Heftige Debatten um Wohnungspolitik

Laut Stadtentwicklungsplan braucht Berlin bis zum Jahr 2030 194.000 neue Wohnungen, um dem prognostizierten weiteren Bevölkerungswachstum gerecht zu werden und den stark angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Allein 117.000 Wohnungen seien laut Stadtentwicklungsbehörde nötig, um den Bedarf durch den erwarteten Bevölkerungszuwachs um 181.000 Menschen zu decken. Weitere 77.000 Wohnungen werden gebraucht, um das Defizit aus den vergangenen Jahren auszugleichen. Die Opposition wirft der zuständigen Bausenatorin, Katrin Lompscher, Realitätsferne vor. Nach ihrer Auffassung müssten bis 2030 rund 250 000 Wohnungen entstehen, um eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu erreichen. Lompscher schaffe nicht einmal die Zielmarke von 30 000 Wohnungen im Jahr.

Stadtentwicklungsplan unrealistisch?

Der wohnungspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff, spricht sogar von Versagen der rot-rot-grünen Regierung. „ Sie kriegen hier in Berlin nichts auf die Reihe!“ Der Stadtentwicklungsplan gehöre in den Papierkorb. Er beruft sich auf die aktuellen Zahlen zu Wohnungsbaugenehmigungen in der Hauptstadt, die vom Landesamt für Statistik veröffentlicht wurden. Demnach ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich gesunken.

Gemeinwohlorientierte Unterkünfte geplant

Nachdem in Berlin in den vergangenen Jahren vor allem teure Wohnungen errichtet wurden, sollen in den kommenden Jahren verstärkt preiswerte Unterkünfte entstehen. Jede zweite neue Wohnung, die bis zum Jahr 2030 geplant ist, soll im sogenannten gemeinwohlorientierten Wohnungsbau entstehen. Laut Senatorin Lompscher liegt die Preisspanne der gemeinwohlorientierten Wohnungen derzeit zwischen der Einstiegsmiete für den sozialen Wohnungsbau von 6,50 Euro und weniger als zehn Euro je Quadratmeter Wohnfläche kalt. Damit sollten „breite Kreise“ der Stadtbevölkerung erreicht werden. Ziel ist, dass 100.000 Wohnungen als gemeinwohlorientierte Unterkünfte entstehen. Dazu zählen alle Bestände von städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen, von sozialen und karitativen Trägern plus Sozialwohnungen anderer Akteure, etwa privater Vermieter.

Elisabeth-Aue in Pankow als Baufläche geplant

Der Schwerpunkt des Neubaus soll auf die 14 bereits geplanten neuen Stadtquartiere gelegt werden. Dazu gehören unter anderem die Europacity am Hauptbahnhof, die Wasserstadt Oberhavel und die Buckower Felder. Während zu Beginn der Arbeiten am Stadtentwicklungsplan zunächst nur Flächen für den Bau von 179.000 Wohnungen ausgewiesen wurden, sind mittlerweile rein rechnerisch genug Bau-Areale gefunden. Der Entwurf für den Plan führt jedenfalls Flächen für den Bau von fast 199.000 Wohnungen auf.  Eingeflossen ist dabei auch der Güterbahnhof Pankow, auf dem 2000 Wohnungen geplant sind.

Vorhersehbare Debatten innerhalb der Regierung

Für weiteren Konfliktstoff in der rot-rot-grünen Koalition könnte sorgen, dass die Elisabeth-Aue in Pankow in der Planung als Baufläche mit aufgeführt wird. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD, Linke und Grüne noch darauf verständigt, Baupläne auf dem etwa 70 Hektar großen Acker in dieser Legislaturperiode nicht weiterzuverfolgen. Nun doch nicht?

Mieterverein begrüßt die Neuausrichtung der Planungen

Schon lange forderte die Immobilienwirtschaft den Wohnungsbau auf Flächen wie der Elisabeth-Aue. Angesichts immer knapperer Baulandreserven sei das auch unverzichtbar.

 

Müller ehrt gesellschaftlich engagierte Firmen mit Berliner Unternehmenspreis

Der Berliner Unternehmenspreis ist eine gemeinsame Auszeichnung des Regierenden Bürgermeisters, der IHK Berlin und der Handwerkskammer Berlin. Verliehen wird die Medaille in Erinnerung an den Unternehmer Franz von Mendelssohn (1865-1935).

Mit dem Preis sollen Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer geehrt werden, die sich durch den Einsatz finanzieller, materieller oder personeller Mittel engagieren und durch gesellschaftlich vorbildliches Unternehmertum zum Nachahmen anregen. Gefragt sind dabei sowohl Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich durch persönliches Engagement auszeichnen als auch Unternehmen, die Freiräume für das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter schaffen.

Insgesamt gab es drei Preisträger

In den einzelnen Kategorien wurden folgende Gewinner ermittelt:

Bis zu 50 Mitarbeitern:  Ände GmbH – Limonadenfirma, Startup-Unternehmen

Mehr als 50 Mitarbeiter:  Verlag Der Tagesspiegel GmbH

Der Sonderpreis ging an die Berlin Social Academy (BSA), ein Projekt von Scholz & Friends Reputation, Zalando, Scout24 und BZ

„Gemeinsam verleihen wir dem Preis eine noch höhere Sichtbarkeit und Wirksamkeit. Die Würdigung des sozialen und gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen der Berliner Wirtschaft ist ein wichtiges Anliegen aller Beteiligten, denn dieser Einsatz hat eine große Bedeutung für die Stadt, die Zivilgesellschaft, für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft“, betonte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.  Sie leiste damit Großartiges für das Gemeinwesen und sei damit nicht nur Treiber von gesellschaftlichem Fortschritt und Wohlstand, sondern auch von Zusammenhalt und Demokratie.

Überwältigende Vielfalt und Umfang des Engagements

Die Initiatoren sind sich einig, dass Verantwortung für das Gemeinwohl alle angehe. Der Wettbewerb habe erneut gezeigt, dass sich die Berliner Unternehmerschaft dieser Verantwortung bewusst sei und sie vorbildlich wahrnehme. Der Präsident der Handwerkskammer Berlin, Stephan Schwarz, ist fasziniert von dem regen Einsatz: „Die Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer sind mit viel Energie und Kreativität für die Gesellschaft aktiv. Sie tun Gutes und leisten so einen Beitrag zu gesellschaftlicher Stabilität. Die zahlreichen Bewerbungen haben uns wieder einmal beeindruckt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um große Konzerne oder Ein-Mann-Betriebe handelt. Gerade die kleineren Firmen sind oft unglaublich erfinderisch.“ (kh)

Wie die Digitalisierung Geschäftsreisen verändert

Die Digitalisierung sorgt im B2B-Bereich für eine enorme Beschleunigung der Reisewelt, Reisen werden online gebucht, in ein paar Stunden lassen sich in Paris oder Prag Business Meetings organisieren und dank dem Smartphone ist das Hotel für den Geschäftstermin auch bereits gebucht – alles meist nur einen Klick entfernt. Diese Beschleunigung stellt auch die Tourismusbranche vor enorme Herausforderungen. Geschäftsreisende sind heute mit Smartphones und anderen Gadgets ausgestattet und können Ihre Reise unabhängig von Ort und Zeit planen. Dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für Navigation und Kommunikation – Themen, denen Veranstalter von Geschäftsreisen mehr und mehr Beachtung schenken müssen.

Geschäftsreisen werden online gebucht

Seit etwa acht Jahren verzeichnet der Tourismus weltweit ein überdurchschnittliches Wachstum, so wurden im Jahr 2017 insgesamt 1,32 Milliarden Ankünfte gezählt und in diesem Jahr ist deren Zahl sogar noch weiter gestiegen – um mehr als 30 Prozent laut Jahresbericht der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO).

Die digitale Vernetzung ermöglicht es Reiseanbietern heute, ihre Preisbildung flexibler zu gestalten. Mit der Folge, dass die Planung von Dienstreisen komplizierter geworden ist und Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt. Früher setzten gerade größere Unternehmen noch auf feste Vertragsvereinbarungen mit Hotels oder Hotelketten um möglichst große Planbarkeit zu haben. Mittlerweile geht der Trend allerdings zu einer flexibleren Planung, die nicht selten auch „Last Minute“ erfolgt. Darüber hinaus weisen immer mehr Unternehmer ihre Mitarbeiter an, selbstständig bei Online-Portalen zu buchen. Diese Portale haben sich eine Zeit lang mit Bestpreisklauseln niedrige Preise sichern können, mussten diese aus kartellrechtlichen Gründen jedoch wieder streichen. Dadurch haben die Hotels wieder an Einfluss gewinnen können. Einer Studie von Mydealz.de zufolge bieten sie heute in 70 Prozent der Fälle auf ihren eigenen Websites bessere Konditionen an als über Portale wie HRS oder Booking.com & Co. erhältlich wären. Ein Preisvergleich lohnt also.

Online-Buchungen sind verbindlich – Expertin Elisabeth Unger, TEST Berlin

Aber Achtung: Bei Hotelbuchungen gilt in der Regel kein Widerrufsrecht. In der Regel kann ein Kunde bei Internetgeschäften innerhalb von 14 Tagen von einem Kauf zurücktreten. Doch diese Möglichkeit besteht nicht, wenn ein Zimmer online gebucht wird.

„Eine Hotelbuchung ist ein Beherbergungsvertrag“, sagt Elisabeth Unger, die Geschäftsführerin der Event-Service-Agentur TEST Berlin. „Online-Buchungen sind daher verbindlich.“ Rechtlich sei es unerheblich, ob die Unterkunft online oder klassisch im Reisebüro gebucht wurde, sagt die Expertin. Wer kündigt, muss deshalb in den meistens Fällen Stornogebühren zahlen. Es sei denn, im Vertrag sind ausdrücklich Ausnahmeregelungen vorgesehen. Bei vielen Anbietern ist zum Beispiel die Kündigung bis zu einem Stichtag vor der Abreise kostenlos möglich. Unger von TEST Berlin empfiehlt: Sollte ein Kunde die Frist einmal verschwitzt haben, so hat er die Möglichkeit beim Hotel anrufen und freundlich um Kulanz bitten.

Die Zukunft der Geschäftsreise

Bei all den Angeboten, die miteinander konkurrieren und sich fortlaufend verändern, ist es mit herkömmlichen Methoden schwierig, das Reisebudget unter Kontrolle zu halten. Auch hier gewinnen digitale Technologien immer mehr an Bedeutung. Ohne Smartphone, Cloud und Künstliche Intelligenz ist die effektive Planung und Umsetzung von Geschäftsreisen heutzutage kaum noch möglich. So erfolgt die Reisekostenabrechnung heute immer häufiger über Apps und Cloud-Anwendungen, die zeit- und raumunabhängig aufgerufen werden können und alle Informationen übersichtlich speichern.

Dass Smart Devices eine immer wichtigere Rolle für Geschäftsreisen spielen, geht auch aus einer Studie hervor, die das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik im Auftrag des Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. erstellt hat. Die Forscher gehen davon aus, dass Geschäftsreisende spätestens ab dem Jahr 2025 mithilfe digitaler Technologien kontinuierlich und in Echtzeit Informationen zu ihrer Reise abrufen können. Daraus sollen dann ganz neue Möglichkeiten der strategischen Optimierung des Travel Managements entstehen. Die Studie betont, dass dies vor allem für die Frage der Sicherheit zentral sein wird.

Das Smartphone macht die Abrechnung

In Zukunft werden Business-Reisende ganz selbstverständlich automatisierte Prozesse zur Buchung und Abrechnung ihrer Geschäftsreisen verwenden. Daraus werden wiederum neue Geschäftsmodelle für entsprechende Dienstleister entstehen, zum Beispiel für innovative Bezahlmodelle. Moderne Video-Konferenz-Systeme werden es außerdem möglich machen, Meetings durchzuführen und dabei weitestgehend unabhängig vom momentanen Aufenthaltsort der Teilnehmer zu sein. Auch im Bereich der individuellen Mobilitätslösungen dürfte es viel Bewegung geben.

In Zukunft werden digitale Technologien eine beinahe lückenlose Echtzeitbetreuung ermöglichen. Experten gehen davon aus, dass Künstliche Intelligenz in Zukunft viel stärker eingesetzt werden wird. Lernfähige Systeme werden Parameter und Muster in den Reisedaten erkennen können. Für den einzelnen Reisenden bedeutet das: Wenn er mehrfach ein bestimmtes Ziel ansteuert, muss er sich vor Ort nicht mehr umständlich durch lange Listen von Hotels suchen. Stattdessen schlägt ihm die KI gleich nach der Landung auf dem Flughafen sein Lieblingshotel in der Stadt vor.

Die Nachhaltigkeit nicht vergessen

Ein Thema, das mehr und mehr in den Vordergrund rückt ist Nachhaltigkeit. Muss es wirklich immer das Flugzeug sein? Wie lässt sich die Geschäftsreise umweltfreundlicher und dennoch effizient gestalten. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen ReiseVerbandes legen viele Geschäftsreisende heute Wert auf Nachhaltigkeit. 68 Prozent der Befragten gaben an, nach Möglichkeit mehrere Termine miteinander zu verbinden und 53 Prozent bevorzugen den Zug vor dem Flugzeug. Beim Hotel legen hingegen nur 31 Prozent Wert auf Umweltfreundlichkeit. Die Umfrage ergab auch, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei den Arbeitnehmern stärker ausgeprägt ist als bei den Unternehmensleitungen. Während 81 Prozent der Studienteilnehmer angaben, dass Ihnen Umweltfreundlichkeit auf ihren Business-Trips wichtig sei, achten aber nur 47 Prozent der Unternehmen bereits bei der Planung darauf.

Die digitalen Zukunftstechnologien und der Wunsch der Kunden nach umweltfreundlichen Mobilitätslösungen sind die aktuell größten Herausforderungen im Bereich Geschäftsreisen. Um diesen Entwicklungen wirksam zu begegnen, müssen bisherige Vorgehensweisen hinterfragt und gegebenenfalls optimiert werden. (red)

Miteinander, füreinander: Sozialer Mehrwert durch gesellschaftliche Beteiligung

Es wird in der Öffentlichkeit gern gesehen, es wird viel darüber gesprochen und noch zu wenig dafür getan: Soziales Engagement. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, schrieb vor beinahe 250 Jahren der Dichter Johann Wolfgang von Goethe.

Das alte Muster, Stifter und Wohltäter, wird heute durch Wohltätigkeit (Charity), soziales Engagement oder gesellschaftliche Unternehmensverantwortung (CSR) ergänzt. Denn längst geht es nicht mehr nur um die Einzelperson, sondern um Personenverbände und ganze Unternehmen, die sich für den guten Zweck einsetzen, um gemeinsam einen sozialen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen.

Verantwortung für die Gesellschaft

Neben ihren wirtschaftlichen Aufgaben setzen sich Unternehmen heute ehrenamtlich für ihren Standort ein. Wirtschaftliche Beiträge zum Gemeinwohl können zum Beispiel Umwelt- oder Sozialprojekte sein. Hier geht es weniger um mediale Aufmerksamkeit oder Spenden in Millionenhöhe, sondern um langfristige Maßnahmen, um sich aktiv für das Gemeinwohl und den Unternehmensstandort zu engagieren. Corporate Social Responsibility (CSR) lautet der englische Fachbegriff, der sich mit der allgemeinen Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft profitieren von diesem Konzept, denn es erhöht die Reputation eines Unternehmens, sichert die Kunden- sowie Nachwuchsgewinnung und fördert Innovationen. Zudem sorgt es für ein positives Betriebsklima und wertet das Unternehmensimage auf, allein durch die Bereitschaft, für akute, ökologische, soziale und kulturelle Probleme Lösungen zu finden. Darüber hinaus wird Berlin attraktiver und lebenswerter gestaltet sowie soziale Missstände effektiv bekämpft. Ganz nach der Devise: Global denken, lokal handeln. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Informativ: Zahlreiche Vereine und Organisationen präsentierten auf der Auftaktveranstaltung „14. Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ ihre Initiativen und Förderprogramme | Foto: Kerstin Müller

Informativ: Zahlreiche Vereine und Organisationen präsentierten auf der Auftaktveranstaltung „14. Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ ihre Initiativen und Förderprogramme | Foto: Kerstin Müller/BBE

Status quo

Soziales Engagement wird immer noch als ein Gefühl des Verpflichtetseins wahrgenommen. Fast die Hälfte aller Berliner und Berlinerinnen engagieren sich bereits, aber es ist noch Luft nach oben. Sponsoren für gemeinnützige Projekte zu begeistern, ist nicht einfach. Dabei entstehen gerade daraus wichtige Impulse für gesellschaftliche Veränderungen und das Gelingen eines guten Zusammenlebens. Was wird von der Politik getan?

In der Hauptstadt übernimmt die Federführung für die Engagementpolitik des Landes die Berliner Senatskanzlei, die sich aktiv für die Stärkung des Gemeinwohls einsetzt. Keine leichte Aufgabe! Sawsan Chebli (SPD), zuständige Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, möchte soziales Engagement mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Ob Einzelperson oder Unternehmen, wer sich für die Stadt einsetzt, soll dafür Anerkennung bekommen. Zu diesem Zweck wurde bereits 2003 unter dem damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eine Berliner Charta zum bürgerschaftlichen Engagement verabschiedet. Sie manifestiert bürgerschaftliches Engagement als einen unverzichtbaren Bestandteil zum Wohle einer lebendigen, vielfältigen und solidarischen Berliner Gesellschaft. Insgesamt umfasst die Charta das Ehrenamt, die Freiwilligenarbeit und die Selbsthilfe sowie das Engagement von Organisationen, Initiativen, Verbänden, Unternehmen und Stiftungen. Mit der Unterzeichnung der Charta wurde in Berlin offiziell der Grundstein für eine sozialere Stadt gelegt.

Engagement gefragt

Wie kann ein Unternehmen Gutes tun? Von eigenen Projekten, Sponsoring, Sach- bis hin zu Zeitspenden ist eigentlich alles möglich. Für noch unentschlossene Unternehmen bietet die Nationale Rotkreuz-Gesellschaft (Deutsches Rotes Kreuz) sogar Beratungen über mögliche Projekte oder Kooperationspartner an und begleitet diese mit einem speziell dafür entwickelten Service bei der Ausübung ihres Engagements.

Außerdem finden seit sieben Jahren die Aktionstage „Gemeinsame Sache – Berliner Freiwilligentage“ statt, um mögliche Kooperationen zwischen Berliner Unternehmen und sozialen Einrichtungen anzubahnen. Das Projekt entsendet Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung für eine Woche in eine soziale Institution, etwa in eine Obdachlosenunterkunft oder in ein Hospiz. Dort helfen die Mitarbeiter bei der Realisierung verschiedener sozialer Aktionen aus.

Gegenbauer-Kommunikationschef Gunther Thiele zeigte sich von den jährlich veranstalteten Freiwilligentagen begeistert: „Ehrenamt hat bei uns einen hohen Stellenwert.“ Eine der diesjährigen Aktionen war es, für das gemeinnützige Unternehmen „Arbeit für Menschen mit Behinderung“ (AfB) Spenden zu sammeln. Mitarbeiter des Plattformbetreibers Scout24 hatten in zwei Sammelaktionen mehr als 14 Tonnen veralteter und zum Teil ungenutzter PCs zusammenbekommen. Gemeinsam mit AfB reinigten sie die Geräte, versahen sie mit neuer Software und verkauften die wiederhergestellten PCs. Unbrauchbare Modelle wurden zerlegt und fachgemäß recycelt. Allein die verkauften Computer brachten rund 13.500 Euro ein. Gemeinsam mit der AfB unterstützt die BERLINboxx-Herausgeberin Dr. Angela Wiechula tatkräftig die Initiative „Berliner Unternehmen schaffen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung“. Seit dem letzten Jahr wurden viele Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen und weitere starke Partner gewonnen, darunter Großkonzerne wie Pfizer, Bertelsmann, Telefonica /O2 und Siemens.

Da geht noch was

Trotz der Vielzahl an Projekten, ist es erschreckend, wie viele Berliner Großunternehmen verhältnismäßig wenig für die Hauptstadt und deren Bewohner tun. Zu nennen ist hier zum Beispiel die Kaufhauskette Karstadt, die seit der Übernahme durch die SIGNA Department Store Group 2014, kaum noch Engagement zeigt. Lediglich die Spenden-Kampagne „Mama ist die Beste“ wird unterstützt, deren Erlöse dem ABW-Frauenladen zu Gute kommen, der von der gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Bildung und Wohnen mbH initiiert wird. Ins Leben gerufen hatte Karstadt die bundesweite Spendenaktion im 135. Jubiläumsjahr 2016.

Sein Debüt feierte allerdings der Berliner Modeversandhandel Zalando, der erstmalig auf dem Christopher Street Day mit Mitarbeitern anzutreffen war. Trotz des Vermerks „we love local“ auf der Unternehmensseite ist Zalandos soziales Engagement für die Hauptstadt noch ausbaufähig. Mit der Unterstützung des Deutschen Nachbarschaftspreises und der internen Förderung eines betrieblichen Freiwilligenprogramms ist es bei einem Umsatz von 4,49 Milliarden Euro im letzten Jahr nicht getan.

Auch der Stromanbieter Vattenfall scheint in der sozialen Stadt noch nicht seinen Platz gefunden zu haben. Dabei kann Vattenfall auf eine 130-jährige Geschichte in der Hauptstadt zurückblicken. Am Rande wird immerhin ein Crosslauf für Schüler organisiert, kleinere schulische Projekte und ein Urban-Gardening-Workshop angeboten.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Das von uns entwickelte Motto ‚Nur mit Euch‘ ist mehr als ein Slogan, es war eine Geste und eine hervorragende Wahl. Dieses Motto bringt auf verständliche und eingängige Weise unser Anliegen auf den Punkt, die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zusammenzuführen und Integration zu stärken. Die Botschaft ist bei den Bürgerinnen und Bürger angekommen. Berlin hat sich damit deutschlandweit und auch international überzeugend als ‚Stadt der Freiheit‘ präsentiert. Berlin praktiziert Vielfalt und friedliches Zusammenleben im Alltag. Berlin steht als Hauptstadt für ein liberales und weltoffenes Deutschland, in dem alle dazugehören.“ | Foto: David von Becker

Wohltätigkeit nimmt wieder Fahrt auf

Dagegen ist „Engagement macht stark!“ ein Musterbeispiel für erfolgreiche Bürger- und Unternehmensinitiativen. Eine Woche lang wurden der bundesweite Einsatz von Freiwilligen und gemeinnützigen Vereinen von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gewürdigt. Bei der Auftaktveranstaltung hielt unter anderem Dr. Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eine Rede zum Thema „Engagement leben – Sinn geben“. Auch Sawsan Chebli und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie zahlreiche Engagementbotschafter verschiedener Unternehmen und Institutionen waren anwesend. Seit 2016 wird von bürgeraktiv, einem Berliner Engagementportal, der Unternehmenspreis „Engagiert in Berlin“ vergeben. So würdigt der Senat, vertreten durch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller besondere Leistungen gesellschaftlich engagierter Berliner Unternehmen oder Projekte.

Außerdem inszenierte die Senatskanzlei in diesem Jahr den Tag der deutschen Einheit als ein Bürgerfest. Vom 1. bis zum 3. Oktober fand die Veranstaltung unter dem Motto NUR MIT EUCH statt. Das Fest sollte ein Zeichen für Toleranz, Integration, Vielfalt und Freiheit in Deutschland und Europa setzen. Unterstützt wurde das Fest von mehr als 200 Partnern. Darunter Großkonzerne wie H&M, Siemens, Volkswagen Aktiengesellschaft, Berliner Sparkasse, GASAG, Deutsche Bahn/S-Bahn und vielen mehr.

Vorbildlich ist auch die Spendenkampagne der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für die Ehrenamtlichen. Die S-Bahn Berlin und BVG stellten auch in diesem Jahr 17.000 kostenlose Fahrscheine für Berliner Helfer zur Verfügung. „Es liegt uns am Herzen, die Menschen, die sich engagieren, zu unterstützen. Jede und jeder soll die Möglichkeit zum ehrenamtlichen Engagement haben, denn wir brauchen alle, damit Berlin sozial bleibt. Jeder einzelne Fahrschein ist deshalb wichtig“, sagte Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, zur gemeinsamen Spendenkampagne. Helfer werden dabei unterstützt, an die Orte zu kommen, wo sie gebraucht werden. Bereits das achte Jahr in Folge findet diese Aktion der Berliner Verkehrsunternehmen statt.

Investition in die Zukunft

„Wer in Armut aufwächst, hat einen schwierigen Start ins Leben“, sagte die zuständige Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) vor Kurzem. „Es dreht sich nicht nur alles ums Geld, auch soziale Teilhabe, gute Bildungsabschlüsse und gesundes Aufwachsen gelingen nicht gleich gut.“ Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe und selber Vater, gründete zusammen mit Berliner Unternehmern den „Laughing Hearts e.V.“ zur Förderung von Heimkindern und sozial benachteiligten Kindern sowie Jugendlichen. Seit Jahren setzt sich der Immobilien-Projektenwickler aktiv gegen Kinderarmut und soziale Missstände ein. Dazu findet am 24. November 2018 mit zahlreichen prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die bereits zehnte „Laughing Hearts Charity Gala” im Grand Hyatt Berlin statt. Jeder Cent kommt vielfältigen Projekten für Kinder und Jugendliche in Berliner Heimen zu Gute. „Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung“, sagte bereits Physiker Albert Einstein.

Mit Tradition wirbt die Berliner Sparkasse: „200 Jahre gut für Berlin“. Die Berliner Sparkasse hat ihr Engagement für die Stadt zu ihrem Aushängeschild gemacht. Von kleineren Kultur- bis hin zu Sportprojekten, die Finanzgruppe begeisterte anlässlich ihres 200-jährigen Firmenjubiläums im Mai zahlreiche Gäste auf Kiezfesten. Selbst Förderungen für den Nachwuchs werden regelmäßig ausgeschrieben. Vorbildliches leisten seit Jahren auch die Arche Berlin, der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. mit dem „Lesepatenprojekt“ und die Bürgerstiftung Berlin mit der Finanzierung des Programms „LeseLust“. Beim diesjährigen Art Dinner der Bürgerstiftung Berlin wurde eine stolze Summe von 103.200 Euro zusammengetragen.

Pflege unterstützen

Seit vielen Jahren engagiert sich die ALBA Group mit einem speziellen Förderverein im Kampf gegen den Krebs. „KINDerLEBEN – Verein zur Förderung der Klinik für krebskranke Kinder e.V.“, 1997 von ALBA gegründet, ermöglichte die Eröffnung einer Tagesklinik für die Versorgung krebskranker Kinder und Jugendlicher an der Berliner Charité. Seitdem initiiert das Entsorgungsunternehmen regelmäßige Aktionen, deren Erlöse in das Förderprogramm fließen, um die Ausstattung, Betreuung sowie Pflege in der Klinik zu verbessern. Der gesamte Erlös – rund 2,9 Millionen Euro seit inzwischen 16 Jahren – kommt ausschließlich KINDerLEBEN zugute.

Dr. Axel Schweitzer, Vorstandvorsitzender der ALBA Group: „Wir schreiben nicht nur in unserer täglichen Arbeit Nachhaltigkeit groß, sondern glauben auch bei unserem Sponsoring daran. Gute Technik, voller Einsatz und das Vertrauen in die Jugend verbindet die ALBA Group mit den Basketballern von ALBA BERLIN. Dieses Vertrauen und die Intensität, die dabei in die Jugendarbeit investiert werden, zahlen sich aus. Das macht uns sehr stolz.“| Foto: Alba Group

Einen sagenhaften Spendenrekord erreichte im Mai der 13. Rosenball mit den Gastgebern des Abends, Liz Mohn und Thomas Rabe, bei dem ein Erlös in Höhe von einer halben Million Euro zusammenkam. Seit 25 Jahren setzt sich die Stiftung „Deutsche Schlaganfall-Hilfe“ mit Initiativen für Aufklärung, Prävention für eine bessere Versorgung von Schlaganfall-Patienten ein. Unter der Federführung von dem Bertelsmann-CEO Rabe und der Stiftungsgründerin Mohn, die mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, veranstaltet die Deutsche Schlaganfall-Hilfe jährlich einen Spendenball mit rund 600 Gästen.

Einsatz für den Sport

Sport verbindet und ist ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor der Hauptstadt. Ob Leistungs- oder Breitensport, weder der Bund noch das Land Berlin könnten ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen und Sponsoren den Sportbetrieb stemmen.

Sportevents in einem Ausmaß wie das Internationale Stadionfest Berlin (ISTAF) können nicht ohne Hauptsponsor und zahlreiche Partner umgesetzt werden. Zum Glück der Hauptstadt: Seit 2013 ist die Spielbank Berlin in der Sportförderung aktiv. Sie ist Hauptsponsor des ISTAF. Eine bewährte, schon seit mehr als 25 Jahren bestehende Partnerschaft herrscht auch zwischen dem Basketballverein BG Charlottenburg und der ALBA Group. Die langjährige Kooperation hat Bestand und strahlt als positives Beispiel weit über Berlin hinaus.

Einsatz für Sport und Jugend: Aleksander Dzembritzki, Staatssekretär für Sport, Christiane Brümmer, Geschäftsführerin der Spielbank Berlin und Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie (v.l.n.r.) | Foto: Dirk Lässig

Nachahmenswert ist die Engagementpolitik der Lottostiftung Berlin: Die Zuwendung für sportliche Projekte ist sogar in deren Satzung verankert. Fünf Cent jedes Lottoeuros kommen direkt dem Sport zu Gute. Davon erhalten jeweils drei Cent der Landessportbund und die verbliebenen zwei Cent gehen an die Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Die finanziellen Mittel erreichen Sportvereine, die zuvor vom Landessportbund Berlin oder der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in die Verteilerliste aufgenommen wurden.

Vorbildliches Ehrenamt betreibt insbesondere der Berliner Fußballverband. Zahlreiche Helfer unterstützen den Verband dabei, seinen Nachwuchs zu fördern und die Spiele durchführen zu können. Als Anerkennung für die ehrenamtlichen Helfer wurde unter anderem der Freiwilligenpass eingeführt.

Denn Sport verbindet über Grenzen hinaus, das beweist insbesondere der Automobilhersteller BMW unter der Führung von Hans-Reiner Schröder, Direktor der BMW-Niederlassung in Berlin. Sie sind die Hauptsponsoren des BMW Marathons, einem mittlerweile international anerkannten Sportevent. In diesem Jahr fand der bereits 45. Berlin-Marathon statt, bei dem 44.389 begeisterte Läufer und Läuferinnen gegeneinander antraten. Der Automobilhersteller ist schon seit zwölf Jahren in Berlin engagiert. „Und das mit Leidenschaft“, betont Schröder.

Ein weiterer Sportpartner ist die Berliner Sparkasse, die seit Jahren den Spitzen-, Breiten-, Nachwuchs- und Behindertensport unterstützt. Seit 2008 ist die Finanzgruppe außerdem der offizielle Olympia Partner Deutschland des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Kultur für alle

„Berlin könnte mehr in Kultur investieren“, sind die Worte des in Berlin zuständigen Senators für Kultur in Europa r Klaus Lederer (Linke). Obwohl die Hauptstadt eine Topdestination für Kunst- und Kulturevents darstellt, wären viele international gefeierte Veranstaltungen wie die „Berlin Art Week“ oder die „Staatsoper füralle“ ohne Sponsoren aus der Wirtschaft gar nicht realisierbar. „Berlin ist mit einer so reichhaltigen Kulturlandschaft gesegnet, dass viele einander gar nicht mitbekommen. Wir verbinden die Aktivitäten miteinander: die beiden Kunstmessen ‚Art Berlin‘ und ‚Positions‘, den Gropius-Bau mit den Kommunalen Galerien, den freien Szenen, den Projekträumen“, so Lederer.

Einer der wichtigsten Kulturstifter der Hauptstadt ist BMW: Neben den schon genannten großen Sportförderungen werden auch Musikevents unterstützt. Dazu gehören unter anderem das „West-Eastern Divan Orchestra“, das im August unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim in der Berliner Waldbühne aufgetreten war. „Wir wollen nicht als Sponsoren gesehen werden, sondern als langfristige Partner, die nachhaltig etwas für den Standort Berlin tun“, sagte BMW-Direktor Schröder. Seit fast 20 Jahren ist das von Daniel Barenboim und Edward W. Said gegründete „West-Eastern Divan Orchestra“ als globaler Botschafter der kulturellen Verständigung ein Begriff in der Musikwelt. Außerdem fördert der Automobilkonzern den jährlichen Preis der Nationalgalerie und ermöglicht so Ausstellungen im Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwart in Berlin. Zu nennen ist aber auch das jährlich stattfindende Classic Open Air am Gendarmenmarkt. Zu den Hauptsponsoren gehört hier zum Beispiel die Spielbank Berlin.

Vergessen werden darf allerdings nicht die Berliner Mulitkulturalität und deren Würdigung. Seit Jahren unterstützt der Immobilienentwickler Sanus AG das Lichterfest Chanukka. „Wir wollen mit Chanukka Licht in die Dunkelheit bringen. Mir persönlich bedeutet es sehr viel, dass diese Botschaft hier in Berlin so viel Unterstützung erfährt. Mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller als Repräsentant der Berliner Politik und Siegfried Nehls, Vorstand der SANUS AG, als Vertreter der Wirtschaft haben wir langjährige und treue Partner gefunden, die sich mit uns gemeinsam für diese Ziele einsetzen“, so Rabbiner Yehuda Teichtal.

Zur Tradition geworden ist aber auch das Weihnachtsessen mit Frank Zander und prominenten Helfern, das kurz vor Heiligabend für obdachlose und bedürftige Berliner arrangiert wird. In diesem Jahr findet die 24. Weihnachtsfeier für circa 3.000 Obdachlose am 21. Dezember im Hotel Estrel statt.

Gutes tun für die Stadt

Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft sind angehalten, die soziale Stadt mitzugestalten. Es können Initiativen wie das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ unterstützt werden, das sich städtebaulich, wirtschaftlich und für sozial benachteiligte Stadtteile einsetzt, um diese zu stabilisieren. Berliner Großveranstaltungen oder auch einzelne Bereiche wie Kultur, Sport und Bildung können durch eigens konzipierte Projekte gefördert werden. In Berlin ansässige Unternehmen sollten soziale Verantwortung übernehmen und sich aktiv am Stadtleben beteiligen und sich mit den aufkommenden sozialen, kulturellen oder auch wirtschaftlichen Problemen befassen. Der Ruf eilt bekanntlich voraus, dementsprechend werden engagierte Unternehmen diesen Schritt nie bereuen. Engagiert euch! (lj)

Sawsan Chebli: „Bürgerschaftliches Engagement ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie“

Fast 40 Prozent aller Berliner engagieren sich ehrenamtlich in der Stadt und doch muss noch einiges getan werden. Über ihre Aufgabe, Maßnahmen und ihre persönlichen Eindrücke zum bürgerschaftlichen Engagement sprach die BERLINboxx mit Sawsan Chebli (SPD), Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement.

Frau Chebli, welche Bedeutung hat bürgerschaftliches Engagement für Sie?

Tausende Freiwillige gestalten unsere Stadt maßgeblich mit – bei den Rettungsdiensten, in der Flüchtlingshilfe, für Obdachlose oder Kulturprojekte – um nur einige Beispiele zu nennen. Oft wird das von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, manchmal wird Ehrenamt sogar als Gutmenschentum belächelt. Aber dieses Engagement ist ein zentraler Grundpfeiler unserer Demokratie. Im Prinzip wäre unsere Demokratie gar nicht überlebensfähig, wenn es nicht Menschen gäbe, die sich täglich und ohne dafür bezahlt zu werden, für den Zusammenhalt in unserer Stadt einsetzen. Ich würde sogar sagen, dass  bürgerschaftliches Engagement seit 1945 noch nie so wichtig war wie heute.

Derzeit bedroht eine noch kleine, aggressive Minderheit unsere Demokratie und die Weltoffenheit unserer Stadt. Hier sind wir alle gefragt, unsere Demokratie zu schützen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür war die #unteilbar-Demonstration am 13. Oktober 2018 – hier sind rund 240.000 Bürgerinnen und Bürger für unsere Demokratie auf die Straße gegangen. Ein starkes Zeichen von großer Bedeutung, das mich auch persönlich sehr berührt hat. Hier ist es uns gelungen, all denjenigen, die Hass und Hetze verbreiten, ein klares Gegenzeichen zu setzen. Unsere Stimme muss noch viel lauter sein als ihre. Hier sehen wir, wie wichtig eine starke Zivilgesellschaft ist, um den Fliehkräften an den Rändern der Gesellschaft zu begegnen. Deswegen ist es mir ein großes Anliegen, Engagement in jederlei Hinsicht zu fördern – angefangen von der Koordination bis hin zur öffentlichen Anerkennung.

Wie sieht Ihre Zielsetzung aus?

Meine Erfahrung ist, das sehe ich beim freiwilligen Engagement und auch bei Menschen angesprochen fühlen, die sich vielfältig engagieren und an der Gestaltung unserer Stadt bereits teilhaben. Aber viele andere erreichen wir leider noch nicht. Und das muss man ändern. Eines meiner Ziele ist es, die Engagementlandschaft in Berlin weiter auszubauen, indem ich Strukturen, die Engagement erleichtern, schaffe beziehungsweise fördere, zum Beispiel die bezirklichen Freiwilligenagenturen. Uns ist es jetzt mit der Unterstützung des Abgeordnetenhauses gelungen, flächendeckend ein Angebot zu schaffen. Das ist wichtig, damit alle Menschen, die sich bürgerschaftlich engagieren wollen, eine Anlaufstelle haben. Das ist die eine Sache.

Ein anderer Punkt ist Anerkennung für bürgerschaftliches Engagement. Das findet zum Beispiel mit Aktionen wie „Berlin sagt Danke“, der Ehrenamtskarte, dem  #FARBENBEKENNEN-Award für engagierte Geflüchtete, der Freiwilligenbörse oder auch der Ehrennadel, die wir verleihen, statt. Es ist meine Aufgabe, diese Anerkennung noch weiter zu verstärken. Und vor allem:  Bürgerschaftliches Engagement noch sichtbarer zu machen. Die Medien sollten dafür gewonnen werden, dass sie noch viel stärker darüber berichten, wenn Menschen etwas Gutes tun, wegweisende Projekte für den Zusammenhalt entstehen und wenn Geflüchtete sich für unsere Gesellschaft stark machen und damit – wie ich es nenne – Farben bekennen.

 

Bürgerschaftliches Engagement fördern: Sawsan Chebli bei der Eröffnung der Berliner Freiwilligenbörse 2018 im Roten Rathaus. | Foto: Landesfreiwilligenagentur Berlin | Gregor Baumann

Bürgerschaftliches Engagement fördern: Sawsan Chebli bei der Eröffnung der Berliner Freiwilligenbörse 2018 im Roten Rathaus. | Foto: Landesfreiwilligenagentur Berlin | Gregor Baumann

Einiges hat sich doch schon getan.

Ja, das Bürgerfest am Tag der Deutschen Einheit ist ein schönes Beispiel dafür, wie ernst es der Regierende  Bürgermeister damit meint, den Zusammenhalt zu stärken, bürgerschaftliches Engagement sichtbarer zu machen, Menschen zueinander zu führen und Begegnungen zu schaffen. Darüber hinaus hatte das Motto des 3. Oktober 2018, „Nur mit euch“, eine ganz klare Signalwirkung. Es sind die in Berlin lebenden Menschen, die sie zu dieser  freien, weltoffenen, vielfältigen Stadt gemacht haben. Ich würde gern noch viel mehr Menschen dazu gewinnen, sich zu engagieren.

Welche Rolle spielt dabei die Wirtschaft?

Der Einsatz von Unternehmen im bürgerschaftlichen Engagement wird häufig unterschätzt. Ich finde, Unternehmen haben eine Kraft, die wir noch viel stärker nutzen könnten und sollten. Wir haben uns vor diesem Hintergrund vorgenommen, den Unternehmenspreis gemeinsam mit der IHK und der Handwerkskammer zu verleihen. Damit wollen wir gemeinsam das vielfältige Engagement von Unternehmen anerkennen. Ich würde mich freuen, wenn noch viel mehr Unternehmen auch ihre Stimme erheben und damit einen Beitrag für den Zusammenhalt der Gesellschaft leisten. Es ist nicht immer bequem, sich offen zum Beispiel gegen Rechtsradikalismus auszusprechen, aber hier stehen wir in einer gemeinsamen Verantwortung. Es gibt einige solcher Unternehmen, aber ich finde, es könnten noch viel mehr Stimmen dazukommen.

Was könnte in der Berliner Engagementlandschaft noch getan werden?

Einige Punkte, die wir gerade voranbringen, habe ich bereits genannt. Ich würde mir außerdem wünschen, dass die Berliner Engagementlandschaft noch etwas mehr zusammenwächst. Zum Beispiel die etablierten Organisationen neuere Migrantenorganisationen an die Hand nehmen; dass man gemeinsam etwas auf die Beine stellt. Häufig erleben wir, dass es nur nebeneinander her läuft. Für den  Zusammenhalt in der Stadt ist es wichtig, dass Engagement Menschen zusammenbringt: Wenn sich Muslime gemeinsam mit Christen für die Umwelt engagieren oder Senioren mit Jugendlichen im Sportverein. Wenn im Engagement Menschen zusammenfinden, die sonst wenig miteinander zu tun haben. Da hat sich auch schon viel entwickelt. Aber wir müssen gemeinsam auch noch daran arbeiten, um neue Zielgruppen zu gewinnen und Zusammenarbeit zu fördern.

Engagieren Sie sich auch privat?

Natürlich engagiere ich mich persönlich, allerdings kann ich das inzwischen gar nicht mehr trennen von meiner Funktion ls Staatssekretärin – so werde ich eben wahrgenommen. Ich engagiere mich bei der Tafel, ich bin Mitglied in vielen Vereinen. Außerdem setze ich mich für junge Leute im Rahmen von Nachhilfe ein, bin Mentorin in vielen Projekten, um jungen Leuten aufzuzeigen, welche Perspektiven sie für ihre Zukunft haben – vor allem jungen Immigranten, die nicht so richtig wissen, wo sie sich in diesem Land verorten. Das alles tue ich gerne und habe es schon vor meiner Funktion als Staatssekretärin getan. Ich sehe es als meine Verantwortung, ein Vorbild zu sein, als jemand, der es mit seiner Biografie geschafft hat, heute Staatssekretärin zu sein und dies anderen jungen Leuten mitzugeben. (lj)

 

Vielfältig engagiert: Sawsan Chebli auf dem Festival der Religionen. | Foto: Anton Tal für Faiths In Tune / Berliner Festival der Religionen

Berlin als Fairtrade-Town ausgezeichnet

Im Rahmen der Bazaar-Berlin-Messe hat Wirtschaftssenatorin Ramona Pop die Auszeichnung „Fairtrade-Town“ für Berlin entgegen genommen. Fairtrade-Towns stehen für ein nachhaltiges Engagement auf kommunaler Ebene und fördern gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen. Die Senatorin ist sehr stolz über diese Anerkennung: „Think global, act local – es hat globale Auswirkungen, welchen Kaffee wir trinken oder welches Kleid wir kaufen. Wir wollen und können in Berlin bewirken, dass Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern verbessert werden. Die Auszeichnung zur Fairtrade-Town ist eine großartige Bestätigung des Engagements der Berlinerinnen und Berliner.“ Dieser Titel sei für die Hauptstadt auch eine Verpflichtung. Das Berliner Vergaberecht werde stärker auf fairen Handel setzen. Man wolle sicherstellen, dass Fußbälle ohne Kinderarbeit hergestellt werden und Schokoladenbauern ihren fairen Anteil erhalten.

Voraussetzungen für die Zertifizierung

Um als Faitrade-Town beglaubigt zu werden, müssen einige Kriterien erfüllt werden: Berlin brauchte zunächst einen Beschluss des Abgeordnetenhauses zur Unterstützung des Fairen Handels. Außerdem müssen Fairtrade-Produkte in öffentlichen Einrichtungen angeboten werden. Dazu gehören z.B. Schulen, Vereine und Kirchen. Zudem wird bei allen öffentlichen Sitzungen fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt. Eine von der Einwohnerzahl abhängige Menge von Einzelhandelsgeschäften und Gastronomie bieten mindestens zwei Produkte aus Fairem Handel.

Ehrung soll für das Thema sensibilisieren

Eine Steuerungsgruppe mit Vertretern aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft koordiniert Bildungsaktivitäten in der Stadt zum Thema „Fairtrade“. Vor zwei Jahren hat sich die Gruppe auf der Messe „Bazaar Berlin“ gegründet und seitdem treibt sie die Materie in der Hauptstadt voran. „19 Schulen, Kirchengemeinden und Vereine, 382 Einzelhändler und 192 gastronomische Betriebe, die sich für den Fairen Handel engagieren. Berlin hat die Mindestkriterien für den Titel zwar alle erfüllt oder sogar übertroffen, aber wir wissen, dass in unserer Stadt noch viel mehr möglich ist. Eigentlich geht die Arbeit jetzt erst richtig los!“, so Volkmar Lübke, Sprecher Steuerungsgruppe Faitrade-Town Berlin, motiviert.

Seit 2009 gibt es die Kampagne

Der Verein „TransFair e.V.“ hat bundesweit bisher knapp 600 Kommunen ausgezeichnet. Dazu gehören auch die Berliner Stadtteile Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg. Dieter Overath, geschäftsführender Vorstand TransFair e.V.: „Mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen, den SDGs, gibt es einen globalen Zukunftsvertrag, der Armut abschaffen und allen Menschen ein Leben in Würde und in einer intakten Umwelt ermöglichen soll. Aber wir alle wissen, dass Papier geduldig ist. Fairtrade-Towns dagegen werden aktiv für die Umsetzung der SDGs.“ Berlin erhalte als 573. Stadt in Deutschland den Titel. Gemeinsam könnten diese Kommunen viel bewegen. (kh)

 

Berlin baut landeseigenen S-Bahn-Fahrzeugpool auf

Die Landesregierung will bis zu 3,2 Milliarden Euro in die Anschaffung neuer S-Bahn-Züge investieren. Bis 2033 sollen nach und nach 1380 Wagen dazu kommen. Bei der Ausschreibung des S-Bahnbetriebs auf der Stadtbahn und den Nord-Süd-Linien will der Senat unabhängiger werden von der Deutschen Bahn. Deren Tochterunternehmen S-Bahn-Berlin GmbH befährt seit Jahrzehnten die S-Bahnstrecken. Sie hatte zuletzt die Ausschreibung für den Betrieb auf der Ringbahn gewonnen.

Fairer Wettbewerb

„Das neue Vergabekonzept für zwei Drittel des Gesamtnetzes sichert einen wirksamen, fairen Wettbewerb für Hersteller und Betreiber, der die Qualität erhöht und die Kosten senkt“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Der rot-rot-grüne Senat legt schon die erste Rate für den Kauf der S-Bahnen in das Sparschwein. Aus dem Nachtragshaushalt für 2018/19 werden 300 Millionen Euro für diese Zweck reserviert. In den kommenden Jahren sollen die Zahlungsflüsse so geregelt werden, dass Berlin mit maximal 280 Millionen Euro jährlich belastet wird. Insgesamt sei diese Lösung günstiger für Berlin. Man bekäme als Land günstigere Finanzierungskonditionen als Unternehmen und zudem werde keine Rendite auf das eingesetzte  Kapital erwartet. Diese Renditeerwartung liege bei der Deutschen Bahn bei mindestens acht Prozent.

Neues Vergabeverfahren

Noch im November soll die Branche vorab im EU-Amtsblatt über das große Vorhaben informiert werden. Die eigentliche Ausschreibung soll dann erst ein Jahr später starten. Neu dabei: Diesmal werden zwei Verfahrensansätze miteinander kombiniert. Im sogenannten Kombinationsverfahren haben die Interessenten sowohl die Möglichkeit, ein Angebot für die Gesamtleistung, also für die Komponenten Fahrzeugbeschaffung, Instandhaltung sowie Betrieb in ihrer Gesamtheit abzugeben als auch Einzelangebote auf diese einzelnen Fachlose. Durch diese Ausgestaltung, verbunden mit der Finanzierung des Fahrzeugpools durch das Land, haben viele Anbieter die Chance, sich an dem Verfahren zu beteiligen. Eine Monopolsituation wird vermieden.

Hauptstadt braucht perfektes S-Bahn-Netz

„Wir wollen und müssen den Berliner S-Bahn-Verkehr verbessern und ausbauen, denn eine leistungsfähige S-Bahn ist unverzichtbar für die wachsende Metropole Berlin“, sagt  Verkehrssenatorin Günther. „Berlin und Brandenburg brauchen zuverlässige, moderne und gut ausgestattete Fahrzeuge, damit der umweltfreundliche öffentliche Nahverkehr für immer mehr Menschen attraktiv wird.“ Auf das kombinierte Vergabeverfahren hatten sich die beteiligten  Senatsverwaltungen gemeinsam mit Brandenburg und Koalitionspolitikern nach jahrelanger Debatte verständigt.

Der Zuschlag für beide Teilnetze ist nach einem Verhandlungsverfahren für Ende 2021 geplant. Die ersten Vorserien-Wagen sollen zur Erprobung ab 2026 fahren, die letzten Viertelzüge im Jahr 2033 den Betrieb starten. (kh)

Tegel bekommt einzigartiges Energienetz

Noch ist der Airport TXL in Betrieb, doch damit soll ja in absehbarer Zeit Schluss sein. Und genau aus diesem Grund haben die Berliner Stadtwerke und der Stromversorger E.ON nun einen bedeutenden Schritt vollzogen. Gemeinsam haben sie für den am Flughafen geplanten Forschungs- und Industriestandort Urban Tech Republic und das Schumacher Quartier ein hochinnovatives Energiekonzept entwickelt. Mit dem haben sie als Bietergemeinschaft eine EU-weite Ausschreibung gewonnen. Das Areal soll künftig über ein neuartiges Niedrigtemperaturnetz mit Wärme und Kälte versorgt werden. Umweltfreundlich, nachhaltig und innovativ, so kündigte es die Bietergemeinschaft an. 60 Millionen Euro kostet dieses ausgereifte Energiekonzept für das gesamte Areal. Das Land Berlin hat für die Umsetzung die Tegel Projekt GmbH beauftragt.

Kosten sparen

Es soll eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas werden, das auch die rund 5000 Wohnungen einbezieht, die im Schumacher Quartier entstehen sollen. Es ist geplant, diese neuen Wohnungen technisch so auszustatten, dass sie mit dem neuen Wärmenetz korrespondieren. Das sogenannte Low-Exergie-Netz (kurz: LowEx-Netz) hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber klassischen Fernwärmenetzen. Es arbeitet mit einer niedrigeren Betriebstemperatur. Dadurch können Wärmeverluste reduziert werden, also auch Kosten. Im Winter wird das Wasser nur auf 40 Grad anstatt auf 120 Grad erhitzt. Im Sommer reichen 20 Grad. So können die angeschlossenen Labor- und Bürogebäude mittels Wärmepumpen die für sie optimalen Temperaturen herstellen. Die Jahreskosten sollen laut Projektbetreiber für Abnehmer von LowEx-Wärme bei Berlin TXL deutlich unter denen vergleichbarer Fernwärmesysteme liegen.

Netz soll Energie aus Solaranlagen, Kraftwerken, Geothermie und Abwasserwärme vereinen

Außerdem kann überschüssige oder selbst erzeugte Energie, beispielsweise Energie aus erneuerbaren Quellen oder Produktionsabwärme von Gewerbe- und Industriebetrieben, dem System zugeführt werden. Jeder Kunde ist also zugleich auch Produzent. „In der geplanten Größenordnung ist das LowEx-Netz weltweit einzigartig“, sagte Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH. Mit einer Länge von zehn Kilometern sei das Wärmenetz das nachhaltigste Energiesystem, das wir kennen. 80 Prozent der gelieferten Wärme stamme aus erneuerbarer Energie. Man wolle mit der Kohlendioxid-Reduktion so „nah an die Null wie es geht“, betonte Bouteiller. Das ist ein sportliches Ziel – aber so ist Berlin halt.

Ein Leuchtturm-Projekt

Bis 2050 will sich die Hauptstadt zur klimaneutralen Metropole wandeln. Ein Mammutprojekt, wie in Tegel, muss da natürlich die Vorreiterrolle übernehmen. So sieht es auch Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe. Als kommunales Unternehmen setze man auf einem für Berlin sehr bedeutsames und emotional besetztes Gelände ein Energiekonzept mit Leuchtturmcharakter um. Für diesen Plan gibt es allerdings eine unabdingbare Voraussetzung: der Flughafen Berlin Brandenburg muss fertig werden. Bisher hält BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup am Termin fest: Im Oktober 2020 soll der neue Flughafen eröffnen.

Baubeginn in drei Jahren

Ein halbes Jahr nach der BER-Eröffnung soll Tegel geschlossen werden. Der Baubeginn ist demnach im Sommer 2021, man rechnet mit einer Bauzeit von drei bis fünf Jahren. Die Bietergemeinschaft ist sehr optimistisch und motiviert. Allein schon der Zuschlag durch das Land Berlin beweise, dass „klimafreundliche Lösungen sich auch wirtschaftlich durchsetzen können, wenn sie intelligent und innovativ entwickelt“ würden. „Für uns ist es das erste Netz einer völlig neuen Generation und ein wichtiger Schritt für die kommunale Energiewende“, sagte E.ON Vorstandsmitglied Karsten Wildberger.

Abschied nehmen

Für Tegel-Fans und Nostalgiker sieht es wahrscheinlich immer düsterer aus. Nicht nur das Abgeordnetenhaus stimmte im Juni für eine Schließung von TXL. Auch die FDP zögert. Wer weiß, ob die Liberalen noch mit einer Klage beim Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin dem Volksentscheid zur Durchsetzung verhelfen wollen. (kh)

Berliner Unternehmerin des Jahres 2018/2019

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hat die Berliner Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet. Milena Glimbovski, 28, ist „Berliner Unternehmerin des Jahres 2018/2019“ . Vor vier Jahren hat sie mit „Original Unverpackt“ (OU) den ersten Supermarkt ohne Einwegverpackungen gegründet.

Nach eigenen Angaben ist „OU“ der bekannteste Unverpackt-Laden der Welt und hat einen Trend für „Zero Waste Shops“ angeschoben. Zum Portfolio gehören neben dem Unverpackt-Supermarkt ein nachhaltiger Online-Shop, eine eigene Produktlinie sowie Führungen und Vorträge zum Thema. Ramona Pop würdigte in ihrer Laudatio die Preisträgerin Milena Glimbovski als eine Vorzeigeunternehmerin, der Nachhaltigkeit am Herzen liegt und die ihre Vision von Müllvermeidung und Umweltverträglichkeit gleichzeitig erfolgreich in Business umgesetzt hat. Man brauche mehr Frauen, die mit ihren vielfältigen Kompetenzen den Standort Berlin nach vorne bringen. Die Preisverleihung zeige hervorragend, dass die Hauptstadt innovative, brillante und erfolgreiche Unternehmerinnen beheimatet.

Brisantes Thema

Senatorin Pop betonte weiterhin, dass die Unternehmensidee von Milena Glimbovski  einen gesellschaftlichen Nerv trifft und mit der Diskussion rund um das Thema Plastik hochaktuell ist. Viele Menschen möchten ihr Alltagsleben umweltverträglicher gestalten. „Original Unverpackt“ biete dafür Produkte, Lösungen und Inspiration. Milena Glimbovski beweise eindrucksvoll, wie Frauen Business machen, erfolgreich führen und im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig wachsen. Heute gibt es bundesweit rund 80 Läden nach ihrem Vorbild.

Förderung von Kindern und Jugendlichen

Den zweiten Platz erreichte Yvonne Wende, die 2009 die „Europäische Bildungsstiftung gGmbH“ (EBS) ins Leben gerufen hat. Die Preisträgerin gründete 2004 vorübergehend den ersten bilingualen Kindergarten mit 18 Kindern. Das Projekt hatte derartigen Erfolg, sodass es heute rund 750 Kinder sind, die von ihr und ihrem Team betreut werden. Darüber hinaus ist die EBS auch Träger von internationaler Vorschule, Ganztagsgrundschule und -gymnasium. (www.cosmopolitanschool.de).

Die Laudatorin hob den ganzheitlichen Ansatz hervor, der einen riesigen Respekt verdient. Yvonne Wende habe in wenigen Jahren einen bilingualen, integrierten Bildungsträger aufgebaut, der vom Kindergarten, zum Gymnasium bis zur Erwachsenenbildung alle Stufen umfasst. Dieses Konzept sei einmalig. Die Internationalität passe genauso gut wie das Ganztagesangebot mit zahlreichen Nachmittagsprogrammen von Sport über Sprache und Kultur in die wachsende, weltoffene Stadt Berlin.

Personaldienstleister im digitalen Zeitalter

Der dritte Preis ging an Constanze Buchheim, Gründerin der i-potentials GmbH. Ihre Unternehmensberatung konzentriert sich auf die Mitarbeitergewinnung, -führung und die Organisationsgestaltung im digitalen Zeitalter. (https://i-potentials.de) Dr. Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin, hob in ihrer Laudatio den Pioniergeist Buchheims hervor:

„Constanze Buchheim gilt als die erste, die Personalstrategie und -entwicklung für das digitale Zeitalter gedacht hat. Als sie während ihrer Tätigkeit für ein Start-up feststellte, dass die Personalwirtschaft auf deren Bedürfnisse überhaupt nicht eingestellt war, erkannte sie die Marktlücke und gründete i-potentials.“ Und das mit Erfolg. „ i-potentials“ zählt heute zu den innovativsten Personaldienstleistern der Branche und ist damit ein großartiges Beispiel für Unternehmerinnengeist.

Ideen zahlen sich aus

 Die Erstplatzierte, Milena Glimbovski, erhielt eine Trophäe und ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro, Yvonne Wende und Constanze Buchheim als Zweit- und Drittplatzierte jeweils 1.000 Euro. Alle drei dürfen sich zudem über ein Videoporträt freuen.

Der Titel zur „Berliner Unternehmerin des Jahres“ wird dieses Jahr zum achten Mal verliehen. Initiatorin ist die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Kooperation mit der Investitionsbank Berlin und der IHK Berlin. Eine Jury aus unabhängigen Expertinnen hat die Erstplatzierte aus 28 Bewerbungen ermittelt.

Mehr Informationen zum Berliner Unternehmerinnentag, in dessen Rahmen die Preisverleihung stattfand, gibt es unter www.berliner-unternehmerinnentag.de. (kh)

 

East Side Mall ist eröffnet

Gerade erst vor zwei Wochen hat ein neues Unterhaltungsviertel mit Kinos, Konzerthalle, Bowlingbahn und Hotel in Friedrichshain eröffnet, da wird schon wieder ein Riesen-Einkaufstempel an der Mercedes Benz Arena eingeweiht. Diesmal aber mit Problemen! Der Haupteingang der East Side Mall war am Eröffnungstag mit Brettern und Gittern abgesperrt. Tausende Menschen kamen aus ganz Deutschland angereist, um sich das neue Einkaufscenter anzuschauen. Sie kamen nur über Umwege in das riesige Gebäude.

Versäumnis des Investors

Doch warum war der Haupteingang gesperrt? Der Investor hat bisher noch keine von der Senatsverwaltung zustimmungspflichtige Planung zum Anschluss der Plattform an die Warschauer Brücke vorgelegt. Und somit musste diese Tür geschlossen bleiben.

Doch hatten die Besucher ihr Ziel – die Mall – erreicht, drängten sie sich durch die Geschäfte. Es bildeten sich meterlange Schlangen an den Kassen. Mittags plötzlich Feueralarm, das Gebäude musste geräumt werden. Zum Glück Fehlalarm.

69. Shoppingcenter in Berlin

Mit rund 120 Läden für Einzelhandel, Gastronomie und Fitness richtet sich die Mall an Anwohner aus dem Friedrichshainer Kiez, die Angestellten aus dem Quartier sowie Touristen und dem Publikum der umliegenden Freizeitangebote. Das Angebot befindet sich auf mehr als 30.000 Quadratmetern auf drei Ebenen. Die Kosten für das gewaltige Gebäude: 200 Millionen Euro. Derzeit sind rund 90 Prozent der Flächen vermietet.

Entwicklung in Friedrichshain

Schon in den vergangenen Jahren hat sich der Bereich nördlich der Spree zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße stark verändert. Zahlreiche Arbeitsplätze und Wohnungen sind dort entstanden. Auch das neue Zalando Hauptquartier ist hier zu finden, die Mercedes-Vertriebszentrale hat hier bereits ihren festen Platz, zusammen Büros und Hotels. In einer Mitteilung der East Side Mall heißt es, zu dem Quartier gehörten rund 2.000 und rund 18.000 Büroarbeitsplätze – dazu kommt der hochfrequentierte S- und U-Bahnhof Warschauer Straße. Der Bahnhof Ostbahnhof ist unweit entfernt. (kh)