IBB Wohnungsmarktbericht 2019: Wie wohnt Berlin?

Die Bevölkerung Berlins wächst nach wie vor, auch wenn sich die die drastischen Zuwächse der vergangenen Jahre etwas abgeflacht haben. 2018 lebten in der Hauptstadt 3.644.826 Menschen. Das ist der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg und ein Plus von 31.331 Menschen von 2017 auf 2018. So eines der Ergebnisse des aktuellen Wohnungsmarktberichts, der durch Bausenatorin Katrin Lompscher und IBB-Vorstand Dr. Jürgen Allerkamp vorgestellt wurde.

Berlin wächst kontinuierlich

Die steigende Bevölkerungszahl prägt demnach weiterhin die Lage am Berliner Wohnungsmarkt. Während das knappe Angebot an preisgünstigem Wohnraum vor wenigen Jahren noch ein Problem der Innenstadt darstellte, erstreckt es sich seit 2018 über das gesamte Stadtgebiet und teilweise auch über die Stadtgrenzen hinaus in das Berliner Umland. Dort wuchs die Bevölkerung von 2014 bis 2018 um 5,5 % und überstieg damit das Wachstum der Bundeshauptstadt (5,0 %).

Berlin reagiert auf den Nachfrageüberhang mit Wohnungsbau in steigenden Anzahlen. Die Baustatistik verzeichnete 2018 mit 16.706 fertiggestellten Wohnungen erneut einen Höchstwert innerhalb der letzten 20 Jahre (2017: 15.669, +6,6%). Betrachtet man die Bautätigkeit des Umlandes mit, wurden 2018 in der Hauptstadtregion 24.078 Wohnungen fertiggestellt. Doch das ist nicht genug, wie Dr. Jürgen Allerkamp festhält: „Obwohl sich die Bauintensität auf einem Rekordniveau befindet, fehlen weiterhin rund 145.000 Wohnungen in der Stadt, die durch weiteren Wohnungsbau entstehen müssen.“

Wir sprachen mit der Bausenatorin über Stadtentwicklung und Wohnungsbau in Berlin.

Bausenatorin Katrin Lompscher | Foto: Thomas Hedrich, Fotostudio Charlottenburg

Steigende Mieten sind die Folge

Die Folge sind weiterhin steigende Mieten und Kaufpreise. Eine zentrale Erkenntnis des Berichts ist, dass knapp 40 Prozent der Haushalte mehr als 30 Prozent ihres jeweiligen Nettoeinkommens für ihre Bruttokaltmiete aufwenden. Die besorgniserregende Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt sich hier überdeutlich, denn besonders hoch ist die Belastung für Haushalte, die ab 2015 ihre Wohnung bezogen haben. „Damit Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen durch diese Entwicklung nicht aus ihren Kiezen verdrängt werden, hat Berlin unter anderem den Milieuschutz stark ausgebaut und das Gesetz zur Einführung eines Mietendeckels beschlossen“, so Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. „Dieses verbietet überhöhte Mieten und verschafft den Mieterinnen und Mietern in unserer Stadt eine Atempause. Der IBB Wohnungsmarktbericht 2019 zeigt uns damit erneut, wie notwendig die wohnungspolitischen Maßnahmen des Senats für alle Berlinerinnen und Berliner sind.“

2019 leichte Stagnation der Angebotsmieten 

Immerhin stagnieren die Angebotsmieten 2019 erstmalig. Berlinweit wurde eine mittlere Angebotsmiete von 10,45 EUR/m² aufgerufen, was einem Anstieg von lediglich 0,13 EUR/m² bzw. 1,3 % gegenüber dem Vorjahr entsprach. Jede zehnte Wohnung wurde für unter 7,00 EUR/m² (nettokalt) angeboten, was einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr gleichkam (2018: 9 %). Nahezu flächendeckend lagen die mittleren Angebotsmieten in der Innenstadt bei 12,00 EUR/m² und mehr. Im Gegensatz zu den Angebotsmieten verzeichneten sowohl die angebotenen Kaufpreise für Eigentumswohnungen als auch für Ein- und Zweifamilienhäuser weiterhin einen dynamischen Anstieg. Im Mittel wurden Eigentumswohnungen für 4.777 EUR/m² angeboten (2018: 4.200 EUR/m²). Die Verwirklichung eines Eigenheimes kostete 2019 im Durchschnitt 549.990 EUR (2018: 498.600 EUR). Erstmals gab es dabei keinen Unterschied mehr zwischen den angebotenen Kaufpreisen für Bestands- und Neubauobjekte.

Dr. Jürgen Allerkamp, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Berlin | Foto: IBB

Dr. Jürgen Allerkamp, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Berlin | Foto: IBB

„Berlin braucht weiter zusätzliche Wohnungen“, sagte Dr. Jürgen Allerkamp. „Diese müssen bedarfsgerecht und bezahlbar sein. Wir tun alles dafür, hier Voraussetzungen zu schaffen, um unter schwieriger werdenden Bedingungen Anreize zu setzen, damit unterschiedlichste Investoren hier ihren Beitrag leisten können. Das scheint angesichts der Corona-Epidemie etwas in den Hintergrund gerückt zu sein. Dennoch bleibt es eine zentrale Aufgabe für unsere Stadt, gerade wenn die Corona-Krise überstanden sein wird.“

Miet- und Singlehaushalte überwiegen im Wohnungsmarkt

Berlin ist nach wie vor eine Mieterstadt: Rund 83 Prozent der Menschen leben in der Hauptstadt zur Miete, mehr als die Hälfte der Menschen leben in Einzelhaushalte, gefolgt wird die Gruppe von Zweipersonenhaushalten, meist Alleinerziehende oder kinderlose Paare. Tatsächlich gibt gerade die erste Fraktion im Schnitt am meisten Gehalt für seine Miete aus: Etwa jeder zehnte Singlehaushalt zahlt 50 Prozent seines Bruttoeinkommens an seinen Vermieter.

Corona und Mietendeckel: Prognosen für 2020 sind unklar

Der Blick in die Zukunft ist derzeit ungewiss. Sicher ist bisher nur, dass die derzeitige Corona-Krise einen enormen Einfluss auf den Wohnungsmarkt der nächsten Zeit haben wird. Lompscher betonte jedoch, dass die Auswirkungen der Pandemie zurzeit noch nicht vorhersehbar sind und sie sich daher mit Spekulationen zurückhalten wolle. „Die Corona-Krise wird sicher eine Delle in der allgemeinen Entwicklung zur Folge haben. Wie stark diese Delle im Jahresschnitt dann tatsächlich ausfallen wird, das ist im Moment noch vollkommen unklar“, so die Senatorin. Auch der Einfluss des seit Februar 2020 gültigen Mietendeckels ist noch nicht abzusehen, dazu ist aktuell schlicht die Datenlage noch nicht ausreichend. Wird der gebeutelte Berliner Wohnungsmarkt durch die Corona-Pandemie weiter in die Krise stürzen? Fortsetzung folgt…(aak)

Berliner Senat beschließt Hochhaus-Leitbild

In der Hauptstadt soll es bald neue Regeln für den Hochhausbau geben. Zu diesem Zweck beschloss der rot-rot-grüne Senat Ende Februar sein Hochhaus-Leitbild. Mit den Richtlinien soll einerseits die Schaffung neuer Wohn- und Gewerbeflächen, andererseits aber auch die Konsensbildung zwischen Projektentwicklern und Anwohnern erleichtert werden.

Zusammensetzung des Leitbilds

Das Berliner Hochhaus-Leitbild beinhaltet Verfahrensgrundsätze für die Vorbereitung und Umsetzung von Hochhausprojekten, planerische Entscheidungsprinzipien und Vorschläge zur Einbeziehung der Öffentlichkeit. Damit will die Senatsverwaltung Standards für künftige Hochhausvorhaben im Land Berlin definieren, mit denen dringend benötigte Wohn- und Gewerbeflächen geschaffen, gleichzeitig aber auch Kieze, Grünanlagen und Kulturdenkmäler geschützt werden. Die Vorgaben betreffen ökologische, gestalterische, denkmalschutzbezogene, nutzungsspezifische und architektonische Aspekte.

Zu den weiterführenden Zielen der Leitlinien gehören:

–        die Stabilisierung städtischer Räume
–        die Eingrenzung von Bodenspekulationen
–        die Unterstützung der Stadtentwicklung

Immobilienexperte David Gramzow begrüßt den Vorstoß: „Bei dem anhaltend starken Zuzug und dem begrenzten Platzangebot muss Berlin einfach in die Höhe wachsen. Natürlich darf das nicht um jeden Preis geschehen. Es muss klare Regeln geben, die das Stadtbild mit seinen typischen Kiezen, aber auch Grünflächen und architektonische Denkmäler schützen. Von daher ist der Vorstoß der Senatsverwaltung absolut zu begrüßen.“

Zentrales Anliegen – gemischte Hochhausnutzung

Einen besonderen Stellenwert innerhalb der Vorgaben hat die gemischte Nutzung von Hochhäusern. So dürfen bei Gebäuden mit einer Höhe von mehr als 60 Metern nur 70 Prozent der Flächen für Büros oder Hotels zur Verfügung gestellt werden.  Für den Rest ist eine anderweitige Nutzung vorzusehen, beispielsweise als Wohnraum.

Darüber hinaus müssen Erdgeschosse und Dachterrassen der Häuser öffentlich zugänglich sein. Denkbar sind hier unter anderem Nutzungskonzepte für Geschäfte und Cafés.

Einen Überblick über die neuen Leitlinien finden Sie auf der Webseite der Berliner Senatsverwaltung.

Einschränkungen beim Hochhausbau

Damit der Hochhausbau sich nicht negativ auf die Lebensqualität der Anwohner und auf typische Berliner Strukturmerkmale wie die abwechslungsreichen Kieze auswirkt, umfassen die Leitlinien eine Reihe von Einschränkungen.

Diese beziehen sich auf den Denkmalschutz, städtebauliche Eigenarten, Naturschutzgebiete, den Flächennutzungsplan, die Verkehrsanbindung und den Zentrumsbezug.

So ist ein Hochhausbau etwa dann ausgeschlossen, wenn das geplante Gebäude Eigenart und Erscheinungsbild von Denkmälern wesentlich beeinträchtigen würde. Untersagt ist er weiterhin in Einfamilienhaus-Siedlungen und Naturschutzgebieten. Einen Überblick über sämtliche Standort- und Prüfkriterien finden Sie in dieser Broschüre der Berliner Senatsverwaltung.

In Kraft treten sollen die Leitlinien, sobald das Abgeordnetenhaus abschließend darüber befunden hat. (red)

Führungswechsel in der CG Gruppe: Christoph Gröner geht in den Aufsichtsrat

Die CG Gruppe gehört zu den größten Wohnungsentwicklern der Republik. Das Unternehmen wurde vor mehr als 25 Jahren von Christoph Gröner gegründet und seitdem erfolgreich durch den Vollblutunternehmer geführt. Zukünftig wird die CG Gruppe jedoch als Consus RE AG firmieren. Christoph Gröner verlässt den Vorstand und wechselt in den Aufsichtsrat der CG Gruppe. Als Gründer und einer der Hauptaktionäre der CG Gruppe wird er der Gesellschaft auch zukünftig eng verbunden bleiben.

Jens Jäpel ist neuer CEO der Census RE AG

Jens Jäpel ist neuer CEO der Consus RE AG | Foto: Census RE AG

Jens Jäpel wird neuer CEO der Consus RE AG

Jens Jäpel wird mit sofortiger Wirkung zum Vorstandsvorsitzenden (Chief Executive Officer, CEO) der CG Gruppe AG („CG Gruppe“) ernannt. Bisher war Jens Jäpel als Generalbevollmächtigter der Consus Real Estate AG und Verwaltungsrat der Consus Swiss Finance AG tätig und verfügt über langjährige Erfahrungen im Bereich Development. Jens Jäpel wird als neuer CEO von Jürgen Kutz (stellvertretender Vorstandsvorsitzender) weiterhin als Chief Operating Officer (COO) sowie Theodorus Gorens, Chief Financial Officer (CFO), unterstützt.

Optimale Nutzung von Synergieeffekten im Konzern

Die CG Gruppe ist seit 2017 eine Tochtergesellschaft der Consus und damit Teil des größten Immobilienentwicklers Deutschlands. Consus wird in Zukunft mehr Verantwortung im operativen Geschäft seiner Tochtergesellschaft übernehmen. Dadurch werden Synergien innerhalb des Gesamtkonzerns optimal genutzt und erweitert sowie der langfristige und nachhaltige Erfolg der Gruppe weiter ausgebaut.

Andreas Steyer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der CG Gruppe, sagt: „Wir danken dem Unternehmer Christoph Gröner für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie sein hohes persönliches Engagement bei der Weiterentwicklung der CG Gruppe hin zu einem der bundesweit führenden Projektentwickler. Wir freuen uns darüber, dass er dem Unternehmen weiter verbunden bleibt.“

Kerngeschäft bleibt unverändert

„Immobilien sind mehr als nur Produkte – mit ihnen verbindet sich eine Weltanschauung“, so das Credo von Christoph Gröner, der die seine Initialen repräsentierende Marke „CG“ behält.

Die Umfirmierung ist ein weiterer konsequenter Schritt der Integration innerhalb des Gesamtkonzerns. Das Kerngeschäft in den Segmenten Entwicklung und Bau bleibt im Wesentlichen unverändert. Der Fokus liegt auch in Zukunft auf der Entwicklung von dringend benötigten Wohnimmobilien in Ballungszentren und ganzheitlichen Quartieren in den großen deutschen Städten. Dabei soll auch der Bestand des Gesamtkonzerns an der Wertschöpfung – Neubau von Wohnimmobilien – erheblich partizipieren („Build and Hold“ Konzept). (red)

Immobilienprofi Lars Schriewer ist neuer Alleinvorstand von Accentro

Führungswechsel bei einem der marktführenden Wohnungsprivatisierer Deutschland: Accentro Real Estate wird künftig nicht mehr von Jacopo Mingazzini geführt. Der bisherige Alleinvorstand verlässt das in der Hauptstadt beheimatete Unternehmen, da er sich anderen Aufgaben zuwenden wolle. Nach einer cooling-off-Periode soll Mingazzini in zwei Jahren in den Aufsichtsrat gewählt werden. Mingazzini war acht Jahre, seit März 2012, das einzige Vorstandsmitglied der Gesellschaft.

Immobilienprofi Lars Schriewer ist zukünftiger Alleinvorstand

Neuer Alleinvorstand wird Lars Schriewer. Der erfahrene Real Estate- und Kommunikationsprofi ist Gesellschafter der Anden Beteiligungs GmbH und war vorher unter anderem bei der Schweizer SSN Group als Vice President Communications & Investor Relations sowie bei den Wohnungsgesellschaften Vivacon (Direktor Kommunikation) und Westgrund beschäftigt. Die SSN Group entwickelte in der Hauptstadt das Quartier Bundesallee, zukünftiger Sitz der Berliner Volksbank, das Franklin-Haus in Charlottenburg und THE WILHELM in Berlin-Mitte. 2019 wurde das Unternehmen durch die Consus AG übernommen.

Bundesweiter Marktführer in der Wohnungsprivatisierung

Die ACCENTRO Real Estate AG ist marktführend in der Wohnungsprivatisierung in Deutschland. Neben dem Heimatmarkt Berlin konzentriert sich das Unternehmen auf aussichtsreiche Metropolregionen wie Hamburg, Rhein-Ruhr, das Rhein-Main-Gebiet, Leipzig. Erst kürzlich baute der Immobilienkonzern  sein Engagement in Berlin aus und erwarb 115 Wohneinheiten mit einer nicht näher bezifferten Gesamtfläche für einen Preis von 23,9 Millionen Euro. Zuvor wurden in weiteren Transaktionen in der Hauptstadtregion 113 Einheiten für insgesamt 16,35 Millionen Euro beurkundet. Darüber hinaus wird das Portfolio im Laufe der ersten Jahreshälfte 2020 um weitere Objekte im Wert von 7 Millionen Euro in Köln, Bonn und Krefeld ergänzt.

Im Geschäftsbereich Privatisierung verkauft ACCENTRO Wohnungen aus dem eigenen Bestand an Eigennutzer und Kapitalanleger oder – zusammengefasst als Portfolios – an institutionelle Investoren. Im Geschäftsbereich Services & Ventures vermarktet ACCENTRO Wohnungen für Investoren und Projektentwickler – auch im Rahmen von Beteiligungen an Joint Ventures. (red)

 

„Neuköllner Modell“: Neue Daumenschrauben für bauwillige Investoren

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Dr. Bertrand Malmendier

Im Berliner Bezirk Neukölln gilt seit dem Beschluss des Bezirksamts vom 25. Februar 2020 das sog. „Neuköllner Modell“: Der Bezirk erteilt bei Wohnungsbauvorhaben ab sofort Befreiungen von den Festsetzungen der Bebauungspläne und des Baunutzungsplans 1961 auf Grundlage von § 31 Abs. 2 Nr. 2 BauGB nur noch dann, wenn der Bauherr sich in einem städtebaulichen Vertrag mit dem Bezirk zu Gegenleistungen verpflichtet.

Diese bestehen insbesondere in der Schaffung von mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnraum (30 Prozent der aufgrund der Befreiung zusätzlich zulässigen Geschossfläche Wohnen) sowie in Ausgleichszahlungen für durch die aufgrund der Befreiung zusätzlich zulässigen Geschossfläche Wohnen entstehenden Bedarfe an Kinderbetreuungs- und Grundschulplätzen.

Schwierige Situation für Investoren

Der Bauherr muss nun also für eine Befreiung, beispielsweise von der im Baunutzungsplan von 1961 festgesetzten überbaubaren Grundstücksfläche oder Geschossflächenzahl, die gleichen Gegenleistungen erbringen wie ein Bauherr nach dem „Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung“, für dessen Vorhaben mittels eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans überhaupt erst Baurecht geschaffen wird.

Allein das zeigt bereits, dass es beim „Neuköllner Modell“ an der für die Rechtmäßigkeit eines Baudispensvertrages nach § 11 Abs. 2 Satz 1 BauGB erforderlichen Angemessenheit fehlen dürfte. Denn bei der Schaffung von Baurecht durch die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans wird zum einen seitens des Bezirks deutlich mehr geleistet und aufgewendet, zum anderen erfährt das jeweilige Grundstück wohl regelmäßig eine deutlich intensivere Bodenwerterhöhung als bei der reinen Erteilung von Befreiungen von einzelnen Regelungen bereits bestehenden Baurechts.

Neue Verwaltungspraxis erschwert Bauvorhaben

Das „Neuköllner Modell“ greift zwar erst ab 1.000 Quadratmeter durch die beantragte Befreiung zu schaffender zusätzlicher Geschossfläche Wohnen; gerade in den Innenstadtgebieten, in denen in den meisten Fällen noch immer die Festsetzungen des veralteten Baunutzungsplans 1961 gelten, dürfte diese Schwelle wohl aber bei Wohnungsneubauvorhaben regelmäßig überschritten werden.

Malmendier Legal berät bereits bei drei Bauvorhaben in Neukölln zum Umgang mit dem „Neuköllner Modell“. Je nach konkretem Einzelfall müssen Konstellationen gefunden werden, die eine wirtschaftliche Realisierbarkeit von Wohnungsbauvorhaben trotz der neuen Verwaltungspraxis in Neukölln ermöglichen. Vollkommen unverständlich bleibt, warum die Berliner Politik nach dem gerade erst in Kraft getretenen „Mietendeckel“ nun direkt weitere Strafmaßnahmen für diejenigen auf den Weg bringt, die das tun wollen und können, was das Land Berlin seit Jahren nicht schafft: Dringend benötigten Wohnraum schaffen.

Weitere Informationen

Hier finden Sie die Arbeitsanweisung des Bezirksamts Neukölln sowie alle Unterlagen zum „Neuköllner Modell“: https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/stadtplanung/planungsrechtliche-auskuenfte/neukoellner_modell.pdf

 

Zu dreist, zu ignorant, zu plump – Florian Pronold zieht Bewerbung bei der Bundesstiftung Bauakademie zurück

aktualisiert am 12.03.2020 um 14:50 Uhr

Die Vernunft hat doch noch gesiegt. In einem peinlichen Kampf um den Direktorenposten für die Bundesstiftung Bauakademie in Berlin hat der berufene Umweltstaatssekretär und ehemalige SPD-Vorsitzende in Bayern, Florian Pronold, seine Bewerbung zurückgezogen. Ein überfälliger Akt! Aber nicht Einsicht, sondern Aussichtslosigkeit hat den ehrgeizigen Politiker zum Rückzug bewogen. Seine Inkompetenz für die Position war letztlich so eklatant, dass die Vernunft gesiegt hat.

Ignoranz schadet Ex-SPD-Funktionär und Bundesstiftung Bauakademie

Zur Erinnerung: Protestwellen aus allen Gruppen der Gesellschaft und insbesondere von Experten gegen die vollkommene Ignoranz der Ausschreibungsbedingungen für diese wichtige Position, Kritik an dem Amigo-Gebaren des Politikers und seiner Protegés sowie ein störrisches Festhalten an der Berufungsentscheidung – all das hat nicht nur der Person Pronold geschadet, sondern auch der Institution Bundesstiftung Bauakademie. Diese muss sich aktuell mit Kritik an dem Auswahlverfahren auseinandersetzen: fehlende Transparenz und unzureichende Eignung des Politikers hätten zu dem Skandal geführt.

Fehlende fachliche Qualifikation

Zwei gerichtliche Prozesse – initiiert von jeweils einem ausgeschiedenen Mitbewerber – waren nötig, um Pronold letztlich dazu zu bewegen, freiwillig auf die Leitungsposition zu verzichten. Die Kläger hatten – in einem der Fälle erfolgreich – unter anderem das Verfahren des Wettbewerbs kritisiert und eine Konkurrentenschutzklage gegen die Besetzung eingereicht. Nach eigener Aussage des Politikers seien der „öffentliche Wirbel“, „Neid und Standesdünkel“ sowie die um dreieinhalb Monate verspätete Aufnahme des Direktorpostens der Hauptgrund für seinen Rückzug gewesen.

Für viele Kritiker war es aber vor allem die fehlende fachliche Eignung des ehemaligen SPD-Vorsitzenden von Bayern, die einen Rückzug unausweichlich machte. Zwar hatte Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, im Zuge der Ernennung des Politikers zum Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie im November 2019 noch von „großer politischer und fachlicher Erfahrung“ Pronolds gesprochen. Architekten und Museumsfachleute sind sich aber schon lange einig, dass der Jurist für die Position ungeeignet ist.

Dämpfer für die politische Kultur

Allem voran hat die Amigo-Affäre besonders die politische Kultur beschädigt, die sich so offensichtlich und dumm-dreist instrumentalisieren lässt und unverdient Parteigenossen auf lukrative Posten befördert. So gewinnt die Politik nicht das Vertrauen der Bürger – im Gegenteil! (fs)

Gewobag gewinnt BBU-Zukunftsaward 2020

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) zeichnete das Berliner Wohnungsunternehmen Gewobag für sein herausragendes Klimaschutzprojekt aus. Ihr System zur Energiespeicherung sorgt für eine zukünftige klimaneutrale Energieversorgung eines Berliner Wohnquartiers.

Klimawandel muss bekämpft werden

Der Klimawandel ist inzwischen für alle deutlich zu spüren und die Sorge vor immensen Veränderungen wächst zunehmend. In Zeiten wie dieser braucht es vor allem technikaffine Pioniere, die durch Innovationen den CO2-Ausstoß senken, um gegen die drastischen Folgen der globalen Erwärmung vorzugehen. Das Berliner Wohnungsunternehmen Gewobag zählt zu diesen Wegbereitern in eine klimaneutrale Zukunft.

Innovative Energiespeicherung sorgt für Hoffnung

Gemeinsam mit Vattenfall Energy Solutions und dem Energiespeicher-Start-up Lumenion ermöglichte Gewobag die Umsetzung eines Pilotprojektes in einer Wohnsiedlung in Berlin-Tegel. Hierbei nimmt ein Stahlspeicher regionale überschüssige Energie aus Wind- und Sonnenenergie auf, um dadurch die Haushalte mit emissionsfreiem Strom und Wärme zu versorgen. Folglich stellt die Gewobag nicht nur die Versorgung des Quartiers sicher, sondern unterstützt auch die Regulierung von Ressourcen und die Senkung von Betriebskosten von Bestandsgebäuden.

Zusammenarbeit ist entscheidend

Dadurch bietet das Immobilienunternehmen ein Musterbeispiel, wie ein wertvoller Umgang mit der globalen Umweltkrise gemeinsam mit Partnern aussehen sollte. „Die Energiewende können wir nur dezentral und in der Kooperation mit starken Partnern meistern. Als landeseigenes Wohnungsbauunternehmen leisten wir in unseren Quartieren unseren Beitrag zum Klimaschutz und einer messbaren CO2-Einsparung. Wir freuen uns, mit diesem Projekt die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Energieversorgungsunternehmen, städtischer Wohnungsbaugesellschaft und innovativem Start-up zu demonstrieren und sind stolz auf diese Auszeichnung“, erklärt Snezana Michaelis, Vorstandsmitglied der Gewobag.

BBU-Zukunftsaward: Tradition sucht Innovation

Bereits seit 20 Jahren zeichnet der Verband Berliner- Brandenburgischer Wohnungsunternehmen Immobiliengesellschaften aus. Im Mittelpunkt standen dieses Jahr Best-Practice-Beispiele aus dem Bereich Energie und Klimaschutz. Vor allem habe die Jury auf Einsparungen von Emission und Betriebskosten geachtet, betonte Maren Kern, BBU-Vorstandsmitglied. Das Pilotprojekt des Gewobag konnte insbesondere durch ihren hohen Grad an Innovation überzeugen. Mit rund 70.000 Mietswohnungen gehört das Wohnungsunternehmen zu den größten der Republik. Insofern darf in Zukunft auf mehr Projekte dieser Art gehofft werden. (aak)

Europacity Berlin: CA IMMO stellt CUBE BERLIN fertig

CA Immo hat das Bürogebäude cube berlin nach knapp 3 Jahren Bauzeit fertiggestellt. Das Gebäude wurde in prominenter Lage direkt auf dem Washingtonplatz am Berliner Hauptbahnhof als Solitärgebäude errichtet. Das architektonisch spektakuläre Gebäude wurde von CA Immo als „smartes“, volldigitalisiertes Gebäude entwickelt, um sowohl den Betrieb des Gebäudes deutlich effizienter gestalten zu können als auch zahlreiche zusätzliche Serviceangebote für die Büromieter zu ermöglichen. cube berlin war bereits vor der Fertigstellung vollständig vermietet. Die Investitionssumme der CA Immo in das Gebäude betrug rund 100 Millionen Euro. CA Immo hatte das Gebäude noch vor Baubeginn an den Investor Nuveen Real Estate veräußert.

Blick aus dem Gebäude in Richtung Spree und Regierungsviertel. Bildrechte: CA Immo

Cube Berlin: Neue Sehenswürdigkeit für die Hauptstadt

„Mit dem cube berlin hat die Bundeshauptstadt dank der einzigartigen Architektur von 3XN eine neue Sehenswürdigkeit erhalten“, so Matthias Schmidt, Geschäftsführer der CA Immo Deutschland GmbH und Leiter Development Deutschland: Schon während der Bauzeit blieben Passanten stehen, um sich in und vor der – die Umgebung widerspiegelnden – Fassade zu fotografieren. Aber wir haben mit dem cube berlin auch technisch innovatives Neuland betreten. Durch die Digitalisierung des Gebäudes und die Vernetzung der digitalen Bausteine in einem zentralen System – genannt „Brain“ – kann das Gebäude deutlich effizienter betrieben und von unseren Mietern genutzt werden. Wir haben den Anspruch, nicht nur hochwertige, sondern insbesondere auch nachhaltige, d. h. ressourcenschonende und energieeffiziente Gebäude zu entwickeln – der Einsatz von intelligenter, digitaler Sensorik und einer selbstlernenden Software, die aus der Umwelt und aus dem Verhalten der Nutzer lernt, wird dabei künftig ein entscheidender Erfolgsgarant sein.“

 

Europacity nimmt Gestalt an

Auch Berlins Senatsbaudirektorin, Regula Lüscher, betont die hohe architektonische und städtebauliche Qualität des Gebäudes: „Die Europacity nimmt mehr und mehr Gestalt an. Mit dem cube berlin wird an exponierter Position ein innovatives und architektonisch herausragendes Gebäude fertiggestellt. Die markante Glasfassade und die durchlässige Erdgeschosszone bereichern den öffentlichen Raum, gleichzeitig wird der Washingtonplatz städtebaulich komplettiert.“

Blick vom Washingtonplatz. Bildrechte: CA Immo/Andreas Muhs

 

Entwurf von 3XN aus Kopenhagen

Das Gebäude liegt direkt am Hauptbahnhof und Spreebogen, vis-à-vis vom Bundeskanzleramt und Regierungsviertel. Das würfelförmige Gebäude mit einer Kantenlänge von 42,5 Metern wirkt von außen wie eine abstrakte, moderne Skulptur. Der architektonische Entwurf stammt aus der Feder des renommierten Architekturbüros 3XN aus Kopenhagen. In der gläsernen, gefalteten Fassade spiegelt sich kaleidoskopartig die Umgebung. Je nach Lichteinfall verändert sich so das Aussehen des Gebäudes ständig. Aber auch die Umgebung wird immer wieder neu interpretiert. Durch dynamische Einschnitte in der Fassade entstehen auf den 10 Obergeschossen des Gebäudes Terrassen für die Mieter des Gebäudes. Die Einschnitte verlaufen jeweils über eine ganze Gebäudeseite, wobei die Himmelsrichtung von Stockwerk zu Stockwerk wechselt. So entsteht eine dialogische Beziehung zwischen der Umgebung und dem Gebäude. Die ebenfalls skulptural gestaltete Dachterrasse bietet zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten für die Mieter des Gebäudes und ermöglicht Aus- und Weitblicke über ganz Berlin.

Während die zehn Obergeschosse und die Dachterrasse des Gebäudes ausschließlich den Büromietern vorbehalten sind, öffnet sich das Gebäude im Erdgeschoss der Öffentlichkeit. Hier wird auf einem Großteil der Fläche in den nächsten Monaten eine Art moderner Marktplatz mit zahlreichen und vielfältigen gastronomischen Angeboten entstehen. Zudem beherbergt das Erdgeschoss eine zweigeschossige Lobby für die Büronutzer.

Abendansicht aus Richtung des Regierungsviertels. Bildrechte: CA Immo/Andreas Muhs

„Smart Commercial Building“

CA Immo hat den cube berlin als sogenanntes „Smart Commercial Building“ realisiert. Ziel dieser innovativen und prototypischen Entwicklung war es, den Betrieb des Gebäudes durch den Einsatz von vernetzter, digitaler Technik effizienter zu gestalten und gleichzeitig den Mietern des Gebäudes zusätzliche Services anzubieten. Zentrales Bedienelement ist dabei das eigene Smartphone: alle für die Mieter relevanten Funktionen können über eine eigens entwickelte Gebäude-App bedient werden. Die Besonderheit der Entwicklung liegt jedoch in der Vernetzung der einzelnen Bausteine in einem zentralen System – dem sogenannten Brain. Dabei handelt es sich um ein selbstlernendes System, das die vielfältigen Daten, die durch Sensoren geliefert werden, auswertet. Die Sensoren erfassen dabei sowohl Informationen aus der Umwelt als auch aus dem Verhalten, den Gewohnheiten, Vorlieben und Bedürfnissen der Mieter. Hierdurch kann der Betrieb fortwährend optimiert werden und die Nutzer erhalten individuelle Informationen und Angebote.

Vernetzte, digitale Technik

Über die App erfolgt so beispielsweise der schlüssellose und berührungsfreie Zutritt zum Gebäude, da das System schon bei Annäherung an das Gebäude erkennt, ob die jeweilige Person eine Zugangsberechtigung hat. Im positiven Fall öffnet das System den entsprechenden Zugang bei Annäherung. Auch die Aufzugssteuerung ist in das System integriert und kann so Aufzugsfahrten erheblich effizienter steuern und bereitstellen. Nutzer haben aber auch die Möglichkeit über die App Licht- und Raumklima sowie die außenliegenden Jalousien zu steuern, Räume- und Arbeitsplätze nach persönlichen Bedürfnissen schon aus der Ferne zu buchen oder auf zusätzliche Angebote, wie eine zentrale Paketstation im Gebäude oder auf externe Services wie Essenslieferungen oder Reinigungsdienstleistungen zuzugreifen.

Umfassendes Digitalisierungskonzept

Das Digitalisierungskonzept wurde von CA Immo mit Unterstützung des Beratungsunternehmens Drees & Sommer entwickelt. Ein wesentlicher Fokus lag dabei auf der Definition der Anwendungsfelder (Use cases) sowie der Auswahl der digitalen Bausteine und Sensoren. Bereits ab Sommer 2017 erfolgten Tests der digitalen Komponenten, insbesondere im vernetzten Zusammenspiel. Hierzu wurde ein umfangreiches Testlabor an der RWTH Aachen aufgebaut. Ein weiterer Fokus galt der digitalen Sicherheit – der sogenannten Cyber Security. Um die Gefahren eines digitalen Angriffs durch Hacker auf das Gebäude zu minimieren, wurden erfolgreich mehrfache, intensive Penetrationstests durchgeführt.

cube berlin, Europacity. Bildrechte: CA Immo/Adam Mørk

 

Zur Entwicklung der Gebäude-App und der zentralen Steuerungssoftware hat CA Immo mit dem PropTech Startup Thing Technologies zusammengearbeitet. Die entwickelte Software kommt inzwischen auch in weiteren Bürogebäudeentwicklungen zum Einsatz und ist grundsätzlich unabhängig von den digitalen Bausteinen und Sensoren. CA Immo hat die Technologie inzwischen auch in der Mietfläche eines Bestandsobjekts in der Erprobung mit dem Ziel, künftig auch weitere Bürogebäude aus dem eigenen Portfolio damit ausstatten zu können.

Mietflächen bereits vermietet

cube berlin stieß am Berliner Büromarkt aufgrund seines überzeugenden Gesamtkonzepts auf eine sehr große Marktnachfrage. So wurden alle Mietflächen schon deutlich vor dem Fertigstellungstermin vermietet. Mieter sind die Anwaltskanzlei Gleiss Lutz, die Deutsche Bahn, RA-MICRO, Hering Schuppener, Gallup sowie Coffee Fellows. Coffee Fellows wird als Generalmieter die rund 1.000 m² umfassenden Gastronomieflächen im Erdgeschoss betreiben. Hierfür hat das Unternehmen ein Konzept nach dem Vorbild eines modernen Marktplatzes entwickelt und wird durch Untermietverträge ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot schaffen. Die ersten Büromieter werden bereits im März 2020 einziehen. Die restlichen Einzüge werden sich bis in den Sommer des Jahres hinziehen.

Mit dem cube berlin wurde nun auch der letzte Baustein des südlichen Bereichs der Europacity fertiggestellt. Bereits in den Jahren zuvor hatte die CA Immo hier das städtebauliche Konzept für fünf weitere Gebäude entwickelt. Davon hat CA Immo mit dem John F. Kennedy Haus und dem IntercityHotel am Hauptbahnhof zwei Gebäude selbst realisiert und in den Gebäudebestand übernommen. Die anderen drei Baufelder wurden an Investoren veräußert, die hier zwei weitere Hotels sowie ein Bürogebäude realisiert haben. (red)

Der Mietendeckel kommt – doch wie lange bleibt er?

Das umstrittenste und zugleich omnipräsente Thema in der Hauptstadt ist und bleibt die Wohnraumpolitik. Was hilft tatsächlich gegen die angespannte Wohnraumsituation? Ist es der Neubau? Reicht die Mietpreisbremse oder brauchen wir tatsächlich einen Mietendeckel? Auf diese Fragen hat scheinbar jeder eine Antwort, die er für die einzig richtige hält.

Doch ob man den Mietendeckel nun richtig oder falsch findet: Das Gesetz zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen in Berlin tritt am kommenden Sonntag in Kraft. Wie lange es sich halten wird, ist noch unsicher – denn die Opposition hat schon eine Normenkontrollklage in der Hinterhand und will den Mietendeckel aushebeln.

Das Gesetz zur Mietenbegrenzung und seine Folgen

Ab Ende dieser Woche werden die Bestandsmieten für die nächsten fünf Jahre eingefroren – rückwirkend bis zum 18. Juni 2019. Mieterinnen und Mieter können sich jetzt also erst einmal freuen, dass ihre Mieten bis zum 01. Januar 2022 nicht erhöht werden dürfen – und auch ab diesem Zeitpunkt nur um den Inflationsausgleich, maximal 1,3 Prozent.

Allerdings bleibt bei Mietern sowie Vermietern ein bitterer Beigeschmack, nämlich die Unsicherheit darüber, wie lange sich der Mietendeckel halten kann und was das für den einzelnen bedeutet. Der skurrilste Rat kommt dabei von Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. Sie scheint sich schon seit einer Weile nicht mehr so sicher zu sein, ob das Gesetz eine gerichtliche Prüfung übersteht und rät deshalb dazu, die angesparte Miete beiseite zu legen – falls doch noch was schief geht. Es ist daher zu erwarten, dass den zuständigen Bezirksämtern ab nächster Woche die Türen von besorgten Bürgern eingerannt werden, die nicht wissen, ob ihr Vermieter die zulässige Miethöhe verlangt und wie sie gegen einen Verstoß vorgehen können.

Nein zum Mietendeckel, Ja zum Neubau

Dass das umstrittene Gesetz allein keine Entspannung in der Wohnraumpolitik schaffen kann, ist klar. In der Hauptstadt gibt es noch genügend freie Flächen, die bebaut werden könnten und viele Bauvorhaben, die bereits geplant sind. Allerdings dauern die Planungsverfahren so lange, dass die rot-rot-grünen Koalition ihr Ziel für die aktuelle Legislaturperiode, nämlich 30.000 Wohnungen, also 6.000 jährlich, fertigzustellen, nicht erreicht hat. Im vergangenen Jahr wurden beispielsweise gerade einmal 4.500 Wohnungen gebaut.

Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin, betont weiterhin, dass der Mietendeckel einer der „größten Fehlentscheidungen“ der aktuellen Berliner Regierung sei: „Sein Inkrafttreten ist das Ergebnis einer planlosen Wohnungsbaupolitik, die jetzt versucht, hausgemachte Probleme mit staatlichen Eingriffen zu lösen. Den Preis zahlen am Ende wir alle.“ Und weiter: „Berlin braucht mehr bezahlbare Wohnungen, dazu braucht es in allererster Linie mehr Neubau. Andere Städte wie etwa Hamburg machen es vor: Im Schulterschluss mit der Wirtschaft entstehen mehr Wohnungen und kann die Mietpreisentwicklung gedämpft werden. Die Einführung des Mietendeckels wird das Gegenteil bewirken.“ (sz)

 

 

Erstes MALMENDIER LEGAL-Frühstücksgespräch mit MdB Thomas Heilmann

Bei den vielen Veranstaltungen zum Berliner Mietendeckel und den Folgen war die der Berliner Kanzlei Malmendier Legal mit Ex-Justizsenator und Bundestagsabgeordnetem Thomas Heilmann die fundierteste. Im Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestages – mit eindrucksvollem Blick auf das Reichstagsgebäude – gab Heilmann, der für die von der CDU angestrengte Normenkontrollklage gegen das Berliner Mietendeckelgesetz (MietenWoG Berlin) verantwortlich ist, einen Überblick über den Verlauf des Verfahrens in Karlsruhe vor dem Bundesverfassungsgericht.

Malmendier Legal-Frühstücksgespräch

Team MALMENDIER LEGAL (von rechts):
Rechtsanwältin Lilly Pfaf, Rechtsanwalt Christoph Brzezinski, Shirley Abramowicz. | Foto: BERLINboxx

Konsequenzen nach Inkrafttreten des Berliner Mietendeckelgesetzes am 23. Februar 2020

Der Zeitpunkt für das Malmendier Legal-Frühstücksgespräch konnte nicht besser gewählt werden: In drei Tagen, am 23. Februar, tritt das Gesetz in Kraft und hat insbesondere für Vermieter weitreichende Folgen, die bei Verstößen mit einem Bußgeld bis zu 500.000 Euro geahndet werden.

Timeline der Normenkontrollklage beim Bundes-verfassungsgericht

Das vom rot-rot-grünen Senat verabschiedete Gesetz schafft Unsicherheiten auf allen Ebenen. Die zentrale Frage in der Diskussion mit 30 Gästen aus der Immobilienwirtschaft lautete: Ist der Mietendeckel verfassungswidrig und wird er vom Bundesverfassungsgericht gekippt? Heilmann gab einen Überblick zu den Entscheidungswegen des Gerichts und die Struktur der Zusammensetzung. Die Prognose zum Zeitpunkt der Entscheidung war schwierig: „Es kann bis Anfang 2021 dauern, aber auch ganz schnell gehen“, so Heilmann.

Christoph Brzezinski, bei Malmendier Legal für Öffentliches Wirtschaftsrecht, insbesondere im Öffentlichen Bau-, Planungs- Denkmalschutz- und Umweltrecht zuständig, diskutierte u. a. mit Dieter Blümmel vom Grundeigentum-Verlag die interessante Frage, ob sich im Falle des Scheiterns des Gesetzes ein Staatshaftungsrecht über europäisches Recht durchsetzen lässt. Blümmel hat dazu eine Prüfauftrag ausgelöst. Ergebnisse werden kurzfristig erwartet. (FS)