Trinkbrunnen für Berlin: Stadt jetzt „Blue Community“

Die Berliner Wasserbetriebe und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ziehen eine positive erste Bilanz des Programms „100 Trinkbrunnen und Trinkwasserspender in Berlin“. Elf neue Brunnen sind am heutigen Tag bereits errichtet, rund 30 sind für dieses Jahr insgesamt geplant. Auch für diese Schritte hat das Land Berlin heute am Trinkbrunnen im Park am Gleisdreieck das Zertifikat „Blue Community“ erhalten. Die Gründerin der gleichnamigen internationalen Initiative und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Maude Barlow, überreichte dem Land das Zertifikat.

Bis Ende 2019 soll Berlin 100 zusätzliche Trinkbrunnen und Trinkwasserspender erhalten. Dafür sorgen die Berliner Wasserbetriebe gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Rund 30 der neuen Brunnen werden 2019 fertiggestellt. Das Abgeordnetenhauses, was mit einer Million Euro auch die Finanzierung sichert, erließ zwecks des Brunnenprogramms einen Blue-Community-Beschluss. Die neuesten stehen am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer, auf dem Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg und im Westpark am Gleisdreieck.

Trinkbrunnen für eine lebenswerte Stadt

„Frei zugängliches Trinkwasser in hoher Qualität soll im öffentlichen Raum unserer Stadt Normalität werden. Gerade in Zeiten der Klimaerhitzung ist dies wichtig, um das Grundbedürfnis nach Wasser zu befriedigen und Berlin als lebenswerte Stadt zu erhalten“, sagt Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

„Mit dem Brunnenprogramm haben wir ein ehrgeiziges Ziel“, sagt Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe. „Umso mehr freut es mich, dass wir nach der Planungs- und Vorbereitungsphase mit unseren Baufirmen so schnell so viele Brunnen errichten konnten. Denn die Brunnen leisten auch einen wichtigen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz.“ Wer seinen Durst mit Trinkwasser löscht, verursacht keinen Müll. Für die gesamte Stadt ließen sich damit außerdem 100.000 Tonnen CO2 sparen.

Die Trinkbrunnen werden in Absprache mit den Bezirksämtern bezirksweise errichtet und über das ganze Stadtgebiet verteilt. Zunächst werden die beiden bekannten Modelle in Blau und Silber aufgestellt. Für die Zukunft suchen die Berliner Wasserbetriebe gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz nach einem barrierefreien Trinkbrunnen. (red)

World Health Summit: Wir müssen es gemeinsam anpacken

Mit einem eindringlichen Appell zur internationalen Zusammenarbeit endete der 10. World Health Summit. „Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Wohlstand, Wohlergehen und ein würdevolles Leben“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Abschlussveranstaltung, die gemeinsam mit dem Grand Challenges Meeting der Bill & Melinda Gates Foundation ausgerichtet wurde. „ Nur, wenn wir es gemeinsam anpacken, haben wir eine gute Chance, die Gesundheitsziele der Vereinten Nationen 2030 zu erreichen.“

Deutschland habe in den vergangenen Jahren eine wichtige Führungsrolle übernommen, betonte Microsoft-Gründer Bill Gates. „Wir brauchen die Regierungen, und wir brauchen Wissenschaft“, so Gates. Zuvor hatte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Globalen Aktionsplan zur gemeinsamen Arbeit an den Gesundheitszielen der Vereinten Nationen vorgestellt. „Es geht darum, Menschenleben zu retten“, sagte der WHO-Chef.

Positive Bilanz

Der Gründer und Präsident des World Health Summit, Prof. Dr. Detlev Ganten zog eine positive Bilanz der dreitägigen Konferenz: „Wir spüren neue Energie im Feld der globalen Gesundheit – in Berlin, in den akademischen Institutionen, in der Politik. Das ist es, was wir brauchen!“ Denn die Wissenschaft bleibe eine treibende Kraft, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Beim 10. World Health Summit hatten 2.400 Teilnehmer aus 100 Nationen neue und bessere Strategien für die globale Gesundheitsversorgung diskutiert – zum Beispiel zur Stärkung von Gesundheitssystemen weltweit, zum Schutz vor Pandemien, im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen oder in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung.

Unter den 300 Sprechern waren die norwegische Premierministerin Erna Solberg, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Stefan Oschmann, der Vorstandsvorsitzende von Merck sowie Gayle Smith, die Chefin der internationalen Lobby- und Kampagnenorganisation ONE.

Was ist der World Health Summit?

Der World Health Summit ist eine der bedeutendsten internationalen Konferenzen für Global Health und steht traditionell unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker. Gegründet wurde das jährliche Treffen 2009 anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Charité.

Der nächste World Health Summit findet vom 27. bis 29. Oktober 2019 in Berlin statt. (red)

Diesel-Fahrverbote: Viel Ärger und saubere Luft für Berlin

Das Urteil ist gefällt. Am Dienstag sprach sich das Berliner Verwaltungsgericht für Fahrverbote in Berlin aus. Damit stimmt es einer Klage der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) zu. Sie erwirkte zuvor bereits in Städten wie Hamburg, Stuttgart und Frankfurt am Main Fahrverbote. Zwar hatte die DUH gefordert, den gesamten Innenstadtbereich für ältere Diesel zu sperren, dies erschien den Richtern aber unangemessen.

In vielen Bereichen innerhalb der Innenstadt werden bereits die gesetzlichen Grenzwerte für Stickstoffoxide eingehalten, begründete der Vorsitzende Richter Ulrich Meinecke die Entscheidung. Nur auf einigen Strecken wird die kritische Grenze von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft überschritten. Als besonders belastet bezeichnete Meinecke die Leipziger Straße, die Brückenstraße, die Reinhardtstraße, die Friedrichstraße, die Stromstraße sowie Alt Moabit in Berlin-Mitte. Zudem legte das Gericht Fahrverbote für den Kapweg und die Leonorenstraße fest. Auf insgesamt 117 Straßenabschnitten (circa 15 Kilometer Strecke) muss der Senat nachfolgend prüfen, ob hier Fahrverbote notwendig sind.

Eine Lösung mit vielen Problemen

Betroffen von den Verboten sind rund 200.000 Autofahrer, die sich bislang von den Verboten nicht sehr begeistert zeigten. Dazu kommen etliche Pendler und Lastwagenfahrer. Das Verbot richtet sich an Fahrer von Dieseln der Abgasnormen 1 bis 5; moderne Diesel der Euronorm 6 sind bislang vom Verbot ausgenommen. Allerdings plädiert die DUH dafür, die Verbote auf moderne Diesel mit den Euronormen 6a, 6b und 6c auszuweiten. „Auch die Euro-6-Diesel sind ja bekanntermaßen nicht alle sauber“, kommentierte ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung den Vorschlag am Montag. Von einer Ausweitung wären Schätzungen zufolge über 300.000 Fahrer betroffen.

Eine wichtige Frage scheint allerdings noch nicht geklärt: Wie kontrolliert man die Einhaltung der Verbote? Hierfür schlägt die SPD die Einführung einer sogenannten Blauen Plakette für saubere, nachgerüstete Diesel vor. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hingegen schloss diese Möglichkeit in der Vergangenheit bereits kategorisch aus. Jedoch besteht noch ein weiteres Problem: Bei der Berliner Polizei fehlt es an Kapazitäten, um entsprechende Kontrollen durchzuführen. „So lange der Senat der Polizei nicht 3000 weitere Stellen genehmigt und so lange es keine blaue Plakette gibt, mit der saubere Diesel gekennzeichnet werden können, werden die Regelungen nicht umgesetzt werden können“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher des polizeilichen Landesbezirks Berlin.

Wirtschaft verurteilt Fahrverbote

Kritische Stimmen melden sich auch aus der Wirtschaft. Laut der Handwerkskammer Berlin sind Handwerksbetriebe und Dienstleister in dem Bereich überproportional von den Verboten betroffen. Sie müssen mit ihren Dieselfahrzeugen auch Kunden in der Innenstadt erreichen. „Egal ob Handwerker oder Handwerkskunde – in beiden Fällen sind Handwerksbetriebe die Leidtragenden. Das kann nicht sein“, kritisierte Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin.

Diese Einschätzung teilt auch die IHK Berlin-Brandenburg. „Die weiteren Planungen müssen vor allem den Wirtschaftsverkehr beachten“, mahnte der Präsident der IHK Ostbrandenburg, Carsten Christ. Einer Umfrage der IHK zufolge sind 50 Prozent aller Unternehmen in Berlin und Brandenburg von den Fahrverboten betroffen. Das entspricht etwa 80.000 betroffenen Betrieben. „Lokale Fahrverbote kann die Stadt verkraften, solange der Lieferverkehr gesichert und die Durchfahrtverbote zeitlich begrenzt bleiben“, ergänzte Dr. Beatrice Schramm, die Präsidentin der IHK Berlin. Somit deuten sich schon jetzt Ausnahmeregelungen für einige Diesel an. Und das bedeutet wiederum einen ungeheuren bürokratischen Aufwand für die prüfenden Behörden. Angesichts dieser Komplikationen stellt sich die Frage, wie effektiv die streckenweisen Fahrverbote tatsächlich sind.

Ungenügende Maßnahmen des Senats

Doch sind die Fahrverbote besser als überhaupt keine Veränderung, führten die Richter in diesem Prozess an. Berlin überschreitet den Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft um ganz 9 Mikrogramm. Angesichts solch einer Übertretung seien die bisherigen Maßnahmen des Senats schlicht nicht ausreichend und eine „rückläufige Tendenz“ der Werte nicht genug.

Bis zuletzt hatte der Senat versucht, Fahrverbote abzuwenden. Regine Günther (parteilos, für Grüne), Senatorin für Verkehr und Umwelt, äußerte noch vor dem Prozess auf Twitter, streckenbezogene Fahrverbote seien für sie die letzte Option. Stattdessen setzte die Verkehrsverwaltung für Umwelt bislang vor allem auf Anreize anstelle von Verboten, beispielsweise für Elektromobilität. So initiierte Günther, unter anderem, dass die Busse der BVG bis 2030 auf Elektroantriebe umgerüstet werden. Außerdem führte die Senatsverwaltung Tempo-30-Begrenzungen auf belasteten Strecken ein. Noch steht allerdings nicht fest, wie effektiv diese zur Senkung der Werte beitragen.

Die Behörden sind für die Einhaltung der Grenzwerte zuständig. Kommen sie ihrer Verpflichtung nicht nach, hat das Konsequenzen. Es liegt jetzt am Senat, die Interessen der Wirtschaft und Anwohner gleichermaßen zu vertreten und das Urteil angemessen umzusetzen. (ke)

TUNGO’s: Experimentelle Küche aus Berlins Mitte

The same but different, dahinter verbirgt sich die Vision eines jungen Gründers: Hussein Jezzini, der mit seinem Lifestyle-Café TUNGO‘s kulinarisch durchstartet. Seine Mission: experimentelles und ausgewogenes Essen in hipper und zugleich familiärer Atmosphäre wieder salonfähig machen.

Verweilen statt eilen

In Berlins Mitte trifft Tradition auf Moderne: Hier gibt es eine bunte und von multikulturellen Einflüssen geprägte Gastroszene. Mit seinem Lifestyle-Café TUNGO’s hat sich Besitzer Jezzini einen Traum erfüllt und betreibt sein Gewerbe mit viel Herzblut. Seit der Erstellung seines Businessplans im letzten Jahr hat sich viel getan. Mithilfe der tatkräftigen Unterstützung von Partnern wie Orderbird, Xucker und der Kaffeerösterei Berlin eröffnete der junge Gastronom Anfang Juli seinen Laden unweit des Hackeschen Marktes.

Gesund und bunt: Der Bulgur-Teller mit selbst gebackenem Xucker-Kuchen | Foto: TUNGO‘s

Gesund und bunt: Der Bulgur-Teller mit selbst gebackenem Xucker-Kuchen | Foto: TUNGO‘s

Kulinarische Köstlichkeiten

Die Liebe zum Essen verbindet die unterschiedlichsten Menschen und ist auch Teil seines Geschäftskonzepts. „Mir ist wichtig, dass meine Kollegen und ich mit den Kunden im Austausch bleiben, sodass wir auf ihre Bedürfnisse eingehen können“, so Jezzini. Aber er ist nicht nur ein aufmerksamer Gastgeber, sondern versteht auch etwas von seinem Handwerk: Ausgebildet wurde der gebürtige Libanese in der gehobenen Cuisine des Restaurants FACIL, das zum 5-Sterne-Designhotel Mandala am Potsdamer Platz gehört.

Gourmets kommen auf ihre Kosten: die Speisen sind orientalisch angehaucht und doch ganz eigene Kreationen. Der Gastrogründer experimentiert in der Küche gern und ist offen, sich von Freunden, Mitarbeitern und Kunden inspirieren zu lassen. Besonders stolz ist er auf seinen nussigen Black & White-Kuchen. „Den gibt es kein zweites Mal“, betont Jezzini. Kuchen und ausgewogene Ernährung – passt das zusammen? Gesunde Ernährung ist für ihn mehr als ein Namenszusatz wie ‚Fit‘ oder ‚Diät‘ oder die Verteufelung von Süßspeisen. Für ihn ist sie eine Sache der Einstellung: auf gesunde Alternativen setzen und somit Balance schaffen. Dazu gehören auch hausgemachte Cookies und Bananenbrot.

Xucker statt Zucker

Das TUNGO‘s ist Berlins erster und einziger zertifizierter Xucker-Store, darauf ist Hussein besonders stolz. Xucker ist ein Berliner Unternehmen, 2010 gegründet, das auf kalorienarme und gut erträgliche Süßungsmittel wie Xylit und Erythrit setzt. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Süßstoff-Herstellern, die ihre Produkte als vielversprechende Zuckeralternativen anpreisen. Jedoch eigenen sich die wenigsten Süßstoffe zum Backen – Xucker schon. Und nachhaltig ist das Produkt auch noch: Xylit wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maispflanzen oder Holz gewonnen und ist ein natürlich vorkommender Zuckeralkohol. Erythrit ist vergorener Traubenzucker. „Xucker ist fast komplett geschmacksneutral, das ist natürlich ideal zum Backen“, so das Fazit von Jezzini.

Immer vor Ort: Gründer und Inhaber Hussein Jezzini | Foto: TUNGO’s

Große Ambitionen

Bereits in diesem Jahr war das TUNGO’s für den Gastro-Gründerpreis nominiert noch vor seiner Eröffnung. Gewonnen hat ein anderer, aber Jezzini sieht das ganz pragmatisch und bewirbt sich einfach noch einmal im nächsten Jahr. An seinem Konzept zweifelt er auf jeden Fall nicht. Das muss er auch nicht, denn die Kundenzufriedenheit ist hoch. Ob Online oder am Standort selbst, der Gründer bekommt ausschließlich positives Feedback. Was kann man sich mehr wünschen? „Einen zweiten Laden in Charlottenburg“, sagt Jezzini prompt. So ambitioniert wie der junge Gastronom ist, wird er sich auch diesen Traum erfüllen. (lj)

Gut besucht: die Eröffnungsparty im TUNGO‘s war ein großer Erfolg | Foto: TUNGO's

Gut besucht: Die Eröffnungsparty im TUNGO‘s war ein großer Erfolg | Foto: TUNGO’s

Charité Global Health: Zentrum für globale Gesundheit

Die weltweite Gesundheitsversorgung verbessern – mit diesem Ziel hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt Charité Global Health gegründet. Das interdisziplinäre Zentrum wird die verschiedenen Global Health-Projekte der Charité bündeln, koordinieren und ausbauen, um eine sichtbare Schnittstelle nach innen und außen zu sein. Zudem steht die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft im Mittelpunkt.

Themen wie die weltweite Ausbreitung von Infektionskrankheiten, antibiotikaresistente Krankheitserreger oder nicht-übertragbare Volkskrankheiten wie Diabetes gehören zum Fachgebiet Global Health. Ziel ist es, Menschen auf der ganzen Welt vor gesundheitlichen Problemen zu schützen. Außerdem ist ein Ziel, Krankheiten bestmöglich zu bekämpfen und so die globale Gesundheitsversorgung zu verbessern. Auch die psychische Gesundheit sowie die gesundheitlichen Folgen von Krisen und Migration sind zentrale Themen von Global Health. Mit diesen internationalen Herausforderungen befasst sich das neue Zentrum für globale Gesundheit der Charité in der Forschung, Lehre und Krankenversorgung.

Charité Global Health essentiell für Vernetzung von Forschungsfeldern

„Mit Charité Global Health bauen wir unsere internationale Expertise aus, um Lösungen für drängende globale Gesundheitsprobleme zu finden. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland sein Engagement für globale Gesundheit gerade verstärkt, ist dies ein konsequenter Schritt – sowohl für die Charité als auch für Berlin als Gesundheits- und Wissenschaftsstadt“, erklärt Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité.

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums, dazu: „Global Health-Themen sind interdisziplinär, daher müssen viele verschiedene Bereiche der Forschung und Gesundheitsversorgung zusammenarbeiten.“ In Zeiten der Globalisierung werde es immer wichtiger, beispielsweise gegen Epidemien gerüstet zu sein, denn Viren kennen keine Landesgrenzen, so Drosten.

Internationale Zusammenarbeit stärken

Die enge Zusammenarbeit mit Akteuren aus Berlin, Deutschland und der Welt wird in dem neuen Zentrum einen besonderen Stellenwert einnehmen. So bereitet Charité Global Health derzeit Kooperationen mit der London School of Hygiene and Tropical Medicine und der Oxford University vor. (red)

Family Summer Event am Kudamm-Beach Halensee

Die Kinder hatten einen Heidenspaß und mit ihnen die glücklichen Eltern. Das wohl schönste Kinderfest der Hauptstadt lockte am Sonntag mehr als 1.000 Kinder und Eltern in den Kudamm-Beach am Halensee. Schon von weitem konnte man die vielen bunten Luftballons sehen, die auf das kindgerecht geschmückte Gelände an der Königsallee hinwiesen. Und auf dem Gelände, das direkt zum Halensee führt, alles was ein Kinderherz erträumt.

Auf dem Halensee konnten die Kleinen Stand-up Paddling fahren oder mit bunten Gummitieren und Matratzen „in See stechen“. Die hochkreative Maria Köster von Maria’s Kinderclub – dürfte vielen als langjährige Geschäftsführerin vom Szene-Restaurant Borchardt`s bekannt sein – zeichnete mit ihren Partnerinnen Oksana Kolenitchenko (Fashion Mama Berlin) und Friederike Werner (Pepper PR) für Idee und Organisation verantwortlich. Die drei jungen Mütter überzeugten Siegfried Nehls von der Sanus AG und Tom Siebert von Allianz Roskos&Meier sowie den BMW-Händler Nefzger davon, als Sponsoren die finanzielle Grundlage für das Familienfest zu sichern.

Eltern und Sponsoren spenden für guten Zweck

Siegfried Nehls, der auch Hauptsponsor des Jüdischen Lichterfestes Chanukka am Brandenburger Tor ist, unterstützte mit Leidenschaft – insbesondere weil aus einem Teil der Erlöse des Festes krebskranken Kindern geholfen wird. Siegfried Nehls: „Wir unterstützen mit diesem Familienfest den Verein Kolibri Hilfe für krebskranke Kinder Deutschland e.V., der beispielhaft krebskranken Kindern, deren Eltern, Angehörigen und Freunden hilft und damit viel Leid zumindest mindert.

In Deutschland erkranken rund 1.800 Kinder jährlich bis zum 15. Lebensalter an Krebs. In den letzten drei Jahrzehnten haben sich die Heilungschancen für die jungen Patienten deutlich verbessert. Trotzdem ist die Erkrankung eines Kindes an Krebs nach wie vor eine extreme Belastung für die gesamte Familie. Hier ist Hilfe und Unterstützung gefragt und die geben wir mit voller Überzeugung!“

Prominenter Support

Der Verein Kolibri wird von vielen Prominenten unterstützt, so zum Beispiel von Boxtrainer Ulli Wegener, der Moderatorin Inka Brause oder Gesundheitspolitiker Mario Czaja.

Auch Tom Siebert, Partner bei Allianz RoskosMeier, der das erste Mal zu den Unterstützern des Family Summer Events zählt, betont die besondere Verpflichtung, kranken Kindern zu helfen: “Gerade wer auf der Sonnenseite des Lebens steht, sollte ein großes Herz zeigen bei diesem ernsten Thema!“

Das Kinderfest am Halensee war somit in jeder Hinsicht ein voller Erfolg: Viel Spaß und Freude für die rund 1.000 Kinder und Eltern und ein satter Scheck für den Verein Kolibri. Das sollte Schule machen! (fs)

Wegen Personalmangel: Berliner Familien warten monatelang auf Elterngeld

Von fehlenden Pflegekräften bis hin zu Lehrern – der Personalmangel in Berlin spitzt sich weiterhin zu. Nun haben auch die Bezirke mit fehlenden Mitarbeitern zu kämpfen. Deshalb warten Eltern derzeit mehrere Monate auf das Elterngeld.

Nach den Richtlinien im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz soll das Elterngeld nach acht Wochen ausgezahlt werden. Allerdings sieht es in der Praxis anders aus. Grund für die Verzögerung seien laut den Bezirken unbesetzte Stellen und kranke Mitarbeiter.

Mehr als 23.000 Anträge

Das Elterngeld gehört zu den sozialen Familienleistungen in Deutschland. Es ermöglicht Müttern und Väterneine finanzielle Unterstützung von bis zu 28 Monaten und sichert somit die wirtschaftliche Existenz von Familien während der Elternzeit. Grundsätzlich erhalten alle Mütter und Väter, die nach der Geburt aufgrund der Betreuung ihres Kindes beruflich pausieren oder weniger als 30 Stunden in der Woche arbeiten, diese Transferleistung.

Abhängig von der Höhe des Nettoeinkommens beträgt das Elterngeld mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro. Ein Elternteil kann diese Leistung mindestens zwei und höchstens 14 Monate in Anspruch nehmen. Wer 25 bis 30 Stunden nebenbei arbeitet, bekommt das sogenannte Elterngeld Plus sogar für den doppelten Zeitraum – das Gehalt wird allerdings gegengerechnet. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wurden in Berlin vom 01. Januar bis 31. Mai diesen Jahres 23.082 Elterngeldanträge gestellt. Allerdings mussten Eltern zuletzt monatelang auf die Auszahlung warten.

Eltern warten mehrere Monate auf Elterngeld

Schon seit Jahren häufen sich Beschwerden um die verspätete Auszahlung des Elterngeldes. Auch dieses Jahr hat sich nichts an der Situation geändert. Besonders in den drei Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Treptow-Köpenick zieht sich die Wartezeit in die Länge. Dabei wurden dort nicht einmal überdurchschnittlich viele Anträge gestellt. In Charlottenburg-Wilmersdorf waren es nur 1.554 von den rund 23.000 Anträgen. Allerdings wartete man dort mit 15 Wochen am längsten. In Pankow hingegen, wo mit 2.978 die meisten Anträge auf Elterngeld eingingen, lief es jedoch schneller. Dort betrug die Bearbeitungszeit bis zu acht Wochen.

„Der Senat muss aufklären, warum die Bearbeitungszeiten so weit auseinandergehen“, fordert FDP-Abgeordnete Maren Jasper-Winter. Von der Senatsverwaltung heißt es: „Wir sind in engem Austausch mit den Bezirken, wie die Verfahren beschleunigt werden können.“ Inzwischen habe der Senat das Elterngeld auf die Prioritätenliste für den „Zukunftspakt Verwaltung“ gesetzt. Vielmehr sollte der Senat jedoch ihr Augenmerk auf den Personalmangel richten. Denn dieser ist einer der Hauptursachen für die Verzögerungen und Bearbeitungsprozessen. (dn)

Berliner Mobilität: Halbsaubere Luft und gefährliche Straßenabschnitte

Berlins Luft kann jetzt an einigen Verkehrskontenpunkten sorgenloser eingeatmet werden. Tempo 30-Strecken zur Luftreinhaltung des stark belasteten Innenstadtverkehrs haben positive Wirkung gezeigt. Die Belastung durch Stickstoffdioxid, ein Verbrennungsprodukt das hauptsächlich Dieselmotoren ausstoßen, ist seit März gesunken. Gemessene Werte in der Leipziger Straße, welche die Senatsumweltverwaltung nun veröffentlichte, lassen hoffen.

Nach den bisherigen Erfolgen der fünf Teststrecken, gibt es nun ein Datum für die Entschleunigung weiterer zentraler Streckenabschnitte. Ab dem 3. September soll auch der Tempelhofer Damm und die Hauptstraße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg im Tempo 30 fließen. Die Kantstraße in Charlottenburg wird ab November zur Teststrecke. Prüfungen zeigten auch, dass sich bis zu 97 Prozent der Autofahrer an das Tempo in der Leipziger Straße und der seit Juni aufgenommenen Potsdamer Straße hielten. Zu bestimmten Zeiten floss der Verkehr hier jedoch auch vor dem Luftreinhaltungsgebot nicht schneller.

Tests zeigen erste grüne Wirkung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte bereits 2016 gegen mindestens 28 deutsche Städte Klage eingereicht. Denn der Jahresmittelwert des gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxids wurde in den Innenstädten aufgrund des starken Verkehrsaufkommens häufiger überschritten als eingehalten. Um seine Bürger*innen zumindest teilweise vor dem für Herzkreislaufsystem und Atemwege schädlichen Gas zu schützen, schreibt die Europäische Union einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm vor. In der Leipziger Straße ergab sich nun, dass die ursprünglichen März-Werte von 56 Mikrogramm, im Mai zunächst auf 50 sanken. Im Juni waren sogar nur noch 39 Mikrogramm in der Luft vorhanden. Auch das mit den Abgasen ausgestoßene Stickstoffmonooxid sank von 48 auf 19 Mikrogramm in der Leipziger Straße. Rechnet man alle giftigen Stickoxide zusammen, reduzierte sich die Belastung in der ersten dreimonatigen Testphase bereits um 60 Mikrogramm.

 

Erweiterung der Teststrecken: Ähnliche Schilder wird man bald häufiger in der Innenstadt sehen. | Foto: pixabay.com

Erweiterung der Teststrecken: Ähnliche Schilder wird man bald häufiger in der Innenstadt sehen. | Foto: pixabay.com

 

Mit der Einführung von Testabschnitten hatte man begonnen um Fahrverbote, wie in Hamburg und kürzlich in Stuttgart eingeführt, möglichst zu vermeiden. Der Senat setzt stattdessen auf die Förderung der Elektromobilität und hatte hierfür zusätzlich zur Umweltprämie starke Subventionen in Berlin veranschlagt. Messungen sollten zeigen, ob sich auch mit langsamerem, dafür fließendem Verkehr, die gleichen Ziele ohne eine Verdrängung bestimmter Automodelle erreichen ließe. Da der Stickstoffdioxidausstoß beim Anfahren am höchsten ist, sollen für selteneres Anhalten auch Ampelschaltungen angepasst werden.

Gefahr nicht gleich gebannt: Feinstaubbelastung von außerhalb

Den bisherigen Erfolgen entgegen, steht die Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe an die  Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Mehr als die Hälfte der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von außerhalb, berichtete der Tagesspiegel infolge der bisherigen Ergebnisse. Dies ergab eine Studie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Leipzig, 2017) auf die sich der Senat beruft. Wind trage die Partikel der Kraftwerke, Nicht-Berliner Heizungen und auch der Schifffahrt in die Hauptstadt.

Rund 65 Prozent der luftgetragenen Partikel, die giftige Stoffe wie Blei und Arsen enthalten und etliche Zeit in der Atmosphäre verweilen, kämen von außerhalb. Durch elf Berliner Messstationen wurden 15 Prozent der Belastung auf den Straßenverkehr zurückgeführt. Hier hauptsächlich auf den Abrieb von Reifen und die Aufwirbelung der Partikel. Lediglich vier Prozent des Feinstaubs entstünden durch Abgase. Unbebaute Grünflächen, die Häuserschluchten aufbrechen, können die Belastung reduzieren. Angesichts dieser Alternativen wäre man jedoch wieder bei der Frage der Wohnungsnot gegenüber oder besser innerhalb einer lebenswerten, grünen Stadt.

 

Mehr als die Hälfte der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von außerhalb Berlins. | Foto: pexels.com

 

Fehlgeleitete Mobilitätspolitik?

Wie die Stickoxidbelastung waren die Feinstaubwerte auf der Teststrecke Leipziger Straße zwar gesunken, sie seien jedoch stark wetterabhängig. Jahresmittelwerte könnten nur nach längerfristigen Beobachtungen zu Ergebnissen führen, erklärte der Tagesspiegel. Für Rückschlüsse der gesünderen Werte auf den eingedämmten Verkehr sei es also auch nach zwölf Monaten noch zu früh.

Luthe nahm dies zum Anlass die Mobilitätspolitik des rot-rot-grünen Senats noch einmal als fehlgeleitet und kontextlos zu kritisieren: „Wir sehen, dass es eine Vielzahl von weiteren Quellen gibt, die deutlich gravierender sind als der Pkw-Verkehr. Mit denen muss man sich zuerst beschäftigen, bevor man in die Freiheit der Berliner eingreift.“ Der Senat konterte jedoch, die Ursachen die sich in Berlin fänden, seien „vornehmlich dem Verkehrs- und Heizungssektor“ zuzuordnen.

Aggressionen, Gefahren und Kontrollen im Winterschlaf

Während sich auf insgesamt 8,2 Kilometer Teststrecken der Autoverkehr entschleunigt, geht der tägliche Kampf um die rücksichtsvolle Platzverteilung auf Berliner Straßen weiter. Der Tagesspiegel richtete online inzwischen einen #Gefahrenmelder ein. Angesichts der tödlichen Verkehrsunfälle zweier Kinder, könne mit der Beseitigung bestimmter infrastruktureller Mängel nicht mehr gewartet werden. Leser sind aufgerufen Gefahrenstellen, wie gefährliche Fahrradstrecken, fehlende Mittelinseln oder unzureichend gesicherte Baustellen, der Redaktion zu melden. Nach 500 eingegangen Mails, die letztendlichen Hilferufe aus dem alltäglichen Verkehrsleben sind, ist es Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen. Die Ergebnisse sind auf einem interaktiven Stadtplan visualisiert.

 

Häufigste Gefahren sind abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. | Foto: pixabay.com

Häufigste Gefahren sind abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. | Foto: pixabay.com

 

Häufigste Gefahren seien abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. Die schmalen Gehwege auch noch zwischen Radfahrern und Fußgängern aufzuteilen, provoziere nur erneut Aggressionen. Zum anderen werden fehlende Zebrastreifen, die sich vor allem auf viel zu locker gesicherten Schulwegen rar machen, angeführt. Passanten gaben an sich auf schmalen, selten zu erspähenden Mittelinseln nach viel zu kurzen Grünphasen zu drängen. Zahlenmäßig dominierten Infrastrukturmängel, die in den letzten Wochen nicht selten in Katastrophen endeten. Der Kontrolldruck sei jedoch auch auf das Fehlverhalten, allen voran die Falschparker, zu erhöhen.

Viele Faktoren beleuchten die Berliner Mobilität

Sinkende Einsatzzahlen der Polizei können nicht die Antwort auf kleine Erfolge des Berliner Mobilitätsgesetzes oder verantwortungsvolle Bürger in Tempo 30-Zonen sein. Nach einer gewährten Gewöhnungszeit von vier Wochen haben die Behörden nun auch in der Potsdamer Straße Radarkontrollen angekündigt. Das Hinweisportal, welches die Verkehrsverwaltung vor zwei Jahren für Bürgerhinweise auf mangelhaft gesicherte Baustellen errichtet hatte, ist jedoch im permanenten Winterschlaf. Unzählige Anträge werden dort lediglich an die Bezirke weitergeleitet, deren Aufgabe es wäre diese Mängel zu beseitigen. Von ihnen hört man jedoch meist nie wieder etwas.

Die Berliner Mobilität ist bislang nur auf dem Papier und in den Wunschträumen mancher auf dem richtigen Weg. Zuständigkeiten und reale Kontrollen werden weiterhin zu oft weitergegeben und die Mitfahrenden verunsichert über die tatsächlichen Erfolge stehen gelassen. (cn)

Uneinheitliche Standards und Personalmangel: Die Gefahr der Krankenhauskeime

Keime, die gesunde Menschen ohne gesundheitliche Folgen mit sich herumtragen, können für immun geschwächte Patienten in Krankenhäusern lebensgefährlich werden. Sogenannte Krankenhauskeime werden durch mangelnde Hygienestandards in Berliner Krankenhäusern und Resistenzen gegenüber Antibiotika zur Bedrohung. Offizielle Zahlen belegen 534 Todesfälle durch derartige multiresistente Erreger. Zudem erfassten die Gesundheitsämter in den vergangenen Jahren 3428 meldepflichtige Infektionen, die ausschließlich durch Krankenhauskeime hervorgerufen wurden. CDU-Abgeordneter Florian Graf erhielt diese Zahlen auf seine parlamentarische Anfrage an die Senatsgesundheitsverwaltung.

Demnach erkrankten Patienten hauptsächlich an vier bereits meldepflichtigen Erregern, die typischerweise im Zuge einer stationären Behandlung aufgenommen werden. Niederlassen und übertragen können sich die Keime von jeder Oberfläche; eingehaltene Hygienestandards und Schutzmaßnahmen können das zum Teil verhindern. Doch wie werden diese Schutzmaßnahmen kontrolliert? Weder regelmäßig, noch einheitlich lautete das Ergebnis der Anfrage. Hinzu kämen fehlende Hygienefachärzte und der massive Personalmangel in den Kliniken.

 

Die jährlichen Hygiene-Überprüfungen der Kliniken werden nicht von allen Bezirken eingehalten. | Foto: pixabay.com

 

Viele Krankenhauskeime, wenige Kontrollen

Bundesweit sind jährlich bis zu 600.000 Patienten von Krankenhauskeimen betroffen, bis zu 30.000 dieser Krankheitsverläufe enden tödlich. Berlin liegt mit seinen Fällen weder über dem bundesweiten Durchschnitt noch auf dem Europäischen. Trotzdem klären fehlende einheitliche Hygienestandards und seltene Kontrollen über die Ursachen der häufigen Infektionen auf und verdeutlichen was verhindert werden kann.

Der bekannteste, seit 2009 meldepflichtige Keim MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) löste in den letzten zehn Jahren in Berlin 2350 Infektionen aus. Davon verliefen 198 schwere Erkrankungen tödlich. Clostridium, ein aggressives Darmbakterium, verursachte 964 Fälle, von denen jedoch über ein Drittel (327) tödlich endeten. An zwei weiteren Krankenhauskeimen, die erst seit 2016 als meldepflichtig gelten, erkrankten in diesem Zeitraum bereits 166 Patienten. Neun von ihnen erlagen der tödlichen Infektion. Für die in der Regel gegen zahlreiche Antibiotika resistenten Keime sind die Behandlungsmöglichkeiten deshalb sehr eingeschränkt. Auch die Identifizierung kann einige Tage in Anspruch nehmen. Immun geschwächten, frisch operierten sowie Krebspatienten, setzten die Erreger unvergleichlich schnell zu. Schwere Lungenentzündungen, Blutvergiftungen, Geschwüre und Wundinfektionen können die Folge sein. Sowohl Beatmungsgeräte als auch unachtsam desinfizierte Hände des Personals oder der Besucher sind vorgezogene Übertragungsnester der Keime.

 

Der bekannteste multiresistente Krankenhauskeim verursachte bereits 534 Todesälle. (Symbolbild) | Foto: pixabay.com

 

Gesundheitsämter durch Fachkräftemangel im Verzug

Angesichts der Fülle an Bereichen und medizinischen Utensilien, die regelmäßig kontrolliert und desinfiziert werden müssen, sieht sich die Charité einer enormen Herausforderung gegenüber. Europas größtes Universitätsklinikum ist der Aufgabe bisher nicht an allen Orten und Winkeln gewachsen. Die große Mehrheit der Berliner Kliniken gibt zwar an sich an die Hygiene-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu halten, die als verbindliche Grundlage gelten. Die Kontrolle dieser Standards, fällt in den Bezirken tatsächlich jedoch sehr unterschiedlich aus. Ein Bewusstsein für straffe Hygienemaßnahmen scheint sehr ungleichmäßig ausgeprägt.

Ursprünglich sind die Leiter der Krankenhäuser für das Sicherstellen der Hygienebedingungen nach aktuellem Stand der medizinischen Wissenschaft zuständig. Den Gesundheitsämtern der Bezirke obliegt die hygienische Kontrolle. Nur stünden hierfür aufgrund schlechter Gehälter viel zu wenige ausgebildete Hygienefachärzte zur Verfügung. Medien wie die Morgenpost, erhielten dementsprechend vage Antworten auf ihre Anfrage, nach der tatsächlichen Häufigkeit der Überprüfungen, die eigentlich jährlich vorgeschrieben sind. Mehrere Bezirke antworteten mit „infektionshygienischen Prüfungen, mindestens einmal jährlich“, Marzahn-Hellersdorf sprach beispielsweise schon von „in der Regel jährlichen Intervallen“. In Neukölln beschränkt man sich dann lediglich auf „anlassbezogene“ Kontrollen.

 

Würde sich an die WHO-Richtlinien, wie regelmäßige Desinfektion und den Mundschutz gehalten, könnte man jede 3. Infektion verhindern. | Foto: pixabay.com

 

Bisherige Klinik-Initiativen und ein Aktionsplan 2019

Mit einem einheitlichen Aktionsplan sei erst im ersten Quartal 2019 zu rechnen, wie die Senatsverwaltung und die Gesundheitsämter in Zusammenarbeit mit dem RKI verlauten ließen. Graf forderte infolge seiner Anfrage jedoch einen wesentlich schnelleren Vorstoß, berichtete die Morgenpost: „Es ist dringend erforderlich, dass die Bekämpfung von Krankenhauskeimen in allen Berliner Krankenhäusern nach einheitlichen Qualitätsstandards erfolgt. Für die Patientenversorgung ist das von elementarer Bedeutung. Davon ist Berlin leider im Moment noch weit entfernt.“

Die DRK-Kliniken richteten hierfür bereits ein Eingangs- und Ausgangsscreening ein, um die Infektionswege die auch außerhalb des Krankenhauses beginnen können, sichtbar zu machen. Patienten wird bei jeder erneuten Ankunft in der Klinik ein Nasen-Rachen-Abstrich entnommen, der auf den Erreger MRSA testet. Denn dieser ist in Mund und Nase jedes Dritten zu finden und bei gutem Gesundheitszustand unbedenklich. Die vorbildliche Praxis muss vom Personal dann weiter durch die gründliche Händereinigung nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt werden. Würde sich an die WHO-Richtlinien, wie regelmäßige Desinfektion und den Mundschutz gehalten, könne man jede 3. Infektion verhindern. Unter Zeitdruck und bei ständigen Personalengpässen fehle dafür jedoch oft schlicht die Zeit, kommentierte die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG). Dementsprechend steht man vor dem Problem zu wenige Krankenpfleger und zu wenig Kontrollen, zu vielen Keimbildungen entgegen zu halten.

Über Antibiotika muss aufgeklärt werden

Um auch die Gesundheit der Besucher und Beschäftigten besser zu schützen fordern Ärzteverbände die Ursachen des Pflegenotstandes zu bekämpfen. Gesundheitssenatorin Dilek Kolat bemüht sich schon lange um ein Nachziehen des Senats. Nicht nur das Gewährleisten der Qualitätsstandards in den Kliniken, sondern auch deren Kontrolle habe höchste Priorität. „Hygienefachärzte sind gesucht auf dem Arbeitsmarkt. Unter anderem deshalb habe ich mit dem Finanzsenator vereinbart, dass die Gesundheitsämter ihnen demnächst konkurrenzfähige Gehälter zahlen können“, so Kolat gegenüber der Berliner Zeitung. Bei gleicher Qualifizierung rechnet sich die Anstellung in einem Universitätsklinikum mit bis zu 1.600 Euro monatlich höherem Gehalt, gegenüber den Gesundheitsämtern.

 

Bisherige Klinik-Initiativen zeigen Wirkung, ein großflächig umsetzbarer Aktionsplan wird jedoch erst 2019 erwartet. | Foto: pixabay.com

 

Auch außerhalb der Krankenhäuser können bestimmte Auslöser für die Resistenz der Krankenhauskeime bekämpft werden. So müssen Ärzte zurückhaltender mit dem alternativlosen Verschreiben von Antibiotika, vor allem gegenüber Kindern vorgehen. Denn umso resistenter der Körper wird, desto resistenter werden auch die individuellen Keime. Zeigten vor zehn Jahren noch bis zu 60 verschiedene Notfall-Antibiotika Wirkung, ist man heute gerade einmal mit drei ausgestattet. Hinzukommt das massiv mit Antibiotika versetzte Tierfutter, dass der menschliche Körper aufnimmt. Der landeseigene Gesundheitsversorger Vivantes bietet im Rahmen seines Instituts für Hygiene und Umweltmedizin Schulungen zur Sensibilisierung gegenüber Antibiotika an. Ärzte und Pflegepersonal müssen gleichwohl an mindestens zwei Schulungen jährlich teilnehmen; die Teilnahme ist natürlich auch wöchentlich möglich.

Drängende Schritte trotz rückläufiger Zahlen

Wie Lösungen für weitere Infektionsausbrüche auszusehen hätten erscheint relativ klar, sie anzugehen kann jedoch nicht weiter aufgeschoben werden. Christoph Lang, Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung, teilte der Morgenpost mit, die Zahl der Infektionen sei in den letzten Jahren nicht gestiegen. Für den MRSA-Erreger seien die Zahlen sogar seit Jahren rückläufig. „Was wir aber beobachten, ist eine in den letzten Jahren gewachsene Aufmerksamkeit für solche Infektionen“, so Lang. Dies sei erst einmal eine gute Entwicklung, denn die Vermeidung von Gefahren beginne „mit einem Problembewusstsein“.

Sowieso ist Information einer der wichtigsten Schritte, wenn es um Übertragungen und Resistenzen geht. Zur Erkältungszeit im Herbst, stellen Kliniken wie die Charité wieder Informationsmaterial zur Verfügung. Diesmal wird auch im Sinne einer stärkeren Verhütung und Erkennung von Krankenhauskeimen informiert. (cn)

Wissen was kommt: Migräne-Therapie mit der M-sense App

Kann eine Smartphone-App dazu beitragen Kopfschmerzen, speziell starke Migräne-Anfälle, zu lindern? Bereits 2013 stellte sich der Migräneforscher Dr. Markus Dahlem diese Frage als er mithilfe von mathematischen Analysen die Vorgänge von Migräneattacken belegen konnte.Seiner damaligen, von Migräne geplagten Mitbewohnerin, die erstmals sein Interesse am Thema weckte, konnte er nun auch helfen. Sie führt nun Kopfschmerz-Tagebuch mit der M-sense App.

Während anhaltende elektrische Entladungen von Nerven, den Kopf quälen, können Patienten oft weder das Haus noch ihr eigenes Zimmer verlassen. Von allem geplagt was Geräusche verursacht oder Licht verströmt, sind rund 12 Prozent der Deutschen von Migräne betroffen. Meist wurden sie jedoch nur medikamentös behandelt. Das Berliner Newsenselab-Team hat mit der Entwicklung der App M-Sense eine alternative Behandlung entwickelt, um die extremen Kopfschmerzepisoden für Betroffene vorhersehbar und vor allem kontrollierbar zu machen. Die App ist bereits ein zertifiziertes Medizinprodukt. Als erstes dieser Art, lernt der Algorithmus der App mithilfe künstlicher Intelligenz auch noch dazu und verbessert das Modell für die Benutzer somit stetig.

 

Gründungsgesellschafter der Newsenselab GmbH (vl.n.r.): Simon Scholler, Stefan Greiner, Dr. Markus Dahlem und Martin Späth. | Foto: Newsenselab GmbH / Johannes Windolph

 

Studie zur digitalen Prävention gestartet

„Unser Ziel ist es, die Kopfschmerztage der Betroffenen um mindestens 50 Prozent zu reduzieren“, erklärt CEO und Mitgründer Stefan Greiner. Um dieses Vorhaben zu fundieren, kooperieren die BARMER-Krankenkasse und die Deutsche Telekom, unter wissenschaftlicher Betreuung der Charité für ein gemeinsames Projekt. Hierzu bewerten 1.000 von Kopfschmerzen und Migräne betroffene Mitarbeiter_innen der Deutschen Telekom, ihre Erfahrungen mit M-sense für neun Monate. Die Studie soll das Potenzial der personalisierten und mobilen Migränetherapie von M-sense sichtbar machen, mit der bis zu 40 Prozent der Schmerzattacken nicht-medikamentös reduziert werden können.

Nachdem Benutzer die App mit möglichen Einflussfaktoren der eigenen Migräne gefüttert haben, beobachtet und analysiert M-sense das Krankheitsbild. Anhand mathematischer Modelle warnt M-sense anschließend vor Trigger-Faktoren. Ziel ist es nicht nur die Häufigkeit der Attacken langfristig zu verringern, sondern auch ein individuell abgestimmtes Therapiemodell zu erstellen. Durch Entspannungs- und Bewegungstraining sowie präventive Maßnahmen kann nachgewiesen sogar der Medikamentenkonsum der Migränepatienten reduziert werden. Die von der App automatisch festgestellten Wetterverhältnisse und weitere äußere Einflussfaktoren tragen zum sogenannten Biofeedback der Patienten bei.

 

Nach der Eingabe möglicher Einflussfaktoren der eigenen Migräne, warnt die App anschließend vor Trigger-Faktoren. | Foto: M-sense

 

Arznei durch M-sense Analyse

Im Zuge etlicher Datenskandale der Plattformen und Apps von Internetriesen und kleineren Anbietern, deren Nutzungen erst möglich sind, wenn man der Speicherung und Weiterverwendung jeglicher eigener Daten zustimmt, ist das Konzept von M-sense bereits fortschrittlicher. „Wir werden [mithilfe der Patientendaten] neue biologische Zyklen ausmachen können. Man muss Patienten jedoch auch davor schützen, dass ihre Daten ungenutzt bleiben. Daten sind der Schlüssel zur personalisierten Therapie“, so Dahlem. Benutzer können selbst entscheiden ob sie ihre Daten zur Analyse auf dem Handy lassen, oder mit dem Server synchronisieren möchten.

 

Benutzer können selbst entscheiden ob sie ihre Daten zur Analyse auf dem Handy lassen, oder mit dem Server synchronisieren möchten. | Foto: M-sense / Johannes Windolph

Benutzer können selbst entscheiden ob sie ihre Daten zur Analyse auf dem Handy lassen, oder mit dem Server synchronisieren möchten. | Foto: M-sense / Johannes Windolph

 

Was bei Kopfschmerzen und Migräne beginnt soll sich mit den mathematischen Analysemodellen auch auf andere chronische Krankheiten übertragen lassen. Das vierköpfige Gründerteam von Newsenselab macht es sich zum erklärten Ziel, chronische Krankheiten für Betroffene kontrollierbar zu machen. Sodass diese sie nicht in wiederholtem Maße im Alltag außer Gefecht setzen. (cn)