Neues Tourismuskonzept: Berlin verschenkt Chance für den Radtourismus | Foto: Pixabay

Neues Tourismuskonzept: Berlin verschenkt Chance für den Radtourismus

Fahrradtourismus boomt in Deutschland und zahlreiche beliebte Radfernwege verlaufen durch Berlin. Doch die Wege sind in schlechtem Zustand, eine zentrale Stelle für Pflege, Planung und Vermarktung fehlt. Der Senat versäumt in seinem am Dienstag vorgelegten Tourismuskonzept 2018+ weiterhin, Reisen und Sightseeing mit dem Fahrrad ausreichend zu fördern. Damit verspielt er das ökologische und wirtschaftliche Potenzial des Radtourismus.

Am Dienstag legte die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe ein neues Tourismuskonzept vor, mit dem die Hauptstadt Vorreiter für einen stadtverträglichen Tourismus in Europa werden will. Der ADFC Berlin unterstützt diese Zielsetzung und übernahm in der Anfangsphase der Konzeptentwicklung eine beratende Rolle. Leider wurden die Vorschläge des Verbandes kaum in das Konzept aufgenommen, obwohl Berlin schon heute ein wichtiger Knotenpunkt für den Radtourismus ist.

Infrastruktur der Radfernwege ist desaströs

Neun offizielle Radfernwege verlaufen durch Berlin, starten oder enden hier. Die Qualität der Infrastruktur ist allerdings vielerorts desaströs. Der Berliner Mauerweg als radtouristisches Aushängeschild erfüllt keinerlei Qualitätsstandards, Radfernwege wie Spreeradweg oder R1 weisen gravierende Mängel auf – ein klarer Wettbewerbsnachteil für die Tourismusdestination Berlin. Anders als viele andere Orte in Deutschland hat die Hauptstadt den Fahrradtourismus bislang kaum auf dem Radar. Es fehlt an professioneller Steuerung und ganzheitlicher Entwicklung seitens des Senates oder der zuständigen Tourismusorganisation visitBerlin. Der ADFC Berlin hat deshalb in einem Forderungskatalog Maßnahmen zusammengefasst, um die Hauptstadt auch mit dem Fahrrad zum attraktiven Tourismusziel zu machen.

„Wer einen umweltfreundlichen und stadtverträglichen Tourismus will, von dem nicht nur wenige Innenstadtbereiche profitieren, muss das Radfahren für Besucher attraktiv machen. Andere Städte haben das längst verstanden, doch Berlin macht in seinem neuen Konzept kaum Fortschritte“, kritisiert Maike Berndt, Fachreferentin für Tourismus beim ADFC Berlin.

„Gute touristische Radinfrastruktur macht die Stadt nicht nur für Gäste attraktiv. Sie steht auch den Berlinerinnen und Berlinern in ihrer Freizeit oder auf ihren Alltagswegen zur Verfügung und schafft so eine lebenswertere Stadt für alle“, ergänzt Landesvorsitzende Eva-Maria Scheel.

Die Forderungen des ADFC Berlin für den Radtourismus im Überblick:

  • Radtourismus in Berlin braucht Koordinierung und Abstimmung
    Für einen erfolgreichen Radtourismus müssen Verantwortliche in den Bereichen Tourismus und Verkehr zusammenarbeiten und sich abstimmen. Eine zentrale Koordinierungsstelle muss radtouristische Anliegen bündeln und fester Ansprechpartner für alle berlinweiten Fragen zum Radtourismus sein.
  • Radtourismus in Berlin braucht wettbewerbsfähige Produkte und Infrastruktur
    Touristische Radwege und die begleitende Infrastruktur entlang der Routen müssen besser ausgebaut, gepflegt und instand gehalten werden. Darüber hinaus fehlen aus touristischer Sicht attraktive Rundtouren durch Berlin und seine 12 Bezirke.
  • Radtourismus in Berlin braucht professionelles Marketing
    Erfolgreicher Radtourismus muss entsprechend beworben und vermarktet werden. Dazu braucht es klare Zuständigkeiten und Ressourcen für ein berlinweites radtouristisches Marketing, die bisher auf Landesebene nirgends vorhanden sind. Der ADFC Berlin fordert ein zentrales Marketingbudget für den Radtourismus in Berlin.

Der ADFC stellt auf seiner Website seinen vollständigen Forderungskatalog und alle Argumente für Radtourismus in Berlin zur Verfügung. (red)

 

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