Appell an den Bund: Berlin hat bislang nur sechs Langstreckenverbindungen | Foto: pixabay.com

Appell an den Bund: Mehr Langstreckenflüge für Berlin

Berlin als Fenster zur Welt. Das wäre ein erstrebenswertes Bild für die Zukunft der Hauptstadt, wäre da nicht die fehlende Anbindung in Form von Langstreckenflügen. Gemeinsam richteten am gestrigen Mittwoch die Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam, der Deutsche Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg (DGB), die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) und visitBerlin einen Appell an die Bundesregierung.

Dazu kamen Dr. Beatrice Kramm (Präsidentin IHK Berlin), Peter Heydenbluth (Präsident der IHK Potsdam), Christian Hoßbach (Vorsitzender DGB Berlin Brandenburg), Christian Andresen (Vizepräsident der UVB Berlin-Brandenburg) und Burkhard Kieker (Geschäftsführer von visitBerlin) im Wynand Hotel, unweit vom Berliner IHK-Präsidium, zusammen. Gemeinsam stellten sie ihre Initiative vor und formulierten klare Forderungen an die Bundesregierung. Grund für die Initiative ist die geringe Anzahl an Langstreckenverbindungen, verursacht durch fehlende Verkehrsrechte für interessierte Fluglinienanbieter.

Berlin: „Sexy, aber disconnected“

Vor Jahren prägte der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, die Hauptstadt mit den Worten: „Arm, aber sexy“. Eigentlich müsse es mittlerweile „sexy, aber disconnected“ heißen, spöttelte die Präsidentin der IHK Berlin. Mit dem Appell an die Bundespolitik fordert die Initiative ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Berlin. Die Zahlen sprechen für sich: Berlin liegt im Vergleich der europäischen Hauptstädte mit seinen aktuell sechs direkten Langstreckenverbindungen gleichauf mit internationalen Flughäfen wie Kiew und weit hinter den Metropolen wie London mit 155 oder Paris mit 137 Langstreckenverbindungen.

 

Appell an den Bund: Berlins Anzahl der Langstreckenverbindungen im Ländervergleich | Foto: IHK Berlin

Appell an den Bund: Berlins Anzahl der Langstreckenverbindungen im Ländervergleich | Foto: IHK Berlin

 

Leider ist die Etablierung neuer Langstreckenverbindungen vielmehr eine politische als unternehmerische Entscheidung. Das heißt: Luftverkehrsbeziehungen zwischen den Staaten werden überwiegend durch bilaterale Abkommen geregelt. Sie legen unter anderem fest, welche Flughäfen angeflogen werden und wie oft. Noch liegt Berlin deutschlandweit im Ranking der Langstreckenverbindungen auf Platz drei. Frankfurt am Main bietet aktuell 109 Langstreckenverbindungen an. Kieker spitzt die Lage noch weiter zu: „Berlin spielt im Tourismus und bei den Kongressen und Messen in der gleichen Liga wie London, Paris oder New York, im interkontinentalen Luftverkehr jedoch auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.“ Die Hauptstadt, auch wenn sie international als drittgrößte Wirtschaftsnation anerkannt ist, hat dringenden Nachholbedarf.

Appell: Wirtschaftswachstum weiter ankurbeln

Nicht allein Berlin hat in den letzten Jahren positive Bilanzen (30 Prozent Wachstum seit 2005) vorzuweisen, auch die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist eine der wachstumsstärksten Regionen Deutschlands. Prognosen zufolge wird sie mit der Eröffnung des BERs noch maßgeblich an Bedeutung gewinnen. Denn Langstreckenflüge stärken die wirtschaftliche Basis einer Wirtschaftsregion. Sie sind schließlich eine der Voraussetzungen für die Ansiedlung international ausgerichteter Unternehmen mit hoher Wertschöpfung. „Jede Langstreckenverbindung bringt eine hohe Zahl neuer Arbeitsplätze am Flughafen, mit anspruchsvollen Aufgaben für anspruchsvolle Kunden“, erklärt Hoßbach den anwesenden Gästen. Arbeitsplätze, die dringend gebraucht werden.

Von der Bundespolitik fordern die Bündnispartner deshalb die Öffnung des Marktes für weitere Airlines am BER. Außerdem müssen Berlin, Brandenburg und der Bund vereint die Hauptstadtregion als unternehmerisch interessante Destination profilieren, so eine weitere Forderung. Mit der Initiative, die auch vom Land Berlin tatkräftig unterstützt wird, erhoffen sich die Wirtschaftsvertreter vor allem eines: Das zukünftige Wachstum der Hauptstadt zu sichern. Das geht allerdings nur mit der Unterstützung des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU). Dieser hat bislang zum Thema Verkehrsrechte für den Berliner Flugverkehr noch keine Stellung genommen.

Wertschöpfung steigern

Potenzielle Interessenten gibt es zur Genüge, vor allem aus Asien. „Fluggesellschaften wie Hainan Airlines aus China bekräftigen immer wieder ihre Bereitschaft, die Hauptstadt öfter anfliegen zu wollen, es fehlt hierzu jedoch an zusätzlichen Vertragsregelungen. Die Wirtschaft ist bereit für mehr Langstreckenverbindungen, jetzt ist die Politik am Zug“, fasste Kramm die derzeitige Sachlage zusammen. Kieker, der erst vor Kurzem an einer Asienkonferenz teilnahm, erklärte, es sei schwierig einem internationalen Businessklientel die Gründe für Berlins schlechte Langstreckenverbindungen verständlich zu machen. Schließlich sei es auch ein historischer Aspekt, verursacht durch die lange Teilung Deutschlands, der eine tragende Rolle spiele.

„Spätestens mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER im Oktober 2020 könnte sich dies positiv ändern. Voraussetzung sind jedoch erweiterte Verkehrsabkommen insbesondere mit der VR China und der Golfregion“, so der Geschäftsführer von visitBerlin.

BER ein virtueller Elefant

Selbst zur Thematik BER, beziehungsweise einer tatsächlichen Inbetriebnahme 2020, scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein. Alle anwesenden Wirtschaftsvertreter äußerten sich wohlwollend und zuversichtlich über den virtuellen Elefanten, wie Kramm den BER in Anlehnung an den weißen Elefanten nannte.

Für den BER sind zurzeit 17 zusätzliche Langstreckenverbindungen im Gespräch, teilten die anwesenden Wirtschaftsvertreter mit. Eine Chance, die enormes Wachstumspotenzial für die Hauptstadtregion innehat. Allerdings besitzt nur knapp die Hälfte der Airlines die benötigten Verkehrsrechte. Nun ist die Bundespolitik am Zug auf diesen notwendigen Appell der Wirtschaft zu reagieren. (lj)

 

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.