Heftige Debatten um Wohnungspolitik

Laut Stadtentwicklungsplan braucht Berlin bis zum Jahr 2030 194.000 neue Wohnungen, um dem prognostizierten weiteren Bevölkerungswachstum gerecht zu werden und den stark angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Allein 117.000 Wohnungen seien laut Stadtentwicklungsbehörde nötig, um den Bedarf durch den erwarteten Bevölkerungszuwachs um 181.000 Menschen zu decken. Weitere 77.000 Wohnungen werden gebraucht, um das Defizit aus den vergangenen Jahren auszugleichen. Die Opposition wirft der zuständigen Bausenatorin, Katrin Lompscher, Realitätsferne vor. Nach ihrer Auffassung müssten bis 2030 rund 250 000 Wohnungen entstehen, um eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu erreichen. Lompscher schaffe nicht einmal die Zielmarke von 30 000 Wohnungen im Jahr.

Stadtentwicklungsplan unrealistisch?

Der wohnungspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff, spricht sogar von Versagen der rot-rot-grünen Regierung. „ Sie kriegen hier in Berlin nichts auf die Reihe!“ Der Stadtentwicklungsplan gehöre in den Papierkorb. Er beruft sich auf die aktuellen Zahlen zu Wohnungsbaugenehmigungen in der Hauptstadt, die vom Landesamt für Statistik veröffentlicht wurden. Demnach ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich gesunken.

Gemeinwohlorientierte Unterkünfte geplant

Nachdem in Berlin in den vergangenen Jahren vor allem teure Wohnungen errichtet wurden, sollen in den kommenden Jahren verstärkt preiswerte Unterkünfte entstehen. Jede zweite neue Wohnung, die bis zum Jahr 2030 geplant ist, soll im sogenannten gemeinwohlorientierten Wohnungsbau entstehen. Laut Senatorin Lompscher liegt die Preisspanne der gemeinwohlorientierten Wohnungen derzeit zwischen der Einstiegsmiete für den sozialen Wohnungsbau von 6,50 Euro und weniger als zehn Euro je Quadratmeter Wohnfläche kalt. Damit sollten „breite Kreise“ der Stadtbevölkerung erreicht werden. Ziel ist, dass 100.000 Wohnungen als gemeinwohlorientierte Unterkünfte entstehen. Dazu zählen alle Bestände von städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen, von sozialen und karitativen Trägern plus Sozialwohnungen anderer Akteure, etwa privater Vermieter.

Elisabeth-Aue in Pankow als Baufläche geplant

Der Schwerpunkt des Neubaus soll auf die 14 bereits geplanten neuen Stadtquartiere gelegt werden. Dazu gehören unter anderem die Europacity am Hauptbahnhof, die Wasserstadt Oberhavel und die Buckower Felder. Während zu Beginn der Arbeiten am Stadtentwicklungsplan zunächst nur Flächen für den Bau von 179.000 Wohnungen ausgewiesen wurden, sind mittlerweile rein rechnerisch genug Bau-Areale gefunden. Der Entwurf für den Plan führt jedenfalls Flächen für den Bau von fast 199.000 Wohnungen auf.  Eingeflossen ist dabei auch der Güterbahnhof Pankow, auf dem 2000 Wohnungen geplant sind.

Vorhersehbare Debatten innerhalb der Regierung

Für weiteren Konfliktstoff in der rot-rot-grünen Koalition könnte sorgen, dass die Elisabeth-Aue in Pankow in der Planung als Baufläche mit aufgeführt wird. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD, Linke und Grüne noch darauf verständigt, Baupläne auf dem etwa 70 Hektar großen Acker in dieser Legislaturperiode nicht weiterzuverfolgen. Nun doch nicht?

Mieterverein begrüßt die Neuausrichtung der Planungen

Schon lange forderte die Immobilienwirtschaft den Wohnungsbau auf Flächen wie der Elisabeth-Aue. Angesichts immer knapperer Baulandreserven sei das auch unverzichtbar.

 

Keine Bürgschaften für Berlinovo ab 2020

Vor 17 Jahren erschütterte ein Bankenskandal Berlin. Die Folgen waren erheblich und rissen die Stadt fast in den finanziellen Abgrund. Das im Zuge des Bankenskandals 2001 gegründete Unternehmen Berlinovo soll ab 2020 keine Bürgschaften des Landes Berlin mehr erhalten. Das gaben Berlins Regierungschef Michael Müller und Finanzsenator und Aufsichtsratsvorsitzender der Berlinovo Matthias Kollatz (beide SPD) nun bekannt. Das mittlerweile komplett landeseigene Wohnungsunternehmen Berlinovo, das einst aus der Risikomasse der Bankgesellschaft hervorging, steht laut Kollatz nunmehr auf so stabilen wirtschaftlichen Füßen, dass es auch ohne Landesbürgschaften kreditfähig sei.

Räumungsklage gegen Berlinovo

Aktuell liegt jedoch die Räumungsklage eines privaten Eigentümers vor, der der Berlinovo ein Objekt auf der Fischerinsel vermietet hat.  Der Vorwurf lautet, dort sogenannte „boarding houses“ mit Wuchermieten von bis zu 28 Euro pro Quadratmeter zu betreiben. Das wäre nicht nur ein Verstoß gegen die vertraglichen Vereinbarungen, sondern vor allem auch eine Wohnraumentziehung par excellence – und das in Zeiten höchster Wohnungsnot!

Davon abgesehen entsteht durch die Räumungsklage für die Berlinovo und das Land Berlin ein Schadensersatzrisiko in Höhe von 1,2 Mio Euro. Die Berlinovo leugnet in der Klageerwiderung rundweg, befristete Mietverträge geschlossen zu haben. Dabei wirbt die Berlinovo selbst auf der Website und in allen Werbeauftritten mit „Möbliertes Wohnen auf Zeit“. In der Vergangenheit gab es schon mehrfach Kritik an der Preispolitik und dem Geschäftsgebaren der Berlinovo, die Rede war sogar von einer regelrechten „Doppelmoral„.

Wieso ist die Berlinovo nicht Teil des Mietenbündnisses?

Fraglich ist außerdem, warum die Berlinovo  immer noch nicht Teil des Mietenbündnisses sowie Teil der Kooperationsvereinbarung zwischen landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und Senat ist. Die Berlinovo argumentiert, der Gesellschaftszweck lasse ein daseinsversorgungsorientiertes Handeln nicht zu. Warum lässt sich der Gesellschaftszweck mit der beherrschenden Mehrheit von Senat und Berlinovo nicht ändern? Damit könnte ein daseinsversorgungsorientiertes Handeln möglich werden und die Politik des Senats, die sich die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum zum Ziel gesetzt hat, unterstützt werden.

„Es ist uns gelungen, großen Schaden abzuwenden. Das ist ein Erfolg und eine große Erleichterung für alle Beteiligten, außerdem gut für eine stabile Wirtschaftsentwicklung in der Hauptstadt. Wir haben das Glück des Tüchtigen gehabt“, so Kollatz im Rahmen einer Pressekonferenz im Roten Rathaus.

Schadensersatzrisiken durch Berlinovo-Geschäftspraktiken

Das ist sicher erfreulich, doch warum werden dann unnötig hohe Schadensersatzrisiken durch vollkommen unbeholfenen Vertragsbruch eingegangen? Laut Kollatz ist die Berlinovo ein wichtiger Faktor beim Bau von Wohnungen in Berlin, vor allem bei Unterkünften für Studenten werde es künftig noch stärker aktiv. Ziel sei eine Konzentration der Geschäftstätigkeit auf die Hauptstadt, 109 auswärtige Immobilien würden bis 2020 verkauft. Aktuell hat die Berlinovo 20 500 Wohnungen in Berlin, darunter 6500 teils möblierte Appartements. Hinzu kommen 2800 Studentenappartements im Bestand und in der Planung, 145 Büros und 4000 weitere Immobilien unterschiedlichster Art. Darunter sind ein Hotel, ein Ärztehaus und eine Tankstelle – und eben „boarding houses“.

Es bleiben also viele Fragen offen. Der Bankenskandal mag nun nach dem Willen der Politik abgeschlossen sein, die Berlinovo wird jedoch sicher weiter für Schlagzeilen sorgen. (kh)

 

Müller ehrt gesellschaftlich engagierte Firmen mit Berliner Unternehmenspreis

Der Berliner Unternehmenspreis ist eine gemeinsame Auszeichnung des Regierenden Bürgermeisters, der IHK Berlin und der Handwerkskammer Berlin. Verliehen wird die Medaille in Erinnerung an den Unternehmer Franz von Mendelssohn (1865-1935).

Mit dem Preis sollen Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer geehrt werden, die sich durch den Einsatz finanzieller, materieller oder personeller Mittel engagieren und durch gesellschaftlich vorbildliches Unternehmertum zum Nachahmen anregen. Gefragt sind dabei sowohl Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich durch persönliches Engagement auszeichnen als auch Unternehmen, die Freiräume für das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter schaffen.

Insgesamt gab es drei Preisträger

In den einzelnen Kategorien wurden folgende Gewinner ermittelt:

Bis zu 50 Mitarbeitern:  Ände GmbH – Limonadenfirma, Startup-Unternehmen

Mehr als 50 Mitarbeiter:  Verlag Der Tagesspiegel GmbH

Der Sonderpreis ging an die Berlin Social Academy (BSA), ein Projekt von Scholz & Friends Reputation, Zalando, Scout24 und BZ

„Gemeinsam verleihen wir dem Preis eine noch höhere Sichtbarkeit und Wirksamkeit. Die Würdigung des sozialen und gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen der Berliner Wirtschaft ist ein wichtiges Anliegen aller Beteiligten, denn dieser Einsatz hat eine große Bedeutung für die Stadt, die Zivilgesellschaft, für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft“, betonte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller.  Sie leiste damit Großartiges für das Gemeinwesen und sei damit nicht nur Treiber von gesellschaftlichem Fortschritt und Wohlstand, sondern auch von Zusammenhalt und Demokratie.

Überwältigende Vielfalt und Umfang des Engagements

Die Initiatoren sind sich einig, dass Verantwortung für das Gemeinwohl alle angehe. Der Wettbewerb habe erneut gezeigt, dass sich die Berliner Unternehmerschaft dieser Verantwortung bewusst sei und sie vorbildlich wahrnehme. Der Präsident der Handwerkskammer Berlin, Stephan Schwarz, ist fasziniert von dem regen Einsatz: „Die Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer sind mit viel Energie und Kreativität für die Gesellschaft aktiv. Sie tun Gutes und leisten so einen Beitrag zu gesellschaftlicher Stabilität. Die zahlreichen Bewerbungen haben uns wieder einmal beeindruckt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um große Konzerne oder Ein-Mann-Betriebe handelt. Gerade die kleineren Firmen sind oft unglaublich erfinderisch.“ (kh)

Immo Corporation – Das digitale Immobilienmaklernetzwerk

Gemeinschaftsgeschäfte im Immobilienbereich sind in anderen Ländern bereits gang und gäbe. In den USA resultieren fast alle Immobilienvermittlungen aus solchen Gemeinschaftsgeschäften. Europa hinkt noch hinterher, auch wenn die Tendenz steigend ist. Die Immo Corporation nutzt die Möglichkeiten des Internets und unterstützt Makler dabei, ihre Geschäfte schneller und mit weniger Aufwand durchzuführen als bisher. Das Unternehmen sieht sich als Partner der Makler und möchte auch so wahrgenommen werden. Denn schließlich sitzen alle im gleichen Boot und haben die gleichen Ziele – eine Immobilie zu vermitteln.

Digitale Plattform für Makler

Immo Corporation stellt Maklern eine digitale Plattform zur Verfügung. Auf der geschlossenen Plattform können ausschließlich geprüfte Immobilienmakler ihre Objekte schnell und transparent mit anderen Maklern handeln. Dadurch potenziert sich die Anzahl der vermarktbaren Objekte und der potenziellen Kunden. Die detaillierten Inserations- und Suchmasken wurden speziell für Immobilienmakler konzipiert. Sie erlauben eine professionelle Inseration und Suche in den richtigen Kategorien. Hinzu kommt durch das Multi Listing System eine extrem kurze Vermarktungsdauer. Ein großer Vorteil für deutsche Makler, die meist nur offline organisiert sind und die digitalen Möglichkeiten, die Geschäfte effizient und gesichert abzuwickeln, oft nicht nutzen.

Immo Corporation: Der Allround-Digitalpartner für Immobilienvermittler

Immobilienmakler erhalten Zugang zur Plattform und können aufgrund der ausgereiften Technologie die Eckdaten der Immobilie einsehen. Damit schafft Immo Corporation Vertrauen, bindet die Makler mit ein, verhindert Missbrauch und achtet sehr genau auf Datenschutz. Auf Wunsch können die Immobilienmakler auch mit dem Kooperationspartner Paybondo eine Provisionsauszahlungsgarantie in Anspruch nehmen und ihr Gemeinschaftsgeschäft so absichern. Die Zielgruppe: Rund 360.000 Makler allein nur in Europa.
Auf dem Weg in die Digitalisierung hilft Immo Corporation dem Makler bei der Erstellung von Webseiten, entsprechendem Content, Social Media und SEO-Maßnahmen.
Immo Corporation hat sich das große Ziel gesetzt das führende Makler-Portal in Deutschland und Europa zu werden und Immobilienvermittler mit den digitalen Möglichkeiten des Immobilien-Gemeinschaftsgeschäfts vertraut zu machen. (kh)

Tegel bekommt einzigartiges Energienetz

Noch ist der Airport TXL in Betrieb, doch damit soll ja in absehbarer Zeit Schluss sein. Und genau aus diesem Grund haben die Berliner Stadtwerke und der Stromversorger E.ON nun einen bedeutenden Schritt vollzogen. Gemeinsam haben sie für den am Flughafen geplanten Forschungs- und Industriestandort Urban Tech Republic und das Schumacher Quartier ein hochinnovatives Energiekonzept entwickelt. Mit dem haben sie als Bietergemeinschaft eine EU-weite Ausschreibung gewonnen. Das Areal soll künftig über ein neuartiges Niedrigtemperaturnetz mit Wärme und Kälte versorgt werden. Umweltfreundlich, nachhaltig und innovativ, so kündigte es die Bietergemeinschaft an. 60 Millionen Euro kostet dieses ausgereifte Energiekonzept für das gesamte Areal. Das Land Berlin hat für die Umsetzung die Tegel Projekt GmbH beauftragt.

Kosten sparen

Es soll eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas werden, das auch die rund 5000 Wohnungen einbezieht, die im Schumacher Quartier entstehen sollen. Es ist geplant, diese neuen Wohnungen technisch so auszustatten, dass sie mit dem neuen Wärmenetz korrespondieren. Das sogenannte Low-Exergie-Netz (kurz: LowEx-Netz) hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber klassischen Fernwärmenetzen. Es arbeitet mit einer niedrigeren Betriebstemperatur. Dadurch können Wärmeverluste reduziert werden, also auch Kosten. Im Winter wird das Wasser nur auf 40 Grad anstatt auf 120 Grad erhitzt. Im Sommer reichen 20 Grad. So können die angeschlossenen Labor- und Bürogebäude mittels Wärmepumpen die für sie optimalen Temperaturen herstellen. Die Jahreskosten sollen laut Projektbetreiber für Abnehmer von LowEx-Wärme bei Berlin TXL deutlich unter denen vergleichbarer Fernwärmesysteme liegen.

Netz soll Energie aus Solaranlagen, Kraftwerken, Geothermie und Abwasserwärme vereinen

Außerdem kann überschüssige oder selbst erzeugte Energie, beispielsweise Energie aus erneuerbaren Quellen oder Produktionsabwärme von Gewerbe- und Industriebetrieben, dem System zugeführt werden. Jeder Kunde ist also zugleich auch Produzent. „In der geplanten Größenordnung ist das LowEx-Netz weltweit einzigartig“, sagte Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH. Mit einer Länge von zehn Kilometern sei das Wärmenetz das nachhaltigste Energiesystem, das wir kennen. 80 Prozent der gelieferten Wärme stamme aus erneuerbarer Energie. Man wolle mit der Kohlendioxid-Reduktion so „nah an die Null wie es geht“, betonte Bouteiller. Das ist ein sportliches Ziel – aber so ist Berlin halt.

Ein Leuchtturm-Projekt

Bis 2050 will sich die Hauptstadt zur klimaneutralen Metropole wandeln. Ein Mammutprojekt, wie in Tegel, muss da natürlich die Vorreiterrolle übernehmen. So sieht es auch Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe. Als kommunales Unternehmen setze man auf einem für Berlin sehr bedeutsames und emotional besetztes Gelände ein Energiekonzept mit Leuchtturmcharakter um. Für diesen Plan gibt es allerdings eine unabdingbare Voraussetzung: der Flughafen Berlin Brandenburg muss fertig werden. Bisher hält BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup am Termin fest: Im Oktober 2020 soll der neue Flughafen eröffnen.

Baubeginn in drei Jahren

Ein halbes Jahr nach der BER-Eröffnung soll Tegel geschlossen werden. Der Baubeginn ist demnach im Sommer 2021, man rechnet mit einer Bauzeit von drei bis fünf Jahren. Die Bietergemeinschaft ist sehr optimistisch und motiviert. Allein schon der Zuschlag durch das Land Berlin beweise, dass „klimafreundliche Lösungen sich auch wirtschaftlich durchsetzen können, wenn sie intelligent und innovativ entwickelt“ würden. „Für uns ist es das erste Netz einer völlig neuen Generation und ein wichtiger Schritt für die kommunale Energiewende“, sagte E.ON Vorstandsmitglied Karsten Wildberger.

Abschied nehmen

Für Tegel-Fans und Nostalgiker sieht es wahrscheinlich immer düsterer aus. Nicht nur das Abgeordnetenhaus stimmte im Juni für eine Schließung von TXL. Auch die FDP zögert. Wer weiß, ob die Liberalen noch mit einer Klage beim Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin dem Volksentscheid zur Durchsetzung verhelfen wollen. (kh)

BGH-Urteil: Kein Widerrufsrecht bei Mieterhöhung

Hat ein Mieter einmal seine Zustimmung zu einer Mieterhöhung gegeben, dann kann er diese Zustimmung später nicht mehr widerrufen. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 17. Oktober 2018 hervor. Mietern steht demnach grundsätzlich kein Recht auf einen Widerruf zu, wie es beispielsweise bei Haustürverkäufen oder beim Online-Shopping gilt.

Widerrufsrecht nicht anwendbar

„Das Widerrufsrecht soll Verbraucher vor Fehlentscheidungen schützen“, sagte die Vorsitzende Richterin zur Begründung. Doch bei einer Mieterhöhung gebe es kein Informationsdefizit. Im Gegenteil, der Vermieter müsse in seinem Schreiben eine genaue und ausführliche Begründung vorlegen. Außerdem stünde der Mieter auch nicht unter zeitlichem Druck. Er habe vielmehr eine „Überlegungsfrist“ von zwei Monaten. Aus diesem Grund sei das Widerrufsrecht hier nicht anwendbar.

Ein Berliner Mieter hatte geklagt

Im Juli 2015 hatte ein Vermieter in Berlin von einem Mieter die Erhöhung der Monatsmiete verlangt. Der Vermieter forderte den Mieter schriftlich auf, einer Mieterhöhung auf das ortsübliche Niveau zuzustimmen. Das tat der Mieter zunächst auch. Kurz darauf widerrief er seine Zustimmung jedoch. Die erhöhte Miete zahlte er nur unter Vorbehalt. Außerdem klagte er auf Rückzahlung und auf eine Feststellung des Gerichts, dass die Mieterhöhung ungültig ist.

Bei dem Vermieter handelte es sich in diesem Fall um ein Immobilienunternehmen. Wäre die Klage erfolgreich gewesen, hätte es insgesamt 1.211,80 Euro an den Mieter zurückzahlen müssen. Der Kläger konnte sich aber bereits in den Vorinstanzen nicht durchsetzen. Am Ende entschied auch der Bundesgerichtshof: Ein Mieter hat generell kein Widerrufsrecht gegenüber einer Mieterhöhungserklärung.

In der Praxis ändert sich wenig

Der Deutsche Mieterbund äußerte sich überrascht: „Der BGH entscheidet, ja, aber nicht für Mieterhöhungen auf die Vergleichsmiete. Das ist widersprüchlich, zumal das Widerrufsrecht bei Haustürgeschäften weiter gilt“, sagte dessen Sprecher Ulrich Ropertz gegenüber dem Münchner Merkur. Letztlich ändere das BGH-Urteil aber nichts an der üblichen Praxis, meint Ropertz.

„Durch diese Entscheidung des BGH wird für Vermieter Rechtssicherheit geschaffen“, sagt hingegen der Berliner Notar Matthias Dols. Der Experte für WEG- und Mietrecht, dessen Kanzlei vorrangig die Interessen von Hauseigentümern und Wohnungsverwaltern vertritt, begrüßt das BGH-Urteil: „In den Fällen, in denen Mieter einer Mieterhöhung zugestimmt haben, kann der Mieter diese Zustimmung anschließend nicht einfach ohne Grund widerrufen. Die Entscheidung des BGH bringt eine erfreuliche Klarheit für alle Vertragsparteien.” (red)

Tempelhofer Feld: Ringen um die Randbebauung

Genau vor zehn Jahre stellte der Flughafen Tempelhof seinen Betrieb ein. Am 30. Oktober 2008 startete hier das letzte Flugzeug in Richtung Mannheim. In den vergangenen zehn Jahren konnte sich der Senat jedoch auf kein Konzept für die Nutzung des riesigen Tempelhofer Feldes einigen. Nach Volksentscheiden von 2008 und 2014 steht jetzt wieder eine Randbebauung des Tempelhofer Felds auf dem Programm.

Angestoßen hatte Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD) die erneute Debatte: „Die Diskussion beginnt wieder, weil der Druck wächst.“ Bis 2030 fehlen dem Land Berlin rund 194.000 Wohnungen, jedoch stehen nur Flächen für etwa 180.000 Wohnungen zur Verfügung. Anstelle der geforderten Randbebauung setzt die Rot-Rot-Grüne Koalition allerdings auf Verdichtungen. So sollen Supermarktdächer bebaut, Plattenbauten aufgestockt und Baulücken geschlossen werden.

Wirtschaft unterstützt Müller

Diese Maßnahmen sind nicht ausreichend, findet der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). „Der Wohnungsmarkt verschärft sich spürbar, wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren“, sagt BBU-Sprecher David Eberhart. Unterstützung findet seine Aussage von der Berliner Industrie und Handelskammer (IHK). „300.000 Einwohner mehr als noch vor zehn Jahren suchen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum. Eine Wirtschaft, die im selben Zeitraum um 20 Prozent gewachsen ist, sucht händeringend nach Flächen“, sagt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK. Es sei falsch, heutige Entwicklungen auf einer Faktenlage von 2008 zu diskutieren. Damals war die Situation auf dem Wohnungsmarkt vergleichsweise entspannt. „Daher gehört die Randbebauung des Tempelhofer Feldes mit gemischten Wohnquartieren auf die politische Tagesordnung“, fordert Eden. Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) plädieren ebenfalls für ein Umdenken in der Bewirtschaftung des Areals: „Trotz der rasanten Entwicklung Berlins dort nur Gras wachsen zu lassen, ist keine sehr kluge Entscheidung.“

Für den Erhalt der Grünfläche spricht sich naturgemäß die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld aus. Fast 740.000 Berlinerinnen und Berliner hätten 2014 gegen eine Bebauung gestimmt, um das Feld „für alle Zeiten als einzigartigen Ort für die Stadt, ihre Gesellschaft und Bevölkerung zu sichern“, so Michael Schneidewind, Vorstandsmitglied der Initiative. An dieser Entscheidung sei auch vier Jahre später nicht zu rütteln.

Flughafengebäude als Experimentierort

Im Gegensatz zum Feld stehen die Pläne für das ehemalige Flughafengebäude schon lange fest. „Das Flughafengebäude soll in den kommenden Jahren zu einem neuem Stadtquartier und Experimentierort werden: ein Areal voller Ideen, mit Raum zum Arbeiten und Ausprobieren, für Veranstaltungen und  vielfältige Begegnungen“, erläutert Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. Zu diesem Zweck finde bereits eine intensive Bürgerbeteiligung statt. „Mit der Öffnung des Towers, der Geschichtsgalerie und dem Alliiertenmuseums wird ein touristischer Magnet entstehen“, hofft Lompscher. (ke)

 

Neues Stadtquartier: 1500 Wohnungen entstehen in Friedenau

Nach langen Diskussionen soll es nun bald losgehen. Ein neues Stadtquartier wird auf der 60.000 Quadratmeter großen Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf im Ortsteil Friedenau entstehen. Waren ursprünglich 940 Wohnungen geplant, sollen nun deutlich mehr Wohneinheiten gebaut werden. 1.500 Wohnungen sieht die aktuelle Planung des neuen Stadtquartiers vor. Das teilten die zu einem Joint Venture zusammengeschlossenen Bauherren, die OFB-Projektentwicklung und die BÖAG Projekt AG, mit.

Die OFB-Projektentwicklung ist ein Tochterunternehmen der Landesbank Hessen-Thüringen. Die BÖAG ist ein Hamburger Familienunternehmen, das bereits in vierter Generation geführt wird.

Angepasster Wohnungsmix im Stadtquartier

Die „Friedenauer Höhe“, so der Name des neuen Stadtquartiers, liegt direkt neben dem S-Bahnring und der Stadtautobahn. Daher werden Nebenräume wie Küchen und Bäder zur Lärm-Seite angeordnet, Wohn- und Schlafräume entstehen hingegen zur lärmabgewandten Seite. Damit soll gewährleistet werden, dass die künftigen Bewohner vor dem Verkehrslärm geschützt sind.

„Durch eine optimierte Planung konnten zusätzliche Wohnungen gewonnen werden, ohne die Bebauungsdichte zu erhöhen“, so die Investoren. Der angepasste Wohnungsmix bilde „die Struktur der Berliner Haushaltsgrößen ideal ab, bei der über 80 Prozent der Einwohner in Single- oder Zweipersonenhaushalten leben“.

Die geplanten Unterkünfte sollen ein bis vier Zimmer haben und je nach Lage über einen Balkon, eine Dachterrasse oder einen Mietergarten verfügen.

25 Prozent Sozialwohnungen

25 Prozent der Unterkünfte sind als Sozialwohnungen geplant. Die Höhe der Mietpreise wollten die Bauherren auf Anfrage derzeit noch nicht mitteilen. Auch zur Höhe der Investitionskosten äußerten sie sich nicht.

Auf den ehemaligen Bahnflächen, die im Jahr 2010 privatisiert wurden, entstehen nicht nur Wohnungen. Zur Freiraumgestaltung gehören neben zwei Spielplätzen ca. 12.000 Quadratmeter Grün- und Spielflächen. Der Autoverkehr wird weitgehend unterirdisch abgewickelt, der Innenbereich selbst soll autofrei sein.

Baubeginn im Frühjahr 2019

Für rund 1300 Wohnungen wurden bereits die Bauanträge eingereicht. Die Bauherren erwarten die Baugenehmigungen „in den nächsten Wochen“. Das Gelände sei für den Bau bereits vorbereitet, eine Baustraße angelegt.

Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2019 im Westen des Areals beginnen. Bis Ende 2023 soll das gesamte Quartier fertiggestellt sein. Die Baustellenzufahrt ist an der Hauptstraße geplant. So soll die Belastung der Anwohner durch den Baustellenverkehr laut Investoren minimiert werden. (red)

 

Vertical City am Alex: Großstadtplatz neu gedacht

Für viele ist der Alexanderplatz, den schon Alfred Döblin in seinem berühmten Großstadtroman zum Protagonisten machte, das Herz der Hauptstadt. An kaum einem anderen Ort vereinen sich die Widersprüche der Metropole zu einer solchen Melange des großstädtischen Lebens: Berlin pur! Architektonisch ist der Platz geprägt durch die Nachkriegsmoderne, den Fernsehturm, das Park Inn Hotel, aber auch die Bauten des Architekten Peter Behrens. Diese sind bereits in den zwanziger Jahren entstanden. Für manche eine Ost-Berliner Betonwüste, für andere ein Abbild der Berliner Geschichte. Nun soll dem zusammengewürfelten Ensemble in Form eines schlanken Zwillingsturms, 130 Meter hoch, der sich aus einem 36 Meter hohen Sockel erhebt, ein neues und modernes Büro- und Wohnkonzept hinzugefügt werden. So sieht der Siegerentwurf des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton für das neue Hochhaus direkt neben dem Park Inn Hotel aus.

Wohnungen am Alexanderplatz

Das Bauvorhaben, dessen Fertigstellung bis 2023 das französische Immobilienunternehmen Covivio plant, ist in mehrfacher Hinsicht etwas ganz Besonderes: Nach der Fertigstellung des Gebäudes soll der Alexanderplatz nach Jahrzehnten wieder als Wohnadresse dienen. „Hier entstehen erstmals Wohnungen mitten auf dem Alexanderplatz“, so Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: „Es entsteht ein Stück vertikale Stadt, ein wohlproportionierter Turm in einem eleganten Kleid. Der Alexanderplatz wird damit nicht nur um ein neues Hochhaus, sondern um eine weitere prominente Adresse reicher.“

Vertikale Nutzungsmischung

Die Planung sieht eine vertikale Nutzungsmischung vor. In dem gemischt genutzten Hochhaus mit einer Geschossfläche von 60.000 Quadratmetern sind rund 27.000 Quadratmeter für Büros, 22.000 für Einzelhandel und 11.400 Quadratmeter für Wohnen, vorgesehen. Ferner sollen eine Kita, ein Fitness-Club sowie Restaurants und Cafés, eine Dachterrasse auf dem Sockelgebäude und ein großer begrünter Innenhof entstehen. Die Fassade des Hochhauses soll mit Photovoltaikeinheiten bestückt werden, sodass das Gebäude einen Teil seines eigenen Strombedarfs selbst produzieren wird. Mit Hilfe einer Kastenfensterkonstruktion wird es darüber hinaus ermöglicht, das Hochhaus auch natürlich zu belüften. Die Nutzung von Geothermie und Grauwasserwärme sollen das Konzept zur Energieeinsparung und CO2- Vermeidung komplettieren.

Zukunft des Bauens

Ein ambitioniertes Projekt, das an diesem besonderen Ort auch die Zukunft erzählen will. Auf 70 mal 70 Metern wird inmitten der Stadt eine vertikale Stadt entstehen. „Der Alexanderplatz wird als metropolitaner Ort in der Stadt gestärkt. Die Symbolik des Hauses reflektiert die Wichtigkeit des Ortes in der jüngsten Geschichte. Die aktive Fassade weist in die Zukunft des Bauens“, so die Architekten. Covivio Deutschlandchef Marcus Bartenstein fügt hinzu: „Am Ende werden wir einen echten vertikalen Campus schaffen, der mit der besten Infrastruktur im Herzen der Stadt verbunden ist. Dieser Ort, der zu einem neuen Ziel für die Menschen in Berlin wird, spiegelt unsere Sichtweise auf das zukünftige urbane Leben wieder. Das bedeutet Arbeiten, Entspannen, Wohnen, Einkaufen, Essen und Sport an einem Ort.“

Covivio will den Turm nicht nur entwickeln, sondern auch im Bestand halten. „Deshalb planen wir keine Eigentums-, sondern Mietwohnungen“, so Bartenstein. Rund 220 Wohnungen sind vorgesehen. Bei der Mietpreisgestaltung will man sich an aktuellen Marktpreisen orientieren, diese liegen aktuell bei 15 Euro je Quadratmeter. 400 bis 500 Millionen Euro will das Unternehmen insgesamt in den Turm samt Sockelgebäude investieren. (ak)

Berliner Konjunktur-Bericht: Ein goldener Herbst

95 Prozent der Berliner Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage als gut oder zufriedenstellend. Das ergab die traditionelle Umfrage zur Konjunktur im Herbst von Handwerkskammer Berlin und IHK Berlin, bei der mehr als 1200 Unternehmen mitgemacht haben. Auch die Geschäftserwartungen sind weiterhin optimistisch. Getrübt wird die Hochstimmung der Unternehmen lediglich durch den zunehmenden Fachkräftemangel.

Nie zuvor liefen die Geschäfte der Berliner Unternehmen so gut wie in den vergangenen sechs Monaten. Beim Handwerk erreicht der Geschäftsklimaindex mit 139 Punkten neue Rekordwerte. Bei 66 Prozent der Unternehmen laufen die Geschäfte gut, lediglich fünf Prozent der Befragten berichten von einer schleppenden Geschäftstätigkeit.

Grenzen des Wachstums

Die Unternehmen blicken auch weiterhin optimistisch in die Zukunft, jedoch sind die Geschäftserwartungen im Vergleich zum Frühjahr leicht rückläufig. Der Erwartungsindikator, der sich aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen saldiert, verliert vier Zähler. Ein Saldo von 28 Punkten ist zwar weiterhin ein hervorragender Wert, zeigt aber auch, dass viele Berliner Unternehmen trotz immer besser laufender Geschäfte Grenzen des Wachstums sehen.

Ein Grund dafür ist die angespannte Fachkräftesituation, die den befragten Unternehmen zunehmend Sorge bereitet: 74 Prozent der Befragten sehen den Fachkräftemangel als Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung – im vergangenen Jahr waren es 62 Prozent. Über alle Branchen hinweg will mehr als jedes dritte Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen. Oft bleibt die Suche nach Fachkräften jedoch erfolglos.

Konjunktur im Handwerk gut wie nie

„Die Konjunktur im Handwerk ist wie der Sommer in diesem Jahr – der Sonnenschein am Himmel über Berlin hört einfach nicht auf. Die Geschäftsergebnisse und auch die Erwartungen sind so gut wie noch nie. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieser Trend sich verändern wird“, findet Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. Der Baubereich im Handwerk boome und sei einer der Motoren der Konjunktur dieser Stadt. „Berlin ist und bleibt eine Baustelle – und das ist auch gut so“, sagt Wittke.

Diese Einschätzung teilt auch Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: „Die Berliner Unternehmen wachsen und überzeugen weltweit auf den Märkten. Berlin ist wichtigster deutscher Standort für digitale Geschäftsmodelle, etwa Fintechs, die zum dynamischen Treiber des Aufschwungs der Stadt geworden sind.“ Doch wachse der Standort nicht schnell genug mit den Berliner Unternehmen und ihren Märkten mit. Immer mehr Unternehmen melden Wachstumsrisiken an – weil Flächen, Fachkräfte, Verkehrs- und Digitallösungen fehlen. „Diese Effekte summieren sich und gefährden mittelfristig den Aufschwung der Stadt. Berlin muss an seiner strukturellen Fitness als Wirtschaftsstandort arbeiten. Der Senat muss in Infrastruktur und Bildung investieren, Gewerbeflächen sichern und entwickeln. Sonst stößt der Konjunkturboom an seine Grenzen“, warnt Edger.

Die Ergebnisse teilen sich wie folgt auf die spezifischen Branchen auf:

Handwerk

Das Berliner Handwerk ist in Hochstimmung. Der Geschäftsklimaindex – der sowohl die aktuellen Einschätzungen der Geschäftsergebnisse der letzten sechs Monate als auch die Erwartungen der Betriebe für die kommenden sechs Monate einschließt – bricht alle bisherigen Rekorde. Aktuell steht er bei 139 Punkten. Damit wird das bisherige Allzeithoch aus dem Herbst 2017 um weitere sechs Zähler übertroffen. In keiner der Umfragen seit 1991 waren die die Messwerte so gut. Sowohl der Saldo aus den Meldungen zu den erreichten Geschäftsergebnissen (54 Punkte) als auch der Erwartungshaltungs-Saldo (25 Punkte) erreichen absolute Spitzenwerte. Hintergrund dieser ausgezeichneten Stimmungslage sind die anhaltend gute Auftragslage sowie die starke Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen der Berliner Handwerksunternehmen.

Bauindustrie

In einer stark wachsenden Stadt wie Berlin gibt es naturgemäß einen großen Bedarf an Wohn- und Gewerberaum sowie an öffentlicher Infrastruktur. Entsprechend gut geht es der Berliner Bauindustrie. 80 Prozent der Unternehmen berichten von guten Geschäften, bei lediglich einem Prozent der Betriebe laufen die Geschäfte schlecht. Der Saldo von 79 Punkten entspricht dem besten jemals gemessenen Wert. Angesichts der sehr guten Konjunktur zweifeln einige Unternehmen inzwischen, dass die Geschäfte noch besser laufen werden – daher gehen die Erwartungen leicht zurück und der Saldo sinkt um acht auf nunmehr 15 Zähler. Nahezu alle Betriebe der Bauindustrie haben Sorgen wegen des Fachkräftemangels: 97 Prozent der Unternehmen benennen diesen Faktor als größtes Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung. Lediglich drei Prozent der Betriebe rechnen für die Zukunft mit einem Personalabbau. Von einer steigenden Beschäftigtenzahl gehen 19 Prozent der Betriebe aus.

Handel

Der Handel scheint konjunkturellen Gegenwind zu spüren: Der Saldo zur aktuellen Geschäftslage sinkt zum zweiten Mal in Folge und beträgt aktuell 40 Punkte. Jedes zweite Berliner Handelsunternehmen  bewertet die aktuelle Lage als gut, nur jedes zehnte berichtet von einer schlechten Geschäftslage. Auch bei der Einschätzung für die kommenden Monate sind die Unternehmen weniger zuversichtlich: Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen fällt auf 15 Punkte. Dementsprechend gehen auch die Investitionsabsichten zurück. Die Branche stellt sich auf unruhigere Zeiten ein, der Aufbau von Beschäftigung wird sich voraussichtlich verlangsamen.

Gastgewerbe

Der extrem warme und trockene Sommer hat bei den Unternehmen des Berliner Gastgewerbes zu einem neuen Höhenflug geführt. Rund 70 Prozent der Unternehmen sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, nur etwa jedes zehnte schätzt die Lage eher negativ ein. Damit erreicht der Indikator mit 61 Punkten wieder ein erfreulich hohes Niveau. Die Erwartungen der Unternehmen bleiben stabil auf einem Kurs um die 30 Punkte. Die Investitionsabsichten bewegen sich weiterhin auf einem hohen Level – hier wurde ein Indexwert von 40 Punkten ermittelt. 87 Prozent der Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahl konstant halten, acht Prozent wollen neu Arbeitskräfte einstellen. Fünf Prozent hingegen gehen von einer sinkenden Mitarbeiterzahl aus. Auch für diese Branche ist der Fachkräftemangel das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.

Dienstleistungsunternehmen

Dass die Berliner Konjunktur seit Jahren floriert, liegt zum großen Teil an der Dienstleistungsbranche. Sie setzte auch im Herbst 2018 positive Impulse. 70 Prozent der Unternehmen sprechen von guten Geschäften, lediglich drei Prozent sind unzufrieden. Allerdings scheint wegen der guten Geschäftslage der Spielraum für weitere Verbesserung ausgereizt – die Zahl der Stimmen, die weitere Verbesserungen der Geschäfte erwarten, nimmt ab. Dies ist nicht zuletzt der angespannten Fachkräftesituation geschuldet, die für drei Viertel der Betriebe ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung darstellt. 42 Prozent der Betriebe möchten neue Stellen schaffen, ob diese Pläne umgesetzt werden können, ist aufgrund des Fachkräfteengpasses aber fraglich. (red)