wird“, sagte sie. Ob sie dies letztendlich wirklich tun werden, ist unklar.

Die Neuberechnung hat Folgen

Trotzdem die Kommunen ihre Steuereinnahmen nicht erhöhen, haben die Neuberechnungen nach aktuellen Grundstückswerten schwerwiegende Folgen. Laut Göppert komme es durch die neue verfassungskonforme Grundsteuer zu Veränderungen nach oben und nach unten.

Die Reform der Grundsteuer wird zweifellos hohe Kosten verursachen. 35 Millionen Grundtücke und Immobilien müssten für die Reformneu bewertet werden, was einen kostspieligen Aufwand darstellt. Man benötige Tausende Finanzbeamte um die vielen zusätzlichen Steuererklärungen zu bearbeiten und dafür würden hohe Personalkosten anfallen. (tf)

Laut jüngster Bundesbank-Studie werden die Deutschen immer wohlhabender

Die aktuelle Studie der Bundesbank hat ergeben, dass die Deutschen, insbesondere deutsche Immobilienbesitzer, in den vergangenen Jahren reicher geworden sind. Besonders auffällig ist dabei die ungleiche Verteilung des privaten Vermögens – vor allem wenn man einen Blick auf die unterschiedlichen Zahlen von West und Ost wirft. Die Volkswirte der Bundesbank bringen den auffälligen Unterschied mit dem Immobilienbesitz in Verbindung.

Hohe Ungleichheit zwischen den Regionen

Die deutsche Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und Immobilienbesitzer werden im Schnitt immer wohlhabender. Gerade steigende Wohnungspreise lassen die Vermögen der deutschen Immobilienbesitzer immer mehr wachsen. Doch auch steigende Löhne und Gehälter sowie höhere Aktienkurse tragen zur verbesserten finanziellen Lage bei.

Mit den Immobilienpreisen ist auch die ungleiche Verteilung des Vermögens extrem gestiegen, teilte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht mit. Besonders auffällig seien die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland, die aufgrund des geringeren Immobilienbesitzes im Osten entstehen.

Der  Median der Verteilung lag im Westen im Jahr 2017 bei 92.500 Euro, ergab die Bundesbank-Analyse. Im Osten dagegen lag der Mittelwert nur bei 23.400 Euro. In Ostdeutschland sei der Immobilienbesitz deutlich geringer und das führe zu den großen Differenzen, so die Ergebnisse der Studie. Außerdem sei zwischen den Bundesländern eine deutliche Einkommensungleichheit erkennbar. In reicheren Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen läge der Mittelwert deutlich über dem von z.B. Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz, heißt es in dem Bericht.

Die Reichsten zehn Prozent besitzen 55 Prozent des gesamten Vermögens

Im Jahr 2017 lag das durchschnittliche Vermögen eines privaten Haushaltes in Deutschland bei 232.800 Euro netto. Das sind 18.300 Euro mehr als vor drei Jahren und ergibt eine Steigerung von rund 8,5 Prozent. Der Median liegt bei netto 70.800 Euro. Die Haushalte, die über dem Median liegen, können ihr Vermögen durch den Immobilienbesitz deutlich steigern. Dort geht das Nettovermögen teilweise bis 850.000 Euro. Laut der jüngsten Studie der Bundesbank, bei der rund 5.000 private Haushalte befragt wurden, besitzen in Deutschland die reichsten zehn Prozent rund 55 Prozent des gesamten Nettovermögens. Die gesamte untere Hälfte besitzt gerade mal drei Prozent. (tf)

Flughafen Tegel – Großes Chaos zum Ferienstart

Lange Wartezeiten, überforderte Mitarbeiter und verpasste Flüge – pünktlich zum Beginn der Osterferien ist am Flughafen Tegel großes Chaos angesagt. Und passend dazu kommen nun auch noch erneut Zweifel an dem Eröffnungstermin vom künftigen Hauptstadtflughafen BER.

20 Prozent mehr Passagiere als 2018

Im Laufe der letzten Woche wurde die Situation am Flughafen Tegel immer angespannter. Auch am heutigen Montagmorgen kommt es wegen der Sperrung des Flughafen-Tunnels auf der Autobahn A111 erneut zu Staus  und langen Wartezeiten. Bis Donnerstag müssen die Betroffenen noch mit Einschränkungen rechnen.

Vor allem in Terminal C kommt es aufgrund der langen Warteschlangen vor dem Check-in und dem Sicherheitscheck zu Gedrängel. Dies teilten auch zahlreiche Fluggäste auf sozialen Netzwerken mit. Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg erwartet im Ostermonat rund 20 Prozent mehr Passagiere als im Jahr 2018. „Allein am ersten Ferienwochenende (12. bis 14. April) erwartet die Flughafengesellschaft mehr als 2.200 Flüge mit mehr als 240.000 Passagieren“, teilt ein Sprecher der Flughafengesellschaft mit.

Keine Kapazität für die vielen Reisenden

Für den Flughafen Tegel war ursprünglich eine Kapazität von 12 Millionen Fluggästen geplant. Die tatsächliche Zahl an Reisenden pro Jahr liegt bei weitem jedoch über 20 Millionen, was sich in diesem Jahr deutlich bemerkbar macht. Solange sich die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER weiterhin verzögert, müssen die Flughäfen Tegel und Schönefeld weiterhin deutlich oberhalb ihrer geplanten Kapazität arbeiten.

Umso verärgerter sind die Fluggäste über die Nachricht, dass der BER auch zum zuletzt angepeilten Eröffnungstermin im Oktober 2020 nicht fertig wird. In einem aktuellen Gutachten wurden über 10.000 Mängel aufgelistet. Mit so vielen Mängeln gibt es kein TÜV-Zertifikat und ohne Zertifikat beginnt keine Abnahme durch das Bauamt. Das Verkehrsministerium fordert bis Mittwoch den 17. April eine Stellungnahme der Verantwortlichen des BER zur aktuellen Lage.

Bis eine dauerhafte Lösung für das Problem vorliegt, sollen Reisende am besten auf Ausweichflughäfen in nahegelegenen Städten zurückzugreifen, empfehlen Experten. (tf)

Gutachten der Deutschen Wohnen wissenschaftlicher als der Mietspiegel 2015?

Die Berliner Gehag GmbH, Tochterfirma der Deutschen Wohnen, wollte eine Miete oberhalb des Mietspiegels und ging damit vor Gericht. Das Landesgericht entschied, dass die Mieterhöhung einer Zehlendorfer Wohnung mithilfe eines Gutachters durchgesetzt werden darf. Außerdem wurde der  Mietspiegel zu einer nicht rechtsicheren Orientierung für die Preisgestaltung erklärt.

Berliner Mietspiegel ist angreifbar und nicht rechtssicher

Bei den letzten Versuchen etwas an der Gültigkeit des Mietspiegels zu ändern, blieb die Deutsche Wohnen erfolglos. Im neusten Fall korrigierte das Landgericht die Entscheidung der ersten Instanz jedoch und traf das Urteil zugunsten der Deutsche Wohnen. Der Mietspiegel von 2015 wurde vom Gericht für angreifbar und nicht rechtskräftig erklärt. Der Mietspiegel sei laut dem gerichtlich bestellten Sachverständigen nicht nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt worden und stelle keine geeignete Schätzgrundlage dar.

Unsicherheit bei Mietern

Die Wohnungsgesellschaft darf die Miete einer Wohnung in der Argentinischen Allee 193 in Zehlendorf nun um 42,83 Euro erhöhen. Genehmigt wurde die Maßnahme vom Gericht aufgrund der Begründung eines Sachverständigen, der „nachvollziehbar geschildert hat, wie er zu seiner Bewertung aufgrund von Vergleichswohnungen aus dem Datenbestand der Deutsche Wohnen gelangt ist“.

Für Mietervertreter ist das eine schwere Niederlage und auch bei vielen anderen Beteiligten kommt Verwirrung auf. Reiner Wild, Chef des Berliner Mietervereins, kritisiert die Begründung des Gerichts. Er meint, ein Gutachten entspreche noch viel weniger den Ansprüchen wissenschaftlicher Grundsätze als ein Mietspiegel. Außerdem würde es eventuell andere Besitzer dazu animieren, ihre Mieten über dem Mietspiegel anzusetzen.

Auch der Vorsitzende von „Haus und Grund“ Wilmersdorf, Wolfgang Becker ist der Meinung, dass der Mietspiegel eine sinnvolle Orientierung und Sicherheit bei der Festlegung der Miethöhe sei.  Ein Gutachten sei außerdem viel zu teuer.

Die Deutsche Wohnen fühlt sich durch das gerichtliche Sachverständigengutachten und die Entscheidung des Landgerichts in ihrer Auffassung bestätigt, dass „der Berliner Mietspiegel 2015 nicht unter Einhaltung wissenschaftlicher Regeln erstellt wurde und daher dem Anspruch eines qualifizierten Mietspiegels nicht entspricht.“ (tf)

Ramona Pop über das Berliner Wirtschaftswachstum

Berlin ist als Tourismus-Destination gefragter denn je und der Hotelmarkt wächst überdurchschnittlich schnell. Die große Nachfrage führt zu Wirtschaftswachstum. In ihrem Konjunkturbericht zur wirtschaftlichen Lage spricht Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, von der Steigerung der Berliner Wirtschaftstätigkeit. Ein wesentlicher Grund dafür sei die stark wachsende Tourismusbranche. Berlin ist, bezüglich des Hotelmarktwachstums, unter den Top-5-Städten Deutschlands.

Berliner Senat rechnet mit einem Wachstum von zwei Prozent

2018 ist der Berliner Hotelimmobilienmarkt im zehnten Jahr in Folge gewachsen. Daraus resultieren höhere Erlöse, steigende Übernachtungszahlen und ständig ausgebuchte Hotels. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop plant am heutigen Tag die Veröffentlichung des Konjunkturberichts zur wirtschaftlichen Lage in Berlin. Teile des Inhalts sind bereits bekannt. Der Berliner Senat entnimmt dem Schreiben für das Gesamtjahr 2019 ein Wachstum des lokalen Inlandsproduktes um 2,0 Prozent. Grund dafür sei laut Senatorin Pop unter anderem die wachsende Tourismusbranche und der sich differenzierende Markt. So werden zum Beispiel noch in diesem Jahr rund 60 Millionen Euro in die Modernisierung des InterContinental Berlin investiert, um die Zimmer an die neusten Standards anzupassen. Auch das Luxussegment wird immer weiter ausgebaut.

Gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum

Seit 2014 nimmt das Wachstum des lokalen Inlandproduktes im Vergleich zum Durchschnitt aller deutschen Bundesländer rasant zu. So gab es beispielweise im Jahre 2016 ein extrem starkes Wachstum von 5,1 Prozent. Wichtiger Faktor für die Stabilität und das konstante Wachstum sei laut Senatorin Pop zudem die wachsende Digitalwirtschaft und die dadurch entstehenden neuen Arbeitsplätze. Auch das Wachstum von Dienstleistungen trage zur günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt bei.

Zum Dienstleistungssektor zählt auch das Baugewerbe, in dem die Berliner Unternehmen sehr unabhängig von anderen Weltregionen sind und daher kaum von aktuellen Krisen betroffen sind. Die Unabhängigkeit von internationalen Auftraggebern führe zu guten Voraussetzungen für weiteres Wachstum. (tf)

Tarifkonflikt gelöst: Acht Prozent mehr Lohn für alle BVG-Mitarbeiter

Lange hat es gedauert, bis sich die Gewerkschaft Verdi und der kommunale Arbeitgeberverband  einig wurden. In den vergangenen Wochen kam es im Zusammenhang mit dem Tarifstreit zu drei Warnstreiks, bei denen Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe stillstanden. Gefordert wurden kürzere Wochenarbeitszeiten und eine Erhöhung der Gehälter. Nach mehreren Warnstreiks und einer Sitzung bis tief in die Nacht hinein, einigten sich die Verhandlungspartner gestern Abend schließlich auf einen zufriedenstellenden Tarifkompromiss.

BVG-Streik – Einigung mit Erfolg

Die rund 14.000 Mitarbeiter der BVG erhalten nach Einigung mit dem KAV Berlin eine monatliche Gehaltserhöhung von acht Prozent, mindestens aber 350 Euro. Diese Erhöhung wird rückwirkend zum 01. Januar 2019 gezahlt. Zusätzlich steigt die Summe des Weihnachtsgeldes um 200 Euro. Auch bei der Einteilung in Tarifgruppen werden Änderungen vorgenommen. Im Zuge des Tarifstreits wurde kritisiert, dass die Gehälter zu weit auseinander gingen und somit ungerecht verteilt seien. Zahlreiche Tätigkeiten werden nun in höhere Tarifgruppen eingestuft und alle Berufsgruppen berücksichtigt. BVG-Vorstand Dirk Schulte ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis, unter anderem auch weil die Attraktivität der BVG als Arbeitgeber steigt. Seiner Meinung nach leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbildliche Arbeit und tragen einen erheblichen Teil zur Mobilität der Stadt bei. Dieses Engagement müsse belohnt und geschätzt werden.

Nicht durchgesetzt wurde die Forderung von einer 36,5-Stunden-Woche für alle. Alle Mitarbeiter, die seit 2005 eingestellt wurden, arbeiten weiterhin 39 Stunden pro Woche.

Fahrkartenpreise steigen

Der Beschluss bringt durch die erhöhten Gehälter eine erhebliche Steigerung der Personalkosten mit sich. Doch wer finanziert das?

Einen Teil der benötigten finanziellen Mittel wird der Berliner Senat beisteuern. Nun steht aber auch die Frage im Raum: Inwieweit werden die Ticketpreise steigen? Die BVG ist auf das Fahrgeld angewiesen, da es neben den Staatszuschüssen ihre höchste und wichtigste Einnahmequelle ist. Zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember soll daher eine Erhöhung der Fahrkartenpreise erfolgen. In welcher Höhe und Ausführung diese erfolgen wird, ist aktuell noch unklar. (tf)

„Die soziale Balance in der Stadt muss gehalten werden“

Im Gespräch mit Mike Schubert (SPD), Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam

Enteignung, Mietendeckel, Verdichtung – es gibt viele Ideen, um dem angespannten Wohnungsmarkt in Berlin zu begegnen. Doch wie blickt die Nachbarstadt Potsdam auf die Berliner Situation? Und wie läuft es dort? Die BERLINboxx sprach mit dem Oberbürgermeister von Potsdam Mike Schubert über den Potsdamer Wohnungsmarkt, Infrastrukturmaßnahmen, künftige Bauprojekte, Herausforderungen der Landeshauptstadt und die Unterschiede zu Berlin.

Was sagen Sie zu den Problemen in Berlin? Wo liegen diese Ihrer Meinung nach?

Berlin hat mit Michael Müller einen guten Regierenden Bürgermeister, der die wichtigen Themen angeht und die Versäumnisse aus den vergangenen Jahren ausgleichen wird. Die Themen ähneln denen in Potsdam: Soziale Balance schaffen, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen, die Modernisierung der Verwaltung beschleunigen und die vorhandenen Ressourcen aus Wissenschaft und Forschung in der Stadt für die Entwicklung der Stadt einzusetzen.

Was macht Potsdam besser als Berlin?

Es wäre vermessen zu sagen, wir machen etwas besser. Wir machen vielleicht Dinge anders, weil sie in einer Stadt mit 175.000 Einwohnern im Vergleich zu Berlin mit mehr als drei Millionen Einwohnern anders gemacht werden können – beispielsweise Transparenz und Bürgerbeteiligung.

Wir haben eine eigene Werkstatt für Beteiligung innerhalb der Verwaltung, die Bürgerbeteiligungen begleitet und moderiert. Wir haben einen Beteiligungsrat, in dem jede Potsdamerin und jeder Potsdamer sich einbringen kann und wir haben einen Potsdamer Bürgerdialog, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam die Stadt weiterzuentwickeln. Das erfordert viel Kraft, aber die Kommunikation mit dem Gesicht zu den Menschen ist mir sehr wichtig, um die Bürger in Prozesse einzubeziehen und somit die Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Und ich glaube daran, dass sowohl die staatlichen Institutionen als auch die Politik mit einer direkten Kommunikation mit den Bürgern auf Augenhöhe Vertrauen zurückgewinnen können.

Wie ist die Situation auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt? Welche großen Projekte gibt es aktuell?

Ich würde sagen, „angespannt“ ist der richtige Ausdruck. Nur ein Prozent der vermietbaren Wohnungen stehen leer. Und dass, obwohl in Potsdam jedes Jahr mehr als 1.500 Wohnungen mehr zur Verfügung stehen. Es wird gebaut, aber das Wachstum lässt nicht nach und verursacht immer wieder Schmerzen.

Entwickelt werden beispielsweise 750 neue Wohnungen innenstadtnah am früheren Tramdepot sowie weitere in Potsdam-West und im Bornstedter Feld. Das größte und wichtigste Projekt ist derzeit aber die Entwicklung des neuen Stadtteils Krampnitz zwischen der Potsdamer Innenstadt und dem Berliner Bezirk Spandau. Dieser frühere Militärstandort wird in den kommenden zehn Jahren zu einem Stadtteil für 10.000 Menschen ausgebaut – mit vier Schulen, sieben Kitas, Jugendklub, Gewerbeflächen und Straßenbahnanbindung ins Potsdamer Zentrum – eine Milliardeninvestition.

Welche Infrastrukturmaßnahmen stehen an?

Durch das Wachstum der Stadt und die neuen Wohngebiete müssen wir natürlich auch dafür sorgen, dass die Infrastruktur mitwächst. Daher bauen wir Straßenbahntrassen aus und eröffnen im Jahrestakt neue Schulen und Kitas. Zum Ausbau der Infrastruktur gehört auch die Sanierung des Versorgungsnetzes, also Wasser, Abwasser und Fernwärme – eine große Aufgabe für die kommunalen Stadtwerke. Da haben wir aus den vergangenen Jahren noch etwas Nachholbedarf, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Die anstehenden Sanierungen im Hauptstraßennetz in und rund um die Innenstadt werden in den kommenden Jahren wie eine Operation am offenen Herzen. Das Leben pulsiert – trotz schwerer Eingriffe.

Was sind die größten Herausforderungen für Sie als Oberbürgermeister von Potsdam?

Es muss uns auch in Zukunft gelingen, die soziale Balance in der Stadt zu halten. Wir dürfen es nicht zulassen, dass einzelne Viertel ihr Gesicht so verändern, dass Menschen wegziehen müssen oder es sich nicht mehr jeder leisten kann, dort zu wohnen. Daher bin ich froh, dass wir gemeinsam mit dem Land Brandenburg eine Wohnraumförderung wiederbelebt haben. Allerdings nicht wie früher für ein bestimmtes Bauvorhaben, sondern für Menschen, die darauf angewiesen sind. Technisch gesprochen gibt es statt einer Objekt- nun eine Subjekt-Förderung. Wir werden weiter daran arbeiten, dieses Programm auszubauen und den Menschen direkt zu helfen, damit sie ihren Kiez und das gewohnte Umfeld nicht verlassen müssen.

Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Das wichtigste Projekt ist, das Wachstum der Stadt behutsam zu gestalten und über das Tempo des Wachstums mit den Potsdamerinnen und Potsdamern einen Konsens herzustellen. Und als neuen Sehnsuchtsort stelle ich mir die Wiederherstellung des Stadtkanals durch das Zentrum der Stadt in den kommenden 30 Jahren vor. Das kann eine weitere belebende Wirkung für die Potsdamerinnen und Potsdamer entfalten. Der Stadtkanal ist nach Kriegsende 1945 nicht wieder hergestellt und in den 1960er Jahren zugeschüttet worden.

Wie stehen Sie als Oberbürgermeister zu den Plänen für das neue Digitalzentrum auf dem ehemaligen RAW-Gelände?

Es ist ein Projekt, das sehr gut zu Potsdam passen würde. Daran besteht kein Zweifel. Und alle Irritationen um die Höhe des neu zu bauenden Hauses oder um die Fassadengestaltung werden sich klären. Das Digitalzentrum mit 1.000 geplanten Arbeitsplätzen ist mit dem Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes auf den Weg gebracht und ich gehe davon aus, dass es letztendlich auch umgesetzt wird. Potsdam ist ein wirtschaftsfreundlicher Standort.

Das Bildungsforum bildet im Zentrum der historischen Innenstadt Potsdams einen wichtigen Treffpunkt rund um Bildung, Medien und Wissenschaft. | Foto: KIS/Werner Huthmacher

Die historische Mitte Potsdam wird weiter restauriert, im Gegenzug verschwinden immer mehr ehemalige DDR-Bauten. Für viele Bürgerinnen und Bürger verschwindet damit ein Stück Identität. Wie stehen Sie dazu?

Ich finde dieses Urteil zu pauschal. Ich bin im Neubauviertel im Zentrum-Ost in Potsdam aufgewachsen, es ist meine Heimat. Und für mich gehören die früheren DDR-Bauten wie die Seerose an der Neustädter Havelbucht, das Bildungsforum am Platz der Einheit und das frühere Terrassenrestaurant Minsk am Brauhausberg zur Identität der Stadt. In der Vergangenheit sind vor allem Funktionsgebäude aus der DDR-Zeit abgerissen worden, an deren Stelle nun neue, lebendige Stadtquartiere für Alle entstehen. (aw)

Neue Berlin-Partner

Die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH hat Zuwachs bekommen. Das sind die neuen Mitglieder…

Cinegramm GmbH – datenbasierter Content für Online und Social Media

Die Cinegramm GmbH ist eine moderne Produktionsfirma, bestehend aus kreativen Filmemachern und Produzenten. Sie produzieren hochwertigen Content in Form von Videos, Podcasts, Fotos und legen großen Wert auf eine kompetente und zielführende Beratung.

Citkar GmbH – Mobilität im Urbanen Lebensraum

Umweltbewusst, komfortabel und günstig. Das ist die citkar GmbH, eine Plattform für urbane Mobilität in unserer Großstadt. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von innovativen Hardware-Produkten, wie dem Loadtser. Der Loadster  ist das erste E-Cargo-Bike mit den Funktionen eines Lieferautos. Es ist kompakt, radwegtauglich und kann führerscheinfrei genutzt werden.

Die Deutsche Kreditbank AG (DKB)

Diese Bank ist auf neuste Technologien spezialisiert und Teil der digitalen Zukunft. Mithilfe der innovativen Banking-App können Privatkunden ihre Bankgeschäfte bequem und sicher von überall steuern. Im Geschäftskundenbereich haben Sie sich auf Zukunftsbranchen wie Gesundheit, Landwirtschaft und erneuerbare Energien fokussiert.

Gillette: die Schärfsten Klingen made in berlin

Auf höchstem Niveau produziert Gilette nun seit mehr als 80 Jahren in Berlin-Tempelhof scharfe Klingen, für eine individuelle Rasur. Die Marke steht für eine einzigartige Expertise und erstklassige, integrierte Fertigungstechnologien und bietet eine große Auswahl an innovativen Produkten.

INTEGR8 − kreative Full-Service Digital-Agentur

Mit ihrem langjährigen Know-how ist die Digital-Agentur ein absoluter Profi im Bereich des Online Marketings. Die Agentur ist spezialisiert auf Strategie, Design und innovative Technologien und zielt darauf ab, Emotionen und Erlebnisse zu schaffen.

LiangDao GmbH: Smart Test und Validierung für autonomes Fahren

Das chinesische Unternehmen LiangDao arbeitet neben Smart Tests und der Validierung für autonomes Fahren ebenfalls an Umgebungserkennung und Multi-Sensorfusion. Außerdem besitzt das Unternehmen eigene Software-Toolchains, umfassende Datenmanagement-Lösungen und erstellt seinen Kunden eine KPI-Analyse.

nok – Generate product experiences at scale

Nok positioniert sich als nachhaltiges Unternehmen, welches sich durch kostenlose Home Try-Outs von bereits retournierter Ware auszeichnet. Besonders daran ist die schnelle Auslieferung binnen 2 Stunden, die per Fahrradkurier erfolgt. Das Konzept schafft einen wirksamen Marketingeffekt, da jeder Tester als kostenloser Brand Ambassador und Werbeträger fungiert.

Polyprint – führender Dienstleister für multimediale Kommunikation

Spezialisiert ist das Unternehmen auf die Bereiche Print, Mail, Web, Fulfillment, Print on demand, klassische Werbemittel oder Großformatdruck. Durch personalisierte Marketingmaterialien ermöglichen sie ihren Kunden eine zielgruppengerechte Ansprache, sowie das Erreichen individueller Umsatzziele.

WLOUNGE

Seit 2016 sind die Gründer von WLounge darin bestrebt, Frauen in der Technologieszene zu ermutigen und zu fördern. Dies basiert auf dem Ansatz, dass Vielfalt ein entscheidender Faktor für große Veränderung und wahre Innovation sei. Sie unterstützen Frauen in jeglichen Geschäftsprozessen und helfen dabei sich selbstbewusst in die Technikszene zu integrieren. (tf)

Wussten Sie es? Saudi Aramco ist weltweit der größte Ölkonzern

Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco möchte einen Konkurrenten übernehmen und gewährt im Zuge dessen erstmals Einblick in seine Bücher. Was dabei zu Tage kam, sorgt für Erstaunen. Im vergangenen Jahr machte der Ölriese einen Nettogewinn von 111,1 Milliarden Dollar, so die Ratingagentur Moody’s.

Der Gewinn des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco ist dreimal so hoch wie von Apple!

Bisher hielt sich der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco eher im Schatten, wenn es um seine wirtschaftlichen Erfolge ging. Nun brach der Konzern erstmals seit seiner Verstaatlichung in den 70er Jahren sein Schweigen und gewährte Investoren einen Blick in die Bilanzen. Laut Fitch Ratings betrug der Gewinn vor Steuern 224 Milliarden Dollar. Damit stellt Saudi Aramco nicht nur die bekanntesten Ölkonzerne der Welt weit in den Schatten, sondern auch Wirtschaftsriesen wie Apple.

Hintergrund für die Offenlegung der Bücher ist das Bestreben des Konzerns, einen 70-Prozent-Anteil am saudi-arabischen Petrochemiekonzern Sabic zu übernehmen. Saudi Aramco erwarb Sabic für 69,1 Milliarden Dollar vom heimischen Staatsfonds PIF. Im nächsten Schritt kann sich dann PIF an globalen Konzernen beteiligen und Saudi Aramco die 25 Prozent von Sabic am Schweizer Chemiebetrieb Clariant aufstocken.

Niemand ist so profitabel

Die Profite der größten westlichen Mineralölkonzerne – Chevron und Exxon Mobil aus den Vereinigten Staaten, BP aus Großbritannien, dem britisch-niederländischen Royal Dutch Shell sowie Total aus Frankreich – machten 2018 zusammengerechnet knapp 80 Milliarden Dollar aus. Sie liegen damit noch immer knapp 20 Milliarden Dollar unter dem Nettogewinn von Saudi Aramco. Der Großteil der Gewinne geht direkt an die saudi-arabische Führung. Kronprinz Mohammed bin Salman will ein ehrgeiziges Reformprogramm mit dem Namen Vision 2030 vorantreiben. Das ölreiche Königreich soll wirtschaftlich breiter aufgestellt und zu einem Zentrum für Technologie und Innovation werden. (aw)

 

Beschluss über Einführung eines Berliner Mietendeckels

Berlins SPD beschließt die Einführung des Mietendeckels und vertagt den Beschluss zur Enteignung.

Bauen, kaufen, deckeln. So lautet das Konzept, welches Mieterhöhungen stoppen und Mieterinnen sowie Mieter schützen soll. Am Sonnabend entschied sich die Berliner SPD einstimmig für das Konzept eines Berliner Mietendeckels. Folglich sollen alle Mieten in Berlin für fünf Jahre eingefroren werden. Der Mietendeckel soll vor allem zunächst Luft schaffen, bis sich der Mietmarkt durch Neubau und Kauf entspannt hat. Mitunter soll es Vermietern außerdem untersagt sein, Mieten bis zur Obergrenze des Mietspiegels zu erhöhen. Bis 2021 soll der Mietenstopp eingeführt werden. Das Ziel dabei ist, das Mietpreisniveau zu stabilisieren und den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.

Die SPD fordert darüber hinaus eine Erhöhung  des Wohnungsneubaus von derzeit 15.000 Wohnungen auf jährlich 25.000. Dies soll vor allem dem Kernproblem, dem Mangel an Wohnungen, entgegenwirken und mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Bis Juni soll Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) dem Senat eine durchsetzbare Regelung vorlegen, um das Vorhaben so schnell wie möglich umsetzen zu können.

Keine Entscheidung über Enteignung

Zum Thema Enteignung von Wohnungskonzernen gehen die Meinungen stark auseinander. Hier setzte sich der Regierende Bürgermeister und SPD-Landeschef Michael Müller vorläufig mit einer Verschiebung durch. Die restliche SPD positionierte sich bisher nicht zum Volksbegehren zur Enteignung. Auch die CDU äußert Kritik an dem Vorhaben. Vorerst wurde der Beschluss auf den nächsten SPD-Landeskongress im Herbst vertagt. Zu den rechtlichen und finanziellen Auswirkungen von Enteignungen gebe es bisher nur „gefühlte Fakten“, betont Julian Zado, Vize-Landeschef der SPD. Außerdem stehe man noch am Anfang der Diskussion und benötigt mehr Zeit.

Schon ab dem 06. April sammeln Mieterinitiativen Unterschriften für das Volksbegehren „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“. Dies wird vor allem von den Linken unterstützt und auch die Grünen dürften sich diesbezüglich positiv positionieren. Die Jusos diskutieren heute schon Enteignungen bei mehr als 20 Wohnungen. (tf)