Berliner Speckgürtel: Jetzt boomen die Gemeinden

Die Hauptstadt ist ein teures Pflaster: Im ersten Quartal 2018 kostete eine Immobilie in Berlin-Mitte durchschnittlich 5.923 €/m². Ein Preis, den sich viele weder leisten können, noch wollen. Der Blick bei der Suche nach Wohneigentum wandert ins Umland. Aber ist der Berliner Speckgürtel wirklich noch eine Alternative? Die aktuelle Analyse des Immobiliendienstleisters McMakler kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: steigende Marktpreisentwicklungen im gesamten Berliner Umland im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem ersten Halbjahr 2017. Bei fast der Hälfte der Regionen legen die Preise sogar um mehr als zehn Prozent zu.

„Zahlreiche Seen, dichte Wälder und unverwechselbare Alleen – wohnen im grünen Speckgürtel von Berlin ist beliebt und äußerst attraktiv. Aber auch die explodierenden Immobilienpreise der Innenstadt treiben Immobiliensuchende ins Umland. Das befeuert die Preisentwicklung in allen Gemeinden, vor allem die bis dato günstigeren Standorte im Osten und Norden, wie Altlandsberg oder Oranienburg, holen sichtlich auf“, sagt Hanno Heintzenberg, Geschäftsführer von McMakler.

Berliner Preisniveau erreicht: Einige Umlandgemeinden sind teurer als Stadtbezirke wie Treptow oder Köpenick

Die teuersten Immobilien des Berliner Umlands mit durchschnittlich 3.756 €/m² liegen in den Gemeinden Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow. Gefolgt von Potsdam, wo Käufer derzeit 3.301 €/m² zahlen. Das ist ein Preisanstieg um fast zwölf Prozent beziehungsweise um über acht Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2017. Demnach sind diese zwei Umlandregionen sowie Glienicke/Nordbahn im Preisvergleich mit der Hauptstadt teurer als einige Berliner Stadtbezirke, wie Treptow oder Köpenick, wo der Quadratmeter im ersten Quartal 2018 durchschnittlich 2.802 Euro beziehungsweise 3.138 Euro kostete.

Die höchste Preissteigerung allerdings gab es im ersten Halbjahr 2018 in Zeuthen mit satten 14,7 Prozent auf 2.553 €/m², dicht gefolgt von Glienicke/Nordbahn mit 13,9 Prozent auf 3.212 €/m² und Wildau mit 13,8 Prozent auf 2.538 €/m². Unter den Spitzenreitern befinden sich unter anderem Straußberg, Altlandsberg, Petershagen/Eggersdorf, Fredersdorf-Vogelsdorf, Werneuchen, Oranienburg, Legebruch und Velten, die im Preisranking zwar auf den letzten Plätzen rangieren, aber deren Quadratmeterpreise im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 zwischen zehn und über 13 Prozent in die Höhe kletterten. Damit holen die Speckgürtelregionen im Osten und Norden Berlins deutlich auf.

Suchradius der Kaufinteressenten vergrößert sich

„Wir beobachten einen Überschwappeffekt im Berliner Speckgürtel. Gut zu sehen auch bei den Gemeinden Großbeeren und Wustermark, die von den hohen Preisen ihrer Nachbarn Potsdam, Teltow und Stahnsdorf profitieren. Der Suchradius der Kaufinteressenten erweitert sich immer mehr. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen“, schätzt der Immobilienexperte von McMakler.

Am günstigsten lässt sich Wohneigentum in Wustermark und Mittenwalde mit 2.103 €/m² beziehungsweise 1.769 €/m² erwerben. Damit liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Wohnimmobilien im Speckgürtel nur noch in Mittenwalde unter 2.000 Euro. Zudem sind Immobilien in Mittwalde nur halb so teuer wie in Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow.

Ausbau des Verkehrsnetzes macht äußere Regionen des Speckgürtels attraktiver

Auffällig ist auch, dass die Preisentwicklungen in Dallgow-Döberitz, Hennigsdorf und Brieselang nahezu stagnieren und sich der Preisanstieg unter einem Prozent kaum bemerkbar macht. Auch in Eichwalde und Falkensee mit durchschnittlichen Quadratmeterpreise um 2.520 €/m² beziehungsweise 2.823 €/m² erhöhen sich die Preise um nur 2,5 Prozent. Das ist ein weiteres Zeichen, dass Immobiliensuchende – vor allem junge Familien – auf andere Standorte ausweichen, um günstiger ein Haus oder eine Wohnung zu erwerben. „Wer mit dem Gedanken spielt, eine Immobilie im Berliner Umland zu kaufen und nur über ein begrenztes Budget verfügt, sollte nicht zu lange zögern. Die Preisentwicklung kennt aktuell nur eine Richtung und die zeigt nach oben. Zudem macht der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes auch die äußersten Regionen des Speckgürtels immer attraktiver“, ergänzt Heintzenberg.

Die Datenerhebung des Immobiliendienstleisters basiert auf einer Auswertung inserierter Kaufangebote für Häuser und Wohnungen (nur Bestandsbauten, Baujahr bis 2016) verschiedener Immobilienportale für das erste Halbjahr 2017 und erste Halbjahr 2018. Da sich jede Immobilie im Baujahr, der Wohnlage und Ausstattung unterscheidet, sind diese Immobilienpreise keine Grundlage für eine exakte Berechnung des Quadratmeterpreises, sondern dienen als Orientierung. (red)

Bündnis für Wasserstraßen: Volle Fahrt voraus?

Brandenburg fördert mit starken Bündnispartnern den Wassertourismus. Jährlich werden in der Hauptstadtregion rund 200 Millionen Euro Bruttoumsatz erwirtschaftet. Allerdings nur, wenn die Wasserstraßen weiterhin befahrbar bleiben.

Eine Region der Superlative: Berlin, Brandenburg und das angrenzende Mecklenburg Vorpommern verfügen über Europas größtes zusammenhängendes Seen- und Flussnetzwerk. Entsprechend floriert hier der Wassertourismus, wovon natürlich die ansässigen Unternehmen profitieren. Viele Firmen entwickeln jetzt innovative Geschäftskonzepte und wollen auch in Zukunft in den Brandenburgs Wasserstraßen investieren. Voraussetzung ist allerdings eine funktionierende maritime Infrastruktur.

Bündnis für Wasserstraßen

Ein Regionalkonzept des „Bündnisses für Wasserstraßen“, bestehend aus 18 Partnern, sieht vor, zukünftig ein dynamisches Seen- und Flussnetzwerk in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern zu gewährleisten. Hierzu diskutierten am 5. Juni 2018 gemeinsam Vertreter der Bundes- und Landespolitik über den neuen Kurs fürs deutsche Wasserstraßennetz. Auf dem Seminarschiff Orca ten Broke in Berlin-Mitte wurden die neuen wirtschaftlichen Dimensionen des Wassertourismus ausgelotet.

Da Wasserwege nicht an Bundeslandgrenzen enden, müssen die Rahmenbedingungen für eine vorwärtsgewandte Entwicklung des Wassertourismus in Zusammenarbeit mit dem „Bündnis Wasserstraßen“ absteckt werden. Die Industrie -und Handelskammern, Verbände, Wassertourismusinitiativen sowie weitere Partner erstellten dazu ein Konzept zum Erhalt und wirtschaftlichen Ausbau des Seen- und Flussnetzwerks.

Herausforderungen

Tatsache ist: Investitionsstaus und stockende Sanierungsprojekte, insbesondere Wartungen und Sanierungen von Schleusen, könnten gravierende Folgen nach sich ziehen. „Mecklenburg- Vorpommern und Brandenburg bieten ihren Gästen ein einzigartiges Erlebnis mit dem größten vernetzten Wassersportrevier Deutschlands. Die Gäste kommen genau deswegen und das sollte man nicht gefährden“, sagt der Stellvertretende Geschäftsführer und Marketingleiter der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, Mathias Knospe.

Ein Sinken der Touristenzahlen wäre ein herber Verlust für den gesamten ländlichen Raum Brandenburg und die dort ansässigen Unternehmen. Um weiterhin im europäischen Wettbewerb bestehen zu können, sind Investitionen notwendig – und gerade in die beliebten Nebenwasserstraßen. Dort brummt dank vieler Freizeitkapitäne der Tourismussektor. „Wenn wir es nicht schaffen, unsere mehr als 30.000 Kilometer Wasserstraßen mit seinen 3.000 Seen als attraktives Sport- und Tourismusrevier zu erhalten, dann wandern unsere Gäste ab“, befürchtet Potsdams IHK-Präsident Peter Heydenbluth, der zugleich Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg für das Bündnis für Wasserstraßen ist. Ein jährliches Umsatzvolumen von 200 Millionen Euro steht auf dem Spiel. (lj)

Rasante Preissteigerung auch im Berliner Umland

Der angespannte Berliner Wohnungsmarkt, der verstärkt Familien in das gut angeschlossene Umland treibt, kurbelt schon länger Brandenburgs Immobilienbranche an. Doch nun steigen auch dort die Preise in Rekordhöhen. Von 2012 bis 2016 nahmen die Einwohnerzahlen im Umland um 5,6 Prozent zu. In Berlin selbst waren es 5,9 Prozent. Besonders beliebt sind dabei die Regionen Potsdam, Falkensee und Königswusterhausen, ergab der Wohnungsmarktbericht der IBB. Das zunehmende Bauinteresse und die dementsprechenden Quadratmeterpreise bestätigt nun der Grundstücksmarktbericht 2017, den die Brandenburger Landesregierung aufsetzte. Gründe für den Boom sind die gute wirtschaftliche Lage und das niedrige Zinsniveau. Denn im Umland ist nicht nur der Platz für selbst erbauten Wohnraum gefragter denn je. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich bei Eigentumswohnungen und dem landwirtschaftlichen Ackerland ab. Gewerbeflächen sind bislang noch „entspannt“ zu haben.

Insgesamt wechselten 2017 über 35.300 Grundstücke in Brandenburg, für ganze 5,9 Milliarden Euro den Besitzer. Gegenüber 2016 stieg der Umsatz hierbei um acht Prozent, während auch das Bauinteresse im siebten Jahr ungebrochen ist. Dabei sind vor allem Gebiete mit gut angeschlossenem Berliner Nahverkehr sehr begehrt, für welche die Preise unvergleichbar hoch getrieben wurden. Inzwischen sind im südwestlichen Kleinmachnow Quadratmeterpreise von 527 Euro hinzublättern. Damit ist das Kaufen dort teurer als in der Landeshauptstadt. Potsdam-Mittelmark erscheint hier sogar als günstige Alternative.

 

In Kleinmachnow liegen die Grundstückspreise inzwischen höher als in der Landeshauptstadt Potsdam. | Foto: pixabay.com

In Kleinmachnow liegen die Grundstückspreise inzwischen höher als in der Landeshauptstadt Potsdam. | Foto: pixabay.com

 

Wegziehen aus der Berliner Wohnsituation wird nicht günstiger

Am teuersten werden die berlinnahen Grundstücke verkauft, wenn diese individuell mit Ein- oder Zweifamilienhäusern bebaut werden sollen. Als „Lokomotive“ der Grundstücksgeschäfte bezeichnet Jürgen Kuse, Vorsitzender des Gutachterausschusses, der den Grundstücksmarktbericht erarbeitet, auch das Grundstück für das Eigenheim. „Sie machen 60 Prozent aller Kauffälle und 45 Prozent des Gesamtumsatzes aus“, so Kuse. Hierfür wurden 2017 ganze 6.628 Kaufverträge unterzeichnet. Dabei bleiben die Zahlen der abgeschlossenen Verträge relativ stabil, der Umsatz steigt jedoch. Wodurch klar ist, dass sich die Nachfrage, die sich in den letzten Jahren praktisch verselbstständigte, direkt in den Grundstücks- und Immobilienpreisen niederschlägt. Dreieinhalb Mal so viel wie in ländlichen Gebieten, beispielsweise in Barnim oder im Havelland, kostet ein Haus im Berliner Umland. So äußert sich der zweithöchste Boom seit der Wende vor allem in direkter Nähe zur Hauptstadt.

In ländlicheren Umgebungen, aus denen man Berlin nicht innerhalb einer Stunde Fahrtzeit erreicht, sind Grundstücke noch erschwinglich. Während man in der Landeshauptstadt Potsdam und Umgebung Quadratmeterpreise von 400 Euro aufwärts zahlt, liegt man an den preiswertesten Orten noch unter sieben Euro. In Heideblick (Dahme-Spreewald) und Ziesar kostet der Quadratmeter bislang 5,48 beziehungsweise 6,47 Euro. Bei eigenem Kaufinteresse lohnt es sich derzeit also, die ländliche Marktlage permanent im Blick zu haben, bevor es auch in Brandenburg keine  bezahlbaren Grundstücke mehr gibt. In Berlin kann man wohl selbst durch aufmerksame Beobachtung wohl eher kein erschwingliches Grundstück mehr ergattern.

 

Mehrheitlich zwar selbst genutzt, ist eine Immobilie gerade jetzt auch eine beispiellose Geldanlage. | Foto: pixabay.com

Mehrheitlich zwar selbst genutzt, ist eine Immobilie gerade jetzt auch eine beispiellose Geldanlage. | Foto: pixabay.com

 

Ländliche Gebiete zukünftig als Berliner Umland gehandelt

Doch auch weiter entfernte Städte, wie in Nähe der Havel oder Cottbus werden gefragter. Hier stiegen die Zahlen der Kaufverträge um 78 beziehungsweise um 156 Prozent in den letzten Jahren. Eine bislang günstigere Alternative bieten kreisfreie Städte so wie Frankfurt (Oder), wo sich Quadratmeterpreise zwischen elf und 440 Euro bewegen. Durchschnittlich ist der Quadratmeter dort für 110 Euro zu haben. Doch auch dieser Mittelwert stieg 2017 um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Der Boom ist ungebrochen“, sagt Brandenburgs Innenstaatssekretärin Katrin Lange. Und dieser Boom weitet sich auch in ländliche Gebiete aus, da der anhaltende Preisanstieg auch zu einem veränderten Kaufverhalten führt. Mit Blick auf die Berliner Mietpreissprünge, ergattert man Alternativen für den Bau des Eigenheims in Unabhängigkeit vom Mietspiegel, solange diese noch halbwegs erschwinglich sind. Auch wenn man hierfür eine längere Fahrtzeit in Kauf nimmt. Mehrheitlich zwar selbst genutzt, ist eine Immobilie gerade jetzt jedoch auch eine beispiellose Geldanlage.

 

Nicht die beste Anbindung an die Hauptstadt zu haben, wird bald kein Argument mehr sein im Brandenburger Umland nicht zu bauen. | Foto: pixabay.com

 

Entwarnung für Gewerbeflächen

Für den Grundstücksmarktbericht analysiert ein unabhängiges Gremium aus Vertretern der Immobilienwirtschaft, die vom Brandenburger Innenministerium berufen werden, Kaufverträge des letzten Jahres. Notare übermitteln die beglaubigten Grundstücksverträge an die ehrenamtlich arbeitenden Gutachter des Ausschusses.

Beim Thema Gewerbeflächen können Unternehmen laut Gremium, anders als in Berlin, entspannter den passenden Standort finden oder sich überhaupt noch die Mühe einer Suche machen. Lediglich 1400 Flächen wurden 2017 verkauft, während die Quadratmeterpreise in Berliner Nähe durchschnittlich bei 66 Euro lagen. In berlinferneren Gebieten kann sich Gewerbe, das in Berlin keine Niederlassung mehr findet, derzeit für 19 Euro pro Quadratmeter ansiedeln. Das Land Brandenburg hingegen muss diese Chance der günstigen Standortfaktoren zukünftig kräftiger nutzen, um reale Ansiedlungen zu generieren.

 

Den Trend zu beobachten scheint essentiell, bevor der Wohntraum im Grünen, nach dem Wohnen im angestammten Kiez auch noch platzt. | Foto: pixabay.com

Den Trend zu beobachten scheint essentiell, bevor der Wohntraum im Grünen, nach dem Wohnen im angestammten Kiez auch noch platzt. | Foto: pixabay.com

 

Ungebrochener Boom, steigende Preise

Obwohl die bevorzugten Annehmlichkeiten des Umlandes ganz klar durch Großstadtnähe charakterisiert werden, holen auch einige Orte außerhalb des Umlandes auf. In der Nähe des Jobs, der Einkaufsmöglichkeiten, kulturellen Freizeitaktivitäten oder der Freunde zu sein, wird bald nicht mehr alleinig ausschlaggebend sein. Städte wie Eberswalde, Rathenow und Fürstenwalde verzeichnen überdurchschnittliche Preisanstiege. Die Gründe für den Boom, wie eine gute wirtschaftliche Lage, sowie die Berliner Wohnungsnot werden in den nächsten Jahren nicht abnehmen.  Den Trend zu beobachten scheint essentiell, bevor der Wohntraum im Grünen, nach dem Wohnen im angestammten Kiez auch noch platzt. (cn)

Kein Wasser in Sicht: Andauernde Hitzewelle in Berlin und Brandenburg

„Sonnenscheinreiches Wetter ohne Regen“ – mit diesem Euphemismus beschreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Hitzewelle über Berlin und Umland. Dank der Temperaturen vergangener Wochen, die 30 Grad mehrmals überschritten, ist Berlin derzeit Deutschlands wärmstes Bundesland. Dicht dahinter liegt Brandenburg, wo elf Landkreise unter höchster Waldbrandgefahr stehen. Für Brandenburger Landwirte hat sich das Freibadwetter deshalb bereits in eine ernste Dürreperiode verwandelt. Kurz hinter der Stadtgrenze gilt es nicht nur Bäume vor dem verdursten zu retten, sondern ganze Ernten. Wegen der extremen Bodentrockenheit kommt es dort bereits zu Noternten, viele Bauern befürchten sogar komplette Ernteausfälle. Seit Ostern gab es hier keinen nennenswerten Regen mehr. Inzwischen fordert der Deutsche Bauernverband die staatlichen Dürrehilfen, die Landwirte sonst vermehrt abgelehnten.

Auch zahlreiche Wald- und Feldbrände erschweren den landwirtschaftlichen Betrieb und brennen bei sich schnell ausbreitenden Feuern hektarweise Land ab. Seit Anfang des Jahres mussten in der Region bereits 227 Feld- und Waldbrände gelöscht werden – verursacht durch die extreme Trockenheit der verdurstenden Felder. Im gesamten Jahr 2017 waren es nur 140. Doch nicht nur der ausbleibende Regen, sondern auch der auffrischende Wind bereitet den Rettungskräften zunehmend Sorgen. Aufkeimende Brände können durch den aufkommenden Wind in die Fläche getragen werden. Von solchen Großbränden, die sich über Waldflächen von bis zu 450 Hektar erstreckten, löschten Einsatzkräfte vergangene Woche gleich mehrere. Auch nach tagelangem Einsatz sind weiterhin nicht alle Brandherde unter Kontrolle.

 

Seit Anfang des Jahres mussten in der Region bereits 227 Feld- und Waldbrände gelöscht werden. | Foto: pexels.com

 

Hitzewelle entflammt zahlreiche Großbrände in Brandenburg

Letzten Donnerstag brachen bei 32 Grad gleich mehrere Großbrände im Brandenburger Umland aus. Die Feuerwehr löschte ein Großfeuer, von dem 100 Hektar Wald in Storkow betroffen waren. Außerdem kämpfte man seit Donnerstag, über das Wochenende hinweg, weiterhin mit dem Großbrand in der Lieberoser Heide. Über 450 Hektar waren hier betroffen und Glutnester keimten weiterhin. Da sich einige Brandflächen auf einem ehemaligen, noch munitionsbelasteten Truppenübungsplatz befanden und nicht betreten werden konnten, forderte die Feuerwehr Hubschrauber der Bundespolizei und Bundeswehr an. Auch die örtlichen Brandschutzstaffeln lösten die Freiwillige Feuerwehr im Laufe der Geschehnisse ab.

In anderen gefährdeten Gebieten, setzen sich die Einsatzkräfte immer noch zu 98 Prozent aus Freiwilligen Feuerwehrleuten zusammen. Die vielen Einsätze, die Freiwillige neben ihren hauptamtlichen Berufen fahren müssen, lassen sie inzwischen am Limit arbeiten. Damit sich die Vorfälle nicht weiter häufen, reichen jedoch Achtsamkeit und kurze Regenschauer nicht mehr aus. Der steinharte Boden kann das geringe Wasser nicht aufnehmen und muss durch beständige Gewitter erst wieder aufgeweicht werden. Da sich die Wald- und Feldbrände auf dem trockenen Gras bereits durch Hitzefunken der Landwirtschaftsmotoren entzünden, ist extreme Vorsicht geboten.

 

Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Laufe der Geschehnisse von den örtlichen Brandschutzstaffeln abgelöst. | Foto: pexels.com

Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Laufe der Geschehnisse von den örtlichen Brandschutzstaffeln abgelöst. | Foto: pexels.com

 

Noternten vor kompletten Ernteausfällen

Zwar sind für die nächsten Tage Regenschauer angekündigt, der DWD bestätigt aber bisher kein Ende der Dürre. Im Gegenteil, man sehe sich derzeit einer der schlimmsten Trockenperiode der letzten 57 Jahre ausgesetzt. In Ostdeutschland sei der Anteil des für Pflanzen nutzbaren Wassers auf 30 Prozent gesunken. „Das schlimmste ist, dass es keine Hoffnung auf Besserung gibt“, sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung dem Tagesspiegel. Verzweifelte Landwirte hätten bereits vor drei Wochen mit der Noternte begonnen, die bei der Getreideernte kaum reife Körner abwirft. Nachbarbauern konnten den Ertrag, der keiner war, nur noch häckseln. Daher werden bereits Ernteausfälle von 30 bis 50 Prozent erwartet.

Für den Getreideanbau, der sich über Deutschland verteilt insgesamt über sechs Millionen Hektar ausbreitet, bedeutet das riesige Einbußen. In den vergangenen fünf Jahren produzierte man  durchschnittlich 48 Millionen Tonnen Getreide, dieses Jahr werden lediglich 41 Millionen erwartet. Doch nicht nur die finanziellen Einbußen durch geringe Ernteerträge, sondern auch Maßnahmen zum Weiterbetrieb, wie hohe Wasserrechnungen hinterlassen eine tiefe Lücke in den landwirtschaftlichen Budgets.

 

Gewitter: das ersehnte Wetter der Brandburger Landwirte, das die Böden aufweicht. | Foto: pexels.com

 

Auch Tierschutz muss aktiv werden

Auch Tieren erschwert der harte Boden zunehmend die Nahrungssuche. Allen voran die Regenwürmer, Nahrungsquelle vieler Vögel, ziehen sich in Richtung Grundwasser zurück. Wildschweine hingegen können die Bewässerung eines Bodens aus weiterer Entfernung riechen und kommen deswegen immer näher an die Stadtgrenze.

Im Berliner Stadtzentrum sollen die arbeitenden Tiere bei bestimmten Temperaturen nun endlich Hitzefrei bekommen. Mittlerweile plädierte die Senatsverwaltung an die Veterinärämter der Bezirke an besonders heißen Tagen die Kutschenleitlinien zu überdenken und den Pferdefuhrwerkbetrieb einzustellen. Leitlinien für den Pferdefuhrwerksbetrieb setzte Berlin erstmals vor neun Jahren auf. Sie regeln bis heute die Pausenzeiten der Zugpferde und die Dokumentation der Fahrten. Derzeit steht eine Abstimmung zur überarbeiteten und ergänzten Version der Richtlinien zur noch aus. Vor der Entscheidung möchte man jedoch bereits in diesem heißen Sommer den überhitzten Tieren lange Wartezeiten und körperliche Überlastung ersparen. Tierschützer schlagen seit Jahren besorgt Alarm, Pferde überhaupt vor Kutschen im Stadtverkehr zu spannen.

Rettet die grüne Hauptstadt

Für die Hitzewelle des Berliner Sommers ist, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, kein Ende in Sicht. Nun müssen auch die rund 440.000 Berliner Stadtbäume vor dem Austrocknen bewahrt werden. Hinzukommen noch einmal genauso viele Berliner Parkbäume und ungezählte auf Privatgrundstücken und in Wäldern. Nachdem die Bezirke bereits Hilfe von der Berliner Stadtreinigung (BSR) anforderten, startete auch die Senatsverwaltung einen Aufruf an die Bevölkerung. Gießen, gießen und nochmal gießen. Schaden könne man den Bäumen damit derzeit nicht, auch wenn man zufällig zehn Liter Wasser dabei haben sollte.

Vor allem den Jungbäumen, die mit ihren Wurzeln noch nicht das Grundwasser erreichen, sei damit sehr geholfen, so die Straßen- und Grünflächenämter. Neben BSR-Sprühfahrzeugen und bewässernden Bürgern, sollen auch gut ausgebaute Bewässerungssysteme in den Parks, Berlin als grünste Hauptstadt Europas erhalten. Im Tiergarten werden hier über insgesamt 60 Kilometer lange Leitungen bis zu 900 Kubikmeter Wasser auf die Grünflächen verteilt. Die Reichstagswiese blickt als Vorzeige-Steppe einem ganz anderen Schicksal entgegen.

 

Die Reichstagswiese fungiert derzeit als Vorzeige-Steppe. | Foto: pixabay.com/ Peter Dargatz

 

Das regenlose Wetter, das bereits Ernteausfälle, die Betitelung „BRANDenburg“ (B.Z.), Berlins schwindende Grünflächen und Freibad-Dilemma provozierte, hat die Region weiterhin fest im Würgegriff. Ob die angekündigten Regenschauer für eine Entspannung der Großwetterlage ausreichen werden, bleibt erstmalig hoffnungsvoll abzuwarten. (cn)

DEKRA Technology Center: Baustein für die Mobilität der Zukunft

Obwohl es bereits in der DDR die ersten Pläne dazu gab, eröffnete der Lausitzring im Landkreis Oberspreewald-Lausitz erst im Jahr 2000. Seitdem kämpft die Rennstrecke um den durchschlagenden Erfolg und blieb ein Sorgenkind.

Die DEKRA übernahm die Anlage 2017 komplett und will sie nun in eine sichere Zukunft führen. Welche Ziele damit verbunden sind, erläuterte uns Volker Noeske, Leiter des vor Ort ansässigen DEKRA Technology Centers.

Herr Noeske, welche Pläne verfolgt DEKRA mit der für viele überraschenden Übernahme des Lausitzrings?

Der Lausitzring wird – zusammen mit unserem bestehenden DEKRA Technology Center – das größte unabhängige Prüf- und Testzentrum für das automatisierte und vernetzte Fahren der Zukunft. Hier bieten wir Dienstleistungen für Fahrzeughersteller, Zulieferer, Behörden oder auch Ingenieurdienstleister an. Auf unserem Testoval in direkter Nachbarschaft zum Lausitzring sind wir seit einiger Zeit an unsere Grenzen gestoßen und es war klar, dass wir Kapazitäten ausbauen müssen. Als sich dann die Möglichkeit ergeben hat, den Lausitzring zu übernehmen, hat das natürlich optimal gepasst. Schon jetzt nutzen unsere Kunden die neuen Möglichkeiten, im Laufe dieses Jahres kommen zusätzliche mögliche Testszenarien hinzu.

Wie will DEKRA das angekratzte Image der Rennstrecke aufpolieren?

Ich glaube nicht, dass der Standort für unsere Zwecke ein Imageproblem hat. Unsere Kunden kennen DEKRA als verlässlichen Partner, der mit neutralem Sachverstand und Expertenkompetenz Fahrzeuge und Komponenten prüft. Dass wir dafür nun neben unseren bisherigen Testanlagen den Lausitzring zur Verfügung haben und in Zukunft hier praktisch alle Testszenarien für automatisiertes und vernetztes Fahren aus einer Hand anbieten können, ist ein absoluter Pluspunkt. Und während unter der Woche die Experten Fahrzeuge testen, gibt es an vielen Wochenenden Highlights für Publikum und Endkunden.

Welche Bedeutung haben DEKRA und Lausitzring für die Niederlausitz?

Wir rechnen schon damit, dass sich unser Engagement hier am Lausitzring eher positiv für die Region auswirkt. Man muss es ja auch mal so sehen: Für Tests mit neuen Fahrzeugen, die vielleicht noch nicht jeder sehen soll, hat es durchaus Vorteile, eher nicht dort unterwegs zu sein, wo das pralle Leben tobt. Und: Im Hochschul-Dreieck Dresden-Cottbus-Berlin finden wir gute Voraussetzungen vor, die Experten zu rekrutieren, die wir für unsere Arbeit brauchen. Interessant war auch zu sehen, wie stark nach unserer Ankündigung, den Lausitzring zu übernehmen, die Initiativbewerbungen angestiegen sind. Es gibt viele junge Ingenieure, die aus der Region kommen und in den alten Bundesländern arbeiten, etwa bei Fahrzeugherstellern und Zulieferern. Viele möchten gerne zurück in ihre Heimat – wenn es die entsprechenden Jobs gibt.

Welche Rolle spielen die Tests des DEKRA Technology Centers auf dem Lausitzring bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte?

Wenn das automatisierte und vernetzte Fahren Erfolg haben und sein Potenzial für die Verkehrssicherheit ausspielen soll, steht und fällt das damit, dass die Systeme und Technologien sicher sind und zuverlässig funktionieren. Und genau das stellen Tests und Prüfungen, wie wir sie am Lausitzring durchführen, sicher. Insofern bieten wir hier einen ganz wesentlichen Baustein für die Mobilität der Zukunft an. (red)

Alle Jahre wieder: Die ILA wächst und wächst

Alle zwei Jahre stürmen zahlreiche Besucher auf die Internationale Luft-und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Um die große Termindichte internationaler Messeereignisse zu entzerren, wurden die Messetage dieses Jahr nicht nur vorverlegt, sondern auch um einen Tag auf nun fünf Tage verlängert.

Die ILA findet vom 25. bis 29. April 2018 am künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg statt und hat um die 3000 Quadratmeter mehr Ausstellungsfläche verkauft als im Jahr 2016.

Die ILA als Treffpunkt für zukunftsorientierte Technologie

Wer das gewisse Know-how über Industrie 4.0, nachhaltiges Fliegen und die allgemein rasante Entwicklung der Luft-und Raumfahrttechnologie besitzt, kann sich auf der Internationalen Luft-und Raumfahrttechnologieausstellung auf hohem fachlichem Niveau austauschen. Industrieexperten, politische Entscheider sowie fundierte Wissenschaftler gehen unter anderem Fragen wie der Erreichung einer Null-Emissionen-Luftfahrt oder der künftigen Regulierung der Drohnen auf den Grund. Natürlich können auch Besucher, denen das gewisse Know-how fehlt, an Tag vier und fünf mitdiskutieren. Die ersten drei Tage der ILA sind allerdings ausschließlich den Fachbesuchern vorbehalten.

 

ILA 2016, Berlin Air Show | Foto: Messe Berlin GmbH

ILA 2016, Berlin Air Show | Foto: Messe Berlin GmbH

Neben dem Austausch über zukunftsorientierte Themen steht vor allem die Knüpfung neuer Geschäftskontakte im Fokus. Über 1.000 Aussteller präsentieren auf der ILA ihre Dienstleistungen und Produkte. Durch spezielle Matchmaking -und Speeddating-Events wird die Zulieferindustrie optimal untereinander vernetzt und der Austausch gefördert.

Programmpunkte der ILA

Kampfflugzeuge, Militärtransporter, Turbinen sowie Großraumjets sind nur einige Highlights, die den Besucher auf der diesjährigen Berliner Air Show erwarten. Die Spitzentechnologie aus allen Geschäftsfeldern der weltweiten Luftfahrtindustrie wird hier präsentiert. Für eine spektakuläre Show stehen 100.000 Quadratmeter Freigeländefläche für die Präsentation der Fluggeräte zur Verfügung. Des Weiteren präsentiert die Luft-und Raumfahrtindustrie Innovationen aus den Bereichen Space, Defense&Security, Aviation, Supplier und Special Features.

Zudem sollen durch das ILA CareerCenter Nachwuchskräfte geworben werden, denn die Branche wächst stetig und damit der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern. Das CareerCenter der Messe gilt als die größte Aerospace Jobbörse Deutschlands. Zahlreiche Arbeitgeber stellen ihre Branche vor und geben Interessierten Auskunft über Einstiegsmöglichkeiten und freie Stellen in ihrem Unternehmen. (ls)

Wird Tropical Islands bald verkauft?

Das Badeparadies Tropical Islands in Brandenburg könnte demnächst einen neuen Besitzer bekommen. Am 03.04.2018 bestätigte das Unternehmen, dass nach weiteren Partnern für Investitionen gesucht wird. Letztendlich könnte das ein Komplettverkauf bedeuten. „Unser Mehrheitsgesellschafter Tanjong, Colin Au und die Geschäftsführung sind seit Langem in Gesprächen, wie man das geplante Investitionsvolumen über die kommenden Jahre stemmen kann“, so die Sprecherin von Tropical Islands, Katja Benk.

Verkauf von Tropical Islands kann bis zu 300 Millionen Euro einbringen

Der Mehrheitseigentümer von Europas größtem tropischen Urlaubsresort Ananda Krishnan und sein Geschäftspartner Colin Au prüfen derzeit in Zusammenarbeit mit einer Investmentbank wie groß das Interesse an Tropical Islands ist.

Dem Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg zufolge befinden sich die Verhandlungen mit potenziellen Käufern in einem frühen Stadium. Der Verkauf der Freizeitanlage könnte um die 300 Millionen Euro einbringen.

Besitzer kündigten Anfang dieses Jahres bereits eine Investition von 300 Millionen Euro an

Das Resort verfügt über eine Fläche von rund 100.000 Quadratmeter. Die Anlage ist unter anderem mit einem Hotelkomplex, einem eigenen Regenwald mit circa 600 Pflanzenarten, einem Wasserpark sowie einem Wellnessbereich ausgetattet. Trotz des großen und vielfältigen Angebots kündigten die Besitzer Anfang dieses Jahres eine Investition von 300 Millionen Euro in das lukrative Geschäft an.

Geplant war es die tropische Kuppel im Spreewald im Innen- und Außenbereich zu erweitern. Die Kapazität der Freizeitanlage sollte demnach von circa 2.000 Betten auf 9.000 erhöht werden. Es gehe den Besitzern nicht nur um die Erhöhung der Kapazitäten, sondern vor allem um eine Weiterentwicklung. Die Konkurrenz in der europäischen Freizeitpark-Branche sei laut Angaben des Geschäftsführers, Michiel Illy, sehr stark.

Was ändert sich durch den möglichen Verkauf?

Tropical Islands ist im Besitz der Tanjong-Gruppe aus Malaysia. Die Hauptanteile des Ressorts gehören Ananda Krishnan, der sich laut Angaben des Düsseldorfer Handelsblatts mehr auf seinen Heimatmarkt konzentrieren möchte. Die Geschäfte in Asien laufen schwierig. Sein Unternehmen Aircel, ein Mobilfunkanbieter in Indien, meldete im März 2018 Insolvenz an. Die Summe des Verkaufs kann der Milliardär demnach gut für seine Heimatprojekte gebrauchen kann.

Ob und wann ein Verkauf tatsächlich stattfindet, steht noch nicht fest. Für die Besucher der Freizeitanlage würde sich durch einen Besitzerwechsel des Tropical Islands allerdings nichts ändern. (ls)

Brandenburg will Investitionen in Infrastruktur steigern

Neue Linien, mehr Züge und der Ausbau der Infrastruktur: Das Land Brandenburg verstärkt die Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr. Allein für die Umsetzung kleinerer Vorhaben sind in diesem Jahr Ausgaben von 36 Millionen Euro geplant. Über damit verbunden Aufgaben sprachen wir mit Kathrin Schneider, Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung in Brandenburg.

Welche Maßnahmen stehen im Land Brandenburg bei der Verkehrsentwicklung im Vordergrund?

In der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg arbeiten wir seit Jahren eng zusammen, um die Mobilität stetig zu verbessern. Dabei haben wir schon viel erreicht, müssen aber noch besser werden. Neue Linien, mehr Züge und bessere Qualität – all das steht im Mittelpunkt des neuen Landesnahverkehrsplans, der im ersten Halbjahr 2018 verabschiedet werden soll. Für das Netz Elbe-Spree beispielsweise haben wir kürzlich deutlich mehr Verkehrsleistungen ausgeschrieben. In diesem Netz sind etwa zwei Drittel unserer Züge unterwegs.

Das Rückgrat der Brandenburger Mobilität ist der Schienenverkehr. Wo ist noch Optimierungsbedarf?

Wir sehen den Ausbaubedarf vor allem in acht Korridoren rund um Berlin. Wir wollen die Engpässe beseitigen, die auf der Stadtbahn bestehen und mehr Kapazitäten auf den Linien Richtung Nauen und nach Cottbus schaffen. Außerdem geht es um Lückenschlüsse bei der S-Bahn. Die Planungen dafür bringen wir auf den Weg. Allein für die kleineren Vorhaben, wie den Bau von Park-and-Ride-Plätzen oder der Sanierung von Bahnhöfen geben wir in diesem Jahr 36 Millionen Euro für etwa 80 Projekte aus.

Wie entwickeln sich die Investitionen in die Verkehrssysteme des Landes Brandenburg?

Investitionen in die Schieneninfrastruktur bringen natürlich wichtige Impulse für die Wirtschaft mit sich. Für die Umsetzung der Verkehrsverträge brauchen wir beispielsweise neue Fahrzeuge. Insgesamt steigen die Investitionen – sowohl in die Straßen als auch in den ÖPNV. Das Budget des Landesbetriebs Straßenwesen lag 2016 bei 400 Millionen Euro, ein Jahr später wurden 450 Millionen Euro eingesetzt. Weitere Investitionen ergeben sich in den kommenden 10 bis 15 Jahren in erheblichem Ausmaß, wenn wir die Projekte im Rahmen von i2030 auf den Weg bringen. Erste überschlägige Schätzungen gehen von 1 Milliarde Euro aus. Für die Busse und Straßenbahnen haben wir ein Paket von 70 Millionen Euro für die Förderung bis 2022 geschnürt.

Was sind Ihre Wünsche für die Entwicklung der Mobilität in den nächsten Jahren?

Basis für unsere Arbeit ist die Mobilitätsstrategie 2030, die wir im vergangenen Jahr vorgestellt haben. Wichtiges Ziel ist die Sicherung der Mobilität unserer Bürgerinnen und Bürger in den ländlichen Räumen und im Berliner Umland. Wir werden den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs fortsetzen, um den Umstieg vom Auto auf die Busse und Bahnen zu erleichtern. Dazu haben wir uns viel vorgenommen und ich wünsche mir, dass wir mit den Planungen für die Infrastrukturprojekte zügig vorankommen, sodass wir 2030 sagen können, wir haben unsere Ziele erreicht. (lj)

Made in Brandenburg: BIO Manufaktur Jouis Nour in Dahlewitz eingeweiht

Brandenburg ist um ein Vorzeigeunternehmen aus dem BIO Food-Bereich reicher. In Anwesenheit des Finanzministers des Landes Brandenburg Christian Görke wurde gestern offiziell das Werk der BIO- und IFS-zertifizierten Jouis Nour GmbH im envopark in Dahlewitz eingeweiht. Knapp 50 Mitarbeiter stellen auf rund 1.700 Quadratmeter Produktionsfläche hochwertige Bio-Tiefkühl-Snacks (Jourino®) sowie Bio-Frischeprodukte, z. B. Salat, Desserts und Snacks, her. Pro Tag werden derzeit in Handarbeit einige Tausend Produkte produziert. Dabei werden vorrangig regionale Zutaten genutzt. Das Besondere an den Jouis Nour-Produkten: Obwohl sie unbehandelt sind, bleiben sie zwischen 7 und 9 Tage lang frisch. Die Jouis Nour GmbH ist damit ein Innovationsführer der Branche.

 

Christian Görke, Finanzminister des Landes Brandenburg:

„Ich freue mich, dass ein junges, dynamisches Unternehmen den Weg in eine sich sehr erfolgreich entwickelnde Region gefunden hat. Jouis Nour vertreibt Produkte nicht nur deutschlandweit sondern auch in Österreich und der Schweiz und macht damit auch Werbung für die Marke„Made in Brandenburg. Gleichzeitig stärkt das Unternehmen durch den Bezug von regionalen Zutaten auch den wirtschaftlichen Kreislauf in der Region.“

 

Neben dem Finanzminister fanden auch Siegmund Trebschuh, stellvertretender Dezernent des Dezernates IV und Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Teltow-Fläming, sowie Björn Fromm, Präsident des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V., ausschließlich lobende Worte für die Ansiedlung der BIO-Manufaktur im brandenburgischen Dahlewitz. Bei einer Werksbesichtigung konnten sich die Gäste von der Frische der Produkte, der modernen Technik sowie den hohen Qualitätsstandards des Unternehmens selbst überzeugen.

 

Siegmund Trebschuh, stellvertretender Dezernent des Dezernates IV und Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Teltow-Fläming:

„Das Unternehmensportfolio der Jouis Nour GmbH ist zukunftsträchtig und wir als Landkreis sind froh, dass sich das Unternehmen hier angesiedelt hat. Wir sind stolz, dass wir die Unternehmensansiedlung unterstützen durften.“

 

Björn Fromm, Präsident des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V.:

„Bernhard und Martina Klapproth haben mit der Gründung der PIN AG schon einmal Unternehmergeist bewiesen und tun das nun wieder. Wir freuen uns darüber, dass sie biologische Lebensmittel produzieren. Das ist zum Glück nicht nur ein ökologischer und ökonomischer Trend; es ist mehr. Die Produkte werden mehr und mehr nachgefragt und ich denke, das ist gut so. Im Namen des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg wünsche ich Jouis Nour alles Gute und viel Erfolg.“

 

Die Unternehmensgründer Bernhard und Martina Klapproth können auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückschauen. Das Ehepaar gründete 1999 das deutschlandweit tätige Postunternehmen PIN AG. Nach dem Verkauf an einen Konzern suchte sich das Ehepaar eine neue Herausforderung und fand sie im Bereich der gesunden Ernährung. 2007 gründeten sie die Jouis Nour GmbH und bauten ihre Tätigkeit weiter aus. Waren sie anfangs noch auf den Bio-Fachhandel konzentriert, sind die Jouis Nour-Produkte seit 2015 auch im Lebensmitteleinzelhandel verfügbar.

Seit Januar 2018 befinden sich sämtliche Unternehmenszweige (Verwaltung, Produktion und Vertrieb) konzentriert am Dahlewitzer Standort in einem der wenigen nachhaltigen Gewerbeparks Deutschlands.

 

Bernhard Klapproth, Gründer und Geschäftsführer Jouis Nour GmbH:

„Brandenburg hat sich unheimlich gemausert. Die Leute hier sind innovativ und haben Interesse an neuen und gesunden Produkten, an dem was wir tun und natürlich an den Arbeitsplätzen, die wir hier geschaffen haben. Lobend ist auch die unkomplizierte und gute Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg, der Wirtschaftsförderung dem Landkreis Teltow-Fläming und der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hervorzuheben. Dafür möchte ich mich auch herzlich bedanken. Wir sind glücklich mit unserer Entscheidung, uns in Brandenburg angesiedelt zu haben.“

(cr)

 

Berlin und Brandenburg investieren 9 Millionen Euro in den Pendlerverkehr

Gute Nachrichten für Pendler: Die Länder Berlin und Brandenburg wollen eine hohe Summe in den Ausbau des Schienenverkehrs investieren.

Dabei sind sich die beiden Länder Berlin und Brandenburg, wenn es um den Pendlerverkehr ging, jahrelang aus dem Weg gegangen. Inzwischen sind beide Partien anderer Ansicht und möchten mit einem Millionenbetrag die Fahrt für Pendler angenehmer gestalten.

Die Zahl der Pendler ist stark angestiegen

Aufgrund der Not auf dem Wohnungsmarkt und den steigenden Grundstückspreisen zogen vergangenes Jahr laut Berliner Morgenpost rund 10.000 Berliner über die Landesgrenze ins benachbarte Bundesland. Insgesamt stieg die Pendlerzahl in den vergangenen Jahren stark an. Rund 300.000 Menschen waren letztes Jahr täglich zwischen Berlin und Brandenburg unterwegs. Überfüllte Züge sind da zum Alltag geworden.

Um auf die wachsenden Pendlerströme zu reagieren, trafen sich am vergangenen Dienstag der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, und Brandenburgs Ministerpräsident, Dietmar Woidke, gemeinsam zu einer Kabinettssitzung im Schloss Neuhardenberg. Mit von der Partie waren auch Bahn-Chef Richard Lutz und der Vorstand für Infrastruktur, Ronald Pofalla. Ganz oben auf der Tagesordnung stand die Verbesserung des Schienenverkehrs.

Neun Millionen für Pendler

Im Hinblick auf die zunehmende Pendlerzahl sind Angebotsverbesserungen dringend nötig. „Viele Menschen brauchen jeden Tag diese Infrastruktur“, so Michael Müller. Laut dem Tagesspiegel wollen die Länder Berlin und Brandenburg im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel bis 2022 jährlich neun Millionen Euro in die Verbesserungen des Schienenverkehrs investieren. Dabei soll Brandenburg sechs Millionen und Berlin drei Millionen Euro zur Verfügung stellen.

 

Die Kapazität der Regionalzüge sollen erhöht werden | Foto: Wikimedia

Die Kapazität der Regionalzüge sollen erhöht werden | Foto: Wikimedia

 

Von den Millionenbeträgen wird der Großteil in den Ausbau der Züge fließen. Dieser soll möglichst schon im April anfangen. Vor allem soll durch Einsatz von Doppelstockwagen, zusätzlichen Wagons und Takt-Verdichtung die Kapazität und die Zahl der Sitzplätze erhöht werden. So soll in den Zügen der RB13 zwischen Berlin-Jungfernheide und Wustermark die Zahl der Sitzmöglichkeiten von 160 auf 300 steigen. Des Weiteren steigt zwischen Berlin und Oranienburg die Kapazität von 150 auf knapp 200 Plätze. Im zweiten Quartal 2019 soll es den nächsten großen Schub geben: Die Sitzplätze der RB10 zwischen Berlin und Nauen sollen von 460 auf 600 verstärkt werden.

Wohnen, wo die Züge fahren

Neben dem Ausbau des Schienenverkehrs stand auch der Wohnungsbau auf der Agenda. Neue Wohnungen und Häuser sollen möglichst entlang der Haltepunkte des Schienennahverkehrs entstehen. Ziel ist es, dass zukünftig mehr Menschen die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, um Emissionen zu reduzieren. Daher sollen nicht nur die Regionalzüge ausgebaut werden, sondern auch die Berliner S-Bahnen. Die neuen S-Bahnzüge sind bereits bestellt und sollen 2021 in Betrieb gehen. Die Auslieferung der neuen Fahrzeuggeneration soll bis 2023 abgeschlossen sein. Mit den neuen Zügen wird vor allem die Zuverlässigkeit und Qualität der Verkehrsleistung sichergestellt.

 

Die S-Bahn bekommt eine neue Fahrzeuggeneration | Foto: PxHere

 

Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB sieht dem ganzen Vorhaben jedoch kritisch entgegen: „Ab 2023 werden wir gute S-Bahn- Fahrzeuge haben, aber keine richtig gute Infrastruktur“. Im Hinblick darauf haben die Bundesländer Berlin und Brandenburg gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG das Projekt „i2030“ ins Leben gerufen. Mit diesem Konzept erklären sich die Beteiligten bis 2030 die nötigen Finanzmittel für den Ausbau der Infrastruktur des Schienenverkehrs in Berlin und Brandenburg bereitzustellen. Bis der Ausbau jedoch fertig umgesetzt wird, kann es noch Jahrzehnte dauern. Da helfen selbst Züge mit mehr Sitzplätzen wenig. Dennoch ist die Erweiterung der Züge schon mal ein wichtiger Schritt, um dem wachsenden Pendlerstrom zu begegnen. (dn)