Berlins Investitionsbank IBB arbeitet unter Hochdruck: Fördergelder fließen bereits

Unternehmen und Solo-Selbständige in Berlin, die von Corona-bedingten Wirtschaftseinbußen betroffen sind, können seit vorletzter Woche Landeshilfsmittel bei der Investitionsbank Berlin (IBB) beantragen. Die ersten Gelder überwies die IBB bereits am Freitag.

IBB zahlt bereits die ersten Fördermittel aus

Das COVID-19-Virus hält seit mehr als zwei Wochen die Regierung in Atem. Denn der Senat ist genötigt gleich auf mehreren Ebenen in Form von Beschlüssen und Fördermitteln einzugreifen, um die Pandemie in der Hauptstadt in den Griff zu bekommen. So muss sie in Krankenhäusern die Kapazitäten der Intensivstationen aufrüsten, dafür sorgen, dass die Bürger möglichst wenig körperlichen Kontakt haben und wirtschaftliche Folgen soweit eindämmen, dass keine Massenarmut entsteht. Keine leichte Aufgabe für die Abgeordneten Berlins.

Doch langsam scheinen die Bemühungen zu fruchten. Zusammen mit der IBB stellte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in den vergangenen Tagen millionenschwere Soforthilfen für Unternehmen auf die Beine, die nun seit Freitag auf den Konten der Antragsteller eingehen. So überwies die IBB am Freitag die ersten 110 Zuschüsse für Solo-Selbständige und kleinere Betriebe bis 10 Mitarbeiter. Diese bekamen im Durchschnitt etwa 9.000 Euro, die vom Bund und Land zur Verfügung gestellt wurden. Die IBB hätte bereits mehr Anträge bearbeitet, aber ein Datenschutzproblems störte am Freitag den Prozess. Dieses Problem sei nun gelöst und man könne heute weiterarbeiten, teilte die IBB mit. Zudem berichtete Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz, dass genug Geld vorhanden sei.

Ansturm auf die Fördermittel enorm

„Wir haben bisher 836 vollständig eingereichte Anträge mit einem beantragten Volumen von 152 Millionen Euro erhalten. Damit erreichen wir innerhalb einer Woche das Kreditvolumen, das wir sonst innerhalb eines halben Jahres erzielen“, erklärte Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des IBB-Vorstands. „In dieser außergewöhnlichen Situation, haben wir in der IBB alle Kräfte gebündelt, um diesen Ansturm zu bewältigen. Wir versuchen für die Berliner Unternehmen da zu sein und freuen uns, dass wir vielen mit Krediten helfen können.“

Problematischer erscheint die Lage des Rettungsfonds für größere Unternehmen. Ursprünglich beschloss der Senat eine Hilfe von 100 Millionen Euro anzubieten, welche er mit der Zeit auf 200 Millionen Euro aufstocken wollte. Nun zeichnet sich jedoch bereits ab, dass man allein für die bisher eingegangenen Anträge über 300 Millionen Euro benötigen wird. Daher verkündete die IBB, dass sie zunächst keine weiteren Anträge annehme und das weitere Vorgehen mit dem Senat abstimmen werde.

Auch Berliner Hausbanken müssen jetzt helfen

Da die Kapazität der IBB offensichtlich nicht ausreichen, um der Lage Herr zu werden, fordert Pop via Twitter auch die Berliner Hausbanken mit Hilfe des Bundes zu mehr Unterstützung auf: „Das Bundesgeld der KfW muss auch nach Berlin fließen, hier sind die Geschäfts- und Hausbanken gefragt! Diese Krise bewältigen wir nur gemeinsam – mit dem Bund, dem Land und allen Bankinstituten.“

Berliner helfen Berlinern

Allerdings kann eine Gesellschaft eine Krise nur bestmöglich überstehen, wenn alle mithelfen. Deshalb hat eine Gruppe von „Herzblut-Berlinern“, wie sie sich selbst nennen, jetzt die Non-Profit Aktion „Helfen.Berlin“ gestartet. Die Plattform bietet jedem die Möglichkeit seine Lieblingsbars, Clubs, Restaurants oder auch Theater zu unterstützen, die derzeit geschlossen bleiben müssen. Denn trotz der staatlichen Fördergelder fürchten viele dieser Betriebe um ihre Existenz. Damit die Berliner ihre Stammlokale auch nach der Corona-Krise wieder besuchen können, haben sie jetzt die Chance Gutscheine zu kaufen, die sie bei der Wiedereröffnung einlösen können. (aak)

Hilfe für alle: Senat bietet Corona-Informationen in unterschiedlichen Sprachen an

Ängste, Fake News, Ungewissheit – das Land Berlin möchte dagegen vorgehen und allen Bewohnern helfen, egal, ob sie Deutsch sprechen oder nicht. Daher stellt der Senat alle wichtigen Informationen rund um Corona in unterschiedlichsten Sprachen sowohl schriftlich als auch in Form von Podcasts zur Verfügung.

Kampf gegen Corona: Informationen müssen für alle verständlich sein

In Zeiten, wo Abstand halten ein Gesetz und ein großes Haus mit Garten ein noch größeres Privileg als ohnehin schon ist, leiden vor allem Menschen, die auf kleinesten Raum miteinander auskommen müssen. Da wirkt die Situation in Flüchtlingsheim derzeit noch miserabler als vor dem Ausbruch der Pandemie. Denn nicht nur die Nähe wird den Menschen aktuell zum Verhängnis – auch Ungewissheit und Fake News schaffen weitere Ängste, da viele Geflüchtete der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind und daher nicht unbedingt Zugang zu seriösen Quellen haben.

Dagegen möchte das Land Berlin vorgehen, indem es aktuelle Informationen über die Corona-Krise in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stellt. So bietet der Senat neben Informationsblättern auch Podcasts an, die man beispielsweise in Türkisch, Arabisch oder Farsi hören kann. „Podcasts eignen sich gut für eine schnelle Verbreitung in sozialen Medien. Deswegen bieten wir diese in acht Sprachen zum Herunterladen und zur weiteren Verbreitung an“, erklärte Alexander Straßmeir, Präsident des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). In diesen erklären die Mitarbeiter des LAF, wie der Umgang in den Heimen am besten ablaufen könnte und welche Hygienemaßnahmen sinnvoll sind. Und die Informationsquellen kommen scheinbar gut an, da das Angebot des Senats, laut Katarina Niewiedzial, Integrationsbeauftragte des Landes Berlin, inzwischen über 30.000 Menschen erreiche.

Solidarität auch für die Ärmsten der Armen

Das Leben auf der Straße wird durch die Krise noch härter. Durch das Kontakt- und Reiseverbot sind deutlich weniger Passanten auf der Straße, was für Obdachlose weniger Spenden und Pfandflaschen bedeutet. Außerdem haben viele Kleiderkammern geschlossen und die Essensausgabe gestaltet sich schwieriger, da Ehrenamtliche, die zur Risikogruppe gehören, nicht in den Einrichtungen helfen dürfen. Zudem muss auch in den sozialen Einrichtungen der nötige Abstand gewahrt werden.

Damit keiner auf der Straße bleiben muss und eine Quarantänemöglichkeit im Ernstfall vorhanden ist, schafft Berlin vorübergehend neue Unterkünfte. Hierfür mietete das Land eine Jugendherberge an und weitete sein Angebot von 150 Betten in der Kältehilfe zum Ganztagsbetrieb aus. Des Weiteren wird der Senat die Lage beobachten, um gegebenenfalls ihre Hilfestellung aufzustocken.  „Wir brauchen auch für die Obdachlosen in dieser Stadt einen sozialen Rettungsschirm, das heißt konkret: dauerhafte Plätze in Zimmern, hauptamtliche Sozialarbeitende, medizinische und psychologische Beratung. Die schon prekäre Lebenssituation obdachloser Menschen hat sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt. Wir können die Obdachlosen in dieser Situation nicht einfach auf der Straße lassen.“, fasste Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, die Situation zusammen. (aak)

Berliner Senat beschließt Hochhaus-Leitbild

In der Hauptstadt soll es bald neue Regeln für den Hochhausbau geben. Zu diesem Zweck beschloss der rot-rot-grüne Senat Ende Februar sein Hochhaus-Leitbild. Mit den Richtlinien soll einerseits die Schaffung neuer Wohn- und Gewerbeflächen, andererseits aber auch die Konsensbildung zwischen Projektentwicklern und Anwohnern erleichtert werden.

Zusammensetzung des Leitbilds

Das Berliner Hochhaus-Leitbild beinhaltet Verfahrensgrundsätze für die Vorbereitung und Umsetzung von Hochhausprojekten, planerische Entscheidungsprinzipien und Vorschläge zur Einbeziehung der Öffentlichkeit. Damit will die Senatsverwaltung Standards für künftige Hochhausvorhaben im Land Berlin definieren, mit denen dringend benötigte Wohn- und Gewerbeflächen geschaffen, gleichzeitig aber auch Kieze, Grünanlagen und Kulturdenkmäler geschützt werden. Die Vorgaben betreffen ökologische, gestalterische, denkmalschutzbezogene, nutzungsspezifische und architektonische Aspekte.

Zu den weiterführenden Zielen der Leitlinien gehören:

–        die Stabilisierung städtischer Räume
–        die Eingrenzung von Bodenspekulationen
–        die Unterstützung der Stadtentwicklung

Immobilienexperte David Gramzow begrüßt den Vorstoß: „Bei dem anhaltend starken Zuzug und dem begrenzten Platzangebot muss Berlin einfach in die Höhe wachsen. Natürlich darf das nicht um jeden Preis geschehen. Es muss klare Regeln geben, die das Stadtbild mit seinen typischen Kiezen, aber auch Grünflächen und architektonische Denkmäler schützen. Von daher ist der Vorstoß der Senatsverwaltung absolut zu begrüßen.“

Zentrales Anliegen – gemischte Hochhausnutzung

Einen besonderen Stellenwert innerhalb der Vorgaben hat die gemischte Nutzung von Hochhäusern. So dürfen bei Gebäuden mit einer Höhe von mehr als 60 Metern nur 70 Prozent der Flächen für Büros oder Hotels zur Verfügung gestellt werden.  Für den Rest ist eine anderweitige Nutzung vorzusehen, beispielsweise als Wohnraum.

Darüber hinaus müssen Erdgeschosse und Dachterrassen der Häuser öffentlich zugänglich sein. Denkbar sind hier unter anderem Nutzungskonzepte für Geschäfte und Cafés.

Einen Überblick über die neuen Leitlinien finden Sie auf der Webseite der Berliner Senatsverwaltung.

Einschränkungen beim Hochhausbau

Damit der Hochhausbau sich nicht negativ auf die Lebensqualität der Anwohner und auf typische Berliner Strukturmerkmale wie die abwechslungsreichen Kieze auswirkt, umfassen die Leitlinien eine Reihe von Einschränkungen.

Diese beziehen sich auf den Denkmalschutz, städtebauliche Eigenarten, Naturschutzgebiete, den Flächennutzungsplan, die Verkehrsanbindung und den Zentrumsbezug.

So ist ein Hochhausbau etwa dann ausgeschlossen, wenn das geplante Gebäude Eigenart und Erscheinungsbild von Denkmälern wesentlich beeinträchtigen würde. Untersagt ist er weiterhin in Einfamilienhaus-Siedlungen und Naturschutzgebieten. Einen Überblick über sämtliche Standort- und Prüfkriterien finden Sie in dieser Broschüre der Berliner Senatsverwaltung.

In Kraft treten sollen die Leitlinien, sobald das Abgeordnetenhaus abschließend darüber befunden hat. (red)

Trotz Corona: Aufsichtsrat des neuen Berliner Flughafens hält am Eröffnungstermin fest

Auch die Bauindustrie leidet massiv unter der Corona-Pandemie. Dennoch halten die Aufsichtsräte an der geplanten Inbetriebnahme des neuen Berliner Flughafens Berlin-Brandenburg (FBB) im Oktober dieses Jahres fest.

FBB: Corona ist eine Hürde, aber nicht unüberwindbar

An eine Eröffnung des BER glauben die Berliner und Brandenburg inzwischen nur noch, wenn sie sie leibhaftig sehen. Auch nachdem die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH letztes Jahr im November verkündete, dass der Flughafen BER am 31. Oktober 2020 offiziell eröffnet wird, bleibt ein Restzweifel. Und jetzt schränkt die Corona-Pandemie auch noch ziemlich jeden Bereich der Deutschen Wirtschaft ein.

Doch jeder Widrigkeit zum Trotz hält der Aufsichtsrat des Flughafens Berlin-Brandenburg (FBB) an dem aktuellen Eröffnungstermin fest: „Die Coronakrise ist für die FBB ein Schlag ins Kontor. Unsere Ertragslage hat sich in den letzten drei Wochen stark verschlechtert. Deswegen müssen wir massiv Kosten sparen und Betriebsausgaben reduzieren. Das bedeutet, jede Neueinstellung, jede Investition, jede Ausgabe steht auf dem Prüfstand. Kurzarbeit wird erforderlich. Eine gute Flughafeninfrastruktur ist nach der Bewältigung der Coronakrise wichtiger als jemals zuvor. Daran und an der Inbetriebnahme am 31.10.2020 werden wir mit aller Kraft arbeiten.“, meinte Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der FBB. Die Fertigstellung des krisenbehafteten Terminal 1 habe sich dank der Beseitigung der Kabel-Restmängel gut entwickelt. Daher könne mit einer Nutzungsfreigabe im April gerechnet werden, so das offizielle Statement der FBB. Das der TÜV derzeit im Homeoffice arbeitet, sei auch keine Beeinträchtigung.

Corona-bedingt: FBB braucht höhere Zuschüsse

Aufgrund der Corona-Krise wird mit massiven Verlusten gerechnet. Nur noch 10 Prozent des üblichen Betriebs findet aktuell an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld statt. Daher ist auch eine vorzeitige Schließung des Flughafen Tegels im Gespräch.

Wie hoch die Einbrüche der Fluggäste im Herbst dieses Jahres noch sein werden, weiß derzeit allerdings noch keiner. Sicher ist nur, dass der FBB schon jetzt auf eine Finanzhilfe von etwa 792 Millionen Euro angewiesen ist, um die ersten Jahre bis 2024 zu überstehen. Der Aufsichtsrat plant die Gelder gleichmäßig zwischen Fremd- und Eigenkapitalgebern aufzuteilen. Welcher Betrag durch die Pandemie noch hinzukommen wird, ist bisher unklar. Laut des Tagesspiegels rechnet Rainer Bretschneider, Aufsichtsratschef des FBB, mit „einem kleinen dreistelligen Millionenbetrag bis zu einem größeren dreistelligen Millionenbetrag.“

Ebenso ist noch nicht absehbar, ob die Probedurchläufe mit Kompassen im Juni wie geplant stattfinden können. Allerdings kann man diese angesichts der vermutlich niedrigeren Zahl Reisender im Herbst etwas geringer gestalten als ursprünglich vorgesehen.

Bauprojekte laufen weiter

Generell möchte der Bund möglichst viele Unterbrechungen von Bauprojekten meiden. Projektleiter sind angewiesen den Betrieb erst einzustellen, wenn die Weiterarbeit als nicht mehr sinnvoll erachtet wird. Beispielsweise kommt es häufiger zu einem Projektverzug, wenn zu viele Mitarbeiter in Quarantäne sind. (aak)

Bund schützt Mieter bei Zahlungsunfähigkeit

Ein Ende der Corona-Krise ist noch lange nicht in Sicht und viele Bürger wissen schon jetzt nicht, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Am Wochenende erarbeitete der Bund ein Gesetz, welches zahlungsunfähige Mieter vor dem Wohnungsverlust schützt, wenn die Leistungslücke nachweislich durch das Virus entsteht.

Mieter können, wenn notwendig, auch nachzahlen

Die Krise spitzt sich weiter zu. Die Regierung beschloss am Wochenende, alle nicht lebensdienlichen Geschäfte zu schließen und setzte ein bundesweites Kontaktverbot durch. Wie groß die wirtschaftlichen Verluste werden, weiß aktuell niemand und mit der Ungewissheit kommt die Angst. Denn viele Bürger fürchten nicht nur um ihre Gesundheit, sondern sehen ihre gesamte Existenz bedroht.

Durch ein neues Gesetz möchte der Staat zu mindestens eine Sorge ihrer Staatsangehörigen lindern: Kann jemand zurzeit die Miete für seine Wohnung nicht zahlen, darf der Vermieter den Vertrag nicht kündigen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Corona-Epidemie nachweislich der Grund für das Zahlungsunvermögen ist. Zudem ist der Mieter angewiesen Unterstützung in Form von Wohngeld beim Staat zu beantragen. Damit die wirtschaftlichen Bürden nicht auf den Vermieter abgewälzt werden, verabschiedete die Regierung eine weitere Regelung. So darf auch ein Kreditinstitut seinen Vertrag nicht auflösen, wenn ein Vermieter seinen Darlehn nicht zahlen kann. Allerdings handelt es bei den Regelungen für Vermieter und Mieter nicht um Erlässe, sondern lediglich um Aufschübe der Zahlungen. Die Ausnahmeregelungen gelten vorübergehend für drei Monate ab dem 01. April. Ob eine Verlängerung notwendig ist, bleibt abzuwarten.

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen BFW zeigt sich zufrieden mit dem heutigen Ergebnis. „Auf der Grundlage der Kabinettsbeschlüsse können wir den betroffenen Mietern zielgenau zu helfen, ohne das wirtschaftliche Risiko allein auf den Vermieter zu übertragen und eine wirtschaftliche Kettenreaktion auszulösen. Auch den Mieter geben die Beschlüsse die notwendige Orientierung, wie und wo sie bei Einkommensausfällen, die sich auf die Mietzahlung auswirken, vorgehen müssen“, resümierte Andreas Ibel, Präsident der BFW. „Der Kabinettsbeschluss bietet mit diesem ersten Schritt gute rechtliche Voraussetzungen für Mieter und Vermieter, die Krise zu schultern. Um die wirtschaftlichen Folgen für die Unternehmen müssen sich jetzt in enger Abstimmung die Bundesministerien für Wirtschaft und Finanzen kümmern!“

Berliner Senat rettet seine Unternehmen vor der Insolvenz

Berlin hat in den vergangenen Tagen bereits viel getan, um seine Bewohner vor einem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren. Neben einer Soforthilfe für Clubs, Bars und Restaurants unterstützt der Senat auch Solokünstler und Freiberufler durch monetäre Hilfsmittel. (aak)

Die Welt nach Corona

Die Corona-Rückwärts-Prognose: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise „vorbei“ ist.

Ein Beitrag von Matthias Horx

Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird” und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt.

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Dafür möchte ich Ihnen eine Übung anbieten, mit der wir in Visionsprozessen bei Unternehmen gute Erfahrungen gemacht haben. Wir nennen sie die RE-Gnose. Im Gegensatz zur PRO-Gnose schauen wir mit dieser Technik nicht »in die Zukunft«. Sondern von der Zukunft aus ZURÜCK ins Heute. Klingt verrückt? Versuchen wir es einmal:

Die Re-Gnose: Unsere Welt im Herbst 2020

Stellen wir uns eine Situation im Herbst vor, sagen wir im September 2020. Wir sitzen in einem Straßencafé in einer Großstadt. Es ist warm, und auf der Straße bewegen sich wieder Menschen.

Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee, wieder wie früher? Wie damals vor Corona?
Oder sogar besser?
Worüber werden wir uns rückblickend wundern?

Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an.

Jetzt im Herbst 2020 herrscht bei Fußballspielen eine ganz andere Stimmung als im Frühjahr, als es jede Menge Massen-Wut-Pöbeleien gab. Wir wundern uns, warum das so ist.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die »messages« selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult.

Reality Shows wirkten plötzlich grottenpeinlich. Der ganze Trivia-Trash, der unendliche Seelenmüll, der durch alle Kanäle strömte. Nein, er verschwand nicht völlig. Aber er verlor rasend an Wert.
Kann sich jemand noch an den Political-Correctness-Streit erinnern? Die unendlich vielen Kulturkriege um … ja um was ging da eigentlich?

Krisen wirken vor allem dadurch, dass sie alte Phänomene auflösen, überflüssig machen…

Zynismus, diese lässige Art, sich die Welt durch Abwertung vom Leibe zu halten, war plötzlich reichlich out.
Die Übertreibungs-Angst-Hysterie in den Medien hielt sich, nach einem kurzen ersten Ausbruch, in Grenzen.

Nebenbei erreichte auch die unendliche Flut grausamster Krimi-Serien ihren Tipping Point.

Wir werden uns wundern, dass schließlich doch schon im Sommer Medikamente gefunden wurden, die die Überlebensrate erhöhten. Dadurch wurden die Todesraten gesenkt und Corona wurde zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer Fortschritt half. Aber wir haben auch erfahren: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen war das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben konnten, gab den Ausschlag. Die human-soziale Intelligenz hat geholfen. Die vielgepriesene Künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat dagegen in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Damit hat sich das Verhältnis zwischen Technologie und Kultur verschoben. Vor der Krise schien Technologie das Allheilmittel, Träger aller Utopien. Kein Mensch – oder nur noch wenige Hartgesottene – glauben heute noch an die große digitale Erlösung. Der große Technik-Hype ist vorbei. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten wieder mehr auf die humanen Fragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander?

Wir staunen rückwärts, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist.

Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde. Obwohl es einen »schwarzen April« gab, einen tiefen Konjunktureinbruch und einen Börseneinbruch von 50 Prozent, obwohl viele Unternehmen pleitegingen, schrumpften oder in etwas völlig anderes mutierten, kam es nie zum Nullpunkt. Als wäre Wirtschaft ein atmendes Wesen, das auch dösen oder schlafen und sogar träumen kann.

Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.

Wir werden uns wundern, dass sogar die Vermögensverluste durch den Börseneinbruch nicht so schmerzen, wie es sich am Anfang anfühlte. In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.

Könnte es sein, dass das Virus unser Leben in eine Richtung geändert hat, in die es sich sowieso verändern wollte?

RE-Gnose: Gegenwartsbewältigung durch Zukunfts-Sprung

Warum wirkt diese Art der »Von-Vorne-Szenarios« so irritierend anders als eine klassische Prognose? Das hängt mit den spezifischen Eigenschaften unseres Zukunfts-Sinns zusammen. Wenn wir »in die Zukunft« schauen, sehen wir ja meistens nur die Gefahren und Probleme »auf uns zukommen«, die sich zu unüberwindbaren Barrieren türmen. Wie eine Lokomotive aus dem Tunnel, die uns überfährt. Diese Angst-Barriere trennt uns von der Zukunft. Deshalb sind Horror-Zukünfte immer am Einfachsten darzustellen.

Re-Gnosen bilden hingegen eine Erkenntnis-Schleife, in der wir uns selbst, unseren inneren Wandel, in die Zukunftsrechnung einbeziehen. Wir setzen uns innerlich mit der Zukunft in Verbindung, und dadurch entsteht eine Brücke zwischen Heute und Morgen. Es entsteht ein »Future Mind« – Zukunfts-Bewusstheit.

Wenn man das richtig macht, entsteht so etwas wie Zukunfts-Intelligenz. Wir sind in der Lage, nicht nur die äußeren »Events«, sondern auch die inneren Adaptionen, mit denen wir auf eine veränderte Welt reagieren, zu antizipieren.

Das fühlt sich schon ganz anders an als eine Prognose, die in ihrem apodiktischen Charakter immer etwas Totes, Steriles hat. Wir verlassen die Angststarre und geraten wieder in die Lebendigkeit, die zu jeder wahren Zukunft gehört.

Wir alle kennen das Gefühl der geglückten Angstüberwindung. Wenn wir für eine Behandlung zum Zahnarzt gehen, sind wir schon lange vorher besorgt. Wir verlieren auf dem Zahnarztstuhl die Kontrolle und das schmerzt, bevor es überhaupt wehtut. In der Antizipation dieses Gefühls steigern wir uns in Ängste hinein, die uns völlig überwältigen können. Wenn wir dann allerdings die Prozedur überstanden haben, kommt es zum Coping-Gefühl: Die Welt wirkt wieder jung und frisch und wir sind plötzlich voller Tatendrang.

Coping heißt: bewältigen. Neurobiologisch wird dabei das Angst-Adrenalin durch Dopamin ersetzt, eine Art körpereigener Zukunfts-Droge. Während uns Adrenalin zu Flucht oder Kampf anleitet (was auf dem Zahnarztstuhl nicht so richtig produktiv ist, ebenso wenig wie beim Kampf gegen Corona), öffnet Dopamin unsere Hirnsynapsen: Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Wenn wir einen gesunden Dopamin-Spiegel haben, schmieden wir Pläne, haben Visionen, die uns in die vorausschauende Handlung bringen.

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt »endet«, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren.

Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

So erweist sich: Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahrnehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Vielleicht werden wir uns sogar wundern, dass Trump im November abgewählt wird. Die AFD zeigt ernsthafte Zerfransens-Erscheinungen, weil eine bösartige, spaltende Politik nicht zu einer Corona-Welt passt. In der Corona-Krise wurde deutlich, dass diejenigen, die Menschen gegeneinander aufhetzen wollen, zu echten Zukunftsfragen nichts beizutragen haben. Wenn es ernst wird, wird das Destruktive deutlich, das im Populismus wohnt.

Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität. Gerade weil sie »autoritär« handeln musste, schuf Politik Vertrauen ins Gesellschaftliche. Auch die Wissenschaft hat in der Bewährungskrise eine erstaunliche Renaissance erlebt. Virologen und Epidemiologen wurden zu Medienstars, aber auch »futuristische« Philosophen, Soziologen, Psychologen, Anthropologen, die vorher eher am Rande der polarisierten Debatten standen, bekamen wieder Stimme und Gewicht.

Fake News hingegen verloren rapide an Marktwert. Auch Verschwörungstheorien wirkten plötzlich wie Ladenhüter, obwohl sie wie saures Bier angeboten wurden.

Ein Virus als Evolutionsbeschleuniger

Tiefe Krisen weisen obendrein auf ein weiteres Grundprinzip des Wandels hin: Die Trend-Gegentrend-Synthese.

Die neue Welt nach Corona – oder besser mit Corona – entsteht aus der Disruption des Megatrends Konnektivität. Politisch-ökonomisch wird dieses Phänomen auch »Globalisierung« genannt. Die Unterbrechung der Konnektivität – durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führt aber nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern zu einer Neuorganisation der Konnektome, die unsere Welt zusammenhalten und in die Zukunft tragen. Es kommt zu einem Phasensprung der sozio-ökonomischen Systeme.

Die kommende Welt wird Distanz wieder schätzen – und gerade dadurch Verbundenheit qualitativer gestalten. Autonomie und Abhängigkeit, Öffnung und Schließung, werden neu ausbalanciert. Dadurch kann die Welt komplexer, zugleich aber auch stabiler werden. Diese Umformung ist weitgehend ein blinder evolutionärer Prozess – weil das eine scheitert, setzt sich das Neue, überlebensfähig, durch. Das macht einen zunächst schwindelig, aber dann erweist es seinen inneren Sinn: Zukunftsfähig ist das, was die Paradoxien auf einer neuen Ebene verbindet.

Dieser Prozess der Komplexierung – nicht zu verwechseln mit Komplizierung – kann aber auch von Menschen bewusst gestaltet werden. Diejenigen, die das können, die die Sprache der kommenden Komplexität sprechen, werden die Führer von Morgen sein. Die werdenden Hoffnungsträger. Die kommenden Gretas.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.”

Slavo Zizek im Höhepunkt der Coronakrise Mitte März

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO²-Ausstoß der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.

Aber sie kann sich neu erfinden.
System reset. 
Cool down!
Musik auf den Balkonen!
So geht Zukunft.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de. Von dort ist auch dieser Beitrag von Matthias Horx. 

In Zeiten der Krise: Berlin unterstützt seine Unternehmen

In den vergangenen Tagen mussten zahlreiche Clubs, Bars und Geschäfte in Berlin schließen. Vielen droht bereits nach kurzer Zeit der Anordnung die Insolvenz. Denn obwohl 100 Prozent der Einnahmen ausbleiben, müssen Mieten und Löhne weiterhin gezahlt werden. Um eine Welle der Arbeitslosigkeit zu verhindert, bietet der Berliner Senat den Betreibern deshalb ab sofort monetäre Unterstützung an.

Liquiditätsfond steht ab heute zur Verfügung

Um die schlimmsten Folgen der wirtschaftlichen Katastrophe abzuwenden, stellt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in Zusammenarbeit mit der Investitionsbank Berlin (IBB) eine Liquiditätshilfe für Unternehmen mit bis 250 Mitarbeitern zur Verfügung. „Das Corona Virus stellt unsere gesamte Gesellschaft vor große Herausforderungen. Diesen Herausforderungen stellen wir uns. Unsere Aufgabe ist es, die Berliner Wirtschaft möglichst unbeschädigt durch die nächsten Wochen und Monate zu geleiten. Wir werden alles unternehmen, damit die Unternehmen gut durch die Krise kommen, um Existenzen zu retten und Arbeitsplätze zu sichern. Ich bin allen Partnern, insbesondere der IBB und der Bundesagentur für Arbeit und ihren engagierten Teams sehr dankbar, dass sie uns in dieser Krise schnell und lösungsorientiert unterstützen.“, erklärt Pop. Anträge können ab heute auf der Webseite der IBB gestellt werden. Zugang haben unter anderem Bars, Clubs und betroffene Freiberufler. Zunächst steht ein 100 Millionen Euro großer Überbrückungskredit bereit, welcher dann nochmal auf 200 Millionen Euro aufgestockt werden könnte. Zusätzlich tragen die Bürgschaftsbanken noch einmal 100 Millionen Euro bei, sodass im Endeffekt 300 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Manche Branchen trifft es besonders stark

Viele Berliner leiden jetzt schon unter dem Entzug der kulturellen Angebote und all den anderen Möglichkeiten, die das öffentliche Leben dem Großstädter normalerweise nahezu rund um die Uhr zur Verfügung stellt. Dennoch ist das Leid derer, die eingeschlossen im Homeoffice ihre Einsamkeit bedauern, nichts im Vergleich zu denen, die gar keiner Arbeit mehr nachgehen können. Nachdem am Wochenende Clubs und Bars schließen mussten, folgten ihnen gestern weitere Ladengeschäfte. Auch Hotels dürfen keine touristischen Übernachtungen mehr anbieten. Zahlreiche Berliner Betriebe haben schlichtweg nicht genug Rücklagen, um einer Insolvenz bei mehrwöchiger Schließung zu entgehen. Denn trotz des Öffnungsverbots müssen sie noch Miete bezahlen und möchten ihre Mitarbeiter vor der Armut zu bewahren.

Fast alles ist geschlossen

Um die rasante Verbreitung des COVID-19-Virus einzudämmen, sind Theater, Clubs und Bars schon seit vergangenem Samstag geschlossen. Seit gestern müssen auch alle Geschäfte bis auf Apotheken, Supermärkte, Lieferdienste und Banken schließen. Restaurants dürfen nur noch bis 18 Uhr eröffnen und es herrschen erhöhte Hygienemaßnahmen. In den vergangenen Tagen ist die Polizei verstärkt durch die Straßen Berlins patrouilliert, um zu kontrollieren ob Lokale und Geschäfte sich an das Gebot halten. (aak)

Berliner Senat plant COVID-19-Krankenhaus

Die Corona-Pandemie breitet sich weiter aus und fast stündlich werden neue Maßnahmen getroffen, um dies zu verhindern – Clubs, Theater und Sportstätten bleiben geschlossen. Den Ernst der Lage verdeutlichen auch die neusten Bemühungen zur Eindämmung des Virus des Berliner Senats. Ein neues Krankenhaus für Corona-Patienten soll auf dem Messegelände entstehen.

Oberste Priorität: Engpässe vermeiden

Der Berliner Senat geht den Forderungen der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci nach und plant ein COVID-19-Krankenhaus, welches bis zu 1.000 Patienten beherbergen kann. Mit Hilfe der Bundeswehr und weiteren Partnern entsteht das Hospital voraussichtlich auf dem Berliner Messegelände. „Diese Maßnahme ist eine Ergänzung zu der gut aufgestellten Berliner Krankenhauslandschaft, um möglichen Engpässen zu begegnen.“, betont Kalayci. Wann genau die zusätzlichen Kapazitäten verfügbar sind, ist jedoch noch unklar.

Berlins Krankenhäuser rüsten auf

Da der Senat den Höhepunkt der Ausbreitung des Virus noch erwartet, sind weitere Maßnahmen in Planung. Die Berliner Notfalleinrichtungen werden in drei Versorgungsstufen eingeordnet. So werden zukünftig Patienten je nach Schweregrad ihrer Erkrankung in der dafür vorgesehenen Einrichtung behandelt. Hinter der Arbeitsteilung steht die Hoffnung, dass Mediziner somit maximal effizient agieren können. Gleichzeitig sind die Hospitäler angewiesen ihre Kapazitäten in den Intensivstationen aufzustocken. Insbesondere für hinreichende Beatmungsgeräte sollen die Zuständigen Sorge tragen. Aber nicht nur das – der Senat fordert die Krankenhäuser zudem auf, medizinische Behandlungen, die nicht dringend notwendig sind, zu verschieben. Dadurch können sich die Ärzte verstärkt auf die COVID-19-Patienten fokussieren.

Corona hält Deutschland fest im Griff

Aktuell gibt 9.919 bestätigte Corona-Infizierte in Deutschland, 383 von ihnen leben in Berlin. Mit drastischen Maßnahmen versucht die Regierung die Ausbreitung des Virus zu entschleunigen. Daher finden immer mehr Restriktionen des öffentlichen Lebens statt. Bars, Clubs, Kinos, Kitas und Schulen hat der Berliner Senat bereits geschlossen. Auch in den Nachbarländern der Republik sieht es nicht besser aus, teilweise sogar schlimmer: Erst vor zwei Tagen verordnete der französische Präsident Macron eine Ausgangssperre, die gestern in Kraft getreten ist. Ob die deutsche Regierung diesen radikalen Schritt ebenfalls für notwendig empfindet, bleibt abzuwarten. (aak)

Parley For The Oceans – Surfboard-Art gegen Plastik um Meer

Unmengen an Plastikmüll landen jeden Tag in den Ozeanen und belasten das Ökosystem samt seiner Meeresbewohner und zahlreichen Biotope. Kunst ist eine Möglichkeit, mit kreativer Symbolik ein Bewusstsein für die Verschmutzung der Ozeane zu schaffen, wie ein aktuelles Projekt der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstlerin Katharina Grosse zeigt. die für ihre raumfüllenden Sprayarbeiten bekannte Freiburgerin hat für Parley For The Oceans Surfboards farblich bearbeitet, um auf die Umweltschutzinitiative aufmerksam zu machen.

Umweltfreundliche Wellenreiter von Katharina Grosse

Die Arbeiten der international gefeierten und in Berlin lebenden Künstlerin werden inzwischen auf der ganzen Welt, unter anderem in der Schweiz, Frankreich, China und den USA, ausgestellt. Dabei hat sich Katharina Grosse besonders durch ihre abstrakten Arbeiten einen Namen gemacht. Für ihr aktuelles Projekt, das in Zusammenarbeit mit Parley For The Oceans entstanden ist, hat sie 20 Surfboards entworfen, um symbolisch ein Zeichen gegen die Verschmutzung der Weltmeere zu setzen. Kein Werk gleicht dem anderen. Alle Exponate ahmen in ihrer Farbigkeit und Dynamik die Bewegung der Wellen nach und tragen sichtbar die Handschrift der Künstlerin. Zudem sind ihre kreativen Interpretationen der Weltmeere, festgehalten auf nachhaltig erwirtschaftetem Holz, Harz und Glasfaserstoff, nicht nur gelungene Kunstwerke und eine Hommage an die Ozeane, sondern unterstützen auch einen guten Zweck. Denn die Erlöse der verkauften Surfboards gehen alle an das Parley Global Cleanup Network.

Parley For The Oceans – im Kampf gegen die Verschmutzung der Meere

Hinter dem Netzwerk Parley Global Cleanup Network, einem Zusammenschluss von Organisationen, die Plastikmüll von Stränden und aus Flüssen entfernen, steckt die Umweltorganisation Parley For The Oceans. Seit ihrer Gründung im Jahr 2011 setzt sich die Initiative für den Schutz der Meere vor Plastikmüll ein. Durch Aufklärung und Bildung, direkte Maßnahmen, ökologische Innovationen und Forschung soll gegen die Verschmutzung der Ozeane vorgegangen werden, die nicht nur die Vielfalt der Meerestiere bedroht, sondern auch zunehmend die Gesundheit von Konsumenten des Fischhandels gefährdet.

Parley For The Oceans-Gründer Cyrill Gutsch hat die ernstzunehmende Entwicklung der Meeresverschmutzung treffend zusammengefasst: „We are at war with the oceans. If we win, we lose it all.” Glaubt man aktuellen wissenschaftlichen Studien, bleibt allerdings nicht mehr viel Zeit, die Ozeane zu retten. Umweltforscher gehen davon aus, dass bis 2025 alle Korallenriffe verschwunden sein werden und Meereslebewesen in den nächsten Jahrzehnten ein Massensterben droht. Allerdings scheint es trotz aktueller politischer Bemühungen schwierig, die Verschmutzung der Ozeane einzudämmen. So befinden sich Schätzungen von Parley for the Oceans zufolge bereits 250.000 Tonnen Plastik im Meer – Tendenz steigend.

Gemeinsam einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Ozeane leisten

Um ihrem erklärten Ziel, der Rettung der Meere, näher zu kommen, arbeitet die Umweltorganisation mit zahlreichen Unternehmen, Marken, Künstlern und Wissenschaftlern zusammen. So kooperiert Parley For The Oceans nicht nur mit Katharina Grosse, sondern auch mit den Malediven, den Vereinten Nationen und seit 2015 auch mit adidas. Gemeinsam mit dem Modelabel entwickelt die Organisation zum Beispiel Sportbekleidung aus recycelten Plastikabfällen und Netzen aus dem Meer. Die aktuelle Kooperation mit der deutschen Künstlerin präsentiert die Kunstwerke in New York und Berlin. Auf einer Künstlerdiskussion in der Galerie König mit Grosse und dem Bestsellerautor Frank Schätzing (Der Schwarm) wurden die Boards in Berlin vorgestellt und – kein Wunder – auch schnell verkauft. (sz)

Die BERLINboxx unterstützt die Umwelt Organisation Parley For The Oceans mit verschiedenen Aktionen im Jahr 2020.

Equal Pay Day: Alle Jahre wieder die gleiche Debatte

Wir schreiben das Jahr 2020, die #MeToo Debatte ist seit mehr als zwei Jahren in aller Munde und Feminismus inzwischen mehr als ein Trend geworden. Trotzdem hat sich seit Jahren in der genderspezifischen Lohndifferenz kaum etwas verändert. Heute am 17.03.2020 findet zum mal zwölften Mal der Equal Pay Day statt. Dieser soll auf die ungleiche Bezahlung zwischen Frauen und Männern aufmerksam machen.

Frauen verdienen im bundesweiten Durchschnitt 20 Prozent weniger

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte gestern die Zahlen zum Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern im Jahr 2019. Im deutschlandweiten Schnitt verdiente eine Frau im letzten Jahr gut 20 Prozent weniger als ein Mann.

Im bundesweiten Vergleich liegt Berlin mit 14 Prozent Differenz immerhin auf Platz drei. Eine kleinere Gehaltslücke können nur Sachsen-Anhalt mit 15,5 Prozent und Brandenburg mit 14,9 Prozent aufweisen. Generell ist Lücke in Ostdeutschland immer noch kleiner als im Westen. Während Männer im Westen von Deutschland im Schnitt ein Bruttolebensgehalt von 1,5 Millionen Euro haben, erreichen Frauen gerade mal 830.000 Euro. Hingegen verdienen Frauen in Ostdeutschland auf ihr Leben gerechnet 660.000 Euro und die Männer 1,1 Millionen Euro.

Ein Grund für die geringere Differenz im Osten ist, dass Frauen zu Zeiten der DDR bessere Chancen hatten, einen gut bezahlten technischen Beruf zu erlangen. Außerdem ist der Lohnunterschied vor allem in der Industriebranche besonders hoch. Diese ist vor allem im Westen des Landes vertreten.

Gründe für den Gender Pay Gap

Die Hauptgründe für den bundesweiten Gender Pay Gap sind allerdings in historischen Gegebenheiten zu finden, die über die DDR hinausreichen. So haben vor allem Kinder einen großen Einfluss auf das Lebenseinkommen der Mütter, wohin gegen das Gehalt der Väter kaum von einem Zuwachs betroffen sind. Das liegt hauptsächlich daran, dass Mütter in den meisten Fällen eine Auszeit vom Arbeiten nehmen und sich um das Kind sorge, so eine Studie der Bertelsmann Stiftung über die die Zeit berichtete. Zudem arbeiten Frauen öfter in Teilzeitstellen und arbeiten bedeutend häufiger Niedriglohn-Berufen.

Das gerade diese strukturellen Faktoren mit eingerechnet werden, sehen Kritiker allerdings als Verzerrung der Aussage. Nur weil Frauen weniger Gehalt bekommen, heißt es nicht, dass sie pauschal ungerecht bezahlt werden. Diesen Stimmen widersetzt sich Alexandra Knauer, Chefin der Knauer GmBh: „Die pauschale Berechnung der unbereinigten Lohnlücke hat natürlich ihre Schwächen. Sie berücksichtigt die Vergleichbarkeit der einzelnen Arbeitsplätze nicht, aber sie ist als Durchschnittswert dennoch ein guter Indikator.“

Mit gutem Beispiel voran: Schöneberg-Tempelhof setzt sich für die Gleichberechtigung ein

Das Rathaus in Schöneberg-Tempelhof ziert ab heute ein Banner mit dem diesjährigen Motto: „Auf Augenhöhe verhandeln – WIR SIND BEREIT.“ Der Bezirk betont, dass es nicht die Schuld der Frau sei, dass sie weniger Lohn bekomme. Dass Frauen oft schlechter bezahlte Berufe annehmen würden, hänge vor allem mit strukturellen Zwängen zusammen, die unbedingt beachtet werden müssen. „Es ist geradezu zynisch, Frauen für die ungerechte Bezahlung ihrer Arbeit selbst verantwortlich zu machen – in Deutschland aber auch weltweit. Dass ein so reiches Land wie die Bundesrepublik im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern bei der Bezahlung von Frauenarbeit gehört, ist nicht zu verstehen. Ich fordere Strukturen zu schaffen, in denen Frauen endlich gleich entlohnt werden.“, äußert sich die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler zu der Thematik.

Equal Pay Day

Der Equal Pay Day findet seit 2008 jährlich in Deutschland statt, um auf den Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern aufmerksam zu machen. Der Aktionstag fällt immer auf das Datum im Jahr bis zu welchem Frauen für ihren Jahreslohn umsonst arbeiten, während Männer bereits ab dem ersten Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. (akk)