Berlins beste Ausbildungsbetriebe 2018 ausgezeichnet. | Foto: pexels.com

Berlins beste Ausbildungsbetriebe 2018 ausgezeichnet

Am Montag zeichneten die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) sowie die Handwerkskammer Berlins beste Ausbildungsbetriebe in drei Kategorien aus. Unter den über 70 Bewerbern befanden sich Unternehmen aus Berlin und solche, die hier einen Standort besitzen. Ziel des Preises ist es, andere Unternehmen zur Bewerbung zu motivieren und ihre Ausbildungsattraktivität für junge Menschen zu erhöhen. In Anbetracht des erhöhten Fachkräftemangels der Hauptstadt ist es vielen Unternehmen ein Anliegen ihre ausstehenden Ausbildungsplätze überhaupt erst mit Nachwuchs zu besetzen und die Azubis durch ein gutes Image an sich zu binden. Die zehn-köpfige Jury, darunter auch Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke), zeichnete Unternehmen mit besonderer Ausbildungsaktivität und Engagement für benachteiligte Jugendliche oder Geflüchtete aus.

Solchen Einsatz können beispielsweise zusätzliche Projekte für Azubis, ermöglichte Auslandspraktika und die Übernahme der Fahrt- oder Führerscheinkosten ausmachen. Im Falle der Frisch und Faust Tiefbau GmbH, die den Preis in der Kategorie 51-249 Mitarbeiter gewannen, äußert sich das Engagement in der Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung von Auszubildenden für ihre Berufsschule. Den Preis für eine Unternehmensgröße von mehr als 250 Mitarbeitern erhielt der Fachgroßhandel für Haustechnik und Industriebedarf, BÄR & OLLENROTH KG. Doch auch in kleineren Unternehmen, die in der Kategorie bis zu 50 Mitarbeiter ausgezeichnet wurden, bemisst sich die Aktivität und Beteiligung nicht an der Größe des Unternehmens. Der Berliner Standort des Farbenherstellers Brillux und die Kreuzberger Druckerei Druckzuck erhielten beide einen Preis. Letztere integrierten im letzten Jahr den ersten Geflüchteten in ihr Team und übernahmen somit eine größere Verantwortung, denn neben der Berufsschule findet noch Deutschunterricht statt (Quelle: rbb Abendschau).

Nachhilfe für die Berufsschule kann eine Form des besonderen Engagements sein. | Foto: pexels.com

Die Qualität der Ausbildung als gesellschaftliche Aufgabe

„Der Wettbewerb beweist eindrucksvoll, welch hohen Stellenwert die Qualität der Ausbildung in den Betrieben genießt. Denn Fakt ist: Die Berliner Wirtschaft sucht händeringend Nachwuchs und bietet mehr Ausbildungsplätze an als im vergangenen Jahr. Leider wächst auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. Unsere jüngste IHK-Umfrage belegt, dass bei 40 Prozent der ausbildenden Unternehmen Lehrstellen vakant bleiben. Daran etwas zu ändern ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Tobias Weber, Vizepräsident der IHK Berlin. In diesem Zusammenhang weist er auch auf die rund 99.000 fehlenden Fachkräfte der Stadt hin.

Abgesehen von dem Imageproblem der Berufsausbildung und dem zu schnellen Suchen nach irgendeinem Studienfach, wird berlinweit auch jede dritte Ausbildung abgebrochen. Das Imageproblem hängt auch international nicht mit dem Ruf deutscher Betriebe zusammen, sondern mit der Bezahlung die sich Studierende im Gegensatz zu Auszubildenden und somit späteren Gesellen erhoffen. Auch das Studienfach wird jedoch häufig aufgrund der Fülle an Möglichkeiten und der meist lockeren Anwesenheitspflichten nach zwei Semester gewechselt oder beendet.

Die diesjährigen Gewinner und Betriebe kommen aus den verschiedensten Branchen. | Foto: pexels.com

Bei Berlins besten Ausbildungsbetrieben entscheidet der Charakter

Das 1969 von der großen Koalition verabschiedete Berufsbildungsgesetz, sorgte in Wirtschaft und Industrie damals für harsche Kritik. Für die Erlaubnis als Betrieb ausbilden zu dürfen, war damals eine Genehmigung durch Bund und Länder nötig. Auch die Berufsausbildung selbst, war in starre Formen gedrängt und weitreichende Zusatzqualifikationen waren erst nach der grundlegenden Novellierung des Gesetzes 2005 möglich. Heute kann die Wirtschaft angesichts der klaffenden Lücken, Auftragsüberbuchungen und Verzögerungen von Fertigstellungen, beispielsweise im Baufachgewerbe, weniger Ansprüche stellen.

Die diesjährigen Gewinner geben jedoch an, dass es ihnen bei der Auswahl und Einstellung der Auszubildenden vermehrt um die charakterlichen Eigenschaften und persönlichen Qualifikationen des Menschen ginge, anstatt um gute Noten (Quelle: Berliner Zeitung und rbb Abendschau). Teilnahmeberechtigt sind alle Unternehmen, die im Rahmen der dualen, betrieblichen Ausbildung Ausbildungsverträge bei der IHK oder der Handwerkskammer Berlin registriert haben und ab Ausbildungsbeginn 2015 aktiv ausbilden. Auch Start-ups und Unternehmen, die noch jünger als fünf Jahre sind, konnten sich in diesem Jahr wieder in einer eigenen Kategorie bewerben. (cn)

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