Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin | Foto: IHK Berlin/Oliver Lang

IHK-Präsidentin Dr. Beatrice Kramm: Die IHK als zahnloser Tiger

Berlin hatte in der Vergangenheit starke IHK-Präsidenten, die die Interessen der Wirtschaft gegenüber der Politik mit viel Fingerspitzengefühl und Selbstbewusstsein vertreten haben: Horst Kramp, Werner Gegenbauer, Dr. Eric Schweitzer. Mit Dr. Beatrice Kramm endet diese Positivgeschichte leider abrupt. Seit ihrem Amtsantritt 2016 hat sie nicht nur kein Profil gezeigt und damit die Bedeutung der IHK Berlin gemindert. Sie fällt auch durch Ungeschicklichkeit, Unsachlichkeit und Emotionalität auf, wo Vermittlung, Diplomatie und eigene Themensetzung erforderlich wären.

Führungsschwäche beim Neujahrsempfang

Beim traditionellen Neujahrsempfang der IHK Berlin wurde diese Führungsschwäche leider eklatant deutlich. Banal, kritiklos und ohne Konturen ihre Jahresauftaktrede, die über eine kurze Begrüßungsnote nicht hinauskam und dennoch für reichlich Verärgerung bei den Mitgliedern sorgte. Dabei bot ihr der Regierende Bürgermeister Michael Müller eine echte Steilvorlage mit seiner wenige Stunden vorher demonstrierten Rekommunalisierungskampagne, die in der Wirtschaft breit kritisiert wurde. Kein Wort über die Probleme, neuen Wohnraum zu schaffen. Mit ihrer banal-anbiedernden Begrüßung erzeugte die Präsidentin den Eindruck, dass Berlin keinerlei Probleme habe und alles in Butter sei in dieser wundervollen, voll funktionierenden Stadt. Allein diese Ignoranz gegenüber den echten und drängenden Problemen der Hauptstadt macht deutlich, dass der Präsidentin das Format fehlt, die Mechanismen der Millionenmetropole zu verstehen, geschweige denn ein Teil der Lösung zu sein.

Nun könnte man denken, die naive Kritiklosigkeit gegenüber der Landespolitik betreibt die Präsidentin aus Harmoniebedürftigkeit. Doch wie ein Elefant im Porzellanladen glaubt sie mit der IHK-Kampagne „Eine Stadt. Eine Verwaltung“ der Politik an den Karren fahren zu müssen. Damit sagt sie allerdings nichts Neues, im Gegenteil. Es ist eine überflüssige Kritik, weil die Probleme längst bekannt sind und die Landesregierung bereits intensiv an der Lösung dieses vielschichtigen Themas arbeitet. Da nochmal draufzuhauen anstatt Lösungsvorschläge anzubieten oder einen konstruktiven partnerschaftlichen Weg vorzuschlagen, ist wenig zielführend und disqualifiziert die IHK unter der Führung von Beatrice Kramm einmal mehr. Der Senat reagierte dann auch mit Unverständnis und  Irritation auf diesen missglückten Vorstoß.

Unsachgemäßes Agieren

Aber damit nicht genug: Ihre Kritikunfähigkeit, gepaart mit Unsachlichkeit und emotionalen Reaktionen demonstrierte Beatrice Kramm eindrucksvoll bei dem Versuch, die Fahrradaktivisten Frank Masurat und Heinrich Stößenreuther über ein Votum der Vollversammlung aus dem IHK-Gremium für Verkehr und Stadtentwicklung abzuberufen. Das höchste Gremium der IHK folgte dem Antrag der Präsidentin nicht und antwortete mit einem „Misstrauensvotum“, indem es lediglich eine  Missbilligung aussprach. Ein einmaliger Vorgang im Verhalten der Vollversammlung gegenüber einem Präsidenten. Absurd wird der Amoklauf gegen die Verkehrsexperten dadurch, dass diese in das Gremium berufen wurden, weil kontroverse Meinungen die verkehrspolitische Debatte in der Hauptstadt bereichern sollten und dadurch eine breitere Kompetenz ins Haus geholt werden sollte. Dass die Präsidentin in der Debatte inakzeptabel emotional und unsachgemäß agiert hat, zeigt einmal mehr ihre Überforderung in diesem für die Stadt so wichtigen Amt.

Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin verspielt mit dieser Präsidentin ihre Reputation und mindert ihre Bedeutung. Es ist die Frage, wie lange sich die Mitglieder das noch bieten lassen wollen. Ein zahnloser Tiger ist jedenfalls für die Hauptstadt gerade in dieser herausfordernden politischen Situation keine Lösung. (ak)

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