Grüne Woche 2020 – Impulse für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft

Landwirtschaft, Ernährung, Klima – gestern ging die 85. Grüne Woche in Berlin zu Ende. Mit 400.000 Messe- und Kongressbesuchern, darunter rund 90.000 Fachbesucher aus 75 Ländern hat die Veranstaltung unter dem Funkturm wieder ihren Stellenwert als globale Leitmesse für nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft unter Beweis gestellt. Das konsumfreudige Publikum gab mehr als 52 Millionen Euro für den Verzehr vor Ort und den Kauf von Waren aus.

Klima – das zentrale Thema

Im Mittelpunkt der Messe standen die Herausforderungen des Klimawandels für die Land- und Ernährungswirtschaft und Lösungsansätze für nachhaltige, ressourcenschonende und umweltfreundliche Produktionsverfahren.

„Die Grüne Woche 2020 hat mehr denn je ihre Funktion als wichtigste Dialogplattform für die Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft unterstrichen. Sie vereint alle Marktteilnehmer und bietet allen gesellschaftlichen Gruppen eine Bühne, um lösungsorientiert die Zukunftsfragen der Land- und Ernährungswirtschaft im nationalen und globalen Kontext zu erörtern. So war die Grüne Woche ein Spiegelbild der aktuell geführten gesellschaftlichen Auseinander-setzung um Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz“, erklärt Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH.

Nachhaltiger leben – Umwelttipps für den Alltag

So erhielten Besucher Einblicke in Lösungsansätze, die die Landwirtschaft aktuell zum Klimaschutz entwickelt und konnten zum Beispiel Feldroboter und Traktoren mit klimafreundlichen Kraftstoffen vor Ort erleben. Darüber hinaus informierte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Messebesucher, welche Möglichkeiten sie als Verbraucher haben. Nachhaltiger Einkauf im Supermarkt, die Gestaltung eines bienenfreundlichen Gartens, Verwertung von Lebensmitteln – die Besucher erhielten viele nützliche Tipps. Erstmals war auch Fridays for Future mit einem Stand vertreten.

Ein besonderes Highlight war die „Klimabubble“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei dem die Besucher mittels VR-Brille virtuell nach Madagaskar reisen konnten, um dort die Auswirkungen des Klimawandels zu erleben.

Grüne Woche 2020 – Partnerland Kroatien

Das diesjährige Partnerland Kroatien präsentierte in Halle 10.2 eine Vielzahl an landestypischen Spezialitäten aus den vier Regionen Istrien, Slawonien, Dalmatien und Zentralkroatien. Die über fünfzig großen und kleinen Lebensmittelunternehmen und Familienbetriebe boten zahlreiche gastronomische Köstlichkeiten wie kroatische Fleisch- und Fischprodukte, Weine, Olivenöle, Süßwaren oder kostbaren Trüffel.

Grüne Woche 2020 – eine Deutschlandreise

Das Brandenburger Tor aus Schokolade - Grüne Woche 2020

Die Schokoladenmanufaktur Rausch zeigte ein Brandenburger Tor ganz aus Schokolade | Foto: BERLINboxx

Von der Küste bis zu den Alpen – auch in diesem Jahr waren wieder die einzelnen Bundesländer vertreten und zeigten kulinarische Highlight aus ihrer Region. Berlin präsentierte sich zwischen Tradition und Innovation. So waren sowohl Florida Eis und Rausch als auch Koawach und Spooning Cookie Dough mit einem Stand vertreten. (aw)

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci: Pflege und Leiharbeit vertragen sich nicht

In einer hochkarätigen Diskussionsrunde mit Berliner Wirtschaftsvertretern zog Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci eine positive Bilanz: Mit Trimmi 2.0 setzt Berlin einen Präventions-Schwerpunkt in der Gesundheitspolitik. Das Lieblingsprojekt der Senatorin sieht für 2020 Trimmgeräte in Berliner Parks vor und soll für Jung und Alt Bewegung fördern. Dabei wirkt das Projekt auch kommunikativ und verbindet zum Beispiel junge Menschen aus Kitas mit älteren Menschen aus Pflegeheimen. Diesen Traum formulierte die Senatorin bei Ihrem Amtsantritt 2016. Konsequent verfolgte Sie das Vorhaben und steht nun unmittelbar vor der Umsetzung. Auch sonst konnte die engagierte Senatorin auf eine gute Zwischenbilanz verweisen. Aus dem Cluster Gesundheitswirtschaft ist die Gesundheitsstadt geworden, ein selbstbewusster Wirtschaftszweig, der die Bereiche Pharma, Medizintechnik und das Gesundheitswesen nicht nur verbindet, sondern der Synergien schafft. Synergien war auch das Motiv für die Zusammenführung von Charité und Vivantes, den beiden kommunalen Krankenhauskonzernen, die als kommunale Tanker die Hälfte der Gesundheitsversorgung in Berlin ausmachen. Synergien heben statt miteinander in Konkurrenz stehen, das ist das Programm für die zweite Hälfte der Legislatur. Die Investitionsmittel für die Krankenhäuser lassen sich so besser steuern, die Notfallversorgung wird optimiert und auch im ambulanten Bereich können die Wartezeiten auf einen Facharzttermin verkürzt werden.

Fortbildung ist Losung von Fachkräftemangel in der Pflege

Pflege Berliner Wirtschaftsgespräche

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci und Moderator Mirco Dragowski| Foto: BERLINboxx

Ferner sei unter anderem eine gemeinsame Aus- und Fortbildungsakademie geplant, um dem substantiellen Problem des Fachkräftemangels zu begegnen. Fachkräftemangel, so die Senatorin, lasse sich nur beheben durch Ausbildung. Hier seien klar Schwerpunkte zu setzen. In der Diskussion, die souverän von Mirco Dragowski geleitet wurde, wurden aber auch die unversöhnlichen Positionen des Senats und des Pflege-Leiharbeiter-Sektors deutlich. Pflege und Leiharbeit vertragen sich nicht. Die Forcierung eines eigenen Pflegeleiharbeiter-Sektors sei nicht akzeptabel und störe den Betriebsfrieden in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Die Senatorin präferiert innerbetriebliche Lösungen und hat konsequenterweise die Bundesratsinitiative zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz initiiert.

Positive Beispiele der Berliner Gesundheitspolitik

Freies WLAN in Krankenhäusern macht gute Fortschritte. 30 Krankenhäuser bieten diese wichtige Kommunikationstool bereits an und erhöhen so deutlich die Aufenthaltsqualität in den Gesundheitseinrichtungen. Die von Kalayci ins Leben gerufene Zukunftskommission „Gesundheitsstadt 2030“ ist auf einem guten Weg, um besser in der medizinischen Forschung zu werden. Auch der Berliner Pakt für Pflege und die Konzepte zur Pflege 4.0 sind erfolgreich. Allerdings fordert die Senatorin auch, dass das Thema Pflege als kulturelle Frage für die Gesellschaft intensiver diskutiert werden müsse. Eine weitere Erfolgszahl heißt 42 Prozent. Gemeint ist die signifikant gestiegene Zahl bei der Gleichstellung von Frauen in Aufsichtsräten.

Berliner Wirtschaftsgespräche im Berlin Capital Club

Mit diesem Veranstaltungsformat, das viel Raum für Diskussion gibt, ist es den Berliner Wirtschaftsgesprächen unter der Leitung von Mirco Dragowski und seinem Team gelungen, eine neue Zielgruppe zu erschließen und damit den traditionsreichen Wirtschaftsverband zu verjüngen und als Impulsgeber zu etablieren. (fs)

„Berlin ist die deutsche Hauptstadt der Medizin“

Im Gespräch mit Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung

Berlin belegt in der Medizin international Spitzenplätze. Das Geheimnis der Gesundheitsstadt Berlin: Ideale Voraussetzungen und ein breites Netzwerk.

Berlin ist Deutschlands führende Gesundheitsmetropole. In Europa steht die Charité auf Platz eins der besten Hospitäler und weltweit auf Platz 5 – Was macht die Stärke des Gesundheitsstandorts Berlin aus?

Unsere Situation ist deutschlandweit wirklich einzigartig. Denn Berlin hat alles, was eine echte Gesundheitsmetropole ausmacht. Medizinische Spitzenforschung, hervorragende Krankenhäuser, Wirtschaftsunternehmen vom jungen Start-up bis zum großen Pharmakonzern. Aus dieser Vielfalt ergibt sich eine große Dynamik, die wir gezielt weiterentwickeln, und die immer mehr Talente und Akteure anzieht. Der World Health Summit in Berlin hat sich längst zum Treffen der Gesundheitswelt entwickelt, internationale Schwergewichte der Medizinförderung wie die Bill-and-Melinda Gates Stiftung und der Wellcome Trust haben in Berlin Dependancen bezogen.

Auch das fabelhafte Abschneiden unserer Universitäten und der Charité im deutschen Exzellenzwettbewerb bringt neuen Schub: Auf der Agenda der Berlin University Alliance steht ganz prominent die Gesundheitsforschung. Aus all dem ergibt sich ein unglaubliches Zukunftspotenzial, das wir mit der Strategie „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ noch besser nutzen werden. Im Dreiklang aus Wissenschaft, medizinischer Versorgung und natürlich auch Wirtschaft führen wir Berlin als Gesundheitsstandort an die internationale Spitze.

Charité - Gesundheitsstadt Berlin

Charité Berlin – Medizinische Spitzenforschung in der Hauptstadt. | Foto: Charité-Universitätsmedizin-Berlin

Auch Berlin unterliegt dem demografischen Wandel. Es wird sogar von einer massiven Verschiebung in der Zusammensetzung der Bevölkerung gesprochen. Was bedeutet das für das Gesundheitswesen und inwieweit können moderne Technologie eine Lösung sein?

Wir werden – vor allem dank der vielen technologischen Fortschritte in der Medizin – immer älter. Das ist ja erstmal eine gute Nachricht. Damit entstehen natürlich auch neue Anforderungen an das Gesundheitswesen und unsere Gesellschaft insgesamt. Die Zahl der Menschen mit chronischen Krankheiten wird weiter steigen, die Pflege wird eine noch größere Rolle spielen, der gesamte medizinische Bereich mehr hervorragend ausgebildete Fachkräfte brauchen. Dabei stellt sich die Frage, wie wir mithilfe von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz diesen Anforderungen noch besser begegnen können. Dafür haben wir in Berlin die besten Voraussetzungen. Über einhundert Professuren forschen hier bereits auf verschiedenen Feldern der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz und wir nutzen diese geballte Expertise verstärkt für die Medizin. Diagnosen können verbessert werden, die Behandlung erkrankter Menschen präziser erfolgen, und der Einsatz digitaler Technologien auch zur Entlastung von Klinikpersonal führen.

Mit dem medizinischen Fortschritt gehen auch veränderte Anforderungen und Erwartungen an die Gesundheitsversorgung einher. Einige der neuen Therapien verlangen ein hohes Qualitätsniveau. Sind Ärzte und Pflegekräfte in Berlin gut darauf vorbereitet?

Das Medizinstudium an der Charité hat einen hervorragenden Ruf. Auch die Ausbildung medizinischer Fachkräfte an unseren Fachhochschulen setzt hohe Standards. Gemeinsam mit unseren Institutionen reagieren wir auf die veränderten Anforderungen, indem wir Ausbildungskapazitäten erhöhen und neue Studiengänge einführen, etwa im Bereich der Pflege. Wir müssen auch sicherstellen, dass Fachkräfte sich fortbilden können. Das sind die besten Grundlagen zur Sicherung einer anhaltend hohen Qualität in der medizinischen Versorgung. Zusammen mit der Charité und der landeseigenen Vivantes entwickeln wir ein gemeinsames Aus- und Weiterbildungszentrum mit mehreren Tausend Plätzen.

Die Digitalisierung der stationären Krankenversorgung steckt auch in Berlin noch ziemlich in den Kinderschuhen. Welche Bemühungen werden hier gemacht?

Wir fangen ja nicht bei Null an, aber es ist richtig, dass wir die Digitalisierung im Gesundheitssektor noch stärker vorantreiben. Berlin hat das Zeug zur deutschen Modellstadt für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Charité und Vivantes, zusammengenommen gut 9.000 Krankenbetten berlinweit, arbeiten bereits enger zusammen, um ihre Digitalisierungsprozesse noch besser zu verzahnen und weiterzuentwickeln.

Wir tauschen uns zudem mit internationalen Partnern aus, man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden. Mit dem australischen Bundesstaat Queensland, der als Vorreiter in der Digitalisierung des Gesundheitswesens gilt, haben wir vergangenes Jahr während meiner Australienreise als Bundesratspräsident eine Kooperation gestartet. Es geht um gemeinsame Forschung zu Medizin und Digitalisierung, genauso wie um den Erfahrungsaustausch beim Einsatz digitaler Technologien. Experten von beiden Seiten treffen sich regelmäßig in Arbeitsgruppen.

Das sind ganz praktische Schritte, aber wir brauchen auch einen Mentalitätswechsel. Vor lauter Sorge um mögliche Risiken drohen wir hierzu lande zu oft den Blick für die Chancen der Digitalisierung zu verlieren. Die digitale Patientenakte ist so ein Beispiel. Man kann beides haben, die Einhaltung hoher Datenschutzstandards und ein modernes, digitales Werkzeug, das Patienten und Ärzten gleichermaßen große Vorteile eröffnet.

Die Zukunftskommission Gesundheitsstadt Berlin 2030 rät, alle Vorgänge im Krankenhaus, die nicht unmittelbar von Menschen durchgeführt werden müssen, durch Digitalisierung zu ersetzen. Ist diese Überlegung realistisch, wo doch zunächst der Zustand von Gebäuden und technischer Infrastruktur dringend verbessert werden muss?

Beides ist richtig und kein Widerspruch. Wenn wir über das Jahrzehnt der Investitionen sprechen, dann betrifft das natürlich auch die Gesundheitsinfrastruktur. Allein an den vier Standorten der Charité führen wir in den nächsten Jahren Maßnahmen im Umfang von über einer Milliarde Euro durch. Auch die technische Infrastruktur wird modernisiert, von neuen Leitungen und WLAN-Stationen, über Hightech-Betten bis hin zu medizinischen Großgeräten. Das alles gehört konsequenterweise dazu, wenn wir über die Digitalisierung der Medizin sprechen. Über gemeinsame IT-Infrastrukturen wollen Charité und Vivantes dabei Synergien noch besser nutzen. Die zweite Frage ist, wo genau im Krankenhausalltag digitale Technologien sinnvoll zum Einsatz kommen können. Das wird man sicherlich immer wieder prüfen müssen und dabei auch kritisch hinterfragen: Wieviel Mensch und wieviel Maschine wollen wir? Bei allen Verbesserungen, die wir durch Technologieeinsatz erreichen können, wird die Gesundheitsversorgung immer menschliche Expertise und Empathie brauchen.

Sie haben stark daran mitgewirkt, dass das Berlin Institute of Health nun Teil der Charité ist – was bedeutet dieser Zusammenschluss für Berlin?

Berlin spielt immer mehr im Konzert der großen internationalen Innovationsmetropolen mit, das gilt auch und besonders für die medizinische Forschung. Die Integration des Berlin Institute of Health in die Charité ist dafür ein weiterer Meilenstein. Neben Klinikum und medizinischer Fakultät wird das BIH nun als dritte Säule der Charité exzellente Forschung stärken und dafür sorgen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse noch schneller als medizinische Innovation ans Krankenbett gelangen. Davon profitieren Patientinnen und Patienten, übrigens nicht nur in Berlin. Denn die Charité und das BIH haben eine Strahlkraft, die deutlich über die Grenzen unserer Stadt hinausgeht. Durch diesen Schritt wird ein ganz neues Kapitel für den Innovationsstandort Deutschland aufgeschlagen. Erstmals steigt der Bund direkt und unbefristet in die Finanzierung einer wissenschaftlichen Landeseinrichtung ein, das Budget für das BIH beträgt jährlich gut 77 Millionen Euro. Das ist bislang einzigartig und ein klares Bekenntnis: Berlin ist die Hauptstadt der Medizin. (aw)

„Der internationale Glanz der Charité fällt auch auf unseren Bezirk”

Im Gespräch mit Stephan von Dassel (Bündnis 90/Die Grünen), Bezirksbürgermeister von Mitte

Die verschiedenen Ortsteile von Mitte sind so unterschiedlich wie ihre Bewohner. Der Bezirk lebt durch Gegensätze und Widersprüche. Und vor allem liegen zwei der vier Campi der Charité dort. Die BERLINboxx traf Bezirksbürgermeister von Dassel und sprach mit ihm über Herausforderungen im Bezirk und die Bedeutung der Charité.

Zwei von vier Campi der Charité sind in Mitte angesiedelt. Welche Bedeutung hat das Universitätsklinikum für den Bezirk?

Das Universitätsklinikum hat eine sehr große Bedeutung für den Bezirk. Von der medizinischen Bedeutung für die Menschen, nicht nur in Mitte, einmal abgesehen, strahlt die Charité im internationalen Glanz. Von diesem Glanz fällt auch ein bisschen auf unseren Bezirk. Die Charité mit ihren Einrichtungen gehört ebenso zu Mitte wie der Fernsehturm, das Brandenburger Tor oder der Tiergarten. Darauf sind wir natürlich sehr stolz.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller möchte Berlin zur Forschungsmetropole, zum Zentrum der Spitzenmedizin ausbauen. Wird diese Entwicklung auch den Bezirk verändern?

Natürlich wird dieser Ausbau Auswirkungen auf den Bezirk Mitte haben – vor allem für Wedding. Denn für den dortigen Standort, insbesondere das Deutsche Herzzentrum – das im Zusammenhang mit Spitzenmedizin immer zu nennen ist – gibt es ja Umbaupläne, die ihn, aber auch das Umfeld, nochmals deutlich aufwerten würden. Dies allerdings nicht nur in einem physikalischen, sondern auch in einem ideellen Sinne. Mitte ist ja schon jetzt das bevorzugte Ziel vieler Menschen, die aus anderen Teilen der Stadt, des Landes oder der Welt kommen. In einigen Jahren wird es dafür dann neben den klassisch touristischen Gründen, einen noch stärker als heute schon ausgeprägten medizinisch-wissenschaftlichen Grund geben. Und das ist großartig – für uns Patientinnen und Patienten genauso wie für Menschen, die in der medizinisch-wissenschaftlichen Branche in Berlin-Mitte beruflich tätig sind.

Nachverdichtung, E-Scooter, Leihräder und Co. an jeder Straßenecke, weitere Investitionen in die Charité – in Mitte passiert gerade sehr viel. Wo sehen Sie Ihren Bezirk in zehn Jahren?

Grundsätzlich gilt auch in Mitte: Veränderung ist Fortschritt. Es sind ja nicht nur die beabsichtigten Investitionen in die Charité, die wir im Bezirksamt mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, weil sie den Bürgerinnen und Bürgern dienen und damit uns allen, die wir hier leben. Wir freuen uns auch über viele andere Investitionen: Wohnungsbau, Kita- und Schulbauten aber auch Investitionen in weitere Infrastruktur sowie Firmen und damit in Arbeitsplätze. Als Bezirksbürgermeister stehe ich ansonsten natürlich auch jeder Innovation, die Auswirkungen auf das Zusammenleben in unserem Bezirk hat, grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber. Wichtig für ein freiheitliches und tolerantes Zusammenleben ist allerdings die Einhaltung von Regeln, denn nur dann können sich Mitte und die gesamte Stadt diesen von vielen geschätzten Lebensstil bewahren. Das gilt für E-Scooter und Leihfahrräder genauso wie den normalen Autoverkehr, die Nutzung von Parks und öffentlichen Grünanlagen und das Verhalten im Öffentlichen Raum allgemein. Daran wird sich auch in zehn Jahren nichts geändert haben – Mitte wird dann genauso wie heute ein lebenswerter Bezirk sein, der seine Reize nicht zuletzt aus seiner bunten Vielfältigkeit bezieht. (aw)

Prof. Thomas Skutella: Ein Meilenstein in der Reproduktionsmedizin

Für viele Frauen ist es ein schweres Schicksal, wenn sie keine Kinder bekommen können.

Auch moderne Methoden der In-vitro-Fertilisation können manchen Frauen nicht helfen. Zum Beispiel helfen keine LH- oder FSH-Stimulanzien, wenn eine Frau sogenannte polyzystische Ovarien (PCO), Endometriose oder sogar das ovarielle Low-Responder-Syndrom hat. Zu wenige oder keine Eizellen können sich durch IVF aus dem Ovar entwickeln. Die bisherige Diagnose lautete unfruchtbar.

 

Durchbruch nach mehr als zehn Jahren intensiver Forschung

Dank neuer Forschungen kann jetzt – in einigen Fällen – geholfen werden. Das Labor von Prof. Dr. Thomas Skutella, Professor für Zellbiologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, hat in einem vom BMBF geförderten Kooperationsprojekt mit Prof. Irma Virant-Klun vom Universitätsklinikum in Ljubljana, Slowenien, nach mehr als 10 Jahren intensiver Forschung an weiblichen Oozyten einen Durchbruch geschafft.

Bei IVF-Patientinnen gibt es einen Anteil von etwa 15 – 20 % an unreifen Follikeln, die Keimbläschen (KB) genannt werden. Bisher konnten diese Keimbläschen nicht befruchtet werden und werden daher ausgesondert. Mit einer neuen Methode der sogenannten „In-vitro-Maturation“, kurz IVM, können die Progenitorzellen der Follikel jedoch in der Petrischale künstlich zur Reife gebracht werden.

 

Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden

Die Forschungsgruppe um Prof. Skutella zeigte, dass es möglich ist, den In-vitro-Prozess der menschlichen Oozytenmaturation in einer Co-Kultur mit Kumuluszellen von reifen Eizellen derselben Frau zu verbessern, um ein klinisch erfolgreicheres und sichereres zukünftiges Verfahren zu generieren.

Dieses Verfahren kann auch bei Krebspatientinnen angewendet werden, die sich einer Chemotherapie oder Strahlentherapie unterziehen, um ihre Fruchtbarkeit zu erhalten. In diesen Fällen wird das Material vor der Therapie entfernt und künstlich gereift. Es ist nicht mehr notwendig, dass die Patientinnen wie bisher wertvolle Zeit warten müssen, bis durch In-vivo-Stimulation reife Oozyten gewonnen werden können.

 

Besseres Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit

Die Forschungsgruppen von Prof. Skutella und Virant Klun arbeiten derzeit daran, die Rate der Oozytenmaturation in Gonadotropinen (FSH, hCG und AMH) im Verhältnis zum Alter der Oozytenspender auf Einzelzellenebene besser zu verstehen. Sie untersuchen die Expression von Transkriptionsfaktoren, die zuvor in einer Pilotstudie zur In-vitro-Maturation menschlicher Oozyten identifiziert wurden, einschließlich der oozytenspezifischen Gene FIGLA und H1FOO in einzelnen in-vitro gereiften Eizellen. Darüber hinaus analysieren die Forschungsgruppen den Einfluss von Gonadotropinen und dem weiblichen Alter auf die Regulationsmechanismen von miRNAs auf die Expression von Transkriptionsfaktoren und anderen wichtigen identifizierten Genen in einzelnen Oozyten und vergleichen die exosomale miRNA von in-vivo und in-vitro gereiften Oozyten. Sie erwarten, dass die Ergebnisse ein besseres zukünftiges Verständnis der molekularen Grundlagen der weiblichen Fruchtbarkeit liefern und eine Grundlage für die mögliche Entwicklung neuer Medikamente und Therapien zur Stimulation der Ovarialhormone bei IVM bilden werden.

 

Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation

Ein weiterer Durchbruch in der Reproduktionsmedizin ist die Möglichkeit der genetischen Präimplantationsdiagnostik. Kinderlose Paare gehen oft einen langen Leidensweg von unzähligen IVF-Versuchen. Ein Grund, warum die In-vitro-Fertilisation oft scheitert, ist die schlechte Qualität der befruchteten Oozyten. Schlechte Qualität heißt in der medizinischen Fachsprache Aneuploidie, also schwerste Chromosomenstörungen, die nicht lebensverträglich sind. Von „außen“ kann aufgrund der Morphologie die Qualität des Eis oft nicht erkannt werden, was dazu führen kann, dass der gesamte Prozess der künstlichen Befruchtung und Implantation praktisch vergeblich durchgeführt wird.

Die Qualität der menschlichen Eizelle bestimmt den Erfolg der Fertilisation und beeinflusst die daraus resultierende Embryonalentwicklung, Schwangerschaft und Geburt. Sie dient damit als Grundlage für die menschliche Fortpflanzung und Fruchtbarkeit. Die Möglichkeit, die Qualität der Oozyten im Rahmen des In-vitro-Fertilisationsprogramms zu bewerten, ist sehr eingeschränkt.  Abgesehen von der Beurteilung des Aussehens des Oozyten haben die Ärzte keine weiteren Kriterien zur Verfügung.

Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen

Genexpressionsprofile von einzelnen Oozyten bieten neue und klarere Einblicke in die Qualität und Genese der Oozyten und werden in naher Zukunft in die klinische Praxis einfließen.
Die Ergebnisse sollen neue grundlegende Informationen über den menschlichen Oozyten, seine Vielfalt und ein tieferes Verständnis der molekularen Mechanismen der menschlichen Eizelle während der In-vitro-Maturation liefern. Letztendlich trägt dies auch zur Entwicklung neuartiger Behandlungsparadigmen und zur genaueren Erhaltung der Fruchtbarkeit bei Krebspatientinnen bei. (red)

Kampf gegen HIV und Aids: Spielbank Berlin unterstützt Selbsthilfeorganisation House of Queer Sisters e.V.

Die Spielbank Berlin wird den Verein House of Queer Sisters e.V. Erzabtei Bundesverband in den kommenden Jahren partnerschaftlich unterstützen. Dazu wurde dem in Berlin ansässigen Verein durch Spielbank-Geschäftsführer Gerhard Wilhelm ein Scheck in Höhe von 4.500 Euro überreicht. House of Queer Sisters e.V. ist in der Behindertenhilfe, der Flüchtlingshilfe, dem Schutz der Menschenrechte, der Beratung, der Bildung und des Völkerverständigungsgedankens tätig. Als Selbsthilfeorganisation unterstützt der Verein Menschen mit HIV/Aids, ihre An- und Zugehörigen in allen Lebensfragen, die sich im Rahmen der HIV-Erkrankung ergeben. Darüber hinaus sammelt House of Queer Sisters Spenden für zahlreiche Projekte und bietet Partnerschaften mit Vereinen an, welche sich ebenfalls mit der Prävention von HIV/AIDS und dem Umgang mit der Krankheit auseinandersetzen.

 

Aufklärung und konkrete Unterstützung

„Für die Umsetzung unserer wichtigen Aufgaben sind wir auf jede Hilfe angewiesen“, so Sister Mary Clarence von House of Queer Sisters e.V. „HIV/Aids und ganz besonders der Umgang damit – sowohl durch die Betroffenen selbst als auch durch ihr Umfeld – ist nach wie vor ein wichtiges soziales Thema. Wir setzen auf Aufklärung, aber auch auf ganz konkrete Hilfe für die Menschen. Dabei sind im House of Queer Sisters e.V. alle Mitglieder ehrenamtlich tätig. Wir danken der Spielbank Berlin für die großzügige Unterstützung und das Bekenntnis zu unseren Anliegen und freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit.“

 

Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung Betroffener

House of Queer Sisters e.V. Erzabtei Bundesverband gibt Hilfe zur Selbsthilfe und unterstützt die Selbstvertretung von Menschen mit HIV/Aids. Vor dem Hintergrund der veränderten Lebenserwartung ist es das Ziel, Menschen mit HIV/AIDS zu ermutigen, sich mit den Aspekten des langfristigen Erhalts ihrer Gesundheit zu beschäftigen. Damit ermöglicht der Verein Betroffenen und deren Angehörigen eine informierte Haltung im Umgang mit HIV/AIDS und sexuell übertragbaren (STI) Erkrankungen und dem Leben mit HIV. Der Stigmatisierung und Diskriminierung HIV/AIDS-positiver Menschen tritt das House of Queer Sisters e.V. Erzabtei Bundesverband dabei parteiisch und solidarisch entgegen.

 

Spielbank Berlin ist Partner der Hauptstadt

Die Spielbank Berlin unterstützt nicht nur seit vielen Jahren kulturelle und sportliche Events der Bundeshauptstadt, sondern unterstützt auch ganz bewusst soziale Einrichtungen und Institutionen. Darüber hinaus ermöglicht die Spielbank Berlin ihren Beiräten die Unterstützung von unterschiedlichen sozialen Einrichtungen, Projekten und Vereinen aus dem Budget eines eigenen Fördertopfes. Erst kürzlich wurden durch die Beiratsmitglieder der Spielbank Berlin Schecks im Wert von insgesamt über 50.000 Euro an verschiedene Einrichtungen übergeben, darunter auch an das schwule Anti-Gewaltprojekt MANEO und die Berliner Aids-Hilfe.

 

„Die Spielbank Berlin versteht sich seit ihrer Gründung als ein verlässlicher und verantwortungsbewusster Partner unserer Stadt – in all ihren Facetten“, so Gerhard Wilhelm, Geschäftsführer der Spielbank Berlin. „Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, den Verein House of Queer Sisters zu unterstützen und uns mit den Zielen und Aufgaben des Vereins aufs höchste zu solidarisieren. Wir wünschen House of Queer Sisters e.V. weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf die Partnerschaft mit dieser wichtigen Einrichtung.“ (red)

Patientenversorgung: „Der Patient muss Herr seiner Daten bleiben“

Im Gespräch mit Prof. Dr. Claudia Schmidtke, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten

Unser Gesundheitswesen steht vor einer Wende. Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle. Doch wo bleibt die Patientin/der Patient auf diesem Weg? Die BERLINboxx sprach mit Prof. Dr. Claudia Schmidtke über die Patientenversorgung in Deutschland, den digitalen Wandel in der Medizin und Hürden einer alternden Gesellschaft.

Ein gutes halbes Jahr sind Sie jetzt im Amt: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Ich möchte dazu beigetragen, dass sich die Patientinnen und Patienten auf eine sichere und qualitativ hochwertige Versorgung verlassen können. Aufgrund unseres komplexen   Gesundheitssystems kommt es dabei zudem auf Transparenz und die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten an. Ziel muss eine gleichberechtigte Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Leistungserbringern, Kostenträgern sowie den Patientinnen und Patienten sein.

Große Potentiale – auch bezüglich der Steigerung der Gesundheitskompetenz – sehe ich in der Digitalisierung. Hier sind beispielsweise Gesundheits-Apps oder die vielfältigen medizinischen Informationen, die im Internet leicht zugänglich zur Verfügung stehen, zu erwähnen. Im Prozess der Digitalisierung kommt es darauf an, die Interessen der Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen, etwa beim Thema Datenschutz. Zudem müssen sie darin unterstützt werden, die richtigen Informationen in der digitalen Welt zu finden sowie Nutzen und Risiken digitaler Angebote abwägen zu können.

Wie bewerten Sie die Patientenversorgung in Deutschland im Allgemeinen, wo bestehen noch Lücken?

Zunächst einmal: Unser Gesundheitssystem ist ein sehr gutes. Das zeigt insbesondere der internationale Vergleich. In den vergangenen anderthalb Jahren wurden zudem bereits eine Vielzahl von Gesetzen beschlossen oder auf den Weg gebracht, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten ganz konkret weiter zu verbessern.

Eine Lücke sehe ich als Herzchirurgin allerdings noch bei der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie sind Volkskrankheit Nummer eins. Jedes Jahr sind in Deutschland 300.000 Todesfälle darauf zurückzuführen. Dagegen müssen wir mehr tun. Ich setze mich daher für eine Strategie gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten ein, die von der Grundlagenforschung über die Prävention bis hin zur Rehabilitation alle Bereiche umfasst.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn drückt gerade in Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens mächtig auf die Tube. Welche Auswirkungen haben Gesetze wie das Digitale-Versorgung-Gesetz auf die Patientenversorgung?

Es ist gut, dass Minister Spahn hier Tempo macht. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Digitalisierung des Gesundheitswesens im Sinne der Patientinnen und Patienten gestalten sollten. Das Digitale-Versorgung-Gesetz soll die Rahmenbedingungen setzen und ist ein deutliches Signal an alle Beteiligten, dass digitale Anwendungen und Innovationen ausdrücklich gewünscht und unterstützt werden. Das Ziel muss sein, den digitalen Angeboten einen Weg in die Regelversorgung zu ermöglichen, die einen konkreten Mehrwert für eine leistungsfähige und effiziente Versorgung der Patienten bieten und zu der Erhöhung ihrer Lebensqualität beitragen.

Um die Forschung in der Medizin voranzubringen, werden möglichst viele Daten benötigt.  Gleichzeitig unterliegen patientenbezogene Daten der Vertraulichkeit des Arzt-Patienten-Verhältnisses und sollten geschützt werden. Welche Lösungsansätze gibt es, um diesen Konflikt zu lösen und eine Entwicklung zum „gläsernen Patienten“ zu verhindern?

Die durch die Digitalisierung zur Verfügung stehenden großen Mengen an Gesundheitsdaten bieten für die Gesundheitsforschung enorme Chancen, auf die wir in unserem ureigenen Interesse nicht verzichten sollten. Wichtige Voraussetzung ist allerdings der richtige datenschutzrechtliche Rahmen, der einen Datenmissbrauch verhindert und es Patientinnen und Patienten dennoch ermöglicht, ihre Daten zur Verfügung zu stellen – wenn sie dies wünschen. Die Überlegung, die elektronische Patientenakte so zu gestalten, dass der Patient seine Daten freiwillig für die medizinische Forschung zur Verfügung stellen kann, halte ich hier für einen guten Ansatz, um die richtige Balance zu finden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bereits angekündigt, zeitnah ein Datenschutzgesetz für die elektronische Patientenakte vorzulegen. Dies begrüße ich ausdrücklich. Der Patient muss Herr seiner Daten bleiben. Das hat für mich oberste Priorität bei der fortschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens. Aber wenn Patientinnen und Patienten zustimmen, sollten wir ihre Daten auch für die Forschung verwenden.

Videosprechstunden, digitale Rezepte und elektronische Patientenakten – die Digitalisierung der Medizin schreitet immer weiter voran. Wie digital wird künftig ein Arztbesuch aus Ihrer Sicht sein?

Der Arztbesuch der Zukunft sollte – immer dann, wenn aus ärztlicher Sicht nichts dagegenspricht – so digital sein, wie es die Patientin oder der Patient möchte. Keine Frage: Auch in Zukunft wird es in vielen Fällen für die Versorgung der Patientinnen und Patienten das Beste sein, wenn sie persönlich mit ihrem Arzt vor Ort sprechen. Dennoch bietet die Digitalisierung der Medizin vielfältige Möglichkeiten für eine schnellere, bessere und einfachere Patientenversorgung. Als Patientenbeauftragte werde ich darauf achten, dass Patientinnen und Patienten die Wahl haben, ob sie digitale oder weiterhin analoge Angebote nutzen wollen. Denn gerade ältere Menschen, aber auch schwer oder chronisch Kranke haben zunehmend Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Ihnen dürfen daraus keine Nachteile entstehen.

Demografischer Wandel Patientenversorgung

Bestimmt der demografische Wandel in Zukunft die Patientenversorgung? | Foto: „Designed by Freepik“

2030 wird knapp ein Drittel (29 Prozent) der Bundesbürger über 65 Jahre sein. Dadurch wächst auch die Zahl pflegebedürftiger Menschen. Inwieweit ist unser Gesundheitswesen auf die rasche Alterung der Gesellschaft vorbereitet?

Die Zahl älterer Menschen in Deutschland wächst. Angesichts der steigenden Lebenswartung bedeutet dies jedoch nicht gleichzeitig, dass jede oder jeder über 65 Jahren pflegebedürftig sein wird. Dennoch ist es richtig, dass der Bedarf an gesundheitlicher und pflegerischer Versorgung steigen wird. In den letzten Jahren wurde daher mit gleich drei Pflegestärkungsgesetzen diese Problematik angegangen – unter anderem wurden die Leistungen der Pflegeversicherung deutlich ausgeweitet. Mit der „Konzertierten Aktion Pflege“ wurde zudem vor einigen Wochen ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt, um dem zunehmenden Bedarf an Pflegekräften gerecht werden zu können. Dazu gehört die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs, beispielsweise durch bessere Rahmenbedingungen inklusive besserer Vergütung, genauso wie eine verstärkte Werbung um Auszubildende und die Anwerbung von Pflegekräften aus dem Ausland. Meine Aufgabe besteht in erster Linie in der Vertretung berechtigter Interessen von Patientinnen und Patienten in diesem Prozess. So muss aus meiner Warte darauf geachtet werden, dass sämtliche Pflegekräfte hinreichend qualifiziert sind und eine problemlose Kommunikation mit Pflegebedürftigen und Kolleginnen und Kollegen vor Ort gegeben ist. (aw)

Berliner Institut für Gesundheitsforschung wird Teil der Charité

Patientinnen und Patienten in Berlin profitieren in Zukunft noch schneller von der Spitzenforschung für Gesundheit. Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) wurde am gestrigen Mittwoch in die Charité integriert. Damit soll die die medizinische Forschung am Gesundheitsstandort Berlin gestärkt werden. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) haben dazu am Mittwoch eine entsprechende Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund und dem Land Berlin unterzeichnet.

BIG als dritte Säule des Klinikums

Das BIG wird somit neben der Krankenversorgung und der Medizinischen Fakultät zur dritten Säule des Klinikums. Zudem erhält das BIG einen Sitz im Vorstand der Charité und das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Sitz im Aufsichtsrat. Der Bund beteiligt sich damit erstmalig an der Finanzierung eines Universitätsklinikums. Die Integration des BIG in die Charité ist für den 01. Januar 2021 geplant.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erklärt dazu: „Dass wir dafür mit anderen exzellenten Zentren bundesweit zusammenarbeiten können, passt zu einem Wissenschaftsstandort wie Berlin, der von einer ausgeprägten Kultur und Kooperation gekennzeichnet ist.“ Dafür seien nun die Rahmenbedingungen gesetzt und die Umsetzung könne beginnen.

Ergebnisse der Forschung sollen den Menschen schneller erreichen

Ziel des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung ist es, innovative Forschungsergebnisse aus dem Labor schneller der direkten medizinischen Behandlung zugänglich zu machen. Die Lebensqualität der Menschen soll durch neue Diagnose- und Therapieverfahren mit fortschreitenden Erkrankungen verbessert werden. Die rasche und effektive Übertragung von Forschungsergebnissen aus dem Labor in die Klinik gelinge nur, wenn Ärztinnen und Ärzte, Forscherinnen und Forscher, und natürlich Patientinnen und Patienten ohne institutionelle Hürden in einem optimalen Umfeld zusammenarbeiten würden, erklärt Axel Radlach Pries, Dekan der Charité.

Integration möglich durch Gesetzesänderung des Grundgesetzes

Bereits am 05. Juli hatten alle Länder der Verwaltungsvereinbarung in der Gemeinsamen Wirtschaftskonferenz (GWK) zugestimmt. 2015 wurde Artikel 91b des Grundgesetzes abgeändert und mit der Integration des BIG in das Klinikum, erstmals angewendet. Auf Grundlage dessen können Bund und Länder in bestimmten Bereichen der Wissenschaftsförderung und des Bildungswesens zusammenwirken und damit eine sogenannte Gemeinschaftsaufgabe wahrnehmen.

„Mit der breiten Zustimmung von Bund und Ländern erfährt das BIG eine herausragende Legitimation, als neues Modell translationaler Medizin innovative Wege zu beschreiten, um Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnell ans Krankenbett zu bringen.“, betont Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, die Gesetzesänderung. (lb)

„Digitale Medien gehören heute und auch zukünftig zu unserem Alltag dazu”

Im Gespräch mit Dilek Kalayci (SPD), Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Das Smartphone und digitale Medien sind ein zunehmend wichtiger werdender Bestandteil unseres Alltags. Insbesondere für die sogenannten Digital Natives ist ein Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellbar. Fluch oder Segen – oder von beidem ein bisschen? Die BERLINboxx sprach mit Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci über Gefahren der Abhängigkeit von Smartphones, ein Mindestalter für die Nutzung und den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.

Hand aufs Herz – wie oft schauen Sie auf Ihr Smartphone? Welche Sozial-Media-Kanäle nutzen Sie?

Als Senatorin bin ich viel unterwegs und muss für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichbar sein. Ich schaue daher oft auf mein Smartphone. Ich bin in ständigem Kontakt mit meinem Büro sowie der Staatssekretärin und dem Staatssekretär. Ich nutze Facebook, Twitter und Instagram. Soziale Netzwerke stellen eine großartige Chance da, politische Fragen zu diskutieren und den Bürgerinnen und Bürgern unsere Themen näher zu bringen, aber auch Dinge mitzubekommen, die nicht in den Zeitungen stehen. Im Urlaub versuche ich, mich zu disziplinieren und das Smartphone liegen zu lassen.

Smartphones sind mittlerweile allgegenwärtig. Viele sprechen bereits von einer Abhängigkeit. Doch noch ist die sogenannte Smartphone-Sucht keine anerkannte Diagnose. Wird zu viel Wirbel um das Thema Smartphone-Nutzung gemacht? Wo sehen Sie die Risiken der Smartphone-Nutzung?

Kinder und Jugendliche brauchen eine erste Orientierung in der digitalen Medienwelt. Hier sind besonders die Eltern und Erziehenden gefragt. Das bedeutet: Eltern sollten den Medienkonsum ihres Kindes aktiv und kompetent begleiten und, falls notwendig, auch Grenzen setzen. Risiken sehe ich insbesondere dann, wenn keine realen sozialen Kontakte und keine analoge Freizeitgestaltung mehr vorhanden sind und das Smartphone den kompletten Alltag bestimmt. Kinder müssen sich viel bewegen. Motorik ist wichtig bei der Entwicklung. Die übermäßige Nutzung von Medien darf diese Entwicklung nicht verhindern. Ergebnisse der aktuellen Einschulungsuntersuchung haben gezeigt, dass jedes vierte Kind im Vorschulalter über ein eigenes elektronisches Gerät verfügt. Das macht mir schon Sorge.

Sollte es ein Mindestalter für die Smartphone-und Tablet-Nutzung geben, um Kinder zu schützen?

Es ist durchaus sinnvoll, dass Kinder nicht zu früh ein Smartphone besitzen. Initiativen wie das Projekt „Schau hin“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend geben hierbei wichtige Empfehlungen, wie Eltern dies begleiten können. Dabei werden Fragen wie: Welche Empfehlungen gibt es zum Alter für die erste Handyanschaffung? Welche Nutzungszeiten machen in welchem Alter Sinn? Gibt es Regeln, die man mit dem Kind zur Handy Nutzung vereinbaren sollte? durch Expert*innen aufgegriffen und beantwortet. Das kann Eltern dabei unterstützen anhand der Empfehlungen und Hilfen ihren eigenen Weg zu finden. Ich schließe mich den dortigen Empfehlungen an, dass vor dem Alter von elf Jahren Kinder in der Regel kein eigenes Handy benötigen.

Schülerinnen und Schüler müssen verantwortsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen

Schüler müssen verantwortsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen. | Foto: Bankenverband

Damit sich Schülerinnen und Schüler ohne Ablenkung durch das Handy besser konzentrieren können, hat Frankreich ein weitgehendes Handyverbot für junge Lernende bis 15 Jahren eingeführt. Halten Sie dieses Vorgehen für sinnvoll?

Digitale Medien gehören heute und auch zukünftig zu unserem Alltag dazu. Verbote können sicherlich einiges bewirken, wichtiger ist aber, dass Kinder den adäquaten Umgang mit Smartphones lernen. Klare Regeln an Schulen als auch in der Familie können den Kindern im Umgang mit digitalen Medien helfen, eine Balance zwischen Online und Offline zu finden.

Dorothee Bär fordert eine stärkere Digitalisierung der Schulen und schlägt das Fach „Digitalkunde“ vor, um den Schülerinnen und Schülern eine bewussteren Umgang mit den neuen Medien zu lehren. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Als Gesundheitssenatorin geht es mir um die Gesundheit der Kinder. Das Wichtigste bleibt, dass in jedem Fall Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen. (aw)

Aufklärung und Prävention sind der Schlüssel im Kampf gegen Aids: Spielbank-Beiratsmitglied Klaus Wowereit spendet 5.000 Euro an Berliner Aids-Hilfe

Auch wenn die Autoimmunerkrankung mittlerweile für viele Betroffene mit den richtigen Medikamenten gut behandelbar ist, ist Aids nach wie vor eine unheilbare Krankheit. Berlin ist die Stadt mit den meisten HIV-Infektionen in Deutschland, laut einer Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) infiziert sich in der Stadt jeden Tag mindestens ein Mensch neu mit dem HI-Virus. Insgesamt leben den Schätzungen zufolge mindestens 15.900 Menschen mit HIV in der Bundeshauptstadt. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen in Berlin trotz Aufklärungskampagnen und Medikamenten seit einigen Jahren nahezu unverändert hoch.

Berliner Aids-Hilfe bietet Unterstützung im Kampf gegen Aids

Das zu ändern ist das Ziel der Berliner Aids-Hilfe e.V., die sich den Kampf gegen die Krankheit auf die Fahnen geschrieben hat. Entscheidend sind Aufklärung und Prävention und um das umfassend anbieten zu können, ist Unterstützung für den Verein wichtig. Nun hat Bürgermeister a.D. Klaus Wowereit in seiner Funktion als Beiratsmitglied der Spielbank Berlin gemeinsam mit Spielbank-Geschäftsführer Gerhard Wilhelm einen Scheck in Höhe von 5.000 Euro an den Verein überreicht.

Beratungsangebote und Aufklärungsarbeit

„Die Berliner Aids-Hilfe bietet das ganze Jahr über Beratungsangebote für HIV-Positive und leistet Aufklärungsarbeit über HIV/Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten“, so Melanie Kühnemann-Grunow für den Vorstand der Berliner Aids-Hilfe. „Das ist der Schlüssel im Kampf gegen Aids. Auch heute noch ist die Berliner Aids-Hilfe mehr denn je auf Spenden angewiesen, daher danken wir Herrn Wowereit und der Spielbank Berlin für die großzügige Unterstützung.“

„Auch mit einer HIV-Infektion kann man heute – gut therapiert mit verschiedenen Medikamenten – ein hohes Lebensalter erreichen“, so Klaus Wowereit. „Dennoch kämpfen viele Betroffene mit gesundheitlichen oder psychischen Problemen. Sie fallen durch das Raster der gängigen Behördenwege oder finden keinen Arbeitsplatz mehr. In solchen Fällen ist die Berliner Aids-Hilfe die richtige Anlaufstelle.“

Spielbank Berlin unterstützt zahlreiche Projekte in der Haupstadt

Die Spielbank Berlin unterstützt nicht nur seit vielen Jahren kulturelle und sportliche Events der Bundeshauptstadt. Sie ermöglicht ihren Beiräten auch die Unterstützung von unterschiedlichen sozialen Einrichtungen, Projekten und Vereinen aus dem Budget eines eigenen Fördertopfes. Erst kürzlich wurden durch die Beiratsmitglieder der Spielbank Berlin Schecks im Wert von über 30.000 Euro an das schwule Anti-Gewalt Projekt MANEO, den TSV Wittenau, den Köpenicker Mellowpark, den SCL Sportclub Lebenshilfe Berlin e.V., die TSG 1898 e.V. und den TSV Spandau e.V. und weitere überreicht.

Kampf gegen Aids ist eine gesellschaftliche Aufgabe

„Der Kampf gegen die tückische Krankheit Aids ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, so Gerhard Wilhelm, Geschäftsführer Spielbank Berlin. „Einrichtungen wie die Berliner Aids-Hilfe leisten einen wichtigen Beitrag und setzen sich jeden Tag nicht nur dafür ein, dass es durch Aufklärung und Prävention zu weniger Neuinfektionen kommt. Sie unterstützen Betroffene und lassen sie mit der Krankheit nicht alleine. Ich freue mich, dass die Wahl unseres Beiratsmitglieds Klaus Wowereit auf die Berliner Aids-Hilfe gefallen ist. Ich hoffe sehr, dass der Verein auch in Zukunft seine wichtige Arbeit fortsetzen kann.“ (red)