Regierung stellt Ergebnisse des Wohngipfels vor

Die Wohnungsnot in Deutschland erreicht ungeahnte Ausmaße. Seit 2013 stiegen in 79 von 80 deutschen Großstädten die Mieten dramatisch. Schätzungen der IG Bau zufolge sind in diesem Jahr 300.000 neue Wohnungen im Bau. Viel zu wenige, denn vor allem in Berlin spitzt sich die Lage immer weiter zu. Jährlich müssten es deutschlandweit 375.000 neue Wohnungen sein, vorausgesetzt die Koalition will ihr Ziel von 1,5 Millionen Wohnungen bis 2021 einhalten. Fest steht: Die Bundesregierung muss, wortwörtlich, eine Schippe drauflegen. Dazu diskutierten Politiker und Vertreter der Wirtschaft beim Wohngipfel am vergangenen Freitag im Kanzleramt über mögliche Maßnahmen.

Bereits kurz nach dem Wohngipfel kritisieren führende Verbände wie der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) die Ergebnisse des Treffens. „Neben Ankündigungen, die bereits im Koalitionsvertrag festgesetzt und zum Teil bereits umgesetzt wurden, hat sich die Bundesregierung leider wieder einmal auf Verbote und Eingriffe unter anderem in das Mietrecht konzentriert“, resümierte Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA die Ergebnisse des Wohngipfels. Im Wesentlichen einigen sich Bund und Länder im Abschlusspapier für eine Beschleunigung im Wohnungsneubau. Zusätzlich könnte die Digitalisierung der Baubehörden Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigen.

Wohnungsmangel: Die soziale Frage unserer Zeit

Jedoch herrschen Zweifel an der Effektivität der Ergebnisse des Wohngipfels. Denn die Interessen der verschiedenen Parteien könnten widersprüchlicher nicht sein. „Deshalb könnten sich die vereinbarten Maßnahmen gegenseitig ausbremsen oder an Kraft verlieren“, befürchtete Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).

Immerhin waren sich in einem Punkt alle einig: Der Wohnungsmangel ist die soziale Frage unserer Zeit. Es braucht leicht umsetzbare Instrumente, um die drastischen Mietsteigerungen zu bekämpfen. Von letzteren besonders stark betroffen sind Großstädte wie Berlin – in der Hauptstadt stiegen die Mieten einer Analyse von Immowelt zufolge seit 2012 um ganze 51 Prozent. Die Preissteigerungen betreffen überproportional die weniger wohlhabenden Bürger. Denn die Wohnungen fehlen nicht im überteuerten Luxus-Segment, sondern im Mittelstand und bei den Geringverdienern.

Entlastung von Mietern

Neuregelungen in Form einer „Wohngeldreform“ sollen nun den Geringverdienern helfen. Die Reform stärkt laut Beschlussvorlage des Wohngipfels das „Leistungsniveau und die Reichweite des Wohngeldes“. Sie soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten, allerdings besteht derzeit noch kein ausgereiftes Konzept. Genaue Auflagen gibt es hingegen bei der Umlage von Modernisierungskosten: Zukünftig dürfen Vermieter nur noch acht Prozent der Kosten auf die Mieter umlegen. Zuvor waren es elf Prozent. Die Umlage soll verhindern, dass Vermieter durch aufwändige und kostspielige Modernisierungen alteingesessene Mieter aus ihren Wohnungen treiben.

Zwar verschärfte die Regierung in den letzten Monaten bereits Instrumente wie die Mietpreisbremse ein, jedoch lässt der Erfolg nach wie vor auf sich warten. Auch Erfolge des kürzlich eingeführten Baukindergeldes, das Familien beim Wohnungsbau unterstützt, sind erst zukünftig absehbar. Ihm entgegen steht die hohe Grunderwerbssteuer. In den letzten 12 Jahren erhöhten die Bundesländer die Grunderwerbssteuer ganze 27 Mal.  Eine hohe Grunderwerbssteuer versperrt Familien, die einen Anspruch auf das Baukindergeld haben, dennoch den Weg ins Eigenheim.

Vorteile für Bauunternehmer

Bei Mietwohnungen hingegen stehen vor allem die Bauherren im Fokus. Unterstützung für Bauunternehmer bietet hier die sogenannte Sonder-AfA. Durch sie verbessern sich die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten beim Mietwohnungsbau, was den verstärkten Neubau fördern soll. Jedoch gingen die gegenwärtigen Richtlinien der Sonder-AfA an der Realität vorbei, bemängelte der BFW-Präsident Ibel. „Die maximale Obergrenze für Baukosten ist so niedrig angesetzt, dass sie gerade in den Ballungsgebieten kaum in Anspruch genommen werden kann“, so Ibel. Erforderlich sei eine Anpassung der Kennzahlen an die tatsächliche Situation in den Großstädten.

Als Abhilfe im Wohnungsneubau beschloss die Regierung auf dem Wohngipfel, bundeseigenes Bauland an Länder und Kommunen günstig abzutreten. Beispielsweise in Berlin, wo unbebaute Flächen knapp sind, könnte eine größere Verfügbarkeit von Bauland die Grundstückskosten senken. Im Endeffekt sorgt das für geringere Mieten. Darüber hinaus könnte der Bund auf seinen Grundstücken selbst zum Bauherrn werden. Für ein stärkeres Eingreifen des Bundes wäre allerdings eine Veränderung des Grundgesetzes nötig.

Trotz Wohngipfel: Markt entscheidet über Miethöhen

Trotz aller vorgestellten Ergebnisse darf nicht vergessen werden, dass allein der Wohnungsmarkt über die Miethöhen bestimmen darf. Eine größere Angebotsvielfalt ist daher die Grundvoraussetzung für sinkende Preise. Demnach sollte der Bund sich vor allem darauf konzentrieren, das im Koalitionsvertrag erklärte Ziel, den Neubau von 1,5 Millionen Wohnungen, zu erreichen. Die auf dem Wohngipfel beschlossenen Maßnahmen sind ein erster Schritt in die Richtung, jedoch längst nicht ausreichend. Der Bund muss selbst zur Tat schreiten und durch die Grundgesetzänderung die Möglichkeit erhalten, verstärkt in den Wohnungsbau einzugreifen. Denn egal, woher die Hilfe kommt: Sie wird dringend benötigt. Alle Parteien müssen an einem Strang ziehen, um das Probleme der Wohnungsnot effektiv zu bekämpfen. (ke)

Wohngipfel in Berlin: Es muss ein Umdenken stattfinden!

Die grassierende Wohnungsnot in deutschen Städten wird als eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit gesehen. In den Metropolen wird Wohnen auch für Normalverdiener unbezahlbar. Kern des Problems: Es gibt vor allem in den Großstädten zu wenig Wohnungen, und es werden zu wenige neu gebaut. Es muss dringend ein Umdenken stattfinden.

Die Bedeutung und die Komplexität des Problems zeigen sich in der Teilnehmerliste des Wohngipfels in Berlin. Neben Kanzlerin Angela Merkel sind gleich vier Minister der Bundesregierung, alle Regierungschefs der Bundesländer, Vertreter der Städte und Gemeinden, mehr als ein Dutzend Verbände der Immobilien- und Wohnungsbranche, Mieterbund, Gewerkschaften und Baubranche vertreten.

Umdenken: Investoren und Architekten fordern Bebauung von Kleingartenflächen

Der Berliner Investor und Anwalt Arne Piepgras appelliert an die Politik, fordert ein radikales Umdenken und einen zielorientierten und nachhaltigen Masterplan Wohnen, der auch eine Bebauung von Kleingartenflächen in Betracht zieht. Für Andreas Becher, Vorsitzender des Landesverbandes des Bundes Deutscher Architekten, ein sinnvoller Vorschlag: „Wenn wir den Mut hätten, die Kleingärten, die zu mehr als 70 Prozent im Eigentum der Stadt sind, neu zu ordnen, hätten wir Platz für mindestens 300.000 bezahlbare Wohnungen“, so Becher. „Wir bräuchten nur ein Drittel der Fläche zu bebauen, der Rest blieben Kleingärten, Frei- und Grünflächen.“

 

Arne Piepgras fordert von der Politik einen konkreten Masterplan zur Bekämpfung der Wohnungsnot | Foto: BERLINboxx

Arne Piepgras fordert von der Politik einen konkreten Masterplan zur Bekämpfung der Wohnungsnot | Foto: BERLINboxx

Vordenker Piepgras hat der Berliner Politik den Vorschlag, Kleingärten – zumindest teilweise – zu bebauen, bereits vorgelegt. Konkret schlägt Piepgras vor, die innerstädtischen Kleingartenanlagen, die sich überwiegend auf Stadtflächen befinden, nicht nur für Wohnungsbau, sondern auch für die Entwicklung von dringend benötigten Schulen und Kitas zu nutzen: „Es ist immer die Rede von den vorhandenen freien Flächen in Berlin, die für den Wohnungsbau genutzt werden sollten. Dabei wird jedoch übersehen, dass für eine Schule etwa 50.000 qm benötigt werden. Flächen in diesem Ausmaß sind in Berlin kaum noch vorhanden.“

Studie: Mehrheit der Berliner begrüßt teilweise Bebauung 

Zuspruch erhält Piepgras dabei von einer Mehrzahl der Berliner. Eine Studie hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Menschen eine teilweise Bebauung von innerstädtischen Kleingartenflächen begrüßen wurde. Das Votum fällt umso deutlicher aus, wenn die Altersgruppen betrachtet werden, denn vor allem junge Menschen halten die Nutzung solcher Flächen als Bauland für sinnvoll.

Ein Umdenken ist substanziell: Kleingartenflächen dürfen keine heilige Kuh sein | Foto: pixabay.com

Ein Umdenken ist substanziell: Kleingartenflächen dürfen keine heilige Kuh sein | Foto: pixabay.com

„Die grassierende Wohnungsnot stellt uns alle vor große Probleme. Daher braucht es mutige Lösungsansätze. Staatliche Regulierungen wie etwa eine Mietpreisbremse bringen uns nicht weiter. Wir müssen bereit sein umzudenken und auch unbequemen Wahrheiten ins Gesicht zu blicken“, so Piepgras.

Dabei sollen die Kleingärtner keineswegs leer ausgehen. Als Alternative könnten die Laubenpieper Parzellen auf den im Umland Berlins befindlichen Stadtgütern erhalten. Auf diesen Flächen könnten soziale Quartiere entstehen, die dem Erholungsanspruch der Großstädter eher gerecht werden, als kleine Laubenpieperanlagen, die oftmals mitten in der Stadt zwischen Stadtautobahn und Hochhäusern liegen. In vielen anderen Ländern ist das schon lange Normalität: „Man sollte mal in unser Nachbarland Dänemark schauen. Die Menschen besitzen dort Parzellen außerhalb der Stadt, oft direkt am Meer. In Kopenhagen selbst wird man vergeblich nach innerstädtischen Kleingartenflächen suchen“, so Piepgras.

Bebauungsstudie: Stadtquartier mit 15.000 Wohnungen könnte entstehen

Exemplarisch ließ Piepgras durch den renommierten Architekten Rainer Michael Klotz eine Bebauungsstudie für die Anlage am Spandauer Damm durchführen.

Dort könnte ein eigenständiges Stadtquartier entstehen, ein neuer Kiez, der alles enthält, was die Bewohner benötigen: Wohnungen, Kitas, Schulen, Sportplätze, Grünflächen, Spielplätze, Lofts, Büros, Arztpraxen, Jugend- und Freizeiteinrichtungen, Gewerbe und Gastronomie. Neben der Infrastruktur könnten dort mehr als 15.000 Wohnungen entstehen.

„Solche Anlagen würden eben nicht nur Wohnraum bieten, sondern auch Parkanlagen und Grünflächen, die einen sicher höheren Beitrag für die Lebensqualität in der Stadt leisten würden als Laubenpieperanlagen und im Übrigen für alle Menschen, nicht nur für die Kleingärtner, nutzbar wären. Man muss sich nur einmal die Zahlen ansehen und Prioritäten setzen. 15.000 Wohnungen gegenüber einigen Gartenlauben“, sagt Piepgras.

Wohnungsnot: Appell an die Politik

Piepgras denkt in dem Zusammenhang nicht an den eigenen Profit, denn die Kleingartenflächen gehören der Stadt und sollten von landeseigenen Wohnungsbauunternehmen bebaut werden – was auch die Schaffung von dringend benötigtem günstigem Wohnraum ermöglichen würde. Vielmehr ist es dem Unternehmer wichtig, Perspektiven aufzuzeigen

„Ich appelliere an die Vertreter der Politik und auch an die Bewohner unserer Stadt. Die auf dem Wohngipfel besprochenen Vorschläge sind unzureichend. Die Wohnungsnot in den deutschen Städten wird sich in Zukunft dramatisch entwickeln. Wenn wir nicht heute die Weichen stellen für eine sinnvolle Nutzung von städtischen Flächen, wenn wir es nicht wagen, über den Tellerrand hinauszublicken, dann sehen wir uns in wenigen Jahren mit einer Situation konfrontiert, die sich nicht mehr zurückdrehen lässt,“ so Piepgras. (ak)

 

Grundsteinlegung der CG Gruppe am Ernst-Reuter-Platz

Die CG Gruppe, größter Mietwohnungsentwickler Deutschlands, feiert Grundsteinlegung für die Residenz am Ernst-Reuter-Platz. Dort sollen  insgesamt 141 attraktive, Wohnungen entstehen. Die Größe der Apartments wird zwischen 35 und 161 Quadratmetern variieren.

Auf dem 4.300 Quadratmeter großen Grundstück im Herzen Berlins sollen knapp 11.000 Quadratmeter Wohnfläche und eine Tiefgarage entstehen. Die Residenz wird den hauptsächlich den durch Forschung, Arbeit und Gewerbe geprägten zentralen Stadtraum um das dringend benötigte Segment Wohnen bereichern.

CG Gruppe feiert Grundsteinlegung am Ernst-Reuter-Platz. Foto: BERLINboxx

Obwohl der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zu den einkommensstärkeren Stadtteilen gehört, entstehen am Ernst-Reuter-Platz keine überteuerten Luxuswohnungen. „Eine Wohnung ab 600 oder 700 Euro hat mit Luxuswohnung nichts zu tun“, betont Christoph Gröner, Gründer und Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe. „Ein Luxus, den wir uns gerne leisten, ist die Einsparung von CO2“, ergänzt Gröner. Denn die CG Gruppe nutzt umweltfreundliche Innovationen, wie CO2-neutrale Heizungssysteme und ökologische Dämm- und Baustoffe in ihren Bauprojekten. Neben der Einsparung von Heiz- und Stromkosten leistet das zukunftsorientierte Bauen so auch einen Beitrag für nachfolgende Generationen. Der Vorstandsvorsitzende der CG Gruppe ist sich sicher: „Wir stehen in der Pflicht, etwas für unsere Gesellschaft zu tun.“

Wohnen am Ernst-Reuter-Platz

Standortspezifisch zeichnet sich der Ernst-Reuter-Platz vor allem durch seine zentrale Lage und gute Verkehrsanbindung aus. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Kurfürstendamm, der umfassende Kultur- und Einkaufsmöglichkeiten bietet. Entspannungssuchende können sich über die Nähe zum Tiergarten freuen und auch die Technische Universität Berlin, eine der renommiertesten Universitäten Deutschlands, befindet sich in unmittelbarer Nähe.

Christoph Gröner (l.), Vorstandsvorsitzender CG Gruppe, neben Klaus Betz und Claudia Haushahn von der Württembergischen Lebensversicherung. Foto: BERLINboxx

„Die meisten Menschen verbinden den Ernst-Reuter-Platz vor allem mit der Technischen Universität. Wir freuen uns, dass wir diesem Standort mit der Residenz am Ernst-Reuter-Platz nun auch qualitativ hochwertigen Wohnraum hinzufügen“, so Jürgen Kutz, Vorstand der CG Gruppe. „Der Planungs- und Ausführungsprozess liegt im Zeitplan und wir freuen uns bereits auf das Richtfest im Sommer nächsten Jahres.“

Architektonisches Highlight in Charlottenburg

Der Entwurf des renommierten Architekturbüros Hemprich Tophof sieht einen 8-geschossigen, U-förmigen Gebäudekomplex mit geschwungenen Balkonen und großzügigen Fensterflächen zum grünen Innenhof vor, die assoziativ an den Namensgeber der Straße, den Optiker und Physiker Joseph Fraunhofer erinnern. Dieser hatte schon Anfang des 19. Jahrhunderts Experimente zur Wellenförmigkeit und Beugung des Lichts durchgeführt.

Visualisierung der Residenz am Ernst-Reuter-Platz. Quelle: Hemprich Tophof Architekten

Visualisierung der Residenz am Ernst-Reuter-Platz. Quelle: Hemprich Tophof Architekten

Für die Fertigstellung des Gebäudes ist der Sommer 2020 avisiert. (ke)

Wohnungsnot: IHK stellt Bau- und Flächenkonzept vor

In Berlin wird derzeit kaum ein Thema so viel diskutiert wie die Not auf dem Wohnungsmarkt. Rund 77.000 Wohnungen sollen in der deutschen Hauptstadt fehlen. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) prognostiziert, dass bis 2030 insgesamt sogar bis zu 200.000 Wohnungen benötigt werden. Derweil verfehlt die rot-rot-grüne Koalition ihre selbst gesteckten Ziele und musste zuletzt die Zahl der geplanten Wohnungen nach unten korrigieren.

Angesichts dieser kritischen Lage hat die IHK Berlin den Senat nun dazu aufgefordert, die Wohnungsbaupolitik umzusteuern.

Wohnungsnot: IHK stellt Bau- und Flächenkonzept vor

Aufgrund der gut ausgebauten Infra- und Wirtschaftsstruktur galt Berlin als attraktiver Standort für zahlreiche Investoren und Unternehmen. Doch mittlerweile hat der angespannte Wohnungsmarkt die Attraktivität Berlins als Industrie- und Wirtschaftsstandort längst überschattet. Besonders für Fachkräfte vieler ansässiger Unternehmen wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Die Mietpreise sind in den vergangenen Jahren infolge der Wohnraumverknappung dramatisch angestiegen. Parallel dazu wird in Deutschlands einziger Metropole viel zu wenig gebaut. Die Bundeshauptstadt hat zwar ambitionierte Baupläne, hängt aber mit dem tatsächlichen Wohnungsbau stark hinterher.

Um den Wohnungsbau zu beschleunigen, stellte die IHK vergangene Woche das Konzept „Fünf Bausteine für die Bau – und Flächenpolitik in Berlin“ vor. In erster Linie ist das Baukonzept für das Aufstocken, Ausbauen von Dachgeschossen oder Wohnungsbau über Supermärkten gedacht. Dadurch könnten insgesamt bis zu 42.000 zusätzliche Wohneinheiten entstehen.

Privatinvestoren als Chance

Darüber hinaus plädiert die Industrie- und Handelskammer dafür, mehr private Investoren in den Wohnungsbau der Hauptstadt zu involvieren. „Die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften können nur einen Bruchteil der benötigten Wohnungen bauen. Das heißt: Die Privaten sind nicht das Problem sondern ganz im Gegenteil der maßgebliche Teil der Lösung. Das muss die Politik endlich anerkennen und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen“, so Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin.

Um jedoch mehr Privatinvestoren ins Boot holen zu können, müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden. Denn vor allem die Bauordnung stellt den privaten Investoren bei der kooperativen Baulandentwicklung ein erhebliches Hindernis dar. „Immer mehr gesetzliche Vorschriften machen das Bauen immer teurer. Wirtschaftlichkeit ist aber nun einmal Grundlage privater Bautätigkeit. Den Preis für diese verfehlte Baupolitik zahlt am Ende die breite Mittelschicht“, kritisiert Eder.

IHK fordert flächendeckendes Gewerbeflächeninformations- system

Während die Wohnungen auf der einen Seite immer knapper werden, fehlt es auf der anderen Seite aber auch vermehrt an Gewerbeflächen. Hierzu forderte die IHK ein flächendeckendes Gewerbeflächeninformationssystem. „Wirtschaft braucht Platz. Deshalb benötigt Berlin ein Gesamtkonzept für seine Industrie – und Innovationsstandorte“, fordert der Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Angesichts der Flächenknappheit sieht die IHK vor, die Ränder des Tempelhofer Felds, der Schönerlinder Straße oder der Elisabeth-Aue zu bebauen.

Dem Land Berlin kommen diese Maßnahmen sehr entgegen, denn gerade jetzt besteht Handlungsbedarf, um die Wohnungsnot in den Griff zu bekommen. Noch ist die Hauptstadt ein attraktiver Standort für viele Unternehmen. Doch wenn Firmen keine Gewerbeflächen sowie bezahlbare Unterkünfte für ihre Angestellten finden, könnte sich dies bald ändern. (dn)

IVD: Baukindergeld ein Jahr nach Wahl umgesetzt

„Ein Jahr nach der Bundestagswahl ist ein wichtiger Punkt aus dem Koalitionsvertrag und ein wichtiges Anliegen des IVD umgesetzt. Das Baukindergeld ist endlich da. Endlich wird Wohneigentum in Deutschland wieder gefördert“, so Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbands IVD. Laut des Bundesinnenministeriums können Familien das Baukindergeld ab heute online beantragen.

„Das Baukindergeld kommt genau zur richtigen Zeit. Es fördert Familien, die für die Zukunft vorsorgen wollen. In Anbetracht der Diskussionen um Altersarmut und Rentenlücken ist das ein sehr guter erster Schritt“, sagt Schick. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Studie des Center for Real Estate Studies (CRES). Demnach habe das Baukindergeld erhebliches Potenzial, junge Familien beim Eigentumserwerb finanziell deutlich zu entlasten.

Ersparnis von 5 bis 63 Prozent

In fünf exemplarisch untersuchten Städten – Berlin, Hamburg, Leipzig, Nürnberg und Krefeld – führe die Förderung zu fast durchweg zweistelligen Entlastungen des Haushaltseinkommens. Eine Ersparnis von 5 bis 63 Prozent bei der Finanzierung der eigenen vier Wände sei hier möglich. So kann das Baukindergeld die Einkommensbelastung von Familien in Hamburg in zentraler Lage um bis zu acht Prozent senken, in den umliegenden Stadtteilen sogar um bis zu 42 Prozent. Eine Familie mit drei Kindern in Harburg oder Billstedt muss dank Baukindergeld lediglich 20 beziehungsweise 21 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Tilgung aufwenden. Des Weiteren senkt die Förderung in Leipzig die Haushaltsbelastung stadtweit um drei Prozent bei einem Kind und bis zu elf Prozent bei drei Kindern. Die Haushaltsbelastung liegt dann mit Förderung bei lediglich 21 bis 26 Prozent.

„Flankierend zum Baukindergeld muss das im Koalitionsvertrag stehende Bürgschaftsprogramm als Eigenkapitalersatz eingeführt werden. Zudem sollte Ersterwerbern von selbstgenutzten Wohnimmobilien ein Freibetrag von der Grunderwerbsteuer gewährt werden. Das wäre der effektivste und einfachste Weg, um Wohneigentum weiter zu fördern“, erklärt Schick.

Bedingungen für das Baukindergeld

Anträge können laut KfW-Merkblatt Personen stellen,

  • die (Mit-)Eigentümer von selbstgenutztem Wohneigentum geworden sind und
  • die selbst kindergeldberechtigt sind oder mit der kindergeldberechtigten Person in einem Haushalt leben und
  • in deren Haushalt mindestens ein Kind gemeldet ist, das zum Zeitpunkt der Antragstellung das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und für das im Haushalt eine Kindergeldberechtigung vorliegt und
  • deren zu versteuerndes jährliches Haushaltseinkommen 90.000 Euro bei einem Kind, zuzüglich 15.000 Euro je weiterem Kind, nicht überschreitet. Das Kind muss die oben genannten Bedingungen erfüllen,

Gefördert wird ausschließlich der erstmalige Neubau oder Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum in Deutschland. Die Förderung besteht in einem Zuschuss von 1.200 Euro pro Jahr für jedes Kind unter 18 Jahren über einen Zeitraum von maximal 10 Jahren. Das jährlich zu versteuernde Haushaltseinkommen darf dabei nicht mehr als 90.000 Euro bei einem Kind betragen. Je weiteres Kind erhöht sich die Bemessungsgrenze zusätzlich um 15.000 Euro.

Stellen müssen Familien die Anträge bis spätestens drei Monate nach Einzug in das selbst genutzte Wohneigentum. Für das Jahr 2018 gilt hierbei eine Ausnahme: Wenn der Einzug im Jahr 2018 vor Beginn der Förderung erfolgt ist, ist ein Einreichen des Antrags ohne Beachtung der Drei-Monats-Frist möglich. Wurde der Kaufvertrag zwischen dem 01.01.2018 und 31.12.2020 abgeschlossen, oder in diesem Zeitraum die Baugenehmigung erteilt, sind Anträge auf Baukindergeld sogar bis zum 31.12.2023 möglich. Maßgeblich ist, dass die Antragstellung innerhalb von 3 Monaten nach dem Einzug erfolgt. (red)

Neue Wohnungen in Berlin: Bund wird zum Bauherr

In den vergangenen Monaten musste der Senat bekanntermaßen seine Ziele für den Wohnungsneubau nach unten korrigieren. Um dennoch die Wohnungsnot in Berlin effektiv zu bekämpfen, eilt jetzt der Bund zur Hilfe. Er erwägt endlich, ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einzulösen und 8.000 neue Wohnungen in Berlin zu bauen. Einziger Haken an der Sache: Die Wohnungen sind für Bedienstete des Bundes vorgesehen.

Zum jetzigen Zeitpunkt unterhält der Bund bereits rund 7.800 Wohnungen in der deutschen Hauptstadt. Davon sind etwa 4.800 im tatsächlichen Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Bei den übrigen 3.000 Wohneinheiten erwirbt der Bund sogenannte „Belegungsrechte“, was bedeutet, dass der Eigentümer gegen Zahlungen die Wohnungen dauerhaft zur Verfügung stellt. Für die fast 13.000 Mitarbeiter, die alleine in den Bundesministerien angestellt sind, erscheint diese Zahl an Wohnungen jedoch recht gering zu sein.

Grundstückskäufe vom Bund

Bei dem vorhandenen Defizit an Wohnraum ist es noch verwunderlicher, dass 117 bundeseigene Wohnungen im Mai leer standen. „Vielfältige Gründe“ seien hierfür verantwortlich, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag. Vor allem resultiere der Leerstand aus noch nicht abgeschlossenen Mieterwechseln. Sollten die 117 Wohnungen belegt sein, reicht der Bestand noch immer nicht aus. Folglich muss der Bund neue Wohnungen errichten. Nicht nur Neubauten, auch Erweiterungen bestehender Gebäude prüfe der Bund derzeit, geht aus eine Mitteilung des Bundesinnenministeriums, angefragt hatte die Berliner Zeitung, hervor. Eine Nachverdichtung oder Dachbebauung auf nicht zum Verkauf vorgesehenen Flächen könne man sich ebenfalls vorstellen, heißt es. Berlin eignet sich hierfür besonders, da der Bund in der Hauptstadt deutschlandweit am meisten Fläche besitzt.

Derartige Maßnahmen stellen eine Kehrtwende in der Baupolitik des Bundes dar. In den vergangenen Jahren hatte der Bund noch versucht, Grundstücke und Wohnungen an das Land Berlin zu verkaufen. Jedoch scheiterten die Verhandlungen im Sommer 2017. Einzig bei 14 von den 386 bundeseigenen Baugrundstücken einigten sich Land und Bund, sodass es zum Verkauf kam. Bei 48 weiteren Grundstücken laufen die Verhandlungen derzeit noch. Aufgrund dieser Entwicklungen plädierte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), im August für den Ankauf bundeseigener Flächen. „Ich bin bereit, alles zu erwerben, was der Bund uns gibt – alles“, so Müller. Nun könnten seine Pläne vom Bund durchkreuzt werden.

Zwischen Pflicht und Versprechen

Aufgrund von Absprachen in den 90er Jahren steht der Bund in der Pflicht, Wohnungen zu errichten. Nachdem die Hauptstadt Deutschlands von Bonn nach Berlin verlegt wurde, versprach die neue Regierung, Wohnungen „mitzubringen“. Damals ging man von einem Bedarf von etwa 12.000 Wohnungen aus. Zur Verfügung gestellt wurden jedoch nur magere 8.800, die nicht einmal alle dem Bund gehörten. Die tatsächliche Zahl der gebauten Wohnungen konnte das Bundesinnenministerium auf Anfrage der Berliner Zeitung jedoch nicht mitteilen. Dabei hat sich die Zahl der Angestellten des Bundes seit den 90ern nahezu verdoppelt. Die vorhandene Wohnfläche reicht bei Weitem nicht aus, was neue Wohnungen dringend erforderlich macht.

Vor allem auf dem Berliner Wohnungsmarkt kann es in Zukunft noch schwierig werden, eine passende Unterkunft zu finden. Unterstützung sollen die Bundesangestellten daher von ihrem Arbeitgeber erhalten. Rechtlich gesehen haben die Bediensteten allerdings keinen Anspruch auf eine Unterkunft. Sollten Arbeitnehmer Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben, können sie auf die bundeseigenen Wohnungen ausweichen. Denn die Wohnungen des Bundes sind relativ preiswert und sollen Angestellten der mittleren und unteren Einkommensklassen zur Verfügung gestellt werden. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt bei nur 5,92 Euro pro Quadratmeter – gerade einmal 1 Cent mehr als bei den landeseigenen Wohnungen. Wenig begeistert zeigte sich die Öffentlichkeit: Berliner Bürger beschwerten sich, man würde die Bundesangestellten bevorzugen.

Flächen bieten großes Potenzial

In Anbetracht der Gesamtsituation ist jede neue Wohnung für den angespannten Berliner Wohnungsmarkt hilfreich. Vor allem, da die Landesregierung nicht in der Lage ist, ihre ambitionierten Neubauziele zu realisieren. Berliner profitieren, durch ein größeres Angebot, von mehr Flexibilität auf dem Wohnungsmarkt und der Bund bleibt gleichzeitig ein attraktiver Arbeitgeber – eine klassische Win-Win-Situation. Zwar gibt es noch keine konkreten Angaben zu den Zielen vom Bundesministerium, doch bietet die große Zahl an Flächen in Bundesbesitz in jedem Fall großes Potenzial für mehr Wohnraum. (ke)

Neues Tauschportal: Wohnungssuche im Dating-App-Stil

Gute Neuigkeiten für Berliner Mieter: Nach langer Vorbereitung ist das neue Tauschportal des Senats vergangene Woche endlich online gegangen. Besonders an dem Portal ist, dass die Mieter gesellschaftsübergreifend nach Tauschwohnungen suchen können. Allerdings ist der Service nur innerhalb des Bestandes der landeseigenen Wohnungsbaugesellschafen Degewo, Gesobau, Gewobag, Stadt und Land sowie der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) möglich – vorerst.

Ein Tausch funktioniert nur unter der Voraussetzung, dass potenzielle Tauschpartner bereits in einer Wohnung, die in Besitz der genannten Gesellschaften ist, leben. Sollte das gegeben sein, kann der Mieter einfach wie bei einer Dating-App persönliche Anforderungen an seine Wunsch-Wohnung angeben und erhält Angebote per Mail. Gefällt dem Wohnungssuchenden ein Angebot, kann er den Tauschpartner anonym kontaktieren. Gefällt diesem auch die Wohnung, gibt das Portal die Daten der Tauschpartner frei. Anschließend können beide Parteien Bilder schicken oder einen Besichtigungstermin ausmachen. Aktuell umfasst der Pool an möglichen Angeboten einen Bestand von über 300.000 Wohnungen. Damit steigt die Chance, ein passendes Match zu finden, enorm. Zwar war es zuvor auch möglich, Wohnungen zu tauschen, allerdings ist die gesellschaftsübergreifende Komponente neu.

Miete bleibt dieselbe

Durch weitere neue Regelungen können die Tauschpartner in den Mietvertrag des jeweils anderen einsteigen. So wird gewährleistet, dass die Nettokaltmiete dieselbe bleibt. Da langjährig bestehende Mietverträge meistens günstiger sind, rentiert sich ein Tausch vor allem für Haushalte mit knappen Einkommen, wenn diese in besagte Verträge einsteigen. Im Vergleich: Bei neuen Verträgen müssen Mieter durchschnittlich 7,09 Euro pro Quadratmeter zahlen, bei bestehenden hingegen nur 5,91 Euro. Der Einstieg in alte Verträge nimmt Vermietern allerdings den Spielraum, die Miete bei der Übergabe des Mietvertrags zu erhöhen. Außerdem hat diese Regelung auch Schattenseiten für die Mieter: Ziehen sie aus einer großen Wohnung in eine kleine, zahlen sie dennoch denselben monatlichen Betrag. Einzig eine bessere Lage könnte solch eine Mietsteigerung pro Quadratmeter ausgleichen.

Obwohl die Nettokaltmiete in der Theorie dieselbe bleibt, müssen sich Mieter teilweise dennoch auf höhere Kosten in der Praxis einstellen. So werden etwa die Kosten für Schönheitsreparaturen und den Umzug nicht getragen. Außerdem kann der Umzug nicht nur finanziell ein Problem werden. Denn beide Tauschpartner müssen am selben Tag umziehen, was eine gemeinsame Planung und gute Koordination erfordert.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Trotz alldem ist das Tauschportal aus Sicht des Senats in seiner jetzigen Form ein Erfolg. „Das heute gestartete Wohnungstauschportal bietet den Mieterinnen und Mietern der sechs landeseigenen Wohnungsgesellschaften die Möglichkeit, nach einer neuen, zu ihrer aktuellen Lebenssituation passenden Tauschwohnung zu suchen“, erklärte Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung. Bei vielen Menschen ändern sich im Laufe der Jahre die Anforderungen an ihre Wohnung. So bei einer jungen Familie durch die Geburt eines Kindes die Wohnung nicht mehr groß genug sein. Oder zu groß, wenn ein Familienmitglied auszieht. Um für alle Situationen gerüstet zu sein, soll das Tauschportal einen schnellen und günstigen Umzug ermöglichen.

Zudem appellierte Lompscher an die Mieter, dieses Angebot auch tatsächlich zu nutzen. Im vorherigen Jahr ist die Zahl der Wohnungstäusche von rund 200 auf 91 gesunken. Nun sollen die neuen Regelungen Mieter dazu animieren, bei ihrer Wohnungssuche auf Wohnungen der landeseigenen Unternehmen zurückzugreifen. Und zusätzlich mehr Flexibilität in die Wohnungssuche bringen.

Auch Jörg Franzen, Vorstandschef der Gesobau, schätzt das Angebot an Tauschwohnungen, obwohl durchaus noch Verbesserungsbedarf besteht. „Bundesweit zum ersten Mal haben mehrere Wohnungsunternehmen ein konkretes Tauschangebot mit klaren Bedingungen aufgestellt“, so Franzen. Bei genannten klaren Bedingungen gibt es jedoch auch Ausnahmen. So können Mieter, die keinen Wohnberechtigungsschein (WBS) besitzen, nicht in eine Wohnung einziehen, bei der ebendieser erforderlich ist. Außerdem sind weitere einkommensabhängige Sonderregelungen des Vormieters nicht auf den neuen Mieter übertragbar.

Rentiert sich das Tauschportal?

Vor allem bei älteren Menschen rief ein Wohnungstausch bislang mäßige Begeisterung hervor – sie reagierten oft abweisend. Begründet wird das durch die Angst, man könne sie aus der Wohnung oder dem Viertel verdrängen. Ein weiterer Faktor, der das Tauschgeschäft beeinflussen könnte, ist, dass sich der Wunsch nach einem Tausch mit dem verfügbaren Angebot decken muss. Und nicht zu vergessen, auch mit der Bereitschaft des Tauschpartners. Denn wie bei beliebten Dating-Apps funktioniert das Prinzip nur, wenn beide Partner gleichzeitig begeistert vom Tauschgeschäft sind. Wie viel Zeit solch ein Wohnungstausch, oder ein einfaches Match, in Anspruch nimmt, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. Ebenso wenig die Zahl der Personen, die ihre Wohnung tatsächlich zum Tausch anbieten.

Dennoch ist  das Tauschportal für sich genommen eine sinnvolle Idee, da es Mietern eine Plattform gibt, um schnell und einfach nach Wohnungen zu suchen. Hürden, die zum jetzigen Zeitpunkt vorhanden sind, müssen nachfolgend beseitigt werden. Und es braucht Anreize, da Mieter sonst sicherlich nicht freiwillig für dieselbe Miete in eine kleinere Wohnung ziehen werden. Machen die Betreiber den Wohnungstausch attraktiver, dann bietet das Portal eine gute Möglichkeit für einen günstigen Umzug. (ke)

Politik ist gefordert: Kampf um Checkpoint Charlie

Der Streit um den berühmten Touristen-Hotspot Checkpoint Charlie im Herzen Berlins geht in eine neue Runde. Plänen des Projektentwicklers Trockland Management GmbH zufolge sollen auf zwei freien Flächen am Grenzübergang Gewerbeflächen, ein „Hard Rock Hotel“ sowie Wohnfläche, mit einem Anteil von 30 Prozent Sozialwohnungen, entstehen. Nun wird die Geduld des Entwicklers strapaziert, da sich das Abgeordnetenhaus Zeit nimmt, die Genehmigungen genauestens zu überprüfen.

Die Zeit drängt, da im Vertrag von Trockland mit dem Insolvenzverwalter der Flächen eine Frist bis Ende dieses Jahres festgesetzt ist. Sollte bis dahin die Zustimmung des Abgeordnetenhauses und der Gremien nicht vorliegen, sieht sich der Projektentwickler gezwungen, die Flächen zwangsversteigern zu lassen. Da der vorherige Besitzer der Flächen vor einigen Jahren Insolvenz anmelden musste, müssen die Forderungen des Insolvenzverwalters berücksichtigt werden. Das mache die Verhandlungen „rechtlich sehr schwierig und diese Komplexität wird sehr oft ausgeblendet“, bemängelte Daniel Buchholz, Sprecher für Stadtentwicklung der SPD.

Manipulationsvorwürfe

Verschiedene Fraktionen im Abgeordnetenhaus werfen dem Entwickler nun Erpressung vor. Da in den vergangenen Tagen Berater von Trockland Mitglieder des Hauses kontaktierten, sprachen Politiker wie der Sprecher der Grünen-Fraktion, Daniel Wesener, prompt von „klassischem Baulobbyismus.“ Man versuche, hinter den Kulissen den Druck zu erhöhen, berichtete er der Berliner Zeitung.

Auch die Sprecherin für Stadtentwicklung der Linken, Katalin Gennburg, sieht sich von der Firma Manipulationsversuchen ausgesetzt. „Wir werden uns von einem Investor, dem die Grundstücke nicht einmal gehören, und der diesen Ort als ein Disneyland in Szene setzen will, nicht unter Druck setzen lassen“, so Gennburg.

Checkpoint Charlie ist „touristischer Rummelplatz“

Mögliche Abhilfe könnte eine rasche Entscheidung treffen. Dutzende Experten forderten unlängst solch eine Maßnahme in einem offenen Brief. Sollte man den Projektentwickler Trockland zum Ausstieg bringen, so bleibe die Gegend „für mindestens weitere zehn Jahre ein touristischer Rummelplatz“, heißt es. Einer der Experten, die den Brief unterzeichneten, ist Rainer Klemke, früherer Gedenkstättenreferent des Berliner Senats. Er kämpft seit Jahren für ein Museum über den Kalten Krieg am Checkpoint Charlie. Auf 3.000 Quadratmetern Fläche sollen hier die Zeit der deutschen Teilung ebenso wie die Folgen des Kalten Krieges für die Besucher erlebbar gemacht werden. Bereits seit 28 Jahren fordert die Stiftung Berliner Mauer solch ein Museum am Checkpoint Charlie, um den zu einem „Berliner Disneyland“ verkommenen Ort wieder aufzuwerten.

Auf der Fläche des Grenzübergangs ging es jedoch nicht immer zu wie heute. Frank Schmeichel, Gründer des Kommunikationsberaters Business Network, hat für den amerikanischen Investor Ronald Lauder Mitte der 80er Jahre das Baustellenmarketing am Checkpoint Charlie entwickelt. Von hier aus begann die Ära der Baustellenevents, unter anderem auch am Potsdamer Platz. Das Magazin „Der Spiegel“ bezeichnete Schmeichel daraufhin als „Erfinder des Baustellenmarketings.“ Frank Schmeichel: „In den nachfolgenden Jahren rückte die Entwicklung des historischen Ortes immer weiter in den Hintergrund. Daher ist es jetzt auch dringend erforderlich, alle Parteien zu einem Konsens zu überzeugen und so endlich zur Neugestaltung des Checkpoint Charlie zu kommen.“

Es hakt nicht am Investor, sondern der Politik

Die Kontroverse entstand, da die Senatorin für Stadtentwicklung, Katrin Lompscher (Linke), mit der Immobilienfirma Trockland GmbH eine Public-Private-Partnership einging, um die Flächen neu zu gestalten. In einem Bürgerbeteiligungsverfahren wurde die Berliner Bevölkerung eingeladen, Vorschläge von sieben Architektenbüros zu begutachten und Impulse für die zukünftige Bebauung des Checkpoint Charlies zu geben. Einzige Vorgabe der Firma Trockland war hierbei, ein bereits geplantes „Hard Rock Hotel“ an der Ostseite des Checkpoints zu berücksichtigen. Allerdings ließ diese Anforderung im Abgeordnetenhaus eine Kontroverse entstehen. Es wurde bemängelt, die Senatorin übergehe das Haus, was die Glaubwürdigkeit des ganzen Projekts in Frage stellte. In den nachfolgenden Wochen entbrannte ein Streit, der vollkommen vermeidbar gewesen wäre, da bereits eine Verständigung von Senat und Entwickler vorlag.

Stadtmarketingexperte Frank Schmeichel stellt fest: „Trotz der teilweise berechtigten Zweifel des Abgeordnetenhauses ist alles besser als der jetzige Zustand. Die Planung von Trockland ist reif, das Hard Rock Hotel eine Legende. Es zieht viele junge Menschen aus aller Welt an, da Musik ein globales Friedensthema ist. Doch wartet der Investor und wird zwischen den Senatsverwaltungen hin und hergeschoben. Die Politik ist gefordert und sollte nicht ‚Erpressung‘ schreien, wenn ein Investor mal den Finger in die Wunde (bürokratischer Endlosverantwortungsdebakel) legt. Es ist zudem auch keine Frage, dass die Erinnerungsstätte gebaut wird. Aber auch hier müssen endlich die Senatsverwaltungen für Kultur, Finanzen und Bauen eine Entscheidung treffen. Da hakt es und nicht am Investor, der viel Geduld bewiesen hat und nun endlich ein Commitment von der Politik benötigt.“ (ke)

SANUS AG begeht symbolischen Ersten Spatenstich an der historischen Villa Tummeley

Nach langen Jahren des Leerstands und vielen Eigentümerwechseln blickt die Villa Tummeley nun endlich ihrer Restaurierung entgegen. Die Arbeiten auf der Baustelle sind bereits in vollem Gange, nun begingen die Sanierungsexperten der Berliner SANUS AG symbolisch den Ersten Spatenstich für eines der bedeutendsten Baudenkmäler Potsdams.

In der Berliner Vorstadt in Potsdam gelegen, ist die Villa Tummeley ein Juwel in bester Lage. Die Villa im Tudor-Stil mit dem markanten Turm verfügt über einen der schönsten Blicke Potsdams über die Havel zum Babelsberger Park mit dem korrespondierenden Kleinen Schloss. Das Grundstück hat den Status eines Gartendenkmals und ist gekennzeichnet durch einen direkten Zugang zum Tiefen See. Die SANUS AG, die 2015 bereits den alten Potsdamer Landtag – im Volksmund „Kreml“ genannt – erworben hat, führt nun auch die denkmalgerechte Sanierung der Villa durch.

Stadt Potsdam setzt bewusst auf Sanierungsexperten

Das Areal hat eine Größe von rund 11.000 Quadratmetern und ist aktuell mit zwei historischen Baukörpern bebaut. Um den historischen Kern der Bestandsgebäude entsteht eine anspruchsvolle Quartiersentwicklung, die Alt und Neu harmonisch verbindet.

Während die Villa und das benachbarte Offiziershaus fachgerecht saniert werden, soll auf dem Gelände außerdem eine Orangerie realisiert werden, ein Dreigeschosser mit zurückgesetztem Staffelgeschoss. Insgesamt wird das Ensemble über 40 Wohneinheiten auf ca. 5.500 Quadratmetern Wohnfläche verfügen. Im Mai 2019 sollen die Bauarbeiten beendet sein. „Uns ist bewusst, dass das ein ambitioniertes Ziel ist“, so Siegfried Nehls, Vorstand und Gründer der SANUS AG. „Aber wir sind zuversichtlich, dass wir das Projekt rechtzeitig zum gesetzten Termin fertig stellen können.“

 

Die Villa Tummeley in Potsdam | Foto: Business Network

 

Potsdams Rückkehr zur alten preußischen Pracht

Die Villa Tummeley, die Mitte des 19. Jahrhunderts für den bekannten Potsdamer Kaufmann Eduard Tummeley gebaut wurde, ergänzt das historische Inventar der brandenburgischen Landeshauptstadt und reiht sich ein in die Riege prächtiger Potsdamer Baudenkmäler wie die Villa Schlieffen, die Villa Grimm oder die Villa Henckel. Daher setzt die Stadt Potsdam auch für die Villa Tummeley ganz bewusst auf einen versierten Denkmalprofi.

Die SANUS AG hat in Berlin schon einen eigenen Stil geprägt, der von der Berliner Politik gelobt und geschätzt wird. Dieser zeichnet sich insbesondere durch eine behutsame Vorgehensweise und eine enge Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz aus.

 

Erster Spatenstich an der Villa Tummeley | Foto: Business Network

 

Ideeller Wert der Villa Tummeley

„Die Villa Tummeley ist ein Projekt, das mir persönlich ganz besonders am Herzen liegt. Man kann hier von Liebe auf den ersten Blick sprechen“, sagt Siegfried Nehls. „Die Restaurierung der historischen Bestandsgebäude und der Neubau der Orangerie werden Mühe und Geld kosten, aber ein solches Projekt hat für mich einen ideellen Wert. Ich freue mich darauf, unsere Erfahrung im Denkmalschutz auf dieses Schmuckstück anwenden zu können.“

 

Die geplante Orangerie | Foto: SANUS AG

 

Die SANUS AG und ihr Gründer und Vorstand Siegfried Nehls gelten seit mehr als zwanzig Jahren als Experten für sachgemäße Sanierung von historischen Bauten. Durch Sanierung und Neubau hat das Unternehmen in der Hauptstadt mehr als 6.000 Wohnungen auf über 300.000 Quadratmetern geschaffen. (ke)

Revival der DDR-Plattenbauten: Senat plant Dachbebauungen

Lange Zeit waren die DDR-Plattenbauten verpönt – jetzt erleben sie ein Revival. Während noch vor einigen Jahren Geschosse abgetragen wurden, sollen viele Bauten ab 2019 um zwei Geschosse erhöht werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt beschloss der Senat am Dienstag.

Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung, zufolge, sei die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge der für das Projekt vorgesehene Partner. „Deren Flachdächer bieten ein großes Potenzial für zusätzliche Wohnungen“, so Lompscher. Fast 320.000 Quadratmeter Dachfläche, die das Unternehmen vorrangig in Lichtenberg besitzt, bieten Platz für die Aufstockung. Hierbei stehen Fünf- und Sechsgeschosser sowie Zehn- und Elfgeschosser des DDR-Bautyps WBS 70 im Fokus des Projekts.

Wohnungen aus Holz oder Stahl auf den Plattenbauten

Aus Gründen der Statik kommen für die Dachbebauung der Plattenbauten nur Leichtbaumaterialien wie Holz oder Stahl infrage. Damit eine schnelle Errichtung gewährleistet ist, sollen die Wohnungen als Fertigmodule bereitstehen. So könnten, laut Angaben der B.Z, auf 300 bestehenden Wohnungen 98 bis 120 neue platziert werden. Für den angespannten Berliner Wohnungsmarkt kämen solch schnelle Lösungen gerade recht.

Doch nur wenige Jahre zuvor ging die Politik einen ganz anderen Weg: Unter der rot-roten Regierung wurden ganze Geschosse von Plattenbauten abgetragen. Insgesamt 4.800 Wohnungen seien so verloren gegangen, so Lompscher. Dies war „ein Fehler, den andere verschuldet haben“,  ergänzte sie. Nun folgt also die politische Kehrtwende: Der Plattenbau ist wieder in.

Maßnahmen zur Beschleunigung

Drei neue Maßnahmen bilden hierbei die Rahmenbedingungen für die schnelle Errichtung der neuen Geschosse. Zum einen sollen Bäume zukünftig noch vor Vorlage der Baugenehmigung gefällt oder zurückgeschnitten werden können. Dadurch schafft der Senat mehr Flexibilität, da das Fällen von Bäume zwischen März und November, der Hauptsaison des Baugewerbes, aus Naturschutzgründen verboten ist. Erforderlich ist das Fällen durch eine andere Auflage der Politik: Die Bestimmungen für Flucht- und Rettungswege. Zukünftig sollen hier kostengünstige Spindeltreppen außerhalb des Gebäudes die noch erforderlichen gemauerten Fluchttreppenhäuser ersetzen. Zudem soll ein Förderprogramm für Aufzüge die oberen Geschosse leichter zugänglich machen. Dadurch steigt die Attraktivität dieser Wohnungen, wovon sowohl die Unternehmen als auch die zukünftigen Bewohner profitieren. Alle Maßnahmen sind Teil eines umfassenden, vom Senat vorgestellten Plans, der die Vereinfachung und Beschleunigung von Baugenehmigungsverfahren im Blick hat.

Obwohl die Grünen Bedenken in Bezug auf den Umweltschutz äußerten, sieht die Senatorin für Umwelt und Verkehr, Regine Günther (parteilos, für Grüne) keine großen Probleme in dem neuen Plan. „Berlin bleibt eine grüne Metropole“, so Günther. Als Ausgleich für die Baumfällungen brauche es aber neue Grünflächen im Umland, zum Beispiel auf Stadtgüterflächen in Brandenburg.

Weitere Möglichkeiten der Dachbebauung

Darüber hinaus kursiert in der Immobilienwelt seit einiger Zeit der Ansatz Tiny Houses auf Dächern zu platzieren. Für diese müssen allerdings noch rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, da die meisten Anbieter wie das Start-up Cabin Spacey noch in den Startlöchern stehen. Außerdem sind nicht alle Dächer belastbar genug für diese Art von Mikroapartments. Nicht nur Tiny Houses, auch die Bebauung von Discounterdächern ist ein neuer Ansatz, der zusätzlichen Wohnraum für die Berliner schaffen soll. Hier ist bereits ein entsprechendes Projekt in Aktion, das beispielsweise die Aufstockung von Supermarktdächern in Angriff nimmt. Berlin setzt also nicht nur auf flächenmäßige Ausdehnung zur Schaffung von Wohnraum, sondern geht zumindest moderat in die Höhe. (ke)