Der BERLINPartner aus den Niederlanden

Dr. Harry van Caem ist derzeit regelmäßig zu Besuch in Berlin. Der niederländische Investor ist weltweit aktiv, aktuell nehmen ihn jedoch seine Projekte in der Hauptstadt besonders in Anspruch. Auf dem Empfang 100 Jahre Berliner Pressekonferenz konnte ihn Wirtschaftssenatorin Ramona Pop daher auch überzeugen, dem Netzwerk von BERLINPartner, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Berlin, als Partner beizutreten.

Van Caems Projekte, zum Beispiel die Fellini Residences nahe dem Gendarmenmarkt oder die Bürolofts in den Muratti Höfen sowie die Feratti Offices legen Zeugnis ab vom Boom der wachsenden Stadt.

„Berlin ist aktuell weltweit einzigartig. Bunt, multikulturell und attraktiv für Menschen aus aller Welt, bietet Berlin viele Chancen. Als BERLINPartner möchte ich teilhaben an der Entwicklung der Stadt und dazu einen Beitrag leisten“, sagt Dr. van Caem.

Boomtown Lichtenberg

Schon seit einiger Zeit hat der niederländische Investor Lichtenberg ins Auge gefasst und das Potenzial des Bezirks lange vorhergesehen. In der Landsberger Allee plant van Caem bereits zwei Wohngebäude mit insgesamt fast 1.750 Wohneinheiten, in der unweit gelegenen Rhinstraße kommen weitere 110.000 Quadratmeter BGF Büroflächen hinzu. Aktuell ist jedoch der Coppi-Gewerbepark an der Frankfurter Allee das Herzensprojekt des dynamischen Niederländers.

5.000 Arbeitsplätze für Lichtenberg

Eine große Chance für den Bezirk, denn auf der brachliegenden und ungenutzten Fläche sollen Büroflächen entstehen, die Lichtenberg circa 5.000 Arbeitsplätze bescheren würden. Namhafte Unternehmen wie ein großer Automobilkonzern oder der Marktführer für Immobiliensuchmaschinen haben bereits Interesse an insgesamt über 66.000 Quadratmetern Bürofläche signalisiert und würden bei einem konkreten Fertigstellungsdatum damit 60 Prozent der Flächen mieten. Laut van Caem eine Riesenmöglichkeit für Lichtenberg: „Ich denke, dass wir dem Bezirk Lichtenberg mit dem Coppi-Gewerbepark eine großartige Perspektive bieten. Nicht nur, dass ein brachliegendes Areal entwickelt wird und eine gravierende Zahl an Arbeitsplätzen entstehen würde, durch die Ansiedlung solch international namhafter Player an dem Standort, könnte sich Lichtenberg als Hotspot für innovative Unternehmen positionieren.“

Lichtenberg hat eine Gesamtarbeitslosenzahl von knapp 12.000 Menschen (Quelle: Statistik Arbeitsagentur) zu verzeichnen. 5.000 durch den Coppi-Gewerbepark geschaffene Arbeitsplätze sind aus Sicht von Dr. van Caem ein „signifikanter Beitrag“ für die Entwicklung des Bezirks. Dafür erhält van Caem auch Unterstützung von der Industrie- und Handelskammer Berlin, die dem Standort nach jahrelangem Stillstand an diesem äußerst verkehrsgünstig und zentral gelegenen Standort nun durch den Coppi-Park eine „positive Bewegung“ attestieren. Baustadträtin Birgit Monteiro schließt sich dem an und „begrüßt die beabsichtigte Gewerbeansiedlung“. Gemeinsam mit dem Bezirk löst Harry van Caem gerade wichtige Fragen der Verkehrsinfrastruktur. Dann hofft er, das Projekt im Rahmen des bestehenden Baurechts und ohne langwieriges Bebauungsplanverfahren an den Start bringen zu können. Damit kann aus der Brache schon bald ein lebendiges Quartier werden. Van Caem: „Dafür kämpfe ich und hoffe, auch die Bezirkspolitiker von dem Vorhaben überzeugen zu können.“ (ak)

Trotz steigenden Mietpreisen – Der Berliner Immobilienmarkt boomt

Die Attraktivität Berlins als Wohn- und Arbeitsort steigt von Jahr zu Jahr. Auf dem Weg zur Metropole wächst die Stadt Jahr für Jahr, besonders in den letzten fünf Jahren stieg die Bevölkerung jedoch sprunghaft an. Aktuell steigt die Einwohnerzahl jedes Jahr um 40.000 Menschen. Dementsprechend hoch ist die Nachfrage nach bezahltem Wohnraum. Wer sich jedoch heute in Berlin nach preisgünstigen Wohnungen umschaut, wird nur wenig Glück haben. Denn die Hauptstadt hat derzeit mit drastisch steigenden Mieten zu kämpfen. Auch die Leerstandsquote sinkt weiterhin auf 1,6 Prozent.

Nichtsdestotrotz hält der Boom auf dem Immobilienmarkt aufgrund des wachsenden Nachfrageüberhangs für Wohnimmobilien weiterhin an. Um den Bedarf an Wohnraum und auch an Arbeitsstätten decken zu können, sind bereits mehrere Projekte geplant. So hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen das Wohnungs- und Städtebauprogramm Wachsende Stadt initiiert. Dieses beinhaltet den Bau von 14 Stadtquartieren.

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht

Trotz der steigenden Preisen bleibt die Nachfrage nach Wohnraum, aber auch nach Bürofläche ungebrochen. Vor allem wollen immer mehr Start-up Unternehmen ihren Standort nach Berlin verlegen. Denn die Hauptstadt verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur, ein großes Flächenangebot und ein breites Angebot an hoch qualifizierten Arbeitskräften.

„Dass eine Vielzahl an großen Unternehmen derzeitig darüber nachdenken, ihre Zentrale nach Berlin zu verlagern, ist in dieser Dimension neu für die Stadt. Es unterstreicht aber wie dynamisch der Standort mittlerweile von nationalen wie internationalen Firmen gesehen wird“, so Jan-Niklas Schroers, Associate Director und Teamleader Office Agency bei Savills Berlin.

 

Die Nachfrage nach Bürofläche bleibt weiterhin hoch. Immer mehr Start-ups wollen sich in Berlin niederlassen. | Foto: pixabay.com

Die Nachfrage nach Bürofläche bleibt weiterhin hoch. Immer mehr Start-ups wollen sich in Berlin niederlassen. | Foto: pixabay.com

 

Wohnen auch außerhalb des S-Bahn-Ringes wird gefragter

Infolge der sinkenden Leerstandquote und den steigenden Mietpreisen ziehen immer mehr Menschen in den Berliner Speckgürtel um. Auch Randlagen rund um den S-Bahn-Ring rücken immer mehr in den Fokus.

„Für große, namhafte Mieter kommen immer mehr auch Lagen um den S-Bahn-Ring infrage. Hier können sie noch für 15 bis 20 Euro Flächen mieten anstatt die Spitzenmietpreise in den besten Lagen zahlen zu müssen“, erklärt Schroers.

Für den Berliner Markt wird 2019 etwas Entlastung erwartet

Aufgrund der Flächenpipeline könnte sich der Berliner Markt ab 2019 etwas erholen. So geht aus dem Büromarktbericht des Immobilien-Dienstleistungsunternehmens Savills hervor, dass im kommenden Jahr knapp 500.000 m² neue Bürofläche entstehen soll. 2020 sind sogar 700.000 m² geplant. „Durch die zu erwartende Entwicklung im kommenden Jahr dürfte das Mietpreiswachstum – je nachdem wie sich die Nachfrage entwickelt – in der Folge verlangsamen“, sagt Christian Leska, Managing Director Office Agency bei Savills in Berlin.

 

Flächenpipeline könnte Berliner Markt entlasten | Quelle: Savills

Flächenpipeline könnte Berliner Markt entlasten | Quelle: Savills

 

Darüber hinaus will Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, nun den Wohnungsbau weiter ankurbeln. So will Lompscher die Zahl der Stadtquartiere von 11 auf 14 erhöhen. Demnach sollen bis zum Jahr 2030 rund 42.000 neue Wohnungen gebaut werden. (dn)

Urbane Mitte am Gleisdreieck: Gespräche über die Stadt der Gegenwart

Wie können wir Städte abseits ferner Zukunftsszenarien anders denken, bauen und gestalten? Unter diesem Leitsatz luden die Urbane Mitte Am Gleisdreieck, COPRO, das Architekturbüro O&O Baukunst sowie das künftige Urban Ideation Lab „B-Part“ am 1. Juli zum Dialog ein. Mit Experten aus dem Transportwesen, der Start-up-Szene, der Nighttime Economy, der Kunstszene und der Literatur wurden über Zukunftsszenarien Berlins diskutiert.

Zu den Speakern der Veranstaltung zählten Markus Penell, Leiter des Architekturbüros O&O Baukunst, und der Berliner Künstler Christian Awe. Erster hat gemeinsam mit seinem Büro den Masterplan für das künftige Stadtquartier „Urbane Mitte Am Gleisdreieck“ entwickelt. Darüber hinaus diskutierten u.a. Dr. Meike Niedbal, Head of Business Development DB Station & Service und Project Lead Smart Cities, und Tresor-Gründer Dimitri Hegemann über die Themen Mobilität, Start-ups, Kunst und Kultur sowie das Nachtleben Berlins. Durch das Panel führte der Journalist und Sachbuchautor Dr. Christian Ankowitsch.

 

v.l.n.r. Christian Awe, Darius Moeini, Markus Penell, Dr. Meike Niebdal, Jackie Thomae | Foto: HGEsch Photography

v.l.n.r. Christian Awe, Darius Moeini, Markus Penell, Dr. Meike Niebdal, Jackie Thomae | Foto: HGEsch Photography

 

B-Part: Das Urban Ideation Lab zum Mitgestalten der Lebens- und Arbeitswelten von morgen

Den Startschuss zur Veranstaltung gab Ansgar Oberholz, Gründer des Co-Working-Pioniers „St. Oberholz“. Dort, wo zukünftig die „Urbane Mitte Am Gleisdreieck“ eine der letzten großen Lücken Berlins schließen soll, wird bereits Anfang 2019 ein temporäres Gebäude in modularer Holzbauweise errichtet. So bietet B-Part auf circa 1.000 Quadratmeter direkt am Park ein Innovation Space für Menschen, die die Lebens- und Arbeitswelten von morgen mitgestalten möchten. Zudem entstehen im B-Part rund 100 Plätze für flexibles, gesundes und inspirierendes Arbeiten. Damit wird B-Part eine Schnittstelle aus Kreativwerkstatt, Experimentierlabor und Ideenschmiede.

Ob Industrie oder Start-ups – das Urban Ideation Lab wird eine Plattform, die Know-how und Content von unterschiedlichsten Ideen und Menschen generiert und zugänglich macht. „Es soll als Pionier für die Quartiersentwicklung der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck und das menschliche Zusammenleben von morgen fungieren“, erklärt Oberholz, der das Projekt bis zu seiner Eröffnung als Ambassador begleiten wird.

Urbane Mitte Am Gleisdreieck: Stadtquartier der Zukunft im Herzen Berlins

Danach stellte Markus Penell von O&O Baukunst unter dem Motto „Stein“ den über 150 BesucherInnen die Themen Architektur und Städtebau in der heutigen Zeit an jenem Ort vor, wo das Stadtquartier entstehen wird. Penell präsentierte in seiner Keynote u.a. das städtebauliche Konzept der „Urbanen Mitte Am Gleisdreieck“. Dort werden in Zukunft lokales Handwerk und regionale Produktion mit kollaborativen Arbeitswelten und neuen Mobilitätsideen verbunden. Die Panelgäste konnten die Gebäudekörper, die auf dem Areal entstehen werden, in Miniatur vor Ort hautnah erleben. Denn eigens für das Festival wurde ein begeh- und erlebbares Holzmodell des Stadtquartiers im Maßstab 1:20 gebaut, das als Bühne für die Veranstaltung diente.

 

Panel „Zufall, Stein und Hyperloop“ auf der Urbanen Mitte Am Gleisdreick | Foto: HGEsch Photography

 

Kultclub Tresor: Mut zu Unfertigem und Zufälligem

Dimitri Hegemann erzählte zum Element „Zufall“. So erklärte er, wie er durch eine unvorhergesehene Situation die richtige Lokalität für seinen späteren Technoclub „Tresor“ fand. Dieser entwickelte sich mit seinem unfertigen und authentischen Charme schließlich zu einem wichtigen Bestandteil der Nighttime Economy in Berlin.

Nachdem der Mauerfall die Stadt zum Explodieren brachte, entstanden viele neue Räume und kreative Ideen. Menschen feierten die unkontrollierte Eigendynamik und verliehen Berlin neue Energie. Die gereifte Subkultur wurde umbenannt in Kreativwirtschaft. In diesem Kontext plädierte er dafür, dass in der heutigen Zeit mehr Experimentierraum gegeben werden muss, um diesen Spirit auch künftig beizubehalten.

Mobilitätkonzepte: von der Stadt zur Smart City

Zum Abschluss der Veranstaltung verriet Dr. Meike Niedbal, Head of Business Development DB Station & Service, im Panel „Bewegung“, wie die Deutsche Bahn Mobilität als städteformendes Element erkennt und welche Rolle die Menschen bei der Gestaltung von intelligenten und flexiblen Mobilitätslösungen spielen. Sie eröffnete in ihrer Keynote „Smart Cities: Logistik, Mobilität und Bahnhöfe“ neue Blickwinkel auf innerstädtische Verkehrskonzepte der Gegenwart und Zukunft. (red)

Wie geht es am Checkpoint Charlie weiter? Öffentliche Debatte soll verfahren beflügeln

Am 4. Juli 2018 fand die dritte öffentliche Veranstaltung zur „Zukunft Checkpoint Charlie“ statt. Die Debattenreihe begleitet den umfassenden Beteiligungsprozesses, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen im Zusammenhang mit dem Aufstellungsverfahrens für den Bebauungsplan 1-98 „Checkpoint Charlie“ durchführt. Auch die Ergebnisse des gestrigen Abends fließen in das Planungsverfahren ein, welches die Grundlage für den Bebauungsplan bildet.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Zwischenergebnisse der Arbeiten der sieben am städtebaulichen Workshopverfahren teilnehmenden Architekturbüros vorgestellt: Caramel architekten, COBE Berlin, David Chipperfield Architects, Graft, Hild und K Architektur, J.MayerH. und Partner sowie Sauerbruch Hutton. Die Besucherinnen und Besucher hatten im Anschluss die Möglichkeit, Feedback, Wünsche und Anmerkungen für die weitere Bearbeitung der Arbeitsstände abzugeben.

Städtebaulicher Workshopverfahren am Checkpoint Charlie

Der Projektentwickler hatte vor kurzem zugestimmt, sein Hotelprojekt östlich der Friedrichstraße in einem zeitnahen Workshopverfahren städtebaulich überprüfen zu lassen. Im Rahmen des städtebaulichen Workshopverfahrens für beide Grundstücke und des Realisierungswettbewerbs wird es neue Pläne zum Städtebau und zur architektonischen Umsetzung geben. Für den westlichen Bereich mit einem komplexen Nutzungsprogramm soll ein Realisierungswettbewerb folgen. Zu gestalten sind auch die Straßenräume und Freiflächen auf dem privaten Gelände (ca. 1000 qm). Hier ist besonders die Bürgermeinung gefragt ob eine Fußgängerzone, eine verkehrsberuhigte Straße oder eher weiterhin eine in der Friedrichstadt übliche Straße präferiert wird.

Die Investorengruppe Trockland beabsichtigt am Checkpoint Charlie eine städtische Bebauung zu realisieren. Das Land Berlin verhandelt um Flächen für ein Museum mit Freifläche, einen Wohnanteil sowie weitere gewerbliche Nutzungen in den Gebäuden. Um der besonderen Bedeutung des Ortes und der Vielschichtigkeit der Interessen gerecht zu werden und dabei gleichzeitig die städtebauliche Entwicklung der privaten Flächen planungsrechtlich zu steuern, stellt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen einen Bebauungsplan auf.

Beteiligungsprozess läuft bereits

Der laufende Beteiligungsprozess findet im Rahmen des Bebauungsplan- Aufstellungsverfahrens statt und steht im Zusammenhang mit einem zweistufigen Planungsverfahren, das als ergebnisoffener Erkenntnisprozess angelegt ist. Die Ergebnisse aus der Beteiligung fließen in den Planungsprozess ein. Die Erarbeitung verschiedener Varianten und städtebaulicher Typologien unterstützt dabei die Abwägung entsprechender Vor- und Nachteile gegenüber der vormals angedachten Blockrandbebauung.

Eine Ausstellung zum Beteiligungsprozess und den städtebaulichen Entwürfen wird am 2. August 2018 eröffnet, auch hier wird wieder die Meinung der Besucherinnen und Besucher gefragt sein. (red)

Wohnungsbau: Der Bedarf bleibt trotz Zuwachs

In Berlin wurden 2017 gut 20 Prozent mehr Wohnungen gebaut als im Jahr zuvor. Dennoch ist die Entwicklung im Wohnungsbau „noch nicht bedarfsgerecht“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg e.V., Dr. Robert Momberg. Damit reagierte er auf die Bekanntgabe der Anzahl der Wohnungsfertigstellungen 2017 in Berlin durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Momberg weiter: „Die Versäumnisse der Vergangenheit, insbesondere was die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum anbelangt, haben zu einer Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt geführt, die entschieden verbessert werden sollte.“

2017 wurden in der Hauptstadt 12.785 Wohnungen fertiggestellt. Im Vergleich zu 2016 ein Zuwachs von 20,5 Prozent. Die Zahl der Berliner Einwohner stieg dabei 2017 gegenüber 2016 um 1,1 Prozent. Zwar harmonierte die Wohnungsbauentwicklung damit rein rechnerisch durchaus mit der Bevölkerungsdynamik. Um jedoch den wachsenden Einwohnerzahlen insgesamt gerecht zu werden, hätte deutlich mehr Wohnungen gebaut werden müssen.

Bedarfsprognose für Wohnungsbau nicht erreicht

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hatte im Vorjahr eine Bedarfsprognose ermittelt, wonach jährlich 20.000 neue Wohnungen bereitgestellt werden müssten, um sowohl der Bevölkerungsentwicklung als auch dem hohen Nachholbedarf Schritt zu halten. Die Zahlen der in 2018 bislang erteilten Genehmigungen zur Schaffung von Wohnraum „zeigen, dass der Wohnungsbau in Berlin auch im laufenden Jahr noch von einer bedarfsgerechten Entwicklung entfernt ist“, sagt Momberg.

Angesichts des Wohnraummangels wird das Wohnen immer teurer. Die durchschnittlichen Nettokaltmieten stiegen in Berlin innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 40 Prozent an. Die Immobilienpreise zogen ebenfalls an – für Eigentumswohnungen um 54 Prozent, bei Häusern sogar um 65 Prozent.  Die Kaufwerte für Bauland haben sich von 2016 auf 2017 mit einem Plus von 150 Prozent mehr als verdoppelt. Auch die Kosten für Personal, Baumaterial, Energie, Transporte, Deponiegebühren, Planung und Architektenleistungen haben sich verteuert, mit  entsprechenden Auswirkungen auf die Erstellungskosten für Wohnungen. Die haben sich, gemessen an den Baukosten für einen Quadratmeter Wohnraum, 2017 relativ zum Vorjahr um fünf Prozent erhöht.

 

Berlin braucht jährlich 20.000 neue Wohnungen | Foto: pixabay.com

Berlin braucht jährlich 20.000 neue Wohnungen | Foto: pixabay.com

 

Warnung vor weiteren Verwerfungen

Wenn dieser Entwicklung nicht konsequent in Form der zügigen Schaffung von bezahlbarem Wohnraum Einhalt geboten werde, ist gerade in Städten wie Berlin mit seiner hohen Anziehungskraft mit weiteren Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt zu rechnen, so die Warnung des Bauindustrieverbandes. „Die Politik in Berlin hat das Wohnungsproblem erkannt. Wir fordern, dass alle bestehenden Programme und Förderinstrumente zur Schaffung von Wohnraum gerade im unteren Preissegment umgesetzt und darüber hinaus weitere Anstrengungen unternommen werden, die den Wohnungsbau in Berlin weiter ankurbeln, um das Wohnungsproblem innerhalb der nächsten Jahre positiv zu lösen“, so der Appell des Hauptgeschäftsführers Momberg. (hf)

Urbane Mitte: Zufall, Stein und Hyperloop

Berlins Stadtbild befindet sich durch einen historischen Stilmix im stetigen Wandel. Das MakeCity, das Festival für Architektur und Andersmachen, gibt noch bis zum 01.07.2018 Impulse und Strategien für eine innovative und nachhaltige Stadtplanung.

Ein besonderes Highlight wird am letzten Festivaltag stattfinden: Unter dem Titel „Zufall, Stein und Hyperloop“ findet ab 13:30 Uhr auf dem Grundstück des Projektes Urbane Mitte am Gleisdreieck, direkt neben dem BRLO Brwhouse, eine Paneldiskussion statt. Speaker verschiedener Branchen werden ihre Blickwinkel auf das Thema Stadtentwicklung darlegen.

Die Stadt im stetigen Wandel

Beim Panel sollen Fragen wie „Wie können wir unsere Städte abseits ferner Zukunftsszenarien anders denken, bauen und gestalten? Hier und jetzt?“ kontrovers diskutiert werden. Dafür beschäftigten sich die Panelteilnehmer mit jenen Treibern, die den komplexen Wachstums- und Veränderungsprozessen von Metropolen zugrunde liegen. Mit dem Zufall, da er alle Planungs- und Realisierungsprozesse mitgestaltet. Mit der Hardware, die als steingewordener Raum den Stadtkörper formt. Und mit den Menschen und Gütern, die sich bewegen oder bewegt werden und damit die urbanen Nervenstränge frequentieren und formen. Alle drei Komponenten bestimmen die Urbanität, Lebensqualität und Wandlungsfähigkeit einer Metropole.

Teilnehmer des Panels sind u.a.:

  • Dr. Meike Niedbal | Head of Biz Dev DB Station & Service, Project Lead Smart Cities
  • Jackie Thomae | Ratgeberbuch- & Bestseller-Autorin, Journalistin, Trend- & Transformationsexpertin
  • Dimitri Hegemann | Gründer Tresor, Berlin-Detroit Connection, Happy Locals u. a., Freiraumgestalter & Nighttime Economist
  • Darius Moeini | Co-Founder Numa Berlin, Project Lead Accelerator & Smart City Innovation Program, Urban Change Expert
  • Markus Penell | Partner / GF O&O Baukunst, Kurator O&O Depot, Architekt der Urbanen Mitte am Gleisdreieck
  • plus Special Guest

Dr. Christian Ankowitsch, Journalist und Sachbuchautor, wird die Veranstaltung moderieren.

Urbane Mitte am Gleisdreieck

Im Rahmen des MakeCity Festivals wurden für jede dieser drei Dimensionen besondere Gäste eingeladen. Diese werden mit den Besuchern die Möglichkeiten einer anderen Stadt diskutieren und sie subjektiv kartographieren.

Stattfinden werden die Gespräche am Berliner Gleisdreieck. Der urbane Hub steht beispielhaft für die Veränderung und die Dynamik Berlins. Früher wurden hier Waren und Güter umgeschlagen. Heute rattern Hochbahnen durch den beliebten Park am Gleisdreieck. In naher Zukunft wird hier auf 3,2 Hektar ein neues Stück Stadt entstehen.

Konzipiert wurde das Panel von Ortner & Ortner Baukunst und COPRO, für deren Stadtentwicklung „Urbane Mitte am Gleisdreieck“ Ortner & Ortner Baukunst den Masterplan entworfen hat – sowie vom B-PART, dem „Lab For Urban Shift“ auf dem Projektgrundstück der Urbanen Mitte am Gleisdreieck. Die Moderation übernimmt Christian Ankowitsch, Sachbuchautor und Journalist. (red)

SANUS AG feiert Richtfest für 4**** Lifestyle-Hotel in Kreuzberg

„Kreuzberger Nächte sind lang …“, so lautet ein berühmter Gassenhauer der Gebrüder Blattschuss aus den siebziger Jahren. Das Nachtleben des Berliner Szenebezirks ist nach wie vor legendär. Der Bezirk ist international bekannt für seine multikulturelle Bewohner und ein vielfältiges Kulturleben: Kreative, Gastronomen, Touristen und Lebenskünstler zieht es in den angesagten Kiez. Das Flair ist einzigartig und unvergleichlich bunt. Dabei ist Kreuzberg, trotz seiner zentralen Lage und der großen Attraktivität, immer noch wesentlich günstiger als Innenstadtbezirke in anderen Metropolen.

4**** Hotel mit 74 Apartments für Touristen und Nachtschwärmer

Nun feiert die SANUS AG in der Blücherstraße 12, inmitten eines belebten Wohn- und Geschäftsviertels, Richtfest für ein besonderes Neubauprojekt. Das Gebäude wird ein 4**** Hotel beherbergen und über 74 Apartments in unterschiedlichen Größen verfügen. Den Kreuzberger Kiez hautnah erleben und dabei modern, stylish und entspannt wohnen: Das wird der Anspruch des Hotels nach seiner Fertigstellung sein.

Kreuzberg: Lage mit Potenzial

Die SANUS AG hat das Potenzial dieser Lage früh erkannt. Kreuzberg ist mit seinem Karneval der Kulturen und dem lebhaftes Clubleben ein Besuchermagnet und mit öffentlichen Verkehrsmitteln optimal angebunden. Für das Unternehmen ist die Realisierung des Apartmenthotels das erste Projekt dieser Art. In Friedrichshain plant die SANUS AG bereits ein ähnliches Projekt in der Landsberger Allee. Vorstand Siegfried Nehls ist ein Visionär mit einem feinen Gespür für die Bedürfnisse der Hauptstadt, bei der Auswahl der Projekte berücksichtigt die SANUS AG die Besonderheiten des jeweiligen Standorts.

 

Anstoßen auf das Richtfest: v.l.n.r.; Jan Holstein, Geschäftsführer SANUS AG, Holger Siegel, Geschäftsführer Sicon GmbH, Peter Franke, Architekt und Bauleiter

Anstoßen auf das Richtfest: v.l.n.r.; Jan Holstein, Geschäftsführer SANUS AG, Holger Siegel, Geschäftsführer Sicon GmbH, Peter Franke, Architekt und Bauleiter | Foto: BERLINboxx

 

„Gerade Kreuzberg ist für viele Menschen anziehend. Ganz besonders auch für Menschen, die nur einen kurzen Besuch in der Stadt planen. Mit diesem Hotel haben diese Besucher die Möglichkeit, in den ganz speziellen Kreuzberg-Lifestyle einzutauchen und das besondere Flair dieses ikonischen Bezirks zu erleben“, so Jan Holstein, Geschäftsführer des Bauherrn.

Holger Siegel, Geschäftsführer der Sicon GmbH, eines der bedeutendsten Dienstleistungsunternehmen in der Projektentwicklung von Serviced Apartments, freut sich über das Projekt in dieser besonderen Lage: „Das Projekt hier in der Blücherstraße hat für uns einen ganz besonderen Stellenwert. Wir wollen damit in der Hauptstadt Fuß fassen und planen bereits weitere Projekte hier in Berlin. Gerade  in Kreuzberg haben wir das ganz spezielle Berliner Flair und wir freuen uns darauf, das Hotel nach seiner Fertigstellung hier im Kiez zu betreiben.“

Baubeginn war im Frühjahr 2017, nun wird bereits Richtfest gefeiert. Die Fertigstellung ist für 2019 geplant. (ak)

Wohnträume der Berliner: Eigene vier Wände im grünen Umland

Das Berliner Umland wird immer attraktiver für Wohnungssuchende, die den Dilemmata des Berliner Wohnungsmarktes überdrüssig sind. Wegen steigender Mieten und dem Wohnungsmangel ziehen immer mehr Berliner in den städtischer werdenden Speckgürtel der Hauptstadt. Sie wollen sich dort ihre Wohnträume erfüllen. Die Zahlen des Wohnungsmarktberichts der Investitionsbank Berlin (IBB) erfassen ein vergleichbares Wachstum der Einwohnerzahlen im Umland wie in Berlin selbst. Von 2012 bis 2016 stiegen die Einwohnerzahlen im Umland um 5,6 Prozent an, in Berlin selbst waren es 5,9 Prozent. Besonders beliebt sind dabei die Regionen Potsdam, Falkensee und Königswusterhausen. Einfamilienhäuser dominieren weiterhin das Baugeschehen des Umlandes. Doch auch der Geschosswohnungsbau im Großstadtstil wird angesichts der Zuzüge nötig und lukrativ für Projektentwickler sein.

Mit den steigenden Einwohnerzahlen erhöhen sich natürlich auch die infrastrukturellen Anforderungen an das Brandenburger Umland und die Verbindungen nach Berlin. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher sieht schon lange die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit der beiden Länder. „Dass das Wachstum Berlins auch Auswirkungen auf Brandenburg und insbesondere die Umlandgemeinden hat, liegt auf der Hand. Wir stehen deshalb im ständigen Dialog, u.a. im kommunalen Nachbarschaftsforum, um auch die Entwicklung der wachsenden Stadtregion in einer geordneten und städtebaulich sinnvollen Art und Weise gemeinsam voranzubringen“, so Lompscher.

 

Die Anforderungen an die Infrastruktur der Umlands-Siedlungen erhöhen sich. | Foto: pexels.com

Die Anforderungen an die Infrastruktur der Umlands-Siedlungen erhöhen sich. | Foto: pexels.com

 

Die Wohnträume wären im Berliner Umland realisierbar

Rund 27.000 Wohnungen wurden im starken Wachstumszeitraum 2012 bis 2016 in Stadtnähe in Brandenburg gebaut, weitere 15.000 sind bereits genehmigt. Die meisten Fertigstellungen verzeichnete die Landeshauptstadt Potsdam. Mit einer Zunahme an Baugenehmigungen von 11,8 Prozent ist kein Ende der dynamischen Wohnungsbauentwicklung in Sicht. Die Attraktivität des Wohnens an der Schnittstelle zwischen städtischen Möglichkeiten und ländlicher Ruhe ist unangefochten. Wer im sogenannten Speckgürtel der Hauptstadt wohnt, nimmt das Beste von beidem mit. Doch stellt sich die Frage, ob die erhöhte Abwanderung ins Umland einem Wohntraum vom Leben im Grünen in städtischer Nähe entspricht. Oder ob sie vielmehr eine Konsequenz der dramatischen Wohnsituation Berlins ist.

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. Dieses Profil ergab die vom Baufinanzierungsvermittler Interhyp veröffentlichte „Wohntraumstudie 2018“. Nur die Hälfte der 60 Prozent in Klein- bis Großstädten lebenden Deutschen fühlt sich dort jedoch wohl. Ganze 56 Prozent fühlen sich von dem anhaltenden Straßenlärm ihres derzeitigen Wohnortes gestört, 44 Prozent sind es in Berlin. Während die Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) von einem freistehenden Einfamilienhaus träumt, spielen bei der Wohnungssuche auch Faktoren wie ein schöner Ausblick und die Nähe zur Natur mit jeweils 94 Prozent eine übergeordnete Rolle. Rund die Hälfte aller Befragten gibt jedoch an, dass ihre tatsächliche Situation besser sein könnte. Kompromisse werden laut 99 Prozent der Befragten keinesfalls bezüglich der Lage und Behaglichkeit gemacht. Stattdessen werden Abstriche am ehesten bei der Raumaufteilung und Bauweise der Immobilie gemacht.

 

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. | Foto: pexels.com

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. | Foto: pexels.com

 

Eigenheim mit Garten oder Mehrfamilienhaus in Naturnähe

Im Vergleich zur 2016 veröffentlichten Wohntraumstudie ist das Zuhause sogar noch bedeutender geworden. Für 57 Prozent (2016: noch 46 Prozent) ist das Zuhause sehr wichtig, für 40 Prozent wichtig. Das Zuhause gilt als Rückzugsort, ist aber auch ein Ort der Zusammenkunft mit Familie und Freunden. Wichtige Beweggründe vom Mieter zum Eigentümer zu werden, sind vor allem der größere Gestaltungsspielraum in der eigenen Immobilie und die Unabhängigkeit vom Vermieter. Insgesamt wünschen sich 76 Prozent der Befragten ein Eigenheim. Im Hinterkopf bleibt jedoch immer die Frage, was unter den aktuellen Umständen möglich und umsetzbar ist. Der Umzug in eine größere Wohnung ist in Berliner Verhältnissen, oft mit dem Wegzug aus dem Kiez verbunden. Mietserhöhungen sowie steigende Quadratmeterpreise, die sich verglichen mit alten Mietverträgen inzwischen fast verdoppelt haben, erschweren die Wohnungssuche in direkter Nachbarschaft.

Dieser maßvolle und realistische Umgang mit den eigenen Wohnträumen lässt vor allem darauf schließen, welchen bleibenden Eindruck die derzeitige Wohnungssuche hinterlässt. Zum anderen weisen diese Abwägungen auch positiv darauf hin, wie realistisch die Wohnungssuchenden vor diesem Hintergrund ihre Finanzen einschätzen können.Trotzdem wünschen sich 73 Prozent der Befragten eine größere Wohnfläche als die durchschnittlichen 100 Quadratmeter. Auch von einem Garten träumen die meisten Befragten. Dies ist vor dem Hintergrund der Landflucht interessant. Denn die Attraktivität des Brandenburger Umlandes bemisst sich nicht ausschließlich am Wohnstil des Einfamilienhauses oder der Nähe zur Natur. Neubausiedlungen mit Mehrfamilienhäusern prägen das Bild der Fertigstellungen. Auch diese befinden sich oft in Waldnähe oder integrieren gemeinschaftliche Garten- und Spielplatz-Konzepte im Innenhof der Gebäudekomplexe.

Zufriedene Berliner und die Alternative Großstadt

Der Senat sieht weitere vorhandene Bauflächen für die Entlastung des Berliner Wohnungsmarktes im Umland. Bis 2030 werden in Berlin 194.000 Wohnungen benötigt. Hiervon könnten 65.000 Wohnungen auf bestehenden Flächen in Brandenburg realisiert werden. Vor dem Hintergrund, dass 76 Prozent der Berliner laut Interhyp angeben, mit ihrer Wohnsituation zufrieden zu sein, stellt sich jedoch die Frage, ob der Umzug nach Brandenburg nicht eher als Notlösung in der „Provinz“, verbunden mit langen Fahrtzeiten und hohen Benzinkosten, gesehen wird.

 

76 Prozent der Berliner sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation. | Foto: pexels.com

76 Prozent der Berliner sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation. | Foto: pexels.com

 

Zufriedener als die Berliner sind übrigens nur die Stuttgarter, 82 Prozent von ihnen würden ihre Wohnsituation nicht eintauschen. Infolge der Zufriedenheitsrate könnte also auch vermutet werden, dass Berliner, die bereits eine geeignete Wohnung gefunden haben, glücklich mit den Vorteilen des Hauptstadtlebens sind. Gründe für das Leben an einem immer teurer werdenden Standort wie Berlin sind eine Vielzahl an Kultureinrichtungen, Selbstverwirklichungsmöglichkeiten und berufliche Vorteile. Auch die bekannte Berliner Mischung ist immer wieder ein entscheidendes Kriterium für die Wahl der Großstadt. Im Speckgürtel hingegen macht die „Alternative Großstadt“ nur die Hälfte der Möglichkeiten und Wohnträume aus. (cn)

Wohnungsbau statt Schrebergärten: Mehrheit der Berliner ist dafür

Wenn Arne Piepgras an die Wohnraumsituation in Berlin denkt, schaudert es ihn. „Es ist ein Desaster“, sagt der langjährige Sozialdemokrat. Seit 17 Jahren führen seine Genossen den Senat, aber der Wohnungsmarkt findet nicht aus der Krise. Der 61-jährige Piepgras ist Projektentwickler, er kennt die Misere im Wohnungsbau genau.

Berlin ist eine wachsende Stadt, rund eine Viertel Millionen Menschen werden sich in den kommenden 15 Jahren zusätzlich ansiedeln. Bis 2020 braucht die Bundeshauptstadt mindestens 137.000 neue Wohnungen, bis 2030 müssen etwa 194.000 sein. Nur so kann das Wohnangebot mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten und den ohnehin bereits angespannten Wohnungsmarkt entlasten. Aber wo soll gebaut werden?

Wohnungsbau braucht neue Flächen

Projektentwickler Piepgras hat sich mit einer unkonventionellen Idee an die Öffentlichkeit gewagt. Rund drei Prozent der Stadtfläche, etwa 3.000 Hektar, werden von Kleingartenkolonien belegt. Die Gelände waren immer sogenannte Baulandreserve, Laubenpieper-Parzellen also seit jeher Idyllen auf Zeit. „Auf dieser Fläche könnten an die 400.000 Wohnungen errichtet werden“, hat Piepgras errechnet. Er weiß, dass er sich mit seinem Vorschlag unbeliebt macht. Kleingärten sind für Berliner Herzenssache. Wer Gartenkolonien planieren und bebauen will, muss mit Widerstand von Bürgerinitiativen rechnen.

Piepgras wollte es genau wissen und gab eine Umfrage in Auftrag, um die Stimmung in der Bevölkerung zu ermitteln. Und siehe da: 54,4 Prozent der Befragten würde eine teilweise oder vollständige Bebauung von Schrebergärten gutheißen. In der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre würden sogar 71,2 Prozent eine Bebauung begrüßen. Hingegen lehnen mehr als 60 Prozent der über 50-Jährigen eine Bebauung entschieden ab.

 

Kämpft für gerechtes Wohnen: Immobilieninvestor Arne Piepgras | Foto: BERLINboxx

Kämpft für gerechtes Wohnen: Immobilieninvestor Arne Piepgras | Foto: BERLINboxx

 

Generationenkonflikt um Wohnraum

Dies macht den Generationenkonflikt sichtbar, der sich um das Thema rankt. Während sich alteingesessene Berliner im Stadtgebiet in ihren grünen Laubenpieper-Oasen erholen, werden junge Familien aus der Stadt gedrängt, weil die Mietpreise explodieren. Piepgras will eine „Gerechtigkeitsdiskussion“ anstoßen: „Ist es gerecht, dass absehbar hunderttausende Berliner Bürger das Stadtgebiet wegen steigender Mieten verlassen müssen? Wäre es nicht gerechter, die Kleingärten ins Umland umzusiedeln und damit hier Platz zu schaffen für eine Wohnungsbauinitiative, die diesen Namen auch verdient?“

In zwei offenen Briefen auf Zeitungsanzeigenseiten hat sich Piepgras in den vergangenen Wochen an die Bausenatorin Katrin Lompscher gewandt. „Rufen Sie zu einem Masterplan ,Bezahlbaren Wohnraum schaffen‘ auf“, lautet sein Appell. „Wenn wir nicht aufpassen“, warnt Piepgras, „werden wir Verhältnisse wie in München oder London bekommen, wo sich kein Normalverdiener mehr innerstädtischen Wohnraum leisten kann.“ Berlin werde „seinen Charakter als bezahlbare und damit liebenswerte Großstadt verlieren und zu einer unbezahlbaren Metropole“ werden.

Ausschließlich günstige Wohnungen

Vom rot-rot-grünen Senat erwartet er den Mut zu einer „Politik über den Tellerrand hinaus“. Piepgras spekuliert sogar auf eine breite Zustimmung seitens betroffener Kleingärtner: „Wenn sichergestellt wird, dass auf den Grundstücken ausschließlich günstige Wohnungen sowie Schulen und Kitas entstehen, wäre dann nicht auch ein Großteil der Kleingärtner bereit, auf ihre Privilegien zu Gunsten der Allgemeinheit zu verzichten?“

Für die Bausenatorin könnte Piepgras’ Vorschlag der Ausweg aus einem Dilemma sein. Soeben hat sie amtlich bestätigen müssen, dass der Senat das im Koalitionsvertrag vereinbarte Wohnungsbauziel verfehlen wird. Die Unterhändler von SPD, Linke und Grüne hatten sich auf „mindestens 30.000 Neubauwohnungen“ verständigt. In einem von Lompscher vorgelegten Bericht geht der Senat nun von 26.514 fertigen Neubauwohnungen in kommunaler Hand bis 2021 aus. Höchste Zeit also für einen Neustart in der Berliner Wohnungsbaupolitik. (hf)

ZIA Tag der Immobilienwirtschaft 2018

Eng verzahnt mit der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stellt die Immobilienwirtschaft ein wichtiger Markt für Deutschland dar. Der deutsche Immobilienmarkt ist gewiss national als auch international mit gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpft. Nicht zuletzt wird Europa, vor allem jedoch Deutschland, mit den Folgen des Brexits zu kämpfen haben. Angesichts dieser Herausforderung ist es wichtig, einen Überblick über diesen vielfältigen Wirtschaftszweig zu haben.

Am vergangenen Mittwoch veranstaltete der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e. V. im Berliner Tempodrom den Tag der Immobilienwirtschaft 2018 unter dem Motto „Global denken – Lokal investieren“. Es ist der größte Branchentag der deutschen Immobilienwirtschaft.

 

v.l.n.r.: BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel im Gespräch mit Susanne Tattersall (TATTERSALL· LORENZ Immobilienverwaltung und -management GmbH) und Andreas Schrobback (AS Unternehmensgruppe) | Foto: Charles Yunck

v.l.n.r.: BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel im Gespräch mit Susanne Tattersall (TATTERSALL· LORENZ Immobilienverwaltung und -management GmbH) und Andreas Schrobback (AS Unternehmensgruppe) | Foto: Charles Yunck

 

Ein EU-Kommissar, zwei Bundesminister, drei Oppositionsführer und 1.900 Besucher

Der Tag der Immobilienwirtschaft des ZIA bietet für viele Unternehmer und Politiker eine hervorragende Plattform, um über zukunftsweisenden Themen und wichtige Fragen der Branche zu diskutieren. Beim diesjährigen Tag der Immobilienwirtschaft waren rund 1.900 Gäste anwesend, darunter hochrangige Repräsentanten aus Bundes- und Landespolitik, Verwaltung, Medien und Wissenschaft.

Zu den namhaften Redner gehörten Spitzenpolitiker wie Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, und Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Auch Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sprach zum ersten Mal bei einem Verbandstag der Immobilienwirtschaft. So kündigte er an, sich für die Sonderabschreibung für die energetische Sanierung von Gebäuden einzusetzen. Diesbezüglich gibt es bereits Gespräche mit dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). „Bis Ende des Jahres sollte das entschieden sein“, sagte Altmaier.

 

Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, und ZIA-Präsident, Dr. Andreas Mattner | Foto: Norbert Wiedemann

 

Grünen-Chefin sprach sich für Bestellerprinzip aus

Über die bau- und wohnungspolitische Forderungen ihrer Fraktionen sowie die Vorhaben der aktuellen Bundesregierung diskutierten an diesem Tag auch die drei Oppositionsführer Katrin Göring-Eckhardt (Bündnis 90/Die Grünen), Christian Lindner (FDP) und Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke).

Zur Thematik, wie ein bezahlbares Umfeld geschaffen werden kann, schlug die Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckhardt die Einführung des Bestellerprinzips beim Wohnungskauf vor. „Warum diskutieren wir nicht über die Deckelung oder Abschaffung der Maklergebühr? Das Bestellerprinzip ist ja nicht so schwierig und hat bei den Mieten funktioniert. Warum man, das beim Wohnungskauf nicht einsetzt, hat mir bisher noch niemand erklären können. Es wäre zumindest besser als das Baukindergeld, das erzeugt nämlich nur Mitnahmeeffekte“, so die Grünen-Chefin.

 

Grünen-Chefin Katrin Goering-Eckardt | Foto: Norbert Wiedemann

 

FDP-Chef Lindner hingegen machte sich für die Streichung der Grunderwerbssteuer für Selbstnutzer beim Ersterwerb bzw. für die Einführung eines Freibetrages stark. Hinsichtlich des Freibetrages gab sich Linken-Fraktionschef Dr. Bartsch offen. Mit der Absenkung oder gar Streichung der Grunderwerbssteuer war er allerdings nicht einverstanden.

Der ZIA stellt erstmalig den neuen Kommunalrat vor

Anlässlich des diesjährigen Tags der Immobilienwirtschaft forderte der ZIA die Beschleunigung in der Stadtentwicklung, Planung und dem Bau. Im Hinblick darauf, hat der Verband einen Kommunalrat initiiert. Das Gremium setzt sich aus Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte sowie Vertretern der Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklern zusammen. Oberbürgermeisterin Ludwigshafen a.D. und ehemalige Präsidentin des Deutschen Städtetags, Dr. Eva Lohse, wird die Position als Vorsitzende des Kommunalrats innehaben.

 

Der ZIA-Kommunalrat | Foto: Norbert Wiedemann

 

„Die neue Regierung hat das Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen in den kommenden vier Jahren ausgegeben, das wir voll unterstützen. Angesichts des derzeitigen Umfelds wirkt dieses Ziel aber utopisch. Wir brauchen schlankere Prozesse, schnellere Entscheidungen und mehr Effizienz beim Planen und Bauen“, erklärt Dr. Andreas Mattner. Die Mitgliederversammlung des ZIA hatte ihn im Rahmen des Tages der Immobilienwirtschaft für weitere drei Jahre zum ZIA-Präsidenten gewählt.

Quartiersentwicklung der Zukunft

Doch nicht nur die anwesenden politischen Vertreter sowie der ZIA-Kommunalrat haben Ideen, welche Aspekte bei der Schaffung von Wohnraum stärker berücksichtigt werden müssen. „Bei der Quartiersentwicklung der Zukunft darf nicht in Flurstücken gedacht werden, sondern in Städten. Auch muss die Lebenszeit von Immobilien nicht in Jahrzehnten, sondern in Generationen betrachtet werden. Die Dynamik des Wandels und besonders die Veränderungen durch die digitale Transformation in allen Lebensbereichen erfordert mehr Flexibilität und schafft kürzere Lebenszyklen. All dies muss bei der Entwicklung von Wohn- als auch Handelsimmobilien zukünftig wesentlich stärker berücksichtigt werden“, so Nils Blömke, Geschäftsführer der HD Handelsimmobilien GmbH (HDHI), am Rande der Veranstaltung.

 

v.l.n.r.: Nils Blömke (Geschäftsführer HD Handelsimmobilien GmbH), Christian Lindner (Bundesvorsitzender FDP) und BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel | Foto: Charles Yunck

v.l.n.r.: Nils Blömke (Geschäftsführer HD Handelsimmobilien GmbH), Christian Lindner (Bundesvorsitzender FDP) und BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel | Foto: Charles Yunck

 

(dn)