Flughafen Schönefeld: Auf Umwegen in den Urlaub

Pünktlich zum Beginn der Berliner Sommerferien und zum Urlaubsstart für viele Familien stellt die Deutsche Bahn den S-Bahnverkehr zum Flughafen Schönefeld ein. Ausgerechnet zum Beginn der Hauptreisezeit begannen die Bauarbeiten an der S-Bahnstrecken der Linien S9 und S45. Im gestellten Ersatzverkehr kam es bereits am ersten Tag zu Problemen.

Chaos auf dem Weg zum Flughafen Schönefeld

Die wichtigsten Bahnverbindungen zum Flughafen Schönefeld sind ab Bahnhof Baumschulenweg bis zum 5. Juli unterbrochen. Zudem sind die Linien S46, S47, S8, und S85 beeinträchtigt. Deshalb müssen Reisende auf einen Schienenersatzverkehr (SEV) umsteigen. Doch bereits am Mittwoch kam es zu chaotischen Szenarien.

Ab Baumschulenweg fahren Ersatzbusse zum Airport. Allerdings funktionierten diese am Mittwochvormittag teilweise noch nicht richtig. Bei dem SEV der Linie S9 Richtung Flughafen Schönefeld kam es zu langen Schlangen und Verspätungen. Einige Personen mussten vom Busfahrer aufgefordert werden, die Busse zu verlassen, da diese überfüllt waren. „Die folgenden Busse kommen in unregelmäßigen Abständen“, teilte ein zuständiger Mitarbeiter der S-Bahn Berlin vor Ort mit. Grund für die Unregelmäßigkeiten seien zu wenige Busse und ein Unfall gewesen, so der Mitarbeiter weiter.

Unwissende Busfahrer – drängelnde Urlauber

Viele Fahrgäste zeigten überraschenderweise Verständnis für die Gleisbauarbeiten. Allerdings bemängelten sie die langen Wartezeiten und unkoordinierte Organisation sowie die fehlende Auskunft über spätere Busse. Auch die Busfahrer konnten den Reisenden keine weiteren Informationen über die Ersatzbusse geben. „Wann der nächste Bus kommt, weiß ich nicht“, sagte ein Busfahrer, „Die stehen im Stau“. Da die meisten Personen nicht weiter warten wollten, wurde beim Einsteigen gepöbelt, gedrängelt und geschubst.

3,3 Kilometer Gleise werden ausgetauscht

Die Zahl der Flugpassagiere wird sich in den Sommerferien definitiv erhöhen. Deswegen rät die S-Bahn Berlin von der Anreise mit den Ersatzbussen ab. Stattdessen empfiehlt sie direkt mit den Regionalzügen der Linien RE7 und RB14 aus dem Stadtzentrum anzureisen.

Die Bauarbeiten an den Gleisbetten der Strecke seien nicht aufschiebbar, teilte die Bahn mit. Zwischen Grünau und dem Grünauer Kreuz sowie zwischen Adlershof und Schöneweide müssten insgesamt 3,32 Kilometer Gleise ausgetauscht werden, so die S-Bahn. Zudem werde währenddessen eine Entwässerungsleitung erneuert und der S-Bahnhof Schöneweide erhälte, nach über 100 Jahren Betrieb eine Generalüberholung.

Die Bahn wollte den Fahrgäste eigentlich einen Gefallen tun, wie aus ihrer Ankündigung zu den Bauarbeiten deutlich wird: „Wenn viele Berliner und Brandenburger im Urlaub sind, nutzt die DB diese Zeit und investiert in die Instandhaltung. Daher wird in den kommenden Wochen fleißig gebaut, was sich auch auf den S-Bahnverkehr auswirkt“.

CDU ist anderer Meinung

CDU-Abgeordneter Oliver Friederici bezeichnet den gewählten Zeitraum hingegen als „sehr unglücklich gewählt“. Zumeist sei es richtig, wenn große Baustellen an Verkehrswegen auf die Ferienzeit gelegt werden, aber bei der Zuführung zu einem Flughafen sei das etwas anderes, so Friederici. Er meint: „Da gelten ja die umgekehrten Gesetze. Dann hätte man lieber in der Schulzeit bauen sollen“. (lb)

Berlin wächst weiterhin – nur langsamer

Berlin wächst weiterhin, aber nicht mehr so schnell wie noch in den letzten Jahren. Die Einwohnerstatistik für 2018 zeigt, dass die Hauptstadt im vergangenen Jahr um 31.300 Menschen gewachsen ist. Doch ohne Zuwanderung aus dem Ausland würde die Hauptstadt schrumpfen.

Einwohnerstatistik für 2018: mehr Einwohner mit ausländischem Pass

2018 verbuchte Berlin ein Bevölkerungsplus von 31.300 Menschen. In den letzten fünf Jahren hatte sich die Einwohnerzahl noch durchschnittlich um 47.700 pro Jahr erhöht. Die Zahl der Berliner Einwohner mit deutschem Pass ging 2018 um 6.000 zurück, während die Einwohnerzahl von Menschen mit ausländischem Pass um über 37.000 stark zunahm. Dies geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Statistischen Amts Berlin-Brandenburg hervor.

Berlins Wachstum würde also ohne die starke Zuwanderung, und dem damit in Verbindung stehenden Geburtenüberschuss in anderen Ländern, zurückgehen. Das kommt vor allem durch den seit mehreren Jahren anhaltenden Trend in Deutschland: Es sterben mehr Menschen als geboren werden. Zudem ziehen mehr Menschen ins Umland als in die City. Dagegen ist der Anteil der Bevölkerung mit ausländischem Pass auf 18,5 Prozent gestiegen. Die Stadt an der Spree wird also immer internationaler. Und dabei fällt der Blick nicht auf die zahlreichen Touristen, sondern auf die Einwohner aus mittlerweile über 193 Nationen.

Ein-Personen-Haushalte nehmen zu

Das Amt für Statistik zählte zum Jahresende 2018 3.644.998 Berliner, von denen laut Statistik mehr als ein Viertel alleine leben. Der Anteil der Ein-Personen-Haushalte hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Aus einer Langzeituntersuchung des Amts für Statistik wird deutlich, dass die Zahl der Ein-Personen-Haushalte seit 1991 um 36,3 Prozent gewachsen ist. Dagegen ging die Zahl der Haushalte, in denen drei oder vier Menschen leben, bis 2018 um 16,4 Prozent zurück

Brandenburg profitiert von Suburbanisierung

Das Nachbarland Brandenburg ist dabei ein Gewinner des Prozess der Suburbanisierung. Im vergangenen Jahr konnte die Mark ein Bevölkerungszuwachs von 20.800 Menschen verzeichnen. Viele von ihnen stammen aus Berlin. Dadurch konnte das starke Geburtendefizit von 12.800 Personen ausgeglichen werden.

Weiterhin arm (aber sexy?)

Berlin ist trotz des wirtschaftlichen Wachstums der vergangenen Jahre weiterhin eine arme Stadt. Laut Statistik lag die Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr bei mehr als 16 Prozent. Bereits 1991 waren es 16,7 Prozent – es hat sich also nicht viel verändert. Auch das mittlere Haushaltseinkommen bestätigt den Trend. Es lag 1991 bei 1175 Euro netto monatlich. 2018 waren es lediglich 200 Euro mehr. Das entspricht einem durchschnittlichen realen Einkommenswachstum von jährlich 0,5 Prozent und liegt damit deutlich unter dem deutschen Schnitt.

Der bekannte Spruch von Klaus Wowereit „Berlin ist arm, aber sexy“ lockte viele Menschen aus dem In- und Ausland nach Berlin. Das „arm“ trifft nach dem Statistischen Amt Berlin-Brandenburg auch weiterhin auf die Hauptstadt zu. An dem „sexy“ kommen dank des langsameren Wachstums und Zuzugs, vor allem bei deutschen Bürgern, Zweifel auf. (lb)

Dietmar Woidke fordert Ausweitung des Nachtflugverbots am BER

Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fordert erneut eine Ausweitung des Nachtflugverbots für den Flughafen BER in Schönefeld. In einem Interview gegenüber der Berliner Morgenpost sagte Woidke, dass er derzeit intensive Gespräche mit der Geschäftsführung führe. Das Land Berlin zeigt sich gesprächsbereit.

BER: Flugverbot zwischen fünf und sechs Uhr

Seit Jahren ist das Nachtflugverbot am BER umstritten. Dietmar Woidke fordert ein längeres Flugverbot in der Nacht, um die Anwohner in Brandenburg vor Flug-Lärm zu schützen. Bisher ist ein striktes Flugverbot für die Zeit von 0 Uhr bis 5 Uhr vereinbart. Laut Woidke sollen auch eine Stunde vor und nach dieser Nachtpause Starts und Landungen nur eingeschränkt möglich sein. Allerdings geht es vor allem um die Stunde zwischen fünf und sechs. „Wir glauben, dass die eine Stunde die Möglichkeiten des Flughafens, Geld zu verdienen, nicht schmälert“, sagte Woidke der Berliner Morgenpost.

Nach Berechnungen der Flughafengesellschaft (FBB) würden davon aber die Passagierzahlen erheblich beeinflusst. Je nach Reaktion des Marktes sei mit einem Verkehrsrückgang von acht bis 18 Prozent zu rechnen, heißt es in einer von der FBB in Auftrag gegebenen Untersuchung. Damit würden zwischen den Jahren 2020 und 2035 mindestens 57 Millionen und bis zu 128 Millionen Fluggäste weniger am Flughafen abfliegen können, heißt es weiter.

BER-Chef will längere Flugzeiten

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte sich zuletzt für längere Flugzeiten ausgesprochen. „Wenn wir mit dem BER erfolgreich sein wollen, kommen wir ohne die Randzeiten trotzdem nicht aus“, sagte Lütke Daldrup. „Insbesondere die für die gesamte Region wichtigen Langstreckenverbindungen nach Amerika und Asien müssen die Möglichkeit haben, die Randzeiten nutzen zu können.“ Allerdings liegt die Entscheidung darüber bei den drei Gesellschaftern des Flughafens, Berlin, Brandenburg und dem Bund.

Forderungen vor Landtagswahl

Die Forderung stellt Ministerpräsident Woidke inmitten des Wahlkampfs für die Landtagswahl in Brandenburg im kommenden September. Angesichts schlechter Umfragewerte für die SPD steht er unter Druck, die Ausweitung der Verbotszeit zu fordern. Denn ein erfolgreiches Volksbegehren hatte dies gefordert. In Brandenburg sind nach Schätzungen mehrere zehntausend Menschen von dem Fluglärm des BER betroffen. Die Mitgesellschafter der Flughafengesellschaft, das Land Berlin und der Bund, hatten bisher jedoch wenig Interesse an einer Ausweitung der Verbotszeiten erkennen lassen. Dies scheint sich nun zu ändern.

Prüfauftrag wurde erteilt

Bereits im Januar 2019 stand das Thema bei einer gemeinsamen Sitzung der Landesregierungen von Berlin und Brandenburg auf der Tagesordnung. Der Bund habe dabei einem Prüfauftrag für eine Ausweitung des Nachtflugverbots nicht widersprochen, hieß es. SPD, die Linken und die Grünen hatten sich im Koalitionsvertrag nicht eindeutig festgelegt. „Ziel ist es, regelmäßig zu Lärmpausen von sieben Stunden in der Nacht zu kommen“, heißt es in der Vereinbarung. Zustimmung für eine Ausweitung der Flugverbotszeiten gab es von den Linke und den Grünen.

Keine Äußerung der Flughafengesellschaft

Das Land Berlin zeigt sich gesprächsbereit. „Die Gesellschafter stehen mit der Flughafengesellschaft zum Thema Nachtflugverbot in engem Austausch“, sagte die Sprecherin des Berliner Senats, Claudia Sünder am Sonntag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Dagegen wollte sich die Flughafengesellschaft am Sonntag nicht zu dem Thema äußern. Sprecher Daniel Tolksdorf sagte: „Das ist ein Thema der Gesellschafter“. Doch Engelbert Lütke Daldrup hatte bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er von dem Vorstoß wenig hält. (lb)

 

 

Waldbrand bei Jüterbog: immer noch keine Entwarnung

Der seit mehreren Tagen anhaltende Waldbrand bei Jüterbog ist immer noch nicht komplett gelöscht. Der Landkreis Teltow-Fläming stufte das Feuer auf dem ehemaligen Truppenplatz am Donnerstag als Großschadenslage ein und übernahm die vollständige Einsatzleitung. Nach dem gestrigen Gewitter hat sich die Lage zwar entspannt, aber es kann noch immer keine Entwarnung gegeben werden.

Größter Waldbrand in Brandenburg seit Jahrzehnten

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog standen zwischenzeitlich rund 800 Hektar in Flammen. Nach Einschätzung des Umweltministers handelt es sich dabei um den größten Waldbrand in Brandenburg seit Jahrzehnten. Kreisbandmeister Tino Gausche sprach am Donnerstag von einer einmaligen Dimension und betonte: „Das hatten wir so noch nie“. Bereits 2018 gab es riesige Brände in Brandenburg, die Rekorde brachen. Bei Treuenbrietzen brannten im August 2018 343 Hektar.

Regen und Gewitter haben für etwas Entspannung gesorgt. „Der Regen vom Donnerstag hat uns schon ein bisschen geholfen“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Freitagmorgen. Das Feuer hätte sich, laut ihm nicht weiter ausgebreitet. „Wir kümmern uns jetzt um die Glutnester und fahren Streife“, sagte der Sprecher weiter. Seit dem späten Donnerstag sei das Feuer unter Kontrolle, gab ein Einsatzleiter im rbb bekannt.

Wind könnte Feuer erneut entfachten

Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) sei für Freitag kein weiterer Regen angesagt. Dagegen können in der Nacht zu Samstag noch einmal fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter fallen und die Situation weiter entspannen. Allerdings erwartete der DWD für den Sonnabend auch Wind und Böen in Brandenburg. „Wenn die Feuer bis dahin nicht gelöscht sind, könnte der Wind sie erneut anfachen“, sagte ein DWD-Sprecher.

Streit durch Abzug von Feuerwehrleuten

Am Donnerstag hatte der Landkreis Teltow-Fläming den Waldbrand als Großschadenslage eingestuft und die vollständige Einsatzleitung übernommen. Zuvor lag die die Einsatzleitung bei der Stadt Jüterbog, da der Truppenübungsplatz in deren Verwaltungsgebiet liegt. Jedoch sei das Ausmaß so groß gewesen, dass die Stadt das nicht mehr leisten konnte, teilte eine Sprecherin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Währenddessen hat der Bürgermeister von Jüterbog, Arne Raue (parteilos), die 14 Feuerwehrleute der Stadt aus dem Einsatz abgezogen, da die Situation für die Einsatzkräfte zu gefährlich sei. Untersuchungen hätten ergeben, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz verschiedene Munition erprobt worden sei. „Wir wissen, dass wir alle möglichen Chemikalien in der Erde haben, wir wissen aber nicht, wie sie miteinander reagieren“, sagte Raue. Mittlerweile seien Experten des Kampfmittelräumdienstes mit Messtechnik vor Ort, so eine Sprecher des Landkreises.

Kritik an Raues Entscheidung kommt vom Landesfeuerwehrverband Brandenburg. Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel sagte: „Ich kann nicht nachvollziehen, wie ein Bürgermeister seine Leute abzieht und die anderen die Arbeit machen lässt“. Man lasse keine Kameraden im Stich, fuhr er fort. Zudem sprach er sich für die Testung von Löschflugzeuge aus der europäischen Löschflugstaffel zur Bekämpfung von Waldbränden aus. Die Entscheidung darüber liegt jedoch beim Bund. Nach Angaben des Landesforstbetriebs ist Brandenburg wegen der vielen Kiefernwälder, wenig Niederschlägen und leichten Sandböden in Deutschland das Gebiet mit der höchsten Waldbrandgefahr.

Gefahr von Waldbränden

Die Waldbrandgefahr ist vor allem von Witterung und Vegetation abhängig. Bei hohen Temperaturen und Trockenheit nimmt sie zu. Der Deutsche Wetterdienst errechnet an Hand dieser Werte den sogenannten Waldbrandgefahrenindex (WBI) und leitet daraus die Waldbrandgefahrenstufen 1-5 ab. Dabei bedeutet 1= sehr geringe Gefahr und 5 = sehr hohe Gefahr. Die Gefahr von Waldbränden sollte in keinem Fall unterschätzt werden. Verhindern also Sie aktiv Waldbrände, indem Sie in den entsprechenden Gebieten zum Beispiel weder Rauchen noch Grillen. (lb)

Grundprinzip Nachhaltigkeit: Jouis Nour präsentiert auf dem Berliner Greentech Festival Bio-Innovationen aus Brandenburg

Im Rahmen des Berliner Greentech Festivals präsentierte sich der Berlin-Brandenburger Bio-Food-Hersteller Jouis Nour und stellt sein rundum ökologisches Konzept vor. Das Unternehmen setzt in jeder Hinsicht auf Nachhaltigkeit. Regionale und saisonale Rohstoffe, optimierte Lieferketten, eine nachhaltige Energieversorgung, recyclebare Verpackungen und natürlich der Verzicht auf jegliche Konservierungsstoffe: Jouis Nour ist ein Vorreiter der Bio-Food-Branche.

In der Mittagspause oder nach einem langen Arbeitstag – der Markt für Fertiggerichte und Snack-Food wächst seit Jahren – nicht nur in den Großstädten. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln und gesunden Alternativen zur herkömmlichen Ernährung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das Unternehmen Jouis Nour gehört seit über zehn Jahren zu den innovativen Taktgebern in diesem Bereich, das Konzept „BIO to go“ haben die Bio-Food-Spezialisten mitentwickelt. Bei der Herstellung seiner Produkte setzt Jouis Nour auf den Dreiklang regional, nachhaltig, frisch. Durch die Verwendung kontrolliert biologischer Zutaten ist gewährleistet, dass keine genetisch veränderten Rohstoffe eingesetzt werden.

Anfangs betrieb Jouis Nour Bistros und Restaurants. Um der rapide wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, stellten sie den Betrieb auf eine Food-Manufaktur um.

Längere Haltbarkeit ohne Konservierungsstoffe

„Ein großes Problem bei Bio-Produkten ist, dass diese ohne künstliche Konservierungsstoffe auskommen müssen und daher keine lange Haltbarkeit haben. Zuhause oder im Restaurant funktioniert das, man bereitet alles frisch zu und serviert es direkt. Unser Ziel war jedoch, dass unsere Snacks überall verkauft werden können“, beschreibt Martina Klapproth, die Jouis Nour gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Klapproth gegründet hat, die Entwicklung der Marke. Das Unternehmerpaar hatte sich zuvor schon mit der Gründung der PIN AG als grüne Alternative zur Deutschen Post einen Namen gemacht. Nun entwickelten beide gemeinsam die Vision für innovatives und wegweisendes Bio-Food. Deshalb wurde ein schonendes Herstellungsverfahren für Salate entwickelt, um dem BIO to go-Kunden ein frisches und naturbelassenes Produkt, das reich an Vitaminen und Antioxidantien ist, anbieten zu können. Heute besteht die Produktpalette des Unternehmens aus Salaten, Tartes, Snacks und Desserts – alles BIO.

Food-Manufaktur im brandenburgischen Dahlewitz

Mit der Veränderung des Konzepts kam die Suche nach neuen Räumen. Die Wahl fiel schnell auf das Brandenburgische Dahlewitz, zehn Kilometer südlich von Berlin. Hier eröffnete Jouis Nour 2018 eine neue Food-Manufaktur. Auf ca. 2.000 Quadratmetern befindet sich die Produktionsstätte im envopark. Durch eine hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage und eine Photovoltaikanlage wird eine ökologische und ökonomische Eigenversorgung sichergestellt. Damit können durch die smarte Kombination aus Gebäudeeffizienz und ökologischer Energieversorgung 30 Tonnen CO2 im Jahr vermieden werden. Der Standort hat einen ganz besonderen Stellenwert für Bernhard Klapproth: „Hier in Brandenburg haben wir für unsere Food-Manufaktur die besten Bedingungen gefunden. Der envopark ist einer der wenigen ökologischen Gewerbeparks in ganz Deutschland. Zusätzlich konnten wir die Wege unserer Lieferanten und Kunden verkürzen, sowohl in der Region Brandenburg, als auch in Berlin.“

Der Name „Jouis Nour“ setzt sich aus Abkürzungen der französischen Wörter „jouissance“ und „nourriture“, auf Deutsch „Genuss“ und „Ernährung“, zusammen. Die Rohstoffe stammen vorwiegend aus der regionalen Landwirtschaft und haben eine Bio-Zertifizierung. Bei der Auswahl der Rezepte spielen sowohl der Geschmack als auch die Anforderungen an eine ausgewogene Ernährung eine große Rolle. Die Jouis Nour-Produkte sind bereits im Markt etabliert. „Neben großen Namen der BIO Branche wie die Bio Company, Dennree und Alnatura finden sich unsere Produkte auch zusehends in Bäckereien, dem Lebensmitteleinzelhandel und Krankenhäusern“, freut sich Bernhard Klapproth.

Nachhaltig auf dem Greentech Festival

Die grüne Innovationsmesse Greentech Festival, die vom 23. bis 25. Mai auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof stattfand, wurde von circa 50.000 Menschen besucht und war ein einzigartiges Event für die grüne Technologie der Zukunft. Neben der Messeausstellung, den Green Awards und der Green Leaders Conference gehörte mit dem Rennen „Formula E“ das Spitzenevent des E-Motorsports zum Festival. Der ehemalige Formel-1-Fahrer Nico Rosberg ist Mitgründer des Greentech Festivals. (red)

„Die soziale Balance in der Stadt muss gehalten werden“

Im Gespräch mit Mike Schubert (SPD), Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam

Enteignung, Mietendeckel, Verdichtung – es gibt viele Ideen, um dem angespannten Wohnungsmarkt in Berlin zu begegnen. Doch wie blickt die Nachbarstadt Potsdam auf die Berliner Situation? Und wie läuft es dort? Die BERLINboxx sprach mit dem Oberbürgermeister von Potsdam Mike Schubert über den Potsdamer Wohnungsmarkt, Infrastrukturmaßnahmen, künftige Bauprojekte, Herausforderungen der Landeshauptstadt und die Unterschiede zu Berlin.

Was sagen Sie zu den Problemen in Berlin? Wo liegen diese Ihrer Meinung nach?

Berlin hat mit Michael Müller einen guten Regierenden Bürgermeister, der die wichtigen Themen angeht und die Versäumnisse aus den vergangenen Jahren ausgleichen wird. Die Themen ähneln denen in Potsdam: Soziale Balance schaffen, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen, die Modernisierung der Verwaltung beschleunigen und die vorhandenen Ressourcen aus Wissenschaft und Forschung in der Stadt für die Entwicklung der Stadt einzusetzen.

Was macht Potsdam besser als Berlin?

Es wäre vermessen zu sagen, wir machen etwas besser. Wir machen vielleicht Dinge anders, weil sie in einer Stadt mit 175.000 Einwohnern im Vergleich zu Berlin mit mehr als drei Millionen Einwohnern anders gemacht werden können – beispielsweise Transparenz und Bürgerbeteiligung.

Wir haben eine eigene Werkstatt für Beteiligung innerhalb der Verwaltung, die Bürgerbeteiligungen begleitet und moderiert. Wir haben einen Beteiligungsrat, in dem jede Potsdamerin und jeder Potsdamer sich einbringen kann und wir haben einen Potsdamer Bürgerdialog, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam die Stadt weiterzuentwickeln. Das erfordert viel Kraft, aber die Kommunikation mit dem Gesicht zu den Menschen ist mir sehr wichtig, um die Bürger in Prozesse einzubeziehen und somit die Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Und ich glaube daran, dass sowohl die staatlichen Institutionen als auch die Politik mit einer direkten Kommunikation mit den Bürgern auf Augenhöhe Vertrauen zurückgewinnen können.

Wie ist die Situation auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt? Welche großen Projekte gibt es aktuell?

Ich würde sagen, „angespannt“ ist der richtige Ausdruck. Nur ein Prozent der vermietbaren Wohnungen stehen leer. Und dass, obwohl in Potsdam jedes Jahr mehr als 1.500 Wohnungen mehr zur Verfügung stehen. Es wird gebaut, aber das Wachstum lässt nicht nach und verursacht immer wieder Schmerzen.

Entwickelt werden beispielsweise 750 neue Wohnungen innenstadtnah am früheren Tramdepot sowie weitere in Potsdam-West und im Bornstedter Feld. Das größte und wichtigste Projekt ist derzeit aber die Entwicklung des neuen Stadtteils Krampnitz zwischen der Potsdamer Innenstadt und dem Berliner Bezirk Spandau. Dieser frühere Militärstandort wird in den kommenden zehn Jahren zu einem Stadtteil für 10.000 Menschen ausgebaut – mit vier Schulen, sieben Kitas, Jugendklub, Gewerbeflächen und Straßenbahnanbindung ins Potsdamer Zentrum – eine Milliardeninvestition.

Welche Infrastrukturmaßnahmen stehen an?

Durch das Wachstum der Stadt und die neuen Wohngebiete müssen wir natürlich auch dafür sorgen, dass die Infrastruktur mitwächst. Daher bauen wir Straßenbahntrassen aus und eröffnen im Jahrestakt neue Schulen und Kitas. Zum Ausbau der Infrastruktur gehört auch die Sanierung des Versorgungsnetzes, also Wasser, Abwasser und Fernwärme – eine große Aufgabe für die kommunalen Stadtwerke. Da haben wir aus den vergangenen Jahren noch etwas Nachholbedarf, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Die anstehenden Sanierungen im Hauptstraßennetz in und rund um die Innenstadt werden in den kommenden Jahren wie eine Operation am offenen Herzen. Das Leben pulsiert – trotz schwerer Eingriffe.

Was sind die größten Herausforderungen für Sie als Oberbürgermeister von Potsdam?

Es muss uns auch in Zukunft gelingen, die soziale Balance in der Stadt zu halten. Wir dürfen es nicht zulassen, dass einzelne Viertel ihr Gesicht so verändern, dass Menschen wegziehen müssen oder es sich nicht mehr jeder leisten kann, dort zu wohnen. Daher bin ich froh, dass wir gemeinsam mit dem Land Brandenburg eine Wohnraumförderung wiederbelebt haben. Allerdings nicht wie früher für ein bestimmtes Bauvorhaben, sondern für Menschen, die darauf angewiesen sind. Technisch gesprochen gibt es statt einer Objekt- nun eine Subjekt-Förderung. Wir werden weiter daran arbeiten, dieses Programm auszubauen und den Menschen direkt zu helfen, damit sie ihren Kiez und das gewohnte Umfeld nicht verlassen müssen.

Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Das wichtigste Projekt ist, das Wachstum der Stadt behutsam zu gestalten und über das Tempo des Wachstums mit den Potsdamerinnen und Potsdamern einen Konsens herzustellen. Und als neuen Sehnsuchtsort stelle ich mir die Wiederherstellung des Stadtkanals durch das Zentrum der Stadt in den kommenden 30 Jahren vor. Das kann eine weitere belebende Wirkung für die Potsdamerinnen und Potsdamer entfalten. Der Stadtkanal ist nach Kriegsende 1945 nicht wieder hergestellt und in den 1960er Jahren zugeschüttet worden.

Wie stehen Sie als Oberbürgermeister zu den Plänen für das neue Digitalzentrum auf dem ehemaligen RAW-Gelände?

Es ist ein Projekt, das sehr gut zu Potsdam passen würde. Daran besteht kein Zweifel. Und alle Irritationen um die Höhe des neu zu bauenden Hauses oder um die Fassadengestaltung werden sich klären. Das Digitalzentrum mit 1.000 geplanten Arbeitsplätzen ist mit dem Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes auf den Weg gebracht und ich gehe davon aus, dass es letztendlich auch umgesetzt wird. Potsdam ist ein wirtschaftsfreundlicher Standort.

Das Bildungsforum bildet im Zentrum der historischen Innenstadt Potsdams einen wichtigen Treffpunkt rund um Bildung, Medien und Wissenschaft. | Foto: KIS/Werner Huthmacher

Die historische Mitte Potsdam wird weiter restauriert, im Gegenzug verschwinden immer mehr ehemalige DDR-Bauten. Für viele Bürgerinnen und Bürger verschwindet damit ein Stück Identität. Wie stehen Sie dazu?

Ich finde dieses Urteil zu pauschal. Ich bin im Neubauviertel im Zentrum-Ost in Potsdam aufgewachsen, es ist meine Heimat. Und für mich gehören die früheren DDR-Bauten wie die Seerose an der Neustädter Havelbucht, das Bildungsforum am Platz der Einheit und das frühere Terrassenrestaurant Minsk am Brauhausberg zur Identität der Stadt. In der Vergangenheit sind vor allem Funktionsgebäude aus der DDR-Zeit abgerissen worden, an deren Stelle nun neue, lebendige Stadtquartiere für Alle entstehen. (aw)

Potsdamer Traumschlösschen Villa Tummeley bekommt Zuwachs SANUS AG feiert Richtfest für die neue „Orangerie“

Nach langen Jahren des Leerstands und vielen Eigentümerwechseln geht es nun voran auf dem Gelände der altehrwürdigen Villa Tummeley. Erst im Herbst des vergangenen Jahres feierten die Sanierungsexperten der Berliner SANUS AG den Ersten Spatenstich für die neue „Orangerie“, nun wird schon das Richtfest begangen. Eines der bedeutendsten Baudenkmäler und beeindruckendsten Ensembles Potsdams nähert sich damit seiner Vollendung.

Richtfest: Links die Villa Tummeley, rechts der Rohbau der neuen Orangerie | Foto: Business Network

Richtfest: Links die Villa Tummeley, rechts der Rohbau der neuen Orangerie | Foto: Business Network

Schmuckstück in bester Lage

In der Berliner Vorstadt in Potsdam gelegen, ist die Villa Tummeley ein Schmuckstück in bester Lage. Die Villa im Tudor-Stil mit dem markanten Turm verfügt über einen der schönsten Blicke Potsdams über die Havel zum Babelsberger Park mit dem korrespondierenden Kleinen Schloss. Das Grundstück hat den Status eines Gartendenkmals und ist gekennzeichnet durch einen direkten Zugang zum Tiefen See. Die SANUS AG, die 2015 bereits den alten Potsdamer Landtag – im Volksmund „Kreml“ genannt – erworben hat, führt nun auch die denkmalgerechte Sanierung der Villa und die Realisierung der neuen „Orangerie“ durch.

Der Richtkranz hängt! | Foto: Business Network

Der Richtkranz hängt! | Foto: Business Network

Das Ensemble besteht aus Villa Tummeley, Offiziershaus und Orangerie

Das Areal hat eine Größe von insgesamt rund 11.000 m². Die Fläche ist aktuell mit zwei historischen Baukörpern bebaut: Die Villa Tummeley und das Offiziershaus. Um den historischen Kern dieser beiden Bestandsgebäude entsteht eine anspruchsvolle Quartiersentwicklung, die Alt und Neu harmonisch verbindet. Während die Villa und das benachbarte Offiziershaus fachgerecht saniert werden und das Offiziershaus außerdem erweitert wird, entsteht auf dem Gelände ein Neubau mit dem Namen „Orangerie“. Dabei handelt sich um einen Dreigeschosser mit zurückgesetztem Staffelgeschoss.

Denkmalprofis für die Sanierung

Die Villa Tummeley, die Mitte des 19. Jahrhunderts für den bekannten Potsdamer Kaufmann Eduard Tummeley gebaut wurde, ergänzt das historische Inventar der brandenburgischen Landeshauptstadt und reiht sich ein in die Riege prächtiger Potsdamer Baudenkmäler. Daher setzt die Stadt Potsdam auch für die Villa Tummeley ganz bewusst auf einen versierten Denkmalprofi. Die SANUS AG hat in Berlin schon einen eigenen Stil geprägt, der von der Berliner Politik gelobt und geschätzt wird und sich insbesondere durch eine behutsame und nachhaltige Vorgehensweise und eine enge Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz auszeichnet.

Highlight Villa Tummeley

„Die SANUS AG hat in ihrem mehr als zwanzigjährigen Bestehen schon einige außergewöhnliche Projekte realisiert. Die Villa Tummeley gehört jedoch in der Historie unseres Unternehmens zu meinen absoluten Highlights“, sagt Siegfried Nehls, Vorstand und Gründer der SANUS AG. „Die Restaurierung der historischen Bestandsgebäude und der Neubau sind eine Herausforderung, aber ein solches Projekt hat für mich einen ideellen Wert. Ich freue mich, dass die Baumaßnahmen so schnell voranschreitet und wir nun schon Richtfest für die neue ‚Orangerie‘ feiern können.“

Blick auf den See und Bootssteg | Foto: Business Network

Blick auf den See und Bootssteg | Foto: Business Network

Die SANUS AG und ihr Gründer und Vorstand Siegfried Nehls gelten seit mehr als zwanzig Jahren unter anderem als Experten für die denkmalgerechte und behutsame Sanierung von historischen Bauten. Durch Sanierung und Neubau hat das Unternehmen in der Hauptstadt mehr als 6.000 Wohnungen auf über 300.000 Quadratmetern geschaffen. (red)

Regierungsterminal am BER nicht repräsentativ genug

Am Rand des neuen Flughafens ist der erste Terminal komplett fertig. Doch der aktuelle Regierungsterminal am BER wird nur eine Übergangslösung bleiben. Denn der Bund möchte eine größere Empfangshalle für Staatsgäste.

Regierungsterminal am BER soll Übergangslösung bleiben

Wann der neue Hauptstadtflughafen fertig sein wird, ist noch immer ungewiss. Doch immerhin ein Terminal steht bereits einsatzbereit seit letztem Herbst. Der 70-Millionen-Neubau für Regierungsmitglieder und Staatsgäste ist als Zwischenlösung gedacht, bis 2025 das endgültige Regierungsterminal fertig ist. Neben vollausgestatteten Büros verfügt das Terminal  über Dolmetscherkabinen und einen Pressekonferenzraum. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke haben sich nun erneut in einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz dafür ausgesprochen, diese Überganglösung dauerhaft zu nutzen. Noch ist der Brief unbeantwortet.

Dauerhafte Lösung nicht möglich

Trotz Kosten in Millionenhöhe – aktuell sind 344 Millionen Euro veranschlagt – möchte der Bund einen neuen Regierungsterminal am BER bauen. „Um den international üblichen protokollarischen Anforderungen gerecht zu werden, ist für das Empfangsgebäude als Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland eine angemessene repräsentative Gestaltung vorgesehen“, heißt es in einer Stellungnahme der Bundesregierung.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) kritisiert die Pläne für den neuen Terminal deutlich. „Wenn es um Repräsentation geht, dann sollte man das bereits bestehende Terminal nutzen und gegebenenfalls qualitativ aufwerten. Als Finanzminister kann ich die Forderung des Bundes, noch einmal 344 Millionen Euro für einen Neubau in die Hand zu nehmen, nur mit einem Kopfschütteln quittieren. Auch der Bundesregierung sollte klar sein, dass am BER nur noch eine Devise gelten kann: Sparsamkeit!“, kommentiert Görke die Aussage der Bundesregierung.

Regierungsterminal am BER Dauerstreitthema zwischen Bund und Ländern

Bereits seit Jahren wird der Streit um den Regierungsflughafen am BER zwischen den Flughafengesellschaftern, den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund geführt. Eine Lösung scheint immer noch nicht in Sicht. Doch immerhin für die Weiternutzung des 70-Millionen-Neubaus gibt es bereits eine Lösung. Zieht die Bundesregierung 2025 in den neuen Regierungsterminal, soll der Vorgängerbau von Geschäftsfliegern mit ihren kleineren Maschinen genutzt werden. (aw)

Potsdamer Immobilienmarkt im Daueraufschwung: Nachhaltige Stadtentwicklung und konstruktives politisches Klima

Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt ließ keinen Zweifel an einer weiteren nachhaltigen Entwicklung der brandenburgischen Landeshauptstadt:„Ich sehe im Wohnungsmarkt ein beschleunigtes Wachstum bei einer ungebrochenen Nachfrage.“ Und auch bei Gewerbeflächen ist die Nachfrage größer als das Angebot. Von einer Blasenbildung, nach der Moderator Christian Hunziker fragte, also keine Spur. Das bestätigten auch die Immobilienexperten Jan Kretzschmar, Geschäftsführer KW-Development, Dr. Guido Sandler, Vorstand Bergfürst AG, Till Schwerdtfeger, Vorstand AOC Immobilien und Siegfried Nehls, Vorstand und Gründer SANUS AG, im Podium des 2. Potsdamer Immobiliengesprächs.

Wachstumsprognose für Potsdam zu konservativ

Siegfried Nehls,  der in Potsdam mit der Villa Tummeley und dem alten Potsdamer Landtag am Brauhausberg zwei prominente Projekte entwickelt, attestiert der Potsdamer Politik und Verwaltung ein konstruktives Umgehen mit Investoren und den Willen, dem überproportionalen Bevölkerungswachstum aktiv zu begegnen: „Potsdam packt die Aufgaben an und bietet ein gutes Klima für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Ich halte allerdings die Wachstumsprognose der Politik von 230.000 Einwohnern im Jahr 2030 für zu konservativ. Potsdam ist attraktiv und hat großes Potential. Es werden 2030 deutlich mehr Menschen in Potsdam leben als geschätzt“.

Immobilienexperten aus Potsdam und Berlin: v.l.n.r. Siegfried Nehls, Bernd Rubelt, Jan Holstein | Foto: BERLINboxx

Immobilienexperten aus Potsdam und Berlin: v.l.n.r. Siegfried Nehls, Bernd Rubelt, Jan Holstein | Foto: BERLINboxx

Das Wachstum muss allerdings auch gemanagt werden, so Bernd Rubelt: „Die Infrastruktur muss schneller wachsen, Kapazitäten in der Verwaltung aufgebaut werden und es muss aktiv eine Infrastruktur und Bodenpolitik betrieben werden, um das Wachstum auch für alle Bevölkerungsgruppen gerecht zu managen“. Auf Verwaltungsseite bestehe ein starker Handlungsdruck. Soziale-, Bildungseinrichtungen, Mobilitätsinfrastruktur und bezahlbare Wohnungen müssen ebenso geplant werden, um sozialen Frieden und Vielfalt zu gewährleisten. Rubelt: „Wir brauchen verschiedene Angebote. Das Problem liegt zur Zeit in der Mitte. Daher will die Stadt Potsdam Qualität fördern, konkret heißt das preisliche, soziale und stadträumliche Qualität“.

Viel Potenzial in der brandenburgischen Landeshauptstadt

An Entwicklungsgebieten mangelt es in der Landeshauptstadt nicht: Bornstedter Feld, Krampnitz, Fahrland-West, Brauhausberg oder Pirschheide, die Pipeline für neue Stadtquartiere ist gut gefüllt. „Diese Potentiale lassen sich nur mit privaten Entwicklern heben. Das macht aber auch die Attraktivität Potsdams aus. Große und komplexe Projekte und eine Politik und Verwaltung, die sich partnerschaftlich und konstruktiv gegenüber Investoren verhält“, stellt Siegfried Nehls fest. Und damit ist Potsdam fast ein Gegenbild zu Berlin, wo man den Eindruck hat, dass Investoren nicht gewollt sind. „Es ist schon ein Vertrauensverlust, wenn über Enteignung gesprochen wird“, so Siegfried Nehls zu der Debatte in der Bundeshauptstadt. „Mit Enteignung wird keine einzige neue Wohnung geschaffen“, ergänzt Bernd Rubelt.

Zusammenfassend hat die Diskussion auf dem 2. Potsdamer Immobiliengespräch folgendes Fazit ergeben: Potsdam hat eine Magnetwirkung auf Investoren, während Berlin an Anziehungskraft verliert. (red)

Konjunktur der Metropolregion Berlin-Brandenburg verliert an Schwung

Die Zeiten des Aufschwungs der Wirtschaft in der Metropolregion sind vorbei. So das Urteil der Industrie- und Handelskammern zur Konjunktur der Metropolregion.

Bericht der IHK Berlin und Brandenburg zur Konjunktur der Region

Die Industrie- und Handelskammern aus Berlin, Potsdam, Cottbus und Ostbrandenburg sprechen davon, dass die Konjunktur in der Metropolregion Berlin-Brandenburg nicht mehr so ungetrübt sei. Laut dem Bericht sei der gemeinsame Konjunkturklimaindex bereits zum zweiten Mal in Folge gefallen. Aktuell liegt er bei 134 Punkten, im Herbst 2018 lag er noch bei 138 Punkten. Zwar kann in diesem Bereich noch von einer Hochkonjunktur gesprochen werden, die Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in den beiden Bundesländern beurteilen diesen Abschwung jedoch als Verschlechterung ihrer Lage und werden skeptischer, heißt es in dem Bericht weiter. Viele Unternehmen erwarten, dass die Wachstumsdynamik auch in den kommenden Monaten weiter abnehmen wird.

Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen der Länder verhindern weiteren Aufschwung

Nicht nur die Konjunktureinflüsse durch die aktuelle Weltpolitik und der Fachkräftemangel stellen ein Risiko für die Unternehmensentwicklung dar. Vor allem wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen in der Metropolregion wie das öffentliche Vergaberecht seien das Hauptproblem, so die Aussage der Industrie- und Handelskammern. Sieben von zehn Unternehmen beteiligen sich nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen. Denn vergabefremde Kriterien und nicht immer marktgerechte Preise würden Aufträge der öffentlichen Hand unattraktiv machen.

„Wenn Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in der Metropolregion zunehmend als kritisch für die Entwicklung des Unternehmens einstufen, müssten in Politik und Verwaltung eigentlich die Alarmglocken läuten. Wenn sich dann auch noch die Konjunkturaussichten eintrüben, ist Handeln geboten. Die öffentlichen Investitionen müssen endlich auf den Weg gebracht, der Wohnungsbau beschleunigt und das Vergaberecht attraktiver gemacht werden. Vor allem jedoch braucht die Wirtschaft ein klares Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft seitens der Politik. Gedankenspielereien zur Verstaatlichung von Privateigentum schaden dem Standort und dass eine staatlich gelenkte Wirtschaft ökonomisch nicht funktioniert, dürfte die Vergangenheit hinreichend bewiesen haben“, fordert Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin.

(aw)