Unternehmen zeigen Solidarität in der Corona-Krise

Corona hat die Welt fest im Griff. Krisenzeiten wie diese sind immer beängstigend, schaffen Verunsicherung und stellen altbekannte Muster auf den Prüfstand. Aber sie bringen auch häufig das Beste im Menschen zum Vorschein. In der Corona-Krise entsteht eine umfassende Solidarität zwischen den Menschen. So kann man derzeit beobachten, wie Wirtschaftsunternehmen einen Beitrag leisten, um den Menschen bei der Bewältigung der Corona-Krise zur Seite zu stehen.

Solidarität in der Krise

Die Corona-Krise legt das öffentliche Leben nahezu komplett lahm, die Wirtschaft leidet. Die daraus entstehenden Folgen sind noch gar nicht absehbar. Jeden Tag gibt es neue Meldungen über die dramatischen Auswirkungen der notwendigen Einschränkungen. Die Ungewissheit über das Ende des Ausnahmezustands schürt weitere Ängste. Zahlreiche Unternehmen müssen trotz großangelegter Förderinitiativen des Staates um ihre Existenz fürchten.

Dennoch kann man etwas Positives in den Entwicklungen der letzten Wochen beobachten: Da generell jeder von der Krise betroffen ist, entsteht zurzeit eine vorher nicht dagewesene Solidarität zwischen den Bürgern. Junge Menschen gehen für ihre älteren Nachbarn einkaufen, Supermarktkassierer bekommen plötzlich Trinkgeld und das medizinische Pflegepersonal erhält endlich die langverdiente gesellschaftliche Anerkennung.

IHK Berlin: „Unternehmen helfen Unternehmen“

Aber nicht nur das, auch in der Welt der Wirtschaft entwickelt sich ein Gemeinschaftssinn. So startete etwa die Berliner Industrie und Handelskammer (IHK) vor kurzem das Projekt „Unternehmen helfen Unternehmen“, um Firmen eine Plattform zum Austausch zu geben. Die Idee ist folgende: Unternehmen können ihr Hilfsangebot inklusive Kontaktdaten auf der Website der IHK veröffentlicht, sodass hilfesuchende Betriebe sich direkt an die zuständigen Stellen wenden können. Beispielsweise bietet das Transportunternehmen SEMKE24 seine Leistungen an Hilfesuchende, wie die Feuerwehr oder die Katastrophenschutzorganisation THW, falls sie unter Fahrzeug- oder Personalmangel leiden. Es gibt aber auch Selbstständige, wie Clemens Zocher, der seine Dienstleitung als Fotograf kostenlos zur Verfügung stellt.

Hilfsangebote von allen Seiten

Zusätzlich ruft die IHK in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden wie der DEHOGA Berlin und dem Unternehmensverband Berlin-Brandenburg zur Spende von Schutzausrüstung auf. Dadurch soll der Mangel an Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel und Einmalschutzhandschuhe in Kliniken und Arztpraxen bekämpft werden.

Die Düsseldorfer LEG-Immobilien-Gruppe spendete gemeinsam mit der Stiftung ‚Dein Zuhause hilft‘, 100 Boxen mit Spiel- und Beschäftigungsmaterial und stellte unter dem Motto „Gemeinsam durch die Corona-Krise“ ein 10-Punkte-Papier für Schutz und Absicherung von Kunden und Mitarbeitern vor.

Immoscout 24: Hilfsprogramm für Makler in Not

Immoscout24 startete vergangene Woche mit einem Hilfspaket ein Sofortprogramm, bestehend aus drei Maßnahmen: den gewerblichen Kunden wird ein Zahlungsaufschub von bis zu neun Monaten gewährt, private Anbieter können ab dem 27. März für einen Monat kostenlos inserieren und bestehenden Makler-Kunden hilft das Unternehmen nach der Krise mit zusätzlichen kostenlosen Mandaten.

Deutsche Wohnen: Umschichtung in Corona-Hilfsfonds

Die Deutsche Wohnen schlägt ihren Aktionären statt der gewohnten 65 Prozent der operativen Erträge (FFO) eine Quote von nur 60 Prozent vor. Mit dem gesparten Geld soll ein etwa 30 Millionen schwerer Corona-Hilfsfonds finanziert werden. Dieser kommt Mietern, Handwerkern und Dienstleistern des Konzerns zur Hilfe, die durch das Corona-Virus in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.  „Wer gehen davon aus, dass unsere Aktionäre unserem Vorschlag zustimmen und ein starkes Signal der Unterstützung senden“, so Michael Zahn, CEO der Deutsche Wohnen.

Homeoffice-Offensive

Mit einem zweimonatigen kostenfreien Testzugang unterstützt das Datenmanagementunternehmen Evana die Immobilienbranche bei der Umstellung auf flexible Onlinelösungen für das Arbeiten von Zuhause. Auch für Bestandskunden des Proptechs gibt es Hilfe: sie müssen für zwei Monate keine Onboardingkosten für neue Objekte zahlen. „Die Anfragen, wie Unternehmen auf ihre Dokumente und Daten aus dem Homeoffice zugreifen können, haben in den vergangenen Tagen stark zugenommen“, erklärte Sascha Donner, Chief Innovation & Product Officer bei Evana. „Das betrifft vor allem die schnelle Migration von bestehenden Insellösungen.“

Verzicht auf Kündigungen

Wie bereits zahlreiche Immobilienunternehmen, unterstützt nun auch die Magdeburger Wohnungsgesellschaft Wobau ihre Mieter: Stundungen werden verlängert und Mieterhöhungen sowie fristlose Kündigungen für die Mieter der rund 19.500 Wohneinheiten ausgesetzt. Ebenfalls geschützt sind die mehr als 450 Wobau-Gewerbemieter in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, deren Geschäfte aufgrund des Corona-Virus geschlossen bleiben müssen. Eine vorbildliche Idee ist der Ausbau eines Nachbarschaftshilfe-Netzwerks, für das Wobau einen Flyer zum Ausdrucken zur Verfügung stellt.

Deutschlandweit zeigen sich Immobilienunternehmen solidarisch und nutzen ihre Möglichkeiten, um den Menschen unter die Arme zu greifen! Ein Segen für kleine Unternehmen oder Selbstständige, die in finanzielles Ungleichgewicht geraten sind, für Mieter und Mitarbeiter. In jedem Fall ein wichtiges Zeichen der Hoffnung in schwierigen Zeiten. Die Branche steht zusammen und verbreitet Optimismus, die Corona-Krise gemeinsam zu überstehen! (aak)

Berliner Senat plant COVID-19-Krankenhaus

Die Corona-Pandemie breitet sich weiter aus und fast stündlich werden neue Maßnahmen getroffen, um dies zu verhindern – Clubs, Theater und Sportstätten bleiben geschlossen. Den Ernst der Lage verdeutlichen auch die neusten Bemühungen zur Eindämmung des Virus des Berliner Senats. Ein neues Krankenhaus für Corona-Patienten soll auf dem Messegelände entstehen.

Oberste Priorität: Engpässe vermeiden

Der Berliner Senat geht den Forderungen der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci nach und plant ein COVID-19-Krankenhaus, welches bis zu 1.000 Patienten beherbergen kann. Mit Hilfe der Bundeswehr und weiteren Partnern entsteht das Hospital voraussichtlich auf dem Berliner Messegelände. „Diese Maßnahme ist eine Ergänzung zu der gut aufgestellten Berliner Krankenhauslandschaft, um möglichen Engpässen zu begegnen.“, betont Kalayci. Wann genau die zusätzlichen Kapazitäten verfügbar sind, ist jedoch noch unklar.

Berlins Krankenhäuser rüsten auf

Da der Senat den Höhepunkt der Ausbreitung des Virus noch erwartet, sind weitere Maßnahmen in Planung. Die Berliner Notfalleinrichtungen werden in drei Versorgungsstufen eingeordnet. So werden zukünftig Patienten je nach Schweregrad ihrer Erkrankung in der dafür vorgesehenen Einrichtung behandelt. Hinter der Arbeitsteilung steht die Hoffnung, dass Mediziner somit maximal effizient agieren können. Gleichzeitig sind die Hospitäler angewiesen ihre Kapazitäten in den Intensivstationen aufzustocken. Insbesondere für hinreichende Beatmungsgeräte sollen die Zuständigen Sorge tragen. Aber nicht nur das – der Senat fordert die Krankenhäuser zudem auf, medizinische Behandlungen, die nicht dringend notwendig sind, zu verschieben. Dadurch können sich die Ärzte verstärkt auf die COVID-19-Patienten fokussieren.

Corona hält Deutschland fest im Griff

Aktuell gibt 9.919 bestätigte Corona-Infizierte in Deutschland, 383 von ihnen leben in Berlin. Mit drastischen Maßnahmen versucht die Regierung die Ausbreitung des Virus zu entschleunigen. Daher finden immer mehr Restriktionen des öffentlichen Lebens statt. Bars, Clubs, Kinos, Kitas und Schulen hat der Berliner Senat bereits geschlossen. Auch in den Nachbarländern der Republik sieht es nicht besser aus, teilweise sogar schlimmer: Erst vor zwei Tagen verordnete der französische Präsident Macron eine Ausgangssperre, die gestern in Kraft getreten ist. Ob die deutsche Regierung diesen radikalen Schritt ebenfalls für notwendig empfindet, bleibt abzuwarten. (aak)

Coronavirus in Berlin – erster Fall erreicht die Hauptstadt

Mit dem ersten bestätigten Fall des neuartigen Virus „Sars-CoV-2“ – Coronavirus in Berlin ist nun bereits das zehnte Bundesland in Deutschland betroffen. Angesteckt hat sich ein junger Mann aus Berlin Mitte, der seit Sonntag in der Charité behandelt wird. Kontaktpersonen sind bereits ermittelt und werden zurzeit auf eine Infektion getestet. Wie ernst die Hauptstadt die aktuelle Situation nimmt, zeigt sich an den getroffenen Maßnahmen: Die Tourismus Fachmesse ITB ist bereits vor einigen Tagen abgesagt worden.

Infizierter Berliner ist stabil

Der Infizierte hatte sich am Sonntag in der Charité gemeldet und wird seitdem isoliert. Bei wem der Berliner sich angesteckt hat, ist noch unklar. Allerdings befinden sich unter den identifizierten Kontaktpersonen auch seine Eltern aus Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland weist derzeit die höchsten Zahlen von Coronavirus-Fällen nach. Neben den Eltern des Betroffenen werden heute acht weitere zu Hause isolierte Kontaktpersonen aus Nordrhein-Westfalen und Berlin getestet. Die Nachverfolgung möglicher weiterer Kontaktpersonen läuft noch, teilte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in einer Pressemeldung mit. Eine positive Nachricht konnte allerdings gemeldet werden: Der Patient ist soweit stabil.

Mitarbeiter des Tropical Island werden getestet

Auch in Brandenburg werden weitere Schutzmaßnahmen getroffen. So werden alle Mitarbeiter des Tropical Island Erlebnisbades auf den Virus getestet, nachdem bei einem Besucher aus NRW letzte Woche nach seiner Heimkehr der Virus erkannt wurde.  Der Brandenburgischen Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) zufolge hatte der Mann zwar keinen Kontakt zu anderen Gästen, aber zu den Mitarbeitern des Spaßbads. Die Testergebnisse der Angestellten werden heute im Laufe des Tages erwartet.

Coronavirus in Berlin: Absage der IBT

Allerdings sind nicht nur die Krankenhäuser der Hauptstadt von dem Virus betroffen. Auch die Berliner Wirtschaft spürt die Folgen der sich ausbreitenden Pandemie. Noch vor Bekanntgabe des ersten Falls in der Hauptstadt verkündete visitBerlin-Geschäftsführer Burkhard Kieker die Absage der ITB am Samstag. Grund seien die erhöhten Auflagen des Gesundheitsamts, um die Verbreitung des Virus ein zudämmen. Gastgeber und Betroffene zeigten Verständnis aber auch Sorge.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer des IHK Berlin, appellierte an die Zivilgesellschaft sowie Vertreter aus Wirtschaft und Politik, jetzt zusammenzuarbeiten, um weitere negative Auswirkungen zu verhindern: „Die Entscheidung der Messe Berlin zur Absage der ITB verdient Respekt. Gesundheit geht vor Geschäft. Gleichwohl ist die Absage dieser internationalen Reise-Leitmesse mit sieben Mrd. Euro Umsatz ein herber Schlag für die Hauptstadtwirtschaft und die beteiligten Unternehmen. Es ist zu befürchten, dass Aussteller und Messebauer auf ihren Kosten sitzen bleiben. Hotels, Gaststätten, dem Handel und dem Taxi-Gewerbe werden in jedem Fall beträchtliche Umsätze entgehen.“

Die Sinnhaftigkeit der Maßnahme zweifelt nach den aktuellen Geschehnissen keiner mehr an. Es ist nur zu hoffen, dass die Lage sich mit den zunehmenden Temperaturen wieder entspannt. Nicht zu Letzt, um die Lage der deutschen Wirtschaft nicht weiter zu gefährden. (ak)

 

 

20.000 Euro für „Ungehindert.Tokyo“: Spielbank Berlin und Schirmherr Michael Müller unterstützen die Vorbereitungen für die Paralympics in Tokio

Die Spielbank Berlin unterstützt die Kampagne „Ungehindert-Tokyo“ des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands Berlin mit insgesamt 20.000 Euro. Im Rahmen des Tokio Sponsoring Dinners wurden mehrere Schecks an Özcan Mutlu, Präsident des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands, durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin Michael Müller, der auch die Schirmherrschaft für die Kampagne übernommen hat, und Gerhard Wilhelm, Geschäftsführer der Spielbank Berlin, überreicht. Mutlu ist selbst Beiratsmitglied der Spielbank Berlin und engagiert sich nachdrücklich für den Para-Sport. Als Präsident des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Berlin vertritt Mutlu die Interessen von 29.000 Mitgliedern des Verbandes.

Ziel der Kampagne: Den Weg nach Tokio ebnen

Die Spenden­kampagne „Ungehindert.Tokyo“ des Behindertensportverbandes Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst vielen Berlinerinnen und Berlinern den Weg zu den Paralympics 2020 in Tokio zu ebnen. Spen­denpartner kommen dabei beispielsweise für Trainings- und Wettkampf­kosten oder Sportausrüstung für Athletinnen und Athleten des Teams Berlin auf.

„Die Sportmetropole Berlin ist eng mit dem Parasport verbunden“, so Schirmherr Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin. „Dabei ist es entscheidend, sich auf Förderer und Unterstützer aus der Wirtschaft wie die Spielbank Berlin, Lilienthal oder ‚Stadt und Land‘ verlassen zu können.“

Sport trägt bei zu Integration und Inklusion

„Sport trägt zur Integration in einer pluralen und vielfältigen Gesellschaft maßgeblich bei“, sagt Özcan Mutlu. „Daher habe ich mich immer für Inklusion im Sport eingesetzt. Ich freue mich sehr und bedanke mich bei der Spielbank Berlin. Sie trägt mit dazu bei, dass die Berliner Sportlerinnen und Sportler bei den Paralympics in Tokio eine eindrucksvolle Visitenkarte abgeben. Das wird die Menschen begeistern und damit beweisen, welche tragende Rolle dem Para-Sport in unserer Gesellschaft zukommt.“

Der diesjährige Austragungsort der Paralympics hat für die Berliner Sportlerinnen und Sportler eine besondere symbolische Bedeutung: Berlin und Tokio sind seit 1994 Partnerstädte.

Para-Sportler sind Vorbilder für Menschen mit Behinderung

„2020 ist das Jahr der Paralympics in Tokio“, so Klaas Brose, Geschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands Berlin e.V. „Unser Ziel ist es, die Berliner Athletinnen und Athleten bestmöglich auf dieses Ereignis vorzubereiten. Jede Athletin und jeder Athlet ist ein Vorbild für alle Menschen mit Behinderung in Berlin, und wir wollen so viele dieser Vorbilder wie möglich für diese Stadt bei den Paralympics unterstützen. Wir danken Özcan Mutlu und der Spielbank, ihre Spende ist ein wichtiger Beitrag für den Parasport in Berlin.“

Spielbank Berlin: Sportförderer der Hauptstadt

Die Spielbank Berlin versteht sich als Partner der Hauptstadt. Sie unterstützt seit vielen Jahren kulturelle und soziale Institutionen, vor allem aber den Hauptstadtsport. Bereits 2016 hat die Spielbank das Projekt „Road-to-Rio“ für die Paralympics in Brasilien großzügig unterstützt. Auch die sehbehinderte Para-Schwimmerin und Berlins Sportlerin des Jahres 2019 Elena Krawzow wird durch die Spielbank Berlin auf ihrem Weg nach Tokio gefördert.

Die Spielbank Berlin ermöglicht ihren Beiräten die Unterstützung von unterschiedlichen Einrichtungen, Projekten und Vereinen aus dem Budget eines eigenen Fördertopfes. Erst kürzlich wurden durch Beiratsmitglieder der Spielbank Schecks an den Traditionsclub Berliner TSC e.V., den türkischen Fußballverein Aldersim-Spor, den Sportverein KSV Reinickendorf Ringen, den Arbeiter-Samariter-Bund und den Verein FrauSuchtZukunft überreicht.

„Der Sport im Allgemeinen und der Para-Sport im Besonderen liegen uns sehr am Herzen“, so Gerhard Wilhelm, Geschäftsführer der Spielbank. „Der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband leistet hier in unserer Stadt einen großen Beitrag zur Inklusion behinderter Menschen.  Die Kampagne ‚Ungehindert.Tokyo‘ wird maßgeblich dazu beitragen, dass die Berliner Athletinnen und Athleten die besten Voraussetzungen haben, um bei den Paralympics große Erfolge zu feiern. Wir freuen uns, dass wir Teil dieser Kampagne sind und drücken die Daumen für Tokio.“ (red)

Grüne Woche 2020 – Impulse für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft

Landwirtschaft, Ernährung, Klima – gestern ging die 85. Grüne Woche in Berlin zu Ende. Mit 400.000 Messe- und Kongressbesuchern, darunter rund 90.000 Fachbesucher aus 75 Ländern hat die Veranstaltung unter dem Funkturm wieder ihren Stellenwert als globale Leitmesse für nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft unter Beweis gestellt. Das konsumfreudige Publikum gab mehr als 52 Millionen Euro für den Verzehr vor Ort und den Kauf von Waren aus.

Klima – das zentrale Thema

Im Mittelpunkt der Messe standen die Herausforderungen des Klimawandels für die Land- und Ernährungswirtschaft und Lösungsansätze für nachhaltige, ressourcenschonende und umweltfreundliche Produktionsverfahren.

„Die Grüne Woche 2020 hat mehr denn je ihre Funktion als wichtigste Dialogplattform für die Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft unterstrichen. Sie vereint alle Marktteilnehmer und bietet allen gesellschaftlichen Gruppen eine Bühne, um lösungsorientiert die Zukunftsfragen der Land- und Ernährungswirtschaft im nationalen und globalen Kontext zu erörtern. So war die Grüne Woche ein Spiegelbild der aktuell geführten gesellschaftlichen Auseinander-setzung um Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz“, erklärt Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH.

Nachhaltiger leben – Umwelttipps für den Alltag

So erhielten Besucher Einblicke in Lösungsansätze, die die Landwirtschaft aktuell zum Klimaschutz entwickelt und konnten zum Beispiel Feldroboter und Traktoren mit klimafreundlichen Kraftstoffen vor Ort erleben. Darüber hinaus informierte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Messebesucher, welche Möglichkeiten sie als Verbraucher haben. Nachhaltiger Einkauf im Supermarkt, die Gestaltung eines bienenfreundlichen Gartens, Verwertung von Lebensmitteln – die Besucher erhielten viele nützliche Tipps. Erstmals war auch Fridays for Future mit einem Stand vertreten.

Ein besonderes Highlight war die „Klimabubble“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei dem die Besucher mittels VR-Brille virtuell nach Madagaskar reisen konnten, um dort die Auswirkungen des Klimawandels zu erleben.

Grüne Woche 2020 – Partnerland Kroatien

Das diesjährige Partnerland Kroatien präsentierte in Halle 10.2 eine Vielzahl an landestypischen Spezialitäten aus den vier Regionen Istrien, Slawonien, Dalmatien und Zentralkroatien. Die über fünfzig großen und kleinen Lebensmittelunternehmen und Familienbetriebe boten zahlreiche gastronomische Köstlichkeiten wie kroatische Fleisch- und Fischprodukte, Weine, Olivenöle, Süßwaren oder kostbaren Trüffel.

Grüne Woche 2020 – eine Deutschlandreise

Das Brandenburger Tor aus Schokolade - Grüne Woche 2020

Die Schokoladenmanufaktur Rausch zeigte ein Brandenburger Tor ganz aus Schokolade | Foto: BERLINboxx

Von der Küste bis zu den Alpen – auch in diesem Jahr waren wieder die einzelnen Bundesländer vertreten und zeigten kulinarische Highlight aus ihrer Region. Berlin präsentierte sich zwischen Tradition und Innovation. So waren sowohl Florida Eis und Rausch als auch Koawach und Spooning Cookie Dough mit einem Stand vertreten. (aw)

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci: Pflege und Leiharbeit vertragen sich nicht

In einer hochkarätigen Diskussionsrunde mit Berliner Wirtschaftsvertretern zog Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci eine positive Bilanz: Mit Trimmi 2.0 setzt Berlin einen Präventions-Schwerpunkt in der Gesundheitspolitik. Das Lieblingsprojekt der Senatorin sieht für 2020 Trimmgeräte in Berliner Parks vor und soll für Jung und Alt Bewegung fördern. Dabei wirkt das Projekt auch kommunikativ und verbindet zum Beispiel junge Menschen aus Kitas mit älteren Menschen aus Pflegeheimen. Diesen Traum formulierte die Senatorin bei Ihrem Amtsantritt 2016. Konsequent verfolgte Sie das Vorhaben und steht nun unmittelbar vor der Umsetzung. Auch sonst konnte die engagierte Senatorin auf eine gute Zwischenbilanz verweisen. Aus dem Cluster Gesundheitswirtschaft ist die Gesundheitsstadt geworden, ein selbstbewusster Wirtschaftszweig, der die Bereiche Pharma, Medizintechnik und das Gesundheitswesen nicht nur verbindet, sondern der Synergien schafft. Synergien war auch das Motiv für die Zusammenführung von Charité und Vivantes, den beiden kommunalen Krankenhauskonzernen, die als kommunale Tanker die Hälfte der Gesundheitsversorgung in Berlin ausmachen. Synergien heben statt miteinander in Konkurrenz stehen, das ist das Programm für die zweite Hälfte der Legislatur. Die Investitionsmittel für die Krankenhäuser lassen sich so besser steuern, die Notfallversorgung wird optimiert und auch im ambulanten Bereich können die Wartezeiten auf einen Facharzttermin verkürzt werden.

Fortbildung ist Losung von Fachkräftemangel in der Pflege

Pflege Berliner Wirtschaftsgespräche

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci und Moderator Mirco Dragowski| Foto: BERLINboxx

Ferner sei unter anderem eine gemeinsame Aus- und Fortbildungsakademie geplant, um dem substantiellen Problem des Fachkräftemangels zu begegnen. Fachkräftemangel, so die Senatorin, lasse sich nur beheben durch Ausbildung. Hier seien klar Schwerpunkte zu setzen. In der Diskussion, die souverän von Mirco Dragowski geleitet wurde, wurden aber auch die unversöhnlichen Positionen des Senats und des Pflege-Leiharbeiter-Sektors deutlich. Pflege und Leiharbeit vertragen sich nicht. Die Forcierung eines eigenen Pflegeleiharbeiter-Sektors sei nicht akzeptabel und störe den Betriebsfrieden in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Die Senatorin präferiert innerbetriebliche Lösungen und hat konsequenterweise die Bundesratsinitiative zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz initiiert.

Positive Beispiele der Berliner Gesundheitspolitik

Freies WLAN in Krankenhäusern macht gute Fortschritte. 30 Krankenhäuser bieten diese wichtige Kommunikationstool bereits an und erhöhen so deutlich die Aufenthaltsqualität in den Gesundheitseinrichtungen. Die von Kalayci ins Leben gerufene Zukunftskommission „Gesundheitsstadt 2030“ ist auf einem guten Weg, um besser in der medizinischen Forschung zu werden. Auch der Berliner Pakt für Pflege und die Konzepte zur Pflege 4.0 sind erfolgreich. Allerdings fordert die Senatorin auch, dass das Thema Pflege als kulturelle Frage für die Gesellschaft intensiver diskutiert werden müsse. Eine weitere Erfolgszahl heißt 42 Prozent. Gemeint ist die signifikant gestiegene Zahl bei der Gleichstellung von Frauen in Aufsichtsräten.

Berliner Wirtschaftsgespräche im Berlin Capital Club

Mit diesem Veranstaltungsformat, das viel Raum für Diskussion gibt, ist es den Berliner Wirtschaftsgesprächen unter der Leitung von Mirco Dragowski und seinem Team gelungen, eine neue Zielgruppe zu erschließen und damit den traditionsreichen Wirtschaftsverband zu verjüngen und als Impulsgeber zu etablieren. (fs)

„Berlin ist die deutsche Hauptstadt der Medizin“

Im Gespräch mit Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung

Berlin belegt in der Medizin international Spitzenplätze. Das Geheimnis der Gesundheitsstadt Berlin: Ideale Voraussetzungen und ein breites Netzwerk.

Berlin ist Deutschlands führende Gesundheitsmetropole. In Europa steht die Charité auf Platz eins der besten Hospitäler und weltweit auf Platz 5 – Was macht die Stärke des Gesundheitsstandorts Berlin aus?

Unsere Situation ist deutschlandweit wirklich einzigartig. Denn Berlin hat alles, was eine echte Gesundheitsmetropole ausmacht. Medizinische Spitzenforschung, hervorragende Krankenhäuser, Wirtschaftsunternehmen vom jungen Start-up bis zum großen Pharmakonzern. Aus dieser Vielfalt ergibt sich eine große Dynamik, die wir gezielt weiterentwickeln, und die immer mehr Talente und Akteure anzieht. Der World Health Summit in Berlin hat sich längst zum Treffen der Gesundheitswelt entwickelt, internationale Schwergewichte der Medizinförderung wie die Bill-and-Melinda Gates Stiftung und der Wellcome Trust haben in Berlin Dependancen bezogen.

Auch das fabelhafte Abschneiden unserer Universitäten und der Charité im deutschen Exzellenzwettbewerb bringt neuen Schub: Auf der Agenda der Berlin University Alliance steht ganz prominent die Gesundheitsforschung. Aus all dem ergibt sich ein unglaubliches Zukunftspotenzial, das wir mit der Strategie „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ noch besser nutzen werden. Im Dreiklang aus Wissenschaft, medizinischer Versorgung und natürlich auch Wirtschaft führen wir Berlin als Gesundheitsstandort an die internationale Spitze.

Charité - Gesundheitsstadt Berlin

Charité Berlin – Medizinische Spitzenforschung in der Hauptstadt. | Foto: Charité-Universitätsmedizin-Berlin

Auch Berlin unterliegt dem demografischen Wandel. Es wird sogar von einer massiven Verschiebung in der Zusammensetzung der Bevölkerung gesprochen. Was bedeutet das für das Gesundheitswesen und inwieweit können moderne Technologie eine Lösung sein?

Wir werden – vor allem dank der vielen technologischen Fortschritte in der Medizin – immer älter. Das ist ja erstmal eine gute Nachricht. Damit entstehen natürlich auch neue Anforderungen an das Gesundheitswesen und unsere Gesellschaft insgesamt. Die Zahl der Menschen mit chronischen Krankheiten wird weiter steigen, die Pflege wird eine noch größere Rolle spielen, der gesamte medizinische Bereich mehr hervorragend ausgebildete Fachkräfte brauchen. Dabei stellt sich die Frage, wie wir mithilfe von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz diesen Anforderungen noch besser begegnen können. Dafür haben wir in Berlin die besten Voraussetzungen. Über einhundert Professuren forschen hier bereits auf verschiedenen Feldern der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und wir nutzen diese geballte Expertise verstärkt für die Medizin. Diagnosen können verbessert werden, die Behandlung erkrankter Menschen präziser erfolgen, und der Einsatz digitaler Technologien auch zur Entlastung von Klinikpersonal führen.

Mit dem medizinischen Fortschritt gehen auch veränderte Anforderungen und Erwartungen an die Gesundheitsversorgung einher. Einige der neuen Therapien verlangen ein hohes Qualitätsniveau. Sind Ärzte und Pflegekräfte in Berlin gut darauf vorbereitet?

Das Medizinstudium an der Charité hat einen hervorragenden Ruf. Auch die Ausbildung medizinischer Fachkräfte an unseren Fachhochschulen setzt hohe Standards. Gemeinsam mit unseren Institutionen reagieren wir auf die veränderten Anforderungen, indem wir Ausbildungskapazitäten erhöhen und neue Studiengänge einführen, etwa im Bereich der Pflege. Wir müssen auch sicherstellen, dass Fachkräfte sich fortbilden können. Das sind die besten Grundlagen zur Sicherung einer anhaltend hohen Qualität in der medizinischen Versorgung. Zusammen mit der Charité und der landeseigenen Vivantes entwickeln wir ein gemeinsames Aus- und Weiterbildungszentrum mit mehreren Tausend Plätzen.

Die Digitalisierung der stationären Krankenversorgung steckt auch in Berlin noch ziemlich in den Kinderschuhen. Welche Bemühungen werden hier gemacht?

Wir fangen ja nicht bei Null an, aber es ist richtig, dass wir die Digitalisierung im Gesundheitssektor noch stärker vorantreiben. Berlin hat das Zeug zur deutschen Modellstadt für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Charité und Vivantes, zusammengenommen gut 9.000 Krankenbetten berlinweit, arbeiten bereits enger zusammen, um ihre Digitalisierungsprozesse noch besser zu verzahnen und weiterzuentwickeln.

Wir tauschen uns zudem mit internationalen Partnern aus, man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Mit dem australischen Bundesstaat Queensland, der als Vorreiter in der Digitalisierung des Gesundheitswesens gilt, haben wir vergangenes Jahr während meiner Australienreise als Bundesratspräsident eine Kooperation gestartet. Es geht um gemeinsame Forschung zu Medizin und Digitalisierung, genauso wie um den Erfahrungsaustausch beim Einsatz digitaler Technologien. Experten von beiden Seiten treffen sich regelmäßig in Arbeitsgruppen.

Das sind ganz praktische Schritte, aber wir brauchen auch einen Mentalitätswechsel. Vor lauter Sorge um mögliche Risiken drohen wir hierzu lande zu oft den Blick für die Chancen der Digitalisierung zu verlieren. Die digitale Patientenakte ist so ein Beispiel. Man kann beides haben, die Einhaltung hoher Datenschutzstandards und ein modernes, digitales Werkzeug, das Patienten und Ärzten gleichermaßen große Vorteile eröffnet.

Die Zukunftskommission Gesundheitsstadt Berlin 2030 rät, alle Vorgänge im Krankenhaus, die nicht unmittelbar von Menschen durchgeführt werden müssen, durch Digitalisierung zu ersetzen. Ist diese Überlegung realistisch, wo doch zunächst der Zustand von Gebäuden und technischer Infrastruktur dringend verbessert werden muss?

Beides ist richtig und kein Widerspruch. Wenn wir über das Jahrzehnt der Investitionen sprechen, dann betrifft das natürlich auch die Gesundheitsinfrastruktur. Allein an den vier Standorten der Charité führen wir in den nächsten Jahren Maßnahmen im Umfang von über einer Milliarde Euro durch. Auch die technische Infrastruktur wird modernisiert, von neuen Leitungen und WLAN-Stationen, über Hightech-Betten bis hin zu medizinischen Großgeräten. Das alles gehört konsequenterweise dazu, wenn wir über die Digitalisierung der Medizin sprechen. Über gemeinsame IT-Infrastrukturen wollen Charité und Vivantes dabei Synergien noch besser nutzen. Die zweite Frage ist, wo genau im Krankenhausalltag digitale Technologien sinnvoll zum Einsatz kommen können. Das wird man sicherlich immer wieder prüfen müssen und dabei auch kritisch hinterfragen: Wieviel Mensch und wieviel Maschine wollen wir? Bei allen Verbesserungen, die wir durch Technologieeinsatz erreichen können, wird die Gesundheitsversorgung immer menschliche Expertise und Empathie brauchen.

Sie haben stark daran mitgewirkt, dass das Berlin Institute of Health nun Teil der Charité ist – was bedeutet dieser Zusammenschluss für Berlin?

Berlin spielt immer mehr im Konzert der großen internationalen Innovationsmetropolen mit, das gilt auch und besonders für die medizinische Forschung. Die Integration des Berlin Institute of Health in die Charité ist dafür ein weiterer Meilenstein. Neben Klinikum und medizinischer Fakultät wird das BIH nun als dritte Säule der Charité exzellente Forschung stärken und dafür sorgen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse noch schneller als medizinische Innovation ans Krankenbett gelangen. Davon profitieren Patientinnen und Patienten, übrigens nicht nur in Berlin. Denn die Charité und das BIH haben eine Strahlkraft, die deutlich über die Grenzen unserer Stadt hinausgeht. Durch diesen Schritt wird ein ganz neues Kapitel für den Innovationsstandort Deutschland aufgeschlagen. Erstmals steigt der Bund direkt und unbefristet in die Finanzierung einer wissenschaftlichen Landeseinrichtung ein, das Budget für das BIH beträgt jährlich gut 77 Millionen Euro. Das ist bislang einzigartig und ein klares Bekenntnis: Berlin ist die Hauptstadt der Medizin. (aw)

„Der internationale Glanz der Charité fällt auch auf unseren Bezirk”

Im Gespräch mit Stephan von Dassel (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksbürgermeister von Mitte

Die verschiedenen Ortsteile von Mitte sind so unterschiedlich wie ihre Bewohner. Der Bezirk lebt durch Gegensätze und Widersprüche. Und vor allem liegen zwei der vier Campi der Charité dort. Die BERLINboxx traf Bezirksbürgermeister von Dassel und sprach mit ihm über Herausforderungen im Bezirk und die Bedeutung der Charité.

Zwei von vier Campi der Charité sind in Mitte angesiedelt. Welche Bedeutung hat das Universitätsklinikum für den Bezirk?

Das Universitätsklinikum hat eine sehr große Bedeutung für den Bezirk. Von der medizinischen Bedeutung für die Menschen, nicht nur in Mitte, einmal abgesehen, strahlt die Charité im internationalen Glanz. Von diesem Glanz fällt auch ein bisschen auf unseren Bezirk. Die Charité mit ihren Einrichtungen gehört ebenso zu Mitte wie der Fernsehturm, das Brandenburger Tor oder der Tiergarten. Darauf sind wir natürlich sehr stolz.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller möchte Berlin zur Forschungsmetropole, zum Zentrum der Spitzenmedizin ausbauen. Wird diese Entwicklung auch den Bezirk verändern?

Natürlich wird dieser Ausbau Auswirkungen auf den Bezirk Mitte haben – vor allem für Wedding. Denn für den dortigen Standort, insbesondere das Deutsche Herzzentrum – das im Zusammenhang mit Spitzenmedizin immer zu nennen ist – gibt es ja Umbaupläne, die ihn, aber auch das Umfeld, nochmals deutlich aufwerten würden. Dies allerdings nicht nur in einem physikalischen, sondern auch in einem ideellen Sinne. Mitte ist ja schon jetzt das bevorzugte Ziel vieler Menschen, die aus anderen Teilen der Stadt, des Landes oder der Welt kommen. In einigen Jahren wird es dafür dann neben den klassisch touristischen Gründen, einen noch stärker als heute schon ausgeprägten medizinisch-wissenschaftlichen Grund geben. Und das ist großartig – für uns Patientinnen und Patienten genauso wie für Menschen, die in der medizinisch-wissenschaftlichen Branche in Berlin-Mitte beruflich tätig sind.

Nachverdichtung, E-Scooter, Leihräder und Co. an jeder Straßenecke, weitere Investitionen in die Charité – in Mitte passiert gerade sehr viel. Wo sehen Sie Ihren Bezirk in zehn Jahren?

Grundsätzlich gilt auch in Mitte: Veränderung ist Fortschritt. Es sind ja nicht nur die beabsichtigten Investitionen in die Charité, die wir im Bezirksamt mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, weil sie den Bürgerinnen und Bürgern dienen und damit uns allen, die wir hier leben. Wir freuen uns auch über viele andere Investitionen: Wohnungsbau, Kita- und Schulbauten aber auch Investitionen in weitere Infrastruktur sowie Firmen und damit in Arbeitsplätze. Als Bezirksbürgermeister stehe ich ansonsten natürlich auch jeder Innovation, die Auswirkungen auf das Zusammenleben in unserem Bezirk hat, grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber. Wichtig für ein freiheitliches und tolerantes Zusammenleben ist allerdings die Einhaltung von Regeln, denn nur dann können sich Mitte und die gesamte Stadt diesen von vielen geschätzten Lebensstil bewahren. Das gilt für E-Scooter und Leihfahrräder genauso wie den normalen Autoverkehr, die Nutzung von Parks und öffentlichen Grünanlagen und das Verhalten im Öffentlichen Raum allgemein. Daran wird sich auch in zehn Jahren nichts geändert haben – Mitte wird dann genauso wie heute ein lebenswerter Bezirk sein, der seine Reize nicht zuletzt aus seiner bunten Vielfältigkeit bezieht. (aw)

Prof. Thomas Skutella: Ein Meilenstein in der Reproduktionsmedizin

Für viele Frauen ist es ein schweres Schicksal, wenn sie keine Kinder bekommen können.

Auch moderne Methoden der In-vitro-Fertilisation können manchen Frauen nicht helfen. Zum Beispiel helfen keine LH- oder FSH-Stimulanzien, wenn eine Frau sogenannte polyzystische Ovarien (PCO), Endometriose oder sogar das ovarielle Low-Responder-Syndrom hat. Zu wenige oder keine Eizellen können sich durch IVF aus dem Ovar entwickeln. Die bisherige Diagnose lautete unfruchtbar.

 

Durchbruch nach mehr als zehn Jahren intensiver Forschung

Dank neuer Forschungen kann jetzt – in einigen Fällen – geholfen werden. Das Labor von Prof. Dr. Thomas Skutella, Professor für Zellbiologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, hat in einem vom BMBF geförderten Kooperationsprojekt mit Prof. Irma Virant-Klun vom Universitätsklinikum in Ljubljana, Slowenien, nach mehr als 10 Jahren intensiver Forschung an weiblichen Oozyten einen Durchbruch geschafft.

Bei IVF-Patientinnen gibt es einen Anteil von etwa 15 – 20 % an unreifen Follikeln, die Keimbläschen (KB) genannt werden. Bisher konnten diese Keimbläschen nicht befruchtet werden und werden daher ausgesondert. Mit einer neuen Methode der sogenannten „In-vitro-Maturation“, kurz IVM, können die Progenitorzellen der Follikel jedoch in der Petrischale künstlich zur Reife gebracht werden.

 

Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden

Die Forschungsgruppe um Prof. Skutella zeigte, dass es möglich ist, den In-vitro-Prozess der menschlichen Oozytenmaturation in einer Co-Kultur mit Kumuluszellen von reifen Eizellen derselben Frau zu verbessern, um ein klinisch erfolgreicheres und sichereres zukünftiges Verfahren zu generieren.

Dieses Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden, die sich einer Chemotherapie oder Strahlentherapie unterziehen, um ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. In diesen Fällen wird das Material vor der Therapie entfernt und künstlich gereift. Es ist nicht mehr notwendig, dass die Patientinnen wie bisher wertvolle Zeit warten müssen, bis durch In-vivo-Stimulation reife Oozyten gewonnen werden können.

 

Besseres Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit

Die Forschungsgruppen von Prof. Skutella und Virant Klun arbeiten derzeit daran, die Rate der Oozytenmaturation in Gonadotropinen (FSH, hCG und AMH) im Verhältnis zum Alter der Oozytenspender auf Einzelzellenebene besser zu verstehen. Sie untersuchen die Expression von Transkriptionsfaktoren, die zuvor in einer Pilotstudie zur In-vitro-Maturation menschlicher Oozyten identifiziert wurden, einschließlich der oozytenspezifischen Gene FIGLA und H1FOO in einzelnen in-vitro gereiften Eizellen. Darüber hinaus analysieren die Forschungsgruppen den Einfluss von Gonadotropinen und dem weiblichen Alter auf die Regulationsmechanismen von miRNAs auf die Expression von Transkriptionsfaktoren und anderen wichtigen identifizierten Genen in einzelnen Oozyten und vergleichen die exosomale miRNA von in-vivo und in-vitro gereiften Oozyten. Sie erwarten, dass die Ergebnisse ein besseres zukünftiges Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit liefern und eine Grundlage für die mögliche Entwicklung neuer Medikamente und Therapien zur Stimulation der Ovarialhormone bei IVM bilden werden.

 

Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation

Ein weiterer Durchbruch in der Reproduktionsmedizin ist die Möglichkeit der genetischen Präimplantationsdiagnostik. Kinderlose Paare gehen oft einen langen Leidensweg von unzähligen IVF-Versuchen. Ein Grund, warum die In-vitro-Fertilisation oft scheitert, ist die schlechte Qualität der befruchteten Oozyten. Schlechte Qualität heißt in der medizinischen Fachsprache Aneuploidie, also schwerste Chromosomenstörungen, die nicht lebensverträglich sind. Von „außen“ kann aufgrund der Morphologie die Qualität des Eis oft nicht erkannt werden, was dazu führen kann, dass der gesamte Prozess der künstlichen Befruchtung und Implantation praktisch vergeblich durchgeführt wird.

Die Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation und beeinflusst die daraus resultierende Embryonalentwicklung, Schwangerschaft und Geburt. Sie dient damit als Grundlage für die menschliche Fortpflanzung und Fruchtbarkeit. Die Möglichkeit, die Qualität der Oozyten im Rahmen des In-vitro-Fertilisationsprogramms zu bewerten, ist sehr eingeschränkt.  Abgesehen von der Beurteilung des Aussehens des Oozyten haben die Ärzte keine weiteren Kriterien zur Verfügung.

Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen

Genexpressionsprofile von einzelnen Oozyten bieten neue und klarere Einblicke in die Qualität und Genese der Oozyten und werden in naher Zukunft in die klinische Praxis einfließen.
Die Ergebnisse sollen neue grundlegende Informationen über den menschlichen Oozyten, seine Vielfalt und ein tieferes Verständnis der molekularen Mechanismen der menschlichen Eizelle während der In-vitro-Maturation liefern. Letztendlich trägt dies auch zur Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen und zur genaueren Erhaltung der Fruchtbarkeit bei Krebspatientinnen bei. (red)

Kampf gegen HIV und Aids: Spielbank Berlin unterstützt Selbsthilfeorganisation House of Queer Sisters e.V.

Die Spielbank Berlin wird den Verein House of Queer Sisters e.V. Erzabtei Bundesverband in den kommenden Jahren partnerschaftlich unterstützen. Dazu wurde dem in Berlin ansässigen Verein durch Spielbank-Geschäftsführer Gerhard Wilhelm ein Scheck in Höhe von 4.500 Euro überreicht. House of Queer Sisters e.V. ist in der Behindertenhilfe, der Flüchtlingshilfe, dem Schutz der Menschenrechte, der Beratung, der Bildung und des Völkerverständigungsgedankens tätig. Als Selbsthilfeorganisation unterstützt der Verein Menschen mit HIV/Aids, ihre An- und Zugehörigen in allen Lebensfragen, die sich im Rahmen der HIV-Erkrankung ergeben. Darüber hinaus sammelt House of Queer Sisters Spenden für zahlreiche Projekte und bietet Partnerschaften mit Vereinen an, welche sich ebenfalls mit der Prävention von HIV/AIDS und dem Umgang mit der Krankheit auseinandersetzen.

 

Aufklärung und konkrete Unterstützung

„Für die Umsetzung unserer wichtigen Aufgaben sind wir auf jede Hilfe angewiesen“, so Sister Mary Clarence von House of Queer Sisters e.V. „HIV/Aids und ganz besonders der Umgang damit – sowohl durch die Betroffenen selbst als auch durch ihr Umfeld – ist nach wie vor ein wichtiges soziales Thema. Wir setzen auf Aufklärung, aber auch auf ganz konkrete Hilfe für die Menschen. Dabei sind im House of Queer Sisters e.V. alle Mitglieder ehrenamtlich tätig. Wir danken der Spielbank Berlin für die großzügige Unterstützung und das Bekenntnis zu unseren Anliegen und freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit.“

 

Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung Betroffener

House of Queer Sisters e.V. Erzabtei Bundesverband gibt Hilfe zur Selbsthilfe und unterstützt die Selbstvertretung von Menschen mit HIV/Aids. Vor dem Hintergrund der veränderten Lebenserwartung ist es das Ziel, Menschen mit HIV/AIDS zu ermutigen, sich mit den Aspekten des langfristigen Erhalts ihrer Gesundheit zu beschäftigen. Damit ermöglicht der Verein Betroffenen und deren Angehörigen eine informierte Haltung im Umgang mit HIV/AIDS und sexuell übertragbaren (STI) Erkrankungen und dem Leben mit HIV. Der Stigmatisierung und Diskriminierung HIV/AIDS-positiver Menschen tritt das House of Queer Sisters e.V. Erzabtei Bundesverband dabei parteiisch und solidarisch entgegen.

 

Spielbank Berlin ist Partner der Hauptstadt

Die Spielbank Berlin unterstützt nicht nur seit vielen Jahren kulturelle und sportliche Events der Bundeshauptstadt, sondern unterstützt auch ganz bewusst soziale Einrichtungen und Institutionen. Darüber hinaus ermöglicht die Spielbank Berlin ihren Beiräten die Unterstützung von unterschiedlichen sozialen Einrichtungen, Projekten und Vereinen aus dem Budget eines eigenen Fördertopfes. Erst kürzlich wurden durch die Beiratsmitglieder der Spielbank Berlin Schecks im Wert von insgesamt über 50.000 Euro an verschiedene Einrichtungen übergeben, darunter auch an das schwule Anti-Gewaltprojekt MANEO und die Berliner Aids-Hilfe.

 

„Die Spielbank Berlin versteht sich seit ihrer Gründung als ein verlässlicher und verantwortungsbewusster Partner unserer Stadt – in all ihren Facetten“, so Gerhard Wilhelm, Geschäftsführer der Spielbank Berlin. „Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, den Verein House of Queer Sisters zu unterstützen und uns mit den Zielen und Aufgaben des Vereins aufs höchste zu solidarisieren. Wir wünschen House of Queer Sisters e.V. weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf die Partnerschaft mit dieser wichtigen Einrichtung.“ (red)