Berliner Senat plant massive Veränderungen im Nahverkehr | Foto: pixabay.com

Berliner Senat plant massive Veränderungen im Nahverkehr

Langes Warten, überfüllte Züge. Vor allem im Sommer können Bahnfahrten zur Tortur werden. Doch genau das soll jetzt besser werden. Im Berliner Nahverkehr soll ein 10-Minuten-Grundtakt zukünftig die Regel sein. Das ist das formulierte Ziel des Entwurfs für den Nahverkehrsplan 2019-2023 des Senats. Neben der Optimierung in den Fahrtzeiten soll auch die Busflotte modernisiert werden. Dieselfahrzeuge sollen durch Elektrobusse ersetzt werden. Autonome Kleinbusse werden bereits getestet.

Auch Pendler können aufatmen. Nach langem Stillstand sollen nun auch die stetig wachsenden Berliner Randbezirke besser angebunden werden. Durch den starken Zuzug in den Berliner Speckgürtel muss der Nahverkehr ausgebaut werden. CDU-Verkehrspolitiker Oliver Friederici fasst die Anforderungen treffend als „Berlin braucht mehr U-Bahn“ zusammen. Allerdings wird der Ausbau des U-Bahn-Netzes in der Politik noch rege diskutiert. Während der Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Regierung dem Ausbau des Straßenbahn- und Fahrradnetzes höchste Priorität einräumt, plädiert Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) nachdrücklich für den Ausbau des U-Bahn-Netzes. Die Senatorin betont, dass eine langfristige Planung notwendig sei. „Es muss vermieden werden dass alle auf das Auto umsteigen, die nicht direkt innerhalb des S-Bahn-Rings wohnen“, so die Senatorin, „daher brauchen wir entsprechende Anschlüsse.“

Was soll sich laut Nahverkehrsplan ändern?

Beim U-Bahn-Netz ist bisher eine Erweiterung der vorhandenen Linien geplant. Für den Ausbau der Linien U6, U7 und U8 laufen bereits Machbarkeitsprüfungen. Geplant ist eine Verlängerung der U6 Richtung Norden bis zum Flughafen Tegel. Zudem soll die U7 besser an den zukünftigen Flughafen BER angebunden werden, um nach dessen Öffnung erwartete Passagierströme zu transportieren. Auch wird seit vielen Jahren über eine Verlängerung der U8 bis in Märkische Viertel diskutiert.  Bei der S-Bahn konzentriert man sich auf den Ausbau der Linie S21 auf der Nord-Süd-Strecke. Sie soll den Nordring mit dem Hauptbahnhof verbinden. Bis 2030 sind zusätzliche Verlängerungen bestehender S-Bahn-Linien geplant, um die Berliner Randgebiete besser an den ÖPNV anzuschließen

Geplant ist auch der weitere Ausbau des Tram- und Busnetzes. Neue Metro- und Express-Buslinien sollen bestehende Lücken im Fahrplan schließen. Insgesamt prüft der Senat die Machbarkeit von über 10 neuen Metro- und Expressbuslinien. Zudem sind bei der Straßenbahn Netzerweiterungen in alle Richtungen geplant. Die heute hauptsächlich im Ostteil der Stadt verkehrende Straßenbahn soll zukünftig vermehrt auch in der City-West fahren. Die Strecken sind zum Teil schon im Bau und sollen bis 2021 in Betrieb genommen werden.

Fahrgast- und umweltfreundliche Maßnahmen

Umwelttechnisch setzt der Senat auf Ökostrom. Die Busse sollen bis 2030 auf Elektromobilität umgerüstet werden. Bis 2023 plant die BVG, Elektrobusse zu kaufen, die in Betriebshöfen geladen werden können. Oberleitungsbusse, einst für tot erklärt, erleben ein Revival: bis 2030 sollen sogenannte „Streckenlader“-Busse auf den Straßen unterwegs sein. Diese laden während der Fahrt ihre Batterien auf, sodass sie Teilstrecken ohne Oberleitungen überbrücken können. Der Senat geht dennoch von einem erforderlichen Neubau von 240 Kilometern Leitungen aus.  Entsprechende Netze sollen bald in Spandau getestet werden

Bei all den neuen Maßnahmen kommen auch die Fahrgäste nicht zu kurz. Denn für diese plant der Senat, längere Fahrzeuge einzusetzen und die Taktung der Fahrten zu verkürzen. So sollen überfüllte Bahnen vermieden werden. Außerdem arbeitet die S-Bahn an neuen Informationssystemen, um besser bei Störfällen zu informieren. Sie sollen verhindern, dass Fahrgäste ratlos am Gleis stehen, wenn ihr Zug ausfällt.  Der Nahverkehrsplan muss jedoch zuerst  von den einzelnen Ressorts überarbeitet werden. Es wird sich zeigen, ob die Probleme der verkehrlichen Infrastruktur durch die geplanten Maßnahmen überwunden werden können. (ke)

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