Wohnraum schaffen - aber wie? v.l.n.r.: Christian Hunziker, Raed Saleh, Klaus-Peter Hesse, Andreas R. Becher, Siegfried Nehls, Christoph Gröner | Foto: W&R Immocom

Berliner Immobiliengespräch: Bauen oder nicht bauen, das ist nicht die Frage!

„Politiker sind feige und denken nicht an die nächste Generation, sondern nur an die nächste Wahl!“ Mit dieser Aussage von Andreas R. Becher, Vorsitzender des BDA Berlin war der Ton gesetzt und eine kontroverse Diskussion entspann sich im Rahmen des 7. Berliner Immobiliengesprächs der W&R Immocom, das diesmal den Titel „Zwischen Enteignung und Überforderung: Ist der Berliner Wohnungsmarkt noch zu retten?“ trug.

Dazu diskutierte Moderator Christian Hunziker, Fachjournalist und Autor, mit prominenten Größen der Immobilienwirtschaft und begrüßte neben Christoph Gröner, Vorstand der CG Gruppe und Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Frakion im Berliner Abgeordnetenhaus, den ZIA-Geschäftsführer Klaus-Peter Hesse, Andreas R. Becher, Vorsitzender des BDA Berlin und Siegfried Nehls, Vorstand und Gründer des Berliner Projektentwicklers SANUS AG.

 

„Wohnungsbaupolitisch ist es fünf nach zwölf!“

Raed Saleh sparte in seinem Vortrag nicht an Kritik am linken Koalitionspartner und Bausenatorin Lompscher: „Wohnungsbaupolitisch ist es hier in Berlin fünf nach zwölf! Wohnungsbau ist die soziale Frage dieses Jahrzehnts. Der Senat hat die Aufgabe schnell und zügig zu bauen, diese Lust zu Bauen vermisse ich bei den LINKEN, das machen wir in regelmäßigen Gesprächen auch deutlich.“ Dabei forderte der SPD-Fraktionschef auch regulierende Maßnahmen und sprach sich erneut für die Mietpreisbremse aus. „Eigentum verpflichtet! Es sind vom Staat Maßnahmen zu ergreifen, sodass auch Unternehmer begreifen, es gibt einen Anspruch auf Rendite, nicht aber auf Gier!“

Raed Saleh

Raed Saleh: „Eigentum verpflichtet!“ | Foto: W&R Immocom

Christoph Gröner: „Das Bauen muss billiger werden!“

Widerspruch kam zunächst von Christoph Gröner, Vorstand der CG Gruppe und seines Zeichens größter Mietwohnungsentwickler Deutschland: „Wir müssen das Bauen billiger machen, denn nur dann kann man Wohnraum günstig anbieten. Letzten Endes bauen wir noch wie schon vor 2.000 Jahren.“ Erklärtes Ziel des Unternehmens ist die Schaffung günstigen Wohnraums durch digitales Bauen (BIM/serielle Bauteilfertigung) unter Einbindung technologischer und ökologischer Innovationen wie CO2-neutralen Heizsystemen, die die gesetzlichen Vorgaben deutlich unterschreiten. Im Rahmen großräumiger Quartiers- und Stadtteilentwicklungen werden Neubauten geschaffen sowie Industrie-, Bürogebäude und Hochhäuser zu modernen Wohn-, Arbeits- und Lebensräumen umgestaltet. In Erfurt realisiert die CG Gruppe das größte Fertigbauteilwerk der Welt.

Christoph Gröner | Foto: W&R Immocom

Nutzlose Mietpreisbremse?

Die anschließende Podiumsdiskussion griff die angesprochenen Punkte auf und kam schnell zu dem Konsens, dass es ohne Bauen nicht geht. ZIA-Chef Klaus-Peter Hesse sagte an die Adresse von Raed Saleh: „Sie bekämpfen nicht die Ursachen, sondern lediglich die Symptome und das auch noch mit Maßnahmen, die wirkungslos sind und nichts bringen – so wie die Mietpreisbremse.“ Saleh bot im Gegenzug Gesprächsbereitschaft an und schlug vor, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Christoph Gröner entgegnete, dass er schon seit fast zehn Jahren in Berlin aktiv sei, aber noch nie ein ernsthaftes Gesprächsangebot für die Klärung von Grundsatzfragen durch die Politik bekommen habe.

 

„Bauen wird in Berlin zunehmend unattraktiv“

Für Siegfried Nehls ist Bauen schlichtweg alternativlos: „Wir müssen doch über den Kern des ganzen Themas sprechen. Sämtliche durch die Politik ergriffenen Maßnahmen schaffen keine einzige weitere Wohnung. Es kommen jedes Jahr viele Menschen in die Stadt, entweder werden dadurch die Bestandsbewohner verdrängt oder wir schaffen Wohnraum für diese Menschen. Ich bin schon lange in Berlin und liebe die Stadt, hier zu bauen wird aber zunehmend weniger attraktiv für Entwickler.“ Die Diskussionsrunde schloss sich der Aussage an und forderte eine Verbesserung der Atmosphäre und die Bereitschaft, Investoren und Entwickler als Partner und nicht als Gegner zu sehen. „Den Entwicklern den Schwarzen Peter zuzuschieben ist politisch motiviert und führt zu nichts. Denn wir sind diejenigen, die die Wohnungen letzten Endes bauen“, so Christoph Gröner.

Tempelhofer Feld und Kleingartenflächen als Bauland ausweisen?

Für den Architekten Andreas R. Becher hat Berlin genügend Potenzial für den Bau von Wohnungen aller Preisklassen: „Das Tempelhofer Feld ist die größte innerstädtische Freifläche der Welt. Einen solchen Luxus leistet sich keine andere Stadt. Hinzu kommen die unzähligen Kleingartenanlagen im Stadtgebiet, über denen fett ‚Baulandreserve‘ steht. Diese Flächen gehören der Stadt und damit uns allen, es profitieren jedoch nur wenige. Diese Flächen müssen in die Überlegungen einbezogen werden.“ Die Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner würde im wohl in diesem Punkt zustimmen, wie eine Umfrage aus dem Sommer dieses Jahres gezeigt hat. Für Raed Saleh ist das jedoch kein Thema, seine SPD-Fraktion bekennt sich eindeutig zu dem Erhalt von Kleingartenflächen. „Wir kommen nicht weiter, wenn wir uns bei diesem wichtigen Thema ideologische Gedankenbarrieren auferlegen“, widersprach Becher.

„Ein Thema, über das sich noch stundenlang diskutieren ließe“, so Moderator Hunziker zum Schluss der Runde. Einigkeit besteht über die Tatsache, dass man dringend bauen muss und diese Herkulesaufgabe nur gemeinsam schultern kann – der Weg dahin bleibt jedoch weiter umstritten. (ak)

 

 

 

 

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