Berliner Flughafenchaos zum Ferienstart? | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Berliner Flughafenchaos zum Ferienstart?

In der Schule packten die Berliner Schulkinder gestern ihre Zeugnisse ein, Zuhause vermutlich ihre Koffer. Pünktlich zum Ferienstart wird wieder ein erhöhter Urlaubsansturm auf die Berliner Flughäfen erwartet. Mit mehr Personal möchte die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) das Chaos der während der Sommerferien erwarteten 4,9 Millionen Passagiere verhindern. Vor allem in den ersten Ferientagen, vom 5. bis 8. Juli sind Reisende dazu angehalten, genug Zeit für Abfertigung und Sicherheitskontrollen einzuplanen. Denn fällt in Tegel eine Anlage aus, dann bleibt diese ohne Ersatz.

Daher lautet die Empfehlung der FBB, mindestens zwei Stunden vor Abflug reisebereit vor Ort zu sein. Wie soll anders mit den täglichen rund 25.000 zusätzlichen Passagieren in Tegel verfahren werden? Die Berliner Flughäfen erwarten einen Reiseanstieg um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für Tegel bedeutet dies täglich 75.000 Passagiere abzufertigen, statt im Normalbetrieb 50.000. In Schönefeld werden im Reisezeitraum Juli/ August rund 10.000 Reisende mehr pro Tag erwartet. Insgesamt steuern die 89 Airlines 56 verschiedene Reiseziele an. Zu den beliebtesten gehören Palma de Mallorca, Antalya und Barcelona.

In Tegel werden während der Ferien täglich bis zu 25.000 Passagiere mehr erwartet. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

In Tegel werden während der Ferien täglich bis zu 25.000 Passagiere mehr erwartet. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Früher in die Ferien, ohne zusätzliches Terminal

Wie die Berliner Flughäfen mitteilten, werde es im Urlaubszeitraum vor allem bei der Abfertigung zu Engpassbereichen kommen. Trotzdem wird in Tegel ausgerechnet jetzt eine zusätzliche Kontrollstelle mit mehreren Schaltern in Terminal D gebaut, das hauptsächlich von der Lufthansa-Tochter Eurowings genutzt wird. Man fange mit dem Bau bewusst während der Ferien an. Der Geschäftsverkehr, der üblicherweise nur mit Handgepäck reise, ginge während der Ferien erfahrungsgemäß zurück. Stattdessen treffen Urlauber, die zumeist Gepäck abgeben, wesentlich früher am Flughafen ein. Die Kontrollstelle soll bis Ende August fertiggestellt werden. Die Ferienreisenden, deren Kinder ab dem 17. August wieder die Schulbank drücken, werden hiervon wohl nicht profitieren.

In den letzten Jahren war aufgefallen, dass manche Eltern ihre Kinder schon ein paar Tage vor Ferienstart aus der Schule nahmen. Trotzdem eine Missachtung der Schulpflicht gesetzlich verboten ist, liebäugelten Eltern mit günstigeren Reisepreisen vor dem Ferienstart. Wie der Tagesspiegel recherchierte, kann eine Reise, beispielsweise auf die griechische Insel Korfu, nach Ferienstart schon rund einen Tausender mehr kosten. Durchaus möglich sind Genehmigungen für den frühzeitigen Ferienbeginn, mit Rücksicht auf berufliche Verpflichtungen der Eltern. Alternativ können Kinder auch vorab vereinbarte schulische Ersatzleistungen für den verfrühten Ferienstart erbringen. Allerdings lassen die Schulleiter günstige Reisepreise hier nicht als Begründung gelten. Das Risiko für eine Reise ohne Genehmigung der Schule am Flughafen aufgegriffen und eine Bußgeldstrafe von 2.500 Euro zu kassieren, steht in keinem Verhältnis zum günstigeren Urlaubspreis. Vor einer Kontrolle musste sich in Berlin, anders als in Bayern, bisher jedoch nicht gefürchtet werden. Die Schulbehörden erbaten dieses Jahr keine Amtshilfe bei der Polizei.

Wieder ohne den BER in den Ferienstart

Schönefeld verfügt inzwischen über ein Adaptives Passagierleitsystem (APLS), das Passagiere an Kontrollpunkten wählen lässt und somit den schnellsten Weg ermöglicht. Die Reisenden entscheiden welche Kontrollen sie durch elektronische Erfassung ihrer Reisedokumente und welche mit Assistenz des Personals durchlaufen. Der schnellste Weg wird ihnen jeweils durch angegebene Wartezeiten angezeigt. Tegel verfügt bisher ausschließlich in Terminal C über ein solches System. In Tegel gibt es zudem fast gar keine redundanten Anlagen, weswegen ein Ausfall einen Stau bei der Abfertigung zur Folge hätte. Laut Flughafensprecher Daniel Tolksdorf halte sich jedoch zusätzliches Personal bereit, das eine zeitnahe Reparatur gewährleisten könne. Diese könnten innerhalb von zwei Stunden vor Ort sein, um sich mit defekten Anlagen zu befassen. Tolksdorf rät den Passagieren, die trotz der großzügig eingeplanten zwei Stunden in Zeitnot geraten, sich hiermit an das sowieso schon überlastete Personal zu wenden. Dem Tagesspiegel sagte er, man könne dann „sicher eine Lösung finden“.

 

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Die sechs Millionen Euro, die bis Anfang 2019 als Investition in den Flughafen fließen, sollen jedoch eine bessere Aufenthaltsqualität für Passagiere ermöglichen. Auch eine stärkere Prozesssicherheit bei internen Abläufen soll gewährleistet werden. Allerdings sind dies Versprechungen, die schon oft gemacht, aber nie umgesetzt wurden. Gut, dass in Tegel investiert wird, aber wann wird der BER endlich fertig?

Investitionen in schnellere Prozesse – und Ersatzanlagen?

In den Flughafen Schönefeld sollen bis Ende 2025 sogar noch weitere 50 Millionen Euro investiert werden. Denn Schönefeld soll nach Öffnung des BER im Oktober 2020 garantieren, dass der Pannenflughafen mit dem Flugbetrieb nicht direkt überfordert ist. Tegel senkt zwar derzeit die Gesamtverluste der Flughafengesellschaft, wird aber entgegen der Stimmen des Volksentscheides schließen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Tegel 112 Millionen Euro. Vor der Airberlin-Pleite waren es 2016 noch 119 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht konnten diese Zahlen die Gesamtverluste der FBB jedoch um rund 18 Millionen Euro senken. Dank der Wirtschaftlichkeit Tegels wird der ausgewiesene Bilanzverlust dadurch „nur noch“ mit 915 Millionen Euro beziffert (Quelle: Tagesspiegel).

Aussicht auf Entlastung? Der BER soll voraussichtlich im Oktober 2020 öffnen. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. Die Flughäfen arbeiten während der Ferienzeit und dem erhöhten Passagieraufkommen am Limit. Zuletzt übernahmen die Billigfluglinien Easyjet und Eurowings etliche Start- und Landerechte von der Pleite-Airline Airberlin. Interkontinentalflüge werden jedoch weiterhin in sehr geringem Ausmaß angeboten und bisher nur vereinzelte Strecken von Billigflug-Airlines übernommen. Scoot, die Tochter der Singapur Airlines, fliegt seit Mai 2018 eine Nonstop-Verbindung zwischen Berlin und Singapur an, von der Kongress- und Messereisende profitieren. Auch eine Verbindung in den kanadischen Großraum Toronto wurde erst im Juni wieder aufgelegt. (cn)

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