Künstler in der Uferstraße 8

Ateliernot in Berlin: Künstler in den Uferhallen haben „Eigenbedarf“

Die Angst vor Eigenbedarf und Immobilienverkauf raubt derzeit nicht nur vielen Berliner Mietern den Schlaf. Auch die Künstler in den Weddinger Uferhallen sorgen sich und machen eine Ausstellung zum Thema. Die Investorengruppe Augustus Capital hat das ursprünglich denkmalgeschützte Areal 2017 aufgekauft. Seitdem ist die Zukunft des Kunst- und Kulturstandortes ungewiss. Die Hauptstadt pflegt zwar das Image einer Creative City, aber die Realität sieht anders aus. Raumnot, steigende Mieten, immer weniger bezahlbare Ateliers und Privatisierungen lassen kreative Orte in der Stadt verschwinden.

Um auf diese Problematik hinzuweisen, haben die in den Uferhallen arbeitenden Künstler und Künstlerinnen die Ausstellung „Eigenbedarf“ konzipiert. Was – Für – Wen? So lautet die Frage auf drei im Wind wehenden Fahnen von Peter Droboschke am Eingangstor. Antje Blumenstein predigt von einer weißen Styroporkanzel „die Schaffung einer schönen neuen Welt“ und Lena von Goedeke lässt überdimensionale Banknoten flattern.

90 Künstler auf 19.000 Quadratmetern

In der Ausstellung gibt es künstlerische Gedankenspiele zur Zukunft des Areals: Zum Beispiel ein Modell der „neuen Uferhallen“ von Peter Klare, das mit einem in die alten Bestände eingefügten, kreisrunden Einbau alle einbinden will. Unter den Künstlern sind auch bekannte Namen wie Monica Bonvicini, Maria Eichhorn und Katharina Grosse. Viele Beiträge der von Isabelle Meiffert kuratierten Ausstellung setzen sich mit dem Gebäudeensemble auseinander, stehen im räumlichen Kontext, zeigen Visionen oder reflektieren die aktuellen Prozesse.

Die Linien scheinen in der Uferstraße 8 gezogen: auf der einen Seite die Künstler, die Angst um ihre hier beheimateten Ateliers haben, auf der anderen die Käufer. Findet im Wedding die nächste große Gentrifizierung statt? Droht einem Kulturstandort erster Güte mit mehr Ateliers als überall sonst in der Stadt, der außerdem Konzerträume, Tanzprojekte, Theaterinszenierungen, Tonstudios und Probenräume beherbergt, der Ausverkauf? Oder könnte es zu einer gütlichen Einigung kommen?

Kunst oder Kommerz?

Aktuell sitzen Ephraim Gothe, der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Mitte, seine Denkmalpfleger, die neuen Besitzer und deren Architekten, das Büro Ortner + Ortner, am Tisch, um eine Lösung zu finden. Mit einem Trick verschafften sich die Künstler ebenfalls Zugang zu den Verhandlungen, indem sie bei der Bilanzpressekonferenz des Kultursenators im April einfach dazwischenfragten, warum sie als Nutzer nicht beteiligt werden, die Gespräche seit einem Dreivierteljahr ohne sie laufen. Jetzt dürfen sie dabeisitzen, wenn auch ohne Stimmrecht. Entschieden ist offiziell noch nichts. (dd)

Zu sehen sind die Arbeiten noch bis zum 1. September.

Ausstellung in den Uferhallen, Uferstraße 8, Berlin-Wedding

Öffnungszeiten: 16-20 Uhr, Montag geschlossen

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