Das wird teuer und lange dauern: Enormer Sanierungsbedarf an Berliner Hochschulen

Ein am Montag vorgestelltes Gutachten der rheform GmbH im Auftrag der Berliner Hochschulen konstatiert ein erschreckendes Ergebnis: Ein tropfendes Dach einer Philologischen Bibliothek, ein 100 Jahres altes Physikgebäude, dessen Labore nur unter hohen Kosten und wenig energiesparend betrieben werden können. Brandschutz, der sogar veralteter ist als am BER. Die elf Berliner Hochschulen haben einen massiven Sanierungsbedarf. Laut dem Gutachten liegt der Instandsetzungsbedarf der vier großen Universitäten und sieben Hochschulen bei ganzen 3,2 Milliarden Euro.

Ursprünglich schätzte die Berliner Politik den Finanzierungsbedarf auf die Hälfte des jetzigen Mehrbedarfs. Lediglich ein Drittel des Betrages ist bereits durch den 2015 eingerichteten „Investitionspakt Wissenschaftsbauten“ des Landes Berlin gedeckt. Den restlichen Bedarf von insgesamt 2,3 Milliarden Euro plant die Wissenschaftsverwaltung über die nächsten 15 Jahre abzubauen. Hierzu entwickelte man in Zusammenarbeit mit den Hochschulen ein „Sechs-Punkte-Sofortplan“, um vor allem Verwaltungs- und Planungsverfahren zu beschleunigen.

 

„The Brain“: Die Philologische Bibliothek an der FU sieht modern aus, das Dach tropft jedoch schon seit Jahren. | Foto: FU Berlin/ David Ausserhofer

 

Ein Drittel der Ausgaben gedeckt, 15 Jahre für den Mehrbedarf

„Das Gutachten hilft uns nun, gemeinsam mit dem Senat und Abgeordnetenhaus weitere notwendige Investitionen zu sichern. Wir können die unterschiedlichen Bedarfe der Hochschulen besser vergleichen, Prioritäten formulieren und mittelfristig eine gemeinsame Entwicklungsstrategie für den gesamten Hochschulstandort erarbeiten“, sagte Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung bei der Präsentation.

Insgesamt hat das Unternehmen rheform  1,1 Millionen Quadratmeter Nutzfläche von 461 der 604 Berliner Hochschulgebäude untersucht. Umgerechnet sind das 88 Prozent der Gebäude, von denen 100 Prozent eine erheblich intensivere Instandsetzung benötigen als bisher angenommen. Mit 233 Bauvorhaben soll der bis 2026 laufende „Investitionspakt Wissenschaftsbauten“ erweitert werden. Für den noch zu deckenden Sanierungsbetrag von 2,3 Milliarden stellt sich die Wissenschaftsverwaltung jährliche Investitionen von 156 Millionen Euro vor. So wäre der Sanierungsstau in den nächsten 15 Jahren aufgelöst. Bereits in der Doppelhaushaltsplanung 2019 bis 2023 will Krach die Mittel fest verankert wissen. Im Voraus werden die hohen Summen in Etatverhandlungen durchgesetzt werden müssen, sodass erste Tranchen bereits 2020/21 zur Verfügung stehen. Diese sollen sich aus dem Sondervermögen SIWANA speisen, welches durch Haushaltsüberschüsse der letzten Jahre getragen wird. Auch der Bund soll helfen die Kosten zur Förderung und Modernisierung des Berliner Wissenschaftsstandortes zu stemmen.

 

Zur Förderung des Wissenschaftsstandortes soll auch der Bund an Berlins Hochschulen finanziell mitwirken. | Foto: pexels.com

 

Berliner Hochschulen werden Bauherren

Von der 3,2 Milliarden teuren Instandsetzung der Hochschulen, sind 2,3 Milliarden für die tatsächlichen Bauvorhaben vorgesehen. Für den Umzug und die Auslagerung der Lehrtätigkeit während der Baumaßnahmen, veranschlagten die Gutachter 900 Millionen. Sie dienen Zweitmaßnahmen wie  provisorischen Hörsälen. Hierzu wird innerhalb des „Sechs-Punkte-Sofortplanes“ eine Prioritätsliste mit den dringendsten Projekten erstellt, deren Reihenfolge die Hochschulen bestimmen könnten. Die Verfügung über die einzelnen Planungsschritte würde ihre Souveränität zusätzlich stärken. Man plant die Hochschulen bei der Mehrheit der Projekte auch als Bauherren einzusetzen. Wissenschaftsstaatssekretär Krach (SPD) verdeutlichte die Hochschulen seien dazu bereit und hätten in der Vergangenheit auch bewiesen hierzu „fähig“ zu sein.

Für Bautätigkeiten jenseits von Summen über fünf Millionen Euro war die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bislang verantwortlich. Nun sollen die Hochschulen in den Chefsessel rücken, vorausgesetzt man baue ihre personellen Kapazitäten in den Bauabteilungen aus. Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität Berlin (TU), rechnete mit einem zusätzlichen Mitarbeiter pro fünf Millionen Euro Bauetat.

FU ist in bedenklichstem Zustand

Die meisten neuen Mitarbeiter und größten Umbrüche wird es dementsprechend wohl an der Freien Universität Berlin (FU) geben. Mit 810 Millionen Euro schlagen die Instandsetzungskosten der FU am teuersten zu Buche. Direkt gefolgt von der TU, bei der das Gutachten einen Bedarf von 757 Millionen Euro anmeldete. Beiden Institutionen werden deckungsgleich 19 Prozent ihrer Objekte als in „schlechtem Zustand“ attestiert. Allein die Grundsanierung der Dahlemer Chemiegebäude in der Arnimallee und Takustraße sollen 100 Millionen Euro kosten. Während an der TU 2020 ein neues Physikgebäude für rund 67 Millionen Euro ansteht.

 

Die FU ist mit 810 Millionen Euro Instandsetzungsbedarf im bedenklichsten Zustand. | Foto: FU Berlin/ Bernd Wannenmacher

 

In deutlichem Abstand zu derartig maroden Zuständen steht die Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Ihren Einrichtungen  bescheinigten die Gutachter dank der Sanierungen der letzten Jahre einen „soliden baulichen Zustand“. Durch große Einzelprojekte wie die Sanierung der Invalidenstraße 110 und des Hauptgebäudes Unter den Linden, kommt sie dennoch auf 320 Millionen Euro Sanierungsbedarf. Die Universität der Künste (UdK) bildet mit 134 Millionen das Schlusslicht der großen Berliner Universitäten. Noch weniger Bauvorhaben müssen an der Kunsthochschule Weißensee und der Hochschule für Wirtschaft und Recht mit jeweils 8 Millionen Euro geplant werden.

Vorausschauendes Bauen

Kritik an den erschreckenden Summen wird selbstverständlich laut, da in Berlin auch zahlreiche Schulen, Krankenhäuser und Straßen saniert werden müssen. Das detaillierte Gutachten ersetzt jedoch die vagen Schätzungen der letzten Jahre, die in Berlin traditionell sowieso zu niedrig liegen. Den Berliner Hochschulen, die insgesamt 150.000 Studierende ausbilden, wird zudem der Rücken gestärkt.

Martin Rennert, Präsident der UdK, weißt sogar in die Richtung einer zukunftsorientierten Kapazitätenplanung, wie die Berliner Zeitung berichtet. Bei derartig langer Laufzeit könne man sich nicht nur auf unmittelbare Schäden wie undichte Dächer und Brandschutzverordnungen konzentrieren. Auch Neubauprojekte für die Unterbringung der zukünftig zahlreicheren Studierenden müsse man aufgreifen.

 

Um den Bedarf der steigenden Studierendenzahlen zu decken, sollte man im Zuge der Sanierung auch mit der Ergänzung durch Neubauten beginnen. | Foto: HU Berlin/ Heike Zappe

Um den Bedarf der steigenden Studierendenzahlen zu decken, sollte man im Zuge der Sanierung auch mit der Ergänzung durch Neubauten beginnen. | Foto: HU Berlin/ Heike Zappe

 

Bildungsministerin skeptisch gegenüber Theorie-Förderung

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zeigte sich kürzlich jedoch abwehrend gegenüber der Förderung von Wissenschaft, die sie als zu wenig marktgängig, allgemeinverständlich und zu theoretisch einschätzte. Darauffolgend fasste der Tagesspiegel ihre kontroversen Äußerungen gegenüber dem Naturwissenschaftsmagazin „Spektrum Wissenschaft“ zusammen. Die Wissenschaft müsse „aus ihrem Kämmerchen kommen“, hatte Karliczek bereits bei Amtsantritt verlauten lassen. Nun müssen Wissenschaftler, darunter die Forschungsabteilungen der Hochschulen, ihrer Meinung nach mit praktischen, fassbaren Ergebnissen „Rechenschaft“ für ihre Finanzierung ablegen. Normalbürger könnten die hohen Finanzspritzen sonst nicht nachvollziehen, die in solche Einrichtungen flössen.

 

Die Wissenschaft muss aus ihrem „Kämmerchen“ kommen, meint Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. | Foto: pexels.com

 

„Wir brauchen mehr Tüftler, also nicht nur Leute, die Dinge in der Theorie durchdenken, sondern auch solche, die daraus schneller praktische Ergebnisse generieren. (…) In der Wissenschaft wird es in den kommenden Jahren nicht in erster Linie um zusätzliches Geld gehen, sondern um die Frage, ob die Schwerpunkte noch die Richtigen sind“, sagte Karliczek der „Spektrum Wissenschaft“. Ihre Äußerung waren mehrheitlich als Abwertung der Grundlagenforschung verstanden worden. Den theorieorientierten Universitäten hielt sie in diesem Zusammenhang die anwendungsbasierten Fachhochschulen vor. Da Qualität zudem nicht entstünde „indem Festsummen überwiesen werden“, stellte sich die Frage, ob sich Hochschulen zukünftig um einen großen Teil ihrer Mittel wettbewerblich bewerben sollten. Deutsche Hochschulen zeigten sich von den Aussagen irritiert.

Geringere Berliner Verwaltungshürden

Staatssekretär Krach wird aktiv und mit viel Durchhaltevermögen für die fehlenden Summen werben müssen. Auch gemeinsam mit den Hochschulen wird das nicht auf einen Schlag passieren. „Der 6-Punkte-Sofortplan dient der Beschleunigung unserer Prozesse. Der auf Vorschlag der TU, zwischen den Hochschulen und der Politik vereinbarte Baukorridor gibt uns zudem Planungssicherheit und stärkt unsere Hochschulautonomie“, so Thomsen. Über vereinfachte Planungsverfahren und allem voran beschleunigte Verwaltungsschritte ist sich Berlin zumindest schon einig. (cn)

 

 

Wegen Personalmangel: Berliner Familien warten monatelang auf Elterngeld

Von fehlenden Pflegekräften bis hin zu Lehrern – der Personalmangel in Berlin spitzt sich weiterhin zu. Nun haben auch die Bezirke mit fehlenden Mitarbeitern zu kämpfen. Deshalb warten Eltern derzeit mehrere Monate auf das Elterngeld.

Nach den Richtlinien im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz soll das Elterngeld nach acht Wochen ausgezahlt werden. Allerdings sieht es in der Praxis anders aus. Grund für die Verzögerung seien laut den Bezirken unbesetzte Stellen und kranke Mitarbeiter.

Mehr als 23.000 Anträge

Das Elterngeld gehört zu den sozialen Familienleistungen in Deutschland. Es ermöglicht Müttern und Väterneine finanzielle Unterstützung von bis zu 28 Monaten und sichert somit die wirtschaftliche Existenz von Familien während der Elternzeit. Grundsätzlich erhalten alle Mütter und Väter, die nach der Geburt aufgrund der Betreuung ihres Kindes beruflich pausieren oder weniger als 30 Stunden in der Woche arbeiten, diese Transferleistung.

Abhängig von der Höhe des Nettoeinkommens beträgt das Elterngeld mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro. Ein Elternteil kann diese Leistung mindestens zwei und höchstens 14 Monate in Anspruch nehmen. Wer 25 bis 30 Stunden nebenbei arbeitet, bekommt das sogenannte Elterngeld Plus sogar für den doppelten Zeitraum – das Gehalt wird allerdings gegengerechnet. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wurden in Berlin vom 01. Januar bis 31. Mai diesen Jahres 23.082 Elterngeldanträge gestellt. Allerdings mussten Eltern zuletzt monatelang auf die Auszahlung warten.

Eltern warten mehrere Monate auf Elterngeld

Schon seit Jahren häufen sich Beschwerden um die verspätete Auszahlung des Elterngeldes. Auch dieses Jahr hat sich nichts an der Situation geändert. Besonders in den drei Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Treptow-Köpenick zieht sich die Wartezeit in die Länge. Dabei wurden dort nicht einmal überdurchschnittlich viele Anträge gestellt. In Charlottenburg-Wilmersdorf waren es nur 1.554 von den rund 23.000 Anträgen. Allerdings wartete man dort mit 15 Wochen am längsten. In Pankow hingegen, wo mit 2.978 die meisten Anträge auf Elterngeld eingingen, lief es jedoch schneller. Dort betrug die Bearbeitungszeit bis zu acht Wochen.

„Der Senat muss aufklären, warum die Bearbeitungszeiten so weit auseinandergehen“, fordert FDP-Abgeordnete Maren Jasper-Winter. Von der Senatsverwaltung heißt es: „Wir sind in engem Austausch mit den Bezirken, wie die Verfahren beschleunigt werden können.“ Inzwischen habe der Senat das Elterngeld auf die Prioritätenliste für den „Zukunftspakt Verwaltung“ gesetzt. Vielmehr sollte der Senat jedoch ihr Augenmerk auf den Personalmangel richten. Denn dieser ist einer der Hauptursachen für die Verzögerungen und Bearbeitungsprozessen. (dn)

Berliner Mobilität: Halbsaubere Luft und gefährliche Straßenabschnitte

Berlins Luft kann jetzt an einigen Verkehrskontenpunkten sorgenloser eingeatmet werden. Tempo 30-Strecken zur Luftreinhaltung des stark belasteten Innenstadtverkehrs haben positive Wirkung gezeigt. Die Belastung durch Stickstoffdioxid, ein Verbrennungsprodukt das hauptsächlich Dieselmotoren ausstoßen, ist seit März gesunken. Gemessene Werte in der Leipziger Straße, welche die Senatsumweltverwaltung nun veröffentlichte, lassen hoffen.

Nach den bisherigen Erfolgen der fünf Teststrecken, gibt es nun ein Datum für die Entschleunigung weiterer zentraler Streckenabschnitte. Ab dem 3. September soll auch der Tempelhofer Damm und die Hauptstraße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg im Tempo 30 fließen. Die Kantstraße in Charlottenburg wird ab November zur Teststrecke. Prüfungen zeigten auch, dass sich bis zu 97 Prozent der Autofahrer an das Tempo in der Leipziger Straße und der seit Juni aufgenommenen Potsdamer Straße hielten. Zu bestimmten Zeiten floss der Verkehr hier jedoch auch vor dem Luftreinhaltungsgebot nicht schneller.

Tests zeigen erste grüne Wirkung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte bereits 2016 gegen mindestens 28 deutsche Städte Klage eingereicht. Denn der Jahresmittelwert des gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxids wurde in den Innenstädten aufgrund des starken Verkehrsaufkommens häufiger überschritten als eingehalten. Um seine Bürger*innen zumindest teilweise vor dem für Herzkreislaufsystem und Atemwege schädlichen Gas zu schützen, schreibt die Europäische Union einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm vor. In der Leipziger Straße ergab sich nun, dass die ursprünglichen März-Werte von 56 Mikrogramm, im Mai zunächst auf 50 sanken. Im Juni waren sogar nur noch 39 Mikrogramm in der Luft vorhanden. Auch das mit den Abgasen ausgestoßene Stickstoffmonooxid sank von 48 auf 19 Mikrogramm in der Leipziger Straße. Rechnet man alle giftigen Stickoxide zusammen, reduzierte sich die Belastung in der ersten dreimonatigen Testphase bereits um 60 Mikrogramm.

 

Erweiterung der Teststrecken: Ähnliche Schilder wird man bald häufiger in der Innenstadt sehen. | Foto: pixabay.com

Erweiterung der Teststrecken: Ähnliche Schilder wird man bald häufiger in der Innenstadt sehen. | Foto: pixabay.com

 

Mit der Einführung von Testabschnitten hatte man begonnen um Fahrverbote, wie in Hamburg und kürzlich in Stuttgart eingeführt, möglichst zu vermeiden. Der Senat setzt stattdessen auf die Förderung der Elektromobilität und hatte hierfür zusätzlich zur Umweltprämie starke Subventionen in Berlin veranschlagt. Messungen sollten zeigen, ob sich auch mit langsamerem, dafür fließendem Verkehr, die gleichen Ziele ohne eine Verdrängung bestimmter Automodelle erreichen ließe. Da der Stickstoffdioxidausstoß beim Anfahren am höchsten ist, sollen für selteneres Anhalten auch Ampelschaltungen angepasst werden.

Gefahr nicht gleich gebannt: Feinstaubbelastung von außerhalb

Den bisherigen Erfolgen entgegen, steht die Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe an die  Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Mehr als die Hälfte der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von außerhalb, berichtete der Tagesspiegel infolge der bisherigen Ergebnisse. Dies ergab eine Studie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Leipzig, 2017) auf die sich der Senat beruft. Wind trage die Partikel der Kraftwerke, Nicht-Berliner Heizungen und auch der Schifffahrt in die Hauptstadt.

Rund 65 Prozent der luftgetragenen Partikel, die giftige Stoffe wie Blei und Arsen enthalten und etliche Zeit in der Atmosphäre verweilen, kämen von außerhalb. Durch elf Berliner Messstationen wurden 15 Prozent der Belastung auf den Straßenverkehr zurückgeführt. Hier hauptsächlich auf den Abrieb von Reifen und die Aufwirbelung der Partikel. Lediglich vier Prozent des Feinstaubs entstünden durch Abgase. Unbebaute Grünflächen, die Häuserschluchten aufbrechen, können die Belastung reduzieren. Angesichts dieser Alternativen wäre man jedoch wieder bei der Frage der Wohnungsnot gegenüber oder besser innerhalb einer lebenswerten, grünen Stadt.

 

Mehr als die Hälfte der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von außerhalb Berlins. | Foto: pexels.com

 

Fehlgeleitete Mobilitätspolitik?

Wie die Stickoxidbelastung waren die Feinstaubwerte auf der Teststrecke Leipziger Straße zwar gesunken, sie seien jedoch stark wetterabhängig. Jahresmittelwerte könnten nur nach längerfristigen Beobachtungen zu Ergebnissen führen, erklärte der Tagesspiegel. Für Rückschlüsse der gesünderen Werte auf den eingedämmten Verkehr sei es also auch nach zwölf Monaten noch zu früh.

Luthe nahm dies zum Anlass die Mobilitätspolitik des rot-rot-grünen Senats noch einmal als fehlgeleitet und kontextlos zu kritisieren: „Wir sehen, dass es eine Vielzahl von weiteren Quellen gibt, die deutlich gravierender sind als der Pkw-Verkehr. Mit denen muss man sich zuerst beschäftigen, bevor man in die Freiheit der Berliner eingreift.“ Der Senat konterte jedoch, die Ursachen die sich in Berlin fänden, seien „vornehmlich dem Verkehrs- und Heizungssektor“ zuzuordnen.

Aggressionen, Gefahren und Kontrollen im Winterschlaf

Während sich auf insgesamt 8,2 Kilometer Teststrecken der Autoverkehr entschleunigt, geht der tägliche Kampf um die rücksichtsvolle Platzverteilung auf Berliner Straßen weiter. Der Tagesspiegel richtete online inzwischen einen #Gefahrenmelder ein. Angesichts der tödlichen Verkehrsunfälle zweier Kinder, könne mit der Beseitigung bestimmter infrastruktureller Mängel nicht mehr gewartet werden. Leser sind aufgerufen Gefahrenstellen, wie gefährliche Fahrradstrecken, fehlende Mittelinseln oder unzureichend gesicherte Baustellen, der Redaktion zu melden. Nach 500 eingegangen Mails, die letztendlichen Hilferufe aus dem alltäglichen Verkehrsleben sind, ist es Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen. Die Ergebnisse sind auf einem interaktiven Stadtplan visualisiert.

 

Häufigste Gefahren sind abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. | Foto: pixabay.com

Häufigste Gefahren sind abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. | Foto: pixabay.com

 

Häufigste Gefahren seien abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. Die schmalen Gehwege auch noch zwischen Radfahrern und Fußgängern aufzuteilen, provoziere nur erneut Aggressionen. Zum anderen werden fehlende Zebrastreifen, die sich vor allem auf viel zu locker gesicherten Schulwegen rar machen, angeführt. Passanten gaben an sich auf schmalen, selten zu erspähenden Mittelinseln nach viel zu kurzen Grünphasen zu drängen. Zahlenmäßig dominierten Infrastrukturmängel, die in den letzten Wochen nicht selten in Katastrophen endeten. Der Kontrolldruck sei jedoch auch auf das Fehlverhalten, allen voran die Falschparker, zu erhöhen.

Viele Faktoren beleuchten die Berliner Mobilität

Sinkende Einsatzzahlen der Polizei können nicht die Antwort auf kleine Erfolge des Berliner Mobilitätsgesetzes oder verantwortungsvolle Bürger in Tempo 30-Zonen sein. Nach einer gewährten Gewöhnungszeit von vier Wochen haben die Behörden nun auch in der Potsdamer Straße Radarkontrollen angekündigt. Das Hinweisportal, welches die Verkehrsverwaltung vor zwei Jahren für Bürgerhinweise auf mangelhaft gesicherte Baustellen errichtet hatte, ist jedoch im permanenten Winterschlaf. Unzählige Anträge werden dort lediglich an die Bezirke weitergeleitet, deren Aufgabe es wäre diese Mängel zu beseitigen. Von ihnen hört man jedoch meist nie wieder etwas.

Die Berliner Mobilität ist bislang nur auf dem Papier und in den Wunschträumen mancher auf dem richtigen Weg. Zuständigkeiten und reale Kontrollen werden weiterhin zu oft weitergegeben und die Mitfahrenden verunsichert über die tatsächlichen Erfolge stehen gelassen. (cn)

Der gläserne Patient: Was passiert mit unseren digitalen Gesundheitsdaten?

Für ein simples Physiotherapie-Rezept fährt man durch die halbe Stadt. In der Arztpraxis erreicht man auch nach zwei Wochen Urlaub niemanden wegen der Laborergebnisse. Arztbriefe, Befunde, Rezepte und Diagnosen hinterlassen nicht nur bei uns Zuhause, sondern auch in Arztpraxen Stapel an Papier. Im Gegensatz zur Kontoführung ist bei der Gesundheitsakte selten alles an einem Ort – und schon gar nicht an unserem. Mitgliederstarke Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse (TK) und die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) testeten bereits mobilere Variante die eigenen Gesundheitsdaten übersichtlich und digital zu speichern.

Was man in die elektronische Gesundheitskarte (eGK) seit zehn Jahren nicht integrierte, soll nun mithilfe einer digitalen Gesundheitsakte möglich werden. TK-Safe heißt die elektronische Patientenakte der Techniker, die alle Daten der bisherigen Chipkarte und erstmalig alle Papierstapel in sich vereint. Auch die Allianz Versicherung und die junge Online-Banking Plattform N26 schlossen sich zur Entwicklung einer „mobilen Gesundheitsakte“ zusammen. In die App Vivy können alle medizinischen Daten eingetragen, verwaltet und nur mit den zuständigen Ärzten geteilt werden. Der Patient behält bei Vivy sowie bei TK-Safe und dem Angebot der AOK die Datenhoheit. Alle Gesundheitsdaten können, solange nicht mit entsprechenden Ärzten geteilt, nur auf dem Smartphone oder der elektronischen Akte online abgerufen werden. Ziel ist es Mehrfachbehandlungen und Doppelmedikationen zu vermeiden sowie mehr Selbstbestimmung für die Patienten zu gewährleisten.

 

Unübersichtlich für Patienten: Unsere Gesundheitsdaten liegen meist an vielen verschiedenen Orten – viele davon auch noch auf den Servern der Arztpraxen. | Foto: pexels.com

 

Nicht länger warten mit den Daten

Das Angebot umfasst alle medizinischen Daten wie Rezepte, Diagnosen, Laborergebnisse, Medikamenteneinnahmen, Terminvereinbarungen und Erinnerungsfunktionen. Diese medizinischen Daten sollen in den digitalen Systemen dezentral zusammengeführt werden. Durch bisherige Kooperationen mit Kliniken und Praxen können die drei Anbieter zukünftig bundesweit über 35 Millionen Patienten erreichen. Der Umstieg auf die digitale Patientenakte ist dabei freiwillig und kostenlos. Einheitliche Standards und ein bundesweit angeschlossenes Datensystem sind bisher noch nicht aufgebaut. Das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn (CDU) erarbeitet derzeit den Aufbau der digitalen Gesundheitsakte, die  Einführung ist für 2021 geplant. Parallel ist man bisher mit dem weiteren Vorantreiben der eGK beschäftigt. Etwa auf der Karte gespeicherte Gesundheits- und Notfalldaten, die der Patient immer dabei hat, sollen die eGK zukünftig nützlicher machen.

Sowohl die TK als auch die AOK führten repräsentative Umfragen durch, die ihnen bestätigten, dass ein Warten auf den digitalen Schritt der Bundesregierung nicht nötig sei. Die durch den AOK Bundesverband in Auftrag gegebene YouGov-Umfrage verdeutlichte: 82 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine Zusammenführung ihrer medizinischen Daten in einer digitalen Gesundheitsakte aus. Mehr als zwei Drittel würden ein vorhandenes Angebot nutzen, während 78 Prozent die vorausgesetzte Datenhoheit befürworten. „Das reine Vorhalten von Daten bietet keinen Mehrwert, wir müssen aus ihnen Informationen machen, damit sie unseren Versicherten nutzen. Und vor allem müssen sie selbst die Hoheit über ihre eigenen Daten bekommen“, so TK-Vorstand Jens Baas.

TK-Safe und Vify bieten alle Gesundheitsdaten an einem Ort

Vify bietet neben der Verwaltung aller medizinischen Dokumente auch einen persönlichen Gesundheitscheck an. Medizinische Unterlagen werden durch ein paar Klicks über einen verschlüsselten Link von den Ärzten abgefragt. Dazu müssen die entsprechenden Arztpraxen das Angebot auch nutzen. Mithilfe des Blutbildes und anderer hinterlegter Daten ermittelt Vify das biologische Alter des Patienten. Auf einen Klick können auch Termine vereinbart oder eventuelle Wechselwirkungen bei der verschriebenen Medikation eingesehen werden. Notfalldaten und –kontakte können auch bei gesperrtem Bildschirm jederzeit abgerufen werden. Neben der Allianz sind bereits die DAK-Gesundheit, die Bahn BKK, die IKK Classic, Barmenia, Gothaer und die Süddeutsche Krankenversicherung mit an Bord. So werden durch weitere Kooperationen mit insgesamt 90 gesetzlichen und vier privaten Krankenkassen zukünftig 25 Millionen Bundesbürger erreicht.

 

Die digitale Gesundheitsassistentin Vivy auf dem Smartphone. | Foto: Vivy

 

Manuell kann der Patient die medizinische Historie der TK-Safe Gesundheitsakte durch eigene Daten ergänzen. Baute man das TK-Safe Angebot in die Basisleistungen der Krankenkasse mit ein, erreichte man die 11 Millionen Mitglieder. Interessensbekundungen habe man von vielen Kliniken erhalten, die zusammen mehr als die Hälfte aller deutschen Krankenhausbetten abdecken, so die TK. So könnten Befunde nach der Entlassung direkt an die digitale Akte des Patienten zur Vorstellung beim Hausarzt übermittelt werden. Zur Entwicklung der App, die Ende des Jahres herauskommt, arbeitete die Versicherung mit IT-Dienstleister IBM zusammen. Bisher läuft die Testphase für die sich alle TK-Mitglieder bei Interesse online registrieren können.

Digitale Vorteile erzielen große Reichweite

Die AOK testete ihr Angebot bislang ausschließlich in zwei Kliniken in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Nun kooperiere man jedoch mit Vivantes und der Sana Kliniken AG, zwei der größten sowohl kommunalen als auch privaten Klinikkonzerne. Bei einem erfolgreichen Ausbau könnten die 26 Millionen Mitglieder freiwillig auf die Nutzung der elektronischen Akte umsteigen. Umgerechnet stünden also alle drei Angebote zusammen in näherer Zukunft über 60 Millionen Bundesbürgern zur Verfügung.

Schnelle Prozesse, keine Postwege, wenig Papierkram und alle Daten selbstbestimmt und selbstverwaltet auf einen Blick. Permanent selbst auf dem neuesten Stand über die eigene Gesundheit zu sein, ermöglicht dem Patienten auch eine stärkere Souveränität. Patienten können in Arztgesprächen eine andere Position einnehmen. Auch für die interprofessionelle Kommunikation zwischen behandelnden Ärzten ist die Gesundheitsakte förderlich. Diagnosen und Therapieentscheidungen werden durch die strukturierte Einsicht so von mehreren Ärzten unterstützt.

 

Laborergebnisse, Röntgenbilder, Blutbilder: Direkt nach der Untersuchung übermittelt der Arzt aktualisierte Gesundheitsdaten an die App. | Foto: pixabay.com

Laborergebnisse, Röntgenbilder, Blutbilder: Direkt nach der Untersuchung übermittelt der Arzt aktualisierte Gesundheitsdaten an die App. | Foto: pixabay.com

 

Wer wacht wo über welche Daten?

Neben Fehldiagnosen auf die sich ein folgender Arzt möglicherweise verlässt, bleiben jedoch auch datenschutzrechtliche Fragen bisher offen. Kann eine komplette Verschlüsselung der Daten gewährleistet werden? Wem sollen die Daten zukünftig noch zur Verfügung stehen? Können sie zu Forschungszwecken abgerufen werden? Um diese Fragen vor den Krankenkassen und Unternehmen jedoch richtig für sich beantworten zu können, braucht es eine digitale Gesundheitskompetenz. Kritiker und Verbraucherzentralen pochen außerdem auf einheitliche Standards des Staates, die dem derzeitigen Konkurrenzrennen der Krankenkassen und Unternehmen entgegenstehen.

Mit Blick auf das Abwerben von Mitgliedern und die Zusammenarbeit mit Banken wie der N26, dem IT-Dienstleister IBM oder privaten Klinikgruppen, scheinen die jeweiligen Apps nicht nur die bestmögliche Behandlung ermöglichen zu wollen. Obwohl alle Angebote bislang kostenlos sind, stehen Daten heutzutage als wertvollste Währung im Kurs. TK-Vorstand Jens Baas betonte, dass es bei der technischen Basis elektronischer Akten unter den Krankenkassen keinen Wettbewerb geben solle. Denn Daten sollten bei Kassenwechseln mitgenommen werden können, wie die Frankfurter Rundschau berichtete. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bemerkte jedoch, nur der Staat könne höchste Sicherheitsstandards garantieren. Bundesgesundheitsminister Spahn solle deshalb hierzu in näherer Zukunft ein Bundesamt für Digitalisierung im Gesundheitswesen schaffen. Mit den einheitlichen Standards ist allerdings vor 2021 nicht zu rechnen.

 

Der gläserne Patient: Kann eine komplette Verschlüsselung der Daten gewährleistet werden? Wem sollen die Daten zukünftig noch zur Verfügung stehen? | Foto: pixabay.com

Der gläserne Patient: Wem sollen die Daten zukünftig noch zur Verfügung stehen? | Foto: pixabay.com

 

Höhere Gesundheitskompetenz

Die elektronischen Gesundheitsakten werben derzeit mit schnelleren Prozessen und einer besseren Aufklärung über die eigenen Gesundheitsbedürfnisse. Um diese verbesserte Form der Versorgung für die breite Masse der Bevölkerung zugänglich zu machen, sind weitere Informationsangebote essentiell . Zudem sollten Workshops den Zugang auch für ältere Patienten ermöglichen, die möglicherweise eine Hemmschwelle gegenüber dem Digitalen zu überwinden haben.

Darüber hinaus muss, wie bei allen jungen Angeboten, das Netz an Kooperationspartnern, vordergründig in Bezug auf kleinere, lokale Praxen stärker ausgebaut werden. Damit gewährleistet ist, dass nicht nur ein Teil der relevanten medizinischen Dokumente in der App verwaltet und der Rest unbeachtet liegen gelassen wird. (cn)

Kein Wasser in Sicht: Andauernde Hitzewelle in Berlin und Brandenburg

„Sonnenscheinreiches Wetter ohne Regen“ – mit diesem Euphemismus beschreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Hitzewelle über Berlin und Umland. Dank der Temperaturen vergangener Wochen, die 30 Grad mehrmals überschritten, ist Berlin derzeit Deutschlands wärmstes Bundesland. Dicht dahinter liegt Brandenburg, wo elf Landkreise unter höchster Waldbrandgefahr stehen. Für Brandenburger Landwirte hat sich das Freibadwetter deshalb bereits in eine ernste Dürreperiode verwandelt. Kurz hinter der Stadtgrenze gilt es nicht nur Bäume vor dem verdursten zu retten, sondern ganze Ernten. Wegen der extremen Bodentrockenheit kommt es dort bereits zu Noternten, viele Bauern befürchten sogar komplette Ernteausfälle. Seit Ostern gab es hier keinen nennenswerten Regen mehr. Inzwischen fordert der Deutsche Bauernverband die staatlichen Dürrehilfen, die Landwirte sonst vermehrt abgelehnten.

Auch zahlreiche Wald- und Feldbrände erschweren den landwirtschaftlichen Betrieb und brennen bei sich schnell ausbreitenden Feuern hektarweise Land ab. Seit Anfang des Jahres mussten in der Region bereits 227 Feld- und Waldbrände gelöscht werden – verursacht durch die extreme Trockenheit der verdurstenden Felder. Im gesamten Jahr 2017 waren es nur 140. Doch nicht nur der ausbleibende Regen, sondern auch der auffrischende Wind bereitet den Rettungskräften zunehmend Sorgen. Aufkeimende Brände können durch den aufkommenden Wind in die Fläche getragen werden. Von solchen Großbränden, die sich über Waldflächen von bis zu 450 Hektar erstreckten, löschten Einsatzkräfte vergangene Woche gleich mehrere. Auch nach tagelangem Einsatz sind weiterhin nicht alle Brandherde unter Kontrolle.

 

Seit Anfang des Jahres mussten in der Region bereits 227 Feld- und Waldbrände gelöscht werden. | Foto: pexels.com

 

Hitzewelle entflammt zahlreiche Großbrände in Brandenburg

Letzten Donnerstag brachen bei 32 Grad gleich mehrere Großbrände im Brandenburger Umland aus. Die Feuerwehr löschte ein Großfeuer, von dem 100 Hektar Wald in Storkow betroffen waren. Außerdem kämpfte man seit Donnerstag, über das Wochenende hinweg, weiterhin mit dem Großbrand in der Lieberoser Heide. Über 450 Hektar waren hier betroffen und Glutnester keimten weiterhin. Da sich einige Brandflächen auf einem ehemaligen, noch munitionsbelasteten Truppenübungsplatz befanden und nicht betreten werden konnten, forderte die Feuerwehr Hubschrauber der Bundespolizei und Bundeswehr an. Auch die örtlichen Brandschutzstaffeln lösten die Freiwillige Feuerwehr im Laufe der Geschehnisse ab.

In anderen gefährdeten Gebieten, setzen sich die Einsatzkräfte immer noch zu 98 Prozent aus Freiwilligen Feuerwehrleuten zusammen. Die vielen Einsätze, die Freiwillige neben ihren hauptamtlichen Berufen fahren müssen, lassen sie inzwischen am Limit arbeiten. Damit sich die Vorfälle nicht weiter häufen, reichen jedoch Achtsamkeit und kurze Regenschauer nicht mehr aus. Der steinharte Boden kann das geringe Wasser nicht aufnehmen und muss durch beständige Gewitter erst wieder aufgeweicht werden. Da sich die Wald- und Feldbrände auf dem trockenen Gras bereits durch Hitzefunken der Landwirtschaftsmotoren entzünden, ist extreme Vorsicht geboten.

 

Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Laufe der Geschehnisse von den örtlichen Brandschutzstaffeln abgelöst. | Foto: pexels.com

Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Laufe der Geschehnisse von den örtlichen Brandschutzstaffeln abgelöst. | Foto: pexels.com

 

Noternten vor kompletten Ernteausfällen

Zwar sind für die nächsten Tage Regenschauer angekündigt, der DWD bestätigt aber bisher kein Ende der Dürre. Im Gegenteil, man sehe sich derzeit einer der schlimmsten Trockenperiode der letzten 57 Jahre ausgesetzt. In Ostdeutschland sei der Anteil des für Pflanzen nutzbaren Wassers auf 30 Prozent gesunken. „Das schlimmste ist, dass es keine Hoffnung auf Besserung gibt“, sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung dem Tagesspiegel. Verzweifelte Landwirte hätten bereits vor drei Wochen mit der Noternte begonnen, die bei der Getreideernte kaum reife Körner abwirft. Nachbarbauern konnten den Ertrag, der keiner war, nur noch häckseln. Daher werden bereits Ernteausfälle von 30 bis 50 Prozent erwartet.

Für den Getreideanbau, der sich über Deutschland verteilt insgesamt über sechs Millionen Hektar ausbreitet, bedeutet das riesige Einbußen. In den vergangenen fünf Jahren produzierte man  durchschnittlich 48 Millionen Tonnen Getreide, dieses Jahr werden lediglich 41 Millionen erwartet. Doch nicht nur die finanziellen Einbußen durch geringe Ernteerträge, sondern auch Maßnahmen zum Weiterbetrieb, wie hohe Wasserrechnungen hinterlassen eine tiefe Lücke in den landwirtschaftlichen Budgets.

 

Gewitter: das ersehnte Wetter der Brandburger Landwirte, das die Böden aufweicht. | Foto: pexels.com

 

Auch Tierschutz muss aktiv werden

Auch Tieren erschwert der harte Boden zunehmend die Nahrungssuche. Allen voran die Regenwürmer, Nahrungsquelle vieler Vögel, ziehen sich in Richtung Grundwasser zurück. Wildschweine hingegen können die Bewässerung eines Bodens aus weiterer Entfernung riechen und kommen deswegen immer näher an die Stadtgrenze.

Im Berliner Stadtzentrum sollen die arbeitenden Tiere bei bestimmten Temperaturen nun endlich Hitzefrei bekommen. Mittlerweile plädierte die Senatsverwaltung an die Veterinärämter der Bezirke an besonders heißen Tagen die Kutschenleitlinien zu überdenken und den Pferdefuhrwerkbetrieb einzustellen. Leitlinien für den Pferdefuhrwerksbetrieb setzte Berlin erstmals vor neun Jahren auf. Sie regeln bis heute die Pausenzeiten der Zugpferde und die Dokumentation der Fahrten. Derzeit steht eine Abstimmung zur überarbeiteten und ergänzten Version der Richtlinien zur noch aus. Vor der Entscheidung möchte man jedoch bereits in diesem heißen Sommer den überhitzten Tieren lange Wartezeiten und körperliche Überlastung ersparen. Tierschützer schlagen seit Jahren besorgt Alarm, Pferde überhaupt vor Kutschen im Stadtverkehr zu spannen.

Rettet die grüne Hauptstadt

Für die Hitzewelle des Berliner Sommers ist, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, kein Ende in Sicht. Nun müssen auch die rund 440.000 Berliner Stadtbäume vor dem Austrocknen bewahrt werden. Hinzukommen noch einmal genauso viele Berliner Parkbäume und ungezählte auf Privatgrundstücken und in Wäldern. Nachdem die Bezirke bereits Hilfe von der Berliner Stadtreinigung (BSR) anforderten, startete auch die Senatsverwaltung einen Aufruf an die Bevölkerung. Gießen, gießen und nochmal gießen. Schaden könne man den Bäumen damit derzeit nicht, auch wenn man zufällig zehn Liter Wasser dabei haben sollte.

Vor allem den Jungbäumen, die mit ihren Wurzeln noch nicht das Grundwasser erreichen, sei damit sehr geholfen, so die Straßen- und Grünflächenämter. Neben BSR-Sprühfahrzeugen und bewässernden Bürgern, sollen auch gut ausgebaute Bewässerungssysteme in den Parks, Berlin als grünste Hauptstadt Europas erhalten. Im Tiergarten werden hier über insgesamt 60 Kilometer lange Leitungen bis zu 900 Kubikmeter Wasser auf die Grünflächen verteilt. Die Reichstagswiese blickt als Vorzeige-Steppe einem ganz anderen Schicksal entgegen.

 

Die Reichstagswiese fungiert derzeit als Vorzeige-Steppe. | Foto: pixabay.com/ Peter Dargatz

 

Das regenlose Wetter, das bereits Ernteausfälle, die Betitelung „BRANDenburg“ (B.Z.), Berlins schwindende Grünflächen und Freibad-Dilemma provozierte, hat die Region weiterhin fest im Würgegriff. Ob die angekündigten Regenschauer für eine Entspannung der Großwetterlage ausreichen werden, bleibt erstmalig hoffnungsvoll abzuwarten. (cn)

Die Hälfte der Deutschen geht frühzeitig in Rente

Bei einem derzeitigen Renteneintrittsalter von 65 Jahren über eine zukünftige Rente mit 67 oder sogar erst 70 Jahren zu debattieren, scheint realitätsfern und utopisch. Schon jetzt arbeitet nicht einmal die Hälfte der Deutschen bis zum gesetzlichen Rentenalter, mehr als jeder Zweite geht vorher in den Ruhestand. Dies geht aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) „Fit oder fertig“ hervor. Schwerpunktmäßig beschäftigte sich die Studie mit deutschen Erwerbsbiografien und wertete hierzu Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen von fünf Millionen Versicherten aus. Über einen Zeitraum von fünf Jahren analysierte die Studie somit 15 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 20 und 65 Jahren. Die Zahlen nehmen den Charakter eines Trends an und sprechen Bände.

Die Möglichkeiten für den  Berufsausstieg werden hierzulande sehr ausgiebig genutzt. Zudem erreichen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in den kommenden Jahren das Rentenalter und werden eine tiefgreifende Lücke am Arbeitsmarkt hinterlassen. Experten gehen bis 2030 von fünf bis sechs Millionen fehlenden Arbeitskräften aus, der Fachkräftemangel wird sich also noch signifikant verschärfen.

Die Babyboomer kommen in die Jahre

Die Deutschen nehmen für den verfrühten Eintritt sogar erhebliche Abschläge in Kauf, wie der TK-Gesundheitsreport zeigt. So bezogen 54,7 Prozent der 64-jährigen (Jahrgang 1953) bereits 2017 eine Altersrente. Rund ein Drittel der 63-jährigen (Jahrgang 1954) verabschiedete sich 2017 ebenfalls in den Ruhestand. Jeder siebte beantragte einen früheren Renteneintritt aufgrund von Schwerbehinderung oder Erwerbsunfähigkeit. TK-Chef Jens Baas zeigt sich besorgt und gibt die ursprünglich geplante Anhebung des Rentenalters auf 67 als realitätsfern zu bedenken: „Es nützt nichts, das Renteneintrittsalter weiter hochzuschrauben, wenn schon heute nicht einmal jeder Zweite so lange arbeitet.“

Versicherer, Politik und Unternehmen seien gleichermaßen in der Pflicht eine längere Leistungsfähigkeit ihrer Arbeitnehmer zu garantieren. Durch den vorzeitigen Berufsaustritt der Babyboomer gehe sonst ein „enormes Wissens- und Leistungspotenzial“ verloren, sagte Baas bei der Vorstellung des Gesundheitsreports in Berlin. Vor allem Berufstätige körperlich belastender Arbeitsfelder, arbeiten mit einem 1,8 Mal höheren Risiko frühzeitig auszuscheiden. Berufe im Bau- und Holzgewerbe, Verkehr, Lager oder Metallbau seien hier von einem zu starren Renteneintrittsalter betroffen. Hingegen stünden Tätigkeiten in der Verwaltung, den Medien oder Lehr- und akademischen Berufen in besserer Aussicht, länger ausgeübt zu werden. Trotzdem müssen Arbeitgeber vorteilhafte Beschäftigungsmodelle für ältere Mitarbeiter ermöglichen und für langjährig Beschäftigte attraktiv bleiben. Altersgemischte Teams, interne Tätigkeitswechsel und Weiterbildungen können ältere Mitarbeiter im Betrieb und das Team auf gutem Erfahrungsaustauschniveau halten.

Signale wahrnehmen und von der späten Rente verabschieden

Während des Deutschen Kaiserreichs, lag die gesetzliche Grenze für den Bezug einer Rente ab 1889 zunächst bei 70 Jahren. Diese wurde dann auf 65 gesenkt und für bestimmte Arbeitsgruppen aufgelockert. Inzwischen geht der Trend seit 1990 wieder in Richtung einer Anhebung der Lebensarbeitszeit. Seit 2012 wird das Zugangsalter für Regelaltersrenten für jedes folgende Geburtsjahr angehoben. Später geboren zu sein bedeutet heutzutage also länger Arbeiten zu müssen. Zugleich wurden die Möglichkeiten eines vorzeitigen Rentenbezugs abgeschafft bzw. stark eingeengt. „Die Anhebung des Renteneintrittsalters bedeutet in vielen Fällen nicht längeres Arbeiten, sondern eine geminderte Rente. Das kann nicht unser Anspruch sein“, so TK-Chef Baas.

Immerhin waren in den Jahren 2013 bis 2017 zwei Drittel der sozialversicherungspflichtigen Deutschen durchgehend beschäftigt. Sogar 80 Prozent der 35- bis 60-jährigen arbeiteten seit Beginn ihrer Beschäftigungen durchgängig ohne den Verlust von Beitragsjahren. Um die Mitarbeiter länger im Beruf zu  halten, müsse man als Arbeitgeber jedoch das Signal senden sich auch um ihr gesundheitliches Wohlbefinden zu kümmern, rät die TK. Denkbar wäre hier z.B. das Angebot von Seminaren zu den Themen Stress und Ernährung oder die Teilnahme an Sportveranstaltungen und Workshops. Andernfalls können Kampagnen gegen das Rauchen oder ein kostenloses Fitnessstudio auf dem Unternehmensgelände Strategien zur Gesundheitsförderung sein. In den Genuss einer frühzeitigen Rente ohne Abschläge kommen nur langjährig Versicherte, mit 35  oder besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren.

 

Um die Mitarbeiter länger im Beruf zu halten, müsse man als Arbeitgeber jedoch das Signal senden sich auch um ihr gesundheitliches Wohlbefinden zu kümmern. | Foto: pixabay.com

 

Beschäftigungsanstieg, der nicht lange anhalten wird

Auch Berlin verzeichnet mit einem neuen Höchststand an 97.000 Betrieben einen positiven Trend im Arbeitsmarkt. Gegenüber dem bundesweiten Durchschnitt ist man mit einem Anstieg der Beschäftigungen von vier Prozent auf der Überholspur. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Befristung, Leiharbeit und ein Mangel an Auszubildenden könnten in den kommenden Jahren jedoch eine Lücke in die Arbeitswelt der jungen Generation reißen.

„Die guten Rahmenbedingungen müssen deutlich stärker für gute Arbeit genutzt werden. Die Betriebe verlangen zunehmend nach qualifizierten Beschäftigten und klagen über Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Doch statt mit attraktiven Konditionen um Fachkräfte zu werben, wurden mehr als die Hälfte der neuen Verträge nur befristet abgeschlossen, Tendenz steigend. Das passt nicht zusammen. Wirtschaftlicher Erfolg und gute Arbeit sind kein Widerspruch, sondern bedingen einander. Fachkräftesicherung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit gibt es nur mit auskömmlichen Löhnen, sozialer Sicherheit und fairen, motivierenden Arbeitsbedingungen“, kommentiert Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke).

Attraktive Konditionen: Vor allem offen und anpassungsfähig

Angesichts der Studienbefunde und verkürzten Lebensarbeitszeit der Deutschen, werden die Ausgaben der Kranken- und Rentenversicherung in den nächsten Jahren drastisch steigen. Das hätte unter anderem höhere Kassenbeiträge für die Arbeitnehmer zur Folge. Neben einer betrieblichen Gesundheitsförderung plädiert TK-Chef Baas aufgrund dessen für einen Abschied vom einheitlichen Renteneintrittsalter. „Wir brauchen differenzierte Lösungen, die für besonders beanspruchte Berufsgruppen einen früheren Renteneintritt ohne große Abschläge zulassen“, fordert Baas.

 

Durch den vorzeitigen Berufsaustritt der Babyboomer geht ein „enormes Wissens- und Leistungspotenzial“ verloren. | Foto: pixabay.com

Durch den vorzeitigen Berufsaustritt der Babyboomer geht ein „enormes Wissens- und Leistungspotenzial“ verloren. | Foto: pixabay.com

 

Eine der Gesundheit angepasste Beschäftigungsdauer zu attraktiven Konditionen kann ein motivierender Faktor für den Beginn einer Ausbildung sein. Vor dem Hintergrund eines zu erwartenden, massiven Fachkräftemangels, ist ein solches Entgegenkommen der staatlich Zuständigen gefordert – auch um mehr besetzte Ausbildungsplätze zu garantieren. (cn)

Berliner Flughafenchaos zum Ferienstart?

In der Schule packten die Berliner Schulkinder gestern ihre Zeugnisse ein, Zuhause vermutlich ihre Koffer. Pünktlich zum Ferienstart wird wieder ein erhöhter Urlaubsansturm auf die Berliner Flughäfen erwartet. Mit mehr Personal möchte die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) das Chaos der während der Sommerferien erwarteten 4,9 Millionen Passagiere verhindern. Vor allem in den ersten Ferientagen, vom 5. bis 8. Juli sind Reisende dazu angehalten, genug Zeit für Abfertigung und Sicherheitskontrollen einzuplanen. Denn fällt in Tegel eine Anlage aus, dann bleibt diese ohne Ersatz.

Daher lautet die Empfehlung der FBB, mindestens zwei Stunden vor Abflug reisebereit vor Ort zu sein. Wie soll anders mit den täglichen rund 25.000 zusätzlichen Passagieren in Tegel verfahren werden? Die Berliner Flughäfen erwarten einen Reiseanstieg um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für Tegel bedeutet dies täglich 75.000 Passagiere abzufertigen, statt im Normalbetrieb 50.000. In Schönefeld werden im Reisezeitraum Juli/ August rund 10.000 Reisende mehr pro Tag erwartet. Insgesamt steuern die 89 Airlines 56 verschiedene Reiseziele an. Zu den beliebtesten gehören Palma de Mallorca, Antalya und Barcelona.

In Tegel werden während der Ferien täglich bis zu 25.000 Passagiere mehr erwartet. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

In Tegel werden während der Ferien täglich bis zu 25.000 Passagiere mehr erwartet. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Früher in die Ferien, ohne zusätzliches Terminal

Wie die Berliner Flughäfen mitteilten, werde es im Urlaubszeitraum vor allem bei der Abfertigung zu Engpassbereichen kommen. Trotzdem wird in Tegel ausgerechnet jetzt eine zusätzliche Kontrollstelle mit mehreren Schaltern in Terminal D gebaut, das hauptsächlich von der Lufthansa-Tochter Eurowings genutzt wird. Man fange mit dem Bau bewusst während der Ferien an. Der Geschäftsverkehr, der üblicherweise nur mit Handgepäck reise, ginge während der Ferien erfahrungsgemäß zurück. Stattdessen treffen Urlauber, die zumeist Gepäck abgeben, wesentlich früher am Flughafen ein. Die Kontrollstelle soll bis Ende August fertiggestellt werden. Die Ferienreisenden, deren Kinder ab dem 17. August wieder die Schulbank drücken, werden hiervon wohl nicht profitieren.

In den letzten Jahren war aufgefallen, dass manche Eltern ihre Kinder schon ein paar Tage vor Ferienstart aus der Schule nahmen. Trotzdem eine Missachtung der Schulpflicht gesetzlich verboten ist, liebäugelten Eltern mit günstigeren Reisepreisen vor dem Ferienstart. Wie der Tagesspiegel recherchierte, kann eine Reise, beispielsweise auf die griechische Insel Korfu, nach Ferienstart schon rund einen Tausender mehr kosten. Durchaus möglich sind Genehmigungen für den frühzeitigen Ferienbeginn, mit Rücksicht auf berufliche Verpflichtungen der Eltern. Alternativ können Kinder auch vorab vereinbarte schulische Ersatzleistungen für den verfrühten Ferienstart erbringen. Allerdings lassen die Schulleiter günstige Reisepreise hier nicht als Begründung gelten. Das Risiko für eine Reise ohne Genehmigung der Schule am Flughafen aufgegriffen und eine Bußgeldstrafe von 2.500 Euro zu kassieren, steht in keinem Verhältnis zum günstigeren Urlaubspreis. Vor einer Kontrolle musste sich in Berlin, anders als in Bayern, bisher jedoch nicht gefürchtet werden. Die Schulbehörden erbaten dieses Jahr keine Amtshilfe bei der Polizei.

Wieder ohne den BER in den Ferienstart

Schönefeld verfügt inzwischen über ein Adaptives Passagierleitsystem (APLS), das Passagiere an Kontrollpunkten wählen lässt und somit den schnellsten Weg ermöglicht. Die Reisenden entscheiden welche Kontrollen sie durch elektronische Erfassung ihrer Reisedokumente und welche mit Assistenz des Personals durchlaufen. Der schnellste Weg wird ihnen jeweils durch angegebene Wartezeiten angezeigt. Tegel verfügt bisher ausschließlich in Terminal C über ein solches System. In Tegel gibt es zudem fast gar keine redundanten Anlagen, weswegen ein Ausfall einen Stau bei der Abfertigung zur Folge hätte. Laut Flughafensprecher Daniel Tolksdorf halte sich jedoch zusätzliches Personal bereit, das eine zeitnahe Reparatur gewährleisten könne. Diese könnten innerhalb von zwei Stunden vor Ort sein, um sich mit defekten Anlagen zu befassen. Tolksdorf rät den Passagieren, die trotz der großzügig eingeplanten zwei Stunden in Zeitnot geraten, sich hiermit an das sowieso schon überlastete Personal zu wenden. Dem Tagesspiegel sagte er, man könne dann „sicher eine Lösung finden“.

 

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Die sechs Millionen Euro, die bis Anfang 2019 als Investition in den Flughafen fließen, sollen jedoch eine bessere Aufenthaltsqualität für Passagiere ermöglichen. Auch eine stärkere Prozesssicherheit bei internen Abläufen soll gewährleistet werden. Allerdings sind dies Versprechungen, die schon oft gemacht, aber nie umgesetzt wurden. Gut, dass in Tegel investiert wird, aber wann wird der BER endlich fertig?

Investitionen in schnellere Prozesse – und Ersatzanlagen?

In den Flughafen Schönefeld sollen bis Ende 2025 sogar noch weitere 50 Millionen Euro investiert werden. Denn Schönefeld soll nach Öffnung des BER im Oktober 2020 garantieren, dass der Pannenflughafen mit dem Flugbetrieb nicht direkt überfordert ist. Tegel senkt zwar derzeit die Gesamtverluste der Flughafengesellschaft, wird aber entgegen der Stimmen des Volksentscheides schließen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Tegel 112 Millionen Euro. Vor der Airberlin-Pleite waren es 2016 noch 119 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht konnten diese Zahlen die Gesamtverluste der FBB jedoch um rund 18 Millionen Euro senken. Dank der Wirtschaftlichkeit Tegels wird der ausgewiesene Bilanzverlust dadurch „nur noch“ mit 915 Millionen Euro beziffert (Quelle: Tagesspiegel).

Aussicht auf Entlastung? Der BER soll voraussichtlich im Oktober 2020 öffnen. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. Die Flughäfen arbeiten während der Ferienzeit und dem erhöhten Passagieraufkommen am Limit. Zuletzt übernahmen die Billigfluglinien Easyjet und Eurowings etliche Start- und Landerechte von der Pleite-Airline Airberlin. Interkontinentalflüge werden jedoch weiterhin in sehr geringem Ausmaß angeboten und bisher nur vereinzelte Strecken von Billigflug-Airlines übernommen. Scoot, die Tochter der Singapur Airlines, fliegt seit Mai 2018 eine Nonstop-Verbindung zwischen Berlin und Singapur an, von der Kongress- und Messereisende profitieren. Auch eine Verbindung in den kanadischen Großraum Toronto wurde erst im Juni wieder aufgelegt. (cn)

Zwischen Kloster, Markt und Rathaus: Historische Mitte wird restauriert

Ein Projekt zur Stadtreparatur, das 800 Jahre Berliner Geschichte wieder aufleben lassen soll, wird nun endlich konkret. Seit 15 Jahren wird diskutiert, geplant und als unzureichend wieder verworfen. Nun soll die ehemalige historische Mitte Berlins zwischen Rotem Rathaus, Klosterruine und Nikolaiviertel wiederhergestellt werden. Auf einem 100 Hektar umfassenden Areal unweit der Spree, soll architektonisch repariert werden, was Krieg und Nachkriegsplanung sowie zahlreiche Abrisse, Durchbrüche und Verbreiterungen zerstörten. Das Land Berlin wird am ältesten Platz der Stadt, dem inzwischen stark frequentierten Verkehrsknotenpunkt Molkenmarkt sowie rund um das Klosterviertel modern anpassen und neu errichten. Für die Umleitung der unverzichtbaren städtischen Verbindungsstraßen Grunerstraße und Stralauer Straße wurden bereits einige Bäume gefällt. Sie machen Platz für drei Wohnungsneubauten und die Cafés, Geschäfte und Galerien, die das Viertel beleben sollen.

Der Etappenbau startet mit der 18 Millionen Euro teuren Verlegung der genannten Schnellstraßen, damit der Verkehr weiter fließen kann. Archäologen bereiten sich auf die Ausgrabungen vor, die bis in das Jahr 1500 zurückdatierte Grundrissreste zutage fördern könnten. Auch ihnen soll ausreichend Zeit gegeben werden, damit die historischen Funde später sichtbar konserviert als Teil des Viertels wirken können. Das größte Grabungsprojekt seit der Wende, findet auf einer 25.000 Quadratmeter großen Untersuchungsfläche statt.

Archäologen bereiten sich im Viertel um den Molkenmarkt auf die Ausgrabungen vor, die bis in das Jahr 1500 zurückdatierte Grundrissreste zutage fördern könnten. | Foto: pixabay.com

Als historische Mitte seiner Identität beraubt

Von den 1500 Bauten um 1840 sind heute, fast 180 Jahre später, nur noch 12 historisch erhalten. Was vom Krieg zerstört, den Nazis später als Verwaltungszentrum geplant und den Stadtplanern der DDR als Großkreuzung nicht fertiggestellt wurde, liegt heute größtenteils brach. Die verbliebenen historisch bedeutenden Gebäude im Umfeld liegen isoliert und beziehungslos zueinander und berauben das Viertel einer Identität. Das Gebiet ist durch Monostrukturen von Bürobauten und Verwaltungen nahezu ohne relevante Wohn- oder Ladennutzung geprägt.

Ein riesiger Kreisverkehr, ungefilterte Abgase und geschäftiger Lärm bestimmen das kriegsversehrte Viertel hinter dem Roten Rathaus. Die Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) kämpft seit 25 Jahren für den Wiederaufbau. Im Juni 2017 ebnete Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) erstmals den Weg dafür, die Stadtreparatur großflächig anzugehen. Über das Rathausforum hinaus, in nahezu allen Gebieten des historischen Stadtkerns, soll nun mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Archäologische Fenster, Verbindungskorridore und Wohnungstüren

Nach Verlegung der städtischen Verbindungsstraßen und den Ausgrabungen kann das Neubauprojekt in frühestens vier Jahren starten. Die 440 geplanten Wohnungen werden mindestens zur Hälfte von den Wohnungsbaugesellschaften Degewo und WBM realisiert. Auch ein Großteil der anderen Grundstücke soll in städtischer Hand bleiben, berichtete der Tagesspiegel. Zum einen stellt dies die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sicher. Zum anderen wird so der geschichtliche Standort mit zusätzlichen Einblicken gewahrt.

Architektonisch soll jedoch zeitgenössisch und nicht nostalgietreu wie im nahegelegenen Nikolaiviertel gedacht werden. Bei der Freilegung der Klosterfundamente, dem sensibelsten Bereich des Viertels, muss jedoch besonders vorsichtig vorgegangen werden. Die Anschaulichkeit und Sichtbarkeit der 800-jährigen Geschichte soll durch archäologische Fenster erhöht werden. Neben dem Wohnungsbau und der Verkehrsberuhigung, sind Einblicke in eine Zeit vor der Berliner Großstadt, eine zentrale Intention des Projektes. An dem zukünftig vielseitigen Knotenpunkt des Molkenmarktes sind zusätzlich breitere Fußgängerpromenaden und eine Tramverbindung zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz geplant.

Ausschnitt aus dem 3D-Innenstadtmodell für die historische Mitte Berlin. | Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Stimmungsprofil durch Bürgerdialoge

Manfred Kühne, Abteilungsleiter Städtebau der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, führte hierzu bereits Bürgerdialoge im Rahmen des MakeCity Festivals. Weitere sind für September angesetzt. Die abzureißenden Bürobauten könnten die Planung jedoch noch ins Wanken geraten lassen. Denn wo Büroblöcke abgerissen werden sollen, wünscht man sich dass die Nutzer zur Belebung des Viertels bleiben. Man möchte niemanden vertreiben und sieht die Dialoge deshalb als ausschlaggebenden Entscheidungsfaktor an. Auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) sieht die Lebhaftigkeit und Authentizität des Quartiers im Vordergrund. „Wir haben jetzt die Chance einen der ältesten Stadtteile im historischen Zentrum Berlins wieder für die Menschen zurückzugewinnen. Dort, wo heute eine sechsspurige Straße den Raum dominiert, schaffen wir ein urbanes und lebenswertes Stadtquartier“, so Geisel.

Zur Historie des Stadtkerns veröffentlichte der Berliner Stadthistoriker und FU-Professor Felix Escher kürzlich ein prägnantes Werk. „Die Mitte Berlins – Geschichte einer Doppelstadt“ überzeugt durch eine Sammlung und Aufbereitung an ehemaligen Nutzungen, Stadtplänen, Visualisierungen und bisherigen Entwürfen. Nach der Lektüre seien Berlins Bewohner „besser ausgerüstet für kommende Entscheidungen“, wie die Berliner Zeitung rezensierte. Denn der ebenso winzige wie wertvolle Stadtteil gehöre allen Berlinern. (cn)

RED Party am Wannsee mit Spendenrekord – Feiern für den guten Zweck

Das Highlight der Berliner Party-Saison 2018 war auch in diesem Jahr wieder die RED Party am historischen Schwedenpavillon am Wannsee. Bei strahlendem Sonnenschein kamen auf Einladung von Christian Gérôme, Gründer der Allgemeinen Immobilienbörse (AIB) und seinem Partner Marcus Korn circa 1.500 Gäste. Darunter waren zahlreiche Prominente wie Thierry Beaudemoulin, CEO von Covivio, BERLINboxx Herausgeberin Dr. Angela Wiechula, Karen Terpogossov von der vPE Bank, Verleger Florian Langenscheidt, Werbelegende Jean-Remy von Matt, Thomas Klein, Vorsitzender der Berliner Pressekonferenz und zahlreiche erfolgreiche Unternehmer der Hauptstadt, die nicht nur zum Feiern gekommen waren, sondern auch um etwas zu bewirken und Kindern in Not zu helfen.

Die Gäste sahen rot auf der RED Party am Wannsee. Foto: Dirk Lässig

Die Gäste sahen rot auf der RED Party am Wannsee. | Foto: Dirk Lässig

„RED“ war die Devise und so bot sich ein beeindruckendes Bild von rotgekleideten Gästen auf dem weitläufigen Grundstück und an den Stegen der historischen Wasserresidenz.

 

RED Party: Traditionelle Unterstützung für Kinderprojekt ARCHE

Dort hatten – neben zahlreichen Yachten – drei eindrucksvolle Hausboote geankert, auf denen ebenfalls ausgiebig gefeiert wurde. Dabei ging es nicht nur um Party am Wasser, sondern ganz ausdrücklich auch um die traditionelle Unterstützung für das Kinderprojekt ARCHE.

 

Historische Kulisse: Der Schwedenpavillon am Wannsee. Foto: Dirk Lässig

Historische Kulisse: Der Schwedenpavillon am Wannsee. Foto: Dirk Lässig

Gérôme hatte erneut Geschäftspartner wie die SANUS AG, die Kundler Allianz-Agentur, die Meteor Bau GmbH sowie den Projektentwickler INTER STADT AG überzeugt, großzügig für die von Pastor Bernd Siggelkow 1995 gegründete Arche, die mehr als 4.000 Kinder mit ihren wichtigen sozialen und pädagogischen Angeboten erreicht, zu spenden.

 

Neuer Spendenrekord

„Das Anliegen der ARCHE ist auch mir eine Herzensangelegenheit“, so Christian Gérôme. „Ich freue mich, dass wir auch in diesem Jahr weitere Unterstützer gewinnen konnten und damit den Rekord aus dem letzten Jahr einstellen konnten.“

 

Spendenrekord für die ARCHE: v.l.n.r. Christian Gérôme, ARCHE-Pressesprecher Wolfgang Büscher und Siegfried Nehls | Foto: Dirk Lässig

Am Ende stand die stolze Summe von 26.500 EUR auf dem Scheck, die Christian Gérôme, Marcus Korn, Siegfried Nehls, Sascha Klupp, Danijela Ramcilovic und David Patrick Kundler dem sichtlich beeindruckten ARCHE-Vertreter Wolfgang Büscher überreichten.

„Wir alle stehen in der Verantwortung, bedürftigen Menschen zur Seite zu stehen“, sagt Siegfried Nehls, der zahlreiche soziale Projekte unterstützt. „Mit der ARCHE haben wir einen Partner gefunden, dessen Name für die Unterstützung von Kindern steht. Für mich persönlich ist das eines der wichtigsten Anliegen überhaupt.“

Insgesamt kamen so seit der ersten RED-Party im Jahr 2013 über 100.000 Euro zusammen. Eine Menge Geld, das schon vielen Kindern die oftmals schwierigen Lebensumstände ein wenig erleichtert hat. (ak)

Mobilitätsgesetz und digitale Infrastruktur als Chance für Berlins Klima

Pünktlich zur Verabschiedung des Berliner Mobilitätsgesetzes am Donnerstag, werden in Berlin weitere Lösungsansätze für die Mobilität der Zukunft diskutiert. Deutschlandweit ist der Gesetzesentwurf, der einen Vorrang für klimaschonende Verkehrsarten vorsieht einmalig. „Das Mobilitätsgesetz läutet das Ende der autoprivilegierten Stadt ein“, kommentierte Verkehrssenatorin Regine Günther den rot-rot-grünen Erfolg. Die Opposition aus CDU und FDP sowie die AfD stimmten dagegen. Für letztere Parteien stehe die bundesweite Einmaligkeit des Gesetzes auf dem Prüfstand und könne einer wachsenden Stadt nicht gerecht werden. Zudem ist sich die Bundesregierung einig, dass eine digitale Infrastruktur, in welche die Mobilitätskonzepte einer pulsierenden Stadt eingebunden sind, nicht mehr aus dem modernen Berlin wegzudenken sei.

Zwei kürzlich durchgeführte Studien beleuchten sowohl die reale Berliner Mobilitätssituation als auch den deutschlandweiten Verkehr. Eine Umfrage der Berliner Sparkasse analysierte die am häufigsten genutzten Verkehrsmittel und gewünschten Reformen der Berliner. Während eine bislang unveröffentlichte Studie des Bundesverkehrsministeriums, die der Morgenpost vorliegt, die bundesweite Mobilität unter die Lupe nahm. Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums befragte das Institut Infas 2017 mehr als 300.000 mobile Bundesbürger. Zusätzlich bot das Barcamp #mobltcamp Diskussionsteilnehmern in Berlin letzte Woche die Möglichkeit sich über aktuelle Themen der Mobilitätswende auszutauschen. Unter dem Titel „rethink mobility“ setzte die Mitmach-Konferenz den Schwerpunkt vor allem auf Chancen einer ausgebauten digitalen Infrastruktur. Diese würde das Auto nicht von der Straße „verbannen“, sondern auf intelligente und klimaneutrale Elektromobilität setzen.

Digitale Infrastruktur nötig, Skepsis angebracht

Die Ergebnisse des #mobltcamp unterstützen die Erkenntnis der Bundesregierung zur Digitalisierung. Denn die Bundesregierung möchte in den nächsten Jahren einen zweistelligen Milliardenbetrag in den Ausbau der digitalen Infrastruktur, mit Schwerpunkt Verkehrspolitik investieren. Laut #mobltcamp erkannten die Teilnehmer und Experten wie Staatssekretär Dr. Gerhard Schulze, des Verkehrsministeriums, die digitale Vernetzung innerhalb der Stadt als wichtigsten Fortschritt an. Zukunftsweisende Mobilitätskonzepte und die Digitalisierung seien nicht nur eng verzahnt, sondern nicht mehr voneinander trennbar. In diesem Zusammenhang wurde vor allem autonomes Fahren und Elektromobilität, aber auch die Fahrradinfrastruktur thematisiert.

Autonome Autos der Zukunft werden durch digitale Daten zukünftig verstärkt miteinander kommunizieren müssen, um beispielsweise Staus und Unfälle zu vermeiden. Auch die Auskunft über das Verhalten des Fahrers und seine exakten Aufenthaltsorte und –zeiten sind dabei von Bedeutung. Die Süddeutsche Zeitung berichtete kürzlich, dass die Deutschen selbstfahrenden Autos bislang jedoch skeptisch gegenüberstehen. Befürworten 75 Prozent der Chinesen und 85 Prozent der Inder die Technologie, sind es in Deutschland lediglich 45 Prozent. Bei der Sparkassen-Umfrage gaben sogar nur 17 Prozent der Berliner an, selbstfahrende Autos nutzen zu wollen, wären sie in Deutschland zugelassen. Diese Umfragewerte würden vor allem auf die unausgereifte Technik angesichts zahlreicher Unfälle, zurückgehen.

 

Die Deutschen stehen selbstfahrenden Autos bisher jedoch skeptisch gegenüber. | Foto: pexels.com

Die Deutschen stehen selbstfahrenden Autos bisher skeptisch gegenüber. | Foto: pexels.com

 

Trotz starken Autoverkehrs am Ball bleiben

Nach Bremen ist Berlin gemeinsam mit Hamburg das Bundesland in dem die meisten Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. 15 Prozent der Berliner legen viele Wege bereits mit dem Fahrrad zurück, bundesweit sind es elf Prozent der Strecken. Dieser Anteil ist seit 2002 bundesweit jedoch lediglich um zwei Prozent gestiegen – trotz der oft angekündigten Verkehrswende. Das Auto dominiert mit 60 Prozent weiterhin das Verkehrsgeschehen in Deutschland. Vor allem in ländlichen Regionen, in denen der Arbeitsweg durchschnittliche 16 Kilometer lang ist, wird zumeist der motorisierte Individualverkehr favorisiert.

Verkehrssenatorin Günther begründete die Relevanz des Berliner Mobilitätsgesetzes  am Donnerstag damit, nicht den Anschluss an die weltweite Mobilitätswende verlieren zu wollen. Auch die fahrradfreundliche Hauptstadt und eine „Vision Zero“, für eine Stadt ohne Verkehrstote, sind erklärte Ziele. „Wir haben ein klares Ziel: eine lebenswerte Stadt“, so Günther. Laut der Sparkassen-Umfrage nutzen jedoch nur neun Prozent der Berliner üblicherweise das Fahrrad. Jeder dritte Berliner hält einen Ausbau der Radwege jedoch direkt nach der Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs für die wichtigste Maßnahme der neuen Verkehrspolitik. 39 Prozent geben zudem an, sich für das Rad zu entscheiden, gäbe es sichere Verkehrswege. Die Zahlen sprechen Bände. Trotz der deutschlandweiten Zahlen erinnern die umweltnahen Berliner Umfrageergebnisse  daran, dass die Mobilitätswende mithilfe sicheren Verkehrs für alle Verkehrsteilnehmer nur einen Schritt entfernt sein kann.

 

Berliner geben an öfter das Fahrrad zu wählen, gäbe es sichere Verkehrswege. Bisher ist der Ausbau der Berliner Fahrradinfrastruktur dürftig umgesetzt worden. | Foto: pixabay.com/ timelynx

Berliner geben an öfter das Fahrrad zu wählen, gäbe es sichere Verkehrswege. Bisher ist der Ausbau der Berliner Fahrradinfrastruktur dürftig umgesetzt worden. | Foto: pixabay.com/ timelynx

 

Nur Ansätze einer Verkehrswende sichtbar

Während bundesweit nur ca. 11 Prozent  der Deutschen Bus und Bahn wählen, sind die Öffentlichen die bevorzugten Verkehrsmittel der Berliner. 44 Prozent nutzen den ÖPNV der Hauptstadt. Das Berliner Mobilitätsgesetz gestattet Bussen nicht nur ein schnelleres Abschlepprecht bei Falschparkern, sondern möchte die BVG bis 2030 auch komplett klimaneutral fahren lassen. Zudem wird im Senat kontrovers über den Ausbau des Straßenbahn- und U-Bahn-Netzes diskutiert. Mehr als die Hälfte der Berliner halten den Ausbau des ÖPNV für die wichtigste Maßnahme der Berliner Verkehrsinfrastruktur. 58 Prozent würden ihn auch häufiger nutzen, setze man die oft erwägte Maßnahme des kostenlosen Nahverkehrs durch.

Die Zahlen der Berliner Sparkasse zeigen für Berlin einen sehr umweltbewussten Umgang mit den mobilen Möglichkeiten. Die bundesweite Studie erkennt die Verkehrswende im Rahmen der oft erwarteten Gesamtdynamik nur in Ansätzen. Dass mehr Menschen auf Bus, Bahn und das Rad umsteigen, liege weniger an erfolgreichen politischen Weichenstellungen. Der Zuzug in die Großstadtregionen und ein dementsprechender Anstieg an Beschäftigungen seien stattdessen verantwortlich, zitierte die Morgenpost die Studienautoren.

 

Der öffentliche Nahverkehr rangiert auf Platz Eins der beliebtesten Berliner Verkehrsmittel. Auch bundesweit nimmt die Nutzung von Bus und Bahn zu. | Foto: pixabay.com

 

Klimafreundlich im Rahmen der Möglichkeiten

Emissionsfreien Autoverkehr innerhalb des S-Bahnrings wünschen sich 38 Prozent der 1000 befragten Berliner. Die BVG plant die Anschaffung von eigenen Abschleppwagen, um die mehr als 8000 Behinderungen des letzten Jahres schneller zu beheben. Das Mobilitätsgesetz sieht 100 Kilometer lange Radschnellwege vor. Vier Millionen der 72 Millionen Fahrräder in Deutschland haben bereits einen Elektroantrieb. Jeder 5. Berliner gibt an auf diese Variante umzusteigen, würden E-Bikes günstiger werden. Einige Arbeitgeber stellen diese bereits auf dem Unternehmenscampus zur Verfügung.

Kurzum: Vor allem in der grünen Hauptstadt wird immer besonnener mit dem Thema Mobilität umgegangen – bundesweit dagegen eher den Möglichkeiten entsprechend. Den bisherigen Finanzspritzen, Entwürfen und Trends werden deutschlandweit noch viele „Zwischenreformen“ folgen, ist sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) trotzdem sicher. „Wir werden  bis 2030 eine Revolution der Mobilität erleben“, so Scheuer. Mit Vorantreiben der klimafreundlichen Elektromobilität und der in Zukunft vorausschauenden Fahrweise der autonomen Autos, muss sich hoffentlich nicht mehr um Sicherheit, Platz und Verdrängung gestritten werden. (cn)