Berliner Konjunktur-Bericht: Ein goldener Herbst | Foto: pixabay.com

Berliner Konjunktur-Bericht: Ein goldener Herbst

95 Prozent der Berliner Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage als gut oder zufriedenstellend. Das ergab die traditionelle Umfrage zur Konjunktur im Herbst von Handwerkskammer Berlin und IHK Berlin, bei der mehr als 1200 Unternehmen mitgemacht haben. Auch die Geschäftserwartungen sind weiterhin optimistisch. Getrübt wird die Hochstimmung der Unternehmen lediglich durch den zunehmenden Fachkräftemangel.

Nie zuvor liefen die Geschäfte der Berliner Unternehmen so gut wie in den vergangenen sechs Monaten. Beim Handwerk erreicht der Geschäftsklimaindex mit 139 Punkten neue Rekordwerte. Bei 66 Prozent der Unternehmen laufen die Geschäfte gut, lediglich fünf Prozent der Befragten berichten von einer schleppenden Geschäftstätigkeit.

Grenzen des Wachstums

Die Unternehmen blicken auch weiterhin optimistisch in die Zukunft, jedoch sind die Geschäftserwartungen im Vergleich zum Frühjahr leicht rückläufig. Der Erwartungsindikator, der sich aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen saldiert, verliert vier Zähler. Ein Saldo von 28 Punkten ist zwar weiterhin ein hervorragender Wert, zeigt aber auch, dass viele Berliner Unternehmen trotz immer besser laufender Geschäfte Grenzen des Wachstums sehen.

Ein Grund dafür ist die angespannte Fachkräftesituation, die den befragten Unternehmen zunehmend Sorge bereitet: 74 Prozent der Befragten sehen den Fachkräftemangel als Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung – im vergangenen Jahr waren es 62 Prozent. Über alle Branchen hinweg will mehr als jedes dritte Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen. Oft bleibt die Suche nach Fachkräften jedoch erfolglos.

Konjunktur im Handwerk gut wie nie

„Die Konjunktur im Handwerk ist wie der Sommer in diesem Jahr – der Sonnenschein am Himmel über Berlin hört einfach nicht auf. Die Geschäftsergebnisse und auch die Erwartungen sind so gut wie noch nie. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieser Trend sich verändern wird“, findet Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. Der Baubereich im Handwerk boome und sei einer der Motoren der Konjunktur dieser Stadt. „Berlin ist und bleibt eine Baustelle – und das ist auch gut so“, sagt Wittke.

Diese Einschätzung teilt auch Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: „Die Berliner Unternehmen wachsen und überzeugen weltweit auf den Märkten. Berlin ist wichtigster deutscher Standort für digitale Geschäftsmodelle, etwa Fintechs, die zum dynamischen Treiber des Aufschwungs der Stadt geworden sind.“ Doch wachse der Standort nicht schnell genug mit den Berliner Unternehmen und ihren Märkten mit. Immer mehr Unternehmen melden Wachstumsrisiken an – weil Flächen, Fachkräfte, Verkehrs- und Digitallösungen fehlen. „Diese Effekte summieren sich und gefährden mittelfristig den Aufschwung der Stadt. Berlin muss an seiner strukturellen Fitness als Wirtschaftsstandort arbeiten. Der Senat muss in Infrastruktur und Bildung investieren, Gewerbeflächen sichern und entwickeln. Sonst stößt der Konjunkturboom an seine Grenzen“, warnt Edger.

Die Ergebnisse teilen sich wie folgt auf die spezifischen Branchen auf:

Handwerk

Das Berliner Handwerk ist in Hochstimmung. Der Geschäftsklimaindex – der sowohl die aktuellen Einschätzungen der Geschäftsergebnisse der letzten sechs Monate als auch die Erwartungen der Betriebe für die kommenden sechs Monate einschließt – bricht alle bisherigen Rekorde. Aktuell steht er bei 139 Punkten. Damit wird das bisherige Allzeithoch aus dem Herbst 2017 um weitere sechs Zähler übertroffen. In keiner der Umfragen seit 1991 waren die die Messwerte so gut. Sowohl der Saldo aus den Meldungen zu den erreichten Geschäftsergebnissen (54 Punkte) als auch der Erwartungshaltungs-Saldo (25 Punkte) erreichen absolute Spitzenwerte. Hintergrund dieser ausgezeichneten Stimmungslage sind die anhaltend gute Auftragslage sowie die starke Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen der Berliner Handwerksunternehmen.

Bauindustrie

In einer stark wachsenden Stadt wie Berlin gibt es naturgemäß einen großen Bedarf an Wohn- und Gewerberaum sowie an öffentlicher Infrastruktur. Entsprechend gut geht es der Berliner Bauindustrie. 80 Prozent der Unternehmen berichten von guten Geschäften, bei lediglich einem Prozent der Betriebe laufen die Geschäfte schlecht. Der Saldo von 79 Punkten entspricht dem besten jemals gemessenen Wert. Angesichts der sehr guten Konjunktur zweifeln einige Unternehmen inzwischen, dass die Geschäfte noch besser laufen werden – daher gehen die Erwartungen leicht zurück und der Saldo sinkt um acht auf nunmehr 15 Zähler. Nahezu alle Betriebe der Bauindustrie haben Sorgen wegen des Fachkräftemangels: 97 Prozent der Unternehmen benennen diesen Faktor als größtes Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung. Lediglich drei Prozent der Betriebe rechnen für die Zukunft mit einem Personalabbau. Von einer steigenden Beschäftigtenzahl gehen 19 Prozent der Betriebe aus.

Handel

Der Handel scheint konjunkturellen Gegenwind zu spüren: Der Saldo zur aktuellen Geschäftslage sinkt zum zweiten Mal in Folge und beträgt aktuell 40 Punkte. Jedes zweite Berliner Handelsunternehmen  bewertet die aktuelle Lage als gut, nur jedes zehnte berichtet von einer schlechten Geschäftslage. Auch bei der Einschätzung für die kommenden Monate sind die Unternehmen weniger zuversichtlich: Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen fällt auf 15 Punkte. Dementsprechend gehen auch die Investitionsabsichten zurück. Die Branche stellt sich auf unruhigere Zeiten ein, der Aufbau von Beschäftigung wird sich voraussichtlich verlangsamen.

Gastgewerbe

Der extrem warme und trockene Sommer hat bei den Unternehmen des Berliner Gastgewerbes zu einem neuen Höhenflug geführt. Rund 70 Prozent der Unternehmen sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, nur etwa jedes zehnte schätzt die Lage eher negativ ein. Damit erreicht der Indikator mit 61 Punkten wieder ein erfreulich hohes Niveau. Die Erwartungen der Unternehmen bleiben stabil auf einem Kurs um die 30 Punkte. Die Investitionsabsichten bewegen sich weiterhin auf einem hohen Level – hier wurde ein Indexwert von 40 Punkten ermittelt. 87 Prozent der Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahl konstant halten, acht Prozent wollen neu Arbeitskräfte einstellen. Fünf Prozent hingegen gehen von einer sinkenden Mitarbeiterzahl aus. Auch für diese Branche ist der Fachkräftemangel das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.

Dienstleistungsunternehmen

Dass die Berliner Konjunktur seit Jahren floriert, liegt zum großen Teil an der Dienstleistungsbranche. Sie setzte auch im Herbst 2018 positive Impulse. 70 Prozent der Unternehmen sprechen von guten Geschäften, lediglich drei Prozent sind unzufrieden. Allerdings scheint wegen der guten Geschäftslage der Spielraum für weitere Verbesserung ausgereizt – die Zahl der Stimmen, die weitere Verbesserungen der Geschäfte erwarten, nimmt ab. Dies ist nicht zuletzt der angespannten Fachkräftesituation geschuldet, die für drei Viertel der Betriebe ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung darstellt. 42 Prozent der Betriebe möchten neue Stellen schaffen, ob diese Pläne umgesetzt werden können, ist aufgrund des Fachkräfteengpasses aber fraglich. (red)

 

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