Axel Springer hy GmbH: „Wir können technologische Vorreiter werden“

In diesem Jahr baute die Axel Springer SE ihr Angebot digitaler Dienstleistungen weiter aus. Mit der Gründung der Axel Springer hy GmbH sollen interessierte Kunden künftig noch umfassender bei ihrer digitalen Transformation unterstützt werden. Die BERLINboxx hat mit CEO Lars Zimmermann über die disruptiven Herausforderungen unserer Hauptstadt gesprochen.

Wie die Axel Springer hy GmbH Deutschland digital transformiert

Dass Deutschland an der Speerspitze der Technologien stehen kann, daran glaubt Lars Zimmermann | Foto: Boaz Arad

Herr Zimmermann, gibt es Unternehmen, die für Sie vorbildhaft sind, z. B. aus dem Digitalisierungs-Mekka Silicon Valley?

Wir sollten eher weniger auf das Silicon Valley schauen, weil es ganz eigene Voraussetzungen für seine Entstehung hatte und von Grund auf neu aufgebaut wurde. Natürlich gibt es dort technologische „Big Player“, die sehr vieles richtig machen, aber wir müssen uns auch an gestandenen Unternehmen orientieren und nicht nur an Startups. Ein gestandenes Unternehmen, das sich verändern muss, hat natürlich ganz andere Herausforderungen als ein Start-up.

Warum hinkt Deutschland in Sachen Digitalisierung immer noch hinterher? Was haben uns andere Länder voraus?

Deutschland hinkt definitiv nicht hinterher. Dies wird zwar immer behauptet, aber wir sehen das ganz klar anders. Deutschland hat länger gebraucht als andere, aber die Analysephase ist nun abgeschlossen. Wir unterstützen globale Unternehmen und große Mittelständler bei der digitalen Transformation und wenn man sich Unternehmen wie Axel Springer oder Viessmann anschaut, so kann man sagen, dass sich viele etablierte Unternehmen auf den richtigen Weg gemacht haben – mit viel Klarheit, einer neuen Führungsstruktur und vor allem: sehr viel Entschlossenheit. Das Vorhaben ist riesig und gemessen an den Aufgaben sind wir zwar noch etwas langsam und nicht ambitioniert genug, aber auch nicht weniger digitalisiert als amerikanische, britische oder französische Unternehmen. Im Gegenteil: Wir arbeiten mit Unternehmen aus Japan oder Dänemark zusammen, die sich zunehmend deutsche Konzerne zum Vorbild nehmen.

Städtevergleich: Wo liegen Berlins Stärken und Schwächen im Vergleich zu anderen deutschen Städten?

Berlin hat eindeutig den Vorteil, dass es ein globaler Talentmagnet ist. Viele Gründer oder Programmierer kommen nach Berlin, um hier zu arbeiten. Allgemein mangelt es ja an Fachkräften, aber das kann man in Berlin nicht behaupten. Berlin ist auch verhältnismäßig gesehen eine immer noch sehr preiswerte Stadt, was die Wohn- und Lebenshaltungskosten betrifft. Aber auch die Nähe zur deutschen Industrie ist ein weiterer Vorteil. Vor allem Start-ups, die sich in der sogenannten „Industrie 4.0“ engagieren, brauchen natürlich Kooperationspartner aus der Industrie – damit kann Berlin als deutsche Hauptstadt in jedem Fall dienen. Einer der Nachteile ist, dass Deutschland insgesamt zu geringe Ambitionen hat, wirklich an der Speerspitze digitaler Technologien zu stehen und neue Geschäftsmodelle drum herum zu entwickeln. Ein weiterer Nachteil ist, dass Berlin als Stadt selbst das Thema Digitalisierung überhaupt nicht beachtet. Wenn Sie die Berliner Stadtverwaltung mit der in Kopenhagen oder Toronto vergleichen, so kann man sagen, dass die Stadtverwaltungen dort deutlich unterstützender sind, wenn es darum geht, die Stadt in einen Technologie-Hub zu verwandeln.

Welche Rolle spielt die Politik, wenn es um das Thema Digitalisierung geht? Was wünschen Sie sich von unseren Politikern im Jahr 2018?

Berlin wäre zum Beispiel stark damit geholfen, wenn wir eine echte Technologie-Uni von Weltruf hätten. Die haben wir nicht. Warum in Berlin keine Bundesuniversität von Weltruf aufbauen,
sodass die besten Studierenden aus aller Welt überlegen, ob sie nach Stanford, ans MIT oder eben Berlin gehen?! Ein weiteres Thema ist Fläche. Berlin hat natürlich ein sehr großes Problem bezüglich der Wohnraum- und Großflächennutzung, was sich im Jahr 2018 definitiv ändern muss. Und die Berliner Verwaltung hat es nötig, innovativer zu werden. (red)

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