BSR-Vorstandsvorsitzende Tanja Wielgoß | Foto: Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)

Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR): Mehr als Quoten im Sinn

Frauen können auf die Berliner Stadtreinigung (BSR) zählen: Längst ist sie nicht mehr nur in Männerhand. „Sozial, gerecht und fair“ lautet der Leitspruch des kommunalen Unternehmens als chancengerechter Arbeitgeber. BERLINboxx sprach mit der BSR-Vorstandsvorsitzenden Tanja Wielgoß über systematische Frauenförderung, persönliche Erfahrungen und was es für die BSR heißt, eine familienfreundliche Arbeitgeberin zu sein.

Mögen Sie es, wenn man Sie eine Powerfrau nennt?

Ach, ich frage mich oft, was der Begriff wirklich meint. Ich finde, dass die meisten Menschen bei den Dingen „Power“ entfalten, die ihnen Spaß machen und einen Sinn für sie ergeben. Außerdem stellt sich die Frage, was eigentlich die Power-Ladestationen sind. Für mich sind es beispielsweise meine Familie und meine Freunde, aber auch der Sport. Spannend ist, dass Kraft tanken und Kraft aufwenden oft eng beieinander liegen.

 

Die BSR-Vorsitzende Tanja Wielgoß zeigt sich in Aktion | Foto; Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)

Die BSR-Vorsitzende Tanja Wielgoß zeigt sich in Aktion | Foto: Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)

 

Was genau tut Ihr Unternehmen, um Frauen zu fördern?

Wir sind auf einem guten Weg und bereits in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv. Auch wenn wir als BSR mit 38 Prozent Frauen in den ersten drei Führungsebenen gut aufgestellt sind, fällt uns immer wieder auf, wo es noch besser gehen könnte. Wir haben uns 40 Prozent als Etappenziel Ende im kommenden Jahr gesetzt. Ich bin davon überzeugt, dass es eigentlich eine Geschlechterquote von 40 Prozent geben sollte – und zwar auch in Bereichen, in denen der Frauenanteil heute bei 70 bis 80 Prozent liegt. Wichtig ist mir auch die Besetzung von Positionen, auf denen es bis dato bei der BSR noch nie eine Frau gab. Das ist ein klares Zeichen. Allerdings wird es eine Herausforderung werden, die ersten Frauen in der körperlich anspruchsvollen Müllabfuhr willkommen zu heißen. In der Reinigung haben wir das schon geschafft. Ich bin zuversichtlich, dass das auch bei Müllabfuhr klappen wird.

Frauenförderung schließt nicht die Familienfreundlichkeit mit ein, oder?

Familienfreundlichkeit sehe ich separat von der Frauenförderung. Familienfreundlichkeit haben zwar die Frauen zuerst eingefordert, aber die Männer ziehen inzwischen nach und profitieren von der weiblichen Wegbereitung. Unser Unternehmen ist allerdings zu allererst für Müllentsorgung und Stadtreinigung zuständig. Damit verbunden ist natürlich Schicht- und Wochenendarbeit. Die Kollegen und Kolleginnen organisieren ihre Familienzeit jenseits der klassischen Zeiten. Wir versuchen natürlich kreativ zu sein: Neben einer verlässlichen und frühzeitigen Dienstplanung, haben die Höfe „Familientouren“ entwickelt und die zeitlich außerhalb der Schichten angesiedelt sind. Eine neue Maßnahme ist die örtliche Kinderbetreuung an Brückentagen – wenn viele Kitas oder Schulen zu haben. Es geht um eine Vielzahl kleinerer Dinge und vor allem um gegenseitiges Verständnis. Viele Ideen entwickeln unsere beispielsweise Beschäftigten selber. Denn sie kennen die betrieblichen Belange und ihre jeweilige Situation am besten. Die Kunst ist es, beides zusammen zu bringen. (lj)

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