Berlin Hauptbahnhof: Dach bleibt kurz

Das Dach des Berliner Hauptbahnhofs bleibt auf einer Seite verkürzt. Nach jahrelanger Lagerung der Stahlträger und maßgefertigten Glasscheiben hat die Deutsche Bahn nun die entsprechenden Teile verkauft. Der Hauptbahnhof wurde bereits 2006 veröffentlicht. Lange war unklar, ob die fehlenden Dachteile noch ergänzt werden.

Elemente des Hallendachs sind abgeschrieben

„Die Elemente des Hallendachs waren abgeschrieben“, teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn mit. „Die Stahlteile wurden zur Wiederverwertung weiterverkauft und die Glasteile zur Entsorgung/zum Recyceln an eine entsprechende Fachfirma verkauft.“ Damit bleibt es bei der Dachlänge von 321 Metern – etwa 130 Meter weniger als ursprünglich geplant. Ein Teil der Fahrgäste braucht deshalb nun weiterhin beim Aussteigen in Berlin manchmal einen Regenschirm.

Kürzeres Dach wegen Fußball WM 2006

Um den Hauptbahnhof rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu eröffnen, hatte der damalige Chef der Deutschen Bahn Hartmut Mehdorn mehrere Spar- und Beschleunigungsmaßnahmen veranlasst. Dazu zählte unter anderem, das Dach für die oberen Bahnsteige verkürzt zu bauen. Der Architekt Meinhard von Gerke hatte ursprünglich eine Dachlänge von 450 Metern vorgesehen. Weiterhin wurden die Decken über den unterirdischen Bahnsteigen in einer vereinfachten und damit kostengünstigeren Variante fertiggestellt.

Von Gerke klagte, mit Verweis auf sein Urheberrecht, gegen die Sparmaßnahmen. Der Rechtsstreit endete 2008 mit einem außergerichtlichen Vergleich. Trotzdem kam es danach noch vermehrt zu Forderungen, das Dach des Bahnhofs zu vollenden. Da diese Forderungen vor allem von Berliner Politikern gestellt wurden, veranlasste der Bundestag eine Machbarkeitsstudie.

Zusatzkosten von 145 Millionen

Ein Gutachten von 2014 ergab, dass eine spätere Verlängerung noch möglich gewesen wäre – allerdings mit veränderten Vorschriften. Die daraus resultierenden Zusatzkosten wurden darin auf 145 Millionen berechnet. Zudem hätten die wichtigen Fernbahn- und S-Bahnstrecken unter dem Dach für dessen Ergänzung neun Monate unterbrochen werden müssen, begründet die Deutsche Bahn die Ablehnung.

Mit täglich mehr als 300.000 Reisenden und Besuchern belegt der Berliner Hauptbahnhof Platz vier unter Deutschlands Fernbahnhöfen. Lediglich Hamburg, München und Frankfurt am Main liegen noch vor dem Bahnhof der Hauptstadt. Rund 1.300 Züge halten dort jeden Tag – Tendenz steigend. (lb)

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