Projektübersicht der Architektenkammer Berlin | Foto: © ARCHITEKTUR BERLIN

Architektenkammer Berlin: Highlights der Architektur Berlins

Berlin gehört zu den Metropolen, deren Entwicklung sich in starkem Maße auch in der Architektur der Stadt widerspiegelt. Das dokumentiert in beeindruckender Weise das Jahrbuch, das seit 1999 von der Architektenkammer Berlin herausgegeben wird. Seitdem werden in jedem Band über 60 Projekte von Berliner Architekten analysiert und jeweils deren Stärken und Schwächen herausgearbeitet.

In der Ausgabe 2018 werden unter anderem Entwürfe für Pop-up-Stores, Konzepte für Schulneubauten und Ideen für den kommunalen Wohnungsbau vorgestellt. Dabei wird insgesamt deutlich, wie die Architektur die Entwicklung urbaner Räume nicht einfach nur abbildet, sondern durch die Verwirklichung innovativer Ideen auch maßgeblich prägt. Die Herausgabe des Jahrbuches wird jedes Jahr durch die Ausstellung „da! Architektur in und aus Berlin“ im stilwerk begleitet. Über die Rolle der Architektur in der Stadtentwicklung und das Jahrbuch ARCHITEKTUR BERLIN sprachen wir mit Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin.

Frau Edmaier, es heißt: Wie die Stadt, so ihre Baukultur. Wäre das eine Erklärung, weshalb die Berliner Architektur weltweit immer wieder große Aufmerksamkeit erregt?

Das stimmt in dem Sinn, dass die Baukultur in Berlin so schwer zu beschreiben ist wie die Stadt selbst. Katrin Lompscher, unsere Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, sagt, dass in Berlin gute Architektur trotz der offensichtlichen Mangel in der Baupolitik und Verwaltung entsteht. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass Baukultur in Berlin genauso wie Kunst, Konzert und Theater überhaupt als prägender Bestandteil der Metropole wahrgenommen wird.

Meist wird in den Medien eher über Mietpreise, Nachverdichtung und Grundstücksspekulation berichtet. Das sind alles wichtige Themen, aber die Gebäude stehen langer als diese Phasen der an- und abflauenden Konjunktur dauern. Wenn überhaupt, dann ist das Besondere in Berlin das Fragmentarische, Übereinander-Geplante, das aus den verschiedenen Systemen und Zeitaltern übrig geblieben ist. Das kann wie ein Buch gelesen werden.

Buch ist das Stichwort. Welche Highlights bietet die aktuelle Ausgabe, Band 7, des von der Architektenkammer Berlin herausgegebenen Jahrbuchs ARCHITEKTUR BERLIN?

Die vorgestellten Projekte wurden alle in Berlin geplant, jedoch von Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Regionen. Gerade die Gegensätzlichkeit der Projekte, der Aufgabenstellungen und der Herangehensweise ist typisch für Berlin – hier will sich schließlich jeder vom anderen abheben. Es gibt einerseits eine solide, preußisch rationalistische Architektur, wie beim BND.

Andererseits aber auch viel Experimentelles, Temporares wie das BRLO am Gleisdreieckpark und vor allem vieles, was sich auf hohem Niveau mit Bestehendem auseinandersetzt, seien es Schwimmbäder, Gewächshäuser oder eine Scheune in Brandenburg. Auch beim so wichtigen Thema Wohnen zeigt sich eine große Vielfalt: Die notwendige urbane Verdichtung begegnet uns in vielen Projekten, wie Lückenschließungen im Blockrand oder in Höfen, aber auch Dachaufbauten.

 

Jahrbuch ARCHITEKTUR BERLIN Band 7 | Foto: © ARCHITEKTUR BERLIN

Jahrbuch ARCHITEKTUR BERLIN Band 7 | Foto: © ARCHITEKTUR BERLIN

 

Jeder Band enthält zusätzlich Beiträge über Hintergründe, Trends und Entwicklungen im Baugeschehen – nicht nur in Berlin. Um welche Themen geht es diesmal?

Ein Thema ist diese Pop-up-Szene mit ihren temporaren Bauten, den gestapelten Containern oder Minimalhäuser, die so gut zum Berliner Lebensgefühl des Provisorischen passen. Wichtig wird derzeit neben dem Wohnungsbau zunehmend der Schulbau in Berlin – es sollen ja nicht nur viele Schulen sondern auch für neue pädagogische Konzepte gebaut werden. Mich beeindrucken besonders die Essays über Infrastruktur, Verkehr und Öffentlichen Raum, denn sie machen uns bewusst, dass die Stadt nicht nur aus Häusern besteht. Gerade hier ist in Berlin noch viel zu tun, wenn wir auch in Zukunft gut miteinander in dieser Stadt leben wollen.

 

Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin, präsentiert auf der Ausstellungseröffnung "da! Architektur in und aus Berlin" das Jahrbuch Band 7 | Foto: Boris Trenkel

Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin, präsentiert auf der Ausstellungseröffnung „da! Architektur in und aus Berlin“ das Jahrbuch Band 7 | Foto: Boris Trenkel

 

Eine schwedische Schulweisheit lautet: „Ein Kind hat drei Lehrer: Der erste Lehrer sind die anderen Kinder, der zweite Lehrer ist der Lehrer, und der dritte Lehrer ist der Raum.“ Wie verändert sich die Schularchitektur?

Hier ist das preußische Schul- und Pädagogik- Modell nun endgültig am Ende. Denn es geht um den Abschied von der „Flurschule“ hin zu Lernhäusern, bei denen unterschiedliche Räume zum Lernen um ein Forum gruppiert sind, mit jeweils zugeordneten Bereichen für die Pädagogen. Ein Mehrzweckbereich für Mensa und Aula sowie gut nutzbare Freiraume ergänzen das Angebot, um neben der Ganztagesschule auch die Inklusion konsequent umsetzen zu können. Das führt zu ganz neuen Schultypen und ist besonders bei der Weiterentwicklung des Bestands eine Herausforderung. Für Berliner Architektinnen und Architekten ist es eine großartige Aufgabe und wir sind gespannt auf die ersten Wettbewerbe, die mit den neuen Raumprogrammen ausgeschrieben werden. (cr)

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