B-Part Sports Am Gleisdreieck eröffnet – innovativer Outdoor Trainingspark für Jedermann

Mit der Eröffnung des B-Part Sports am Donnerstag ist die Urbane Mitte Am Gleisdreieck um einen lebendigen Begegnungsort erweitert worden. Fachbereichsleiterin für Sport des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Michaela Schulte, Turnlegende und Sportbotschafter des B-Part Philipp Boy und Marc F. Kimmich, CEO COPRO & Founder B-Part Am Gleisdreieck waren vor Ort, um den öffentlich zugänglichen Outdoor-Trainingspark einzuweihen. Laut Kimmich ein großer Gewinn für die Urbane Mitte Am Gleisdreeick: „Sport verbindet, kennt keine sozialen Unterschiede, hält gesund und schafft Gemeinschaft.“ Für Sportinteressierte und die, die es noch werden wollen, stehen nun zahlreiche Möglichkeiten für Bodyfitness, Spaß und Bewegung zur Verfügung.

Eröffnung des B-Part Sports

Eröffnung des B-Part Sportparcours: (v.l.n.r.) Hagen Keffel, Sportkoordinator Friedrichshain-Kreuzberg, Marc F. Kimmich, COPRO CEO, Fachbereichsleiterin Sport Michaela Schulte, Philipp Boy. | Foto: B-Part Am Gleisdreieck, Harry Schnitger

Ganzheitliches Konzept für Körper und Geist

„Bewegung für alle“ ist das Motto der Initiatoren – und das mit einem variantenreichen, 300 Quadratmeter großem Fitnesspark direkt im Park – natürlich nachhaltig und interkulturell. Vom Fitness-Parcours für Anfänger und Profis, über Workout-Flächen, Turngeräte und Stepboxen: Philipp Boy hat ein inspirierendes Programm für Body und Mind konzipiert und damit ein ganzheitliches Konzept für Berlinerinnen und Berliner, Nachbarn und Interessierte unter freiem Himmel geschaffen.

„Meine Mission, unsere Mission ist es, Sportbegeisterung nach außen zu tragen und zusammen mit der COPRO Begegnungsorte zu schaffen. Wir wollten einen Park für jedermann gestalten und gerade unter unserem Motto ‚Bewegung für alle‘ einen multifunktionalen Spielraum kreieren, wo wir dann wirklich generationsübergreifend vor allem gesundheitsfördernde Sport- und Fitnessangebote bieten können“, so der Sportbotschafter Philipp Boy, der den Sportpark mitentwickelte. Zustimmung kommt auch von Michaela Schulte, Fachbereichsleiterin für Sport: „Solche Sportangebote am Gleisdreieck kann der Bezirk nur begrüßen, der Bedarf an modernen Sportstätten für alle ist riesengroß.“

Sportkurse mit Philipp Boy

Sportliche Höchstleistungen im neuen Sportpark am Gleisdreieck. | Foto: BERLINboxx

Mit B-Part Sports soll ein umfangreicheres Sportangebot im Park am Gleisdreieck entstehen. Ex-Olympionike Philipp Boy kündigte an, selbst Kurse anzubieten: „Ich freue mich sehr, gemeinsam mit dem B-Part Am Gleisdreieck hier im Herzen von Berlin einen aktiven Lebensstil zu ermöglichen und den Park für die Menschen dieser Stadt mitgestalten zu können. Ich möchte Menschen durch Sport zusammenbringen und ein aktives Miteinander fördern. Daher war es mir besonders wichtig, unterschiedliche Kurse für alle Alters- und Fitnessgruppen anzubieten.“ So können Interessierte bereits am Samstag erstmals gemeinsam mit Philipp Boy trainieren.

B-Part Am Gleisdreieck als Einladung

B-Part Sports ist eingebettet in das Gesamtkonzept von B-Part Am Gleisdreieck. Auf ca. 1.000 Quadratmetern bietet das Pionierprojekt ein öffentliches Café, zahlreiche Coworking-Arbeitsplätze sowie Multifunktionsräume für Kunstausstellungen und Events. Neben dieser „Hardware“ beherbergt das B-Part mit dem Urban Ideation Lab auch eine einzigartige „Software“: Das Lab bietet sechs kostenfreie, kuratierte Arbeitsplätze zur Erforschung zukunftsorientierter Ideen und Lösungen für ein lebenswertes Stadtquartier.

Eröffnung des B-Part Sports

„Die Urbane Mitte Am Gleisdreieck ist ein generationsübergreifender und lebendiger Begegnungsort. Das ist unser Kompass – daran lassen wir uns messen“, so Marc F. Kimmich, COPRO CEO. | Foto: BERLINboxx

B-Part Sports ist eine weitere Handreichung an alle, sich einzubringen und mitzugestalten: Sport für das verbindende Miteinander. Ähnlich wie das B-Part Am Gleisdreieck ist auch B-Part Sports aus einem modularen Bausystem entstanden und kann flexibel umgestaltet und relokalisiert werden, erklärt Boy.

Stadtquartier mit sozialer Verantwortung

Seit März 2019 bietet das B-Part Am Gleisdreieck mitten im Park Raum für alle, die Lösungen über das Arbeiten der Zukunft, neue Mobilität und urbane Gemeinschaften unter einem Dach diskutieren und entwickeln möchten. Als Labor für das Stadtquartier von Morgen ist das B-Part schon jetzt, was die Urbane Mitte Am Gleisdreieck einmal werden soll: ein generationsübergreifender und lebendiger Begegnungsort.

„Das B-Part soll den Menschen unsere Vision für ein ressourcenschonendes und zukunftsweisendes, offenes und vielseitiges Stadtquartier präsentieren“, so Marc F. Kimmich. „Die Urbane Mitte Am Gleisdreieck wird harmonisch alle Aspekte des künftigen Lebens und Arbeitens miteinander vereinen: Kunst- und Kulturprojekte, geförderte Flächen für lokale Manufakturen, generationsübergreifende soziale Einrichtungen sowie Angebote zur neuen Mobilität und Arbeiten der Zukunft schaffen einen innovativen und interkulturellen Begegnungsort.“

Weitere Informationen:

Bereits am kommenden Samstag, 25. Januar 2020, bietet Philipp Boy zwei kostenfreie Trainingseinheiten für Interessierte an. Von 13 bis 14 Uhr für Anfänger und von 15 bis 16 Uhr für Fortgeschrittene. Ab dem 01. Februar 2020 ist B-Part Sports für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Geführte Kurse, zum Beispiel mit Philipp Boy, sind über www.bpart.berlin buchbar.

B-Part Am Gleisdreieck / B-Part Sports
Luckenwalder Str. 6b, 10963 Berlin
E-Mail: info@bpart.berlin
Website: www.bpart.berlin

 

Entscheidung über den IAA-Standort – sieben Städte präsentieren ihre Konzepte

Bereits seit 1991 findet die Internationale Automobilausstellung im zweijährigen Turnus in Frankfurt am Main statt. Das wird sich möglicherweise bald ändern – denn seit geraumer Zeit diskutieren Vertreter des VDA und der Automobilbranche über veränderte Konzepte der IAA, samt möglichem Umzug. Heute und morgen buhlen daher sieben deutsche Städte in Berlin um die Ausrichtung der IAA im nächsten Jahr. Im Rennen für den Standort einer der größten und bedeutendsten Automobilmessen der Welt sind neben Frankfurt am Main und Berlin Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart.

Standort als „Impulsgeber für ein neues Mobilitätskonzept“

Am heutigen Donnerstag beginnen unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Präsentationen der Städte Hannover, Berlin, Hamburg und Stuttgart. Morgen werden dann Frankfurt am Main, Köln und München ihre Konzepte vorstellen. Neben dem Regierenden Bürgermeister, Michael Müller (SPD) und Messechef Christian Göke ist auch Beatrice Kramm, die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) vor Ort, um die Ideen der Bewerber zu begutachten.

Anschließend wird der Vorstand des VDA voraussichtlich noch bis Ende dieses Monats festlegen, in welcher deutschen Stadt die Ausstellung ab 2021 stattfindet. Die Ansprüche an die austragende Stadt sind klar formuliert. Bereits im Oktober 2019 kündigte Dr. Martin Koers, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), an: „Wir werden uns für den Standort entscheiden, der für die neue IAA die besten Voraussetzungen bietet.“ Und weiter: „Für die austragende Stadt soll sie Impulsgeber für ein neues Mobilitätskonzept sein. IAA-Besucher sollen bereits bei der Ankunft am Flughafen oder Bahnhof erleben können, wie Smart Mobility in einer Smart City funktioniert. Deshalb ist es entscheidend, dass das Konzept der neuen IAA mit dem der austragenden Stadt optimal ineinandergreift und kompatibel ist.“

Neueste Technologien, Teststrecken und Mobilitäts-Hubs

Auch die Ziele für die Gestaltung der IAA 2021 sind hochgesteckt. Wie in jedem Jahr sind Automobilhersteller, Zulieferer und Mobilitätsdienstleister vor Ort, um die neuesten Fahrzeuge und Technologien wie Wasserstofftankstellen oder Mobilitäts-Hubs vorzustellen.

Geplant sind außerdem Teststrecken für Probefahrten mit automatisierten PKWs, um Besuchern eine möglichst interaktive Erfahrung zu ermöglichen. „Die IAA wird keine reine Autoshow mehr sein, sondern eine Mobilitätsplattform. Sie wird auch raus aus den Messehallen und in die Städte gehen“, so VDA-Präsident Bernhard Mattes. Und weiter: „Sie wird direkt zu den Menschen kommen, die außerhalb von Messehallen und -gelände neueste Fahrzeuge, neueste Technologie und Mobilitätskonzepte erleben und ausprobieren können“,

„Zero Emission Zone“ und IAA-Standort – ein Widerspruch?

Doch nicht alle freuen sich über die Bewerbung der deutschen Hauptstadt für die Ausrichtung der Automobilmesse. Gerade mit Hinblick auf die aktuelle Senatsvorlage von Umweltsenatorin Regine Günther, die ab 2030 Fahrverbote für Benzin- und Dieselautos innerhalb des S-Bahnrings fordert, scheint die Teilnahme Berlins am Auswahlverfahren schon fast ironisch. Und auch die Grünen haben sich auf ihrem letzten Parteitag bereits deutlich gegen eine Ausrichtung der IAA ausgesprochen, was wiederum Ramona Pop als grüne Wirtschaftssenatorin in Bedrängnis brachte.

Von Seiten des VDA kommt dagegen nur Zuversicht, dass sich die IAA an die aktuellen Gegebenheiten anpassen kann: „Wie die gesamte Automobilindustrie wandelt sich auch die IAA: von einer Ausstellung hin zu einer umfassenden Plattform, auf der alle relevanten Akteure nachhaltiger, individueller Mobilität präsent sind – Hersteller, Tech-Unternehmen, Zulieferer, Mobilitätsdienstleister, Start-ups. Das war bereits auf der IAA 2019 zu erleben und unterscheidet die IAA von allen anderen Mobilitäts-Events und Automessen.“ (sz)

 

Künstlergespräch mit Norbert Bisky: „Ohne den Mauerfall wäre ich nicht Künstler geworden“

Anlässlich der Ausstellung „POMPA“ in der St. Matthäus-Kirche trifft sich der Maler Norbert Bisky mit der Journalistin Ingeborg Ruthe, die seinem Werdegang seit langem begleitet am 23. Januar 2020 um 19 Uhr zum Künstlergespräch.

POMPA und RANT: ein Blick ins das Lebens von Norbert Bisky

Der zeitgenössische deutsche Künstler, der in Leipzig geboren wurde und selbst Totalität und Willkür erfahren hat, zeigt seine Werke aktuell in zwei

Ausstellung POMPA von Norbert Bisky in der St. Matthäus-Kirche

Ausstellung „POMPA“ von Norbert Bisky in der St. Matthäus-Kirche | Foto: Bernd Borchardt

parallelen Ausstellungen in Berlin und Potsdam. In „POMPA“ in der St. Matthäus-Kirche und in „RANT“ in der Villa Schöningen blickt der Maler auf das Ende der DDR, das Chaos der Nachwendezeit sowie sein persönliches Erleben zurück.

Seine neuen sehr persönlichen Arbeiten, die in der Ausstellung „RANT“ in Potsdam zu sehen sind, befassen sich explizit mit der Teilung Deutschlands und zeigen ein Land, in dem die eigentlich längst überholte Binarität von Ost und West derzeit eine traurige Renaissance erlebt. „POMPA“ hingegen schaut auf die Nachwendezeit. Die aufwändige Deckeninstallation älterer und jüngerer Werke zeigt eine Periode des euphorischen Aufbruchs, die von Hedonismus ebenso geprägt war wie von Profitgier und Opportunismus.

Das Künstlergespräch führt Ingeborg Ruthe

Das Künstlergespräch mit Norbert Bisky führt die Journalistin, geboren und aufgewachsen bei Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Sie studierte Journalistik und Kunstgeschichte und arbeitete ab 1988 in Berlin bei der Zeitschrift „Für Dich“. Seit 1992 ist Ruthe Kunstredakteurin der Berliner Zeitung. Ihre Texte erscheinen seit 2012 auch bei der Frankfurter Rundschau. (aw)

 

Künstlergespräch mit Norbert Bisky

Donnerstag, 23. Januar 2020, 19 Uhr

St. Matthäus-Kirche

Matthäikirchplatz, 10785 Berlin-Tiergarten

Eintritt frei

Neue Pläne für Karstadt am Hermannplatz

Über die Neubaupläne des österreichischen Immobilien- und Handelsunternehmens SIGNA Holding GmbH für das Karstadt am Hermannplatz wird seit einiger Zeit stark diskutiert. Bereits im August letzten Jahres hatte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, der sich gerade den Vorwürfen der Aktenmanipulation stellen muss, die Pläne des Immobilienunternehmens abgelehnt: „Ich bedauere, dem Vorhabenträger keine besseren Nachrichten überbringen zu können und bedanke mich das Engagement der SIGNA GmbH und dem Büro Chipperfield.“

Nun scheint es so, als wolle die SIGNA-Gruppe, die Galeria Karstadt Kaufhof im Juni 2019 komplett übernommen hatte, dem Bezirk entgegenkommen. Wie die Berliner Morgenpost berichtete, seien die von Kritikern befürchteten Luxuswohnungen und Hotels des Unternehmens doch nicht geplant.

Initiative Hermannplatz: „Wir nehmen uns das Recht auf Stadt“

Doch die Bedenken gegen das Projekt sind noch nicht aus dem Weg geräumt. Noch immer gibt es deutliche Gegenstimmen, auch von Seiten der Bevölkerung. Am heutigen Dienstag sind daher als Reaktion auf die Präsentation der Umbaupläne des Immobilienunternehmens im Neuköllner Stadtentwicklungsausschuss Gegendemonstrationen zu erwarten.

So hat die Initiative Hermannplatz, die sich für den Erhalt des Gebäudes in seiner jetzigen Form ausspricht, eine Kundgebung im Rathaus Neukölln geplant. Die Kritiker des Großprojekts von SIGNA befürchten lang andauernde Bauarbeiten, den Verlust von Arbeitsplätzen und eine drohende Immobilienblase. Außerdem üben sie auch Kritik an der CDU, die ebenfalls heute ihren Antrag „Neukölln unterstützt das Neubauvorhaben von Karstadt am Hermannplatz“ vorstellt: „Die CDU meint, über unsere Köpfe hinweg beschließen zu können, dass ‚Neukölln’ das Bauvorhaben von SIGNA unterstützt. Sie vertritt damit ausschließlich die Interessen des Immobilienkonzerns und handelt frontal gegen die Interessen der Neuköllner*innen“, so ein Mitglied der Initiative.

Mischquartier zum Wohnen und Arbeiten

Geht es nach den Projektentwicklern von SIGNA, soll die 1929 gebaute Warenhausimmobilie an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln zu einem Mischquartier umgebaut werden. In dem rund 72.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex sind unter anderem Büros, Wohnungen und soziale Einrichtungen geplant. Außerdem sollen eine große Markthalle und eine öffentlich zugängliche Dachterrasse entstehen, um die Lebensqualität des Kiezes zu steigern.

Die Baupläne orientieren sich dabei an den Ursprüngen des Gebäudes in den 1920er Jahren. Damals konnte man in „Europas modernstem Warenhaus“ nicht nur Einkäufe tätigen, sondern auf der großzügigen Dachterrasse auch Essen gehen oder tanzen. In der Ausstellung „90 Jahre Karstadt am Hermannplatz“, die bereits im September letzten Jahres eröffnete, können Interessierte die Entwicklung des Traditionsgebäudes von 1929 bis heute verfolgen.

Baustadtrat Schmidt will keinen „Monumentalbau“

Nach dem „Nein“ des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg im August 2019 hatte SIGNA noch im Oktober vergangenen Jahres ein Hoffest am Hermannplatz organisiert, um den öffentlichen Dialog zu fördern und die Kiezbewohner stärker am Projekt zu beteiligen. „Ein lebendiger Ort, an dem jeder willkommen ist – das ist unsere Vision für das neue Karstadt-Gebäude am Hermannplatz“, so Timo Herzberg, CEO von SIGNA Real Estate Germany.

Bisher sträubt sich Schmidt aber weiterhin gegen das Vorhaben des Immobilienunternehmens. In einer Stellungnahme des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg im August 2019 begründete er die Absage unter anderem mit der aus seiner Sicht nicht angemessenen „Reinszenierung“ des Gebäudes als Shoppingcenter. Außerdem befürchte er zu hohen Mieten durch die kostenintensive Umstrukturierung des Gebäudes, das historisch für die Stadt bedeutsam ist. (sz)

 

„100 Jahre (Groß-)Berlin“ – eine Stadt der Chancen

Vor genau 100 Jahren wurde mit der Gründung von „Groß-Berlin“ ein bedeutender Grundstein für die deutsche Hauptstadt, wie wir sie heute kennen, geschaffen. Anlässlich des Jubiläums präsentierte der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, heute mit weiteren Akteurinnen und Akteuren der Initiative „100 Jahre (Groß-)Berlin“ im Roten Rathaus ein vielseitiges Programm für das Jahr 2020. Müller blickte in seiner Rede in die Vergangenheit, würdigte bisherige Errungenschaften und zog Parallelen zu aktuellen Entwicklungen in der chancenreichen Hauptstadtregion.

Berlin als Impulsgeber – damals wie heute

100 Jahre (Groß-)Berlin

„Das Groß-Berlin-Gesetz ist der entscheidende historische Schritt zur Metropole Berlin gewesen“, so Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin. | Foto: BERLINboxx

Die Entwicklung der deutschen Metropole zur Millionenhauptstadt und wichtigem Standort für Wirtschaft und Wissenschaft sei laut dem Regierenden Bürgermeister vor allem dem ehemaligen Oberbürgermeister Adolf Wermuth zu verdanken. Er setzte 1920 die Reform als „Vater von ‚Groß-Berlin‘“ auch gegen Proteste etwa aus Spandau und Zehlendorf durch und initiierte zahlreiche wichtige Entwicklungen wie den Ausbau der Infrastruktur sowie die Förderung von Wissenschaft und Forschung.

"100 Jahre (Groß-)Berlin"

Besonderes Jubiläum in Berlin: Aufsteller „100 Jahre (Groß-)Berlin“ im Roten Rathaus. | Foto: BERLINboxx

Auch zukünftig soll Berlin weiterhin wichtige Impulse für Kultur, Kunst und vor allem Wissenschaft und Forschung setzen und Deutschland als Vorreiterstadt von Entwicklung voranbringen. Nicht zuschauen, sondern selbst Impulse setzen, sei, so der Regierende, die Devise. Geplant ist unter anderem eine Förderung des Mobilitätsangebots durch die Erweiterung des U-Bahnnetzes, eine Teilnahme der Hauptstadt als Modellregion für das 365-Euro-Ticket Projekt oder eine Bewerbung als Standort für die nächste Internationale Automobilmesse. Außerdem kündigte Müller an, die Digitalisierung in der Hauptstadt voranzutreiben und das Deutsche Herzzentrum zum „digitalen Herzzentrum der Welt“ zu machen.

Gründung „(Groß-)Berlins“ als Meilenstein

Ein Blick zurück offenbart auch Schattenseiten. Mit Hinblick auf die politische Situation im Berlin der 1920er Jahre erinnerte Müller daher auch an das Privileg politischer Freiheit in Deutschland und appellierte an alle, die Demokratie durch ein „gemeinsames Gegenhalten“ gegen Gefährder zu stärken. Denn: „Berlin ist wieder die Stadt der Chancen. Und Berlin sollte aus meiner Sicht auch wieder die Stadt sein, die diese Chancen ergreift.“

Initiative für die Hauptstadt der Zukunft

"100 Jahre (Groß-)Berlin"

Veranstaltungen im Januar und Februar: Berlin100-Plakatausstellung der Universität der Künste im Roten Rathaus. | Foto: BERLINboxx

Den Initiatoren des Projekts lag die Einbeziehung der Berlinerinnen und Berliner selbst besonders am Herzen: „Wir sind dankbar, dass wir dieses Jubiläum aus der Breite der Stadtgesellschaft heraus mit einer großen Zahl von Einrichtungen und in verschiedener Weise engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern ausrichten können, die sich zur Initiative‚ 100 Jahre (Groß-)Berlin‘ zusammengeschlossen haben. Dadurch ist es gelungen, ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm zu organisieren, um das große Ereignis in seinen vielen Facetten angemessen darzustellen“, so Michael Müller.

Programm von „100 Jahre (Groß-)Berlin“

Die Initiative „100 Jahre (Groß-)Berlin“ wurde am 1. März 2017 gegründet, um mit Veranstaltungen an das bedeutsame Ereignis zu erinnern. Ein bedeutendes Projekt in diesem Jahr ist zum Beispiel der „Internationale städtebauliche Ideen-Wettbewerb Berlin-Brandenburg 2070“ des Architekten- und Ingenieur-Vereins Berlin. Außerdem eröffnet am 30. September 2020 die Ausstellung „Unvollendete Metropole. 100 Jahre Städtebau für (Groß-)Berlin“. Architekt und Initiator des Wettbewerbs, Tobias Nöfer, sieht die Hauptstadt als „Experimentierfeld“, um zu erforschen, wie die Stadt der Zukunft gestaltet wird. (sz)

Was bewegt uns in 2020? – Die Lage bleibt vertrackt

Welche Themen beschäftigen Deutschland in diesem Jahr? Klimawandel, Digitalisierung und Rechtsruck? Um diese Fragen zu beantworten, hat die BERLINboxx mit Philipp Hübl, Philosoph und Autor von Werken wie „Die aufgeregte Gesellschaft“, „Bullshit-Resistenz“ oder „Der Untergrund des Denkens“ gesprochen und einen spannenden, aber auch kritischen Ausblick in das Jahr 2020 erhalten.

Was wird Deutschland im Jahr 2020 umtreiben?

Vor allem der Klimawandel wird Deutschland in den nächsten Jahren weiter polarisieren. Die junge, gut ausgebildete und progressive Generation der unter 30-Jährigen ist für den Naturschutz besonders sensibilisiert. Die Älteren, Konservativen und Rechten sehen in den Forderungen der Klimaschützer die Signatur der urbanen Eliten, von denen sie sich nichts sagen lassen wollen – schon gar nicht, dass wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben. Diese Trotzhaltung ist absurd, nicht nur, weil sich die Experten selten so einig sind wie beim menschengemachten Klimawandel, sondern auch, weil Naturkatastrophen und daraus resultierende Migrationsbewegungen uns alle betreffen, ganz unabhängig vom Parteibuch.

Themen in 2020

„Vor allem der Klimawandel wird Deutschland in den nächsten Jahren weiter polarisieren“, ist sich Hübl sicher. | Foto: ubicroot via Pixabay

Die Lage bleibt vertrackt: Deutschland sollte als eine der führenden Industrienationen eine Vorbildfunktion einnehmen, wird aber Gefahr laufen, durch notwendige drastische Maßnahmen in wichtigen Wirtschaftszweigen wie der Automobilindustrie an globalem Einfluss zu verlieren, während die Hauptverursacher China und die USA ihren CO2-Ausstoß kaum oder gar nicht zurückfahren. Andererseits verstricken sich auch Lifestyle-Klimaschützer oft genug in Widersprüche. Sicher, SUVs braucht praktisch niemand. Aber kosmopolitische Städter, die ein autofreies Deutschland fordern, haben auf dem Land noch nie stundenlang auf den Bus gewartet – und hinterlassen trotzdem mit ihren Flügen nach Bangkok und Tulum einen riesigen CO2-Fußabdruck, der größer ist als beim brandenburgischen Jeep-Besitzer, der zweimal im Jahr Urlaub an der Ostsee macht.

Die Klimakatastrophe verhindern wir nur, wenn wir aufhören, die Handlungen einzelner zu verdammen und stattdessen als Gesellschaft weltweit radikal umdenken. Die Bundesregierung muss zum Beispiel massiv in die Entwicklung von Öko-Technologien investieren, statt immer noch Braunkohlebergbau zu subventionieren.

Stichwort Digitalisierung: Wird Deutschland bzw. Europa weiter abgehängt oder bekommen wir die Kurve?

Viele, die die Digitalisierung in Europa kritisieren, denken zuerst an fehlende Glasfaserkabel oder das schlechte WLAN im ICE. Doch der Erfolg der amerikanischen GAFA-Unternehmen (Google, Amazon, Facebook, Apple) gründet nicht primär auf neuen Technologien, sondern vor allem auf dem Lebensstil der Gründer: radikale Offenheit. Ihr Geschäftsmodell funktioniert nicht nach der alten BRD-Logik, alles Schritt für Schritt zu optimieren. Sie wollen „Disruption“ – und zwar um jeden Preis. Und dafür werden sie belohnt, frei nach ABBA: „The winner takes it all“.

Noch vor einigen Jahren war der Blick in die Vergangenheit vorteilhaft, um den Schritt in die Zukunft zu meistern. Heute geht das nicht mehr. Weniger Tradition ist gefragt, dafür mehr Antizipation. Weniger Verwaltung, mehr Entscheidung. Das ist, um mit Immanuel Kants Worten zu sprechen, keine Frage des Verstandes, sondern eher eine Frage des Willens. In Deutschland und Europa müssen Unternehmen zuallererst deutlich offener, mutiger, individueller und kreativer werden. In der Schule und den Universitäten wird das dem Nachwuchs bisher eher abtrainiert.

Rechtsruck, Antisemitismus, hetze in den sozialen Medien – in welche Richtung entwickelt sich die deutsche Gesellschaft?

Auch wenn die Nachrichten und die öffentliche Diskussion einen anderen Eindruck erwecken: Laut der „Mitte-Studie“ (im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung) gehen Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Gesamtgesellschaft eher zurück. So fiel Muslimfeindlichkeit in Deutschland im Jahr 2018 etwas geringer aus als im Jahr 2002 und auch der Antisemitismus war 2004 noch fast doppelt so hoch wie in den Jahren 2018/2019.

Doch jetzt kommt das große Aber: Die absoluten Zahlen sind immer noch sehr hoch. So haben etwa ein Fünftel der Deutschen antisemitische Einstellungen sowie negative Vorbehalte gegenüber Muslimen. Antisemitische Straftaten erreichten im letzten Jahr den Höchstwert seit Anfang des Jahrhunderts. Und auch wenn offenbar nur eine kleine Gruppe hauptsächlich rechtsradikaler Täter verantwortlich ist: Die Wirkung ist verheerend für die in Deutschland lebenden Minderheiten. Auch in den sozialen Medien produziert eine winzige Gruppe am rechten Rand (2 Prozent) den Großteil des Hasses und der Fake News (80 Prozent), wie Studien in Deutschland und den USA zeigen. Aber auch hier betrifft der Effekt uns alle. Deshalb müssen gerade die (halb-)anonymen Straftaten im Netz konsequenter verfolgt und geahndet werden, zum Beispiel mit neuen Online-Meldestellen bei den Strafverfolgungsbehörden.

wichtige Themen in 2020 sind Digitalisierung

„In Deutschland und Europa müssen unternehmen zuallererst deutlich offener, mutiger, individueller und kreativer werden“, sagt der Philosoph. | Foto: Jannoon028/Freepik.com

Andererseits werden die Menschen in Deutschland, aber auch weltweit immer weltoffener und toleranter. Die Kriminalität ist hierzulande auf dem niedrigsten Stand seit Daten erhoben werden. Und dass wir so viel und intensiv über Hass im Netz, Diskriminierung und einzelne politische Straftaten diskutieren, zeigt: Wir sind insgesamt moralisch anspruchsvoller geworden. Zur Erinnerung: Im Bundeswahlkampf 1969 zwischen CDU und SPD gab es bei Auseinandersetzungen mehr als 200 Verletzte auf beiden Seiten.

Ist das Projekt GroKo gescheitert und ein Ende der bürgerlichen Parteien eingeläutet?

Der Ausdruck „GroKo“ ist schon seit einigen Jahren nicht mehr zeitgemäß, denn die sechs Parteien im Bundestag nähern sich in den Prozentzahlen allmählich einander an, vor allem bei den jungen Wählern. So hat die CDU allein bei der letzten Bundestagswahl über 1,2 Million Wähler an den Tod verloren. Bei der SPD waren es 760.000, und ebenso viele wanderten zu den Grünen ab.

Die Statistiken zeigen auch, dass der Ausdruck „bürgerliche Parteien“ als Sammelbezeichnung für Union und FDP dem sozialen Wandel nicht mehr gerecht wird. Die Grünen sind die bürgerlichste aller Parteien: Sie haben nicht nur einen höheren Bildungsstand und ein höheres Einkommen als beispielsweise CDU- und CSU-Wähler, sondern sie leben auch mehrheitlich in Städten. Die Parteienvielfalt hat ihren Preis: Selbst wenn die GroKo bis zum Jahr 2021 hält, müssen sich die Wähler in Zukunft auf schmerzhafte Kompromisse einstellen. Für die Regierungsbildung gibt es bald zwar mehr Kombinationsmöglichkeiten, aber gleichzeitig wird sich der Zwang verstärken, ungewohnte Zweier- und Dreier-Koalitionen zu bilden. (aw)

Zur Person

Philipp Hübl ist 1975 in Hannover geboren. Von 2012 bis 2018 war er Junior-Professor für theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart. Zuvor hatte er bereits Philosophie an der RWtH Aachen und an der Humboldt-Universität zu Berlin gelehrt, danach an der Universität der Künste Berlin. Heute lebt er in Berlin, schreibt zu gesellschaftlichen und politischen Themen unter anderem in der Zeit, FAZ, taz, NZZ sowie im Philosophie Magazin und hält Vorträge.

 

Bund und Länder investieren in der Hauptstadt Millionen in Künstliche Intelligenz

Berlin ist in Deutschland bereits seit Jahren Vorreiter für Künstliche Intelligenz. Mit zahlreichen KI-Start-ups und zwei KI-Forschungszentren an der Technischen Universität ist die Hauptstadt als Innovations-Hotspot für Wissenschaft und Praxis gerade zu prädestiniert.

Am gestrigen Mittwoch stellten Michael Müller, Regierender Bürgermeister und Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, die aktuellen Förderungsmaßnahmen der Bundesregierung für den Bereich KI vor. Geplant ist eine Zusammenführung der beiden KI-Forschungszentren der TU (Berlin Big Data Center (BBDC) und Berliner Zentrum für Maschinelles Lernen (BZML)) zu einem KI-Leuchtturm im neuen Berlin Institute for the Foundation of Learning and Data (BIFOLD).

18 Millionen Euro für den neuen KI-Leuchtturm

Mit der Entstehung des neuen Zentrums soll die Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz erweitert und gebündelt werden. Im Zuge dessen entstehen auch acht neue KI-Professuren an der TU Berlin und an der Freien Universität Berlin, die Forschung und Ausbildung im Bereich Big Data und maschinellem Lernen verknüpfen sollen. Daher hat das Bundesforschungsministerium jetzt zugesichert, 18 Millionen Euro beizusteuern und somit seine Förderung auf insgesamt 32 Millionen Euro für den Zeitraum zwischen 2019 und 2022 zu erhöhen.

BIFOLD bringt die Hauptstadt voran

Für Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist dieser Schritt ein wichtiger Meilenstein, um die KI-Forschung in der Hauptstadt voranzubringen: „In BIFOLD werden zentrale KI-Kompetenzen gebündelt. BIFOLD wird auch einen Schwerpunkt auf Forschung zu Transparenz und Erklärbarkeit von KI-Systemen sowie ethische Aspekte legen. Das unterscheidet uns gerade von KI-Forschungsstandorten auf anderen Kontinenten. Wir brauchen exzellente Forschung, um Deutschland zu einem Spitzenstandort für KI zu machen. Deshalb macht das BMBF BIFOLD möglich und unterstützt kraftvoll den Ausbau der weiteren deutschen KI-Kompetenzzentren durch eine Verdopplung der Mittel.“

Auch Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin, ist überzeugt von der Fusion der Forschungszentren: „Der technologische Fortschritt ist heute mehr denn je mit gesellschaftlichen Debatten um Regulierung, Transparenz und Verantwortung verflochten. Auch für diese richtige und notwendige Rückkopplung mit gesellschaftlichen Fragestellungen und Herausforderungen bieten sich dem BIFOLD als integraler Bestandteil der TU Berlin beste Voraussetzungen.“

Berlin als Innovations-Hotspot für Künstliche Intelligenz

Das neue Zentrum BIFOLD soll den Standort Berlin für den weltweiten Wettbewerb rüsten und noch attraktiver für intelligente KI-Experten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen machen. Dabei ist die Hauptstadt in Sachen KI in der Wirtschaft bereits sehr erfolgreich: 48 Prozent der deutschen KI-Start-ups wurden zwischen 2012 und 2017 in der Hauptstadt gegründet und über ein Viertel der deutschlandweiten KI-relevanten Unternehmen haben ihren Sitz in der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Die aktuellen Entwicklungen lassen darauf schließen, dass die Hauptstadt das Gebiet der KI auch in der Zukunft voranbringen wird. (sz)

Wirtschaft nimmt Politik in die Pflicht: Christoph Gröner fordert mehr Ein- und Weitsicht

Eine Erfolgsgeschichte, die ganz klein begonnen hat. Schon während seines Studiums hat Christoph Gröner als Bauhelfer gejobbt und anschließend angefangen in Immobilien zu investieren – mit zunehmendem Erfolg! Heute ist er mit der nach ihm benannten CG Gruppe Deutschlands führender Mietwohnungsentwickler und aktiv in sämtlichen Metropolregionen der Republik. Rund 800 Mitarbeiter und ein Portfolio das seines gleichen sucht zeichnet das Unternehmen aus.

Feindbild Christoph Gröner

Kurz: Ein unternehmerischer Erfolg sondergleichen. Doch dieser ruft auch Kritiker auf den Plan. Für so manchen Bezirkspolitiker in Berlin, der gegen Gentrifizierung kämpft, wurde der erfolgreiche Bauunternehmer zur Zielscheibe. Seine Auseinandersetzung mit Florian Schmidt, seines Zeichens Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg ist legendär. Für die linke Szene ist Gröner gar ein regelrechtes Feindbild. Erst kürzlich wurden Baustellen der CG Gruppe in Leipzig sabotiert, auch ein Projekt der CG Gruppe in Berlin ist der autonomen Szene ein Dorn im Auge.

 

Ronald Pofalla fordert mehr Einsatz für Digitalisierung und Fortschritt

CG Gruppe Neujahrsempfang, Keynote-Sprecher Profalla

Keynote-Speaker Ronald Pofalla. Foto: Business Network

Doch Gröner lässt sich nicht einschüchtern. Auf dem Neujahrsempfang seiner CG Gruppe, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert, gab sich der Unternehmer nun kämpferisch. Gemeinsam mit Keynote-Speaker Ronald Pofalla, Vorstand der Deutschen Bahn, nahm Gröner die Entscheider aus der Politik in die Pflicht: Mangelhafte Umsetzung der dringend notwendigen Digitalisierung, langwierige und komplizierte Verfahren in den Behörden, zu wenig Einsatz für Klimaschutz. Gröner und Pofalla sehen dringenden Handlungsbedarf in den oberen Etagen der Politik, aber auch in den Amtsstuben der zuständigen Kommunen und Gemeinden. Zu viel Bürokratie, zu wenig Fortschritt, Klientelpolitik und nicht eingehaltene Versprechen – das macht sowohl der Deutschen Bahn als auch der CG Gruppe zu schaffen.

CG Gruppe ist Vorreiter im Klimaschutz

Ein Beispiel, das aktuell in aller Munde ist, ist der Klimaschutz. „Andere reden nur, wir sind aktiv im Klimaschutz“, Gröner sieht seine CG Gruppe als innovativen Vorreiter in Energiefragen, moderne Photovoltaik- und Geothermieanlagen sind unbedingter Bestandteil von Projekten der CG Gruppe. Bei einem Projekt in Fellbach/Stuttgart wurden zudem Windströmungsturbinen eingesetzt. „Die Politik diskutiert lieber über das Tempolimit, das bewiesenermaßen so gut wie nichts zur CO2-Einsparung beitragen würde. Deutlich zielführendere Maßnahmen sind auf der politischen Agenda – und im Übrigen auch auf der Medienagenda – leider nicht zu finden.“

Digitalisierung in der Baubranche

Ein besonderes Anliegen sind Gröner die digitalen Möglichkeiten in der Bauindustrie. Nur durch die digitale Transformation kann sich die deutsche Bauindustrie verändern, um Bauen zukünftig einfacher, schneller und günstiger zu gestalten – so das Credo des Unternehmers. BIM und serielle Fertigung, das sind die Schlagworte, die nicht weniger als die Zukunft des Bauens bedeuten. Gröner sieht in diesen Bereichen großen Handlungsbedarf und ruft die gesamte Branche dazu auf, die Möglichkeiten zu nutzen und damit Wohnraum zu schaffen, der für Menschen aus allen Einkommensschichten bezahlbar ist. Die Strategien der Politiker, auf Wohnraummangel und Kostenexplosionen zu reagieren, sind aus Gröners Sicht populistisch und wenig bis gar nicht zielführend. Mietendeckel, Enteignung und Co. führen zu mehr Problemen als Lösungen – so die feste Überzeugung des Selfmade-Millionärs.

Herzensangelegenheit: Einsatz für die Schwachen der Gesellschaft

Was den Chef der CG Gruppe besonders auszeichnet, ist sein Einsatz für die Schwachen in der Gesellschaft, ganz besonders Kinder und Jugendliche liegen Gröner am Herzen. Ein wesentlicher Teil des Gewinns der CG Gruppe, aber auch aus Gröners privatem Vermögen, kommt Einrichtungen und Institutionen zugute, die sich um benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmern. Der Unternehmer ist überzeugt „Wirtschaft kann Kinder!“ In diesem Zusammenhang nahm Gröner die anwesenden Branchenkollegen in die Pflicht: „Wir alle müssen etwas tun und uns gegen Ungerechtigkeit und Benachteiligung stellen. Jeder muss im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv werden. Denn nur so kann es uns gelingen, in einer fairen Gesellschaft zu leben, in der alle die gleichen Chancen haben.“

Ein Unternehmer, der sich einsetzt und damit auch aneckt. Oft fühlt sich Gröner zu einseitig dargestellt und versucht, den Dialog zu führen – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Doch fest steht, dass der Ausnahme-Unternehmer weiter seinen Weg gehen und die Erfolgsgeschichte der CG Gruppe fortschreiben wird. Am meisten davon profitieren neben der gesamten Branche, die hoffentlich dem Vorreiter und Taktgeber Gröner besonders in Digital- und Energiefragen folgen werden, die Städte in ihrer Wohnungsnot, aber ganz besonders auch Kinder und Jugendliche, denen durch die großzügige Unterstützung ein fairer Start ins Leben ermöglicht wird. (red)

Neues Jahr, alter Hase – der Berliner Mietendeckel

2020 ist erst knapp eine Woche jung und schon macht der Mietendeckel wieder von sich reden. Kenner der Branche befürchten, dass das Gesetz zur Eindämmung der Wuchermieten in der Hauptstadt, das bereits Anfang dieses Jahres in Kraft treten soll, verheerende Auswirkungen auf die Bauindustrie nehmen wird. So sagte Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, bereits im September 2019 „eine politische Verunsicherung der Vermieter und Investoren“ voraus. Und auch aktuell steht die Baubranche vor einer nicht vorhersehbaren Zukunft – denn Investoren sind weiterhin skeptisch und verunsichert.

Rückgang von Investitionen und Umsatzeinbußen

Wie die Berliner Morgenpost berichtete, gehe der Bauindustrieverband Ost eigenen Berechnungen zufolge von einem jährlichen Umsatzverlust der Branche in Milliardenhöhe aus, sollte sich die Situation weiter zuspitzen. So sind laut einem aktuellen Konjunkturbericht des Wirtschafts- und Arbeitgeberverbands der bauindustriellen Unternehmen in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt für den Oktober 2019 die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits um über 31 Prozent auf 232 Milliarden Euro gesunken.

Gleiches zeigen auch die Zahlen des Amts für Statistik Berlin Brandenburg. Zwar hängt dieser starke Rückgang unter anderem mit einem auftragsstarken Oktober im Jahr 2018 zusammen, allerdings bestätigt diese Tendenz auch die Befürchtung des Bauindustrieverbands Ost vor einem Rückgang der Neubauinvestitionen.

Jahrzehnt der Investitionen – Jahrzehnt des Neubaus?

Der Berliner Senat lässt sich unterdessen nicht weiter von den Befürchtungen der Baubranche beirren. In seiner Neujahrsrede gab sich der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, optimistisch und versicherte, weiterhin in bezahlbaren Wohnraum zu investieren: „Bauen – Kaufen – Deckeln: Das ist unser Programm, um Wohnraum zu sichern und zu schaffen. Und mit dem Mietendeckel gehen wir einen vollkommen neuen Weg, damit Sie eine fünfjährige Atempause von Mieterhöhungen erhalten.“

Förderungen von Neubauwohnungen nehmen zu

Zum vom Senat ausgerufenen Jahrzehnt der Investitionen gehört auch, in den Neubau zu investieren. Im Zuge dessen hat das Land Berlin bereits die Förderung zahlreicher Neubauwohnungen zugesichert, um die steigenden Kosten im Wohnungsbau auszugleichen. „Die Bewilligung von 1.778 geförderten Neubauwohnungen ist mit Blick auf den kurzen Zeitraum seit Einführung der neuen Förderbestimmungen ein wichtiger Zwischenschritt zur Erfüllung der Ziele in den Programmjahren 2019/20“, so Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher. (sz)

„Filmförderung hat einen hohen Stellenwert in Deutschland“

Im Gespräch mit Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien

Filme und Serien sind wirkungsmächtige künstlerische Ausdrucksformen. In der Kultur spielen sie daher als Spiegel der Realität eine wichtige Rolle. Die BERLINboxx sprach mit der Kulturstaatsministerin Monika Grütters über Filmförderung, die Rolle des Films in der Gedenkkultur und die Zukunft des deutschen Films.

Für das Jahr 2019 standen 1,9 Milliarden Euro für den Bereich Kultur und Medien zur Verfügung. Knapp 193,6 Millionen Euro flossen in den Bereich Film – welchen Stellenwert nimmt die Filmförderung in Deutschland ein?

Mit über 190 Millionen Euro allein aus dem Bundeshaushalt ist die Filmförderung in Deutschland gut aufgestellt. Nicht zu vergessen sind die zusätzlichen Mittel der Filmförderungsanstalt und der Länderförderer. Bereits diese Summen unterstreichen den hohen Stellenwert der Filmförderung in Deutschland. Die Filmförderung wird auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil der Kulturpolitik sein, um den deutschen Film in einem schwierigen internationalen Umfeld weiter konkurrenzfähig zu machen und zu erhalten.

Ausländische Filmemacher sind oft abgeschreckt, weil in Deutschland – im europäischen Vergleich – nur wenige Fördermittel zur Verfügung stehen. Warum ist das so?

Dass für ausländische Filmemacher keine ausreichenden Fördermittel zur Verfügung stehen würden, ist nicht zutreffend. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 2017 wurde der DFFF II eingeführt, der sich in erster Linie an internationale Großproduktionen richtet. Auch in diesem Jahr stehen für Förderungen nach dem DFFF II wieder 75 Millionen Euro zur Verfügung. Pro Film können bis zu 25 Millionen Euro vergeben werden. Daneben ist im vergangenen Jahr der German Motion Picture Fund (GMPF) in die Zuständigkeit der BKM gewechselt, der ebenfalls aufgestockt wurde (nämlich um 50 Prozent). Vom GMPF profitieren insbesondere auch internationale Produktionen. Insgesamt wurden die Mittel für die Produktionsförderung der BKM in den letzten Jahren verdreifacht. Damit ist Deutschland im internationalen Standortwettbewerb vorne mit dabei.

Zu Ihrem Verantwortungsbereich gehört auch die Förderung von Gedenkkultur, insbesondere der große Bereich der Erinnerung an NS-Herrschaft und SED-Diktatur. Gerade für die Zeit des Dritten Reichs und den Holocaust stehen immer weniger Zeitzeugen zur Verfügung. Welche Auswirkungen hat dies auf die Verteilung der Fördermittel?

Auf Initiative und mit Finanzierung durch BKM betreibt die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland seit 2017 eine neue zentrale Video-Sammlung von Zeitzeugeninterviews zur deutschen Geschichte unter www.zeitzeugen-portal.de. Der Bestand lädt dazu ein, individuelle Erzählungen über die Vergangenheit zu entdecken, zu recherchieren und zu analysieren. Das Portal richtet sich an eine breite Zielgruppe: an Geschichtsinteressierte, an Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrer, an Multiplikatoren, Studierende und Wissenschaftler. Es will der gewachsenen Bedeutung von Zeitzeugeninterviews und ihrem Vermittlungspotential Rechnung tragen sowie für die Besonderheiten des Mediums „Zeitzeugeninterview“ sensibilisieren.

Filmförderung

Blick hinter die Kulissen – so entstehen Zeitzeugeninterviews | Foto: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/Lina Harder

Zurzeit umfasst die Seite www.zeitzeugen-portal.de den Bestand des ehemaligen Vereins „Gedächtnis der Nation“. Dabei handelt es sich um rund 1.000 Interviews zur deutschen Geschichte, die in rund 8.000 einzelnen Clips auf dem Portal anzusehen sind. Hinzu kommt Material aus dem Archivbestand des ZDF, darunter rund 40 Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten der deutschen Zeitgeschichte. Diese Inhalte sind über die drei Zugänge „Zeiträume“, „Themen“ oder „Personen“ erschließbar. Der derzeitige Inhalt soll sukzessive um weitere Bestände ergänzt werden. Das Portal wird zudem kontinuierlich mit weiteren Funktionen ausgestattet und mit zielgruppenspezifischen weiterführenden Informationen versehen.

Für den SED-Bereich gilt ergänzend, dass alle Einrichtungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Zeitzeugenprogramme unterschiedlichster Art betreiben, teilweise auch Audio- und audiovisuelle Dokumentation vornehmen. Dies erfolgt jedoch in der Regel nach wissenschaftlichen Kriterien, nicht nach den dramaturgischen Regeln des Films.

Welche Rolle könnte hier der Film einnehmen, um diese Lücke zu füllen?

Filmförderung

Geschichte erleben: Aktuell können über das Zeitzeugenportal rund 1.000 Interviews
zur deutschen Geschichte in rund 8.000 einzelnen Clips abgerufen werden | Foto: Johannes Zappe

Das Medium Film hat durch seine vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten besonderes Potential, um Geschichte zu dokumentieren, aber vor allem auch neu zum Leben zu erwecken und damit für nachfolgende Generationen greif- und nachvollziehbarer zu machen. Die verschiedenen Filmförderungsinstrumente stehen natürlich auch Filmemachern zur Verfügung, die sich historischen Stoffen – ob in dokumentarischer oder fiktionaler Form – annehmen möchten und hierfür finanzielle Unterstützung benötigen, wobei auf Bundesebene ausschließlich Kino- und High-End-Serienproduktionen gefördert werden können. So wird auch ein weiterer Beitrag geleistet, um die Erinnerungen von Zeitzeugen künstlerisch aufzuarbeiten, zugänglich zu machen und für das kollektive Gedächtnis zu erhalten.

Was wünschen Sie sich für den deutschen Film 2020?

Für das kommende Jahr wäre wünschenswert, dass mit all dem in Deutschland zur Verfügung stehenden kreativen und finanziellen Potential wieder ein deutlicher Anstieg der Besucherzahlen und Umsätze auf dem Kinomarkt erreicht werden kann. Die Kino-Bilanz der FFA für das erste Halbjahr 2019 und die für dieses Jahr noch angekündigten, erfolgversprechenden Kinostarts stimmen insofern zuversichtlich, dass sich die sehr enttäuschenden Zahlen des Jahres 2018 wohl nicht wiederholen werden.

Zu hoffen ist allerdings auch, dass alle Beteiligten aus diesem Tief lernen und Konsequenzen ziehen werden. Gemeinsames Ziel sollte es sein, sowohl das Kino für die exklusive Erstauswertung von Filmen als auch den deutschen Film an sich wieder attraktiver für den Zuschauer zu machen. Nicht zuletzt würde es mich natürlich auch freuen, wenn der deutsche Film auch international noch besser reüssieren würde. (dd)