Große Pläne für die City West

Die Berliner Innenstadt wird und muss sich verändern, um weiterhin wirtschaftlich tragbar und attraktiv zu sein. Darüber sind sich Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender AG City e.V., Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt sowie Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied AG City e.V. einig. In diesen Prozess der Veränderung wollen sie die Stadtgesellschaft einbinden. Sie haben konkrete Ideen, um den Verkehr der Zukunft zu gestalten und die Aufenthaltsqualität in der City West zu erhöhen. Darüber hinaus besteht ein enormer Bedarf an Büroflächen aufgrund der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung.

City West mit urbanem Lebensgefühl

Ein wachsendes Berlin, Digitalisierung, der Wunsch nach mehr Aufenthalts- und Lebensqualität sowie die Entwicklung neuer Mobilitätstechniken sind Chancen, die es zu nutzen gilt – sowohl von der privaten Wirtschaft also auch von der Politik. Und die Akteure in der City West wollen handeln. Ziel für die City West sind multifunktionale Gebäude, die Wohnen, Arbeiten, Kultur, Ausbildung, Wissenschaft, Entertainment und Einkaufen verbinden und damit das Alleinstellungsmerkmal des Bezirks gewinnbringend erhalten. Der Hardenbergplatz soll zu einem Mobilitätszentrum werden.

Wir wollen Handeln!

Was wir nicht wollen: Das uns die Politik ständig ausbremst, so lautet die zentrale Forderung von Klaus-Jürgen Maier. Dies gilt sowohl für Regelungen im Baurecht als auch bei städtischen Gremien. Aktuell stehen Investitionen von drei Milliarden Euro an, deren Verwirklichung ermöglicht werden sollte. Die AG City e.V. sieht ihre Aufgabe darin, die Vorhaben verschiedener Bauherren zu bündeln. Konkret sollen vier Projekte auf Grundstücken gebaut werden, die heute überwiegend mit Parkhäusern genutzt werden. Unter anderem sollen das Karstadt-Parkhaus und das Haus neben dem Motel One neu gestaltet werden. Durch Nachverdichtung können neue Wohn- und Büroflächen entstehen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität erhöht werden.

Die AG City e.V. sieht in der City West Hochhäuser entstehen, die keine unnahbaren, für die Öffentlichkeit unzugänglichen Solitäre sind, sondern integrale Bestandteile der Stadt werden. Denn Hochhäuser sind ökonomisch und ökologisch sinnvoll, so Gottfried Kupsch.

Viele Ideen und Pläne bereits in der Schublade

Für gut 800.000 Quadratmeter liegen bereits Pläne von verschiedenen Architekten vor, um nicht nur Wohnraum, sondern auch Raum für Gewerbe und damit für die Arbeitsplätze der Zukunft zu schaffen. Hier soll eine Industrie 4.0 möglich werden. Doch Veränderung wird es nicht nur in der Stadtstruktur, sondern auch im Verkehr geben. Die City West soll offen für neue Mobilitätskonzepte werden. So wird ein Raum geschaffen werden, in dem stationärer Handel und Onlinehandel zusammen funktionieren.

„Wir müssen jetzt die Weichenstellung vornehmen, jetzt anfangen zu denken“, fordert Kupsch.

Nahverkehr ausreichend – Defizite bei der Energieversorgung

Die am Workshopverfahren „Wachsende Stadt City West“ teilnehmenden Experten sind sich einig, dass die vorhandene Infrastruktur auch nach einer Verdichtung ausreichend ist. Dies gilt für das Straßen- und Schienennetz von U-Bahn und S-Bahn. Viel größeren Handlungsbedarf sieht die AG City e.V. jedoch in der Energieversorgung. So sollte in einem der Parkhäuser an der City West eine Etage mit Ladestationen für Elektroautos ausgestattet werden. Das Projekt scheiterte jedoch daran, dass Vattenfall nicht ausreichend Strom liefern konnte. Aus diesem Grund forderte und fordert die Arbeitsgemeinschaft noch immer ein Bedarfsprogramm vom Senat – bisher ohne Ergebnis.

Generell beklagen die Gesprächsteilnehmer, dass sich der Senat bei der Planung und Entwicklung eher raushält und mit Abwesenheit glänzt.

„Das Wegducken hilft da nicht“

Generell besteht von Seiten der Bevölkerung ein allgemeines Verständnis für die Veränderungen in der City West. Gleichzeitig herrscht aber auch ein Gefühl der Sorge in Bezug auf Digitalisierung und Veränderung. Diesem möchte man begegnen, da sind sich AG City e.V. und der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf einig. Ein Vorschlag ist ein Stiftungsmodell, das Menschen unterstützen soll, die Mehrfamilienhäuser in der City West besitzen, aber aufgrund ihres Alters nicht mehr ohne weiteres in der Lage sind, die Häuser zu verwalten. Viele Besitzer der Altbauten wünschen sich, die günstigen Mieten zu erhalten. Hier setzt das Modell an. Damit verbunden sind eine Mieterselbstverwaltung und die Bildung einer Genossenschaft.

 

Über die AG City e.V.: Bereits seit 1976 knüpft die AG City e.V. Netzwerke zwischen Geschäftsleuten und Kulturmanagern, Kammern und Behörden sowie zu anderen Straßen- sowie Interessengemeinschaften und engagiert sich in der City West. Aktuell begleiten sie das Workshopverfahren „Wachsende Stadt City West“. Deren bisherige Ergebnisse sich in diesem Bericht niederschlagen. (aw)

Weichenstellung für die Wohnungspolitik?

Im Gespräch mit Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Die Wohnungsnot in Deutschlands A-Städten wird zu einem sozialen Problem. Was unternimmt der Bund? Sind Wohngipfel, Mietpreisbremse und Co. sinnvolle Maßnahmen oder wirkungslos?

Herr Adler, im September fand der Wohngipfel statt. Welche Maßnahmen, die damals beschlossen wurden, wurden seitdem umgesetzt?

Der Wohngipfel im Kanzleramt im September 2018 war die entscheidende Weichenstellung für die Wohnungspolitik in dieser Legislaturperiode. Ein so breites Set an Maßnahmen – Punkt für Punkt zwischen Bund, Ländern und Kommunen vereinbart – ist in dieser Form in der Wohnungspolitik einmalig.

Wir arbeiten auf allen Ebenen intensiv an der Umsetzung der Maßnahmen. Die Mittel für den sozialen Wohnungsbau haben wir für 2019 auf 1,5 Milliarden Euro verstetigt und die verbilligte Abgabe von BImA-Liegenschaften für Zwecke des sozialen Wohnungsbaus spürbar erleichtert. Das Baukindergeld ist bereits im September 2018 gestartet. Rund 60.000 Anträge bis Ende 2018 dokumentieren die hohe Nachfrage. Die Städtebauförderung wird auf hohem Niveau fortgeführt und mit Blick auf die Revitalisierung von Stadt- und Ortskernen akzentuiert werden. Zur Entlastung der Mieter wurde die Mietpreisbremse wirksamer gestaltet und die Umlegbarkeit von Modernisierungskosten wurde begrenzt.

Auch 2019 wird ein Jahr der Umsetzung. Wir werden beispielsweise das Mietrecht weiterentwickeln und die Rechtssicherheit von Mietspiegeln erhöhen. Die Expertenkommission „Nachhaltige Baulandmobilisierung und Bodenpolitik“ wird im Sommer 2019 ihre Ergebnisse vorlegen. Zur Stärkung des Wohngeldes haben wir einen Gesetzentwurf erarbeitet. Die Leistungsverbesserung wird zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Aber auch viele weitere Maßnahmen wie die Grundgesetzänderung zur Schaffung einer Finanzierungskompetenz des Bundes für den sozialen Wohnungsbau oder die Förderung des freifinanzierten Mietwohnungsbaus durch eine steuerliche Sonderabschreibung haben in 2019 eine hohe Priorität.

Wohngipfel 2018

Beim Wohngipfel 2018 wurden entscheidene Maßnahmen für den Wohnungsbau getroffen. | Foto: BMI

Der soziale Wohnungsbau wird stiefmütterlich von der Baubranche behandelt. Mit welchen Anreizen könnten Investoren dazu bewegt werden, hier mehr zu tun?

Ich sehe das nicht so negativ. Immerhin hat der soziale Wohnungsbau in den letzten Jahren deutlich zugelegt. Allein im Jahr 2017 wurden mit rund 26.200 Wohnungen mehr als doppelt so viele neugebaute Sozialwohnungen gefördert als noch im Jahr 2014. Natürlich wünsche ich mir hier noch deutlich höhere Zahlen; gerade wenn man bedenkt, dass der Bund die für die Wohnraumförderung zuständigen Länder allein im Zeitraum 2017 bis 2019 mit jeweils 1,5 Milliarden Euro jährlich unterstützt.

Notwendig ist in diesem Zusammenhang auch ein größeres finanzielles Engagement vieler Länder. Allerdings sind die zinsverbilligten Förderdarlehen für den sozialen Wohnungsbau angesichts der anhaltend niedrigen Kapitalmarktzinsen nicht mehr so attraktiv für Investoren, wie es früher der Fall war. Deshalb haben viele Länder in ihren Förderprogrammen Zuschüsse eingeführt, die für Investoren eine deutlich attraktivere, aber damit auch kostenintensivere Förderung darstellen. Um die Beteiligung des Bundes am sozialen Wohnungsbau dauerhaft zu ermöglichen, hat der Bundestag eine Grundgesetzänderung beschlossen, die sich derzeit im Vermittlungsausschuss befindet.

Ist die Mietpreisbremse gescheitert?

Die Mietpreisbremse soll den Mietanstieg in Gebieten mit angespannten Wohnungsmärkten begrenzen. Die vom DIW Berlin vorgelegte Evaluierung zeigt nun, dass die Mietpreisbremse dieses Ziel teilweise erreicht hat, auch wenn die Dämpfung des Mietpreisanstiegs nur relativ moderat ausgefallen ist. Gleichzeitig scheinen befürchtete Nebenwirkungen auf die Investitionstätigkeit bisher ausgeblieben zu sein. In diesem Sinne ist die Mietpreisbremse nicht gescheitert. Leider sagt die vorgelegte Untersuchung wenig darüber aus, welche Haushalte von der Mietpreisbremse profitieren. Auch etwaige längerfristige Wirkungen konnten naturgemäß nicht untersucht werden.

Serielles und modulares Bauen ist eine vergleichsweise schnelle Art, Wohnraum zu schaffen. Gleichzeitig erinnern sie aber auch an Plattenbausiedlungen und die damit verbundenen Vorurteile. Wie lassen sich diese entkräften?

Das wird eine Frage der Zeit sein, wenn man sich die aktuellen Konzepte dazu anschaut. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) hat zum Beispiel mit neun Anbietern serieller und modularer Bauweisen einen Rahmenvertrag für Geschosswohnungsbau abgeschlossen. Bei der Auswahl der Anbieter flossen die Kriterien „Qualität und Innovation“ mit 50 Prozent in die Entscheidung ein, was baukulturell und städtebaulich zu Beim Wohngipfel 2018 wurden entscheidende Maßnahmen für die Wohnungspolitik getroffen hochwertigen Lösungen geführt hat.

Bundesweit werden nun nach und nach immer mehr serielle Gebäude zu finden sein und vor Ort mit ihren Vorteilen punkten. Das „seriell“ wird man ihnen nicht ansehen, die Vorteile werden hingegen deutlich erkennbar sein! Je mehr Beispiele dieser Bauweisen wir in der Praxis finden werden, desto mehr wird die Assoziation von Plattenbausiedlung verblassen.

Bezahlbarer Wohnraum ist dringend notwendig. Nicht wenige Bürger sagen jedoch: Wohnraum ja, aber nicht vor meiner Haustür. Die Akzeptanz der Nachverdichtung in Städten ist vielerorts gering, stattdessen gibt es immer häufiger Anwohnerproteste und Bürgerbewegungen, um Bauvorhaben zu verhindern. Räumt man solchen Bürgerbeteiligungen zu viel Macht ein?

Nein, Bürgerbeteiligung ist ja kein Selbstzweck und kann bei Konflikten gezielt zu Lösungen beitragen. Oftmals ist der Protest von direkten Nachbarn nachvollziehbar, da ganz konkrete Auswirkungen auf die Wohnqualität, zum Beispiel durch soziale Veränderungen, Verlust an Grün- und Freizeitflächen, Verschattung oder durch den Wegfall von Parkplätzen befürchtet werden. Die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger ist aber eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Realisierung von Wohnungsbauvorhaben. Transparente Prozesse und ein gutes, vertrauensvolles Miteinander aller Akteure können zur Qualifizierung bei Wohnungsneubau beitragen. Im Rahmen der Wohnraumoffensive werben wir gemeinsam in verschiedenen Formaten für mehr Akzeptanz von Neubauvorhaben und ein besseres Neubauklima. (cr)

Berliner Senat spricht sich für eine rechtssichere Einführung eines Mietendeckels aus

Bereits seit einigen Wochen wird die Einführung eines Mietendeckels für Berlin öffentlich diskutiert. Nachdem nun die Berliner SPD ein juristisches Gutachten vorlegt hat, dass das Land Berlin die Mieten in der Hauptstadt deckeln könnte, hat der Berliner Senat in seiner gestrigen Senatssitzung die Zulässigkeit der Einführung eines landesrechtlichen Mietendeckels eingehend erörtert.

Mietendeckel: ja oder nein?

Trotz Gutachten scheiden sich beim Thema Mietendeckel die Geister bzw. die juristischen Auffassungen. Befürworter nehmen eine Kompetenz des Landes Berlin für den Erlass einer solchen Regelung an. Gegner hingegen sehen eine Sperrwirkung des im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelten Mietpreisrechts aus und verneinen damit eine Gesetzgebungskompetenz der Länder. Diese verschiedenen Auffassungen hat der Berliner Senat heute in seiner Sitzung auf Vorlage der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher intensiv besprochen. Schließlich haben sich die Anwesenden für eine rechtssichere Einführung eines Mietendeckels ausgesprochen.

Senatorin Lompscher zu de Debatte: „Wir müssen den exorbitanten Mietsteigerungen der letzten Jahre wirksam begegnen. Der Mietendeckel kann hierbei ein wichtiges zusätzliches Instrument sein. Wegen seiner großen Auswirkungen auf alle Berliner Haushalte müssen die verfassungsrechtliche Zulässigkeit seiner Einführung sorgfältig geprüft und auch die Umsetzung sowie mögliche Folgen genau analysiert werden. Hierzu hat der Senat verabredet, dass alle Fragen ressortübergreifend geklärt werden und Eckpunkte eines Gesetzentwurfs sowie ein Zeitplan bis zum Inkrafttreten eines Gesetzes durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen bis zur Sommerpause noch vorgelegt werden.“

ZIA warnt vor einem Irrglauben

Der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, kritisiert die erneute Forderung der Berliner SPD-Fraktion eines Mietendeckels für die Hauptstadt: „Dass sich die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt durch einen Mietendeckel entspannt, ist ein Irrglaube und zudem verfassungsrechtlich stark zweifelhaft“, so Niclas Karoff, Sprecher der ZIA-Region Ost. „Dies hat nicht zuletzt Professor Thomas Dünchheim in einem Gutachten festgestellt. Die einzig nachhaltige Lösung für bezahlbares Wohnen in der Hauptstadt ist der Neubau von Wohnungen – alles andere ist Augenwischerei.“

Mietendeckel, schneller Neubau oder beides? Noch wird die Diskussion um das Thema Wohnungsnot hitzig geführt. Wir dürfen auf ein Ergebnis gespannt bleiben. (aw)

MIPIM 2019: Städte im internationalen Wettbewerb um Investoren

Entwickler, Investoren, Takt- und Geldgeber gaben sich ein Stelldichein auf der 30. MIPIM in Cannes, der größten Immobilienmesse Europas. Schon das Motto „Enganging the Future“ machte dabei klar, dass sich die Immobilienbranche mitnichten selbstbespiegeln wird, sondern der Blick auf kommende Aufgaben, Lösungen und Möglichkeiten gerichtet hat. Für Trend-Scouting, Wissenstransfer und Networking par excellence kamen aus über 100 Ländern mehr als 26.800 Entscheider aus allen Bereichen der Immobilienbranche, 5.400 Investoren und 560 Vertreter der Politik an die Côte d’Azur. Und die MIPIM wurde ihrem Ruf als wichtigstes Trendbarometer der Branche mal wieder gerecht.

UN-Generalsekretär zu Besuch in Cannes

Schon die eröffnende Keynote stach aus den zahlreichen Highlight-Veranstaltungen besonders hervor und konnte mit einem großen Namen auftrumpfen: Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon sprach über Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, wie auch wirtschaftliche Umbrüche und deren Folgen.

Trotz dieser Herausforderungen zog Ban Ki-moon ein optimistisches Fazit: „Solange wir verantwortungsbewusst und nachhaltig voranschreiten und gleichzeitig dynamische und innovative Partnerschaften aufbauen, gibt es keine Grenzen, in dem was wir erreichen können. Unsere weltweiten Herausforderungen erfordern eine belastbare globale Solidarität.“

Digitale Innovation, PropTech und Nachhaltigkeit waren die Hauptthemen

Mipim-Direktor Ronan Vespart benannte digitale Innovation, PropTech und Nachhaltigkeit als wichtige Themen und insbesondere die ökologische Nachhaltigkeit war ein Schlüsselthema. Denn hohe Energiepreise, Klimawandel und neue staatliche Vorschriften verändern die traditionellen Industrieplattformen und -praktiken aktiv. Darüber hinaus geht es um disruptive Technologien wie virtuelle Realität, künstliche Intelligenz und Big Data und um die Frage, wie das Immobilienmanagement und die Rentabilität im digitalen Zeitalter optimierbar ist. Sind andere Branchen wie etwa die Automobilindustrie, an der Stelle schon deutlich weiter, hinkt die Baubranche immer noch hinterher. Dabei ist unbestritten, dass Digitalisierungsprozesse notwendig sind, um die Bauindustrie fit für die bevorstehenden Aufgaben zu machen. Dabei ist fast jeder Bereich der gesamten Wertschöpfungskette von der Digitalisierung betroffen – angefangen von der Gebäudetechnik, über Facility Management und den Maklerbereich bis hin zu milliardenschweren Investmenttransaktionen. Für Susanne Tattersall, Geschäftsführerin von Tattersall-Lorenz, einem bundesweit aktiven Unternehmen für Property Management, steht fest, dass sich „auch das Property Management verstärkt den Anforderungen der Digitalisierung stellen muss, denn die Kenntnisse innerhalb der Immobilienunternehmen in verschiedenen digitalen Themenfeldern weichen noch deutlich voneinander ab“. Die Marktakteure müssen diese Themenfelder und die ihr zugrundeliegenden Anwendungen in ihre Unternehmen integrieren und Prozesse entsprechend modifizieren. Digitale Alleinstellungsmerkmale zu gewinnen, das ist eine der wichtigsten Bedingungen für die Zukunftssicherheit des eigenen Unternehmens. Manche Teilbranchen dürften sich in den kommenden Jahren von Grund auf verändern.

Städtisches Wohnen verändert sich

Berlins Bevölkerung ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Die deutsche Hauptstadt ist damit nicht allein. Es ist ein weltweiter gesellschaftlicher Trend, dass es immer mehr Menschen in die wirtschaftlich blühenden Städte zieht und dort entsprechend Wohnraum benötigt wird. Insbesondere in den Metropolen ist daher eine halbwegs bezahlbare Wohnung für die Meisten jedoch Mangelware. Laut einer Studie der Berliner Humboldt-Universität fehlten 2018 in Berlin 310.000 bezahlbare Wohnungen. Es gilt, zum einen dieser Wohnungsknappheit mit Neubau zu begegnen, zum anderen sind die Renditen etwas höher als bei Gewerbeimmobilien, die aufgrund der hohen Preise immer mehr unter Druck geraten. Die Preissteigerungen sind letztlich auch eine direkte Folge der drastisch erhöhten Nachfrage. Im hochpreisigen Segment spielt dabei nach wie vor der Austritt von Großbritannien aus der EU eine Rolle – auch wenn die Brexit-Deadline aktuell mal wieder wackelt. Der Ruf des deutschen Immobilienmarktes als „sicherer Hafen“ in Europa ist jedenfalls nach wie vor intakt. Folglich werden institutionelle Investoren weiter in Märkte wie Frankfurt oder Berlin investieren und dort positive Impulse setzen. Hinzu kommt: Ungeachtet der zuletzt steigenden Spitzenmieten für Gewerbeimmobilien an den Top-7-Standorten liegen diese im internationalen Vergleich noch im Mittelfeld.

Es geht um Innovationen in der Hauptstadt: Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Gespräch mit Dr. Philipp Bouteiller (l.), CEO Tegel Projekt, und Stefan Kögl (r.), Head of Building Solutions Siemens Real Estate | Foto: BERLINboxx

Es geht um Innovationen in der Hauptstadt: Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Gespräch mit Dr. Philipp Bouteiller (l.), CEO Tegel Projekt, und Stefan Kögl (r.), Head of Building Solutions Siemens Real Estate | Foto: BERLINboxx

Schlüssel ist Entwicklung der Infrastruktur

Berlin glänzt aktuell mit großen Entwicklungsprojekten wie dem Siemens Campus in Spandau oder der Urbanen Mitte am Gleisdreieck. Bis 2030 soll das Siemens-Gelände, auf dem aktuell einige Gebäude leer stehen, wieder belebt werden.Siemens plant, insgesamt 600 Millionen Euro in den Innovationscampus in der Siemensstadt zu investieren.  Auf der Brache des Parks am Gleisdreieck soll in den nächsten Jahren die „Urbane Mitte Am Gleisdreieck“ durch den Entwickler COPRO  Gruppe entstehen. Workspaces, Kultur, Events und Geschäftsgebäude: Angestrebt wird „eines der größten stadtbildverändernden Bauprojekte Deutschlands“. Laut Geschäftsführer Nadir Guediri ist das Ziel „einen lebendigen Ort in Berlins Mitte zu schaffen.“ Beide Projekte haben eines gemeinsam, denn ihre Realisierung ist untrennbar verknüpft mit der Entwicklung der Infrastruktur an den jeweiligen Standorten. Es zeigt sich, dass solche Großprojekte nur ganzheitlich gedacht werden und Verkehrs- und Infrastrukturplanung einen immer größeren Stellenwert hat.

Gefragter Messestand: Berlin und die Hauptstadtregion

Die Hauptstadt präsentierte sich auf der MIPIM im Bereich des deutschen Pavillons am „Gemeinschaftsstand Berlin“ gemeinsam mit 24 Partnern und Sponsoren. Sie gehörte schon in den vergangen Jahren zu den gefragtesten Ausstellungsflächen. Die Schirmherrschaft obliegt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, das Programm erstreckt sich von aktuellen Themen wie dem Hochhausleitbild und Innovationsstandorten bis hin zu klassischen Schwerpunkten, unter anderem der Wohnungsmarktbericht der IBB, private Investitionen für ein bezahlbares Berlin sowie das brandenburgische Umland. Dabei steckte der Messeauftritt einen gemeinsamen Rahmen für notwendige Impulse für den Austausch zwischen Berliner Politik und Wirtschaft ab. Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Wohnstaatssekretär Sebastian Scheel zeigten die Potentiale der Hauptstadtregion auf. Die brandenburgische Landeshauptstadt wurde kompetent vertreten durch Baudezernent Bernd Rubelt.

Global thinking: Siegfried Nehls (l.) im Gespräch mit Pierfrancesco Maran, Deputy Mayor for Urban Planning, City of Milan. | Foto: BERLINboxx

Unternehmer denken zunehmend global

Für Unternehmer wie Siegfried Nehls, Vorstand und Gründer des Berliner Entwicklers SANUS AG, war die MIPIM das perfekte Umfeld, um die Stimmung der Branche aufzunehmen und die Fühler ins Ausland auszustrecken. „Die SANUS AG ist ein Berliner Gewächs und die Hauptstadt sowie Potsdam werden auch immer ein fester Bestandteil unserer Unternehmens-DNA sein. In jüngster Vergangenheit haben wir aber auch zwei Projekte in Mailand und Budapest auf die Beine gestellt und waren begeistert, wie offen in diesen Städten Projektentwickler begrüßt werden. Wir werden unseren Blick auch in Zukunft verstärkt in das europäische Ausland richten und dort potenzielle Standorte identifizieren.“

Topevent Consus AG

Was wäre die MIPIM ohne ihre Events? Zu den Highlights gehörte in diesem Jahr die Veranstaltung der börsennotierten Consus AG, die mit ihren Töchtern CG Gruppe und SSN Group zweifellos zu den größten Playern Deutschlands gehört. Thema des Events war – passend zum Leitmotiv der Messe –  „Shaping the Present — Building the Future“. Professor Paul Verdin, Chair of Strategy and Organization an der Solvay Brussels School of Economics & Management und Senior Fellow an der John F. Kennedy School of Government an der Harvard University hielt die Keynote und sprach über die Möglichkeiten von Wertschöpfung in der heutigen Zeit. Sicher nicht ganz unbeschlagen sind in diesem Zusammenhang Christoph Gröner, Vorstand der CG Gruppe und Michael Tockweiler, Geschäftsführer der SSN Group. Beide Unternehmen entwickeln zahlreiche Projekte in Deutschlands Städten.

Zwei deutsche Mipim-Award Sieger

Bei den diesjährigen Mipim-Awards konnten sich zwei deutsche Projekte in die Siegerliste eintragen – drei deutsche Bewerber gingen leer aus. Bei den Wohnimmobilien setzte sich das Projekt Woodie in Hamburg durch, das 2018 bereits den immobilienmanager-Award gewonnen hatte. Der zweite deutsche Sieger kam aus Frankfurt. Die Dom Römer GmbH wurde für ihre Stadterneuerung der Frankfurter Altstadt ausgezeichnet. Ohne Award in der Tasche auf Heimreise ging es für die Macher des Shoppingcenters Bikini Berlin, des Merck Innovation Centers in Darmstadt und der Messehalle Nr. 12 in Frankfurt.

Fazit: Alles ist gut?

Die Trendkurve zeigt jedenfalls – so das allgemeine Messefazit – weiter nach oben und die Immobilienbranche ist weiterhin gut gelaunt – vor allem nach dem kürzlichen Entscheid der Europäischen Zentralbank, den Leitzins nicht zu verändern. Das Zinsniveau dürfte damit dauerhaft sein, die Ankaufsrenditen scheinen sich auf einem niedrigen Niveau einzupendeln. Weitere gravierende Veränderungen nach oben oder unten zeichnen sich nicht ab.

Substanzielle Mietveränderungen in die eine oder andere Richtung sind in den klassischen Assetklassen nicht zu erwarten – auch aufgrund der sich etwas eintrübenden globalen wirtschaftlichen Situation. Das Preisniveau bleibt damit hoch und pendelt sich als „New Normal“ mit geringer Volatilität und damit verbesserter Planungssicherheit ein.

Die MIPIM selbst hat es wieder ermöglicht, die Stimmung in der Branche unter einer Vielzahl von Branchenvertretern zu spiegeln, neue Kontakte zu ermöglichen und bestehende aufzufrischen. Und eines steht jetzt schon fest: 2020 wird die bedeutendste Immobilienmesse Europas wieder für einige Tage zum Hotspot und wird die gesamte Branche an die Côte d’Azur locken. (ak)

Regierungsterminal am BER nicht repräsentativ genug

Am Rand des neuen Flughafens ist der erste Terminal komplett fertig. Doch der aktuelle Regierungsterminal am BER wird nur eine Übergangslösung bleiben. Denn der Bund möchte eine größere Empfangshalle für Staatsgäste.

Regierungsterminal am BER soll Übergangslösung bleiben

Wann der neue Hauptstadtflughafen fertig sein wird, ist noch immer ungewiss. Doch immerhin ein Terminal steht bereits einsatzbereit seit letztem Herbst. Der 70-Millionen-Neubau für Regierungsmitglieder und Staatsgäste ist als Zwischenlösung gedacht, bis 2025 das endgültige Regierungsterminal fertig ist. Neben vollausgestatteten Büros verfügt das Terminal  über Dolmetscherkabinen und einen Pressekonferenzraum. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke haben sich nun erneut in einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz dafür ausgesprochen, diese Überganglösung dauerhaft zu nutzen. Noch ist der Brief unbeantwortet.

Dauerhafte Lösung nicht möglich

Trotz Kosten in Millionenhöhe – aktuell sind 344 Millionen Euro veranschlagt – möchte der Bund einen neuen Regierungsterminal am BER bauen. „Um den international üblichen protokollarischen Anforderungen gerecht zu werden, ist für das Empfangsgebäude als Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland eine angemessene repräsentative Gestaltung vorgesehen“, heißt es in einer Stellungnahme der Bundesregierung.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) kritisiert die Pläne für den neuen Terminal deutlich. „Wenn es um Repräsentation geht, dann sollte man das bereits bestehende Terminal nutzen und gegebenenfalls qualitativ aufwerten. Als Finanzminister kann ich die Forderung des Bundes, noch einmal 344 Millionen Euro für einen Neubau in die Hand zu nehmen, nur mit einem Kopfschütteln quittieren. Auch der Bundesregierung sollte klar sein, dass am BER nur noch eine Devise gelten kann: Sparsamkeit!“, kommentiert Görke die Aussage der Bundesregierung.

Regierungsterminal am BER Dauerstreitthema zwischen Bund und Ländern

Bereits seit Jahren wird der Streit um den Regierungsflughafen am BER zwischen den Flughafengesellschaftern, den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund geführt. Eine Lösung scheint immer noch nicht in Sicht. Doch immerhin für die Weiternutzung des 70-Millionen-Neubaus gibt es bereits eine Lösung. Zieht die Bundesregierung 2025 in den neuen Regierungsterminal, soll der Vorgängerbau von Geschäftsfliegern mit ihren kleineren Maschinen genutzt werden. (aw)

Neuer Stadtentwicklungsplan Zentren: Gute Grundlage für städtische Quartiere in Zeiten des Online-Shoppings

Mit dem aktuellen StEP Zentren hat der Senat heute die planerische Richtschnur für die Ansiedlung und Konzentration des Berliner Einzelhandelsangebots beschlossen. Aus Sicht der Wirtschaft ist die Aktualisierung des Stadtentwicklungsplan Zentren ein wichtiger Schritt, um auf maßgebliche Strukturveränderungen wie Onlinehandel, steigende Einwohnerzahlen, immer wertvoller und knapper werdende Flächen sowie neue Mobilitätsformen zu reagieren.

Jörg Nolte, Geschäftsführer der IHK Berlin: „Mit dem Stadtentwicklungsplan stellt der Senat wichtige Weichen für die nachhaltige Attraktivität Berlins. Er schafft Orientierung für Politik und Wirtschaft. Gerade die Unternehmen aus Handel und Dienstleistung brauchen gute Rahmenbedingungen, damit sie den aktuellen Herausforderungen begegnen können. Jetzt kommt es darauf an, Themen wie attraktiver öffentlicher Straßenraum oder notwendige  Micro-Hubs auch zu realisieren. Der beste gesamtstädtische Plan nützt nichts, wenn nicht auf Bezirks-Ebene diese Ziele auch finanziert und vor Ort umgesetzt werden.“

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg e.V.: „Gerade vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen ist es für den stationären Einzelhandel immer wichtiger, sich in einem attraktiven Umfeld von Dienstleitstern, Freizeitangeboten und Gastronomie zu präsentieren. Denn auch wenn Einzelhandel sich auf Multichannel einstellt, braucht er attraktive Orte. Dazu dient der StEP Zentren, dessen Entwicklung wir gemeinsam mit der IHK Berlin eng begleitet haben.“

Der Beschluss des StEP Zentren bildet den Auftakt zu einer Reihe von insgesamt vier Stadtentwicklungsplänen, die aufeinander abgestimmt maßgeblich für die weitere Ausgestaltung Berlins sind. Parallel erarbeitet werden zudem die Pläne für Verkehr, Wirtschaft und Wohnen.
„Wir begrüßen, dass die für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins maßgeblichen Planwerke miteinander korrespondieren. Nur so können sie eine Hilfestellung bei der Bewältigung der bestehenden Flächenkonkurrenzen in der wachsenden Stadt sein“, so Jörg Nolte weiter. (red)

Potsdamer Immobilienmarkt im Daueraufschwung: Nachhaltige Stadtentwicklung und konstruktives politisches Klima

Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt ließ keinen Zweifel an einer weiteren nachhaltigen Entwicklung der brandenburgischen Landeshauptstadt:„Ich sehe im Wohnungsmarkt ein beschleunigtes Wachstum bei einer ungebrochenen Nachfrage.“ Und auch bei Gewerbeflächen ist die Nachfrage größer als das Angebot. Von einer Blasenbildung, nach der Moderator Christian Hunziker fragte, also keine Spur. Das bestätigten auch die Immobilienexperten Jan Kretzschmar, Geschäftsführer KW-Development, Dr. Guido Sandler, Vorstand Bergfürst AG, Till Schwerdtfeger, Vorstand AOC Immobilien und Siegfried Nehls, Vorstand und Gründer SANUS AG, im Podium des 2. Potsdamer Immobiliengesprächs.

Wachstumsprognose für Potsdam zu konservativ

Siegfried Nehls,  der in Potsdam mit der Villa Tummeley und dem alten Potsdamer Landtag am Brauhausberg zwei prominente Projekte entwickelt, attestiert der Potsdamer Politik und Verwaltung ein konstruktives Umgehen mit Investoren und den Willen, dem überproportionalen Bevölkerungswachstum aktiv zu begegnen: „Potsdam packt die Aufgaben an und bietet ein gutes Klima für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Ich halte allerdings die Wachstumsprognose der Politik von 230.000 Einwohnern im Jahr 2030 für zu konservativ. Potsdam ist attraktiv und hat großes Potential. Es werden 2030 deutlich mehr Menschen in Potsdam leben als geschätzt“.

Immobilienexperten aus Potsdam und Berlin: v.l.n.r. Siegfried Nehls, Bernd Rubelt, Jan Holstein | Foto: BERLINboxx

Immobilienexperten aus Potsdam und Berlin: v.l.n.r. Siegfried Nehls, Bernd Rubelt, Jan Holstein | Foto: BERLINboxx

Das Wachstum muss allerdings auch gemanagt werden, so Bernd Rubelt: „Die Infrastruktur muss schneller wachsen, Kapazitäten in der Verwaltung aufgebaut werden und es muss aktiv eine Infrastruktur und Bodenpolitik betrieben werden, um das Wachstum auch für alle Bevölkerungsgruppen gerecht zu managen“. Auf Verwaltungsseite bestehe ein starker Handlungsdruck. Soziale-, Bildungseinrichtungen, Mobilitätsinfrastruktur und bezahlbare Wohnungen müssen ebenso geplant werden, um sozialen Frieden und Vielfalt zu gewährleisten. Rubelt: „Wir brauchen verschiedene Angebote. Das Problem liegt zur Zeit in der Mitte. Daher will die Stadt Potsdam Qualität fördern, konkret heißt das preisliche, soziale und stadträumliche Qualität“.

Viel Potenzial in der brandenburgischen Landeshauptstadt

An Entwicklungsgebieten mangelt es in der Landeshauptstadt nicht: Bornstedter Feld, Krampnitz, Fahrland-West, Brauhausberg oder Pirschheide, die Pipeline für neue Stadtquartiere ist gut gefüllt. „Diese Potentiale lassen sich nur mit privaten Entwicklern heben. Das macht aber auch die Attraktivität Potsdams aus. Große und komplexe Projekte und eine Politik und Verwaltung, die sich partnerschaftlich und konstruktiv gegenüber Investoren verhält“, stellt Siegfried Nehls fest. Und damit ist Potsdam fast ein Gegenbild zu Berlin, wo man den Eindruck hat, dass Investoren nicht gewollt sind. „Es ist schon ein Vertrauensverlust, wenn über Enteignung gesprochen wird“, so Siegfried Nehls zu der Debatte in der Bundeshauptstadt. „Mit Enteignung wird keine einzige neue Wohnung geschaffen“, ergänzt Bernd Rubelt.

Zusammenfassend hat die Diskussion auf dem 2. Potsdamer Immobiliengespräch folgendes Fazit ergeben: Potsdam hat eine Magnetwirkung auf Investoren, während Berlin an Anziehungskraft verliert. (red)

Randbebauung des Tempelhofer Feldes noch nicht vom Tisch

Das Berlin mittlerweile aus allen Nähten platzt und Wohnungen eher Mangelware sind ist allgemeinhin bekannt. Auch die Ideen, mit denen dem Problem begegnet werden soll, sind nicht wirklich neu. So auch der Vorschlag das Tempelhofer Feld, zumindest zum Teil, als Bauland zu nutzen. Iris Spranger, wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion brachte nun neuen Wirbel in die Diskussion, indem sie gegenüber dem Tagesspiegel erklärte, dass eher eine Randbebauung des Tempelhofer Felder in Frage komme, als der Abriss von Kleingartenkolonien. Denn diese seien absolut schützenswert. Ab 2021 wird die Randbebauung wieder in den Fokus rücken, hieß es von der wohnungspolitischen Sprecherin.

Randbebauung des Tempelhofer Feldes: keine neue Idee

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller angekündigt, dass die Idee der Randbebauung des Tempelhofer Feldes auch nach dem eindeutigen Volksentscheid von 2014 noch nicht gestorben sei. Ähnlich wie Spranger sprach er aber schon damals davon, dass dieses Thema wohl erst im nächsten Wahlkampf oder der nächsten Legislatur eine Rolle spielen wird.

Befürwortung aus der Wirtschaft

Eine wachsende Stadt brauche bezahlbaren Neubau. Grundlage dafür sei bezahlbares Bauland, welche in Berlin absolute Mangelware sein, hieß es von Maren Kern, Chefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Vor diesem Hintergrund sei es gut für die Berliner Mieter, dass die Diskussion um die Randbebauung wieder in Gang käme, erklärte Kern. Auch Jan Eder, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer fordert eine schnelle Bebauung des Gebietes. Doch formulierte er seine Forderung sehr viel deutlicher und hielt einen Aufschub bis 2021 nicht für ratsam „Der Bedarf an neuen Wohnungen und Gewerbeflächen ist schließlich akut. Den Luxus, nicht einmal darüber nachzudenken, wie sich eine Fläche von der Größe Monacos für den dringend benötigten Wohnungsbau nutzen lässt, können wir uns schlichtweg nicht leisten.“, sagte er dem Tagesspiegel.

CDU für ein zweites Votum

Während sich die Linke die Idee völlig ablehnt, können es sich SPD und Grüne eine Randbebauung zumindest vorstellen. Christian Gräff, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der CDU hält es für ratsam, zunächst die Berliner erneut zu dem Thema zu befragen, bevor eine Entscheidung getroffen wird. (aw)

City West: Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann fordert Bekenntnis zum Wohnungsbau

Wirft man einen Blick auf die durchschnittlichen Mietpreise in den Berliner Bezirken, gehört Charlottenburg-Wilmersdorf zu den Spitzenreitern. Durchschnittlich 12,50 Euro Nettokaltmiete pro Monat sind 2018 bei Neuvermietungen in besseren Wohnlagen der City West fällig geworden, hat der Immobilienverband Deutschland (IVD) ermittelt. In einfachen und mittleren Wohnlagen waren es immerhin noch 10,50 Euro pro Quadratmeter. Die rasant steigenden Mieten und die Wohnungsknappheit lösen bei vielen Menschen in der City West Sorgen und Zukunftsängste aus. Einigkeit besteht über die Frage, dass dringend Wohnungen gebaut werden müssen, um dem rasanten Zuzug in die Hauptstadt Herr zu werden und zumindest die dringendste Wohnungsnot zu lindern. Es gibt kaum ein Thema, über das in der Stadt so heftig diskutiert wird. Gibt es noch Grundstücke, auf denen Wohnungen realisiert werden können? Sollen weitere Hochhäuser errichtet werden, und wenn ja, wo? Müssen die Alteingesessenen angesichts steigender Mieten aus ihrem Kiez wegziehen? Können trotz des Baubooms Grünflächen und Freiräume erhalten bleiben?

Die City West | Foto: de.wikipedia.org/ Urheber Sebastian Rittau. Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:20151115_Berlin_bei_Nacht_15.jpg

Die City West | Foto: de.wikipedia.org/ Urheber Sebastian Rittau. Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:20151115_Berlin_bei_Nacht_15.jpg

Entwicklerfeindliche Atmosphäre in Berlin

Projektentwickler beklagen eine feindselige Atmosphäre in der Stadt und werfen der Politik vor, nichts dagegen zu unternehmen. Aber auch die Stimmung in der Bevölkerung ist häufig nicht von Sympathien für private Entwickler geprägt. Kaum ein Projekt, bei dem sich nicht Bürgerinitiativen gebildet haben, bevor der Entwickler „Bauantrag“ sagen kann. Als Allheilmittel werden oft die landeseigenen Wohnungsbauunternehmen gesehen. Allerdings kommen diese dem Bedarf nicht im Geringsten hinterher. Von ihren derzeit 24.000 berlinweit geplanten Wohnungen sollen gerade einmal 500 im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf entstehen. Die Rettung kann nur von privaten Bauherren kommen.

Bezirksbürgermeister Naumann appelliert an die Menschen

Ein gutes Beispiel für die kontroverse und oftmals von Partikularinteressen geleitete Debatte ist die Schmargendorfer Cornelsenwiese. Viele Anwohner sind gegen eine Bebauung mit Wohnhäusern, auch weil im Umfeld in den vergangenen Jahren Kleingärten für Wohnbauten beseitigt wurden. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann bezeichnete die Wiese hingegen als „großes Hundeklo“ und erklärt: „Ich finde es pervers, ein Hundeklo zum ökologischen Biotop zu erklären und damit dringend benötigten Wohnungsbau zu verhindern.“ Im Rahmen einer Veranstaltung appellierte Naumann am Dienstagabend an diejenigen, die eine Wohnung haben, die Menschen, die eine Wohnung suchen, nicht zu vergessen. Es wird sich noch zeigen, ob dieser Appell auch gehört wird.

Paradebeispiel Uhland House

Denn ebenfalls vergessen werden offensichtlich ganz aktuell Menschen, die in die Stadt kommen und dringend eine Wohnung suchen, an einem anderen Standort mitten in Wilmersdorf. Am unteren Ende der Uhlandstraße befindet sich ein Relikt aus alten Tagen. Eine hässliche Flachbau-Fressmeile, die lediglich über eine Tiefe von circa drei Metern verfügt. Dahinter ragt eine riesige Brandwand empor. Um die Ecke in der Fechnerstraße 7 schließt sich an das Ensemble ein Gebäude aus den sechziger Jahren an, in dem sich Ein- bis Zweizimmerwohnungen befinden. Gutachterliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Gebäude mit Asbest belastet ist und von modernen energetischen Vorgaben weit entfernt ist. Das gesamte Areal wirkt aus der Zeit gefallen, ein städtebaulicher Alptraum. Das mittelständische Unternehmen Krieger + Schramm plant nun den Abriss der Gebäude und die Schaffung von 124 Wohnungen.

Bausünde aus den 60ern: Die Ecke Uhlandstraße/Berliner Straße | Foto: Patzschke + Schwebel Architekten

Schaffung von Wohnraum wird pauschal abgelehnt

Man könnte meinen, dass der Bezirk und die Menschen ein Vorhaben wie das Uhland House begrüßen würden. Denn schließlich würde nicht nur Stadtreparatur an einem zentralen Standort betrieben werden, es würden auch dringend benötigte Mietwohnungen zu bezahlbaren Preisen entstehen. Andernorts würde man vielleicht einem solchen Vorhaben mit aufgeschlossenem Interesse begegnen, doch nicht so in Berlin. Diskutiert wird über die angebliche Entmietung im Bestandsgebäude der Fechnerstraße, auch wenn sich der Vorhabenträger von Beginn an für eine soziale und für alle Seiten zufriedenstellende Lösung eingesetzt hat. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Mediator berufen, den Mietern wurden alternative Wohnmöglichkeiten angeboten, Ausgleichszahlungen wurden vereinbart. Krieger + Schramm hat sich außerdem strikt zu den Vorgaben des Zweckentfremdungsverbots bekannt. „In dem neuen Uhland House sollen 24 Wohnungen zu einem Mietpreis von 7,92 Euro pro Quadratmeter entstehen. Es sollen Ein- bis Dreizimmerwohnungen für Alleinstehende, Familien und Senioren geschaffen werden. Angestrebt ist eine gemischte Hausgemeinschaft“, so Krieger + Schramm-Geschäftsführer Mirko Fiedler. Die Mieterrechte will Fiedler sogar in einem städtebaulichen Vertrag rechtswirksam garantieren.

Das könnte daraus werden: Stadtreparatur und 124 Wohnungen | Foto: Patzschke + Schwebel Architekten

Das könnte daraus werden: Stadtreparatur und 124 Wohnungen | Foto: Patzschke + Schwebel Architekten

Überbauung von öffentlichem Raum ist unumgänglich

Zusätzlich zu der sozialen Komponente des Vorhabens wird über die notwendige Überbauung des öffentlichen Raums, also des Bürgersteigs, mit einer Arkade diskutiert. Für den Architekten Christoph Schwebel vom Büro Patzschke + Schwebel ist eine solche Überbauung alternativlos: „Das Gebäude verfügt über eine zu geringe Tiefe. Wenn wir an dem Standort Wohnraum schaffen wollen, dann geht das nur mit einer Überbauung des Gehwegs. Eine Lösung, die im Übrigen in der direkten Umgebung auch so schon mehrfach umgesetzt wurde.“ In der Tat befinden sich sogar in unmittelbarer Nähe mehrere durch Arkaden überbaute Gehwege in der Berliner und Blissestraße. Eine solche Arkade würde für den Bezirk einen weiteren Nutzen mit sich bringen, denn schließlich hätte Krieger + Schramm im Falle der Überbauung regelmäßige Sondernutzungsgebühren zu entrichten.

Geschäftsführer Mirko Fiedler | Foto: Krieger + Schramm

SPD-Fraktion will lieber den Status quo bewahren

Schon seit eineinhalb Jahren befindet man sich in Gesprächen mit dem Bezirk und hat bereits deutliche Zugeständnisse an die Anforderungen des Stadtplanungsamts gemacht. Obwohl sich also der Entwickler in einer Abstimmungsphase mit dem Stadtplanungsamt befindet, kommt nun erneut Störfeuer aus Richtung der SPD-Fraktion. Da nun die soziale Komponente weitgehend geklärt ist, wird plötzlich die notwendige Überbauung ins Feld geführt, offensichtlich mit dem Ziel, das Vorhaben zu verhindern. Erstaunlicherweise scheinen einige Verantwortliche im Bezirk nach wie vor der Meinung zu sein, dass es besser sei, den Status quo einfach zu bewahren. Das würde bedeuten: Keine Stadtreparatur und keine Wohnungen.

Ideologie versus Vernunft?

Ein gutes Beispiel für ideologisch geführte Debatten, die zu keinem Ziel führen. Es ist legitim, als Bezirk mit dem Entwickler gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen und dadurch letzten Endes den so dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Doch ist die Denkweise vieler Verantwortlicher oftmals strukturkonservativ, was dazu führt, dass auch sinnvolle Projekte verhindert werden. Mittlerweile spricht man in gewissen Kreisen nicht einmal mehr nur hinter vorgehaltener Hand von Zuzugsbeschränkungen und Enteignungen. Davon abgesehen, dass solche Vorschläge gegen das Grundgesetz verstoßen, wird dadurch auch ein Klima geschaffen, das denjenigen, die Wohnungen bauen wollen, gehörig die Lust darauf vermiest. Manche mögen das bejubeln, doch was ist die Folge? Ganz einfach, es entstehen keine Wohnungen! Es mag sein, dass manche meinen, sie würden ihr politisches Profil schärfen, indem sie einem Entwickler einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Profit eines Unternehmens verhindert haben. Übersehen wird dabei allerdings leider viel zu oft, dass man in erster Linie die Schaffung von Wohnraum verhindert hat und dadurch (mal wieder) den Menschen schadet, die eine passende und angemessene Wohnung in Berlin finden müssen. (ak)

 

Wirtschaftswachstum: „Berlin ist international wettbewerbsfähig“

Im Gespräch mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) Die BERLINboxx sprach mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop über das anhaltende Wirtschaftswachstum Berlins, welche Bedeutung die Ansiedlung des Siemens Innovations-Campus für die Stadt hat und wie die Berliner Wirtschaft langfristig vom jetzigen Boom profitieren kann.

Frau Pop, Berlin hat sich im Wettbewerb um Siemens gegen internationale Standorte wie Singapur durchgesetzt. Was genau waren die Standortvorteile von Berlin?

Siemens wurde 1847 in Berlin gegründet – diese Berliner Erfolgsgeschichte werden wir nun zusammen weiterentwickeln. Gemeinsam mit dem Berliner Traditionsunternehmen wollen wir Zukunft gestalten. Berlin und Siemens sind starke und verlässliche Partner. Wir haben in den letzten Monaten erfolgreich die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Siemens in den Wirtschaftsstandort Berlin investiert. Der Einsatz hat sich gelohnt: Wir haben uns gegen die internationale Konkurrenz durchgesetzt, Siemens wird 600 Millionen Euro in den Innovations-Campus investieren. Siemens findet hier in Berlin alles für die Zukunftsthemen Smart Infrastructures, Energie und Mobilität. Unsere Stadt ist mit der boomenden Digitalwirtschaft, den internationalen Talenten, unserer Forschungsdichte und der modernen Industrie der passende Standort für den Campus.

Was versprechen Sie sich von der Ansiedlung? Welche gesamtstädtische Bedeutung hat sie?

Auf dem Siemens Innovations-Campus werden Synergien durch das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft entstehen, die in bestimmten, für Siemens und Berlin wichtigen Innovationsfeldern und Schlüsseltechnologien zum Tragen kommen. Damit wird der Industriestandort gestärkt und gleichzeitig der Weg zur Smart City fortgesetzt. Der Innovations- Campus sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern schafft auch neue. Dieses zukunftsweisende Projekt ist bedeutend für Siemens, die Siemensstadt und ganz Berlin. Auch die Signalwirkung ist nicht zu unterschätzen: Dass Siemens sagt, wir bleiben und investieren in Deutschland und gehen nicht nach Asien oder die USA zeigt, dass Berlin international wettbewerbsfähig ist.

Berlin gilt als Start-up-Hauptstadt Europas. Städte wie Lissabon oder Warschau wollen zu ebendieser werden. Wie wollen Sie den Titel „verteidigen“?

Berlin hat weltweit eine enorme Strahlkraft als Digital- und Start-up-Metropole. Deutschlandweit liegt die Hauptstadt bei den Neugründungen auf dem Spitzenplatz. Zwei Drittel des Risikokapitals, das 2017 in Deutschland von Start-ups akquiriert werden konnte, landete bei Berliner Unternehmen – insgesamt drei Milliarden Euro. Wir setzen Impulse für Innovation und bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Wir bieten beste Rahmenbedingungen, nach wie vor vergleichsweise geringe Lebenshaltungskosten, die Nähe zu europäischen Märkten und Fachkräfte in den schnell wachsenden Branchen Fintech, Gesundheit und der Digitalindustrie. Wir ruhen uns auf dieser positiven Entwicklung nicht aus, sondern arbeiten stetig weiter an vielen Projekten, um das erfolgreiche Ökosystem zu stärken.

Günstige Mieten, Freiräume und eine besondere Kultur haben Berlin früher ausgemacht. Die Stadt wird immer teurer, Gewerbeflächen sind Mangelware. Das schreckt Unternehmen/Start-ups mehr und mehr ab. Wird Berlin dem Wachstum noch gerecht? Welche Standortvorteile können in Zukunft überzeugen?

Um die Potenziale unseres dynamischen Wirtschaftswachstums weiterhin ausschöpfen und in weiteren Arbeitsplatzzuwachs umsetzen zu können, ist ein ausreichendes Flächenangebot für die Sicherung, Erweiterung und Neuansiedlung von Unternehmen wichtig. Bei aller Unterstützung für die Anstrengungen zur Schaffung neuen Wohnraums dürfen wir die Arbeitsplatzentwicklung nicht aus dem Blick verlieren. Arbeitsplätze können nur erhalten oder neu geschaffen werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Daher verfolgen wir eine engagierte Gewerbeflächenpolitik, der in Zeiten der wachsenden Stadt eine ständig steigende Bedeutung zukommt.

Wie wollen Sie die Umsetzung des „Masterplans Industrie“ vorantreiben?

Auch die Entscheidung von Siemens, in Berlin den Innovations-Campus zu entwickeln, bestätigt: Berlin hat sich als innovativer Industriestandort etabliert. Unsere Industrie ist sehr stark, wo industrielle Produktion und industrienahe Dienstleistungen verschmelzen, insbesondere an der Schnittstelle von Forschung und Digitalisierung. Mit dem Masterplan Industrie stärken wir diese neuen Industriebereiche, da sie zu einer nachhaltigen, ökologischen Modernisierung der Wirtschaft beitragen. Der Masterplan Industriestadt Berlin ist eine gemeinsam getragene Strategie des Senats, des Netzwerks Industriepolitik sowie der Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft. Wir stellen über die neue Geschäftsstelle Masterplan Industrie ein zentrales Projektmanagement für den Masterplan insgesamt sicher.

Wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Berliner Wirtschaft nicht nur jetzt boomt, sondern auch nachhaltiger wird und Berlin perspektivisch auch etwas vom jetzigen Boom hat?

Die Krisenjahre Berlins blieben nicht ohne Folgen für die Stadt. Und die Folgen sind immer noch spürbar. Aber wir holen nun Versäumtes nach und investieren in die Zukunft. Wir haben ein entschlossenes Investitionsprogramm für Berlin gestartet: für Schulen und Kitas, Krankenhäuser, ein Stadtwerk für die Energiewende; wir bauen den öffentlichen Nahverkehr aus und fördern die Fahrradinfrastruktur.

Und wir handeln vorsorglich: Zum Jahreswechsel werden wir die 3,7 Milliarden Euro Schulden aus den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise getilgt haben. Wir halten also die Schuldenbremse bereits im laufenden Konjunkturzyklus ein. Das können andere Bundesländer nicht von sich behaupten. Wir haben Berlin gut vorbereitet auf schwächere Phasen, schließlich werden auch internationale Risiken größer. Wir haben hohe Investitionsmittel für die nächsten Jahre gesichert und können damit trotz Schuldenbremse Konjunkturimpulse setzen.

Geht der Aufwärtstrend auch 2019 so weiter? Welches Wirtschaftswachstum erwarten Sie?

Die Berliner Wirtschaft setzt ihren Wachstumskurs fort und schafft in einem überdurchschnittlichen Maße neue Arbeitsplätze. In der Hauptstadt behalten die Wachstumskräfte die Oberhand. Taktgeber ist der Branchenmix aus stark wachsenden Dienstleistungsbranchen und robustem Produzierenden Gewerbe. Ich rechne für das Jahr 2018 mit einem Wachstum von etwa 2,7 Prozent. Trotz internationaler Risiken erwarten wir für 2019 zurzeit 2,3 Prozent Wachstum. Damit liegen wir weiter über dem Bundesdurchschnitt. Jetzt gilt es, diesen Prozess zu verstetigen und die Weichen für eine mittel- und langfristig erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung zu stellen. (cr)