ZOB am Messedamm als „kleines BER“ ?|Foto:Wikimedia

ZOB am Messedamm als „kleiner BER“ ?

Berlin ist allzeit im Werden und es scheint als würde uns die ewige Großbaustelle noch länger erhalten bleiben. Neben den zahlreichen Straßenerneuerungen gilt vor allem der Berliner Flughafen als Paradebeispiel für eine stagnierende und kostenspielige Baustelle. Jeder Monat in denen der BER nicht in Betrieb geht, kostet ganze 25 Millionen Euro.

In etwas abgespeckter Variante entstand im Jahr 2008 der „kleine BER“. Gemeint ist der zentrale Omnibusbahnhof am Messedamm. Die ursprünglich geplanten 5 Millionen Euro für die Sanierung liegen inzwischen bei über 30 Millionen Euro. Dazu hat sich auch hier die Fertigstellung vom Jahr 2019 auf das Jahr 2021 verschoben. Ob der Bahnhof dann auch tatsächlich eröffnet werden kann und wie viele Kosten bis dahin noch entstehen, ist fraglich.

Größer, schöner, teurer! Warten am ZOB wird erstklassig

Der im Jahr 1966 gebaute ZOB am Messedamm ist schon seit längerer Zeit sanierungsbedürftig. Im Jahr 2008 entstanden erste Ideen für eine Erneuerung. Ursprünglich stand vor allem die Liberalisierung des Fernverkehrs im Fokus. Der Komfort für die Fahrgäste war dabei semi-relevant. Wartehallen, Leitstellen und das Toilettenhaus sollten von den rund 5 Millionen Euro lediglich instandgesetzt und erweitert werden. Getreu dem Motto „Was interessiert mich mein Gerede von gestern?“ wurden 2016 alle Pläne über Bord geworfen. Der neue Entwurf sieht wie folgt aus: Zwei Gebäude sollen aus „bautechnischen“ Gründen komplett abgerissen und neu errichtet werden. Die Planungsunterlagen für die Erneuerung des Vordachs aus den 1960er Jahren sind bereits in Arbeit und auch der geplante Terminal in der Wartehalle hat zurzeit schon 76 von insgesamt 280 Plätzen. Des Weiteren soll am ZOB eine Gastronomie entstehen und die Wartehalle durch eine Glasfassade an Eleganz gewinnen.

Zahlen bitte! Die Kosten für den Bau haben sich mehr als verdoppelt

Am 28.02.2018 befasste sich der Hauptausschuss mit den Plänen, denn die Abgeordneten mussten die zusätzlichen Steuergelder bewilligen. Um diese Zustimmung zu erlangen, dürfte es hilfreich gewesen sein, dass bereits zehn Millionen Euro aus GRW-Mitteln stammt, die zur Hälfte der Bund bezahlt.

Obwohl die Zahl der abgefertigten Busse von 215.000 auf 166.000 sank, erfreute sich der ZOB an großer Beliebtheit. Den Beweis dafür liefert die Geschäftsführerin der Internationalen Omnibus-Betreibergesellschaft (IOB), Nadine Gottschalk. 166.000 An-und Abfahrten wurden 2017 gezählt. Täglich frequentieren 17.000 Fahrgäste den Bahnhof am Messedamm: „6,2 Millionen sind es im Jahr, das entspricht einem Drittel der Passagiere des Flughafens Tegel“, argumentierte Gottschalk. Deshalb soll nach der Fertigstellung über 400.000 An- und Abfahrten am ZOB Messedamm möglich sein.

Für Gottschalk sei es von großer Bedeutung den Fernbusverkehr zukunftsorientiert zu gestalten: „Es ist ein billiges Transportmittel. 50 Prozent der Fahrgäste haben ein Einkommen von unter 1000 Euro. Auch sie haben Ansprüche, wollen in den Urlaub fahren oder Freunde besuchen. 50 Prozent der Passagiere verweilen eine halbe Stunde, 25 Prozent sogar eine Stunde lang bei uns“, so Gottschalk.

Komfort der Fährgäste steht im Fokus

Anders als ursprünglich geplant, ist der aktuelle Kerngedanke, dass sich die Fahrgäste nicht mehr fühlen als würden sie drittklassig fahren. Neben den oben genannten Erneuerungen, soll der ZOB gendergerecht und barrierefrei werden. Ein Blindensystem soll den sehbehinderten Menschen den Weg zum jeweiligen Gleis erleichtern. Diese Schritte sind durchaus als positiv zu werten. Auch die hochtechnologische Sammelstelle für die Fäkalienentsorgung spricht für den Hygienestandard am Busbahnhof Messedamm. Alles soll freundlicher und heller werden.

Der überdurchschnittliche Hygienestandard und die Rücksichtnahme gegenüber physisch eingeschränkten Fahrgästen sprechen durchaus für das Bauvorhaben. Ob es allerdings wirklich notwendig ist so viel Geld in die Sanierung zu stecken, um den Neubau als Berlins Visitenkarte zu verkaufen, ist fraglich. (ls)

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