Verbindung Berlin München – Der Konkurrenzkampf um Reisende beginnt

Ab heute können Reisende Bahntickets für die neue Schnellverbindung zwischen Berlin und München buchen. Die Strecke wird dann mit dem Fahrplanwechsel zum 10. Dezember planmäßig in 3:55 Stunden mit dem ICE Sprinter zurückgelegt, statt wie bisher in ca. 6:00 Stunden. Die regulären ICEs, die mehr Zwischenhalte einlegen, benötigen 4,5 Stunden.

Größter Fahrplanausbau in der Geschichte macht die Bahn wettbewerbsfähig zum Flugzeug

Damit verbunden sind der größte Fahrplanum- und -ausbau in der Geschichte der Deutschen Bahn und der Beginn eines beispiellosen Konkurrenzkampfes mit dem Luftverkehr. Der Zeitvorteil der Flugreise ist nun quasi nicht mehr vorhanden. Ganz davon abgesehen, ist das Reisen mit der Bahn ohne Check-in, Gepäckkontrolle und Gewichtsbeschränkung für die meisten Reisenden wesentlich bequemer. Die Bahn bietet zudem den Vorteil, dass der Fahrgast mitten in der Stadt einsteigen und auch mitten in der Stadt wieder aussteigen kann. Dies ist auch ein enormer Vorteil gegenüber der Reise mit dem Auto.

Preiserhöhungen sind auch bei der Bahn unvermeidbar

Die neue Verbindung wird zunächst mit einer zaghaften Preiserhöhung von 0,9 Prozent angeboten. Im Normalpreis kostet eine einfache Fahrt dann 139,00 Euro. In der Vergangenheit lag die Bahn mit ihren Fahrpreisaufschlägen meist über der Inflationsrate und erntete damit Kritik. Jedoch scheint eine Verbesserung des Angebots nur mit steigenden Kosten finanzierbar.

Eine ähnliche Einsicht gab es in der letzten Woche auch bei der Lufthansa, nach Übernahme von großen Teilen der insolventen Air Berlin. Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa AG, kündigte Preiserhöhungen auf bestimmten Strecken als unvermeidbar an.

Im Wettbewerb um den Kunden ist jedoch ungeachtet der Preiserhöhungen wohl auch weiterhin mit Sonderangeboten bei der Bahn und Flugunternehmen zu rechnen.

17 Millionen Fahrgäste profitieren – Zehn Jahre später als geplant

Insgesamt wird es 35 ICE-Züge auf der neuen Strecke pro Tag geben. Auch die Länge der Züge wird erhöht, sodass sich die Anzahl der angebotenen Sitzplätze an einem normalen Werktag auf bis zu 10.000 erhöht. Wie die Deutsche Bahn auf ihrer Website schreibt, werden insgesamt 17 Millionen Menschen entlang der Schnellfahrstrecke von kürzeren Reisezeiten und neuen Direktverbindungen profitieren.

Möglich wurde die neue Schnellverbindung durch das 1991 beschlossene „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8“. Eigentlich hätte der letzte Abschnitt bereits vor 10 Jahren fertiggestellt werden sollen. Verspätungen ergaben sich auch, weil Siemens die neuen Züge des Typs ICE 4, die immerhin mit Tempo 300 auf der 107 Kilometer langen Neubaustrecke durch 22 Tunnel und über 29 Brücken fahren, nicht rechtzeitig liefern konnte. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf rund 10 Milliarden Euro. (uc)

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