Berliner Wirtschaft | Foto: Pexels

Die Berliner Wirtschaft: Boomtown oder Pannenhauptstadt?

Sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Anzahl der Arbeitsplätze – Berlins Wirtschaft erlebt derzeit einen Boom wie seit Jahren nicht mehr.

Das sieht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung jedoch nicht so. Im Gegenteil: Für fast die Hälfte der befragten Einwohner gilt Berlin als unattraktiv. Dies geht aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey hervor.

Berliner: Unsere Wirtschaft boomt!

Für die vom Tagesspiegel beauftragte Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey wurden insgesamt 844 Berliner und 5020 Menschen bundesweit befragt. Rund 54 Prozent der Berliner halten ihre Stadt für einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Bei der Frage, welche Stadt das höchste Entwicklungspotenzial habe, waren sich die Berliner einig: ihre geliebte Stadt Berlin.

Auch die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop lobt die Hauptstadt: „Die Berliner Wirtschaft boomt und ist weiter auf Expansionskurs“. So ist Berlin nach langen Jahren des Strukturwandels endlich angekommen und sei ein heute ein dynamischer und innovativer Standort. Laut der Umfrage ist Berlin am attraktivsten als Standort für Unternehmen der Digitalwirtschaft. Die Berliner Wirtschaft wächst seit Jahren, vor allem ist dies in der Start-up Branche gut zu beobachten. Berlin wird als Start-up Hotspot im europäischen Vergleich immer attraktiver  und übertrifft mittlerweile die Gründerszenen in anderen Metropolen.

Für fast die Hälfte der Deutschen ist Berlin unattraktiv

Wenn es nach dem Rest der deutschen Bevölkerung geht, dann ist Berlin ein eher unattraktiver Wirtschaftsstandort. Während lediglich 7,1 Prozent der Deutschen die Hauptstadt als attraktiv einschätzen, sehen rund 40,9 Prozent Berlin als unattraktiv. „Berlin steuert gerade einmal vier Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei und hat sogar einen leicht dämpfenden Effekt von 0,2 Prozent auf das Pro-Kopf-Einkommen der gesamten Republik“, heißt es vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Unternehmensberatung McKinsey warnte in einer Standortstudie, dass Berlin eine geringe Exportorientierung habe. Demnach hat die Berliner Wirtschaft immer noch nicht die jahrzehntelange Teilung der Stadt überwunden und leide bis heute an strukturellen Schwächen.

Berlin hat Entwicklungspotenzial

In einem Punkt sind sich beide Partien einig: Die Zahl der Arbeitsplätze wird in der Hauptstadt in den kommenden fünf Jahren steigen. Dennoch herrscht Uneinigkeit darüber, wie stark das Wachstum ausfallen wird.

„Berliner erleben hautnah, dass es wirtschaftlich bergauf geht in der Stadt. Das Straßenbild verändert sich, die Mieten steigen und Unternehmen bauen neue Niederlassungen. Vieles davon wird jedoch im Rest von Deutschland nicht wahrgenommen. Hier stehen eher Negativ-Nachrichten von der Flughafenbaustelle BER oder die Schwierigkeiten in der Verwaltung im Vordergrund“, sagt Civey Geschäftsführer Gerrit Richter. Da bleiben die Meinungen der Berliner und der Deutschen wohl gespalten. (dn)

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