Wohnungseigentumsgesetz: Forderungen der Experten

„Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, bis die Politiker das geltende Wohnungseigentumsgesetz (WEG) an die Bedürfnisse der Zeit anzupassen wagten. Für Verwalter als die entscheidende Schnittstelle in diesem Prozess ist ein rechtssicherer Rahmen, verbunden mit Antworten auf Fragen von Elektromobilität bis hin zu energetischer Sanierung, unabdingbar“, stellte der Präsident des BVI Bundesfachverbands der Immobilienverwalter, Thomas Meier, die Dringlichkeit des Reformprozesses dar. Bei einer hochkarätig besetzten Veranstaltung mit mehr als 130 Teilnehmern sowie Vertretern aus Politik und Praxis brachten der BVI und der Immobilienverband IVD die Positionen und Erfahrungswerte ihrer Mitglieder ein und nutzten so die Gelegenheit, die vorliegenden Gesetzesentwürfe zum Wohneigentumsrecht zu diskutieren.

BVI-Präsident Meier erneuerte auf der Konferenz zur WEG-Reform im dbb forum berlin die Forderungen von Immobilienverwaltern. „Das WEG-Recht hat großen Einfluss auf den Alltag und die Lebensqualität sehr vieler Menschen und deswegen braucht es die Reform jetzt. Wohnungseigentümergemeinschaften und Immobilienverwalter müssen befähigt werden, möglichst konfliktfrei und reibungslos zu agieren“, sagte Meier in einem Grußwort.

Reformen im Wohnungseigentumsgesetz

Der Vize-Präsident des IVD und Vorsitzende des Bundesfachausschusses Immobilienverwalter, Markus Jugan, betonte: „Die heutige Konferenz soll ein wichtiger Impuls für die geplante Reform sein. Immer wieder führen die gleichen Schwierigkeiten zu Konflikten in der WEG-Gemeinschaft. Ein besseres, praxistauglicheres Wohnungseigentumsgesetz ist daher auch ein Beitrag zur Wohnungseigentumsförderung, die sich die Große Koalition ja zurecht auf die Fahnen geschrieben hat.“

Der Diskussionsentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz greife allerdings nur zwei Themenkomplexe auf. Der Entwurf des Bayerischen Staatsministeriums gehe inhaltlich weit darüber hinaus. „Wir regen an, dass alle beide Novellierungsvorschläge und unsere Anregungen bei dem Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt werden“, so Jugan.

In dem von BVI und IVD gemeinsam veranstalteten Fachforum trugen die Verbände unter anderem folgende Änderungsvorschläge zum Wohnungseigentumsgesetz vor.

Barrierefreiheit und Elektromobilität

Bisher war für bauliche Maßnahmen in diesen Bereichen die Zustimmung aller Eigentümer einer Gemeinschaft notwendig. Die Verbände schlagen vor, entsprechende Maßnahmen als Maßnahmen ordnungsgemäßer Verwaltung zu kodifizieren. Zudem plädieren sie dafür, einzelnen Eigentümern einen Duldungsanspruch gegenüber anderen Eigentümern zu vermitteln. Auch sollen Instandsetzungs- und Folgekosten gesetzlich geregelt werden.

Beschlusskompetenz

Gemeinsame Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft sind bislang an die Bedingung geknüpft, dass mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Eigentümer und der Miteigentumsanteile anwesend sind. Die Verbände schlagen daher vor, die Absenkung des für Beschlussfassungen notwendigen Quorums zur Disposition der Gemeinschaft zu stellen.

Außerdem sieht das jetzige Wohnungseigentumsgesetz lediglich die Möglichkeit vor, dass die Kostenverteilung bei Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßnahmen nur für den Einzelfall mit einer Mehrheit von drei Viertel aller stimmberechtigten Eigentümern und mehr als der Hälfte aller Miteigentumsanteile beschlossen werden kann. Soll hingegen eine generelle Änderung des Verteilungsmaßstabes (z.B. Sanierung aller Fenster) erfolgen, müssen alle Eigentümer zustimmen. Dies erschwert die Durchsetzung genereller Maßnahmen an bestimmten Gebäudeteilen. Die Verbände schlagen vor, den Begriff „Einzelfall“ im Gesetz zu streichen. Bislang müssen alle Eigentümer zustimmen, wenn eine generelle Änderung des Verteilungsmaßstabes erfolgen soll. BVI und IVD setzen sich dafür ein, solche Beschlüsse bereits mit einfacher Mehrheit fällen zu können.

Umlaufbeschluss

Beschlüsse, die im schriftlichen Verfahren, dem sogenannten Umlaufverfahren, erfolgen, müssen bisher von allen Eigentümern getragen werden. In der Praxis scheitern derartige Beschlussfassungen häufig an der Zustimmung aller Eigentümer, sodass unter Umständen notwendige Maßnahmen nicht zeitnah umgesetzt werden können. Die Verbände schlagen vor, diese Bedingung auf eine doppelt qualifizierte Mehrheit abzusenken, um die Gemeinschaft auch unabhängig von Eigentümerversammlungen handlungsfähiger zu machen.

Anzahl Beiratsmitglieder

Bislang umfasst der Verwaltungsbeirat laut Gesetz drei Mitglieder, sofern die Teilungserklärung keine Abweichung vorsieht. Der IVD schlägt vor, der Eigentümergemeinschaft das Recht einzuräumen, die Anzahl der Beiratsmitglieder selber bestimmen zu können.

Inkassovorgänge

Derzeit hat der von einer Eigentümergemeinschaft bestellte Verwalter keine originäre Befugnis, säumiges Hausgeld gerichtlich oder außergerichtlich einzutreiben. Nur die Eigentümergemeinschaft kann ihm diese Befugnis im Einzelfall erteilen. Außerdem gibt es bislang keine gesetzliche Regelung zur Fälligkeit des Hausgeldes. Die Verbände schlagen daher vor, den Verwalter per Generalklausel im Gesetz zu ermächtigen, selbst Inkassomaßnahmen zu veranlassen. Zudem plädieren sie für eine gesetzliche Regelung der Fälligkeitsregel für Wohngeldzahlungen.

Instandsetzung- und Instandhaltungsmaßnahmen

Bislang müssen die Eigentümer dem Verwalter für sämtliche Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßmaßnahmen eine gesonderte Befugnis erteilen. BVI und IVD schlagen vor, eine Generalklausel zu schaffen, die dem Verwalter erlaubt, aus eigener Kompetenz derartige Maßnahmen zu ergreifen. Die Summe, über die der Verwalter hier verfügen darf, soll auf 8% bis 10% der im Wirtschaftsplan festgesetzten Instandsetzungskosten begrenzt werden.

Offene Fremdgeldkonten

Bisher gibt es keine klare gesetzliche Regelung zur Art der Kontenführung in Eigentümergemeinschaften. In der Praxis durchaus üblich sind immer noch Treuhandkonten, die auf den Namen des Verwalters laufen. Im Interesse einer ordnungsgemäßen Verwaltung und zum Schutze des Gemeinschaftsvermögens vor Privatinsolvenz des Verwalters und Drittgläubigerzugriffen schlagen BVI und IVD vor, dem Verwalter die gesetzliche Verpflichtung aufzuerlegen, eingenommene Gelder von seinem Vermögen gesondert zu halten und offene Fremdgeldkonten zu führen.

Für den Gesetzgeber erläuterten auf dem Fachforum der Staatssekretär im Bundesjustizministerium Gerd Billen, der zuständige Referatsleiter Ministerialrat Wolfram Marx sowie die Referatsleiterin im Bayerischen Justizministerium, Ministerialrätin Dr. Katrin Herresthal, die derzeit vorliegenden Entwürfe. Experten des BVI und IVD, z.B. Rechtsanwalt Uwe Wanderer, Richter Dr. Oliver Elzer und Dr. Stefan Ollig, Geschäftsführer der Vonovia Immobilien Treuhand GmbH, kommentierten diese Entwürfe im wechselseitigen Austausch.

In der abschließenden Podiumsdiskussion brachten federführend an den Entwürfen beteiligte Bundestagsabgeordnete ihre Schwerpunkte bei der anstehenden Reform im Wohnungseigentumsgesetz ein. (red)

Kleingartenflächen als Mittel gegen die Wohnungsnot?

Arne Piepgras hat ein heißes Eisen angefasst. Als Rezept gegen die akute Wohnungsnot in der Hauptstadt fordert  der Investor und Projektentwickler einen „Masterplan Berlin“ von der Politik. Kernpunkt: Die innerstädtischen Kleingärten, die der Stadt gehören, sollten mit Wohnungen bebaut werden. Als Alternative sollen Ausweichflächen für die Laubenpieper zur Verfügung gestellt werden. Inzwischen hat der Vorschlag zahlreiche Unterstützer gefunden, wie etwa Andreas Becher, Vorsitzender des Berliner Landesverbandes beim Bund Deutscher Architekten. Der Architekt forderte kürzlich im Interview die Stadt auf,  „endlich ihre Schrebergärten zu bebauen„. In einer Umfrage hat sich eine Mehrheit der Berliner Bevölkerung für eine zumindest teilweise Bebauung der Kleingärten ausgesprochen. Sinnvoll oder vollkommen abwegig? Die BERLINboxx hat mit Arne Piepgras gesprochen.

BERLINboxx: Herr Piepgras, was haben Sie eigentlich gegen Kleingärtner?

AP: Das ist schon gleich das erste Missverständnis. Ich halte das Kleingartenkonzept zwar für etwas aus der Zeit gefallen, gegen Kleingärtner an sich habe ich aber gar nichts. Allerdings bin ich der Meinung, dass in Zeiten der Not – und diese Zeiten sind in Berlin angebrochen – sich alle Berliner Bürgerinnen und Bürger solidarisch verhalten sollten. Dass sie das können, haben ja gerade die Berliner in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Diesen Geist der Solidarität fordere ich ein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Arne Piepgras fordert von der Politik ein Umdenken | Foto: BERLINboxx

Arne Piepgras fordert von der Politik ein Umdenken | Foto: BERLINboxx

 

Großteil der Kleingartenflächen im Landeseigentum

BERLINboxx: Was genau ist Ihr Plan?

AP: Zunächst einmal zu den Fakten: Die Kleingärten Berlins belegen insgesamt eine Fläche von 30 Mio. qm, von denen 20 Mio. qm im Eigentum des Landes stehen. Die übrigen 10 Mio. qm stehen meist im Eigentum von Post, Bahn und anderen großen Institutionen.

Der erste Schritt wäre, dass das Land Berlin diese 10 Mio. qm ankauft. Da es sich noch nicht um Bauland handelt und das Land über das Baurecht entscheidet, könnte der Ankauf relativ günstig erfolgen. Notfalls ist für diese Übertragung auch die Unterstützung durch den Bund einzufordern. Nach diesem ersten Schritt wären dann mehr oder weniger alle Kleingärten im Landeseigentum.

KITAS und Schulen müssen gebaut werden!

BERLINboxx: Und dann?

AP: Danach sollten alle diese Flächen nach Maßgabe eines noch zu erstellenden Masterplans einer Bebauung zugeführt werden.

So könnten 400.000 bis 600.000 bezahlbare Wohnungen entstehen, die alle im Eigentum der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften stünden. Die Mieten sollten – je nach Ausstattung und Lage – bei 6,50€/qm beginnen und 9,50€/qm nicht übersteigen.

Eine Variante wäre noch, einen Teil dieser Wohnungen günstig an Berliner Familien zu veräußern, beispielsweise für einen Quadratmeterpreis von 3.000 €. Da die Baukosten bei etwa 2.000€/ qm liegen und die Grundstücke überwiegend umsonst wären, würden den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften so Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe zufließen.

Mit einem Teil dieser Gelder könnten dann die 150 KITAS und 50 Schulen gebaut werden, die Berlin so dringend benötigt.

Man darf nicht vergessen: Der gegenwärtige Zustand ist schlicht rechtswidrig. Jede Familie mit Kind im entsprechenden Alter hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen KITA –Platz. Dieses Recht wird zurzeit in Berlin täglich 3.500 Mal gebrochen und es ist absehbar, dass sich dieser Rechtsbruch in den kommenden Jahren auf 25.000 Familien erhöhen wird. Ich halte dies für einen unsäglichen Skandal!

Bei den angedachten Preisen für die Wohnungen würde eine 100 qm Wohnung noch 300.000 € kosten, was bei den gegenwärtigen Zinsverhältnissen einen Schuldendienst von monatlich 1.000 € ausmacht. Eine solche Belastung könnten sich nach meiner Einschätzung viele Familien leisten, zumal sie heute oft eine Miete zahlen, die ähnlich hoch ist. Um die Bankfinanzierung zu erleichtern, könnte das Land im Übrigen Bürgschaften herausgeben, um etwaig fehlendes Eigenkapital zu ersetzen.

Der beste Schutz vor künftigen Mietpreissteigerungen ist immer noch die Bildung von Wohneigentum. Hier sollte das Land Berlin helfen und nicht zu dogmatisch denken.

Politik könnte Fehler der Vergangenheit korrigieren

BERLINboxx: Wie meinen Sie das?

AP: Nun, nachdem vor wenigen Jahren die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften auf Geheiß der Politik noch massenhaft Wohnungen an Privatinvestoren verscherbelt haben, gilt jetzt die Devise: Das Land Berlin verkauft gar nichts mehr, allenfalls werden Erbbaurechte vergeben!

Ich glaube: Wieder falsch! Es kann doch nicht schaden, 30 – 40 Prozent der entstehenden Wohnungen in einem großangelegten Programm gezielt Berliner Familien zum Kauf anzubieten. Die Wohnungsbaugesellschaften hätten trotzdem am Ende des Tages mehr Wohnungen im Bestand als jemals zuvor, was sich preisdämpfend auf den gesamten Markt auswirken würde und darauf kommt es an. Schließlich hätte die Politik hier die Möglichkeit, den in der Vergangenheit begangenen Fehler des Verkaufs zu korrigieren und gleichzeitig hierbei noch ein gutes Geschäft zu machen.

Insgesamt gilt, dass sich die Politik geschmeidig die Marktverhältnisse zunutze machen sollte, anstatt immer wieder untaugliche Versuche zu unternehmen, die Gesetze des Marktes zu ignorieren.

Größere Flächen gibt es in Berlin kaum noch

BERLINboxx: Viele Berlinerinnen und Berliner meinen, die Bebauung der Kleingärten sei gar nicht nötig, da genügend andere Flächen für eine Bebauung zur Verfügung stünden. Was sagen Sie dazu?

AP: Diese Annahme ist falsch! Richtig ist, dass vor 20 Jahren, als ich mit meiner Tätigkeit als Immobilienentwickler begann, es im Stadtgebiet noch viele große Flächen gab, die für eine Neubebauung zur Verfügung standen. Diese Zeiten sind aber längst vorbei, nur ist dies in den Köpfen vieler Leute noch nicht angekommen. Auch wird der Platzbedarf gewaltig unterschätzt. Für eine Schule mit Sportplatz benötigt man alleine eine Fläche von 30.000 qm. Zeigen Sie mir doch nur fünf solcher Flächen in geeigneter Lage! Sie werden es nicht können.

Nein, es bleibt dabei: Großen Problemen kann man nur mit großen Antworten begegnen und das heißt, dass eine Bebauung der Kleingärten zur Lösung der aufgetretenen Probleme unumgänglich ist. Sie wird ohnehin erfolgen, weil der Druck im Kessel sich immer mehr erhöhen wird und wir schon in wenigen Jahren chaotische Verhältnisse haben werden.

Entweder wir bauen jetzt nach einem Masterplan Berlin zu einer Gartenstadt um, oder wir fahren alle gemeinsam gegen die Wand. Betroffen werden in erster Linie die „kleinen Leute“ sein, die sich das Wohnen in der Innenstadt schlicht nicht mehr leisten werden können.

Gartenstadt Berlin?

BERLINboxx: Gartenstadt Berlin, wie meinen Sie das?

AP: Nun, ich stelle mir die Bebauung der Kleingartenflächen schon aus ökologischen Gründen sehr grün vor. Jede größere Fläche sollte neben den Wohngebäuden mit Gründächern auch einen öffentlichen Park haben. Im Übrigen könnte man sich bei der Gestaltung an den Gartenstädten der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts orientieren. Hieraus könnte man auch den Kleingärtnern ein Angebot machen.

Alternativen für Kleingärtner

BERLINboxx: Wie sollte das aussehen?

AP: Zunächst: Selbst wenn sich die Politik jetzt zeitnah und ernsthaft des Themas annehmen sollte, ist mit dem Beginn von Bauarbeiten nicht vor dem Jahr 2021 zu rechnen. Die Umsetzung der Gesamtmaßnahme würde nochmals 10 – 15 Jahre dauern, so das eine Vielzahl der jetzigen Kleingärtner schon aus Altersgründen von meinem Vorschlag gar nicht betroffen wäre.

Im Übrigen habe ich immer betont, das nicht angedacht ist, die Kleingärtner ohne ein Angebot von ihren Gärten zu vertreiben, wie es bislang leider häufig geschehen ist.

Ich würde allen Kleingärtnern drei Angebote unterbreiten, unter denen sie frei wählen können.

Das erste Angebot lautet: Jeder Kleingärtner erhält eine finanzielle Entschädigung, die in der Höhe abhängig ist von der Größe der Parzelle und der aufstehenden Bebauung. Nach dem Kleingartengesetz darf die Laube bekanntlich inklusive Freisitz eine maximale Größe von 24 qm haben. Die Realität sieht anders aus. Es sind in den vergangenen Jahrzehnten oftmals richtige Wohngebäude entstanden, häufig ohne Baugenehmigung, vom Brandschutz will ich gar nicht reden. Ich glaube hier wurde vom Land Berlin über Jahre gezielt weggeschaut, woraus eine Art illegaler Wildwuchs entstanden ist. Da aber – wie vorstehend vorgerechnet – bei Umsetzung meines Vorschlags genug Geld im Topf ist, sollte man hier nicht kleinlich sein und die Kleingärtner auch für Gebäude entschädigen, die nicht legal entstanden sind.

Das zweite Angebot lautet: Keine Abfindung in Geld, dafür ein Freizeitgrundstück mit 400 qm Fläche im Umland, auf den Flächen der ehemaligen Stadtgüter. Der Kaufpreis würde symbolische 1.000€ betragen, die Kleingärtner wären nicht mehr Pächter, sondern Eigentümer und könnten dieses Eigentum von Generation zu Generation weitergeben.

Das dritte Angebot ist vielleicht für viele Kleingärtner das interessanteste: Keine Abfindung in Geld und auch kein Ersatzgrundstück vor den Toren der Stadt, sondern Anmietung (oder Ankauf) einer Parterrewohnung in den entstehenden Wohngebäuden, mit vorgelagertem Garten, der je nach Größe der Wohnung zwischen 80 und 120 qm groß sein sollte. Das reicht für das Gemüsebeet und die Hollywoodschaukel und der Grill haben auch noch Platz. Miete: 6,50€/qm auf 20 Jahre fest oder Kauf mit dem Kleingärtnerrabatt für 2.700€/qm.

Berlin als Blaupause für alle Ballungsgebiete in Deutschland

BERLINboxx: Das hört sich alles so einfach an!

AP: Es ist so einfach! Alles was es braucht, ist der Mut für eine große Lösung, die dann durchaus die Blaupause für alle Ballungsgebiete in Deutschland sein könnte. Die Berliner Politiker haben die einmalige Chance zu beweisen, dass sie zu einer klugen und vorausschauenden Politik bereit und in der Lage sind. Bislang zeigte sich die Politik allerdings als mut- und kraftlos und was am allerschlimmsten ist, als völlig phantasielos. Man erstarrt in Angst vor dem Widerstand der Kleingärtner, statt die Chancen zu nutzen, die sich aus den riesigen Bauflächen ergeben. Wir sollten dankbar sein, dass wir über diese Flächen verfügen, die den Umbau der Stadt zu einem viel besseren Ort ermöglichen.

Steuergelder für den Erwerb von Häusern?

BERLINboxx: Sind Sie nicht etwas ungerecht? Schließlich ist angedacht, die einstöckigen Supermärkte mit Wohnungen zu überbauen und der Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt übt in den Millieuschutzgebieten massenhaft das Vorkaufsrecht der Gemeinde aus. Sind dies keine Lösungen für das Problem?

AP: Mit Entschiedenheit: nein! Die Überbauung von Supermärkten ist schon aus statischen Gründen kaum möglich, möglich wäre allenfalls ein Abriss und eine folgende Neubebauung. Da ich selber als Projektentwickler 15 Supermärkte in Berlin gebaut habe, weiß ich mit Gewissheit, dass die profitorientierten privaten Betreiber niemals auf die ebenerdigen PKW-Stellplätze verzichten werden, da diese ganz entscheidend den Umsatz bestimmen. Die neuen Wohnungen befänden sich also auf einer Stellplatzanlage und morgens 6 Uhr kommt der Liefer-LKW! Wohnqualität sieht anders aus, Gartenstädte finde ich besser.

Und was Herrn Baustadtrat Florian Schmidt betrifft, so ist festzuhalten, dass er viele Millionen Steuergelder in die Hand nimmt, um damit Häuser in Milieuschutzgebieten zu erwerben. Ich halte dieses Verhalten für rechtlich problematisch, zumal so nicht eine einzige Wohnung zusätzlich entsteht und es in Milieuschutzgebieten auch andere Möglichkeiten gibt, die Spekulation zu begrenzen. Beispielsweise dadurch, dass man die Aufteilung in Wohneigentum untersagt. Ich halte das, was hier geschieht für eine Veruntreuung von Steuergeldern. Herr Schmidt handelt bestimmt mit besten sozialen Absichten, aber bekanntlich ist das Gegenteil von „gut“ nicht „schlecht“, sondern „gut gemeint“. Diese Symbolpolitik des Herrn Schmidt kommt den Berliner Haushalt teuer zu stehen.

Lösung Tempelhofer Feld?

BERLINboxx: Und die Bebauung des Tempelhofer Feldes?

AP: Eine Bebauung wäre sicher wünschenswert, wobei ich kein Freund von halben Sachen bin. Das Gelände hat eine Größe von 3 Millionen qm. Auf 20 Prozent hiervon, sprich auf 600.000 qm, könnte man einen zentralen Park bauen. Den Rest würde ich wiederum als Gartenstadt gestalten, mit viel Grün und damit verbunden viel Lebensqualität für die Bürger. Von einer bloßen Randbebauung, wie sie in letzter Zeit vorgeschlagen wird, halte ich gar nichts.

Im Übrigen nochmals: Berlin hat nicht nur ein Wohnungsproblem, sondern auch ein damit verbundenes Infrastrukturproblem. Neben Wohnungen brauchen wir dringend KITAS und Schulen in Größenordnungen und die sollten sinnvoller Weise über das ganze Stadtgebiet verteilt sein. Das kann das Tempelhofer Feld allein nicht leisten.

BERLINboxx: Wollen Sie den Berliner Politikern noch etwas auf den Weg geben?

AP: Macht mal hinne, die Zeit drängt! (red)

 

Appell an den Bund: Mehr Langstreckenflüge für Berlin

Berlin als Fenster zur Welt. Das wäre ein erstrebenswertes Bild für die Zukunft der Hauptstadt, wäre da nicht die fehlende Anbindung in Form von Langstreckenflügen. Gemeinsam richteten am gestrigen Mittwoch die Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam, der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg (DGB), die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) und visitBerlin einen Appell an die Bundesregierung.

Dazu kamen Dr. Beatrice Kramm (Präsidentin IHK Berlin), Peter Heydenbluth (Präsident der IHK Potsdam), Christian Hoßbach (Vorsitzender DGB Berlin Brandenburg), Christian Andresen (Vizepräsident der UVB Berlin-Brandenburg) und Burkhard Kieker (Geschäftsführer von visitBerlin) im Wynand Hotel, unweit vom Berliner IHK-Präsidium, zusammen. Gemeinsam stellten sie ihre Initiative vor und formulierten klare Forderungen an die Bundesregierung. Grund für die Initiative ist die geringe Anzahl an Langstreckenverbindungen, verursacht durch fehlende Verkehrsrechte für interessierte Fluglinienanbieter.

Berlin: „Sexy, aber disconnected“

Vor Jahren prägte der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, die Hauptstadt mit den Worten: „Arm, aber sexy“. Eigentlich müsse es mittlerweile „sexy, aber disconnected“ heißen, spöttelte die Präsidentin der IHK Berlin. Mit dem Appell an die Bundespolitik fordert die Initiative ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Berlin. Die Zahlen sprechen für sich: Berlin liegt im Vergleich der europäischen Hauptstädte mit seinen aktuell sechs direkten Langstreckenverbindungen gleichauf mit internationalen Flughäfen wie Kiew und weit hinter den Metropolen wie London mit 155 oder Paris mit 137 Langstreckenverbindungen.

 

Appell an den Bund: Berlins Anzahl der Langstreckenverbindungen im Ländervergleich | Foto: IHK Berlin

Appell an den Bund: Berlins Anzahl der Langstreckenverbindungen im Ländervergleich | Foto: IHK Berlin

 

Leider ist die Etablierung neuer Langstreckenverbindungen vielmehr eine politische als unternehmerische Entscheidung. Das heißt: Luftverkehrsbeziehungen zwischen den Staaten werden überwiegend durch bilaterale Abkommen geregelt. Sie legen unter anderem fest, welche Flughäfen angeflogen werden und wie oft. Noch liegt Berlin deutschlandweit im Ranking der Langstreckenverbindungen auf Platz drei. Frankfurt am Main bietet aktuell 109 Langstreckenverbindungen an. Kieker spitzt die Lage noch weiter zu: „Berlin spielt im Tourismus und bei den Kongressen und Messen in der gleichen Liga wie London, Paris oder New York, im interkontinentalen Luftverkehr jedoch auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.“ Die Hauptstadt, auch wenn sie international als drittgrößte Wirtschaftsnation anerkannt ist, hat dringenden Nachholbedarf.

Appell: Wirtschaftswachstum weiter ankurbeln

Nicht allein Berlin hat in den letzten Jahren positive Bilanzen (30 Prozent Wachstum seit 2005) vorzuweisen, auch die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist eine der wachstumsstärksten Regionen Deutschlands. Prognosen zufolge wird sie mit der Eröffnung des BERs noch maßgeblich an Bedeutung gewinnen. Denn Langstreckenflüge stärken die wirtschaftliche Basis einer Wirtschaftsregion. Sie sind schließlich eine der Voraussetzungen für die Ansiedlung international ausgerichteter Unternehmen mit hoher Wertschöpfung. „Jede Langstreckenverbindung bringt eine hohe Zahl neuer Arbeitsplätze am Flughafen, mit anspruchsvollen Aufgaben für anspruchsvolle Kunden“, erklärt Hoßbach den anwesenden Gästen. Arbeitsplätze, die dringend gebraucht werden.

Von der Bundespolitik fordern die Bündnispartner deshalb die Öffnung des Marktes für weitere Airlines am BER. Außerdem müssen Berlin, Brandenburg und der Bund vereint die Hauptstadtregion als unternehmerisch interessante Destination profilieren, so eine weitere Forderung. Mit der Initiative, die auch vom Land Berlin tatkräftig unterstützt wird, erhoffen sich die Wirtschaftsvertreter vor allem eines: Das zukünftige Wachstum der Hauptstadt zu sichern. Das geht allerdings nur mit der Unterstützung des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU). Dieser hat bislang zum Thema Verkehrsrechte für den Berliner Flugverkehr noch keine Stellung genommen.

Wertschöpfung steigern

Potenzielle Interessenten gibt es zur Genüge, vor allem aus Asien. „Fluggesellschaften wie Hainan Airlines aus China bekräftigen immer wieder ihre Bereitschaft, die Hauptstadt öfter anfliegen zu wollen, es fehlt hierzu jedoch an zusätzlichen Vertragsregelungen. Die Wirtschaft ist bereit für mehr Langstreckenverbindungen, jetzt ist die Politik am Zug“, fasste Kramm die derzeitige Sachlage zusammen. Kieker, der erst vor Kurzem an einer Asienkonferenz teilnahm, erklärte, es sei schwierig einem internationalen Businessklientel die Gründe für Berlins schlechte Langstreckenverbindungen verständlich zu machen. Schließlich sei es auch ein historischer Aspekt, verursacht durch die lange Teilung Deutschlands, der eine tragende Rolle spiele.

„Spätestens mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER im Oktober 2020 könnte sich dies positiv ändern. Voraussetzung sind jedoch erweiterte Verkehrsabkommen insbesondere mit der VR China und der Golfregion“, so der Geschäftsführer von visitBerlin.

BER ein virtueller Elefant

Selbst zur Thematik BER, beziehungsweise einer tatsächlichen Inbetriebnahme 2020, scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein. Alle anwesenden Wirtschaftsvertreter äußerten sich wohlwollend und zuversichtlich über den virtuellen Elefanten, wie Kramm den BER in Anlehnung an den weißen Elefanten nannte.

Für den BER sind zurzeit 17 zusätzliche Langstreckenverbindungen im Gespräch, teilten die anwesenden Wirtschaftsvertreter mit. Eine Chance, die enormes Wachstumspotenzial für die Hauptstadtregion innehat. Allerdings besitzt nur knapp die Hälfte der Airlines die benötigten Verkehrsrechte. Nun ist die Bundespolitik am Zug auf diesen notwendigen Appell der Wirtschaft zu reagieren. (lj)

 

Weltwirtschaft: General Electric fliegt aus dem Dow Jones Index

Wer ist Walgreen Boots Alliance? Nie gehört? Es ist die größte Apothekenketten der USA, ein Börsenschwergewicht mit mehr als 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Am 26. Juni wird dieser Konzern die amerikanische Industrie-Ikone General Electric (GE) aus dem Dow Jones Index verdrängen. 110 Jahre lang war GE im amerikanischen Leitindex gelistet. Jetzt scheidet das letzte verbliebene Gründungsmitglied aus dem Dow Jones Industrial aus. Eine Ära geht zu Ende.

Ersetzt wird GE durch die Walgreen Boots Alliance. Das Betreiberunternehmen des Index, S&P Dow Jones Indices erwartet, dass der Apotheken-Riese „bedeutsamer“ zum Index beitragen werde. Für Börsenexperten kommt die Entscheidung „überraschend und ist nicht nachvollziehbar“.

General Electric war das wertvollste US-Unternehmen

Immerhin steht am Anfang der GE-Historie der Glühbirnenerfinder Thomas Edison, das Unternehmen war schon dabei als Charles Dow und Edward Jones, die Gründer des Wall Street Journals, ihren Index 1896 einrichteten. Seit 1907 ist GE durchgängig im Dow Jones vertreten. Seit 1993 war der Konzern jahrelang das wertvollste börsennotierte Unternehmen der USA. Mittlerweile sind Digitalgiganten wie Google, Apple und Amazon an GE vorbeigezogen.

Doch GE wucherte zu einem unübersichtlichen und schwerfälligen Moloch heran, immer mehr Geschäftsbereiche wurden unrentabel, tausende von Arbeitsplätzen mussten abgebaut werden. Sogar über eine Zerschlagung des Konzerns wurde offen diskutiert. Nur mit einem schmerzhaften Kostensenkungsprogramm konnte Vorstandsboss John Flannery dies einstweilen abwenden. Er will das Kerngeschäft ausbauen: den Bau von Flugzeugturbinen und Kraftwerken sowie die Medizintechnik. Ob das eine Aufspaltung des Traditionsunternehmens ausschließen kann, bleibt offen.

Gewinner ist der ewige Rivale Siemens

Der Prestigeverlust als weltweites Vorbild als Mischkonzern und der Verlust der Index-Platzierung sind nicht die einzigen Schläge, die GE einstecken muss. Einstweilen kommt der Rauswurf aus dem Dow Jones nämlich dem ewigen Rivalen Siemens zugute. Seit Ende vergangener Woche ist der Münchner Konzern wertvoller als General Electric. Noch im August 2013 war die Marktkapitalisierung von GE doppelt so hoch als bei Siemens. (hf)

Für mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft: 19 Innovationen aus Berlin ausgezeichnet

Unter dem Jahresmotto „Welten verbinden – Zusammenhalt stärken. 100 Innovationen für Deutschland“ sind am Montag in Berlin 100 Projekte aus ganz Deutschland ausgezeichnet worden, darunter 19 aus Berlin. Die Preisträger schaffen ,wie das Start-up Lumenaza, einen digitalen Marktplatz für regionale Stromerzeuger, forschen an der TU mithilfe von Darmbakterien an einem Klebstoff für die Medizin, entwickeln in einem interdisziplinären Forum gemeinsam Lösungen gegen urbanen Stress oder entwerfen barrierefreie Designs wie die Initiative #goinclusive.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellte heraus: „Unser Land lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen und Brücken schlagen. Von Menschen, die mutig und offen sind für das Unerwartete. Und die mit ihren Ideen Zusammenhalt stiften in unserer Gesellschaft. Ich danke Ihnen für dieses Engagement für unser Land.“

„Deutschland – Land der Ideen“ und Deutsche Bank ehren Preisträger des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte“ 2018 in Berlin

Die offizielle Siegerehrung wurde im Kultur- und Veranstaltungszentrum „Radialsystem“ am Berliner Spreeufer abgehalten. Dr. Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, würdigte in einer Laudatio die 100 „Ausgezeichneten Orte im Land der Ideen“ 2018 . Eine unabhängige Jury hat die Sieger aus knapp 1.500 eingereichten Bewerbungen ausgewählt. Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank richten den Innovationswettbewerb seit 13 Jahren gemeinsam aus.

Zu den Siegern gehören unter anderem CT Coworking Toddler GmbH mit dem Projekt Coworking Toddler – Büroplatz mit Kita. In einem Gemeinschaftsbüro bekommen Eltern die Möglichkeit zu arbeiten, während ihre Kinder nebenan spielen. Gerade bei der derzeitigen Kitaplatz-Not ist dies ein innovatives Modell. Die Tandem – Tripod Technology GmbH hingegen verhilft mit der App Tandem Language Exchange Millionen Menschen beim Lernen fremder Sprachen.

Zusammenhalt als Mehrwert für alle

Harald Eisenach, Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Ost/Leiter Firmenkunden Region Ost der Deutschen Bank, gratulierte den Preisträgern: „Wir leben in bewegten Zeiten. Manche sagen sogar: Unsere Gesellschaft driftet auseinander. Verliert also die Idee der großen Gemeinschaft an Kraft? Unsere 100 Preisträger kommen zu einem anderen Ergebnis. Ihre ausgezeichneten Ideen belegen eindrucksvoll: Wir sind ein sehr innovatives Land. Und wir halten zusammen – trotz aller Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.“

Prof. Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), erkennt vor allem an, wie sehr die Gesellschaft von denen profitiert, die vorbildhaft vorangehen: „Eine Gesellschaft braucht Zusammenhalt und Chancen für die Teilhabe seiner Bürgerinnen und Bürger. Sonst ist sie kein lebenswerter Ort. Die ‚Ausgezeichneten Orte‘ sind in diesem Jahr Leuchttürme für Gemeinsinn. Die Preisträger verbinden dank ihrer innovativen Ideen Welten – Jung mit Alt, Starke mit Schwachen, Stadt mit Land, Sozialprojekte mit Hightech. Sie beweisen, dass es uns allen Mehrwert bringt, wenn mutige Ideen gefördert und geteilt werden. Ihre 100 Innovationen machen die Gesellschaft ein Stück besser.“

Innovationen bekommen eine Bühne

Die 100 Preisträger erwartet ein Wettbewerbsjahr voller Höhepunkte und professioneller Unterstützung: Ab September werden die Preisträger in den Staatskanzleien ihrer Bundesländer empfangen. „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank lassen die Preisträger von ihrem Netzwerk profitieren. Sie werden zu exklusiven Veranstaltungen eingeladen, dürfen mit dem Gütesiegel „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ für sich werben und so neue Kunden, Partner, Sponsoren oder Mitglieder gewinnen. Wie im Vorjahr können sich Preisträger im Rahmen des Deutsche Bank „Made for Good“-Chancenprogramms von Experten und in Seminaren beraten lassen. (red)

Rasante Umbrüche durch Digitalisierung in Berlin

Wie hoch ist die Bedeutung der Digitalisierung für Großstädte wie Berlin? In die Hauptstadt zieht es neue Kompetenzzentren für maschinelles Lernen und von künstlicher Intelligenz profitierende Start-ups, die für ein neu gestaltetes Arbeitsumfeld sorgen. Deutschland, vor allem aber Berlin als Gründermetropole, will in der Entwicklung von KI nicht hinter großen Investoren der digitalen Zukunft wie China und den USA zurückbleiben. Zum Auftakt des 21. Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) fordern Politiker ein nachhaltiges Geschäftsmodell und befürworten Investitionen in digitale Bildung.

 

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

 

Menschliche Arbeit wird austauschbar

Etwa 70.000 Berliner arbeiten im digitalen Umfeld der Hauptstadt. In der Eröffnungsrede des 21. DGB-Bundeskongresses sprach Bundespräsident Frank Walter Steinmeier unter anderem über die Neugestaltungen durch die Digitalisierung der letzten Jahre. Neben einer geforderten „Ethik der Digitalisierung“,thematisierte er auch die Gestaltung dieser für eine zukünftige Arbeit mit der KI. „Wir müssen die Digitalisierung so gestalten, dass sie Arbeit aufwertet und nicht ersetzt“, so Steinmeier.

Der Unterschied zu vergangenen technologischen und industriellen Umwälzungen sei die Betroffenheit aller Berufsfelder von einem eventuellen Austausch durch intelligente Systeme. Diese können dann Busse selbst fahren lassen, Bücher katalogisieren oder das Postsystem revolutionieren. Die große Menge an heutzutage zu verarbeitenden Daten treibt auch die maschinelle Innovation hierfür voran.

Digitalisierung der Arbeitsplätze

Nachhaltige Digitalisierung ist nicht nur aus Material- und Umweltsicht bisher fragwürdig, sondern auch in Bezug auf die Schaffung und Kürzung von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig sorgen die zunehmende Nutzung des Internets und mehrerer Devices für eine starke Erhöhung der Stromnachfrage. Materiell betrachtet ist die Basis der Geräte, die uns mit dem schnellen Internet verbinden, schon aufgrund ihrer Produktionsprozesse nicht konstruktiv. Doch auch die zunehmenden Aufgaben, die von mit KI arbeitenden Systemen gelöst werden können, betreffen alle Berufsgruppen. So wird von einer Wegrationalisierung der Arbeitsplätze und größer werdenden Einkommensschere der kommenden 20 Jahre gesprochen.

Gerade für die Start-up Branche sind diese selbstdenkenden – zum Teil auch selbstständig lernenden – Systeme attraktiv und Berlin als Standort einträglich. Rund die Hälfte aller auf KI setzenden deutschen Start-ups siedelt sich derzeit in Berlin an. Grund dafür ist, abgesehen von der hohen Lebensqualität trotz verhältnismäßig niedriger Gewerbemieten, auch die einfache Rekrutierung guter Mitarbeiter.  Als IT-Standort und europäische Gründermetropole hat sich Berlin einen internationalen Namen gemacht.

 

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

 

Den Nachwuchs zieht es an die Spree

Für Oktober ist die Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums für maschinelles Lernen in Berlin geplant.Von dessen Angebot können Informatikinteressierte für ihre Jobs der Zukunft profitieren. Schon 2017 wurde das von den großen Berliner Universitäten getragene Einstein Center Digital Future im Robert-Koch-Forum (Mitte) in Betrieb genommen. Es wurde zu Forschungszwecken rund um Themen wie Smart Housing und Mobilität sowie zur digitalen Bildung des Nachwuchses, gegründet. Ziel ist es digitalen Nachwuchs zu gewinnen und abseits von großen Unternehmen wie Google, Amazon und Facebook, wieder eine Vorreiter-Position einzunehmen.

Weitere Projekte, wie ein Internet-Institut, sind in Planung. Den Standort hierfür gewann Berlin in einer Ausschreibung des Bildungsministeriums vor anderen deutschen Städten. Auch die EU-Kommission erhöhte ihre Förderung für die KI im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020. In diesem wird vorgesehen bis 2020 rund 1,5 Milliarden Euro zu investieren und 2,5 Milliarden Euro mit Co-Investitionen zu mobilisieren. (cn)

Wird Tropical Islands bald verkauft?

Das Badeparadies Tropical Islands in Brandenburg könnte demnächst einen neuen Besitzer bekommen. Am 03.04.2018 bestätigte das Unternehmen, dass nach weiteren Partnern für Investitionen gesucht wird. Letztendlich könnte das ein Komplettverkauf bedeuten. „Unser Mehrheitsgesellschafter Tanjong, Colin Au und die Geschäftsführung sind seit Langem in Gesprächen, wie man das geplante Investitionsvolumen über die kommenden Jahre stemmen kann“, so die Sprecherin von Tropical Islands, Katja Benk.

Verkauf von Tropical Islands kann bis zu 300 Millionen Euro einbringen

Der Mehrheitseigentümer von Europas größtem tropischen Urlaubsresort Ananda Krishnan und sein Geschäftspartner Colin Au prüfen derzeit in Zusammenarbeit mit einer Investmentbank wie groß das Interesse an Tropical Islands ist.

Dem Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg zufolge befinden sich die Verhandlungen mit potenziellen Käufern in einem frühen Stadium. Der Verkauf der Freizeitanlage könnte um die 300 Millionen Euro einbringen.

Besitzer kündigten Anfang dieses Jahres bereits eine Investition von 300 Millionen Euro an

Das Resort verfügt über eine Fläche von rund 100.000 Quadratmeter. Die Anlage ist unter anderem mit einem Hotelkomplex, einem eigenen Regenwald mit circa 600 Pflanzenarten, einem Wasserpark sowie einem Wellnessbereich ausgetattet. Trotz des großen und vielfältigen Angebots kündigten die Besitzer Anfang dieses Jahres eine Investition von 300 Millionen Euro in das lukrative Geschäft an.

Geplant war es die tropische Kuppel im Spreewald im Innen- und Außenbereich zu erweitern. Die Kapazität der Freizeitanlage sollte demnach von circa 2.000 Betten auf 9.000 erhöht werden. Es gehe den Besitzern nicht nur um die Erhöhung der Kapazitäten, sondern vor allem um eine Weiterentwicklung. Die Konkurrenz in der europäischen Freizeitpark-Branche sei laut Angaben des Geschäftsführers, Michiel Illy, sehr stark.

Was ändert sich durch den möglichen Verkauf?

Tropical Islands ist im Besitz der Tanjong-Gruppe aus Malaysia. Die Hauptanteile des Ressorts gehören Ananda Krishnan, der sich laut Angaben des Düsseldorfer Handelsblatts mehr auf seinen Heimatmarkt konzentrieren möchte. Die Geschäfte in Asien laufen schwierig. Sein Unternehmen Aircel, ein Mobilfunkanbieter in Indien, meldete im März 2018 Insolvenz an. Die Summe des Verkaufs kann der Milliardär demnach gut für seine Heimatprojekte gebrauchen kann.

Ob und wann ein Verkauf tatsächlich stattfindet, steht noch nicht fest. Für die Besucher der Freizeitanlage würde sich durch einen Besitzerwechsel des Tropical Islands allerdings nichts ändern. (ls)

Babyboom vs. Fachkräftemangel – Deutschland fehlt es an Erziehern

Der Fachkräftemangel in Deutschland trifft nicht nur private Unternehmen, sondern auch den öffentlichen Sektor. Die Kombination ist denkbar schlecht: Während die Geburtenrate von Jahr zu Jahr steigt, sinkt die Zahl an qualifiziertem Personal in den Kindertagesstätten sukzessiv.

Eltern lassen nichts unversucht, um ihren Kinden einen Kitaplatz zu verschaffen: Dutzende Bewerbungen schreiben, einen Lebenslauf über die Kleinstkinder verfassen, sich ehrenamtlich auf dem Kuchenbasar einbringen oder den Erziehern ein süßes Foto des Kindes per Whatsapp senden, um möglichst im Gedächtnis zu bleiben.Trotz all der Bemühungen werden die meisten Eltern letztendlich mit einem Wartelistenplatz vertröstet, der teils länger dauert als die Kindergartenjahre betragen. Für die Eltern, die Erzieher und die Kinder ist der Mangel an Kitaplätzen zu einer unzumutbaren Belastung geworden.

Babyboom in Deutschland auf Rekordkurs

Während die Kitaplätze immer mehr schrumpfen, verzeichnet Deutschland parallel dazu die höchste Geburtenrate seit 1973. Im Jahr 2016 erblickten laut Statistischem Bundesamt über 790.000 Kinder das Licht der Welt.

Wesentliche Faktoren die zu Deutschlands Babyboom beitragen, sind vor allem die Bevölkerungszusammensetzung, die sich durch die steigenden Migranten in den letzten Jahren stark verändert hat, die Elternzeit, die fehlenden oder geringen Kita-Gebühren, die sich positiv entwickelnde Familienförderung und zu guter Letzt die gute Konjunktur. Denn Deutschland erlebt derzeit den längsten Aufschwung seit den 1960er Jahren. Die Arbeitslosigkeit befindet sich derzeit auf einem Nach-Wende-Tief.

 

Babyboom vs. Fachkräftemangel – Deutschland fehlt es an Erziehern| Foto : Pexels

Babyboom vs. Fachkräftemangel – Deutschland fehlt es an Erziehern | Foto : Pexels

Fruchtbarkeitsrate von Konjunktur abhängig

Laut Soziologen lässt sich die Fruchtbarkeitsrate an der strukturellen Situation der Wirtschaft messen. Der Einfluss von Konjunktur und Arbeitslosigkeit auf die Realisierung des Kinderwunsches wird in vielen Studien belegt.

Die Soziologin Chiara Ludovica Comolli untersuchte die Geburtenrate in dem Zeitraum der Finanzkrise von 2000-2013. Aus der Studie ging hervor, dass die Krise Frauen mit einem geringen Bildungsniveau wenig beeinflusst hat. Bei Familien im Mittelstand fand dagegen ein immenser Rückgang der Geburtenrate in Folge der steigenden Arbeitslosenzahlen statt.

Berlin braucht mehr Fachkräfte – Scheeres plant Initiative für Erzieher

In Berlin sollen laut Schätzungen des paritätischen Wohlfahrtsverbandes in diesem Jahr 3.000 Kinder keinen Kitaplatz bekommen. Zwei wesentliche Faktoren tragen dazu bei, dass es immer weniger junge Menschen gibt, die eine Ausbildung als Erzieherin ausüben wollen: Die fehlende Vergütung während der Ausbildung und die Geringschätzung und niedrige Bezahlung nach der Ausbildung. Genau das plant Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in Zukunft zu ändern. Zum einen soll eine vergütete Ausbildung eingeführt werden, zum anderen soll eine grundsätzlich höhere Eingruppierung im Tarifvertrag der Länder stehen.

„Nur so erhält der Beruf die Wertschätzung, die er tatsächlich verdient“, so Senatorin Scheeres. Anfang Mai wird der Antrag bei der Jugend- und Familienministerkonferenz beraten. Zudem sieht der Antrag vor, Quereinsteiger für den Beruf zu gewinnen. Förderung und Fortbildungen sollen vor allem lebenserfahrene und ältere Bewerber in Form von Aufstiegs-Bafög erhalten. „Ich gehe davon aus, dass die Ministerkonferenz im Mai der Bundesregierung den Auftrag erteilen wird, die einzelnen Punkte umzusetzen. Ich freue mich, dass Frankziska Giffey als neue Bundesfamilienministerin bereits deutlich gemacht hat, dass sie dem Thema eine hohe Priorität hat“, erklärte Scheeres.

Sind Grundschullehrer und Erzieher auf gleichem Niveau?

Kritik hagelt es für die Forderung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffeys, dass Bund und Länder die Erzieher wie Grundschullehrer bezahlen sollen. Es steht außer Frage, dass es eine qualifizierte und umfassende Ausbildung benötigt, um fundiertes Wissen in den Feldern der Pädagogik und Psychologie so zu erlernen, um als Erzieher kompetent agieren zu können. Allerdings sollte das Niveau eines Lehramt-Studiums nicht mit einer Erzieherausbildung gleichgesetzt werden. Auch der Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) hält einen solchen Zuschlag für zu hoch.

Dennoch ist Scheers bundespolitische Initiative unabdingbar, um wieder mehr Menschen für den Beruf als Erzieher zu gewinnen. (ls)

Affordable Luxus: Gewinnen Sie einen Aufenthalt im Designhostel Generator in Berlin Mitte

Die in Europa führende Design-Hostelkette Generator ist bekannt für ihr außergewöhnliches Konzept: Luxuriöse Unterkünfte zu erschwinglichen Preisen in top internationalen Städten quer durch Europa. Die Kette zählt aktuell 12 Standorte, drei davon in Deutschland. Das Generator Berlin Mitte bietet zudem für Dauergäste Luxus-Apartments, die über einen längeren Zeitpunkt gemietet werden können.

Generator ist Europas führende Hostelkette

Von dem Fast Company Magazin unter die Top 50 der innovativsten globalen Unternehmen gewählt, stellt das Unternehmen Europas am schnellsten wachsende Hostelkette mit Top-Standorten dar. Generator Hostels bieten designorientierte Unterkunftsmöglichkeiten in den zentralsten europäischen Städten wie Dublin, London, Kopenhagen, Hamburg, Berlin (Mitte und Prenzlauer Berg), Venedig, Barcelona, Paris, Amsterdam, Stockholm und Rom.

Egal, ob Sie einen Business-Trip nach Berlin planen oder mit Ihren Liebsten über die Osterfeiertage verreisen möchten, das erfolgreiche Konzept der Generator Hostels ist einzigartig und zeichnet sich durch eine neue Art stylischer und geselliger Reiseunterkünfte aus. Generator versteht es die angesagtesten Städte Europas – und bald auch Miami in Amerika – durch gut gelegene und top ausgestattete Hostels zu Erkundungs- und Erlebnisorten der Extraklasse zu machen.

Gewinnen Sie eine Übernachtung inmitten des pulsierenden Herzens der Hauptstadt

Mit “BERLINboxx“, dem Business Magazin der Hauptstadt, haben Sie die Chance, eine Übernachtung im Generator Hostel Berlin Mitte im Premium Zweibettzimmer für zwei Personen zu gewinnen – inmitten des pulsierenden Herzens der Hauptstadt.

Berlin vereint Kultur, exzellente Bars und Restaurants, so dass garantiert für jeden Geschmack etwas dabei ist. Das vielfältige Kultur- und Freizeit-Angebot wird dem weltweiten Ruf der Stadt als kulturelle Hochburg, die bekannte Künstler und Musiker aus aller Welt anlockt, mehr als gerecht. Außergewöhnliche Partynächte sowie Bar- und Restaurantbesuche stehen auf der Tagesordnung, sowohl für Touristen, als auch für waschechte Berliner!

Von Theater-, Konzert- oder Opern-Besuchen, über Museen oder Vernissagen, bis hin zu Restaurants vielfältiger, internationaler Küchen, gibt es in Berlin nichts, was es nicht gibt!

Generator bietet eine ideale Unterkunft für Reisende

Ganz zentral gelegen in Berlin Mitte ist die Unterkunft – das Generator Hostel – nicht nur der optimale Schlafplatz, sondern gleichzeitig der perfekte Ausgangs- und Verweilplatz für Reisende aus aller Welt sowie Business-Gäste. Das Hostel befindet sich in unmittelbarer Nähe zur bekannte Shoppingmeile Friedrichstraße und dem Hackeschen Markt, mit seinen teils versteckten Boutiquen und Cafés. Außerdem sind fußläufig attraktive Sehenswürdigkeiten, vielseitige Bars, Restaurants und Shops zu erreichen.

Um den Aufenthalt im Hostel so unvergesslich wie möglich zu gestalten, fährt das Generator Hostel Berlin Mitte ein besonderes Konzept auf, welches von einer preisgekrönten Inneneinrichtung, über sorgfältig geplante Veranstaltungen mit lokalem Flair bis hin zu einem vielfältigen und einzigartigen Essens- und Getränkeangebot reicht. Gemäß der Generator Tradition ungewöhnliche Orte in extravagante Design-Immobilien zu verwandeln, wurden für das Generator Hostel Berlin Mitte zwei ehemalige Bürogebäude aus dem 19. Jahrhundert zu einem designfokussierten Hostel mit besonderem Augenmerk auf Kunst umgewandelt.

Die Kupfer Bar

Ein besonderes Extra stellt die hauseigene „Kupfer Bar“ dar, die längst nicht mehr nur Anziehungspunkt für Hostelgäste, sondern ein beliebter Treffpunkt für Einheimische ist. Ein historischer Innenhof, eine Bücherei sowie ein hauseigenes Café laden zum Entspannen ein.

Kupfer Bar | Foto: Generator Hostels LTD

Kupfer Bar | Foto: Generator Hostels LTD

Für einen erholsamen Schlaf sorgen anschließend maßgefertigte Betten in Mehrbett-, privaten Doppelzimmern oder Luxus-Apartments.

Mehr Infos zum Gewinnspiel erfahren Sie auf unserer Facebook-Seite (red)

 

Baustelle Kulturforum als Vorzeigeprojekt

Berlin eilt der Ruf voraus, dass Großprojekte immer zu teuer werden und viel zu lange dauern. Das befürchtete die Öffentlichkeit auch von der wichtigsten Kulturbaustelle Deutschlands, dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt Forum, im Herzen der Hauptstadt. Doch es kam anders.

Einer, der von Anfang an etwas gegen dieses Negativszenario hatte, war und ist Wilhelm von Boddien. Bereits 1992 initiierte der gelernte Kaufmann den Fördervereins Berliner Schloss e. V., um den Wiederaufbau mithilfe von Spendengeldern zu realisieren. Ende 2017 sind schon drei Viertel der Bauzeit (von 2013 bis 2019) zurückgelegt. Nach wie vor sieht von Boddien das Datum zur Fertigstellung des Schlosses als Kulturforum Ende des Jahres 2019 als ein Versprechen an, das es einzuhalten gilt. Dagegen ist für den BER nun schon der siebte Eröffnungstermin im Herbst 2020 festgelegt. Nur weil für den BER niemand Verantwortung übernehmen möchte, sollte die Skepsis nicht auf alle Berliner Großbauprojekte überschwappen.

Die Kritiker werden immer stiller

In den vergangenen Jahren durchlebte von Boddien zusammen mit den Mitarbeitern des Fördervereins Höhen und Tiefen. Ähnlich wie bereits beim BER zeigte die öffentliche Meinung zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt Forum gleichzeitig ein Spektrum von großem Enthusiasmus bis vernichtender Kritik. In den Medien Berlins überwogen zunächst schmähende Herabsetzungen des Wiederaufbaus des Schlosses. Es wurde als Fake oder Disneyland diskreditiert. „Gerade einmal zehn Prozent unserer Spender kamen so zur Zeit der Grundsteinlegung aus Berlin. Jetzt sind es schon über 50 Prozent“, meint von Boddien.

Das kritische Medienecho ist überwiegend verhallt und die Berliner beginnen sich mit dem Bauprojekt zu identifizieren. „Nachdem wir nun das Projekt einigermaßen erfolgreich nach vorn gebracht haben und auch täglich mehr von der historischen Schönheit des Gebäudes sichtbar wird, werden auch scharfe Kritiker immer stiller“, so von Boddien. Kein Anlass für von Boddien, in Höhenflüge oder in Eitelkeiten zu verfallen. Bescheiden beharrt der Norddeutsche darauf, dass er über seinen Verdienst daran in seinem Alter nicht mehr nachdenkt und der Ruhm den Spendern und Mitarbeitern gebührt.

105 Millionen Euro für das Projekt

Der Kaufmann steht zu seinem Wort und so hat er mit dem Förderverein bereits 76 Millionen der versprochenen 105 Millionen Euro bereitstellen können. Mit der nahenden Fertigstellung des Schlosses erhöht sich auch wieder der Druck aus der Öffentlichkeit auf den Erfolg der Spendensammlung. „Deswegen werde ich so lange an der Erfüllung meines Versprechens arbeiten, bis auch der letzte Cent abgeliefert wurde“, sagt Wilhelm von Boddien. Bislang bleibt er optimistisch, die fehlenden Fördergelder noch rechtzeitig beschaffen zu können.

Sein Weg dazu führt über die Begeisterung der Berliner und Hauptstadttouristen beim Anblick des fertiggestellten Humboldt Forums mit seiner berühmten historischen Schlossfassade. Daran richtet sich seine zukünftige Öffentlichkeitsarbeit aus – und in der Ehrung der Spender, die mit ihrer Spende öffentlich in die Wiederaufbaugeschichte des Schlosses eingehen. Zahlreiche Spender sowie die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter helfen ihm intensiv dabei. Die Verantwortung für das Gemeinschaftsprojekt übernimmt von Boddien mit einer überraschenden Gelassenheit, von der sich die BER-Verantwortlichen eine Scheibe abschneiden könnten. (lj)