Henning Banthien, Ausschussvorsitzender für Bildung und Wissenschaft im VBKI und Sprecher der Geschäftsführung der IFOK GmbH | Foto: IFOK GmbH

Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI): Attraktive Ausbildung als Gebot der Stunde

Viele Berliner Unternehmen klagen über ein schlechtes Niveau der Schulabgänger. Es fehle oft an fachlichen Voraussetzungen, vor allem aber an Motivation und Begeisterungsfähigkeit. Wie die Unternehmen damit umgehen und was sie selber dagegen tun können – darüber sprachen wir mit Henning Banthien, Ausschussvorsitzender für Bildung und Wissenschaft im VBKI und Sprecher der Geschäftsführung der IFOK GmbH.

Herr Banthien, überall wird der Arbeitskräftemangel beklagt. Wie ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt?

Es wird anspruchsvoller. Guten Nachwuchs in ausreichender Zahl zu gewinnen, wird immer schwieriger. Das liegt aber nicht nur an der demografischen Entwicklung. Es gibt noch andere Gründe – zum Beispiel die immer häufiger fehlenden Kompetenzen der Schulabgänger. Das ist ein Hauptproblem und führt einerseits in die Schulen, aus denen unsere Bewerber kommen.

Den Schulen nun aber die Hauptschuld an der Misere zu geben, wäre falsch. Mitverantwortlich ist andererseits auch die Politik, die oft nicht die Bedingungen schafft, die Schulen für gute Arbeit brauchen. Auf der anderen Seite haben sich aber auch die Jugendlichen verändert. Es wird zunehmend schwer, sie überhaupt zu erreichen. Immer weniger junge Leute haben Lust auf eine Lehre, die wiederum leider in der allgemeinen Wahrnehmung an Attraktivität eingebüßt hat. Wir, also auch die Unternehmen, sind alle gefragt, hier die Werbetrommel zu rühren.

Was läuft da falsch?

Wir kennen unsere Jugendlichen nicht mehr richtig. Das ist das Problem. Um die jungen Menschen zu erreichen, müssen wir aber wissen, wofür sie sich interessieren und was sie antreibt. Wir müssen mehr darauf schauen, wie die Jugendlichen auf Veränderungen und Neuerungen reagieren. Interessieren sie sich direkt für Technik oder eher für gesellschaftliche Herausforderungen wie die Energiewende und über dieses gesellschaftliche Interesse führen wir sie zur Technik.

Zweitens spielt auch der digitale Wandel eine gewichtige Rolle. Wie wird sich dadurch die Art der Ausbildung ändern und wie können wir unter diesen Bedingungen junge Leute für uns zugewinnen? Die Digitalisierung wird zahlreiche Fragen ganz neu stellen und für die brauchen wir neue Antworten – auch in der Bildung. Diese darf aber nicht nur technische Aspekte zum Inhalt haben oder sich darauf reduzieren, wie gut die (digital) technische Ausstattung in den Lehrgebäuden ist. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, sind neue didaktische Wege, die im digitalen Zeitalter die Interessen und Einstellungen der Jugendlichen treffen. Nur wenn wir das alles verstehen, besteht die Chance, die Ausbildung wieder zu etwas Reizvollem im Leben eines Menschen werden zu lassen. Das fällt jedoch nicht einfach vom Himmel, sondern bedeutet eine neue Herausforderung für ausbildende Unternehmen.

Der VBKI plädiert seit Jahren für enge Kontakte zwischen Betrieb und Schule. Warum?

Die Antwort liegt auf der Hand. Nur wer sich kennt, kann auch aufeinander eingehen. Schule und Unternehmen sind keine einander fremde Welten. Wer genauer hinschaut, wird sogar viele Beziehungen zwischen beiden Seiten entdecken. Die wichtigste ist der Mensch, den beide Seiten mit spezifischen Mitteln und Methoden fit für das Leben machen.

Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schulen kann der VBKI aufgrund eigener Erfahrungen den Unternehmen empfehlen?

Alles, was zum besseren Verständnis zwischen Schule und Unternehmen beitragt, eignet sich zur Zusammenarbeit. Oft gibt es in einer Region, und auch hier in Berlin, bereits zahlreiche Angebote im Bereich Schule-Wirtschaft-Kooperation. Der VBKI hat sich hier immer wieder bemüht größere Transparenz in die Angebote zu bringen und Schulen und Unternehmen zusammenzuführen.

Welche Formen der Zusammenarbeit haben sich in diesem Sinne bewährt?

Besonders bewährt hat sich das im VBKI entwickelte Lesepatenprojekt. 2005 gegründet, sind heute rund 2.200 ehrenamtliche Lese- und Lernpaten an Berliner Schulen unterwegs. Mission: Kindern zum Lesen zu motivieren und damit eine Lebenskompetenz stärken. Ein anderes Projekt betrifft die Qualifikation von Schulleitern.

Vor ein paar Jahren hat sich der VBKI mit der Senatsverwaltung zusammengesetzt und nach neuen Ansätzen für die Auswahl von Führungspersonal in Schulen gesucht. Heraus kam ein Programm, das erfolgreiches Personalmanagement aus der Wirtschaft mit dem Erfahrungswissen der Verwaltung verbindet. Das Projekt ist erfolgreich und wurde vom LISUM, Landesinstitut für Schule und Medien, in sein Programm aufgenommen. (lj)

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