31. Leadership Lounge: Die neue Arbeitswelt gestalten

„New Work – Wie machen es die anderen?“ Zu dieser Frage werden Referenten aus der Berliner Wirtschaft bei der 31. Leadership Lounge am 29. November in Berlin Einblicke in die gelebte Praxis geben. Denn die Arbeitswelt verändert sich rasant. Alte Methoden müssen neuen Formen der Zusammenarbeit weichen. Wer nicht aufpasst, verliert schnell den Anschluss. Ein Panel aus renommierten Fachleuten wird hierbei zu den Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 Stellung beziehen.

31. Leadership Lounge: Drei Vorträge zum Umgang mit der Vuca-Welt

André Wilhelmi ist People Manager bei der FlixMobility Tech GmbH. Die Firma hinter den grünen Flixbussen arbeitet mit einer innovativen Methode der zielgerichteten Unternehmenssteuerung: „Objectives and Key Results“ (OKR). Dieses Management-System wurde von Tech-Konzernen wie Google bekannt gemacht und wird zur Steuerung bei sich schnell ändernden Gegebenheiten eingesetzt. Was hat es damit genau auf sich? Und wie können andere Unternehmen von der Leadership-Erfahrung von FlixMobility Tech profitieren? Diese und weitere Fragen wird André Wilhelmi in seinem Vortrag beantworten.

Dr. Sascha Fagel ist Technischer Leiter bei der KV Telematik GmbH. Er wird von der Einführung von agilem Projektmanagement (Scrum) in seinem Unternehmen berichten. Der Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Umsetzung agiler Methoden innerhalb klassischer Strukturen im Gesundheitssystem. Wie die Mischung aus gewachsenen Strukturen und innovativen Strategien gelingen kann, wird Sascha Fagel anhand von Beispielen aus seiner Praxis zeigen.

In einem weiteren Vortrag gibt Dr. Heike Hartrath von der Daimler AG Einblicke, wie sich ein Konzern konsequent in Richtung moderne Leadership Culture entwickelt, wie Aufbruchstimmung das Unternehmen erfasst, aber auch welche Wiederstände es gibt.

Das renommierte Networking-Event in Berlin

Die „Leadership Lounge“ wird bereits seit 2009 regelmäßig von der Change Management Beratung berliner team und dem SEMINARIS Campus Hotel gemeinsam veranstaltet und gehört zu den wichtigsten Networking-Veranstaltungen in der deutschen Hauptstadt. Hier treffen sich Manager, HRler und Unternehmer mit Wissenschaftlern zum Austausch. Experten nutzen die zudem Gelegenheit, um spannende Kollegen und neue Leute kennenzulernen. Führungskräfte finden hier Inspirationen für die eigenen Zukunftsstrategien. Neben interessanten Vorträgen gibt es nicht zuletzt leckeres Essen und guten Wein zum Genießen. (red)

Trinkbrunnen für Berlin: Stadt jetzt „Blue Community“

Die Berliner Wasserbetriebe und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ziehen eine positive erste Bilanz des Programms „100 Trinkbrunnen und Trinkwasserspender in Berlin“. Elf neue Brunnen sind am heutigen Tag bereits errichtet, rund 30 sind für dieses Jahr insgesamt geplant. Auch für diese Schritte hat das Land Berlin heute am Trinkbrunnen im Park am Gleisdreieck das Zertifikat „Blue Community“ erhalten. Die Gründerin der gleichnamigen internationalen Initiative und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Maude Barlow, überreichte dem Land das Zertifikat.

Bis Ende 2019 soll Berlin 100 zusätzliche Trinkbrunnen und Trinkwasserspender erhalten. Dafür sorgen die Berliner Wasserbetriebe gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Rund 30 der neuen Brunnen werden 2019 fertiggestellt. Das Abgeordnetenhauses, was mit einer Million Euro auch die Finanzierung sichert, erließ zwecks des Brunnenprogramms einen Blue-Community-Beschluss. Die neuesten stehen am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer, auf dem Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg und im Westpark am Gleisdreieck.

Trinkbrunnen für eine lebenswerte Stadt

„Frei zugängliches Trinkwasser in hoher Qualität soll im öffentlichen Raum unserer Stadt Normalität werden. Gerade in Zeiten der Klimaerhitzung ist dies wichtig, um das Grundbedürfnis nach Wasser zu befriedigen und Berlin als lebenswerte Stadt zu erhalten“, sagt Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

„Mit dem Brunnenprogramm haben wir ein ehrgeiziges Ziel“, sagt Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe. „Umso mehr freut es mich, dass wir nach der Planungs- und Vorbereitungsphase mit unseren Baufirmen so schnell so viele Brunnen errichten konnten. Denn die Brunnen leisten auch einen wichtigen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz.“ Wer seinen Durst mit Trinkwasser löscht, verursacht keinen Müll. Für die gesamte Stadt ließen sich damit außerdem 100.000 Tonnen CO2 sparen.

Die Trinkbrunnen werden in Absprache mit den Bezirksämtern bezirksweise errichtet und über das ganze Stadtgebiet verteilt. Zunächst werden die beiden bekannten Modelle in Blau und Silber aufgestellt. Für die Zukunft suchen die Berliner Wasserbetriebe gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz nach einem barrierefreien Trinkbrunnen. (red)

Studie: Mietkosten verstärken soziale Ungleichheit

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) bezeichneten die Wohnungsnot in deutschen Städten bereits als die „große soziale Frage unserer Zeit“. Nun ist dies durch eine wissenschaftliche Studie der Berliner Humboldt-Universität in Kooperation mit dem University College in London bestätigt worden.

Die Studie zeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich durch die steigenden Miet- und Wohnkosten in Deutschland immer weiter auseinander geht. Die Forscher haben die Einkommens- und Verbraucherstichprobe der Amtlichen Statistik zwischen 1993 und 2013 beobachtet und Daten von insgesamt mehr als 100.000 Menschen ausgewertet.

Geringverdiener müssen demzufolge im Verhältnis zu ihrem Einkommen immer mehr für eine Wohnung bezahlen. Die Kosten für Mieten und Wohnen bei Personen mit den höchsten Einkommen sind jedoch gesunken. Mussten diese vor 25 Jahren für Wohnraum noch 16 Prozent des Einkommens abgeben, waren es 2013 nur noch 14 Prozent. Bei den Menschen mit den geringsten Einkommen, stiegen die prozentualen Wohnkosten hingegen von 27 auf 39 Prozent.

Studie zeigt: Einkommen ärmerer Menschen prozentual stärker gesunken

„Der überproportionale Anstieg der Wohnkosten verschärft die Ungleichheit in Deutschland. Die Schere geht an zwei Seiten auseinander“, so Bernd Fitzenberger, Mitautor und Leiter des Ökonometrie-Instituts an der Humboldt-Universität. Er verweist auf die wachsende Lohnungleichheit, denn der Studie zufolge sanken die Reallöhne für die untersten 20 Prozent der Einkommen in dem Untersuchungszeitraum um acht Prozent. Bei mittleren Einkommen entwickelten sich die Reallöhne zwischen 1993 und 2013 leicht positiv. Bei Personen mit den höchsten Einkommen stiegen die Reallöhne am stärksten um durchschnittlich sieben Prozent.

Besitzen oder erwerben Gutverdiener Immobilien, müssen sie im Vergleich zu den 90er Jahren relativ gesehen weniger dafür bezahlen. Die Forscher begründen das mit niedrigen Erwerbs-, Bestands- und Zinskosten. „Die niedrigeren Bestandskosten wurden aber nicht an die Mieter weitergegeben“, sagte Fitzenberger. Gutverdiener hätten so in den vergangenen Jahren Vermögen anhäufen können, während sich die Vermögensbildung bei Geringverdienern – vor allem bei den Jüngeren – verringert habe. Fitzenberger erwartet, „dass die steigende Ungleichheit in der Ersparnisbildung zu höherer Vermögensungleichheit in der Zukunft führt“.

Kosten bei Neuvermietung steigen stark – nicht nur in den Metropolen

Separate Zahlen für Berlin wurden nicht erhoben, allerdings wurde beobachtet, dass überdurchschnittlich viele Geringverdiener in die Großstädte ziehen. Das verstärkt den Druck auf den Wohnmarkt, vor allem bei Single-Haushalten. Durch die rasante Zunahme der Bevölkerung in der Hauptstadt stiegen die Preise bei Neuvermietungen stiegen die Preise zuletzt sehr stark. Berlin ist in diesem Zusammenhang weltweiter Spitzenreiter mit Zunahmen der Mietpreise zwischen 2016 und 2017 um 20,5 Prozent.

Dabei sind vor allem Großstädte wie Berlin betroffen, aber auch im sogenannten „Speckgürtel“ oder in Klein- und Mittelstädten sind die Preise deutlich gestiegen. Lediglich für Luxuswohnungen aus den teuersten Preissegmenten sind die Preise weniger gestiegen.

Eine weitere Folge der Wohnungsnot ist, dass sich die Zahl der Wohnungslosen in Berlin in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt hat. Aktuell sind 37.000 Menschen in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Hinzu kommen rund 13.000 Menschen, die bei Freunden und Verwandten wohnen. Experten befürchteten, dass diese Zahlen in den nächsten Jahren weiter ansteigen werden. (red)

World Health Summit: Wir müssen es gemeinsam anpacken

Mit einem eindringlichen Appell zur internationalen Zusammenarbeit endete der 10. World Health Summit. „Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Wohlstand, Wohlergehen und ein würdevolles Leben“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Abschlussveranstaltung, die gemeinsam mit dem Grand Challenges Meeting der Bill & Melinda Gates Foundation ausgerichtet wurde. „ Nur, wenn wir es gemeinsam anpacken, haben wir eine gute Chance, die Gesundheitsziele der Vereinten Nationen 2030 zu erreichen.“

Deutschland habe in den vergangenen Jahren eine wichtige Führungsrolle übernommen, betonte Microsoft-Gründer Bill Gates. „Wir brauchen die Regierungen, und wir brauchen Wissenschaft“, so Gates. Zuvor hatte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Globalen Aktionsplan zur gemeinsamen Arbeit an den Gesundheitszielen der Vereinten Nationen vorgestellt. „Es geht darum, Menschenleben zu retten“, sagte der WHO-Chef.

Positive Bilanz

Der Gründer und Präsident des World Health Summit, Prof. Dr. Detlev Ganten zog eine positive Bilanz der dreitägigen Konferenz: „Wir spüren neue Energie im Feld der globalen Gesundheit – in Berlin, in den akademischen Institutionen, in der Politik. Das ist es, was wir brauchen!“ Denn die Wissenschaft bleibe eine treibende Kraft, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Beim 10. World Health Summit hatten 2.400 Teilnehmer aus 100 Nationen neue und bessere Strategien für die globale Gesundheitsversorgung diskutiert – zum Beispiel zur Stärkung von Gesundheitssystemen weltweit, zum Schutz vor Pandemien, im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen oder in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung.

Unter den 300 Sprechern waren die norwegische Premierministerin Erna Solberg, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Stefan Oschmann, der Vorstandsvorsitzende von Merck sowie Gayle Smith, die Chefin der internationalen Lobby- und Kampagnenorganisation ONE.

Was ist der World Health Summit?

Der World Health Summit ist eine der bedeutendsten internationalen Konferenzen für Global Health und steht traditionell unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker. Gegründet wurde das jährliche Treffen 2009 anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Charité.

Der nächste World Health Summit findet vom 27. bis 29. Oktober 2019 in Berlin statt. (red)

Kleingartenflächen als Mittel gegen die Wohnungsnot?

Arne Piepgras hat ein heißes Eisen angefasst. Als Rezept gegen die akute Wohnungsnot in der Hauptstadt fordert  der Investor und Projektentwickler einen „Masterplan Berlin“ von der Politik. Kernpunkt: Die innerstädtischen Kleingärten, die der Stadt gehören, sollten mit Wohnungen bebaut werden. Als Alternative sollen Ausweichflächen für die Laubenpieper zur Verfügung gestellt werden. Inzwischen hat der Vorschlag zahlreiche Unterstützer gefunden, wie etwa Andreas Becher, Vorsitzender des Berliner Landesverbandes beim Bund Deutscher Architekten. Der Architekt forderte kürzlich im Interview die Stadt auf,  „endlich ihre Schrebergärten zu bebauen„. In einer Umfrage hat sich eine Mehrheit der Berliner Bevölkerung für eine zumindest teilweise Bebauung der Kleingärten ausgesprochen. Sinnvoll oder vollkommen abwegig? Die BERLINboxx hat mit Arne Piepgras gesprochen.

BERLINboxx: Herr Piepgras, was haben Sie eigentlich gegen Kleingärtner?

AP: Das ist schon gleich das erste Missverständnis. Ich halte das Kleingartenkonzept zwar für etwas aus der Zeit gefallen, gegen Kleingärtner an sich habe ich aber gar nichts. Allerdings bin ich der Meinung, dass in Zeiten der Not – und diese Zeiten sind in Berlin angebrochen – sich alle Berliner Bürgerinnen und Bürger solidarisch verhalten sollten. Dass sie das können, haben ja gerade die Berliner in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Diesen Geist der Solidarität fordere ich ein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Arne Piepgras fordert von der Politik ein Umdenken | Foto: BERLINboxx

Arne Piepgras fordert von der Politik ein Umdenken | Foto: BERLINboxx

 

Großteil der Kleingartenflächen im Landeseigentum

BERLINboxx: Was genau ist Ihr Plan?

AP: Zunächst einmal zu den Fakten: Die Kleingärten Berlins belegen insgesamt eine Fläche von 30 Mio. qm, von denen 20 Mio. qm im Eigentum des Landes stehen. Die übrigen 10 Mio. qm stehen meist im Eigentum von Post, Bahn und anderen großen Institutionen.

Der erste Schritt wäre, dass das Land Berlin diese 10 Mio. qm ankauft. Da es sich noch nicht um Bauland handelt und das Land über das Baurecht entscheidet, könnte der Ankauf relativ günstig erfolgen. Notfalls ist für diese Übertragung auch die Unterstützung durch den Bund einzufordern. Nach diesem ersten Schritt wären dann mehr oder weniger alle Kleingärten im Landeseigentum.

KITAS und Schulen müssen gebaut werden!

BERLINboxx: Und dann?

AP: Danach sollten alle diese Flächen nach Maßgabe eines noch zu erstellenden Masterplans einer Bebauung zugeführt werden.

So könnten 400.000 bis 600.000 bezahlbare Wohnungen entstehen, die alle im Eigentum der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften stünden. Die Mieten sollten – je nach Ausstattung und Lage – bei 6,50€/qm beginnen und 9,50€/qm nicht übersteigen.

Eine Variante wäre noch, einen Teil dieser Wohnungen günstig an Berliner Familien zu veräußern, beispielsweise für einen Quadratmeterpreis von 3.000 €. Da die Baukosten bei etwa 2.000€/ qm liegen und die Grundstücke überwiegend umsonst wären, würden den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften so Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe zufließen.

Mit einem Teil dieser Gelder könnten dann die 150 KITAS und 50 Schulen gebaut werden, die Berlin so dringend benötigt.

Man darf nicht vergessen: Der gegenwärtige Zustand ist schlicht rechtswidrig. Jede Familie mit Kind im entsprechenden Alter hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen KITA –Platz. Dieses Recht wird zurzeit in Berlin täglich 3.500 Mal gebrochen und es ist absehbar, dass sich dieser Rechtsbruch in den kommenden Jahren auf 25.000 Familien erhöhen wird. Ich halte dies für einen unsäglichen Skandal!

Bei den angedachten Preisen für die Wohnungen würde eine 100 qm Wohnung noch 300.000 € kosten, was bei den gegenwärtigen Zinsverhältnissen einen Schuldendienst von monatlich 1.000 € ausmacht. Eine solche Belastung könnten sich nach meiner Einschätzung viele Familien leisten, zumal sie heute oft eine Miete zahlen, die ähnlich hoch ist. Um die Bankfinanzierung zu erleichtern, könnte das Land im Übrigen Bürgschaften herausgeben, um etwaig fehlendes Eigenkapital zu ersetzen.

Der beste Schutz vor künftigen Mietpreissteigerungen ist immer noch die Bildung von Wohneigentum. Hier sollte das Land Berlin helfen und nicht zu dogmatisch denken.

Politik könnte Fehler der Vergangenheit korrigieren

BERLINboxx: Wie meinen Sie das?

AP: Nun, nachdem vor wenigen Jahren die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften auf Geheiß der Politik noch massenhaft Wohnungen an Privatinvestoren verscherbelt haben, gilt jetzt die Devise: Das Land Berlin verkauft gar nichts mehr, allenfalls werden Erbbaurechte vergeben!

Ich glaube: Wieder falsch! Es kann doch nicht schaden, 30 – 40 Prozent der entstehenden Wohnungen in einem großangelegten Programm gezielt Berliner Familien zum Kauf anzubieten. Die Wohnungsbaugesellschaften hätten trotzdem am Ende des Tages mehr Wohnungen im Bestand als jemals zuvor, was sich preisdämpfend auf den gesamten Markt auswirken würde und darauf kommt es an. Schließlich hätte die Politik hier die Möglichkeit, den in der Vergangenheit begangenen Fehler des Verkaufs zu korrigieren und gleichzeitig hierbei noch ein gutes Geschäft zu machen.

Insgesamt gilt, dass sich die Politik geschmeidig die Marktverhältnisse zunutze machen sollte, anstatt immer wieder untaugliche Versuche zu unternehmen, die Gesetze des Marktes zu ignorieren.

Größere Flächen gibt es in Berlin kaum noch

BERLINboxx: Viele Berlinerinnen und Berliner meinen, die Bebauung der Kleingärten sei gar nicht nötig, da genügend andere Flächen für eine Bebauung zur Verfügung stünden. Was sagen Sie dazu?

AP: Diese Annahme ist falsch! Richtig ist, dass vor 20 Jahren, als ich mit meiner Tätigkeit als Immobilienentwickler begann, es im Stadtgebiet noch viele große Flächen gab, die für eine Neubebauung zur Verfügung standen. Diese Zeiten sind aber längst vorbei, nur ist dies in den Köpfen vieler Leute noch nicht angekommen. Auch wird der Platzbedarf gewaltig unterschätzt. Für eine Schule mit Sportplatz benötigt man alleine eine Fläche von 30.000 qm. Zeigen Sie mir doch nur fünf solcher Flächen in geeigneter Lage! Sie werden es nicht können.

Nein, es bleibt dabei: Großen Problemen kann man nur mit großen Antworten begegnen und das heißt, dass eine Bebauung der Kleingärten zur Lösung der aufgetretenen Probleme unumgänglich ist. Sie wird ohnehin erfolgen, weil der Druck im Kessel sich immer mehr erhöhen wird und wir schon in wenigen Jahren chaotische Verhältnisse haben werden.

Entweder wir bauen jetzt nach einem Masterplan Berlin zu einer Gartenstadt um, oder wir fahren alle gemeinsam gegen die Wand. Betroffen werden in erster Linie die „kleinen Leute“ sein, die sich das Wohnen in der Innenstadt schlicht nicht mehr leisten werden können.

Gartenstadt Berlin?

BERLINboxx: Gartenstadt Berlin, wie meinen Sie das?

AP: Nun, ich stelle mir die Bebauung der Kleingartenflächen schon aus ökologischen Gründen sehr grün vor. Jede größere Fläche sollte neben den Wohngebäuden mit Gründächern auch einen öffentlichen Park haben. Im Übrigen könnte man sich bei der Gestaltung an den Gartenstädten der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts orientieren. Hieraus könnte man auch den Kleingärtnern ein Angebot machen.

Alternativen für Kleingärtner

BERLINboxx: Wie sollte das aussehen?

AP: Zunächst: Selbst wenn sich die Politik jetzt zeitnah und ernsthaft des Themas annehmen sollte, ist mit dem Beginn von Bauarbeiten nicht vor dem Jahr 2021 zu rechnen. Die Umsetzung der Gesamtmaßnahme würde nochmals 10 – 15 Jahre dauern, so das eine Vielzahl der jetzigen Kleingärtner schon aus Altersgründen von meinem Vorschlag gar nicht betroffen wäre.

Im Übrigen habe ich immer betont, das nicht angedacht ist, die Kleingärtner ohne ein Angebot von ihren Gärten zu vertreiben, wie es bislang leider häufig geschehen ist.

Ich würde allen Kleingärtnern drei Angebote unterbreiten, unter denen sie frei wählen können.

Das erste Angebot lautet: Jeder Kleingärtner erhält eine finanzielle Entschädigung, die in der Höhe abhängig ist von der Größe der Parzelle und der aufstehenden Bebauung. Nach dem Kleingartengesetz darf die Laube bekanntlich inklusive Freisitz eine maximale Größe von 24 qm haben. Die Realität sieht anders aus. Es sind in den vergangenen Jahrzehnten oftmals richtige Wohngebäude entstanden, häufig ohne Baugenehmigung, vom Brandschutz will ich gar nicht reden. Ich glaube hier wurde vom Land Berlin über Jahre gezielt weggeschaut, woraus eine Art illegaler Wildwuchs entstanden ist. Da aber – wie vorstehend vorgerechnet – bei Umsetzung meines Vorschlags genug Geld im Topf ist, sollte man hier nicht kleinlich sein und die Kleingärtner auch für Gebäude entschädigen, die nicht legal entstanden sind.

Das zweite Angebot lautet: Keine Abfindung in Geld, dafür ein Freizeitgrundstück mit 400 qm Fläche im Umland, auf den Flächen der ehemaligen Stadtgüter. Der Kaufpreis würde symbolische 1.000€ betragen, die Kleingärtner wären nicht mehr Pächter, sondern Eigentümer und könnten dieses Eigentum von Generation zu Generation weitergeben.

Das dritte Angebot ist vielleicht für viele Kleingärtner das interessanteste: Keine Abfindung in Geld und auch kein Ersatzgrundstück vor den Toren der Stadt, sondern Anmietung (oder Ankauf) einer Parterrewohnung in den entstehenden Wohngebäuden, mit vorgelagertem Garten, der je nach Größe der Wohnung zwischen 80 und 120 qm groß sein sollte. Das reicht für das Gemüsebeet und die Hollywoodschaukel und der Grill haben auch noch Platz. Miete: 6,50€/qm auf 20 Jahre fest oder Kauf mit dem Kleingärtnerrabatt für 2.700€/qm.

Berlin als Blaupause für alle Ballungsgebiete in Deutschland

BERLINboxx: Das hört sich alles so einfach an!

AP: Es ist so einfach! Alles was es braucht, ist der Mut für eine große Lösung, die dann durchaus die Blaupause für alle Ballungsgebiete in Deutschland sein könnte. Die Berliner Politiker haben die einmalige Chance zu beweisen, dass sie zu einer klugen und vorausschauenden Politik bereit und in der Lage sind. Bislang zeigte sich die Politik allerdings als mut- und kraftlos und was am allerschlimmsten ist, als völlig phantasielos. Man erstarrt in Angst vor dem Widerstand der Kleingärtner, statt die Chancen zu nutzen, die sich aus den riesigen Bauflächen ergeben. Wir sollten dankbar sein, dass wir über diese Flächen verfügen, die den Umbau der Stadt zu einem viel besseren Ort ermöglichen.

Steuergelder für den Erwerb von Häusern?

BERLINboxx: Sind Sie nicht etwas ungerecht? Schließlich ist angedacht, die einstöckigen Supermärkte mit Wohnungen zu überbauen und der Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt übt in den Millieuschutzgebieten massenhaft das Vorkaufsrecht der Gemeinde aus. Sind dies keine Lösungen für das Problem?

AP: Mit Entschiedenheit: nein! Die Überbauung von Supermärkten ist schon aus statischen Gründen kaum möglich, möglich wäre allenfalls ein Abriss und eine folgende Neubebauung. Da ich selber als Projektentwickler 15 Supermärkte in Berlin gebaut habe, weiß ich mit Gewissheit, dass die profitorientierten privaten Betreiber niemals auf die ebenerdigen PKW-Stellplätze verzichten werden, da diese ganz entscheidend den Umsatz bestimmen. Die neuen Wohnungen befänden sich also auf einer Stellplatzanlage und morgens 6 Uhr kommt der Liefer-LKW! Wohnqualität sieht anders aus, Gartenstädte finde ich besser.

Und was Herrn Baustadtrat Florian Schmidt betrifft, so ist festzuhalten, dass er viele Millionen Steuergelder in die Hand nimmt, um damit Häuser in Milieuschutzgebieten zu erwerben. Ich halte dieses Verhalten für rechtlich problematisch, zumal so nicht eine einzige Wohnung zusätzlich entsteht und es in Milieuschutzgebieten auch andere Möglichkeiten gibt, die Spekulation zu begrenzen. Beispielsweise dadurch, dass man die Aufteilung in Wohneigentum untersagt. Ich halte das, was hier geschieht für eine Veruntreuung von Steuergeldern. Herr Schmidt handelt bestimmt mit besten sozialen Absichten, aber bekanntlich ist das Gegenteil von „gut“ nicht „schlecht“, sondern „gut gemeint“. Diese Symbolpolitik des Herrn Schmidt kommt den Berliner Haushalt teuer zu stehen.

Lösung Tempelhofer Feld?

BERLINboxx: Und die Bebauung des Tempelhofer Feldes?

AP: Eine Bebauung wäre sicher wünschenswert, wobei ich kein Freund von halben Sachen bin. Das Gelände hat eine Größe von 3 Millionen qm. Auf 20 Prozent hiervon, sprich auf 600.000 qm, könnte man einen zentralen Park bauen. Den Rest würde ich wiederum als Gartenstadt gestalten, mit viel Grün und damit verbunden viel Lebensqualität für die Bürger. Von einer bloßen Randbebauung, wie sie in letzter Zeit vorgeschlagen wird, halte ich gar nichts.

Im Übrigen nochmals: Berlin hat nicht nur ein Wohnungsproblem, sondern auch ein damit verbundenes Infrastrukturproblem. Neben Wohnungen brauchen wir dringend KITAS und Schulen in Größenordnungen und die sollten sinnvoller Weise über das ganze Stadtgebiet verteilt sein. Das kann das Tempelhofer Feld allein nicht leisten.

BERLINboxx: Wollen Sie den Berliner Politikern noch etwas auf den Weg geben?

AP: Macht mal hinne, die Zeit drängt! (red)

 

Neue Kooperation: Mehr Akzeptanz für Tourismus

Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, visitBerlin-Geschäftsführer Burkhard Kieker sowie Vertreterinnen und Vertreter von zwölf Berliner Bezirken unterzeichneten am heutigen Tag eine gemeinsame Kooperationsvereinbarungen zur bezirklichen Tourismusentwicklung. Die Kooperation ist ein erster Meilenstein in der Umsetzung des neuen Berliner Tourismuskonzepts 2018+. Verabschiedet hatte der Senat diese bereits im April 2018.

„Berlin zieht Menschen weltweit an. Alle wollen nach Berlin, zum Leben, zum Arbeiten, aber insbesondere auch zum Erkunden. Berlin erleben, bedeutet mehr als nur Reichstag und Brandenburger Tor zu besichtigen. Berlin ist eine offene und gastfreundliche Stadt“, bescheinigt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop der deutschen Hauptstadt.

Bezirke stehen im Mittelpunkt

Wichtig ist der Senatorin, diese Akzeptanz zu erhalten und frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Vor allem, da es ernstzunehmende Warnzeichen gibt, dass die Akzeptanz schwindet. In Berlin findet sich die Vielfalt in den Kiezen, deswegen rückt die Kooperation die Potenziale der Bezirke nun stärker in den Mittelpunkt. „Endlich gibt es eine Unterstützung der Tourismusarbeit der einzelnen Bezirke. Das kommt allen zu Gute: den Bezirken, den Berlinerinnen und Berlinern und den Touristinnen und Touristen, “ so Senatorin Pop.

Unterstützung findet ihre Einschätzung auch von Burkhard Kieker, dem Geschäftsführer von visitBerlin. „Unser Stadtmarketing lebt von den Impulsen und Ideen aus den Berliner Bezirken“, sagt Burkhard Kieker. „Jetzt können wir eine gute Arbeitsstruktur für die nächsten Jahre aufbauen, damit die Bezirke die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zusteht. Darüber freue ich mich sehr.“

Intensivere Kooperation für mehr Akzeptanz

Erklärtes Ziel der Kooperation ist es, die Zusammenarbeit mit den Bezirken zu intensivieren und die Akzeptanz für den Tourismus in der Stadt zu stärken. All das geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Berlinerinnen und Berlinern. In den vergangenen Wochen führten die Kooperationspartner bereits zahlreiche Gespräche in allen Bezirken, um die aktuelle Situation zu analysieren.

visitBerlin wird künftig im Sinne einer Unternehmensberatung für die Bezirke fungieren. So unterstützt es die Bezirke in der Vermarktung ihrer touristischen Angebote und hilft bei der Entwicklung neuer Angebote auf Bezirksebene, die sich an Berlin-Gäste, aber auch an Berlinerinnen und Berliner richten. Dazu gehören neue, bezirksübergreifende kultur- und aktivtouristische Themenrouten, die visitBerlin weltweit vermarkten. So können neue Impulse für Berlin-Besucher gesetzt werden, die dazu einladen, auch bislang unbekannte Orte zu erkunden.

Zudem wird visitBerlin eine bezirksbasierte Marktforschung aufbauen. Schulungen und Beratungen zu nachhaltiger Reisemobilität, Tourismusakzeptanz, Monitoring und Barrierefreiheit bietet visitBerlin ebenfalls an. (red)

Berlin Art Week: Galerie Marzona erhält VBKI-Preis

Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und der Landesverband Berliner Galerien (lvbg) haben zum zweiten Mal den mit 10.000 Euro dotierten VBKI-Preis BERLINER GALERIEN vergeben. In diesem Jahr erhielt ihn die Galerie Marzona auf der art berlin fair for modern and contemporary art.  Feierlich übergeben wurde der Preis von der Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Ramona Pop.

VBKI-Preis

Der Preisträger aus Berlin-Kreuzberg wurde vor rund 250 prominenten Gästen bei einer feierlichen Preisverleihung am 28.09.2018 gekürt. Schauplatz war die art berlin fair for modern and contemporary art am Flughafen Tempelhof. In Würdigung des Ausstellungsprojekts „parallélisme élémentaire“ des Künstlers Aron Mehzion fiel die Wahl der Expertenjury in diesem Jahr auf die Galerie Marzona. Erst 2014 gründete Daniel Marzona seine Galerie, die aktuell 11 Künstler repräsentiert.  Auch die beiden weiteren Finalisten, die Galerien Schwarz Contemporary und Dittrich & Schlechtriem, wurden ausgezeichnet. Ziel des von VBKI und dem lvbg 2017 gegründeten Preises ist es, auf die bedeutende Rolle der Galerien für den Kunststandort Berlin aufmerksam zu machen.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des VBKI-Kulturausschusses Bernd Wieczorek hielt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop die Festrede. „Der Kunstmarkt ist mit über 300 Galerien ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor unserer Stadt – undes gibt genügend Platz, um weiter zu wachsen. Berlin ist ein Hotspot für zeitgenössische Kunstproduktion, und wir sind stolz auf die Vielfalt der Berliner Kunst- und Kulturszene – mein  großer Dank gilt Förderern wie dem VBKI und dem lvbg, die den Standort voran bringen“, so Pop.

Galerie Marzona

In seiner anschließenden Laudatio würdigte Dr. Sebastian Preuss, stellvertretender Chefredakteur von WELTKUNST, den diesjährigen Preisträger. „Daniel Marzona vertritt in seiner Galerie mit großem Engagement Künstler, deren Werke sich schneller, modischer Vermarktung verweigern. Es ist eine Kunst, die die konzeptuellen Ansätze der Sechziger und Siebziger in die Gegenwart führt. Eine Kunst, die einer intensiven Vermittlung bedarf, deren Präsentation eine sensible Ausstellungsästhetik, kunsthistorische Tiefenschärfe und Eloquenz beim Erklären verlangt. All dies setzt Daniel Marzona in beeindruckender Weise um. Auf dem vielstimmigen Feld der vielen Berliner Galerien setzt er ein ruhiges, ernsthaftes, in die Tiefe gehendes Zeichen“, resümierte Preuss.

Aron Mehzion beschäftigt sich in seinem Werk mit physikalischen und mathematischen Fragen der Spiegelsymmetrie. So offenbart sich etwa in Gipsabdrücken von vertrauten Gegenständen – zum Beispiel einer Kinderhand – die komplexe zeitliche Struktur eines Gegenstandes. Daher sind die Abdrücke gegenwärtig und zugleich vergangen. Einer der künstlerischen Gewährsleute dabei ist Marcel Duchamp.

Kunstförderung

Die Begründer des Preises verstehen ihre Initiative als Förderung des Kunstmarktstandorts Berlin. Bewerben konnten sich Berliner Galerien mit mindestens drei und maximal zehn Jahren Geschäftsbetrieb. Darunter zu verstehen sind Kunstbetriebe, die als sogenannte Erstgalerie am Markt aktiv sind. Das heißt die Bewerber müssen den Handel mit Kunstwerken direkt aus den Ateliers der Stadt heraus betreiben. Somit garantieren sie die Infrastruktur des Berliner Primärmarktes.

In der Experten-Jury des VBKI-Preises BERLINER GALERIEN saßen unter anderem: Michael Haas (Inhaber Galerie Michael Haas), Dr. Christine Nippe (Kuratorin), Dr. Sebastian Preuss (stellv. Chefredakteur Weltkunst) und Bernd Wieczorek, VBKI-Präsidiumsmitglied und Vorsitzender des VBKI-Kulturausschusses. (red)

Art Dinner 2018: Kunstauktion für den guten Zweck

Kunst und Kultur für einen guten Zweck – das versprach die bereits siebte Auflage des Art Dinners der Bürgerstiftung Berlin. Im Zuge der diesjährigen Veranstaltung konnten die 350 geladenen Gäste exklusive Kunstwerke für einen guten Zweck ersteigern. Denn die Erlöse kommen den Projekten der Bürgerstiftung Berlin zur Leseförderung an Berliner Brennpunktschulen zugute.

„Nichts, was Sie für Kinder tun ist jemals verschwendet“, betonte die anwesende Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey. Sie war außerdem Schirmherrin des Art Dinners. Lobende Worte kamen zudem von Michael Müller, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, der die gesellschaftlich wertvolle Arbeit der Stiftung hervorhob.

Führungswechsel während des Art Dinners

Darüber hinaus bot der Abend noch einen weiteren Anlass zum Feiern: Den feierlichen Stabwechsel der Führungsspitze. Ab sofort steht Top-Managerin Vera Gäde-Butzlaff der renommierten Bürgerstiftung vor. Noch bis Februar dieses Jahres war Vera Gäde-Butzlaff die Vorsitzende der GASAG AG. „Wir sind froh und dankbar eine so erfahrene Führungspersönlichkeit für die Bürgerstiftung Berlin gewonnen zu haben“, so der Vorsitzende des Stiftungsrates, Klaus Siegers. Denn neben ihrer Arbeit im Vorstand des Stiftungsrates ist die ehemalige Richterin als Vorsitzende im Aufsichtsrat des Krankenhausbetreibers Vivantes GmbH tätig. Also überrascht es wenig, dass der Stiftungsrat sie einstimmig zur Nachfolgerin wählte.

Die bisherige Vorsitzende Heike Maria von Joest legte ihr zehnjähriges Engagement in der Stiftung nieder. „Heike Maria von Joest hat die Bürgerstiftung Berlin in außerordentlicher Weise nach vorne gebracht, das Stiftungs- und Spendenvolumen beachtlich erhöht und die Stiftung in der öffentlichen Wahrnehmung unserer Stadt als einem wesentlichen Akteur der Ehrenamts-Szene ganz neu etabliert“, dankte Klaus Siegers, der ausscheidenden Vorsitzenden sehr herzlich.

 

Großer Andrang im Saal der Mercedes-Welt| Foto: Andreas Amann

Großer Andrang im Saal der Mercedes-Welt am Salzufer | Foto: Andreas Amann

Erlöse im sechsstelligen Bereich

Die stolze Summe von 103.200 Euro konnte die Auktion unter der professionellen Leitung von Kilian Jay von Seldeneck vom Kunsthaus Lempertz im Rahmen des Art Dinners erzielen. Neben Skulpturen der unterschiedlichsten Formen, Größen und Materialien gab es eine „Silent Auction“ während des Dinners. Hier konnten die Gäste per Höchstgebot besondere Events ersteigern. Unter anderem gehörten dazu die Teilnahme an einer Redaktionssitzung des Tagesspiegels oder ein Tagestrip auf die Rennbahn Hoppegarten.

Die Erlöse des Abends kommen dem Projekt LeseLust und dem Interaktiven Bilderbuchkino zugute. Darüber hinaus erhalten Schulen unter der Prämisse, dass sie ihre Büchereien aufstocken, eine allgemeine finanzielle Förderung. Über 10.000 Kinder profitierten in der Vergangenheit bereits davon. In Rahmen des Projekts LeseLust besuchen 500 ehrenamtliche Paten einmal wöchentlich Schulen und Kitas. Ziel ist es, Kinder für das Lesen und Themenfelder wie Naturwissenschaften zu begeistern.

Solche Projekte zeigen: Die Stiftung ist auf ehrenamtliches Engagement, Spenden sowie Charity -Veranstaltungen angewiesen. Events wie das Art Dinner setzen daher ein Zeichen für die Bereitschaft und das Interesse der Berliner, für einen guten Zweck aktiv zu werden. (red)

TUNGO’s: Experimentelle Küche aus Berlins Mitte

The same but different, dahinter verbirgt sich die Vision eines jungen Gründers: Hussein Jezzini, der mit seinem Lifestyle-Café TUNGO‘s kulinarisch durchstartet. Seine Mission: experimentelles und ausgewogenes Essen in hipper und zugleich familiärer Atmosphäre wieder salonfähig machen.

Verweilen statt eilen

In Berlins Mitte trifft Tradition auf Moderne: Hier gibt es eine bunte und von multikulturellen Einflüssen geprägte Gastroszene. Mit seinem Lifestyle-Café TUNGO’s hat sich Besitzer Jezzini einen Traum erfüllt und betreibt sein Gewerbe mit viel Herzblut. Seit der Erstellung seines Businessplans im letzten Jahr hat sich viel getan. Mithilfe der tatkräftigen Unterstützung von Partnern wie Orderbird, Xucker und der Kaffeerösterei Berlin eröffnete der junge Gastronom Anfang Juli seinen Laden unweit des Hackeschen Marktes.

Gesund und bunt: Der Bulgur-Teller mit selbst gebackenem Xucker-Kuchen | Foto: TUNGO‘s

Gesund und bunt: Der Bulgur-Teller mit selbst gebackenem Xucker-Kuchen | Foto: TUNGO‘s

Kulinarische Köstlichkeiten

Die Liebe zum Essen verbindet die unterschiedlichsten Menschen und ist auch Teil seines Geschäftskonzepts. „Mir ist wichtig, dass meine Kollegen und ich mit den Kunden im Austausch bleiben, sodass wir auf ihre Bedürfnisse eingehen können“, so Jezzini. Aber er ist nicht nur ein aufmerksamer Gastgeber, sondern versteht auch etwas von seinem Handwerk: Ausgebildet wurde der gebürtige Libanese in der gehobenen Cuisine des Restaurants FACIL, das zum 5-Sterne-Designhotel Mandala am Potsdamer Platz gehört.

Gourmets kommen auf ihre Kosten: die Speisen sind orientalisch angehaucht und doch ganz eigene Kreationen. Der Gastrogründer experimentiert in der Küche gern und ist offen, sich von Freunden, Mitarbeitern und Kunden inspirieren zu lassen. Besonders stolz ist er auf seinen nussigen Black & White-Kuchen. „Den gibt es kein zweites Mal“, betont Jezzini. Kuchen und ausgewogene Ernährung – passt das zusammen? Gesunde Ernährung ist für ihn mehr als ein Namenszusatz wie ‚Fit‘ oder ‚Diät‘ oder die Verteufelung von Süßspeisen. Für ihn ist sie eine Sache der Einstellung: auf gesunde Alternativen setzen und somit Balance schaffen. Dazu gehören auch hausgemachte Cookies und Bananenbrot.

Xucker statt Zucker

Das TUNGO‘s ist Berlins erster und einziger zertifizierter Xucker-Store, darauf ist Hussein besonders stolz. Xucker ist ein Berliner Unternehmen, 2010 gegründet, das auf kalorienarme und gut erträgliche Süßungsmittel wie Xylit und Erythrit setzt. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Süßstoff-Herstellern, die ihre Produkte als vielversprechende Zuckeralternativen anpreisen. Jedoch eigenen sich die wenigsten Süßstoffe zum Backen – Xucker schon. Und nachhaltig ist das Produkt auch noch: Xylit wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maispflanzen oder Holz gewonnen und ist ein natürlich vorkommender Zuckeralkohol. Erythrit ist vergorener Traubenzucker. „Xucker ist fast komplett geschmacksneutral, das ist natürlich ideal zum Backen“, so das Fazit von Jezzini.

Immer vor Ort: Gründer und Inhaber Hussein Jezzini | Foto: TUNGO’s

Große Ambitionen

Bereits in diesem Jahr war das TUNGO’s für den Gastro-Gründerpreis nominiert noch vor seiner Eröffnung. Gewonnen hat ein anderer, aber Jezzini sieht das ganz pragmatisch und bewirbt sich einfach noch einmal im nächsten Jahr. An seinem Konzept zweifelt er auf jeden Fall nicht. Das muss er auch nicht, denn die Kundenzufriedenheit ist hoch. Ob Online oder am Standort selbst, der Gründer bekommt ausschließlich positives Feedback. Was kann man sich mehr wünschen? „Einen zweiten Laden in Charlottenburg“, sagt Jezzini prompt. So ambitioniert wie der junge Gastronom ist, wird er sich auch diesen Traum erfüllen. (lj)

Gut besucht: die Eröffnungsparty im TUNGO‘s war ein großer Erfolg | Foto: TUNGO's

Gut besucht: Die Eröffnungsparty im TUNGO‘s war ein großer Erfolg | Foto: TUNGO’s

Bürokratie erschwert Migranten den Einstieg ins Arbeitsleben

Es ist paradox – auf der einen Seite fehlen in Berlin tausende Fachkräfte, auf der anderen stehen unzählige Bewerber, die nicht arbeiten dürfen. Gemeint sind Geflüchtete und Migranten, die arbeiten können und wollen, aber keine Genehmigung besitzen. Grund dafür sind bürokratische Vorgänge, die Flüchtlingen und Migranten den Weg ins Arbeitsleben erschweren. Durch lange Wartezeiten und fehlende Vernetzung der Behörden ziehen sich die Genehmigungsprozesse unnötig in die Länge.

Das sind verschenkte Integrationschancen, da eine Ausbildung und die Möglichkeit, arbeiten zu können, essentiell für die Berliner Wirtschaft und eine gelungene Integration sind. Am Arbeitsplatz können Migranten nicht nur das Alltagsleben kennenlernen, sondern ebenso die deutsche Sprache lernen. Durch Interaktionen, anstelle von theoretischen Beispielen, werden typische und häufig gebrauchte Phrasen und Wörter schnell erlernt. Auf „eigenen Beinen zu stehen“ hat zusätzlich nicht nur den Vorteil, dass das Selbstwertgefühl gestärkt wird, es entlastet auch die Sozialsysteme. Während Migranten auf ihre Arbeitserlaubnis warten, zahlt das Land für sie die Wohnungs-, Fahrt- sowie Lebenshaltungskosten. Verdienen sie ihr eigenes Geld, fallen derartige Kosten logischerweise weg und der Staat gewinnt neue Steuerzahler dazu. Ein Gewinn für den Staat und die Migranten.

Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu

Verwunderlich scheinen solche Zustände vor allem, wenn man sie in den Kontext des deutschen Fachkräftemangels setzt. Allein in Berlin fehlen Schätzungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge derzeit 121.000 Fachkräfte. Bis 2030 könnte sich diese Zahl berlinweit auf 230.000 leere Stellen nahezu verdoppeln. Am schwersten vom Mangel sind Berufe im Bereich des Baugewerbes, Handels und Gastgewerbes betroffen. Doch auch im Gesundheitswesen fehlen zunehmend Arbeitskräfte. Daraus resultiert eine Frage: Wieso erteilt das Land den arbeitswilligen Flüchtlingen und Migranten keine Erlaubnis zum Arbeiten?

Häufig scheitert es an bürokratischen Auflagen. Allein die Anerkennung eines ausländischen Ausbildungsabschlusses stellt oft ein Problem dar. Beispielsweise den Beruf des Altenpflegers gibt es dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) zufolge in seiner jetzigen Form nur in Deutschland. Um eine Gleichwertigkeitsstellung durchzuführen, fehle daher in anderen Ländern die passende Ausbildung. Darüber hinaus gibt es Wartende, die in Deutschland in den vergangenen Jahren bereits eine Ausbildung absolviert haben, anschließend jedoch auf die weiterführende Arbeitsgenehmigung aufgrund von bürokratischen Auflagen wochenlang warten müssen.

Organisationen bieten Hilfe für Geflüchtete und Migranten

Doch selbst wenn die Abschlüsse und Unterlagen vorhanden sind, steht häufig noch ein weiteres Problem im Raum: Die Sprache. Viele Antragsdokumente sind nur auf Deutsch verfügbar und es mangelt an Hilfen wie Übersetzern. „Als türkische Bewerberin mit Englischkenntnissen wäre ich verzweifelt“, schildert Alev Deniz, Leiterin des Netzwerkes „Integration durch Qualifikation“ (IQ). Daher bietet das Netzwerk Bewerbern mit ausländischen Abschlüssen Hilfe bei der Antragsstellung. Doch auch hier mangelt es an Personal, vor allem durch den steigenden Bedarf an Beratungen. „Wir brauchen deshalb unbedingt mehr unabhängige Beratungsstellen“, so Deniz.

Nicht nur unabhängige Organisationen, auch die Politik fordert Handlungen. In der vergangenen Woche beriet daher der Ausschuss für Integration, Arbeit und Soziales über mögliche Vereinfachungen für die komplexen bürokratischen Auflagen. „Wir müssen nochmal mit alle Kammern und Beteiligte an einen Tisch holen“, fordert Elke Breitenbach (Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales. Das Ziel ist, die Bürokratie zu vernetzen, um die Genehmigungs- und Anerkennungsprozesse zu beschleunigen. Hier birgt aber die Digitalisierung große Chancen: Es wäre eine Möglichkeit, dass ein Antragssteller nur einen einzigen elektronischen Antrag stellt, statt dies bei jedem Amt einzeln zu tun. Doch von einer digitalen Verwaltung ist Berlin zum jetzigen Zeitpunkt noch weit entfernt. Ob derartige Maßnahmen das Problem lösen werden, wird sich noch zeigen. Fest steht jedoch, dass an der momentanen Situation etwas geändert werden muss. (ke)