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Berliner Wirtschaft sieht allmähliche Erholung nach Corona
Viele Branchen befinden sich auf dem Kurs der Erholung. | Foto: Pexels auf Pixabay

Berliner Wirtschaft sieht allmähliche Erholung nach Corona

08. November 2021

Die Wirtschaftskammern der Hauptstadt gehen davon aus, dass der Tiefpunkt der Corona-Pandemie überwunden ist. Wie die Herbstumfragen der IHK und Handwerkskammer Berlin zeigen, befinden sich viele Branchen auf dem Kurs der Erholung. Der Aufschluss an das Vorkrisenniveau verläuft allerdings in unterschiedlichem Tempo.

Unternehmen schätzen Geschäftsklima überwiegend positiv ein

Wie Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, am Dienstag erklärte, habe die Wirtschaft der Hauptstadt „das Tal des Todes“ verlassen. Auch sein Kollege Jürgen Wittke von der Handwerkskammer Berlin, mit dem er gemeinsam die Ergebnisse der traditionellen Herbstumfrage vorstellte, gab an, dass viele Branchen auf Erholungskurs seien.

Der von den Kammern zwei Mal jährlich errechnete Index stieg bereits zum dritten Mal in Folge auf aktuell 125 Punkte. Das ist zwar noch nicht das Niveau der Vorkrisenzeit, aber immerhin bereits deutlich besser als der Wert von 106 aus dem vergangenen Herbst. Alle Werte über 100 sagen aus, dass der größte Teil der befragten Unternehmen ihre Lage als positiv oder zumindest befriedigend einschätzen. Dabei konstatiert Eder: „Wir haben ein gespaltenes Konjunkturbild. Wir sind noch nicht wieder da, wo wir am liebsten sein wollen.“

Einzelhandel weiter stark von Krise betroffen

Wie der Kammerchef weiter erklärte, werde die Lage des stationären Einzelhandels Berlin noch lange beschäftigen. Ein deutliches Bild zeigen die Leerstände am Kurfürstendamm. Zwar schlage sich die Krise im Handel kaum in der Statistik nieder, da weiter konsumiert werde, allerdings verlagern sich die Käufe immer stärker auf den Online-Handel. Nur wenn es dem stationären Handel gelinge, die damit verbundenen Vorteile ebenfalls in sein Angebot zu integrieren, könne er langfristig überlebensfähig bleiben.

In diesem Zusammenhang führt Eder weiter aus, dass vor allem die Gastronomie unter den Spätfolgen der Krise leide. Viele Häuser müssten bereits tageweise schließen und ihre Preise anheben. Jürgen Wittke von der Handwerkskammer wies vor allem auf den dramatischen Personalmangel hin. Über 52 Prozent der Handwerksunternehmen sähen sich durch den Fachkräftemangel bedroht. Auch Personalexperte Niklas Almerood von IRC Relocation sieht diesbezüglich Probleme: „Immer mehr Unternehmen haben Probleme damit, Stellen langfristig mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Die Corona-Pandemie hat vor allem das Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland deutlich erschwert.“

Handwerkskammer geht trotz allem von robustem Aufwärtstrend aus

Insgesamt schätzt der Geschäftsführer der Handwerkskammer Jürgen Wittke die Stimmung im Handwerk als leicht optimistisch ein. 86 Prozent der Mitgliedsunternehmen bewerten ihre Lage als gut. Jedes dritte Unternehmen würde sogar zusätzliche personelle Ressourcen aufbauen, wenn es geeignete Mitarbeiter fände. 70 Prozent der Unternehmen schaffen es aktuell nicht, alle offenen Stellen zu besetzen.

Wittke entnimmt den Ergebnissen der Erhebung einen robusten Trend: „Viele Unternehmen fassen wieder den Mut, nicht nur Ersatzinvestitionen zu tätigen, sondern auch in die Zukunft zu investieren.“ Auch auf dem Bau ist die Lage zufriedenstellend. Hier bewerten lediglich 12 Prozent der Unternehmen ihre Situation als eher negativ. Zu den größten Wachstumshemmnissen zählen hier das geringe Personalangebot und die steigenden Baukosten. Eine Erholung sei in den Bereichen Ernährung und Kfz auszumachen.(red)