Im Gespräch mit Jörg Widhalm, Generalbevollmächtigter der Berliner Volksbank

„Berliner, kauft Euch Eure Stadt!“

Im Gespräch mit Jörg Widhalm, Generalbevollmächtigter der Berliner Volksbank

Seit dem Jahr 2000 ist Jörg Widhalm, Leiter des Bereichs Immobilien und Infrastruktur, für die Berliner Volksbank tätig. Angesichts anhaltender Niedrigzinsen, einer nach wie vor angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt sowie der Diskussion zum „Mietendeckel“ hat die BERLINboxx mit ihm über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven des Berliner Immobilienmarkts gesprochen.

Die Mietpreisspirale in Berlin dreht sich zwar immer weiter, aber in den vergangenen drei Jahren nicht mehr ganz so schnell wie noch zuvor. Dennoch raten Sie zum Kauf von Wohneigentum. Warum?

Ganz einfach: Weil die Voraussetzungen dafür derzeit recht günstig sind. Zwar haben auch die Immobilienpreise in Berlin inzwischen einen historischen Höchststand erreicht – aber da man das zum Kauf benötigte Kapital derzeit für absolute Niedrigzinsen von deutlich unter zwei Prozent für 15 oder gar 20 Jahre angeboten bekommt, sollte man ernsthaft überlegen, eine Eigentumswohnung zu erwerben, statt weiter zu mieten.

Obwohl der „Mietendeckel“ dafür sorgen soll, dass die Mieten in den nächsten fünf Jahren nicht erhöht werden dürfen?

Ja – denn zum einen wissen wir heute noch nicht, wie es nach dem Ablauf der Fünf-Jahres-Frist weitergehen wird. Und zum anderen sprechen allein die nackten Zahlen für einen Immobilienkauf:  Ein Netto-Haushaltseinkommen von 3.200 Euro vorausgesetzt, zahlt man für eine 75 Quadratmeter-Neubauwohnung bei einem Preis von 5.000 bis 6.000 Euro pro Quadratmeter und einer Kreditlaufzeit von 15 Jahren letztlich nur rund zehn Euro pro Quadratmeter inkl. Warmen Hausnebenkosten. Davon können Käufer in Städten wie Hamburg, Düsseldorf oder München nur träumen.

Angesichts der Wohnungsknappheit in Berlin fragt sich nur, wo solche Wohnungen zu finden sein sollen…

wir sind bei der Suche gerne behilflich. Wobei potenzielle Immobilienkäufer vor allem eines wissen sollten: Sie müssen bereit sein, auf eine gewisse Flexibilität zu verzichten und mindestens die nächsten zehn Jahre in der Stadt wohnen bleiben zu wollen. Andernfalls ergäbe ein Wohnungserwerb kaum Sinn. Wer aber sogar noch länger die eigene Immobilie bewohnt, der zahlt in 20 Jahren weniger als ein Mieter. Selbst das Zinsänderungsrisiko ist am Ende einer Laufzeit von 15 Jahren aufgrund der dann bereits erfolgen Tilgung relativ überschaubar.

Die Wohneigentumsquote liegt bundesweit bei 45 Prozent, in Berlin bei lediglich 18 Prozent. Sollte und könnte die Politik insofern vielleicht etwas nachhelfen?

Es ist nicht die Aufgabe der Berliner Volksbank, in dieser Richtung entsprechende Empfehlungen zu geben. Doch würde die eine oder andere Maßnahme gewiss nicht schaden — wie beispielsweise das Bereitstellen brachliegender Flächen als Bauland. Denn was auch nicht zu unterschätzen ist: Wenn Menschen Wohneigentum kaufen und selbst bewohnen, dann bleiben sie ihrer Region treu. Man könnte auch sagen: Berliner, kauft Euch Eure Stadt! Denn auf diese Weise gehört Berlin auf lange Sicht hin den Eigentümern – die auch in Berlin wohnen. Das Thema Mietsteigerungen hätte sich dann mehr oder weniger erledigt.

Manche Experten warnen bereits vor einer drohenden Immobilienblase…

Das halte ich für Unsinn. Denn eine Immobilienblase droht nur dann, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt – und tatsächlich ist es genau andersherum. Außerdem zeichnet sich eine Blase dann ab, wenn Immobilien innerhalb relativ kurzer Zeit weiterveräußert werden. Auch das ist in Berlin derzeit bei Eigentumswohnungen nicht der Fall. Wer sich heutzutage eine Wohnimmobilie kauft, der behält sie auch.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen sollten: Wie wird es um den Berliner Immobilienmarkt in zehn Jahren bestellt sein?

Da bin ich nach wie vor optimistisch. Vorausgesetzt, dass die Politik nicht durch drastische Maßnahmen in den Markt eingreift, erscheint mir eine Wertsteigerung von 20 Prozent in den nächsten zehn Jahren durchaus realistisch. Das wäre immer noch deutlich weniger Wachstum, als wir es bereits in den zurückliegenden vier Jahrzehnten zu verzeichnen hatten. (fs)

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